Steuerhinterziehung: Volkssport oder Elitenzeitvertreib?

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Gallus
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Steuerhinterziehung: Volkssport oder Elitenzeitvertreib?

Beitrag von Gallus » Sonnabend 20. April 2013, 22:12

http://www.focus.de/sport/fussball/verd ... 6627.html

Eigentlich geht man bei solchen Beträgen an hinterzogenen Steuern sicher ins Gefängnis. Wird Uli Hoeneß wohl drumherum kommen? Hätte er sich doch ein Beispiel an Beckenbauer genommen, der pendelt aus Tirol nach München und ist damit steuerlich gesehen Ausländer und auf der sicheren Seite. :hmm:

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umusungu
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Re: Steuerhinterziehung: Volkssport oder Elitenzeitvertreib?

Beitrag von umusungu » Sonnabend 20. April 2013, 22:26

sollte es Hoeness nicht an den Kragen gehen (was ich befürchte), wird die Wut in den Fußballstadien groß sein (zu recht).
Lesen die Steuerprüfer eigentlich keine Zeitung? Warum werden bei den Sportmillionären nicht regelmäßige Steuerprüfungen durchgeführt?
Der Anfangsverdacht auf Schwarzgeldkonten ist doch sehr groß - weil viele Vorbilder da sind.

iustus
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Re: Steuerhinterziehung: Volkssport oder Elitenzeitvertreib?

Beitrag von iustus » Sonnabend 20. April 2013, 22:29

Gallus hat geschrieben: Eigentlich geht man bei solchen Beträgen an hinterzogenen Steuern sicher ins Gefängnis. Wird Uli Hoeneß wohl drumherum kommen?
http://de.wikipedia.org/wiki/Selbstanzeige
Selbstanzeige ist unter anderem ein Begriff im deutschen Steuerstrafrecht, § 371 Abgabenordnung (AO).

Wer wirksam eine Selbstanzeige erstattet, kann nicht bestraft werden, obwohl er eine Steuerhinterziehung (§ 37 AO) vollendet hat. Mit dem Institut der Selbstanzeige wird „tätige Reue“ auch nach einem bereits beendeten Delikt mit Straffreiheit honoriert, ein Phänomen, das dem Strafrecht sonst fremd ist. Die strafbefreiende Selbstanzeige ist ein sogenannter persönlicher Strafaufhebungsgrund; sie soll nur jenen zugute komme, die von ihr Gebrauch machen.

Die Selbstanzeige wird nach herrschender Meinung als sogenannte Rechtswohltat angesehen und erlaubt somit die Strafbefreiung. Wichtigster Grund der strafbefreienden Selbstanzeige ist die Erschließung von Steuerquellen, die dem Staat bisher nicht bekannt waren. Durch eine Selbstanzeige wird rückwirkend die Strafbarkeit beseitigt.
„Was den Gegenstand des Glaubens betrifft, hat sich das Konzil nichts Neues ausgedacht, noch hat es Altes ersetzen wollen." (Papst Benedikt XVI.)

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Re: Steuerhinterziehung: Volkssport oder Elitenzeitvertreib?

Beitrag von Gallus » Sonnabend 20. April 2013, 22:33

Die Frage ist erstmal, wo dieser spektakulär hohe Betrag herkommt (die Presse schreibt von mehreren hundert Millionen Euro). Als Fußballer/Funktionär hat er das offensichtlich nicht verdient. Auch bei seiner Wurstfabrik dürfte es schwer sein, derart viel Geld unauffällig auf die Seite zu schaffen.

Korruption oder so etwas würde ich Hoeneß nicht unterstellen, dafür ist er nicht der Typ. Vermutlich hat er irgendwann am Anfang seiner Karriere Geld in die Schweiz geschafft, irgendein dickes Handgeld anläßlich einer Vertragsunterzeichnung vielleicht, und damit dann über Jahrzehnte sehr erfolgreich spekuliert. In dem Fall hätten deutsche Steuerprüfer – nach dem Transfer des ursprünglichen Betrages – gar keine Chance mehr gehabt, die später aufgelaufenen Spekulationsgewinne zu bemerken.

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Re: Steuerhinterziehung: Volkssport oder Elitenzeitvertreib?

Beitrag von Gallus » Sonnabend 20. April 2013, 22:36

Ja, aber mal schauen, ob er damit durchkommt. Er darf zum Zeitpunkt der Selbstanzeige nicht vermutet haben, daß bereits gegen ihn ermittelt wurde. Bei all den umlaufenden Daten-CDs könnte die Finanzverwaltung auch argumentieren, daß die Selbstanzeige nicht mehr so ganz aus freien Stücken passierte. Das Problem hatten auch schon andere Steuerhinterzieher in letzter Zeit.

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Re: Steuerhinterziehung: Volkssport oder Elitenzeitvertreib?

Beitrag von Gallus » Sonnabend 20. April 2013, 23:02

Und dann war da noch §371 Abs. 2 der Abgabenordnung:
(2) Straffreiheit tritt nicht ein, wenn...

3. die nach § 370 Absatz 1 verkürzte Steuer oder der für sich oder einen anderen erlangte nicht gerechtfertigte Steuervorteil einen Betrag von 50 000 Euro je Tat übersteigt.
Davon kann man bei den in diesem Fall kolportierten Beträgen wohl ausgehen.

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Re: Steuerhinterziehung: Volkssport oder Elitenzeitvertreib?

Beitrag von iustus » Sonnabend 20. April 2013, 23:42

Welche Beträge werden denn kolportiert?
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Re: Steuerhinterziehung: Volkssport oder Elitenzeitvertreib?

Beitrag von Maurus » Sonnabend 20. April 2013, 23:44

iustus hat geschrieben:Welche Beträge werden denn kolportiert?
Angeblich »hunderte Millionen«. Wobei man sich schon fragt, wo Hoeneß hunderte Millionen verdient haben will. Allerdings muss das ja kein Privatkonto sein.

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Re: Steuerhinterziehung: Volkssport oder Elitenzeitvertreib?

Beitrag von iustus » Sonnabend 20. April 2013, 23:52

Auf Spiegel-Online und bei der Zeit lese ich nur, dass die Beträge nicht bekannt sind. Auch in dem verlinkten Focus-Artikel steht, dass über die Höhe der fraglichen Summe weder die Staatsanwaltschaft noch Hoeneß Angaben machen wollten.
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Re: Steuerhinterziehung: Volkssport oder Elitenzeitvertreib?

Beitrag von iustus » Sonnabend 20. April 2013, 23:53

Auch bei Bild und der Welt finde ich keine Beträge.
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Re: Steuerhinterziehung: Volkssport oder Elitenzeitvertreib?

Beitrag von iustus » Sonnabend 20. April 2013, 23:57

Ah, die Münchner Abendzeitung will wissen, dass es um hunderte Millionen geht: http://www.abendzeitung-muenchen.de/inh ... dae71.html
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Re: Steuerhinterziehung: Volkssport oder Elitenzeitvertreib?

Beitrag von Paulus Minor » Sonntag 21. April 2013, 06:56

Uli Hoeneß' Wurstfabrik besteht schon seit 28 Jahren und beliefert u.a. Aldi (ca. 5000 Filialen in Deutschland) und McDonald. Da kommt schon etwas zusammen. Von Mitarbeitern der Wurstfabrik, die ich kenne, weiß ich, dass die Fabrik immer wieder Überstunden machen muss, um die Nachfrage zu befriedigen. (Gesamtproduktionsleistung von bis zu 4 Mio. Stück pro Tag)

Außerdem ist Hoeneß Aufsichtsratsmitglied der Allianz.

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Re: Steuerhinterziehung: Volkssport oder Elitenzeitvertreib?

Beitrag von iustus » Sonntag 21. April 2013, 07:38

Paulus Minor hat geschrieben:Uli Hoeneß' Wurstfabrik besteht schon seit 28 Jahren und beliefert u.a. Aldi (ca. 5000 Filialen in Deutschland) und McDonald. Da kommt schon etwas zusammen. Von Mitarbeitern der Wurstfabrik, die ich kenne, weiß ich, dass die Fabrik immer wieder Überstunden machen muss, um die Nachfrage zu befriedigen. (Gesamtproduktionsleistung von bis zu 4 Mio. Stück pro Tag)

Außerdem ist Hoeneß Aufsichtsratsmitglied der Allianz.
Das sagt freilich noch gar nichts darüber aus, wieviel von seinem Geld er in der Schweiz hatte oder hat.
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Re: Steuerhinterziehung: Volkssport oder Elitenzeitvertreib?

Beitrag von Pius PP » Sonntag 21. April 2013, 09:55

Seit Einführung der Abgeltungssteuer in Deutschland spart man als Ausländer in der Schweiz nicht so wirklich Steuern. Bei Verrrechnunsteuersätzen von bis zu 35% in der Schweiz und 25% + Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag lieget man in DE bei rd 28,6%.

An der Rendite kann es auch nicht liegen, so viel besser ist die in der Schweiz auch nicht.

Es muss bei dem Phänomen Geld z.B. in der Schweiz zu horten noch um etwas anderes gehen, z. B. fehlendes Vertrauen in das hiesige System, und dann gibt es vielleicht auch noch Personen, die von dem Geld nichts wissen sollen (Gläubiger, Ex- und Noch-Ehefrauen, Geschäftspartner etc.) oder das Geld soll einfach dem Zugriff Dritter entzogen werden.

Ich denke die Ursachen liegen häufig woanders die Steuerhinterziehung ist ein in Kauf genommener Zusatzeeffekt.
Ich glaube an Gott, liebe die Kirche, leide wegen ihres Schicksals, will ihr dienen, jedoch nicht um den Preis der Anpassung, um diesen schrecklichen Preis, den die Kirchenleitung bezahlt und den zu bezahlen man auch mir anbietet.
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Re: Steuerhinterziehung: Volkssport oder Elitenzeitvertreib?

Beitrag von Caviteño » Sonntag 21. April 2013, 15:18

Pius PP hat geschrieben:
Es muss bei dem Phänomen Geld z.B. in der Schweiz zu horten noch um etwas anderes gehen, z. B. fehlendes Vertrauen in das hiesige System, und dann gibt es vielleicht auch noch Personen, die von dem Geld nichts wissen sollen (Gläubiger, Ex- und Noch-Ehefrauen, Geschäftspartner etc.) oder das Geld soll einfach dem Zugriff Dritter entzogen werden.

Ich denke die Ursachen liegen häufig woanders die Steuerhinterziehung ist ein in Kauf genommener Zusatzeeffekt.
:daumen-rauf:

Nicht jeder, der Geld in der Schweiz hat, sollte als Steuerhinterzieher angesehen werden - der Fall Hoeneß liegt natürlich anders. Andererseits werden durch die Zinsverordnung nur bestimmte Erträge erfaßt. Rechtsanwälte, Steuerberater und Banker sind findig genug, diese Bestimmungen legal zu umgehen.

Ich wage mir nicht vorzustellen, wie hoch die Beträge wären, die in Schweiz fließen würden, wenn die deutschen (Volks-)Banken und Sparkassen dort (online-) Filialen errichten und aktiv für eine Anlage dort werben würden. Einfach die Gewissheit zu haben, daß Schäuble nicht auf die Sparguthaben zur "Rettung" der Peripherie-Länder zugreifen kann und das Geld dort "sicher" ist, ist es bereits wert, eine geringfügig kleinere Rendite in Kauf zu nehmen. Daß diese "Marktlücke" nicht genutzt wird und Schweizer Banken z. Zt. an "normalen" deutschen Kunden nicht interessiert sind, zeigt deutlich den Versuch der Euro-Regierungen, das Geld "im Lande zu halten". Nur wenn die Konten im Inland (bzw. im EUro-Raum) sind, hat die Regierung der Kontrolle und der Bürger ist gläsern.

Nachtrag:
Obwohl ich wirklich kein Freund der SPD bin - aber hier hat sie richtig gehandelt:
Er habe die „Angelegenheit ursprünglich“ über das Deutsch-Schweizer Steuerabkommen regeln wollen, das „dann bekanntlich Mitte Dezember 212 nicht zustande gekommen“ sei, wurde der Fußballmanager zitiert.
(...)
Der Bundesrat hatte das geplante Steuerabkommen mit der Schweiz im Februar endgültig beerdigt. Die Länderkammer lehnte den Gesetzentwurf der Bundesregierung ab, nachdem bereits der letzte Einigungsversuch im gemeinsamen Vermittlungsausschuss mit dem Bundestag gescheitert war. Ziel des Abkommens war es, in der Schweiz angelegtes Vermögen wie in Deutschland zu besteuern.
http://www.handelsblatt.com/unternehmen ... 96538.html

Jetzt steht "Euro-Retter" Schäuble ziemlich dumm da - ich kann eine klammheimliche Freude darüber nicht verhehlen....

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Re: Steuerhinterziehung: Volkssport oder Elitenzeitvertreib?

Beitrag von Gallus » Sonntag 21. April 2013, 15:56

Caviteño hat geschrieben:Jetzt steht "Euro-Retter" Schäuble ziemlich dumm da - ich kann eine klammheimliche Freude darüber nicht verhehlen....
Wobei wir hier natürlich über eine Stichprobe im Umfang n=1 reden. Es ist klar, daß die SPD das bei einem so prominenten Fall auch groß ausschlachten muß. Aber ob unterm Strich über Selbstanzeigen und Strafverfolgung mehr zusätzliches Steueraufkommen generiert wird als über den geordneten, alle deutschen Guthaben in der Schweiz erfassenden Mechanismus des Steuerabkommens, das würde ich mal bezweifeln. Ich glaube schon, daß Schäubles Abkommen für Deutschland der lukrativere Weg gewesen wäre.

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Re: Steuerhinterziehung: Volkssport oder Elitenzeitvertreib?

Beitrag von Caviteño » Sonntag 21. April 2013, 21:00

Gallus hat geschrieben:
Caviteño hat geschrieben:Jetzt steht "Euro-Retter" Schäuble ziemlich dumm da - ich kann eine klammheimliche Freude darüber nicht verhehlen....
Wobei wir hier natürlich über eine Stichprobe im Umfang n=1 reden. Es ist klar, daß die SPD das bei einem so prominenten Fall auch groß ausschlachten muß. Aber ob unterm Strich über Selbstanzeigen und Strafverfolgung mehr zusätzliches Steueraufkommen generiert wird als über den geordneten, alle deutschen Guthaben in der Schweiz erfassenden Mechanismus des Steuerabkommens, das würde ich mal bezweifeln. Ich glaube schon, daß Schäubles Abkommen für Deutschland der lukrativere Weg gewesen wäre.
Darüber kann man natürlich trefflich streiten, weil eine exakte Antwort nie möglich ist.

Im Fall Hoeneß (und in allen anderen Fällen) ist allerdings folgendes zu beachten:

Das geplante Steuerabkommen mit der Schweiz sah zur "Entkriminalisierung" Steuersätze von 21% bis 41% vor. Es kommt jedoch darauf an, wie diese Vermögen entstanden ist. Dabei sind - dargestellt am Fall "Hoeneß" folgende Möglichkeiten denkbar:

1. Das Kapital in der Schweiz stammt aus versteuerten Einnahmen, nur die Zinsen wurden dem Fiskus bisher vorenthalten.
In diesem Fall wäre ein Steuersatz von 21% zwar ein "Rabatt" gegenüber dem geltenden Steuersatz von 25% (die höhere Steuerbelastung in der Vergangenheit und die anfallenden Hinterziehungszinsen lasse ich mal "außen" vor) vertretbar, weil kein Verwaltungsaufwand zur Generierung der Einnahmen erforderlich ist.

2. Beim Kapital handelt es sich um Einnahmen, die seiner Wurstfabrik (bei anderen: ihrem Unternehmen) zuzuordnen sind (z.B. nicht erklärte Einnahmen und/oder kick-back-Zahlungen der Lieferanten).
Hier sieht die Rechnung anders aus, denn neben der Einkommensteuer wurden auch Gewerbe- und Umsatzsteuer hinterzogen. Eine überschlägige Rechnung führt zu folgenden Zahlen:
nicht erklärte (angenommene) Einnahmen: 10 Mio €
darin Umsatzsteuer 7% (Wurst) = ca. 650k €
Gewerbesteuer (10 Mio - 650k = 9,3 Mio, davon 20% =) ca. 1,8 Mio €
Einkommensteuer (9,3 Mio - 1,8 Mio, davon 40% =) 3 Mio €
Summe (0,65 + 1,8+ 3 =) 5,5 Mio € zzgl 6% Zinsen p.a.

Anhand der Zahlen wird klar, daß Schäuble mit dem Abkommen ein großes "Steuerhinterzieher-Subventionierungs-Programm" starten wollte. Deswegen hat - nicht nur aus politischen Gründen - NRW seine Zustimmung verweigert. Die Steuererhebung ist in D. Ländersache und NRW hat in der Vergangenheit die Mehrzahl der angekauften Steuer-CD's bearbeitet und kennt daher die Ergebnisse der Auswertung. Es waren ja nicht nur die SPD-regierten Länder, die Bedenken gegen das Abkommen äußerten und trotz der von Herrn Schäuble angebotenen Zahlungen ihre Zustimmung verweigerten. Auch die Steuergewerkschaft hat das Abkommen abgelehnt.

Ein weiterer Schwachpunkt der geplanten Vereinbarung war, daß sie nur für Fälle galt, bei denen der deutsche Steuerpflichtige am 01. 01. 2013 noch Kunde einer Schweizer Bank war. Da das Abkommen bereits seit längerer Zeit bekannt war, bestand für alle Kunden die Möglichkeit, das Geld an andere Banken z.B. nach Singapur zu transferieren. Das Abkommen scheiterte im Laufe des Jahres 2012. Auch hier muß man Schäuble vorwerfen, daß er mutmaßliche Steuerhinterzieher mit diesem Abkommen begünstigen wollte - gut sichtbar auch am Fall "Hoeneß", der auf den Abschluß des Abkommens (mit Vorzugskonditionen) wartete und dann im Januar 2013 die "Selbstanzeige" einreichte.

Ich bin der Überzeugung, daß der Ankauf von Steuer-CD's oder die Mitteilungen über die Gestaltung in Steuroasen erheblich wirkungsvoller sind, als das von Schäuble geplante Abkommen mit der Schweiz. Sie zerstören dieses Geschäftsmodell - ähnlich wie die Beteiligung der Bankkunden bei der Zypern-"Rettung".

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Re: Steuerhinterziehung: Volkssport oder Elitenzeitvertreib?

Beitrag von Pius PP » Sonntag 21. April 2013, 22:19

Bei allem Sinn für Steuergerechtigkeit bin ich immer noch der Auffassung, das sich der Staat nicht zum Hehler machen sollte. Und das genau tut er, wenn er illegal beschaffte Daten aufkauft (§ 259 StGB).

Wenn er den Datenklau auch noch beauftragen würde wäre das sogar Anstiftung zu einer Straftat (§ 26 StGB).

In diesem Land heiligt der Zweck schon lange die Mittel.
Ich glaube an Gott, liebe die Kirche, leide wegen ihres Schicksals, will ihr dienen, jedoch nicht um den Preis der Anpassung, um diesen schrecklichen Preis, den die Kirchenleitung bezahlt und den zu bezahlen man auch mir anbietet.
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Re: Steuerhinterziehung: Volkssport oder Elitenzeitvertreib?

Beitrag von Gallus » Sonntag 21. April 2013, 22:32

Pius PP hat geschrieben:Bei allem Sinn für Steuergerechtigkeit bin ich immer noch der Auffassung, das sich der Staat nicht zum Hehler machen sollte. Und das genau tut er, wenn er illegal beschaffte Daten aufkauft (§ 259 StGB).
Hätte ich früher auch so gesagt, aber nachdem die Praxis inzwischen höchstrichterlichen Segen hat (was ich nicht erwartet hätte), kann ich damit leben.

Caviteño hat schon Recht, daß diese Daten-CDs den Schweizer Banken das Geschäftsmodell völlig kaputt machen. Die Amerikaner haben es staatlicherseits noch aggressiver gehandhabt und richtig Druck auf die Banken ausgeübt (z.B. Verhaftungen von Bankern bei Einreise in die USA, Drohungen mit Lizenzentzug in den USA usw.), so daß viele Banken in der Schweiz inzwischen regelrecht bemüht sind, ihre amerikanischen Kunden los zu werden. Insgesamt wandelt sich der Bankensektor in der Schweiz gerade völlig. Die Schweiz als Steueroase wird in ein paar Jahren nicht mehr existieren.

Und dann kann die Schweiz mal die Kavallerie nach Deutschland schicken, damit die schweizerischen Steuerflüchtlinge aufgedeckt werden, die vor der helvetischen Quellensteuer auf Kapitalerträge zu süddeutschen Banken flüchten. :D

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Re: Steuerhinterziehung: Volkssport oder Elitenzeitvertreib?

Beitrag von Peregrin » Sonntag 21. April 2013, 22:42

Gallus hat geschrieben: Caviteño hat schon Recht, daß diese Daten-CDs den Schweizer Banken das Geschäftsmodell völlig kaputt machen.
Datendiebstahl macht jeder Bank, überhaupt jedem Unternehmen das Geschäftsmodell kaputt. Was soll das beweisen?
Die Amerikaner haben es staatlicherseits noch aggressiver gehandhabt und richtig Druck auf die Banken ausgeübt
Die Amerikaner machen vieles aggressiver, aber daher noch nicht besser. (Im konkreten Fall wollten sich die amerikanischen Banken natürlich nur Konkurrenz vom Hals schaffen. Bei den Amis ist man da nicht zimperlich, wenn man sich z.B. auch erinnert, wie dort Toyota mitgespielt wurde, als die eigenen Autohersteller gerade ein bißchen Anschub gebraucht haben.)
Ich bin der Kaiser und ich will Knödel.

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Re: Steuerhinterziehung: Volkssport oder Elitenzeitvertreib?

Beitrag von Pius PP » Sonntag 21. April 2013, 22:42

Gallus hat geschrieben: Hätte ich früher auch so gesagt, aber nachdem die Praxis inzwischen höchstrichterlichen Segen hat (was ich nicht erwartet hätte), kann ich damit leben. :D
Schlimm genug dass so eine Entscheidung gefällt wurde.

Man mus sie sicher akzeptieren, aber wie mein Anwalt zu sagen pflegt: "Die Moral habe ich nicht zu beurteilen".
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Re: Steuerhinterziehung: Volkssport oder Elitenzeitvertreib?

Beitrag von Gallus » Sonntag 21. April 2013, 22:52

Peregrin hat geschrieben:Die Amerikaner machen vieles aggressiver, aber daher noch nicht besser. (Im konkreten Fall wollten sich die amerikanischen Banken natürlich nur Konkurrenz vom Hals schaffen.
In dem Fall glaube ich nicht. Da ging es wirklich ums Steuersubstrat. Und die schweizerischen Banker haben sich da ja auch wirklich selten dämlich verhalten – in die USA einzureisen und dort Kunden offen Tipps für erfolgreiche Steuerhinterziehung geben, sich dabei noch vom FBI abhören zu lassen... :vogel: Ohne dieses gierige Werben um illegale Kundschaft hätten die Amerikaner gar keinen so großen Hebel gehabt, um die Sache anzugehen.

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Re: Steuerhinterziehung: Volkssport oder Elitenzeitvertreib?

Beitrag von Pilgerer » Montag 22. April 2013, 11:44

Pius PP hat geschrieben:Bei allem Sinn für Steuergerechtigkeit bin ich immer noch der Auffassung, das sich der Staat nicht zum Hehler machen sollte. Und das genau tut er, wenn er illegal beschaffte Daten aufkauft (§ 259 StGB).

Wenn er den Datenklau auch noch beauftragen würde wäre das sogar Anstiftung zu einer Straftat (§ 26 StGB).

In diesem Land heiligt der Zweck schon lange die Mittel.
Geheimdienste können sowas im Stillen tun, aber die offizielle Regierung dürfte sich nicht öffentlich zum Hehlertum bekennen.
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Re: Steuerhinterziehung: Volkssport oder Elitenzeitvertreib?

Beitrag von Knecht Ruprecht » Montag 22. April 2013, 15:07

Anstelle von Uli würde ich ganz aus Deutschland und der EU abwandern.
Es gibt genügend Staaten auf der Welt, in denen arbeitende Einwohner nicht zu Gunsten der sozialen Hängematte mit hohen Steuern und Abgaben bestraft werden.

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Re: Steuerhinterziehung: Volkssport oder Elitenzeitvertreib?

Beitrag von Paulus Minor » Montag 22. April 2013, 18:05

Knecht Ruprecht hat geschrieben:Anstelle von Uli würde ich ganz aus Deutschland und der EU abwandern.
Dann sollte "Uli" auch seine Wurstfabrik minehmen, mit der er in Deutschland recht gut verdient hat, und seine Würste woanders verkaufen. Der FCB München würde allerdings wohl nicht mitgehen.

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Re: Steuerhinterziehung: Volkssport oder Elitenzeitvertreib?

Beitrag von Caviteño » Montag 22. April 2013, 19:18

Paulus Minor hat geschrieben:
Knecht Ruprecht hat geschrieben:Anstelle von Uli würde ich ganz aus Deutschland und der EU abwandern.
Dann sollte "Uli" auch seine Wurstfabrik minehmen, mit der er in Deutschland recht gut verdient hat, und seine Würste woanders verkaufen. Der FCB München würde allerdings wohl nicht mitgehen.
Es bleibt doch jedem selbst überlassen, seine Mißbilligung über das steuerliche Verhalten des Eigentümer Hoeneß durch einen Boykott seiner Wurstwaren auszudrücken. Gehen die Umsätze zurück, ist er ganz schnell aus den lukrativen Verträgen mit den deutschen Discountern raus.
Im übrigen müßte "Uli" auf seinen Gewinnanteil aus der Wurstfabrik weiterhin in D. Steuern zahlen - egal in welchem Land er sein neues Domizil aufschlagen sollte.

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Re: Steuerhinterziehung: Volkssport oder Elitenzeitvertreib?

Beitrag von Torsten » Montag 22. April 2013, 19:46

achgut hat geschrieben:Würstchen zum Abschuß
Burkhard Müller-Ullrich

Flammt jetzt die Diskussion um Überwachungskameras im öffentlichen Raum wieder so richtig auf? Denn wie sonst soll man die Bewegungen der vielen Hoenesse mit ihren Geldkoffern in Richtung Schweiz verfolgen? Und Verfolgung – darum geht es ja, das ist das Stichwort; und zwar öffentliche Verfolgung, Hetz- und Treibjagd, manhunt. Das Wort Staatsfeind liegt in der Luft; es bezieht sich nicht auf ideologisch motivierte Massenmörder oder kulturell andersgeprägte Totschläger, sondern es geht um zwar in schwindelerregender, aber immer noch nicht ganz ausreichender Höhe bezahlte Steuern.[...]
In "schwindelerregender" Höhe bezahlte Steuern." Ganz ehrlich, Burkhard, dem arbeitenden Einwohner egal welchen Landes wird eher kotzübel angesichts der "schwindelerregenden" Höhe der Einkünfte, und der Trickserei und dem Gefeilsche, die auf dem Niveau möglich ist und üblich zu sein scheint, wo das Geld "arbeitet". Denn es ist mir nicht bekannt, dass Uli Hoeneß einen Zweitjob in der Schweiz hätte, wo er die Millionen verdient hat, derer er sich jetzt selbst anklagt, sie zu besitzen.

Als Fußball-Hasser im Allgemeinen und kein Bayern-Fan im besonderen kann ich trotzdem sagen: Der Uli hat das Geld heimlich zamgehalten, wo es Politiker nur ausgeben, nicht selten gegen den mehrheitlichen Willen derer, die ihre Stimme nicht ins Stadion tragen, um sie dort abzugeben ..

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Re: Steuerhinterziehung: Volkssport oder Elitenzeitvertreib?

Beitrag von Edi » Montag 22. April 2013, 21:52

Torsten hat geschrieben:
achgut hat geschrieben:Würstchen zum Abschuß
Burkhard Müller-Ullrich

Flammt jetzt die Diskussion um Überwachungskameras im öffentlichen Raum wieder so richtig auf? Denn wie sonst soll man die Bewegungen der vielen Hoenesse mit ihren Geldkoffern in Richtung Schweiz verfolgen? Und Verfolgung – darum geht es ja, das ist das Stichwort; und zwar öffentliche Verfolgung, Hetz- und Treibjagd, manhunt. Das Wort Staatsfeind liegt in der Luft; es bezieht sich nicht auf ideologisch motivierte Massenmörder oder kulturell andersgeprägte Totschläger, sondern es geht um zwar in schwindelerregender, aber immer noch nicht ganz ausreichender Höhe bezahlte Steuern.[...]
In "schwindelerregender" Höhe bezahlte Steuern." Ganz ehrlich, Burkhard, dem arbeitenden Einwohner egal welchen Landes wird eher kotzübel angesichts der "schwindelerregenden" Höhe der Einkünfte, und der Trickserei und dem Gefeilsche, die auf dem Niveau möglich ist und üblich zu sein scheint, wo das Geld "arbeitet". Denn es ist mir nicht bekannt, dass Uli Hoeneß einen Zweitjob in der Schweiz hätte, wo er die Millionen verdient hat, derer er sich jetzt selbst anklagt, sie zu besitzen.

Als Fußball-Hasser im Allgemeinen und kein Bayern-Fan im besonderen kann ich trotzdem sagen: Der Uli hat das Geld heimlich zamgehalten, wo es Politiker nur ausgeben, nicht selten gegen den mehrheitlichen Willen derer, die ihre Stimme nicht ins Stadion tragen, um sie dort abzugeben ..
Der Müller-Ullrich hat doch keine Ahnung. Wenn diese Reichen alle ihre Steuern korrekt bezahlen würden - man rechnet, dass das etwa 30 Milliarden im Jahr sind - würde die Regierung längst keine neuen Kredite mehr aufnehmen müssen. Das würde bedeuten, dass die Verschuldung des Staates heute viel geringer wäre und damit auch die Zinslast des Staates und am Ende käme das allen Steuerzahler zugute, denn man könnte langfristig gesehen sogar die Steuern für alle senken. Vorausgesetzt natürlich, dass die Politiker sich nicht wieder neue horrente Ausgaben einfallen liessen.
Ich bin ganz dafür, dass man ab einer gewissen Summe der entzogenen Steuern, die aber deutlich niedriger ist als 1 Million, die jetzt gilt, den Betreffenden in jedem Fall gesiebte Luft verschreibt.
Es lebt der Mensch im alten Wahn.
Wenn tausend Gründe auch dagegen sprechen,
der Irrtum findet immer freie Bahn,
die Wahrheit aber muss die Bahn sich brechen.

Die meisten Leute werden immer schmutziger je älter sie werden, weil sie sich nie waschen.

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Re: Steuerhinterziehung: Volkssport oder Elitenzeitvertreib?

Beitrag von Pius PP » Montag 22. April 2013, 22:51

Edi hat geschrieben: ..... Vorausgesetzt natürlich, dass die Politiker sich nicht wieder neue horrente Ausgaben einfallen liessen.......
Ich befürchte aber, dass genau das passiert wäre.
Ich glaube an Gott, liebe die Kirche, leide wegen ihres Schicksals, will ihr dienen, jedoch nicht um den Preis der Anpassung, um diesen schrecklichen Preis, den die Kirchenleitung bezahlt und den zu bezahlen man auch mir anbietet.
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Peregrin
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Re: Steuerhinterziehung: Volkssport oder Elitenzeitvertreib?

Beitrag von Peregrin » Dienstag 23. April 2013, 01:46

Edi hat geschrieben:Wenn diese Reichen alle ihre Steuern korrekt bezahlen würden - man rechnet, dass das etwa 30 Milliarden im Jahr sind - würde die Regierung längst keine neuen Kredite mehr aufnehmen müssen. Das würde bedeuten, dass die Verschuldung des Staates heute viel geringer wäre und damit auch die Zinslast des Staates und am Ende käme das allen Steuerzahler zugute, denn man könnte langfristig gesehen sogar die Steuern für alle senken. Vorausgesetzt natürlich, dass die Politiker sich nicht wieder neue horrente Ausgaben einfallen liessen.
An der Voraussetzung scheitert es natürlich. Politiker versenken alles Geld, das sie in die Finger kriegen. Es ist daher geradezu unmoralisch, ihnen welches zu überlassen. "Ehrliche" Steuerzahler sind Mitschuldige, Financiers von Korruption, Freunderlwirtschaft, Unterdrückung, Ausbeutung, Verschwendung und Kriegstreiberei.
Ich bin der Kaiser und ich will Knödel.

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Re: Steuerhinterziehung: Volkssport oder Elitenzeitvertreib?

Beitrag von Caviteño » Dienstag 23. April 2013, 20:29

Die Medien melden, daß gegen "Uli" ein Haftbefehl vorlag, der nach Zahlung einer Kaution iHv fünf Mio € (der Staatsanwalt hatte sieben Mio € gefordert) außer Vollzug gesetzt wurde.

http://www.sueddeutsche.de/sport/verdac ... -1.165758

Daraus:
Die vorläufige Festnahme ist ein ernster Hinweis, dass eine Selbstanzeige von Hoeneß wegen unversteuerter Spekulationsgewinne möglicherweise nicht strafbefreiend sein wird. Hoeneß, der über ein Jahrzehnt ein dem Fiskus nicht bekanntes Konto bei einer Schweizer Bank unterhielt, hat die Selbstanzeige Mitte Januar beim Finanzamt Miesbach eingereicht, das für ihn zuständig ist. Zugleich soll er mindestens 3,2 Millionen Euro Steuern samt Aufschlägen an den Fiskus gezahlt haben, um seine Steuerschuld zu tilgen.
Der gefeierte Fußballstar steht als Steuerhinterzieher mit hoher krimineller Energie da - auch wenn seine Freunde jetzt nur von einem "Fehler" sprechen:
„Uli Hoeneß ist kein Betrüger, da ist ihm irgendein Fehler unterlaufen, das kann sein“, sagte Beckenbauer im TV-Sender Sky Sport News HD. „Ich halte zu ihm, immer, ganz gleich was passiert, das habe ich ihm auch gestern auf Band gesprochen“, erklärte der Weltmeister von 1974.
http://www.faz.net/aktuell/politik/inla ... 59817.html

:regel: :vogel:

Irgendwie erinnert mich das Verhalten von Hoeneß an den früheren Bundespräsidenten - die gleiche Selbstgefälligkeit, die das Tun anderer verurteilt, selbst aber genauso handelt:
Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung hat der damalige Chef von Adidas, Robert Louis-Dreyfus, im Jahr 2 dem mit ihm befreundeten Hoeneß auf einem Konto der Schweizer Privatbankgruppe Vontobel 2 Millionen Mark für Spekulationsgeschäfte zur Verfügung gestellt.
Zu diesem Zweck soll Louis-Dreyfus einen Betrag von fünf Millionen Mark auf das Konto überwiesen und für Hoeneß einen Kredit von weiteren 15 Millionen Mark durch eine Bürgschaft abgesichert haben.
Mit diesen umgerechnet zehn Millionen Euro sollen zunächst sowohl Louis-Dreyfus als auch Hoeneß an der Börse und anderswo spekuliert haben. Nach ein oder zwei Jahren soll der Bayern-Manager die fünf Millionen Mark sowie den Kredit zurückgezahlt haben.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/sozial ... 95986.html

und wie war die Meinung von Herrn Hoeneß zu "Spekulanten" und was sagte er zu seiner eigenen Geldanlage:
Offen wie selten zuvor ein deutscher Top-Manager hat sich Uli Hoeneß, Präsident des FC Bayern München, im Interview mit dem neuen „Handelsblatt Investor“ über Banker, Spekulanten und seine eigene Geldanlage geäußert. Besonders die Finanzbranche kritisiert er dabei mit deutlichen Worten. „Sie wollen alle das große Rad drehen und manipulieren dabei die Märkte“, sagte er. Dabei schauten viele Banken nicht mehr darauf, dass es ihren Kunden gut geht, sondern vor allem der eigenen Kasse.
(...)
Heftig ins Gericht ging Hoeneß auch mit Händlern und Investmentbankern in den großen Finanzzentren dieser Welt, die seiner Ansicht nach aus der Finanzkrise nichts gelernt haben. „In London werden die gleichen großen Partys gefeiert wie vor fünf Jahren. Vom Bonus wird dann der neue Ferrari gekauft. Das ist doch verrückt“, empörte sich Hoeneß. Der nächste Crash werde kommen, ist er sich sicher. Und dann werde man die Folgen nicht mehr so leicht bezahlen können.
(...)
Sein Geld legt der Bayern-Präsident besonders in konservative Aktien wie die Deutsche Telekom, die Allianz, Eon, Siemens, Adidas und VW an. Gar nichts hält er dagegen vom aktuellen Hype um Gold: „Wenn alles kaputt gehen sollte, dann nützt mir mein Gold auch nichts. Soll ich denn beim Bäcker künftig mit Krügerrand bezahlen?“, fragte er.
http://www.handelsblatt.com/handelsblat ... 29674.html

Er darf natürlich das machen, was er bei anderen als verwerflich einstuft. Der Unterschied ist allerdings, daß die Banken auf ihre Spekulationsgewinne Steuern zahlen - von Herrn Hoeneß gingen seine "Freunde" zwar auch davon aus, aber dem war ja bis zu seiner Selbstanzeige nicht so.

Ich verstehe nicht, daß er sich weiterhin an seinen Posten in dem Fußballverein klammert - mit einem Steuerhinterzieher werden die Sponsoren doch keine Geschäfte machen wollen (sofern sie nicht aus Ländern kommen, wo das üblich ist).

Lilaimmerdieselbe
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Re: Steuerhinterziehung: Volkssport oder Elitenzeitvertreib?

Beitrag von Lilaimmerdieselbe » Mittwoch 24. April 2013, 01:13

Peregrin, Sie rufen kaum verhüllt zu einer Straftat auf! Ich hoffe, Sie haben das nicht ernst gemeint.

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