Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Aktuelle Themen aus Politik, Gesellschaft, Weltgeschehen.

Moderator: Hubertus

Caviteño
Beiträge: 9188
Registriert: Sonntag 14. März 2010, 02:31
Wohnort: Diözesen Imus und Essen

Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Montag 31. August 2015, 15:26

Die Berichterstattung in D. ist im Augenblick voll auf das "Flüchtlings"Problem fokussiert, da kommen aus Brüssel und Paris Nachrichten, die D. ebenso schwer treffen könnten:

Frankreich will Währungsunion mit Finanzausgleich
Frankreichs Wirtschaftsminister Emmanuel Macron wirbt für eine grundlegenden Erneuerung der EU und der Eurozone. „Wir wollen eine Neugründung Europas“, sagte Macron der „Süddeutschen Zeitung“. Die Euro-Krise und die Verhandlungen um ein weiteres Rettungspaket für Griechenland hätten bewiesen, dass die Währungsunion nicht weitermachen könne wie bisher. „Der Status Quo führt in die Selbstzerstörung“, sagte Macron, „die Fliehkräfte sind zu groß, politisch wie ökonomisch“.
(...)
Macron warnte jedoch: „Falls die Mitgliedstaaten wie bisher zu keiner Form von Finanztransfer in der Währungsunion bereit sind, können wir den Euro und die Eurozone vergessen.“
Da hat er recht - aber seine "Rezepte" dürften kaum auf deutsche Begeisterung stoßen:
Macron will nun einen neuen „Euro-Kommissar“ in Brüssel installieren, der die Wirtschafts-, Finanz- und Sozialpolitik der 19 Euro-Länder koordinieren soll.
„Die Euro-Regierung würde geführt von einem Kommissar mit weitreichenden Befugnissen“, sagte Macron. Der neue Posten „wäre nicht nur ein Euro-Finanzminister, sondern jemand, der auch Investitionsmittel vergibt oder in der Arbeitsmarktpolitik mitredet“. Der neue EU-Kommissar müsste aus Macrons Sicht deutlich mehr Finanzmittel erhalten als sie bisher im EU-Haushalt zur Verfügung stehen: „Je höher das Budget, desto glaubwürdiger wäre Europa.“ Mehr Geld sei nötig, um die Mitgliedsstaaten vor Finanzschocks zu schützen und in armen Euro-Ländern vermehrt Investitionen zu fördern.
(...)
Der französische Wirtschaftsminister fügte hinzu: „Eine Währungsunion ohne Finanzausgleich - das gibt es nicht! Die Starken müssen helfen.“
Ob Frau Merkel hier starken Widerstand leisten würde, kann man bezweifeln. Sie ist schließlich in einer Planwirtschaft aufgewachsen und könnte - nach dem Griechen-Desaster - durchaus Sympathie für den Vorschlag einer "koordinierten Wirtschafts-, Finanz- und Sozialpolitik" haben. Ließen sich doch auch so Vorhaben durchsetzen, die in D. nicht mehrheitsfähig wären (Beispiel aus der Vergangenheit: Glühbirnenverbot). Jetzt könnte es z.B. um die hohe Zahl der Urlaubstage gehen.
Im Endeffekt soll dann in Nordeuropa mehr gearbeitet werden und das Geld versickert im Süden.

Dieses war der erste Streich - der zweite kommt, wie nicht anders zu erwarten, aus Brüssel.
Ich hatte hinsichtlich der Bankenunion hier schon mehrfach prophezeit, das es zu einer gemeinsamen Einlagensicherung über kurz oder lang kommen wird. Trotz des - angeblichen - Widerstandes der Bundesregierung scheint Brüssel jetzt wieder mehr Druck zu machen:
Dass Brüssel nun auch noch den Einlagenschutz deutscher Sparer schwächen will, beunruhigt nicht nur Banken und Sparkassen. Deren Gläubiger sind auch die Kunden mit ihren Einlagen. Darauf wollen die Präsidenten der wichtigsten EU-Institutionen – Jean-Claude Juncker (Kommission), Donald Tusk (Rat), Martin Schulz (Parlament), Jeroen Dijsselbloem (Eurogruppe) und Mario Draghi (EZB) – zugreifen. Sie schielen nach den Töpfen der deutschen Einlagensicherung, mit denen die Guthaben deutscher Sparer geschützt werden.
Um die Währungsunion zu vertiefen und vollenden, sollen diese Mittel nach Vorstellung der Präsidenten auch für Banken aus anderen Ländern bereitstehen.
(...)
Die deutschen Sicherungstöpfe sind im Euroraum die größten, weil auf den Konten von privaten Haushalten und Unternehmen 3,4 Billionen Euro liegen. Deren Schutz fällt nicht immer leicht. So mussten in den vergangenen Monaten Sparkassen und Landesbanken lange verhandeln, bis die nötigen 4,9 Milliarden Euro als Puffer für den gesetzlich garantierten Einlagenschutz von 1. Euro je Kunde und Institut zusammen kamen.
(...)
Doch der Schutz durch die deutschen Sicherungssysteme wird geschwächt, wenn die Einlagensicherung in Europa vergemeinschaftet wird. Denn die Haftung für spanische Sparkassen oder italienische Regionalbanken verringert die Möglichkeiten deutscher Institute, auch Einlagen über der gesetzlichen Garantie hinaus abzuschirmen.
Die Milliarden, die deutsche Banken für ihre Kunden zurückgelegt haben, dürfen nicht dazu dienen, marode Bankensysteme in Südeuropa zu retten oder gar die Einlagen griechischer Reeder zu schützen. Anders als in Zypern werden in Griechenland keine Einlagen über der gesetzlichen Garantiegrenze von 1. Euro herangezogen.
(...)
Brüssel will künftig den deutschen Sparer anstelle des Steuerzahlers schröpfen. Doch der Grundfehler bleibt: Haftung und Kontrolle fallen weiterhin auseinander. Banken, die einem deutschen Sicherungssystem angehören, müssen sich von ihren Verbänden auf Herz und Nieren prüfen lassen. Dann zahlen sie Beiträge entsprechend ihrer Risikolage.
Das wäre bei einer grenzüberschreitenden Haftung nicht mehr möglich. Vielmehr würden die deutschen Einlagen für die Fehler herangezogen, die andere Länder machen wie etwa eine zu hohe Staatsverschuldung.
Besonders brisant ist die Schlußfolgerung in dem Artikel; denn Draghi ist für die Bankenaufsicht zuständig:
Wenn er den Zugriff auf deutsche Sicherungstöpfe unterstützt, weckt das den Verdacht, dass in den Bilanzen südeuropäischer Banken noch Minen liegen. Die Vorschläge aus Brüssel werden die Währungs- und Bankenunion nicht vertiefen. Vielmehr zielen sie auf eine Transferunion, die weder Steuerzahler noch Sparer wollen.
http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/b ... 76479.html

Auch hier gilt wieder: Es ist zweifelhaft, ob die Bundesregierung standhaft bleibt und ich würde mich nicht wundern, wenn man die Sicherung der deutschen Spareinlagen gegen ein wertloses Stück Vertragspapier eintauscht. Der Fiskalpakt, an den sich kaum ein Land hält, ist dafür ein gutes Beispiel.

So allmählich bekomme ich Zweifel, daß unsere angeblichen "Partner" eine auch nur entfernt ähnliche Vorstellung von "Europa" haben wie der größte Teil der hiesigen Bevölkerung. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, daß die südeuropäischen "Partner" den Euro vor allem als Möglichkeit sehen, ungeniert auf den deutschen Haushalt und durch die Bankenunion auch auf andere deutsche Vermögenswerte zuzugreifen.

Merkwürdig, das es Industrieländern, die nicht in der EU sind, hervorragend geht und die nordeuropäischen Länder, die nicht zum Euroverbund gehören, haben auch bessere Wachstumszahlen.
Sollten bei ihnen die Einlagensicherungssysteme nicht "vergemeinschaftet" werden, bietet sich ein Transfer an. Das ist wahrscheinlich die einzig wirksame Drohung, die die Bundesregierung überzeugen kann.

Ach so - wie stehen denn wohl die Euro-Befürworter dazu?

Benutzeravatar
Edi
Beiträge: 9121
Registriert: Montag 12. Januar 2004, 18:16

Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Edi » Mittwoch 2. September 2015, 19:04

Caviteño hat geschrieben: So allmählich bekomme ich Zweifel, daß unsere angeblichen "Partner" eine auch nur entfernt ähnliche Vorstellung von "Europa" haben wie der größte Teil der hiesigen Bevölkerung. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, daß die südeuropäischen "Partner" den Euro vor allem als Möglichkeit sehen, ungeniert auf den deutschen Haushalt und durch die Bankenunion auch auf andere deutsche Vermögenswerte zuzugreifen.
Das ist doch beim Thema Flüchtlinge kaum anders. Man hat das Dublin Übereinkommen, aber überlässt Deutschland einen Großteil der Flüchtlinge. Andererseits aber kassiert man die EU-Milliarden für die Landwirtschaft und anderes mehr schön ab. Polen z.B. hat rund 40 Millionen Einwohner, aber übernimmt nur 2000 Flüchtlinge.
Auf so eine EU, wo nicht wenige Länder nur ihre eigenen Vorteile suchen, kann man verzichten.
Vor Jahren haben die Italiener bei den Mengenangaben ihrer Tomatenernte indirekt beschissen, da sie EU-Zuschüsse für verabeitete Tomaten also z.B. Tomatenmark oder ähnliches bekamen, das musste aber aus eigenen Tomaten hergestellt sein. Dann aber kam heraus, daß die Mengen an "Tomatenmark" weit höher waren, als das aus eigener italienischer Produktion möglich war. Wie die Sache ausging, habe ich nicht verfolgt. Das oder ähnliches wird mit Sicherheit kein Einzelfall gewesen sein. Welche Sanktionen verhängt den die EU, wenn Derartiges vorkommt. Sicher keine oder wenige. Der Verein EU in Brüssel samt Anhang und allem Drumherum ist doch selber alles anderes als korrekt.
Es lebt der Mensch im alten Wahn.
Wenn tausend Gründe auch dagegen sprechen,
der Irrtum findet immer freie Bahn,
die Wahrheit aber muss die Bahn sich brechen.

Die meisten Leute werden immer schmutziger je älter sie werden, weil sie sich nie waschen.

Benutzeravatar
Edi
Beiträge: 9121
Registriert: Montag 12. Januar 2004, 18:16

Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Edi » Mittwoch 2. September 2015, 19:37

Fortsetzung, da man hier kaum mehr mal einen längereren Text in einem Beitrag schreiben kann. Das gehört längst geändert übrigens;

Auf so eine EU, wo nicht wenige Länder nur ihre eigenen Vorteile suchen, kann man verzichten.
Vor Jahren haben die Italiener bei den Mengenangaben ihrer Tomatenernte indirekt beschissen, da sie EU-Zuschüsse für verabeitete Tomaten also z.B. Tomatenmark oder ähnliches bekamen, das musste aber aus eigenen Tomaten hergestellt sein. Dann aber kam heraus, daß die Mengen an "Tomatenmark" weit höher waren, als das aus eigener italienischer Produktion möglich war. Wie die Sache ausging, habe ich nicht verfolgt. Das oder ähnliches wird mit Sicherheit kein Einzelfall gewesen sein. Welche Sanktionen verhängt den die EU, wenn Derartiges vorkommt. Sicher keine oder wenige. Der Verein EU in Brüssel samt Anhang und allem Drumherum ist doch selber alles anderes als korrekt.

Beim kleinen Mann gibt für jede Regelübertretung auch geringerer Art Sanktionen, aber gegen Staaten und Politiker nicht. Die machen sich oft ihre eigenen Regeln und sahnen dabei ab wie der EU-Parlamentspräsident Schulz, der auch dann, wenn er zuhause war, noch Tagegelder für Straßburg oder Brüssel bezog oder noch bezieht ( ich weiß nicht, ob diese Bevorzugung inzwischen aufgehoben wurde). Diejenigen, die solche Regeln geschaffen haben, nenne ich Pack. Das gleiche ist mit den Bürgermeistern in Deutschland. Wenn die 2 Amtsperioden, das sind in BW 2 mal 8 Jahre im Amt waren, bekamen sie völlig unabhängig vom Alter oder Gesundheit eine Pension ich glaube etwas in der Höhe von 75 % ihres letzten Gehalts. Soviel ich weiß war der Lafontaine aus dem Saarland davon auch betroffen. Offenbar hat der Staat hierfür genug Geld. Mag sein, daß inzwischen hier etwas geändert wurde. Ich kenne aber einen Fall eines ehemals 42-jährigen ehemaligen Bürgermeisters, der diese Pension bekam, aber nach seinem Amt eine anderweitige Tätigkeit wahrnahm. Und die Pension wird nicht mit dem Verdienst, das derjenige spärer bekam verrechnet wie es bei anderen Arbeitnehmern der oft der Fall ist. Wenn ich es noch richtig sehe, ist der ehemalige Finanzminister Eichel auch so ein ähnlicher Fall.
Es lebt der Mensch im alten Wahn.
Wenn tausend Gründe auch dagegen sprechen,
der Irrtum findet immer freie Bahn,
die Wahrheit aber muss die Bahn sich brechen.

Die meisten Leute werden immer schmutziger je älter sie werden, weil sie sich nie waschen.

Caviteño
Beiträge: 9188
Registriert: Sonntag 14. März 2010, 02:31
Wohnort: Diözesen Imus und Essen

Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Freitag 4. September 2015, 13:03

Im Zuge der ganzen "Flüchtlings"-Berichterstattung gingen die gestrigen Äußerungen des Präsidenten der EZB vollkommen unter, obwohl sie langfristig eine ebenso gravierende Auswirkung haben werden wie der Zuzug von Millionen ungelernter "Migranten".
Genug ist nicht genug. Derzeit kauft die EZB jeden Monat für rund 6 Milliarden Euro Staatsanleihen und Wertpapiere. Das ist atemraubende Staatsfinanzierung durch die Notenpresse, eigentlich ein Verfassungsbruch der europäischen Geldordnung. Weil es aber eine explizite Rettungsmaßnahme in der Schuldenkrise sein sollte („ausnahmsweise“, „krisenbedingt“, „einmalig“, „zeitlich begrenzt“, so versprachen die Inflationäre), hat Deutschland dieser dramatischen Geldmengen-Ausweitung zähneknirschend zugestimmt.
Doch nun will Draghi noch mehr: Er bereitet Europa auf die nächste Geldschwemme vor, diesmal mit dem Argument, die Konjunktur sei nicht geschmeidig genug unterwegs. Das Programm mit einem Umfang von 1,14 Billionen Euro laufe bis September 216, könnte aber verlängert werden, verkündete der EZB-Chef nach der Ratssitzung in Frankfurt.
(...)
Langfristig wird die Politik der Geldschwemme Europas Solidität untergraben, denn mit ihr kommt es zu einer gewaltigen Umverteilung vom Sparer zum Kreditnehmer, vom Kapitalbesitzer zum Schuldner, vom Bürger zum Staat, von Deutschland nach Südeuropa. Draghi ist mit dem ganz großen Schaufelradbagger im Sparvermögen der Deutschen unterwegs, im Vergleich dazu hat die EU-Kohäsionspolitik bestenfalls Löffelchen der Umverteilung realisiert.
Ein Prozent negativer Realzins entzieht dem deutschen Sparvermögen jedes Jahr etwa 6 Milliarden Euro – ohne dass griechische Anarchisten oder französische Sozialisten die revolutionäre Barrikade der Enteignung überhaupt erst aufbauen müssten. Draghi wird mit dieser Zinspolitik zum Herold des Schuldensozialismus. Den Preis freilich haben alle Sparer, die Rentenfonds, die Lebensversicherungen und Stiftungen zu zahlen.
(...)
Für Draghi aber geht es zu langsam – vor allem im Süden, und ganz vor allem in seinem Italien. Sollte Draghi diese Geldmengeneskalation wirklich über einen langen Zeitraum ausdehnen, dann wird er damit Europa und seine Soliditätskultur tief verändern.
Wer wird seine Altersversorgung noch über Verzicht auf Sparvermögen aufbauen? Wer wird sein Geld in Lebensversicherungen investieren? Welche Stiftung kann jetzt noch vom Kapitalstamm leben? Werden Rentenfonds noch Sicherheit garantieren? Draghis Politik erschwert millionenfach langfristige Zukunftsplanung, und sie verkehrt die Verhältnisse: Sparer sind auf Jahre hinaus die Dummen, Schuldenmacher sahnen ab.
http://www.handelsblatt.com/politik/deu ... 77724.html

Da kann man schon das Grauen bekommen: Der in D. - im Vergleich zu den Südländern - geringe Wohlstand wird durch die EZB in Form von Nullzinsen weiter gesenkt. Durch die Bankenunion droht eine Vergemeinschaftung der Einlagensicherung, damit haften deutsche Banken für die leichtfertig vergebenen Kredite spanischer Sparkassen oder den Geldabfluß bei den gr. Kreditinstituten.
Gleichzeitig zeigt sich die Politik weder in der Lage noch willig, dem "Flüchtlings"Zuzug wirksam zu unterbinden, starrt auf die täglich wachsenden Zahlen wie das Kaninchen auf die Schlange und nimmt durch ihre vollkommene Untätigkeit in Kauf, daß die Sozialhaushalte in der nächsten Jahren explodieren werden. Oder glaubt jemand ernsthaft an eine gelungene Integration dieser Menschen in den Arbeitsmarkt in einigen Jahren? :D

Mir scheint, daß das Politikversagen seit Bestehen der Bundesrepublik noch nie sei klar sichtbar war wie im Augenblick. Sie ist auf einem Weg nach "Europa", der von der Mehrheit der Bevölkerung abgelehnt wird und dem sich andere Länder, weder in Form des Euros noch bei der "Flüchtlings"politik, nicht anschließen wollen.

Caviteño
Beiträge: 9188
Registriert: Sonntag 14. März 2010, 02:31
Wohnort: Diözesen Imus und Essen

Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Dienstag 8. September 2015, 18:12

Und weiter geht es auf dem Weg zur gemeinsamen europäischen Einlagensicherung:
Die Rufe in Brüssel nach einer Vergemeinschaftung der Einlagensicherung in der Eurozone werden immer lauter. EU-Ratspräsident Donald Tusk hat jetzt einen gemeinsamen Sparerschutz als ein “Kernelement“ auf dem Weg zur Vollendung der Wirtschafts- und Währungsunion bezeichnet. Ein gemeinsames Einlagensicherungssystem würde „die Bankenunion stärker mit der Währungsunion in Einklang bringen“, erklärte Tusk in einer Rede vor dem Wirtschaftsforschungsinstitut Bruegel in Brüssel. Für diesen Schritt der Vergemeinschaftung sei keine Änderung des EU-Grundvertrags notwendig, unterstrich der Pole. „Mir ist bewusst, dass einige Politiker, nicht zuletzt in Deutschland, damit nicht übereinstimmen, aber ihre Beanstandungen sind entweder Übertreibungen oder Entschuldigungen, um nichts zu ändern“, sagte Tusk an die Adresse der Bundesregierung gerichtet, die sich öffentlich wiederholt gegen eine Vergemeinschaftung ausgesprochen hat. „Rechtlich gesehen ist klar: Wir können ein europäisches Einlagensicherungssystem innerhalb des bestehenden Rechtsrahmens einrichten“. Der EU-Ratschef zeigte sich überzeugt, „die meisten Ökonomen würden ihm beipflichten, dass ein gemeinsames Einlagensicherungssystem die Wirtschafts- und Währungsunion stärken würde“ - und zwar nicht nur, weil es helfen würde, „die bedauerlichen Szenen, die wir vor Banken und Geldautomaten in Griechenland früher dieses Jahr wahrnehmen mussten, zu vermeiden“. Bereits am Samstag werden sich Europas Finanzminister erneut mit dem Thema befassen. Denn dann steht eine Diskussion über die Vorschläge der fünf Präsidenten auf der Tagesordnung des informellen Treffens der Minister in Luxemburg.
https://www.boersen-zeitung.de/index.ph ... rtid=11329

Schön, daß Herr Tusk auf Griechenland verwiesen hat. Bei einer gem. europ. Einlagensicherung würden dann die gr. Banken mit überwiegend deutschen Sicherungsgeldern rekapitalisiert.
Der umgekehrte Fall - marode deutsche Sparkassen und Banken, die auf die Hilfe gr. oder spanischer Kreditinstitute angewiesen sind - kann man nur in einer Büttenrede am Rosenmontag erwähnen, um die Lacher auf seiner Seite zu haben.

Wetten, daß der Zug in Richtung gemeinsame Einlagensicherung am Samstag wieder ein Stück weiterfährt?! :ja:

Caviteño
Beiträge: 9188
Registriert: Sonntag 14. März 2010, 02:31
Wohnort: Diözesen Imus und Essen

Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Sonntag 13. September 2015, 12:42

Caviteño hat geschrieben: Wetten, daß der Zug in Richtung gemeinsame Einlagensicherung am Samstag wieder ein Stück weiterfährt?! :ja:
Man hat sich darauf geeinigt, daß zunächst die nationalen Sicherungssysteme installiert sein müssen. Wie eine solche Umsetzung in einigen Ländern gehandhabt wird, kann man ja seit Jahren in GR sehen.... Aber dann:
Während des Treffens machte allerdings auch Schäuble klar, dass er dieses Ansinnen nicht generell, sondern wohl vor allem zum jetzigen Zeitpunkt ablehnt. Es sei unstreitig, dass eine Bankenunion in Europa dringend sei, sagte Deutschlands Kassenwart. Zunächst müssten aber bereits vereinbarte Schritte umgesetzt werden wie der Abwicklungsmechanismus für marode Kreditinstitute.
http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/w ... 544.html

Natürlich wurde die sog. "Flüchtlingskrise" genutzt, um den Fiskalpakt mit den Schuldenobergrenzen aufweichen zu wollen.
Einige EU-Länder brachten dabei das Ansinnen vor, die Schuldenregeln zu lockern, weil es sich um einen außerordentlichen Notfall handele. Bundesfinanzminister Schäuble sprach sich auch dagegen aus. „Sie (die Flüchtlingskrise) ist nicht als Instrument zu nutzen, um andere Dinge zu machen."
Auch Bundesbank-Präsident Jens Weidmann unterstrich in Luxemburg die Position der Bundesregierung. „Da jetzt die Defizitgrenzen aufzubohren, halte ich für abwegig."
Wann kapiert die deutsche Politik endlich, daß den sog. "Partnern" überhaupt nichts an einer strengen Haushaltsdisziplin liegt? Wenn man Jahrzehnte mit einer Weichwährung lebte, warum soll man dann sein liebgewordenes Verhalten ändern und sich Wettbewerbsvorteile durch Disziplin statt durch Abwertung zu erarbeiten? :hae?:

Benutzeravatar
Edi
Beiträge: 9121
Registriert: Montag 12. Januar 2004, 18:16

Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Edi » Sonntag 13. September 2015, 15:42

Wenn die nationalen Sicherungsysteme der Banken funktionieren, braucht es keine europäischen mehr. In Deutschland haben sie bisher weitgehend funktioniert, mal abgesehen von der Hypo Real Estate und wenigen anderen wie der Commerzbank, die beide durch Staatsgelder gerettet wurden.
Wenn man die bisherigen Systeme hier noch verbessert, was ja vorgesehen ist und vor allem die Großbanken besser überwacht, dann dürfte das reichen. Andere europäische Länder sollen ihre eigenen Sicherungssysteme ausbauen.
Es sieht doch kein Mensch ein, daß die deutschen Sparkassen und Volksbanken bzw. deren Sicherungssysteme, die ja schon sehr lange existieren und bisher ihre Mitgliedsbanken, so die mal in die Bredouille kamen, selber gerettet haben, auch noch z.B. für spanische Banken haften sollen.
Es lebt der Mensch im alten Wahn.
Wenn tausend Gründe auch dagegen sprechen,
der Irrtum findet immer freie Bahn,
die Wahrheit aber muss die Bahn sich brechen.

Die meisten Leute werden immer schmutziger je älter sie werden, weil sie sich nie waschen.

Caviteño
Beiträge: 9188
Registriert: Sonntag 14. März 2010, 02:31
Wohnort: Diözesen Imus und Essen

Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Sonntag 13. September 2015, 15:58

Edi hat geschrieben:Wenn die nationalen Sicherungsysteme der Banken funktionieren, braucht es keine europäischen mehr. In Deutschland haben sie bisher weitgehend funktioniert, mal abgesehen von der Hypo Real Estate und wenigen anderen wie der Commerzbank, die beide durch Staatsgelder gerettet wurden.
Wenn man die bisherigen Systeme hier noch verbessert, was ja vorgesehen ist und vor allem die Großbanken besser überwacht, dann dürfte das reichen. Andere europäische Länder sollen ihre eigenen Sicherungssysteme ausbauen.
Es sieht doch kein Mensch ein, daß die deutschen Sparkassen und Volksbanken bzw. deren Sicherungssysteme, die ja schon sehr lange existieren und bisher ihre Mitgliedsbanken, so die mal in die Bredouille kamen, selber gerettet haben, auch noch z.B. für spanische Banken haften sollen.
Richtig!
Man sollte sich auch einmal fragen, warum die deutschen Systeme bei den Sparkassen und Volksbanken funktionieren. Da hält man sich nämlich an die vereinbarten Grundsätze und muß jährlich eine Prüfung durch den Aufsichtsverband dulden. Fehlentwicklungen werden dann sofort gerügt und können Konsequenzen haben.

Man vergleiche das jetzt einmal mit der Situation in den südeuropäischen Ländern....

Caviteño
Beiträge: 9188
Registriert: Sonntag 14. März 2010, 02:31
Wohnort: Diözesen Imus und Essen

Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Dienstag 29. September 2015, 01:47

Wie sich der VW-Abgasbetrug auf die Kreditwürdigkeit anderer deutscher Unternehmen auswirkt:

http://www.welt.de/finanzen/article1469 ... iehen.html
Nicht nur Volkswagen wird von den Märkten erbarmungslos abgestraft. Auch andere deutsche Konzerne stehen bei den Investoren unter Generalverdacht.
Besonders deutlich wird das beim Blick auf die Kreditmärkte, wo tagtäglich über die Solidität von Konzernen und ganzen Nationen abgestimmt wird. Bisher standen deutsche Großunternehmen dank des hervorragenden Ansehens der deutschen Wirtschaft ausgesprochen gut da. Doch dieser Bonus ist durch den VW-Skandal geschwunden.
Das Wohlwollen der angelsächsischen Investoren gegenüber "Made in Germany" scheint erst mal dahin. Plötzlich schauen die Investoren, die bisher recht bedenkenlos zugriffen, sogar besonders kritisch auf die deutschen Unternehmen.
Die Kurse an den Kreditmärkten spiegeln das. Neben Volkswagen sind die Notierungen anderer Traditionskonzerne in Turbulenzen geraten. Das Risiko einer VW-Pleite wird in den kommenden fünf Jahren inzwischen auf über 2 Prozent taxiert.

maliems
Beiträge: 2704
Registriert: Dienstag 24. Juli 2007, 22:36

Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von maliems » Dienstag 29. September 2015, 23:53

meine Meinung: Das Thema wird zum jahreswechsel im mainstream vergessen sein. Anders bei der Bewertung von VW. Da stehen ja horrende Zahlungen in Aussicht.

Caviteño
Beiträge: 9188
Registriert: Sonntag 14. März 2010, 02:31
Wohnort: Diözesen Imus und Essen

Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Mittwoch 30. September 2015, 00:03

maliems hat geschrieben:meine Meinung: Das Thema wird zum jahreswechsel im mainstream vergessen sein. Anders bei der Bewertung von VW. Da stehen ja horrende Zahlungen in Aussicht.
Die Frage ist natürlich, ob ähnliches nicht auch von anderen Autokonzernen gemacht wurde. Daß nur der zweitgrößte Autokonzern der Welt Schwierigkeiten hatte, die sicherlich strengen US-Normen zu erreichen und alle anderen das "locker" geschafft haben - daran sind doch wohl Zweifel angebracht.
Wenn aber nicht nur VW, sondern auch BMW und Daimler irgendwie manipuliert haben, könnte uns das Thema noch länger beschäftigen.

Caviteño
Beiträge: 9188
Registriert: Sonntag 14. März 2010, 02:31
Wohnort: Diözesen Imus und Essen

Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Sonntag 18. Oktober 2015, 03:17

Die Kommission drückt auf's Tempo und will die europ. Einlagensicherung einführen, obwohl einige Staaten die ersten Regeln zur Bankenunion noch nicht umgesetzt haben:
Die Europäische Kommission treibt die Arbeiten an der in Deutschland umstrittenen europäischen Einlagensicherung voran. Im Gegensatz zu den Forderungen der Bundesregierung will sie mit den Verhandlungen darüber nicht abwarten, bis alle Staaten die bereits beschlossenen Maßnahmen in nationales Recht umgesetzt haben.
"Dass einige Staaten noch immer die Regeln umsetzen müssen, darf nicht heißen, dass wir nicht bereits an einer europäischen Einlagensicherung (Link: http://www.welt.de/147449197) arbeiten können. Das sind parallele Prozesse", sagte ein ranghoher EU-Beamter der "Welt am Sonntag".
http://www.welt.de/wirtschaft/article14 ... erung.html

Dieser Druck sollte nachdenklich machen. Immerhin steht die Aufsichtsbehörde, die EZB, unter ital. Leitung - und dort wird man am besten wissen, wie es um den Zustand der Banken in den Ländern des Olivengürtels bestellt ist. Die Beteuerungen, daß an eine gemeinsame Einlagensicherung erst gedacht wird, wenn die "Rettungs"töpfe in den einzelnen Ländern aufgefüllt sind, dienen nur der Sedierung der deutschen Bevölkerung.

Wahrscheinlich ist die Lage der Banken in GR (das ist bereits bekannt, die Banken sollen rekapitalisiert werden), in IT und Spanien so desolat, daß die gemeinsame Einlagensicherung früher kommen muß - koste es, was es wolle.

Gebrochene Versprechen, gebrochene Verträge - die Eurozone im Jahr 215.

Caviteño
Beiträge: 9188
Registriert: Sonntag 14. März 2010, 02:31
Wohnort: Diözesen Imus und Essen

Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Sonnabend 31. Oktober 2015, 02:34

Weniger Europa wäre mehr
Wo Recht auf Macht trifft, so lehren die vergangenen Jahre, zieht Recht oft den Kürzeren. Dem Vertrauen in die EU ist dies wenig förderlich. Die Zentrifugalkräfte nehmen zu, EU-kritische Parteien gewinnen an Unterstützung, und in Grossbritannien wird gar über den Austritt abgestimmt. Dass Reformen nötig sind, ist offenkundig. Das gilt für die EU im Allgemeinen – und für die Wirtschafts- und Währungsunion (WWU) im Speziellen. Bald 17 Jahre nach Lancierung des Euro – einst gelobt als Schrittmacher für die europäische Integration – ist eine Generalüberholung der WWU geboten. Das erkennt auch die EU-Spitze, die im Rahmen des sogenannten Fünf-Präsidenten-Berichts eine «Vollendung» der WWU skizziert hat. Nun müsse man, so die Europäische Kommission vergangene Woche, das Krisenmanagement der letzten Jahre hinter sich lassen und den Weg ebnen zu einer stärkeren, vollständigen Union – «mit einer dauerhaften, fairen und demokratisch legitimierten Basis, die zu mehr Wachstum, Beschäftigung und Wohlstand für alle Bürgerinnen und Bürger» beitrage.
Wer wollte dem Ziel widersprechen? Fraglich ist nur, wie eine krisenfeste WWU konstruiert werden kann. Ausgangspunkt eines jeden Umbaus muss der Grundsatz sein, dass Haftung und Kontrolle zusammengehören: Jene Instanz, die eine Entscheidung trifft, muss die daraus folgenden Konsequenzen tragen.
(...)
Der Unmut zeigt: Der Ruf nach «mehr Europa» tönt derzeit für viele Bürger nicht nach Verheissung, sondern nach Bedrohung. Auf dem alten Kontinent, wo in Stunden der Bewährung – man blicke auf das Flüchtlingsdrama – vielerorts ein Aufblitzen nationaler Reflexe zu erkennen ist, kann die Idee, weitreichende Kompetenzen an Brüssel abzutreten, keine Mehrheiten mobilisieren, jedenfalls nicht auf absehbare Zeit. Man mag dies bedauern, oder auch nicht. Ignorieren sollte man die Tatsache aber nicht, dass die Mitgliedländer – europapolitische Sonntagsreden hin oder her – kein Interesse haben, sich im Kern der staatlichen Souveränität, nämlich bei der Finanz-und Steuerpolitik, zu entmachten. Entsprechend müssig ist es, beim Umbau der WWU an der Vision einer Fiskalunion festzuhalten, die das Umschreiben nationaler Verfassungen und der EU-Verträge bedingen würde. Die Fiskalunion ist eine unrealistische Vorgabe, ein Hirngespinst.
Der Maastricht-Vertrag war gut konzipiert. Leider wurde er von Schröder beschädigt und seine Nachfolgerin hat ihn dann endgültig begraben. Eine der vielen Fehlleistungen von Frau Merkel.

Caviteño
Beiträge: 9188
Registriert: Sonntag 14. März 2010, 02:31
Wohnort: Diözesen Imus und Essen

Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Montag 2. November 2015, 09:07

Damit er seinen Plan, die Einlagensicherung bei den Banken zu vergemeinschaften, durchdrücken kann, greift Juncker zu einem Trick. Die deutschen Sparkassen und Volksbanken sollen "außen vorbleiben":
„Die Genossenschaftsbanken und Sparkassen werden von der Einlagensicherung nicht berührt werden“, sagte Juncker. Er begründete die geplante Ausnahme damit, dass nur die Sparkassen und Genossenschaftsbanken zur sozialen Marktwirtschaft passten. Die Finanzkrise sei demgegenüber von der „Gier nach immer mehr Geld“ ausgelöst worden. Diese Gier sei in den kleinen deutschen Instituten nicht zu finden.
http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/w ... 88319.html

Offensichtlich will man so den Widerstand bei der Bundesregierung und in der deutschen Bevölkerung brechen. Allerdings - wer glaubt noch den Zusicherungen eines Herrn Junckers? Hat er nicht einmal gesagt: Wenn es ernst wird, muß man lügen? :ja:

Wenn es ernst wird, werden auch die Einlagensicherungssysteme der Sparkassen und Volksbanken vor dem Zugriff aus Brüssel nicht mehr sicher sein.
Warum sollen nur die deutschen Institute ausgenommen werden und nicht auch die Sparkassen anderer Länder? :achselzuck:
Besteht nicht die Gefahr, daß dann zunächst getrennte Töpfe für Geschäftsbanken, Sparkassen, Volksbanken europaweit eingeführt werden - mit gemeinsamer Haftung innerhalb der gleichen Trägerschaft? :ja:
Warum sollen deutsche Geschäftsbanken für die Einlagen bei spanischen Sparkassen haften? :achselzuck:

Ziel ist es im Endeffekt doch nur, die maroden Banken des Südens zu "retten" - der Weg dahin führt über die gefüllten Töpfe der deutschen Einlagensicherung.

Benutzeravatar
overkott
Beiträge: 19636
Registriert: Donnerstag 8. Juni 2006, 11:25

Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von overkott » Freitag 4. Dezember 2015, 16:46

Wichtige Entscheidungen im Bundestag gehen im Getöse der Stimmungsmache unter. Oder sie werden im Schweinsgalopp durch die Instanzen gepeitscht. Der erste Fall gilt für den Bundeshaushalt. Dieser ist das Kursbuch der Bundespolitik. Der Bundeshaushalt beschreibt Politik mit Geld: Wer zahlt? Wer bekommt? Deshalb ist die Haushaltsdebatte auch die wichtigste im Haushaltsjahr. Regierung und Opposition rechnen darin miteinander ab. Die Medien sollten die Wähler darüber informieren. Doch manchmal geht die Debatte im Getöse der Stimmungsmache unter. Nicht selten machen sich Medien zum Büttel der Regierungspropaganda. Das gilt zum Beispiel für die Schwarze Null. Sie soll signalisieren: Der Finanzminister hat seine Aufgaben gemacht und gibt nicht mehr aus, als er einnimmt. Und scheinbar sprudelt das Geld ohne Ende. Am Geldhahn sitzt der Chef der Europäischen Zentralbank. Als Zinsregler erspart er dem Finanzminister eine Steuererhöhung. Denn niedrige Zinsen entlasten den Bundeshaushalt in Milliardenhöhe. Mit diesem Trick greift die Politik dem Kleinsparer in die Tasche, ohne dass er es merkt. Das große Geld ist davon weniger betroffen. Denn das ist in Grundstücken, Gebäuden und Gold sicher angelegt. Ein Teil des großen Geldes wird in Aktienfonds versilbert mit deutlich höherer Rendite als die Sparstrumpfzinsen des Herrn Draghi. Dieser Finanztrick geht natürlich zu Lasten der Zukunftsvorsorge des Kleinsparers. Denn wer nicht sparen kann, kann auch die Rente nicht aufstocken, wer sie erlebt. Damit er davon abgelenkt ist, der Kleinsparer, gibt es die Stimmungsmache, die seine Großmannssucht befriedigt oder seine Klimaangst.

Caviteño
Beiträge: 9188
Registriert: Sonntag 14. März 2010, 02:31
Wohnort: Diözesen Imus und Essen

Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Freitag 4. Dezember 2015, 20:58

Was den Wenigsten bei der europäischen Einlagensicherung bekannt sein dürfte - sie zielt nicht nur auf die Ausgleichstöpfe der deutschen Kreditinsitute, sondern auch auf den Bundeshaushalt. Sind die Ausgleichstöpfe nämlich leer, greift die Staatshaftung ein.

Prof. Sinn schreibt dazu:
Die EU-Kommission will die Spareinlagen, Festgeldeinlagen und Girokonten der Euro-Länder ohne Wenn und Aber in ein gemeinschaftliches Sicherungssystem überführen, bei dem pro Einleger und pro Bank bis 1 Euro abgesichert werden. Keine Rede mehr davon, dass die deutschen Sparkassen und Genossenschaftsbanken ausgenommen werden sollen, bei denen die Hälfte der Bestände liegt. Jetzt soll jeder für jeden haften.
Das System wird der Öffentlichkeit als Versicherung "verkauft", so als ginge es um Zufälle, die alle gleichermaßen treffen könnten. Davon kann aber nicht die Rede sein, denn bei den Banken der GIPSIZ-Länder, also Griechenlands, Irlands, Portugals, Spaniens, Italiens und Zyperns, liegen nach Schätzung des Internationalen Währungsfonds 77 Milliarden Euro an "notleidenden" Krediten. Das sind 64 Prozent aller notleidenden Kredite des Euro-Systems, obwohl diese Länder nur 32 Prozent der Wirtschaftsleistung des Euro-Systems auf sich vereinen. Das Ausfallrisiko ist so gesehen dort knapp vier Mal so hoch wie in den noch gesunden Ländern der Euro-Zone. Von einer fairen Versicherung auf Gegenseitigkeit kann nicht die Rede sein. Da große Teile der Banken Südeuropas ohne die Nullzinspolitik der EZB in Konkurs gehen müssten, geht es im Übrigen nicht um eine Versicherung, sondern um Deckungszusagen für bereits aufgetretene Verluste, die nur noch nicht verbucht sind.
(...)
Nun mögen manche Politiker hoffen, dass sich die deutschen Verluste im Falle des Falles auf die Haftungsmasse der deutschen Töpfe beschränken ließen. Doch das ist eine Illusion, weil die Schaffung einer gemeinsamen europäischen Einlagensicherung nach Erschöpfung der vorhandenen Sicherungstöpfe automatisch eine Beanspruchung der Staatengemeinschaft mit sich bringen würde. Wenn es eine gemeinsame Einlagensicherung der Euro-Länder gibt, werden sich die Staaten der Gemeinschaftshaftung unter gar keinen Umständen entziehen können.
(Hervorhebung von mir)

http://www.cesifo-group.de/de/ifoHome/p ... 4-12-215

Es wird schon alles gut gehen - das hofft die Politik immer. Eine Garantie ist das aber nicht.

Caviteño
Beiträge: 9188
Registriert: Sonntag 14. März 2010, 02:31
Wohnort: Diözesen Imus und Essen

Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Montag 7. Dezember 2015, 14:17

Es reicht allmählich mit dem Euro und den EU-"Partnern":

Heimliches Gelddrucken in Rom und Paris

Für insgesamt 720 Mrden haben eine handvoll Notenbanken Staatsanleihen gekauft und dafür frisches Geld gedruckt. Spitzenreiter waren natürlich die Notenbanken aus IT und F.
Die Käufe finden in einer Grauzone statt, dem vertraulichen, nicht-öffentlichen Anfa-Abkommen (Agreement on net-financial assets). Das Abkommen regelt die Spielräume, die nationale Notenbanken für „nichtgeldpolitische“ Anlagen haben.
Vergangene Woche wurde EZB-Chef Mario Draghi in der Pressekonferenz von dieser Zeitung direkt auf Anfa und die hohen Wertpapierkäufe angesprochen. Er reagierte ausgesprochen gereizt. Die Kaufstrategien der nationalen Notenbanken seien „schwer zu verstehen“, gab er zu. Doch könne er „ausschließen, dass es sich um monetäre (Staats-)Finanzierung handelt“. Weitere Details könne er nicht nennen. Man solle die nationalen Notenbanken fragen. Draghis Antwort wirkte auf einige Beobachter, als habe er etwas zu verbergen.
„Draghis Antwort zu Anfa ist nicht überzeugend“, twitterte Francesco Papadia noch während der Pressekonferenz. Papadia ist nicht irgendwer. Bis Ende 2012 war er Chef der Generaldirektion Marktoperationen der EZB. Seitdem unterrichtet er an verschiedenen Universitäten. „Die EZB sollte voll informiert werden über die Aktionen der nationalen Notenbanken, um sicher zu sein, dass es keine Auswirkungen auf die Geldpolitik gibt“, schrieb er. Offenbar weiß die Zentrale nicht genau, in welchem Maß die nationalen Notenbanken ihre Spielräume nutzen oder auch überziehen.
(...)
Das Anfa-Abkommen wird geheim gehalten, selbst in den Zentralbanken haben nur wenige hochrangige Personen Zugang zu dem Dokument. Im Zuge der Griechenland-Krise wurde die Existenz des Anfa-Abkommens in Briefen der EZB zum ersten Mal thematisiert.
Draghi nennt bzw. kennt keine Details, will aber ausschließen, das es sich um Staatsfinanzierung handelt.

Prof. Sinn meint dazu:
Besonders kritisch sieht Hans-Werner Sinn, der Chef des Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung, die Enthüllungen, dass die nationalen Notenbanken in großem Stil und in Eigenregie private und staatliche Wertpapiere kaufen und dafür „Zusatzgeld“ schaffen. Er sieht die Anfa-Käufe im Zusammenhang mit den problematischen Target-Salden, die Notenbank-Schulden im Eurosystem anzeigen, und den Ela-Notkrediten für angeschlagene Banken. „Das Schöne am Euro ist, dass man sich im eigenen Keller Geld drucken kann, das in anderen Ländern als gesetzliches Zahlungsmittel anerkannt ist“, ätzte der Euro-Kritiker.
Es ist wie bei Schengen, es ist wie bei Dublin - jeder macht, was er will und kümmert sich nicht um den Nachbarn. Jetzt druckt die Notenbanken von IT und F. einfach Geld - genauso, wie sie es früher gemacht haben.
Die deutsche politische "Elite" hat geglaubt, man habe mit dem Euro den Nachfolger der DM und mit der EZB den Nachfolger der Bundesbank. Erst jetzt wird allmählich klar, wie das Volk hinter das Licht geführt wurde.

Man kann nur noch :kotz: :kotz: :kotz:

Benutzeravatar
overkott
Beiträge: 19636
Registriert: Donnerstag 8. Juni 2006, 11:25

Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von overkott » Dienstag 8. Dezember 2015, 21:08

Ach, du grüne Neune: Umweltinvestments auf dem Grauen Kapitalmarkt. Wie anders ist das denn? wollten ZDF-Verbraucherjournalisten wissen. Fazit: Nicht seriöser als andere Angebote mit mangelnder Risikoaufklärung auch.

Caviteño
Beiträge: 9188
Registriert: Sonntag 14. März 2010, 02:31
Wohnort: Diözesen Imus und Essen

Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Sonnabend 19. Dezember 2015, 09:30

Na - das ist doch mal eine klare Aussage: Die von der EZB nicht zu beaufsichtigenden deutschen Sparkassen und Volksbanken stellen eine große Gefahr für den Finanzsektor dar. Ganz anders dagegen die ital. Kreditinstitute - die sind gesund - meint der ital. Ministerpräsident:
Außerdem gebe es in Deutschland viele kleine Geldhäuser, die nicht von der Europäischen Zentralbank (EZB) beaufsichtigt würden, sagte Renzi unter Anspielung auf Sparkassen und Volks- und Raiffeisenbanken. „Wenn ich ein deutscher Amtsträger wäre, wäre ich darüber sehr besorgt.“
Die italienischen Banken seien derzeit wesentlich gesünder als d[[color=#8FF[/color]ie deutschen Geldhäuser, sagte Renzi. Er streitet mit Deutschland derzeit unter anderem über die Einführung eines einheitlichen europäischen Einlagensicherungssystems. Renzi befürwortet ein solches System, während es Deutschland strikt ablehnt. Deutsche Politiker und Banken fürchten, dass sie mit ihren Beiträgen ansonsten schwächelnden Geldhäusern in südeuropäischen Ländern zur Hilfe eilen müssen.
http://www.handelsblatt.com/unternehmen ... 44276.html

Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man darüber lachen. Es ist schon bemerkenswert, mit welcher Chuzpe südeurop. Politiker versuchen, Gelder aus Nordeuropa in ihre maroden Länder zu lenken.

Merkel hat natürlich jetzt einen schweren Stand. Hätte sie damals GR nicht "gerettet" und Mrden dorthin geleitet, käme niemand auf die Idee einer "Bankenunion". Durch ihre unsägliche Flüchtlingspolitik hat sie jetzt auch noch an einer anderen Front zu kämpfen.

Schaden vom deutschen Volke abwenden - das war einmal.

Caviteño
Beiträge: 9188
Registriert: Sonntag 14. März 2010, 02:31
Wohnort: Diözesen Imus und Essen

Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Sonntag 24. Januar 2016, 00:11

Durch die neue Linksregierung in Portugal könnte sich das Land erneut zu einem Problemfall für die Währungsunion entwickeln. Die Sparmaßnahmen wurden bzw. werden rückgängig gemacht, die Zinsen steigen.
Zum Problem wird die hohe Schuldenlast. Portugal hat im Laufe der Jahre einen Berg von 227 Milliarden Euro Krediten aufgehäuft, das entspricht einer Quote von 128 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Die portugiesische Wirtschaft müsste rechnerisch ein und ein Viertel Jahr surren, nur um die Verbindlichkeiten zurückzuzahlen. Doch obwohl die EZB-Kaufprogramme deutliche Entlastungen bringen und der Zins im historischen Vergleich niedrig ist, sträuben sich die Portugiesen, mit der Sanierung fortzufahren.
Unter dem neuen Premier António Costa hat Portugal, das eigentlich auf dem Weg der Reformen zu sein schien, eine 18-Grad-Wende in der Wirtschaftspolitik vollzogen, eine Wende rückwärts: Bereit dieses Jahr dürfen sich portugiesische Arbeitnehmer über vier zusätzliche freie Tage freuen. Bezahlt natürlich.
Diese Zusatztage waren 212 für fünf Jahre abgeschafft worden, um das kriselnde Land konkurrenzfähiger zu machen – und damit unabhängig von Transferzahlungen. Zudem sollen Arbeitnehmer, die wenig fehlen, nach dem Willen der Linksregierung wieder in den Genuss von bis zu drei zusätzlichen Ferientagen kommen. Als Anerkennung fürs Erscheinen am Arbeitsplatz gewissermaßen.
Die Koalition hat darüber hinaus eine ganze Palette von Kürzungen und Einsparungen zurückgenommen. So bekommen Mitarbeiter im öffentlichen Dienst wieder ihr früheres Gehalt. Zuvor waren Bezüge über der Schwelle von 15 Euro um zehn Prozent gekürzt worden. Zusatzsteuern, die der Eindämmung des Haushaltsdefizits dienten, wurden deutlich gekappt oder ganz gestrichen. Auch die Renten steigen wieder. Obendrein wird der Mindestlohn angehoben, der Arbeitsmarkt stärker reguliert, und Privatisierungen werden gestoppt oder rückgängig gemacht.
http://www.welt.de/finanzen/article1513 ... Krise.html

Für Merkel keine gute Nachricht. Nicht nur "Flüchtlings"krise und Brexit, jetzt taucht auch die Eurokrise am Horizont wieder auf.

Siard
Beiträge: 5065
Registriert: Dienstag 25. August 2009, 22:31
Wohnort: Die Allzeit Getreue

Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Siard » Sonntag 24. Januar 2016, 08:47

Caviteño hat geschrieben:Für Merkel keine gute Nachricht. Nicht nur "Flüchtlings"krise und Brexit, jetzt taucht auch die Eurokrise am Horizont wieder auf.
Die Eurokrise war nie weg.

Caviteño
Beiträge: 9188
Registriert: Sonntag 14. März 2010, 02:31
Wohnort: Diözesen Imus und Essen

Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Dienstag 26. Januar 2016, 02:26

Siard hat geschrieben:
Caviteño hat geschrieben:Für Merkel keine gute Nachricht. Nicht nur "Flüchtlings"krise und Brexit, jetzt taucht auch die Eurokrise am Horizont wieder auf.
Die Eurokrise war nie weg.
Sie war nicht weg, sie ist nicht weg und sie wird uns dauernd erhalten bleiben - oder glaubt jemand, daß
1. die Südstaaten die gleiche Wirtschaftskraft erreichen werden wie die Staaten des nördlichen Europas
oder - alternativ -
2. es innerhalb der EU eine gemeinsame Fiskalpolitik (also gemeinsamen Haushalt, gemeinsame Steuersätze verbunden mit einem Finanzausgleich nach bundesdeutschem Vorbild) geben wird?

:breitgrins: :D

Aus dem Grunde wird der Euro nie funktionieren.

Schäuble hat immerhin erkannt, daß die gleichen Zinssätze für so unterschiedliche Länder wie D. und z.B. Portugal die schwachen Länder dazu verleiten, weiterhin kräftig Schulden zu machen, weil die Lenkungsfunktion des Zinses damit ausgehebelt wird. Aus diesem Grund will er, daß die Anleihen von Staaten, die sich unter den ESM-Rettungsschirm begeben, automatisch verlängert werden, bis das entsprechende ESM-Programm ausläuft.
Die Laufzeitverlängerung soll sich über die Dauer des Hilfsprogramms strecken. Im November vergangenen Jahres hat bereits Bundesbankpräsident Jens Weidmann einen ähnlich Vorstoß gemacht.
Im Kern handelt es sich um eine Art automatischer Enteignungsklausel. Denn wenn eine Anleihe nicht pünktlich zurückgezahlt wird, sondern die Laufzeit einseitig gestreckt wird, ist das nichts anderes als ein Schuldenschnitt und damit ein finanzieller Verlust für die Halter der Papiere. Das wäre neu: Mit Ausnahme von Griechenland war es bislang so, dass mit den Geldern aus dem Hilfsprogrammen auch die Forderungen der Gläubiger bedient worden sind.
Da für die Halter der Anleihen bislang das Risiko eines Schuldenschnitts äußerst gering war, haben die Investoren bislang nicht allzu sehr auf die finanzielle Solidität von Euro-Staaten geachtet. Das hat dazu geführt, dass Schuldenmachen nicht entsprechend mit höheren Zinsen von den Märkten bestraft wurde.
(...)
Die Finanzmärkte reagierten umgehend auf die Idee. Die Risikoaufschläge von Portugal oder Griechenland gegenüber deutschen Anleihen stiegen markant. Beide Länder gelten neben Zypern zu den wackeligsten Staaten der Euro-Zone. Für Hellas taxieren die Akteure das Risiko einer weiteren Staatspleite in den kommenden fünf Jahren auf 57 Prozent, bei Zypern auf 22 und bei Portugal auf 15 Prozent.
"Der Vorschlag würde die Märkte größeren Risiken bei einzelnen Ländern aussetzen. Das könnte die Finanzierungskosten deutlich erhöhen", sagte Elwin de Groot dem Finanzdienst Bloomberg.
http://www.welt.de/finanzen/geldanlage/ ... Krise.html

Den Aufschrei der Südstaaten kann man sich jetzt schon vorstellen. Aber Schäuble (im Gegensatz zu Frau Merkel bei den "Flüchtlingen) ein Druckmittel:
Ohne Fortschritte bei der Trennung der Banken- und Haushaltsrisiken ist die Bundesregierung nicht bereit, die von der EU-Kommission vorangetriebene Vergemeinschaftung der Risiken durch eine europäische Einlagensicherung mitzutragen, so der Minister.
;D

Caviteño
Beiträge: 9188
Registriert: Sonntag 14. März 2010, 02:31
Wohnort: Diözesen Imus und Essen

Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Freitag 12. Februar 2016, 12:36

Deutschland auf dem Weg ein neues "Griechenland" in Europa zu werden? :hmm:
In Wirklichkeit drohen dem deutschen Fiskus auf längere Sicht dramatische Risiken, die nur durch rasches Gegensteuern gemindert werden können. Dies geht aus dem neuen "Tragfähigkeitsbericht" des Finanzministeriums hervor, der der "Welt am Sonntag" als Entwurf vorliegt. Der 7-seitige Bericht ist noch unveröffentlicht und soll in der kommenden Woche im Kabinett beraten werden.
Es gebe "erhebliche Tragfähigkeitsrisiken", heißt es in dem Bericht. "Ohne frühzeitiges Gegensteuern" wachse die Gefahr, dass die demografische Alterung zu "einer nicht tragfähigen Schuldenentwicklung führt und damit den Handlungsspielraum des Staates einschränkt".
In diesem Fall nämlich würde der Schuldenstand des deutschen Staates nur dann dauerhaft in der Nähe der Maastricht-Grenze von 6 Prozent der Wirtschaftsleistung bleiben, wenn sich Faktoren wie die Geburtenrate ausgesprochen günstig entwickeln. In einem weniger günstigen Szenario, das Schäubles Experten ebenfalls durchgerechnet haben, würde der Schuldenstand dagegen bis zum Jahr 26 "kontinuierlich auf rund 22 Prozent" des Bruttoinlandsproduktes (BIP) steigen.
Um die deutschen Staatsfinanzen in einem Schritt tragfähig zu machen, müssten die sogenannten Primärsalden laut Bericht selbst im günstigen Szenario ab sofort dauerhaft um 1,2 Prozent des BIP verbessert werden. Im pessimistischeren Szenario ergibt sich ein Anpassungsbedarf von 3,8 Prozent.
Da Einschnitte dieser Größenordnung unrealistisch sind, weist der Tragfähigkeitsbericht auch aus, wie groß der notwendige Anpassungsbedarf wäre, wenn die Korrekturen gleichmäßig auf fünf Jahre verteilt würden. Im günstigen Szenario müsste der deutsche Staat vom laufenden Jahr an gut sieben Milliarden Euro weniger ausgeben – oder mehr einnehmen.
In den Jahren 217 bis 22 kämen jeweils weitere sieben Milliarden Euro obendrauf. In dem ungünstigen Szenario ist die Situation noch viel dramatischer. Dann nämlich würde sich der jährlich hinzukommende Anpassungsbedarf verdreifachen – auf rund 23 Milliarden Euro.
http://www.welt.de/wirtschaft/article15 ... isiko.html

Da werden wir uns wohl nach der nächsten Wahl auf satte Steuererhöhungen und Sozial- und Rentenkürzungen einstellen können. Energiewende, Euro-"Rettung", Neubürger - man gönnt sich ja sonst nichts..... :prost:

Woher die "Experten" allerdings die Zuversicht nehmen, daß eine Erhöhung der Geburtenrate auch zu mehr sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen führt und damit das Rentenproblem löst, ist mir schleierhaft. Wenn wirklich Arbeitskräftemangel in einigen Bereichen künftig herrschen sollte, können entsprechende Fachkräfte weltweit gezielt angeworben werden. Die gegenwärtige durch Frau Merkel hervorgerufene Migration von überwiegend Ungelernten ist allerdings in einem solchen Fall nicht geeignet und erhöht noch die Haushaltsdefizite.

Wenn in D. die Lage schon so ernst ist, kann man sich ausmalen, wie es in Staaten aussieht, die schon jetzt Schwierigkeiten haben, über die Runden zu kommen. Bisher mußten nur kleine Länder unterstützt werden, sofern man von der Bankenrettung in Spanien aus Mitteln des ESM absieht. Aber auch in IT wackeln die Banken und F ist ebenfalls reformunwillig. Man wird mehr deutsche "Solidarität" einfordern - dann könnte alles noch viel schneller gehen.....

Caviteño
Beiträge: 9188
Registriert: Sonntag 14. März 2010, 02:31
Wohnort: Diözesen Imus und Essen

Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Donnerstag 10. März 2016, 02:59

Die Gruppe der privaten Banken überlegt eine Absenkung des Einlageschutzes für gewerbliche Kunden:
Vielmehr prüfen dem Vernehmen nach die privaten deutschen Banken als Gruppe, ob sie Großanlegern wie Kommunen, aber auch Stiftungen, Versicherern, Pensionskassen und sonstigen Unternehmen im Fall einer Bankinsolvenz künftig weniger Entschädigung versprechen sollen als bisher. Ein solches Signal könnte den Ruf der Banken belasten. Andererseits will man Großanlegern nicht länger eine weit reichende Versicherung in Aussicht stellen und damit Einlagen anlocken, mit denen die Banken mangels Kreditnachfrage und Niedrigzinsen derzeit selbst wenig verdienen können.
http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/w ... 15254.html

Absenkung des Einlageschutzes, Vergemeinschaftung der Einlagensicherung, Negativzinsen, Abschaffung des 5 €-Scheines zwecks Vermeidung von "Horten" auf der einen Seite und stark steigende Staatsschulden in vielen Ländern der EU sowie hohe künftige Verpflichtungen ("Flüchtlinge", Renten) auf der anderen Seite - auf welchen Gedanken kann man kommen? :hmm: :/

Benutzeravatar
TeDeum
Beiträge: 177
Registriert: Montag 8. Juli 2013, 09:07

Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von TeDeum » Donnerstag 10. März 2016, 06:09

Caviteño hat geschrieben:Durch die neue Linksregierung in Portugal könnte sich das Land erneut zu einem Problemfall für die Währungsunion entwickeln. Die Sparmaßnahmen wurden bzw. werden rückgängig gemacht, die Zinsen steigen.
Dazu eine Frage, du kennst dich ja sehr gut darin aus - stimmt es, dass Portugal bis zur Nelkenrevolution trotz jahrelangem Kolonialkrieg quasi schuldenfrei ist und dieser Schuldenberg tatsächlich erst in den letzten 30 Jahren aufgetürmt wurde?

Caviteño
Beiträge: 9188
Registriert: Sonntag 14. März 2010, 02:31
Wohnort: Diözesen Imus und Essen

Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Donnerstag 10. März 2016, 07:48

Bestimmt kann ich das nicht sagen, aber es erscheint mir wahrscheinlich.

In einem Artikel des Spiegels aus dem Jahr 1961 (also gut zehn Jahre vor der Nelkenrevolution) steht folgendes:
Schon damals-zeigte sich, daß Portugals pedantischer Diktator zwar das Sparen zur Meisterschaft entwickelt hatte, aber im-Geldausgeben ein Stümper geblieben war. Zwar hat der alte Herr bis heute etwa 88 Millionen US -Dollar in Gold und Devisen als Währungsreserve angesammelt, zwar ist sein Imperium schuldenfrei, aber das portugiesische Durchschnittseinkommen erreicht mit 22 US-Dollar (924 Mark) pro Jahr gerade ein Zehntel des amerikanischen (257 Dollar).*
"Obgleich Portugal für die Nato nur eine mikroskopische Streitkraft bereitstellt", schimpft Exgeneral Delgado, "verschlingen die Verteidigungsausgaben übet 3 Prozent des Staatshaushalts, während für Erziehung in einem Lande, das praktisch den höchsten Prozentsatz an Analphabeten in Europa hat, weniger als zehn Prozent ausgegeben werden."
Die kostspielige portugiesische Armee zählt ganze 65 Mann, die "Portugiesische Legion", eine Mischung aus Volkssturm und Technischer Nothilfe, die im spanischen Bürgerkrieg den Truppen General Francos mit Freiwilligen zu Hilfe eilte, etwa 6 . Eine Infanterie-Division und zwei Flugplätze stehen der Nato zur Verfügung, zu deren Gründungsmitgliedern Portugal gehört.
(Hervorhebung von mir)

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-43159682.html

Auch dieser Artikel kommt zu einer ähnlichen Aussage:
Salazars Grundkonzept war es, keine weitere Auslandsverschuldung zuzulassen, wie es in der Vergangenheit gerne als Ausweg aus dem drohenden Staatsbankrott praktiziert worden war.
Salazar begann seine politische Karriere als Finanzminister mit nahezu unbeschränkten Befugnissen. Diese Vollmachten hatte er bekommen, weil er bei den führenden Militärs einen sehr guten Ruf hatte und außerdem niemand sonst für diesen verantwortungsvollen Posten verfügbar war. So hatte er freie Hand, was die Portugiesen schnell zu spüren bekamen. Die Mittel, mit denen er arbeitete, waren äußerste Härte gegenüber dem bis dahin üblichen Behördenschlendrian und eine konsequente Einsparungspolitik. Dies war neu für Portugal – bisher hatten die führenden Leute ihre Macht dazu genutzt, sich zu bereichern. Rigorose Stellenkürzungen, Gehaltsminderungen und Verwaltungsreformen jagten einander – und auf einmal war wieder Geld da! Im Endeffekt hatte aber der kleine Mann die Zeche zu zahlen. Salazars Politik war großkapitalfreundlich, denn Portugal brauchte die Investitionen. Die Sozialleistungen hingegen wurden großenteils gestrichen, die Steuern für Kleinverdiener erhöht und dergleichen mehr. Allerdings gelang es ihm das Vertrauen der ausländischen Wirtschaft in den Escudo wiederherzustellen, indem er die Währung an das britische Pfund Sterling koppelte. Durch die Abwertung des Pfunds ließ sich das aber nicht lange durchhalten. Doch es war ein Zeichen.
http://www.algarve.de/portugal/diegesch ... index.html

Salazar war wohl ein Wirtschaftsfachmann und hatte eine Passion für das Sparen. Eine Devisenreserve iHv 88 Mio USD - das waren damals über 3,5 Mrden DM - ist für ein armes und kleines Land natürlich eine besondere Leistung.
Das Schuldenmachen war auch bis zum Beginn der 7'iger Jahre auch in D. noch nicht so in Mode war wie heute.

Caviteño
Beiträge: 9188
Registriert: Sonntag 14. März 2010, 02:31
Wohnort: Diözesen Imus und Essen

Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Donnerstag 10. März 2016, 15:09

Draghi legt nach:
Leitzins jetzt bei 0%
Strafzins auf 0,4% erhöht
Erhöhung des Ankaufprogramms für Staatsanleihen um 33% von 60 Mrden € auf 80 Mrden € im Monat = fast eine Billion im Jahr!

Das wird zwar alles nichts bewirken, insbesondere wird die Inflation nicht auf 2% steigen, aber zumindest brauchen die Südstaaten keine Reformen mehr durchzuführen und können sich weiterhin kostenlos verschulden.

In D. wird über die möglichen Erfolge der AfD bei den Landtagswahlen lamentiert. Welche der staatstragenden Altparteien hat das Thema denn bisher einmal im Bundestag angeschnitten? Was erklären die Politiker, die Volksvertreter denn den Sparern, den Inhaber von Lebensversicherungsverträgen, den Begünstigten der betrieblichen Altersvorsorge das ihre Guthaben immer wertloser werden?

Alles für "Europa" :kotz:

Benutzeravatar
overkott
Beiträge: 19636
Registriert: Donnerstag 8. Juni 2006, 11:25

Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von overkott » Donnerstag 10. März 2016, 15:46

Das Problem bei den Populisten ist der abgeflossene wirtschaftliche Sachverstand. Wer diesen noch bei Henkel & Co. vermutete, der sieht sich jetzt mit der Pleitevorsitzenden konfrontiert und ihrer Affinität zu extremen Positionen.

Der beliebte Chemielehrer gilt auch nicht als Erfinder einer erfolgreichen Wirtschaftspolitik.

Benutzeravatar
overkott
Beiträge: 19636
Registriert: Donnerstag 8. Juni 2006, 11:25

Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von overkott » Donnerstag 10. März 2016, 17:22

Der neue Leitzins ließ den DAX steigen, verlinkte die Tagesschau und schrieb Geschichte. Denn schon rutschte dieser auch schon wieder ins Minus. Eine Erhöhung des Leitzinses von 0,05 Prozent um 0,01 Prozentpunkte wäre ein optimistischeres Signal gewesen: Geld wird knapper, weil mehr nachgefragt wird, weil mehr investieren wollen, weil die Wirtschaft wächst. Drahgi, andare a casa.

Caviteño
Beiträge: 9188
Registriert: Sonntag 14. März 2010, 02:31
Wohnort: Diözesen Imus und Essen

Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Freitag 11. März 2016, 02:06

Die EZB auf dem Holzweg

Man muß nicht dem Zweckoptimismus von Draghi folgen - die hier angestellten Überlegungen dürften der Wirklichkeit näher kommen:
Wenn eine seit Jahren eingenommene Medizin nicht mehr die erhoffte Wirkung erzielt, kann hierauf auf zwei Arten reagiert werden: Man setzt das Medikament ab, das anfänglich vielleicht durchaus seine Berechtigung hatte, und sucht selbstkritisch nach einer neuen Behandlungsmethode. Oder man hält unbeirrt am bisherigen Vorgehen fest und erhöht einfach stetig die Dosis – im festen Glauben, dass die Medizin irgendwann schon ihre segensreiche Wirkung entfalten wird. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzt seit geraumer Zeit auf die zweitgenannte Option.
(...)
Das viele frische Geld dürfte kaum in der Realwirtschaft ankommen, sondern vielmehr die Blasenbildung an den Finanzmärkten verstärken. Der wichtigste Transmissionsmechanismus für die Übertragung geldpolitischer Impulse, die Kreditvergabe der Banken, wird durch negative Zinsen zusehends blockiert. So können die Banken die Negativzinsen kaum an Sparer weiterreichen, da diese ihr Geld sonst abheben und «unter der Matratze» horten könnten. Um die höheren Zinskosten dennoch auf die Kunden abzuwälzen und der sinkenden Profitabilität zu begegnen, erhöht manche Bank einfach ihre Kreditzinsen, etwa im Hypothekarbereich. Die zur Ankurbelung von Krediten gedachten Negativzinsen führen in diesen Fällen zu einer Verschärfung der Kreditpolitik. Die überdosierte Medizin der EZB ist bisweilen nicht nur wirkungslos, sondern gar kontraproduktiv.
Besonders pikant: Der Vertreter der größten Volkswirtschaft im Euroraum, Bundesbankpräsident Weidmann, war gestern zwar anwesend, hatte aber aufgrund der Rotation kein Stimmrecht. Preis des Euros und des Versagens der Kanzlerin bei der Besetzung des EZB-Präsidentenamtes. Das Draghi die deutsche Mentalität nicht verstehen kann, gab er gestern sogar auf deutsch zum besten:
Den Deutschen redet er teils auf Deutsch ins Gewissen: Die „Nein-zu-alles-strategy“ hätte in ein Desaster geführt. Das darf man wohl als Bruch mit den nörgelnden Sparbrötchen aus Deutschland verstehen, deren Vorsorge fürs Alter durch die Strafzinsen eher schrumpft statt wächst. Hätten die Deutschen wie die meisten Europäer einfach mehr Kredite aufgenommen, um Aktien oder Häuser zu kaufen, dann müssten sie heute weniger klagen, denkt man sich im Eurotower mit Blick auf die im Vergleich magersüchtigen deutschen Vermögen.
Erfolge hat er dagegen mit seiner Geldpolitik nicht vorzuweisen - das wäre auch ein Wunder, oder waren ital. Geldpolitiker schon jemals erfolgreich? :D
Doch noch weiß niemand, wohin Draghi den Euro am Ende führen wird. Immer sichtbarer hingegen sind die Risiken und Nebenwirkungen seiner Medizin, je länger sie verabreicht wird. Statt der Wirtschaft wachsen in der Währungsunion die Schulden und in Griechenland, Portugal, Spanien, Frankreich oder Italien herrscht eher Stillstand statt Reformeifer. Politisch schwächen die Euro- und die Flüchtlingskrise die Mitte, stärker werden die Ränder rechts wie links.
Dass der Präsident der Bundesbank bei dieser Entscheidung nur am Tisch sitzen, aber nicht mitstimmen durfte, ist eine Randnotiz, aber mehr als eine Petitesse, weil vor allem das finanzstarke Deutschland die Eurozone zusammenhält und das Land obendrein der mit Abstand größte Anteilseigner und Risikoträger der EZB ist. Zu gern hätte Draghi endlich Einstimmigkeit verkündet, doch es gab abermals Widerspruch zu seiner Politik – auch ohne Gegenstimme von Jens Weidmann.
Die stabilen Länder müssen sich aufgrund des Abstimmungsverfahrens dem Diktat der schuldeneuphorischen Südländer unterwerfen; der Vertreter der Bundesbank hat kein Stimmrecht, wer Geld aufnimmt, erhält einen Ausgleich von der EZB, muß also keine Zinsen zahlen, sondern bekommt Zinsen (als Schuldner!).
Ist das der Euro, den uns CDU, CSU, SPD, FDP und Grüne versprochen haben? :/ :kotz:

Die Altparteien haben natürlich kein Interesse daran, daß diese Problematik im Bundestag diskutiert wird, verschanzen sich hinter der "Unabhängigkeit der EZB". Sie wollen nur nicht, daß die historische Fehlentscheidung der Bevölkerung bewußt wird. Es wird höchste Zeit, das eine Partei, die daran nicht beteiligt war, hier auch Debatten im Parlament erzwingen kann.

Caviteño
Beiträge: 9188
Registriert: Sonntag 14. März 2010, 02:31
Wohnort: Diözesen Imus und Essen

Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Freitag 11. März 2016, 08:59

Die Einschätzung der deutschen Ökonomen zur gestrigen EZB-Entscheidung fallen einmütig und nicht positiv aus. Prof. Sinn hat es kurz vor seinem Abschied in seiner bekannten Art schön auf den Punkt gebracht:
„Dass die EZB nun beschlossen hat, den konkursgefährdeten Banken Südeuropas Langfristkredite zu einem negativen Zins von bis zu ,4 Prozent zu geben, beweist einmal mehr, dass sie eine fiskalische Umverteilungspolitik zur Rettung von Zombiebanken und fast konkursreifen Staaten betreibt.“ Diese Umverteilungspolitik sei keine Geldpolitik mehr.
http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/w ... 17585.html

Schade, daß dieser Mahner in den Ruhestand geht.

Caviteño
Beiträge: 9188
Registriert: Sonntag 14. März 2010, 02:31
Wohnort: Diözesen Imus und Essen

Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Sonnabend 12. März 2016, 09:52

Auswirkungen der Schuldenkrise - ein sehr guter Artikel in der NZZ

Wohlstand in Gefahr
Es ist zu befürchten, dass der Schuldenturm mittlerweile so hoch ist, dass sich die Krise nur noch mit drastischen Mitteln lösen lässt. Die Entwicklung geht wohl immer stärker in Richtung einer Monetarisierung von Schulden. So könnten die Zentralbanken immer mehr Schulden aufkaufen und versuchen, diese zu neutralisieren. Die Folgen dieses «grossen Experiments» sind aber völlig ungewiss. So wachsen die Zweifel am System mit ungedecktem Papiergeld, in dem Banken durch Kreditvergabe Geld «aus dem Nichts» schaffen können. Eine neuerliche Verschärfung der Krise könnte Debatten über eine Reform des Geldsystems auslösen.
Gefährlich dürfte es werden, wenn die Schuldenkrise sich immer stärker zur Vertrauenskrise auswächst. Wirtschafts- und Finanzsysteme können nur bis zu einem gewissen Grad «gedehnt» werden. Werden sie überfordert und geht das Vertrauen der Bevölkerung in das System verloren, können Krisen eine unkontrollierbare Dynamik entwickeln.

Antworten Vorheriges ThemaNächstes Thema