Thema Islam

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Petra
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Beitrag von Petra » Montag 13. September 2004, 21:59

Nietenolaf hat geschrieben:
Fichtel-Wichtel hat geschrieben:@ Ralf!Frag doch mal den Technik Admin,wie arabische Schriftzeichen hier lesbar wären.
[center]بِسْمِ اللّهِ الرَّحْمـَنِ الرَّحِيم
الْحَمْدُ للّهِ رَبِّ الْعَالَمِين
الرَّحْمـنِ الرَّحِيم
مَـالِكِ يَوْمِ الدِّين
[/center]
Hiermit beantrage ich die Verschiebung dieses Threads in den nichtchristlichen Bereich.

Eigentlich sollte obiger Text überhaupt nicht in einem katholischen Forum zitiert werden, und sei es auch nur aus Respekt für gläubige Muslime.

Petra
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Beitrag von Petra » Montag 13. September 2004, 22:03

Moslem ist die persische Lesart. Ebenso wie der Plural Mosalmaan, den man hier früher als "Muselmanen" verwendete.

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roncalli
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Beitrag von roncalli » Montag 13. September 2004, 22:08

Petra hat geschrieben:
Nietenolaf hat geschrieben:
Fichtel-Wichtel hat geschrieben:@ Ralf!Frag doch mal den Technik Admin,wie arabische Schriftzeichen hier lesbar wären.
[center]بِسْمِ اللّهِ الرَّحْمـَنِ الرَّحِيم
الْحَمْدُ للّهِ رَبِّ الْعَالَمِين
الرَّحْمـنِ الرَّحِيم
مَـالِكِ يَوْمِ الدِّين
[/center]
Hiermit beantrage ich die Verschiebung dieses Threads in den nichtchristlichen Bereich.

Eigentlich sollte obiger Text überhaupt nicht in einem katholischen Forum zitiert werden, und sei es auch nur aus Respekt für gläubige Muslime.
Na ja, Papst Johannes paul II. hat auch schon einmal einen Koran geküsst.

[center]Bild[/center]

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Nietenolaf
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Beitrag von Nietenolaf » Dienstag 14. September 2004, 00:51

Petra hat geschrieben:Eigentlich sollte obiger Text überhaupt nicht in einem katholischen Forum zitiert werden, und sei es auch nur aus Respekt für gläubige Muslime.
Das mußt Du mir jetzt aber mal begründen. Der Text (der Anfang der Fatiha) ist weder blasphemisch, noch antichristlich, noch anti-muslimisch: man sieht ihn in jedem Dönerladen hängen. "Lob und Preis sei Gott, dem Allerbarmer, dem Barmherzigen! Alles Lob gebührt Gott, dem Herrn der Welten, dem Allerbarmer, dem Barmherzigen, der da herrscht am Tag des Gerichts." Das ist Lobpreisung. Doxa.

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beatrice
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Beitrag von beatrice » Dienstag 14. September 2004, 09:44

Ich frage mich schon seit Jahren, warum noch an der Integrier-Illusion festgehalten wird. Das geht bei anderen Kulturkreisen eh nicht, hat auch nie funktioniert - es sei denn durch (oft zwangsweise) Assimilation.
Kann ich Dir nur voll zustimmen.

Beatrice

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Beitrag von max72 » Dienstag 14. September 2004, 09:56

beatrice hat geschrieben:
Ich frage mich schon seit Jahren, warum noch an der Integrier-Illusion festgehalten wird. Das geht bei anderen Kulturkreisen eh nicht, hat auch nie funktioniert - es sei denn durch (oft zwangsweise) Assimilation.
Kann ich Dir nur voll zustimmen.

Beatrice
Ein Beispiel ist vielleicht die USA: Da leben viele Kulturen, aber halt nebeneinander har. Da hat man eine "Chinatown", in der alle leben wie wenn sie in China waeren.

Ist ein Nebeneinanderherleben dann die Loesung?

Gruss

Max

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mr94
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Beitrag von mr94 » Dienstag 14. September 2004, 10:19

max72 hat geschrieben:Ist ein Nebeneinanderherleben dann die Loesung?
Funktioniert in Kreuzberg so schlecht nicht. Angeblich die größte türkische Stadt auf dem europäischen Kontinent nach Istanbul (West).

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beatrice
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Beitrag von beatrice » Dienstag 14. September 2004, 10:22

@Max
Das habe ich mich auch schon oft gefragt. Wenn Kulturen es schaffen relativ friedlich nebeneinander zu leben (innerhalb eines Landes), empfinde ich es nicht als das Schlechteste. Ist es nicht oft ein falscher Idealismus zu meinen, man müßte alles und jeden immer integrieren? Wenn man sich in seinem Kulturkreis gefestigt und souverän fühlt (und nicht von Assimilation bedroht), ist der Mensch vielleicht eher geneigt einer anderen Kultur gegenüber Toleranz zu üben.

Beatrice

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Beitrag von max72 » Dienstag 14. September 2004, 10:24

mr94 hat geschrieben:
max72 hat geschrieben:Ist ein Nebeneinanderherleben dann die Loesung?
Funktioniert in Kreuzberg so schlecht nicht. Angeblich die größte türkische Stadt auf dem europäischen Kontinent nach Istanbul (West).
Ich wuerde sagen in den USA funktioniert es nicht so sonderlich toll, aber vielleicht eben so gut wie es eben gehen kann...

Es muss ja in Einzelfragen zu Konflikten kommen. Wenn nicht jede Seite wirklich Respekt vor der anderen hat, auch wenn man uneinig ist, dann ist es schwer Konflikt zu vermeiden. Beim Islam haben viele heute Zweifel, wie sie denn bereit sind sich gegenueber anderen zu verhalten. Der zitierte Artikel der Zeit ist ein gutes Zeichen, Muslime die deutlich vom Terror Abstand nehmen und damit Vertrauen schaffen koennen. Allerdings wuerde ich das gerne von vielen mehr hoeren. Gerade auch in islamischen Laendern. Menschen im Fernsehen, die begeistert von Bin Laden reden, sind nicht sehr vertrauenserweckend....

Gruss

Max

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Beitrag von max72 » Dienstag 14. September 2004, 10:28

beatrice hat geschrieben:@Max
Das habe ich mich auch schon oft gefragt. Wenn Kulturen es schaffen relativ friedlich nebeneinander zu leben (innerhalb eines Landes), empfinde ich es nicht als das Schlechteste. Ist es nicht oft ein falscher Idealismus zu meinen, man müßte alles und jeden immer integrieren? Wenn man sich in seinem Kulturkreis gefestigt und souverän fühlt (und nicht von Assimilation bedroht), ist der Mensch vielleicht eher geneigt einer anderen Kultur gegenüber Toleranz zu üben.

Beatrice
Es geht solange man akzeptieren kann, dass der andere eine andere Meinung hat. Bei manchen Fragen geht das eben nicht. Das ist eben die Frage nach der Wahrheit, wo sich verschiedene Glaubensrichtungen unterscheiden. Da koennen ja nicht mal Atheisten und Religioese gut zusammenleben. Ein Christ, und auch ein Moslem oder Buddhist, kann zB Abtreibung einfach nicht tolerieren. Da kann er keine Kompromisse machen. Ein Nichtreligioeser kann und will das nicht akzeptieren, fuer ihn ist das Freiheitseinschraenkung. Und schon ist das friedliche Zusammenleben schwer moeglich....

Das Minimum auf das wir uns alle einigen koennten, ist doch eben die ethische Seite. Da macht eben so etwas wie "weltethos" sinn. Interessanterweise, so scheint es mir, koennen sich hier Religionen untereinander mehr einig sein als Religion mit Atheisten... Aber wenn wir ueber Ethik, also das Verhalten im Alltag, einig werden koennen, dann muesste ein Zusammenleben moeglich sein.

Gruss

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Beitrag von max72 » Dienstag 14. September 2004, 10:43

cathol01 hat geschrieben: Der Koran verheisst den kämpfenden Muslimen eine Verheissung Gottes. Das klassische Rechtssystem teilt die Welt in zwei Gebiete auf: das Gebiet des Islam und das Gebiet des Krieges. Die Gemeinschaft hat die Pflicht, ihr eigenes Gebiet gegen die Angriffe der Feinde zu verteidigen. Darüber hinaus soll sie sich aktiv dafür einsetzen, dass auch im Gebiet der Nichtmuslime die Rechte Gottes zur Geltung kommen, d.h. sie soll sich darum bemühen, dass der islamische Machtbereich ausgebreitet wird. Das ist das, was mit dem Djihad (heiliger Krieg) gemeint ist.
Gerade hoerte ich zufaalligerweise eine Reportage, die genau das beschrieb als Lehre des Islam. Wenn das aber fuer Islam generell gilt, dann ist Islam wirklich bedenklich. Ist das generelle Ansicht des Islam?

Max

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Beitrag von beatrice » Dienstag 14. September 2004, 10:55

Es geht solange man akzeptieren kann, dass der andere eine andere Meinung hat. Bei manchen Fragen geht das eben nicht. Das ist eben die Frage nach der Wahrheit, wo sich verschiedene Glaubensrichtungen unterscheiden. Da koennen ja nicht mal Atheisten und Religioese gut zusammenleben. Ein Christ, und auch ein Moslem oder Buddhist, kann zB Abtreibung einfach nicht tolerieren. Da kann er keine Kompromisse machen. Ein Nichtreligioeser kann und will das nicht akzeptieren, fuer ihn ist das Freiheitseinschraenkung. Und schon ist das friedliche Zusammenleben schwer moeglich....

Ja, Frieden ist nur schwer möglich und es jedem Recht zu machen sogar noch unmöglicher. Der überstrapazierte Begriff der Toleranz führt oft zu Gleichgültigkeit und einem seichten Einheitsbrei (der meines Erachtens auf Dauer sehr explosiv werden kann), aber mit dem Knüppel auf jeden andersdenkenden einzudreschen ist auch keine Lösung ...
Ich bin in der Beziehung ein Pessimist, ich glaube nicht, daß es für diese Problematik irgendwann eine Patentlösung geben wird. Dafür ist der Mensch eben zu "menschlich" ...

Beatrice

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Beitrag von beatrice » Dienstag 14. September 2004, 11:11

Das Minimum auf das wir uns alle einigen koennten, ist doch eben die ethische Seite. Da macht eben so etwas wie "weltethos" sinn. Interessanterweise, so scheint es mir, koennen sich hier Religionen untereinander mehr einig sein als Religion mit Atheisten... Aber wenn wir ueber Ethik, also das Verhalten im Alltag, einig werden koennen, dann muesste ein Zusammenleben moeglich sein.
Dennoch setzt es voraus, das jede Gruppierung Kompromisse eingeht und Grenzen anerkennt, wenn es um die Durchsetzung der eigenen Überzeugung geht. Ich fürchte, daran (unter anderem) wird es immer Scheitern.

Hinzu kommt noch, daß Überzeugungen und Glauben immer wieder von Machtgierigen instrumentalisiert werden. Wie mit dem Islam. Der Islam ansich ist nicht gewaltfreudiger als andere Religionen, aber das starke Gefühl der gemeinsamen Glaubenszugehörigkeit der Muslime und das Fehlen einer mehr oder weniger allgemein anerkannten Instanz in Glaubensfragen, macht den Islam zur Zeit sehr anfällig für Mißbrauch.

Beatrice

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Beitrag von max72 » Dienstag 14. September 2004, 11:24

beatrice hat geschrieben: Hinzu kommt noch, daß Überzeugungen und Glauben immer wieder von Machtgierigen instrumentalisiert werden. Wie mit dem Islam. Der Islam ansich ist nicht gewaltfreudiger als andere Religionen, aber das starke Gefühl der gemeinsamen Glaubenszugehörigkeit der Muslime und das Fehlen einer mehr oder weniger allgemein anerkannten Instanz in Glaubensfragen, macht den Islam zur Zeit sehr anfällig für Mißbrauch.

Beatrice
Da ueberschneiden sich ein wenig zwei threads. Die Frage beschaeftigt mich dann schon:

http://www.kreuzgang.org/viewtopic.php? ... ght=#47979

Gruss

Max

PS: Wie findet man denn den link zu einem Beitrag, also die Beitragsnummer? Ich finde sie nur wenn ich in meinem Profil den Beitrag suche...

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Beitrag von beatrice » Dienstag 14. September 2004, 11:26

Im Islam gibt es wie woanders auch die komplette Bandbreite, von "Softies" bis "Hardliner". Auch die Suren des Korans und die Aussprüche Mohammeds lassen Spielraum für diverse Auslegungen und Interpretationen.

Der Islam ansich ist nicht bedenklicher als andere Religionen. Die Instrumentalisierung durch den fehlbaren Menschen macht ihn gefährlich. Wie viele andere Religionen und Überzeugungen auch ...

Beatrice

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beatrice
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Beitrag von beatrice » Dienstag 14. September 2004, 11:29

Ich weiß es nicht, ich bin noch nicht mal in der Lage einen Link zu setzen. Bin ja schon stolz wie Oskar, daß ich überhaupt das mit dem Zitieren schaffe :roll:

Beatrice

max72
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Beitrag von max72 » Dienstag 14. September 2004, 11:33

beatrice hat geschrieben:Im Islam gibt es wie woanders auch die komplette Bandbreite, von "Softies" bis "Hardliner". Auch die Suren des Korans und die Aussprüche Mohammeds lassen Spielraum für diverse Auslegungen und Interpretationen.

Der Islam ansich ist nicht bedenklicher als andere Religionen. Die Instrumentalisierung durch den fehlbaren Menschen macht ihn gefährlich. Wie viele andere Religionen und Überzeugungen auch ...

Beatrice
Ich frage mich aber ob wir hier nicht etwas weltfremd sind? Vom Westen aus, wo es uns gut geht, koenne wir gar nicht glauben, dass alle anderen nicht genauso wohlmeinend sind wie wir. Der Bericht kann aus einer Reportage ueber Christen im Libanon. Das klang alles nicht so wunderbar schoen, nicht so wie wir das gerne haetten.

Ich frage mich wirklich ob wir nicht etwas naiv sind in unserer Beurteilung. Ich traf einen Pater der 14 Jahre in Indien war. Der meinte, Dialog zwischen den Religionen sei eine westliche Sache, die Religionen in Indien wuerden das gar nicht kapieren. Ein Westler, sagte er, der da mehr ueber den Islam lernen wollte wurde gefragt "Ja willst Du den konvertieren?" Als er es verneinte, fragten sie ihn verwundert warum er dann die Lehre des Islam kennenlernen will.

Wir leben mit dieser Einstellung, dass irgendwie und irgendwo alle Religionen dasselbe seien. Das ist aber unsere Sichtweise, das denken die Christen und Muslims ausserhalb Europa nicht. Mir scheint, da bricht unser schoenes Weltbild zusammen. Wir stellen uns ein miteinander vor, nur die anderen haben gar kein Interesse daran...

Gruss

Max

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Beitrag von ad_hoc » Dienstag 14. September 2004, 11:45

Eigentlich sollte obiger Text überhaupt nicht in einem katholischen Forum zitiert werden, und sei es auch nur aus Respekt für gläubige Muslime.
Und da bin ich der gleichen Aufassung wie Petra.
"Lob und Preis sei Gott, dem Allerbarmer........." gilt dem Gott "Allah", der sich vom Gott der Christen wesentlich unterscheidet. Die Christen glauben an den dreieinigen Gott, die Muslime an Allah, den Mohammed zu seiner Zeit kannte als den Obersten aller Götter, den er allerdings isolierte von den anderen Göttern, die somit nicht mehr existierten. Wobei festzustellen ist, daß Allah nicht mit Gott übersetzt werden kann, da er ein Eigenname ist.
Also handelt es sich bei Allah nicht um den Gott der Christen, auch wenn im neueren deutschen Koran und verschiedenen islamischen Schriften von Allah als Gott gesprochen wird. Der Allah des Islam ist der Allah der vorislamischen Zeit!

"Ihr Leute der Schrift. Treibt es in eurer Religion nicht zu weit. Christus Jesus, der Sohn der Maria, ist nur der Gesandte Allahs und sein Wort. Darum sagt nicht drei." (4,171)
"Die Christen sagen: Christus ist der Sohn Gottes.So etwas wagen sie offenauszusprechen. Diese von Allah verfluchten Leute. Allah schlage sie tot!" (9,30)

Auch interessant:
"Kämpft mit der Waffe gegen die Nicht-Muslime....bis der Islam überall verbreitet ist." (8,40)
"Der Kampf mit der Waffe ist euch vorgeschrieben!" (2,217)

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Beitrag von beatrice » Dienstag 14. September 2004, 11:53

Ich habe mich offensichtlich sehr unklar ausgedrückt (passiert mir öfters :/ ).

Als ich schrieb, daß der Islam ansich nicht gefährlicher ist als andere Religionen, meinte ich, daß er auch moderat interpretiert werden kann und dies auch von einzelnen Gruppen und Menschen getan wird. Nicht jeder Muslim ist ein potentieller Terrorist.

Dennoch bin ich der Meinung, daß wir zur Zeit in einer Situation leben, die geprägt ist, von dem was Du, Max, geschrieben hast.

Gerade die Deutschen leben in ihrem Wohlstands- und alle Menschen sind gut man muß nur vernünftig mit ihnen reden - Kokon und übersehen, daß die andere Seite überhaupt kein Interesse an vernünftigen Gesprächen hat. Ich denke tatsächlich, daß viel zu viele Muslime auf der Welt kein Interesse an einem "netten" Miteinander haben. Dasselbe trifft auf die immer wieder viel beschworene Integration zu. Du kannst niemanden Integrieren, der nicht will.

Aber ich finde, man macht es sich zu leicht, den Islam pauschal dafür zu verdammen. Ich befinde mich deshalb oft (wie gerade jetzt) in Formulierungsnöten. Einserseits ist der islamische Terrorismus eine Gefahr, die nicht durch naives Wohlmeinen unterschätzt werden darf, andererseits darf es auch nicht zu undifferenzierten Verurteilungen kommen, von allem was mit dem Islam zu tun hat.

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Peter
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Beitrag von Peter » Dienstag 14. September 2004, 11:54

Lieber Max, das ist mir vielleicht etwas zu sehr schwarzweiß gedacht. «Die anderen», das ist doch keine homogene Masse. Ich denke an die Wüstenerfahrungen eines Carlo Caretto, aber auch an eine eigene Erfahrung aus Studentenzeiten, als aus irgendwelchen verwickelten Gründen ein türkischer Detektiv, gläubiger Muslim, im feinen Zwirn vor unsrer Bude stand.

Eine Stunde wartete er in unserer Wohnung, und das ergab die Gelegenheit zu einem Gespräch über Gott und die rechte Weise der Gottesverehrung. Mir brachte dieses Gespräch sehr viel Aufschluß, jedoch auch über die Grenzen der Gemeinsamkeiten.

Der Wunsch, den anderen kennenzulernen, entspringt ja auch dem Glauben, daß ich mich nicht krampfhaft absetzen muß. Christentum ist für mich auch die Entscheidung zur Auseinandersetzung mit dem Gedanken- und Glaubensgut anderer; natürlich im Rahmen meiner inneren und äußeren Möglichkeiten und Gegebenheiten. Ob der andere den Wunsch ebenso hegt, ist vielleicht sogar zweitrangig. Vom einseitigen Interesse der Europäer lebt ja die gesamte Tourismusindustrie.

Allerdings, und hier meine ich deine Kritik zu verstehen, sollte man aus lauter falsch verstandener Toleranz das Eigene nicht preisgeben.

max72
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Beitrag von max72 » Dienstag 14. September 2004, 11:56

ad_hoc hat geschrieben: Und da bin ich der gleichen Aufassung wie Petra.
"Lob und Preis sei Gott, dem Allerbarmer........." gilt dem Gott "Allah", der sich vom Gott der Christen wesentlich unterscheidet. Die Christen glauben an den dreieinigen Gott, die Muslime an Allah, den Mohammed zu seiner Zeit kannte als den Obersten aller Götter, den er allerdings isolierte von den anderen Göttern, die somit nicht mehr existierten. Wobei festzustellen ist, daß Allah nicht mit Gott übersetzt werden kann, da er ein Eigenname ist.
Aber Allah ist doch auch der Gott Abrahams. Und der Gott der Christen ist auch der Gott Abrahams. Nur wuerden die Christen sagen, dass sie erkennen Gott ist dreieinig, waehrend den Muslims das eben entgangen sei...

Gruss

Max

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Beitrag von Reinhard Gonaus » Dienstag 14. September 2004, 11:58

Fichtel-Wichtel hat geschrieben:Hat von euch jemand Kontakt mit Moslems, als Nachbarn,Mitarbeiter,Kollege,Mitschüler usw. Wenn man mit "seinen" Moslems gut auskommt, dann kann man vielleicht mal die eine oder andere Frage stellen.
Gruß,
Elisabeth
Na ja.
Was heißt schon Kontakt.
Ich unterrichte an der VHS Deutsch für Ausländer. Gelegentlich auch Flüchtlingsgruppen in Bundesbetreuung. Da ist ein erheblicher Prozentsatz muslimisch. Der Islam bzw. Religion überhaupt ist da nur ein Randthema, wenn überhaupt. Der christliche Festkalender ist ihnen übrigens durchaus geläufig, und sie wissen auch über die Festinhalte Bescheid.

Solang ich noch im Schuldienst war, hab ich gelegentlich den islamischen Religionslehrer bzw. die Religionslehrerin getroffen. Die waren meistens im Stress, weil sie ihre Schüler zusammensuchen mussten. Und die muslimischen Schüler waren wie alle anderen auch. Mehr oder weniger gut erzogen und im ganzen rechte Lauser. Die rituellen Essvorschriften waren ihnen normalerweise egal, aber auf Landschulwoche wollten sie's dann schon schweinefrei, einfach um auszutesten, wie wir Lehrer damit zurechtkommen.
Reinhard
--
Wir werden nie herausfinden, warum einer, der schnarcht,
sich selbst nicht schnarchen hören kann. (Mark Twain)

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Beitrag von Nietenolaf » Dienstag 14. September 2004, 12:07

ad_hoc hat geschrieben:Und da bin ich der gleichen Aufassung wie Petra.
... Wobei festzustellen ist, daß Allah nicht mit Gott übersetzt werden kann, da er ein Eigenname ist.
Aber das ist doch Quatsch! Warum müßt ihr immer irgendwelche Volksmärchen beschwören? Man erkennt es schon allein an der Ähnlichkeit zum hebräischen "El" der Hl. Schrift. In den arabischen Liturgien der Kirche wird ganz selbstverständlich "Allah" für "Gott" gebraucht, ohne damit eine Similarität mit dem islamischen Gottesbegriff zu implizieren.

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beatrice
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Beitrag von beatrice » Dienstag 14. September 2004, 12:14

Allerdings, und hier meine ich deine Kritik zu verstehen, sollte man aus lauter falsch verstandener Toleranz das Eigene nicht preisgeben.
Das eigene nicht Preis geben, halte ich für sehr wichtig. Das möchte ich unterstreichen.

Die Kehrseite aber ist, daß für viele Muslime das der Grund ist, sich nicht zu integrieren und im extremsten Fall zu kämpfen. Sie wollen ihr Eigenes auch nicht preisgeben. Wie einmal ein Muslime zu mir sagte: "Wir leiden und sterben lieber in der eigenen Scheiße, als in der fremden. Einmischung in unsere Angelegenheiten ist immer tödlich." Er bezog sich damit auf ein Gespräch, daß die meisten lieber unter Saddam gelitten haben, als gegen fremde Invasoren zu verlieren, auch wenn diese sich als Retter ausgeben.

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Beitrag von ad_hoc » Dienstag 14. September 2004, 12:18

Aber Allah ist doch auch der Gott Abrahams.
Muß ich wirklich wissen, was im Kopf Mohammeds vorgegangen ist, während und im Anschluß seiner Visionen?
Alles, was von Mohammed stammt und im Gegensatz zur Offenbarung steht, ist für den Christen unakzeptabel.

Ansonsten bin ich nur auf den Ursprung des Namens Allah eingegangen.
Soweit mir bekannt ist, wurde der Name Allah von den vorislamischen Arabern aus dem christlich-aramäischen Allaha (Gott) entliehen. Aramäisch, oder syro-aramäisch(?) war die Sprache im arabischen Raum, bevor die arabische Hochsprache entstand, die erst etwa 150 Jahre nach Mohammeds Tod zur Hochsprache wurde.

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Beitrag von Nietenolaf » Dienstag 14. September 2004, 13:07

Nur als Anmerkung: im byzantinisch-christlichen Raum spricht man vom Islam zumeist als von einer Häresie. Auch werden dessen Anhänger in der christlichen Tradition nicht "Muslime" (sit venia verbo), sondern Hagarenen, die Nachkommen der Hagar, genannt. Unter den Fürbitten in der monastischen Gebetsregel findet sich auch heute noch die folgende Zeile: "Das üble und lästerliche hagarenische Reich mögest Du, Herr, bald niederwerfen, und rechtgläubigen Herrschern überantworten." Ein Erbe des 15. Jahrhunderts, nehme ich an.
Aber Allah ist doch auch der Gott Abrahams.
[bible]1 mose 21:12-21[/bible]

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Beitrag von Peter » Dienstag 14. September 2004, 13:47

Das üble und lästerliche hagarenische Reich mögest Du, Herr, bald niederwerfen, und rechtgläubigen Herrschern überantworten.
Notiere ich gleich für die Fürbitten in der nächsten Sonntagsmesse! (Wetten, dann kommt: Wir bitten dich ...)

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Beitrag von max72 » Dienstag 14. September 2004, 13:50

Nietenolaf hat geschrieben:Nur als Anmerkung: im byzantinisch-christlichen Raum spricht man vom Islam zumeist als von einer Häresie. Auch werden dessen Anhänger in der christlichen Tradition nicht "Muslime" (sit venia verbo), sondern Hagarenen, die Nachkommen der Hagar, genannt.
Wer ist Hagar? Ich kenn nur Hägar...

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Beitrag von max72 » Dienstag 14. September 2004, 13:54

beatrice hat geschrieben:
Allerdings, und hier meine ich deine Kritik zu verstehen, sollte man aus lauter falsch verstandener Toleranz das Eigene nicht preisgeben.
Das eigene nicht Preis geben, halte ich für sehr wichtig. Das möchte ich unterstreichen.
Genau das passiert aber oft. Wieviele sagen heute wir koennten eine Oekumene haben, wenn wir nicht "kleinlich an so Dingen wie Eucharistieverstaendnis hingen". Ein Buch fordert die Bereitschaft, dass eine "mutual transformation" stattfinden muss, damit Buddhismus und Christentum sich treffen.

Der Gedanke eine Einheit zu finden ist so stark, dass man die Frage nach der Wahrheit vollkommen beiseite laesst. Statt zu fragen "was ist wahr", fraegt man "wie koennen wir eine gemeinsame Religion basteln" Das kann keine Loesung sein.

Gruss

Max

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beatrice
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Beitrag von beatrice » Dienstag 14. September 2004, 14:05

Scheibenkleister statt Sch....! Ich entnehme dem, daß dieses eine Wörtchen auch in einem Zitat nicht angebracht ist ... okay ... Tschuldigung :holy:

Beatrice


Ps. Aber mal ehrlich ... Scheibenkleister???? Hm ...

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roncalli
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Beitrag von roncalli » Dienstag 14. September 2004, 14:57

Reinhard Gonaus hat geschrieben: Moslem = Muslim. Das sind nur Wortvarianten. Arabisch, Türkisch, ... So ganz genau weiß ich da auch nicht Bescheid. Das Arabische ist eine Sprache in der der Wortinhalt durch die Konsonanten wiedergegeben wird. Die Vokale sind dabei relativ unwichtig: Mslm = Moslem oder Muslim
Ktb = Buch: Kitabe, Ketab, Katub, das ist egal.
ktbn = kitabun = lesen.
Deine Beispiele sind nicht korrekt. Der Konsonant "waw" zeigt das "u" an, und es gibt auch Vokalzeichen. Es ist nicht egal, ob man katab (= er schrieb) oder kitab (= Buch) oder kutub (= Bücher) oder kutubi (=Büchhändler, umgangsspr.) sagt.
Es muss im Hocharabischen Muslim (nicht Moslem) und Muhammad (nicht Mohamed) heißen, wobei das "a" oft wie ein "ä" gesprochen wird. Freilich gibt es auch viel Mundarten. Habe einmal kurz Arabisch gelernt. Wie das im Persichen und Türkischen ist, weiß ich nicht.

Petra
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Beitrag von Petra » Dienstag 14. September 2004, 15:35

roncalli hat geschrieben:
Deine Beispiele sind nicht korrekt. Der Konsonant "waw" zeigt das "u" an, und es gibt auch Vokalzeichen. Es ist nicht egal, ob man katab (= er schrieb) oder kitab (= Buch) oder kutub (= Bücher) oder kutubi (=Büchhändler, umgangsspr.) sagt.
"kitaab" schreibt sich mit langem A (Alef) und "kutubii" mit langem I. Diese langen Buchstaben werden geschrieben und stehen in etwa im Rang eines Konsonanten. Die Schriftbilder beider Wörter sind also unterschiedlich zu "katab".

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