Lateinschule II

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Juergen
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Re: Lateinschule II

Beitrag von Juergen » Donnerstag 1. Dezember 2016, 12:52

Den Schott gab/gibt es auch nur auf Deutsch.
Gruß
Jürgen
Dieser Beitrag kann unter Umständen Spuren von Satire, Ironie und ähnlich schwer Verdaulichem enthalten. Er ist nicht für jedermann geeignet, insbesondere nicht für Humorallergiker. Das Lesen erfolgt auf eigene Gefahr.

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Re: Lateinschule II

Beitrag von Dieter » Donnerstag 1. Dezember 2016, 18:19

Protasius hat geschrieben:
Dieter hat geschrieben:Ich möchte meine Lateinkenntnisse auffrischen.

Hat jemand eine Empfehlung für ein Buch oder für eine Zeitschrift?

Der Schwerpunkt sollte dabei auf dem kirchliche Umfeld liegen.
Vielleicht ist dann das hier das richtige: http://introibo.net/download/lateinbuch.pdf
Ist der Schott zweisprachig? Ist er zu empfehlen?
Ich habe bislang für die außerordentliche Form des römischen Ritus nur zweisprachige Ausgaben gesehen, habe aber gehört, daß es auch Ausgaben geben soll, in denen die still gesprochenen Gebete nur in Übersetzung enthalten sind.

Danke an Protasius!

Das Handbuch der Priesterbruderschaft scheint mir sehr geeignet zu sein.

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ad-fontes
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Re: Lateinschule II

Beitrag von ad-fontes » Donnerstag 1. Dezember 2016, 18:36

Juergen hat geschrieben:Den Schott gab/gibt es auch nur auf Deutsch.
Hinsichtlich korrekter Übersetzung ist der Schott (egal welche Auflage) leider eine Fehlanzeige. Da sollte man besser zum Volksmessbuch der Petrusbruderschaft greifen (auch wenn sich darin noch einige Fehler finden und ich manche Ausdrücke anders übersetzt hätte, z.B. beatus als selig, nicht als heilig (= sanctus).

Zur Auffrischung empfehle ich die Evangelientexte und die Psalmen.
Christi vero ecclesia, sedula et cauta depositorum apud se dogmatum custos, nihil in his umquam permutat, nihil minuit, nihil addit; non amputat necessaria, non adponit superflua; non amittit sua, non usurpat aliena. (Vincentius Lerinensis, Com. 23, 16)

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Re: Lateinschule II

Beitrag von Juergen » Donnerstag 1. Dezember 2016, 18:40

ad-fontes hat geschrieben:
Juergen hat geschrieben:Den Schott gab/gibt es auch nur auf Deutsch.
Hinsichtlich korrekter Übersetzung ist der Schott (egal welche Auflage) leider eine Fehlanzeige. Da sollte man besser zum Volksmessbuch der Petrusbruderschaft greifen (auch wenn sich darin noch einige Fehler finden und ich manche Ausdrücke anders übersetzt hätte, z.B. beatus als selig, nicht als heilig (= sanctus).

Zur Auffrischung empfehle ich die Evangelientexte und die Psalmen.
Mit meinem Hinweis wollte ich nur sagen, daß man beim Kaufen aufpassen muß, sonst erwischt man eine rein deutschsprachige Ausgabe. Es hätte hier im Strang der Eindruck entstehen können, daß der Schott immer zweisprachig ist.

Was die Übersetzung betrifft:
Die Übersetzung des Schott ist zumindest besser als die Texte der Einheitzübersetzung.
Gruß
Jürgen
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Re: Lateinschule II

Beitrag von ad-fontes » Donnerstag 1. Dezember 2016, 19:02

Juergen hat geschrieben:
ad-fontes hat geschrieben:
Juergen hat geschrieben:Den Schott gab/gibt es auch nur auf Deutsch.
Hinsichtlich korrekter Übersetzung ist der Schott (egal welche Auflage) leider eine Fehlanzeige. Da sollte man besser zum Volksmessbuch der Petrusbruderschaft greifen (auch wenn sich darin noch einige Fehler finden und ich manche Ausdrücke anders übersetzt hätte, z.B. beatus als selig, nicht als heilig (= sanctus).

Zur Auffrischung empfehle ich die Evangelientexte und die Psalmen.
Mit meinem Hinweis wollte ich nur sagen, daß man beim Kaufen aufpassen muß, sonst erwischt man eine rein deutschsprachige Ausgabe. Es hätte hier im Strang der Eindruck entstehen können, daß der Schott immer zweisprachig ist.

Was die Übersetzung betrifft:
Die Übersetzung des Schott ist zumindest besser als die Texte der Einheitzübersetzung.
Das war Zufall, daß ich meinen Senf unter deinen Beitrag geschrieben habe. Deinen Hinweis wollte ich dadurch nicht in frage stellen.

Was die Bibeltexte betrifft, ja!
Christi vero ecclesia, sedula et cauta depositorum apud se dogmatum custos, nihil in his umquam permutat, nihil minuit, nihil addit; non amputat necessaria, non adponit superflua; non amittit sua, non usurpat aliena. (Vincentius Lerinensis, Com. 23, 16)

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Re: Lateinschule II

Beitrag von Juergen » Mittwoch 14. Dezember 2016, 12:30

Gruß
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Re: Lateinschule II

Beitrag von Juergen » Donnerstag 22. Dezember 2016, 10:40

Gruß
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Re: Christliche Vornamen - Eure Lieblinge

Beitrag von Lycobates » Mittwoch 4. Januar 2017, 23:25

Protasius hat geschrieben: De gustibus non est disputandi! „Über Geschmack kann man nicht streiten!“
Ich würde sagen: non est disputandum. Ich glaube, Lucullus wäre einverstanden (aber ist das Zitat von ihm?).

Übrigens gilt auch de coloribus.
Und cum feminis :breitgrins:
Der Mittelweg ist der einzige Weg, der nicht nach Rom führt (Arnold Schönberg)
*
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... una cum omnibus orthodoxis, atque catholicae et apostolicae fidei cultoribus

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Re: Christliche Vornamen - Eure Lieblinge

Beitrag von Protasius » Donnerstag 5. Januar 2017, 08:30

Lycobates hat geschrieben:
Protasius hat geschrieben: De gustibus non est disputandi! „Über Geschmack kann man nicht streiten!“
Ich würde sagen: non est disputandum. Ich glaube, Lucullus wäre einverstanden (aber ist das Zitat von ihm?).

Übrigens gilt auch de coloribus.
Und cum feminis :breitgrins:
:ikb_shy: Ich verstehe zwar nicht warum, aber anscheinend gehört das Gerundium tatsächlich in den Akkusativ (könnten wir vllt. in der Lateinschule ausdiskutieren). Und falls Wikipedia Recht hat, ist der Spruch nicht älter als die Scholastik.
Der so genannte ‚Geist’ des Konzils ist keine autoritative Interpretation. Er ist ein Geist oder Dämon, der exorziert werden muss, wenn wir mit der Arbeit des Herrn weiter machen wollen. – Ralph Walker Nickless, Bischof von Sioux City, Iowa, 2009

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Re: Christliche Vornamen - Eure Lieblinge

Beitrag von PascalBlaise » Donnerstag 5. Januar 2017, 08:50

Und ich behaupte Lucullus wäre besser bei den Orgien geblieben, statt in Bonmots zu dillettieren. Natürlich kann man vortrefflich gerade über Geschmäcker streiten. Worüber sich schlechter streiten lässt, sind Fakten.
– et lux in tenebris lucet et tenebrae eam non comprehenderunt –

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Re: Christliche Vornamen - Eure Lieblinge

Beitrag von Lycobates » Donnerstag 5. Januar 2017, 11:19

Protasius hat geschrieben:
Lycobates hat geschrieben:
Protasius hat geschrieben: De gustibus non est disputandi! „Über Geschmack kann man nicht streiten!“
Ich würde sagen: non est disputandum. Ich glaube, Lucullus wäre einverstanden (aber ist das Zitat von ihm?).

Übrigens gilt auch de coloribus.
Und cum feminis :breitgrins:
:ikb_shy: Ich verstehe zwar nicht warum, aber anscheinend gehört das Gerundium tatsächlich in den Akkusativ (könnten wir vllt. in der Lateinschule ausdiskutieren). Und falls Wikipedia Recht hat, ist der Spruch nicht älter als die Scholastik.
Die Form ist hier kein Verbalsubstantiv (Gerundium), sondern ein Gerundivum (prädikativ), und zwar im Nominativ.

:breitgrins:
https://www.youtube.com/watch?v=bKnx4pn_RUI

Und etwas seriöser:
http://www.lingualatina.de/grammatica/gerund.htm
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Re: Christliche Vornamen - Eure Lieblinge

Beitrag von Fragesteller » Donnerstag 5. Januar 2017, 11:34

Lycobates hat geschrieben:
Protasius hat geschrieben: De gustibus non est disputandi! „Über Geschmack kann man nicht streiten!“
Ich würde sagen: non est disputandum. Ich glaube, Lucullus wäre einverstanden (aber ist das Zitat von ihm?).

Übrigens gilt auch de coloribus.
Und cum feminis :breitgrins:
"Nihil est disputandi" geht aber wieder, oder?

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Re: Christliche Vornamen - Eure Lieblinge

Beitrag von Lycobates » Donnerstag 5. Januar 2017, 11:57

Fragesteller hat geschrieben:
Lycobates hat geschrieben:
Protasius hat geschrieben: De gustibus non est disputandi! „Über Geschmack kann man nicht streiten!“
Ich würde sagen: non est disputandum. Ich glaube, Lucullus wäre einverstanden (aber ist das Zitat von ihm?).

Übrigens gilt auch de coloribus.
Und cum feminis :breitgrins:
"Nihil est disputandi" geht aber wieder, oder?
:hmm:
Dann würde der Genitiv des Gerundiums von einem substantivierten nihil abhängig gemacht.
An Beispiele aus probaten Autoren kann ich mich so direkt nicht erinnern, aber es könnte sie natürlich geben.
Ich habe in den vergangenen gut 40 Jahren vieles gelesen, aber manches auch wieder vergessen. ;)

Ich würde aber eher auch hier prädikativ konstruieren: nihil (= non) est disputandum.
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Re: Lateinschule II

Beitrag von Fragesteller » Freitag 6. Januar 2017, 19:55

Oh, das war auch bei mir durchaus als praedicativum gemeint: "Nichts, das diskutiert werden soll". Aber das ist dann wohl ganz verquer?

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Re: Lateinschule II

Beitrag von Lycobates » Freitag 6. Januar 2017, 22:30

Fragesteller hat geschrieben:Oh, das war auch bei mir durchaus als praedicativum gemeint: "Nichts, das diskutiert werden soll". Aber das ist dann wohl ganz verquer?
Tja, ich will hier ja nicht als Orbilius auftreten, schon gar nicht plagosus. :breitgrins:

Aber "Nichts, das diskutiert werden soll" würde ich übersetzen als nihil, de quo disputandum est (oder modal: sit), oder: nihil quod disputandum est (oder sit).
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Re: Lateinschule II

Beitrag von Reflector1 » Samstag 7. Januar 2017, 00:18

Oder, zur ursprünglichen Frage, eine Variante: Gustus non sunt disputandi?
Prove all things; hold fast that which is good.

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Re: Lateinschule II

Beitrag von Lycobates » Samstag 7. Januar 2017, 01:17

Reflector1 hat geschrieben:Oder, zur ursprünglichen Frage, eine Variante: Gustus non sunt disputandi?
:hmm:
Möglich, so denke ich, obwohl disputare in der Bedeutung "erörtern, diskutieren" in der Regel intransitiv ist, disputare nicht aliquid, sondern de aliqua re.
Es ist jetzt leider etwas spät geworden, Belege könnten bei Bedarf nachgeliefert werden.
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Re: Lateinschule II

Beitrag von Reflector1 » Samstag 7. Januar 2017, 12:51

Also "quaestiones disputatae" unzulässige Neuerung ? ;)

Mein Stowasser nennt (allerdings ohne Beleg) "causam disputare".
Prove all things; hold fast that which is good.

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Re: Lateinschule II

Beitrag von Lycobates » Samstag 7. Januar 2017, 14:22

Reflector1 hat geschrieben:Also "quaestiones disputatae" unzulässige Neuerung ? ;)

Mein Stowasser nennt (allerdings ohne Beleg) "causam disputare".
Stimmt.
Beide Konstruktionen kommen vor.
Dann wären meine diesbezüglichen Ausführungen unten entsprechend etwas zu nüancieren.
Danke!

Allerdings bedeutet das transitive Verb eher "untersuchen, erörtern", statt strikt (namentlich kontrovers) "diskutieren", so in ea quae disputavi, disserere malui quam iudicare (De natura deorum 3,95): was ich erörtert/untersucht habe, wollte ich eher darstellen, als darüber abschließend urteilen.
Ganz klar aber: re quaesita et multum disputata in De oratore 1,6,22, nachdem die Angelegenheit untersucht und darüber lange diskutiert worden war; daneben zum Vergleich 1,34,158: disputandum de omni re in contrarias partes, es muß über alles kontrovers diskutiert werden.
In einem Brief ad familiares 3,8,3: id me arbitror multis verbis disputavisse, das habe ich, so meine ich, ausführlichst erörtert, daneben 11, 27,8: in utramque partem disputari posse, es kann darüber in doppeltem Sinne (für und wider) geredet werden.

Die Übergänge transitiv/intransitiv sind also fließend.
Alle Beispiele hier aus Cicero.
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Re: Lateinschule II

Beitrag von Robert Ketelhohn » Sonntag 8. Januar 2017, 18:01

Lycobates, vielen Dank für deine Antworten und Erläuterungen in diesem Strang. :klatsch:
Kann nur in allem zustimmen.
Propter Sion non tacebo, | ſed ruinas Romę flebo, | quouſque juſtitia
rurſus nobis oriatur | et ut lampas accendatur | juſtus in eccleſia.

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Re: Lateinschule II

Beitrag von Niels » Sonntag 8. Januar 2017, 18:05

War das Robert?
Nein! :auweia:
Doch! :auweia:
Oh! :freude: :freude: :freude:
Surrexit Christus spes mea

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Re: Lateinschule II

Beitrag von ad-fontes » Montag 3. April 2017, 01:08

Will lautet der Vokativ von Hilarion (Fest im alten Kalendar am 21.10.) und von Sabbas (5.12.)?
Christi vero ecclesia, sedula et cauta depositorum apud se dogmatum custos, nihil in his umquam permutat, nihil minuit, nihil addit; non amputat necessaria, non adponit superflua; non amittit sua, non usurpat aliena. (Vincentius Lerinensis, Com. 23, 16)

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Re: Lateinschule II

Beitrag von Lycobates » Montag 3. April 2017, 11:15

ad-fontes hat geschrieben:
Montag 3. April 2017, 01:08
Will lautet der Vokativ von Hilarion (Fest im alten Kalendar am 21.10.) und von Sabbas (5.12.)?
Sabba (ὦ Σάββα).

Für Hilarion ist es etwas schwieriger. Einen Beleg finde ich nicht so direkt.
Eigentlich müßte die Endsilbe im Vokativ gekürzt werden, aber das scheint hier bei diesen Namen in -ίων nicht zu geschehen.
So finde ich auf Anhieb ὦ Παρμενίων bei Arrian im 1. Buch, c. 13. ὦ Δίων bei Plutarch im Leben desselben (c. 51). Weitere Beispiele müßten zu finden sein.
Bei -ων is es ähnlich, im Staat Platons lesen wir 608b (und öfter) ὦ φίλε Γλαύκων, mit ω. Also nicht *Γλαῦκον.

Also wohl ὦ Ἱλαρίων, wie im Nominativ.
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Re: Lateinschule II

Beitrag von Lycobates » Montag 3. April 2017, 16:43

Lycobates hat geschrieben:
Montag 3. April 2017, 11:15
ad-fontes hat geschrieben:
Montag 3. April 2017, 01:08
Will lautet der Vokativ von Hilarion (Fest im alten Kalendar am 21.10.) und von Sabbas (5.12.)?
Sabba (ὦ Σάββα).

Für Hilarion ist es etwas schwieriger. Einen Beleg finde ich nicht so direkt.
Eigentlich müßte die Endsilbe im Vokativ gekürzt werden, aber das scheint hier bei diesen Namen in -ίων nicht zu geschehen.
So finde ich auf Anhieb ὦ Παρμενίων bei Arrian im 1. Buch, c. 13. ὦ Δίων bei Plutarch im Leben desselben (c. 51). Weitere Beispiele müßten zu finden sein.
Bei -ων is es ähnlich, im Staat Platons lesen wir 608b (und öfter) ὦ φίλε Γλαύκων, mit ω. Also nicht *Γλαῦκον.

Also wohl ὦ Ἱλαρίων, wie im Nominativ.
Ich habe noch etwas weiter recherchiert.
In diesem Text (http://www.saint.gr/491/saint.aspx) kommt der Vokativ dreimal in einem liturgischen Kontext vor (es handelt sich hier zwar um einen anderen Hilarion als den vom 21. Oktober, aber da der Name identisch ist, tut das nichts zur Sache).

Allerdings nicht sehr befriedigend.
Zunächst (im ersten Ἀπολυτίκιον): παμμάκαρ Ἰλαρίων, im zweiten dann: Ὅσιε Ἰλαρίων. Richtig wäre allerdings mit Asper: Ἱλαρίων.
Dann geschieht ein kleines Mißgeschick, im Κοντάκιον mutiert Hilarion zu Hilarius: Ἰλάριε σοφέ. Auch hier wäre richtig: Ἱλάριε.

Aber halten wir fest: Das Omega bleibt im Vokativ Ἱλαρίων erhalten.

Die Frage betraf natürlich das Latein. Aber griechische Namen behalten im Lateinischen grundsätzlich den griechischen Vokativ, transkribiert, also hier: Sabba und Hilarion.
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Re: Lateinschule II

Beitrag von ad-fontes » Montag 3. April 2017, 19:20

Lycobates hat geschrieben:
Montag 3. April 2017, 16:43
Lycobates hat geschrieben:
Montag 3. April 2017, 11:15
ad-fontes hat geschrieben:
Montag 3. April 2017, 01:08
Will lautet der Vokativ von Hilarion (Fest im alten Kalendar am 21.10.) und von Sabbas (5.12.)?
Sabba (ὦ Σάββα).

Für Hilarion ist es etwas schwieriger. Einen Beleg finde ich nicht so direkt.
Eigentlich müßte die Endsilbe im Vokativ gekürzt werden, aber das scheint hier bei diesen Namen in -ίων nicht zu geschehen.
So finde ich auf Anhieb ὦ Παρμενίων bei Arrian im 1. Buch, c. 13. ὦ Δίων bei Plutarch im Leben desselben (c. 51). Weitere Beispiele müßten zu finden sein.
Bei -ων is es ähnlich, im Staat Platons lesen wir 608b (und öfter) ὦ φίλε Γλαύκων, mit ω. Also nicht *Γλαῦκον.

Also wohl ὦ Ἱλαρίων, wie im Nominativ.
Ich habe noch etwas weiter recherchiert.
In diesem Text (http://www.saint.gr/491/saint.aspx) kommt der Vokativ dreimal in einem liturgischen Kontext vor (es handelt sich hier zwar um einen anderen Hilarion als den vom 21. Oktober, aber da der Name identisch ist, tut das nichts zur Sache).

Allerdings nicht sehr befriedigend.
Zunächst (im ersten Ἀπολυτίκιον): παμμάκαρ Ἰλαρίων, im zweiten dann: Ὅσιε Ἰλαρίων. Richtig wäre allerdings mit Asper: Ἱλαρίων.
Dann geschieht ein kleines Mißgeschick, im Κοντάκιον mutiert Hilarion zu Hilarius: Ἰλάριε σοφέ. Auch hier wäre richtig: Ἱλάριε.

Aber halten wir fest: Das Omega bleibt im Vokativ Ἱλαρίων erhalten.

Die Frage betraf natürlich das Latein. Aber griechische Namen behalten im Lateinischen grundsätzlich den griechischen Vokativ, transkribiert, also hier: Sabba und Hilarion.
Vielen Dank für die Auskunft und die Überlegungen!

(Bei Sabbas hatte ich bereits auf Sabba getippt, ähnlich wie Moses im Vokativ 'Mose', bei Hilarion hatte ich an Trypho, Tryphonis gedacht.)
Christi vero ecclesia, sedula et cauta depositorum apud se dogmatum custos, nihil in his umquam permutat, nihil minuit, nihil addit; non amputat necessaria, non adponit superflua; non amittit sua, non usurpat aliena. (Vincentius Lerinensis, Com. 23, 16)

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Re: Lateinschule II

Beitrag von Sascha B. » Dienstag 25. April 2017, 14:30

Ist "Amicitia opificium" als lateinische Form von Gesellenverband (Kolping) brauchbar?
Um den Frieden von oben und das Heil unserer Seelen lasset zum Herrn uns beten.
Herr, erbarme dich.

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Re: Lateinschule II

Beitrag von Protasius » Dienstag 25. April 2017, 14:36

Sascha B. hat geschrieben:
Dienstag 25. April 2017, 14:30
Ist "Amicitia opificium" als lateinische Form von Gesellenverband (Kolping) brauchbar?
Amicitia ist mW die Freundschaft; wie wäre es mit collegium oder societas für den Verein?
Der so genannte ‚Geist’ des Konzils ist keine autoritative Interpretation. Er ist ein Geist oder Dämon, der exorziert werden muss, wenn wir mit der Arbeit des Herrn weiter machen wollen. – Ralph Walker Nickless, Bischof von Sioux City, Iowa, 2009

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Re: Lateinschule II

Beitrag von Lycobates » Dienstag 25. April 2017, 14:49

Sascha B. hat geschrieben:
Dienstag 25. April 2017, 14:30
Ist "Amicitia opificium" als lateinische Form von Gesellenverband (Kolping) brauchbar?
Warum nicht auch? ;)
oder: Sodalitas.

Ich würde aber eher "opificum" sagen, ohne -i- in der Endung.
(Die Ableitungen von facio, -fex, -ficis, haben -um im Gen. Pl., wie carnifex, artifex, pontifex, und neuerdings pseudifex :breitgrins: u.a.)

Aber Vorsicht! Cicero schreibt: opifices omnes in sordida arte versantur, nec enim quicquam ingenuum habere potest officina.
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Re: Lateinschule II

Beitrag von Sascha B. » Dienstag 25. April 2017, 17:20

Lycobates hat geschrieben:
Dienstag 25. April 2017, 14:49
Sascha B. hat geschrieben:
Dienstag 25. April 2017, 14:30
Ist "Amicitia opificium" als lateinische Form von Gesellenverband (Kolping) brauchbar?
Warum nicht auch? ;)
oder: Sodalitas.

Ich würde aber eher "opificum" sagen, ohne -i- in der Endung.
(Die Ableitungen von facio, -fex, -ficis, haben -um im Gen. Pl., wie carnifex, artifex, pontifex, und neuerdings pseudifex :breitgrins: u.a.)

Aber Vorsicht! Cicero schreibt: opifices omnes in sordida arte versantur, nec enim quicquam ingenuum habere potest officina.
Vielen Dank! :daumen-rauf:
Um den Frieden von oben und das Heil unserer Seelen lasset zum Herrn uns beten.
Herr, erbarme dich.

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Re: Lateinschule II

Beitrag von HeGe » Dienstag 9. Mai 2017, 13:34

kath.net hat geschrieben: Paderborner Blutreliquie von Johannes Paul II. muss zur Nachbesserung

Wie schreibt man „Hl. Johannes Paul II.“ auf Latein, mit oder ohne „h“? [...]
:hmm:
Preces meae non sunt dignae: / Sed tu bonus fac benigne, / Ne perenni cremer igne.

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Re: Lateinschule II

Beitrag von taddeo » Dienstag 9. Mai 2017, 13:58

HeGe hat geschrieben:
Dienstag 9. Mai 2017, 13:34
kath.net hat geschrieben: Paderborner Blutreliquie von Johannes Paul II. muss zur Nachbesserung

Wie schreibt man „Hl. Johannes Paul II.“ auf Latein, mit oder ohne „h“? [...]
:hmm:
Ohne "h" schreibt man den lateinischen Johannes auf alle Fälle, da gibt es keinen Spielraum. Fraglich ist nur, ob am Anfang mit "J" (also kirchenlateinisch) oder mit "I" (also klassisch).

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Re: Lateinschule II

Beitrag von Protasius » Dienstag 9. Mai 2017, 15:18

taddeo hat geschrieben:
Dienstag 9. Mai 2017, 13:58
HeGe hat geschrieben:
Dienstag 9. Mai 2017, 13:34
kath.net hat geschrieben: Paderborner Blutreliquie von Johannes Paul II. muss zur Nachbesserung

Wie schreibt man „Hl. Johannes Paul II.“ auf Latein, mit oder ohne „h“? [...]
:hmm:
Ohne "h" schreibt man den lateinischen Johannes auf alle Fälle, da gibt es keinen Spielraum. Fraglich ist nur, ob am Anfang mit "J" (also kirchenlateinisch) oder mit "I" (also klassisch).
Joannes Paulus II. hat sich selbst immer mit J geschrieben.
Bild
Der so genannte ‚Geist’ des Konzils ist keine autoritative Interpretation. Er ist ein Geist oder Dämon, der exorziert werden muss, wenn wir mit der Arbeit des Herrn weiter machen wollen. – Ralph Walker Nickless, Bischof von Sioux City, Iowa, 2009

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