Katastrophe in Japan

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Caviteño
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Re: Katastrophe in Japan

Beitrag von Caviteño » Donnerstag 15. September 2016, 14:27

Raphael hat geschrieben:
London stimmt umstrittenem Atomprojekt zu

Die britische Regierung hat grünes Licht für den neuen Atomreaktor Hinkley Point gegeben. Damit kann das über 20 Milliarden Euro schwere Projekt von EDF umgesetzt werden. Allerdings hat London die Auflagen verschärft.
Das ist Olkiluoto III mal zwei! Die trauen sich was, die Briten ..................
Ca. 750 km Luftlinie vom Ruhrgebiet entfernt und bei dem vorherrschendem Westwind......

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Raphael
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Re: Katastrophe in Japan

Beitrag von Raphael » Donnerstag 15. September 2016, 14:37

Caviteño hat geschrieben:
Raphael hat geschrieben:
London stimmt umstrittenem Atomprojekt zu

Die britische Regierung hat grünes Licht für den neuen Atomreaktor Hinkley Point gegeben. Damit kann das über 20 Milliarden Euro schwere Projekt von EDF umgesetzt werden. Allerdings hat London die Auflagen verschärft.
Das ist Olkiluoto III mal zwei! Die trauen sich was, die Briten ..................
Ca. 750 km Luftlinie vom Ruhrgebiet entfernt und bei dem vorherrschendem Westwind......
Wenn ich das richtig verstanden habe, dann kann das, was in Tschernobyl geschehen ist, in Hinkley Point nicht geschehen. :hmm:

Selbst eine Kernschmelze würde bei diesem Reaktortyp im "Core-Catcher" aufgefangen ..........
Zuletzt geändert von Raphael am Donnerstag 15. September 2016, 15:01, insgesamt 1-mal geändert.
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Caviteño
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Re: Katastrophe in Japan

Beitrag von Caviteño » Donnerstag 15. September 2016, 15:01

Raphael hat geschrieben: Wenn ich das richtig verstanden habe, dann kann das, was in Tschernobyl geschehen ist, in Hinkley Point nicht geschehen. :hmm:

Selbst eine Kernschmelze würde bei diesem Reaktortyp im "Containment" aufgefangen ..........
Ich habe mit Atomreaktoren auch kein Problem und vertrete die gleiche Meinung wie die Kanzlerin vor ihrem Umfall zur Energiewende. Also die, die sie zu dem Zeitpunkt äußerte, als sie die Laufzeiten der Kraftwerke gegen kräftige Steuerzahlungen der Energiekonzerne verlängerte und vorgebrachte Sicherheitsbedenken in den Bereich der Angstmacherei verschob. :breitgrins:

Unfälle können immer geschehen und mE ist ein Stromausfall aufgrund einer Terrorattacke wahrscheinlicher als ein zweites Tschernobyl. Aber wenn D. sich von einer Spitzentechnologie verabschieden will - bitte schön. Die PV-Anlagen werden größtenteils in China hergestellt und der einzige, der daran verdient, ist die EU mit ihren Strafzöllen. Wahrscheinlich werden auch bald preisgünstige Windräder aus China kommen - das war es dann mit den "zukunftssicheren Arbeitsplätzen" durch die Energiewende. :D

Aber vielleicht gibt es ja in diesem Winter eine mehrwöchige windstille Nebellage, dann wird auch dem Letzten klar werden, daß Sonne und Wind zwar "kostenlos" aber nicht zuverlässig sind.

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Raphael
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Re: Katastrophe in Japan

Beitrag von Raphael » Donnerstag 15. September 2016, 15:11

Caviteño hat geschrieben:
Raphael hat geschrieben: Wenn ich das richtig verstanden habe, dann kann das, was in Tschernobyl geschehen ist, in Hinkley Point nicht geschehen. :hmm:

Selbst eine Kernschmelze würde bei diesem Reaktortyp im "Containment" aufgefangen ..........
Ich habe mit Atomreaktoren auch kein Problem und vertrete die gleiche Meinung wie die Kanzlerin vor ihrem Umfall zur Energiewende. Also die, die sie zu dem Zeitpunkt äußerte, als sie die Laufzeiten der Kraftwerke gegen kräftige Steuerzahlungen der Energiekonzerne verlängerte und vorgebrachte Sicherheitsbedenken in den Bereich der Angstmacherei verschob. :breitgrins:

Unfälle können immer geschehen und mE ist ein Stromausfall aufgrund einer Terrorattacke wahrscheinlicher als ein zweites Tschernobyl. Aber wenn D. sich von einer Spitzentechnologie verabschieden will - bitte schön. Die PV-Anlagen werden größtenteils in China hergestellt und der einzige, der daran verdient, ist die EU mit ihren Strafzöllen. Wahrscheinlich werden auch bald preisgünstige Windräder aus China kommen - das war es dann mit den "zukunftssicheren Arbeitsplätzen" durch die Energiewende. :D

Aber vielleicht gibt es ja in diesem Winter eine mehrwöchige windstille Nebellage, dann wird auch dem Letzten klar werden, daß Sonne und Wind zwar "kostenlos" aber nicht zuverlässig sind.
Nichtsdestoweniger ist der Bau nach den Erfahrungen in Olkiluoto ein massives ökonomisches Risiko. Planung und Durchführung differieren dort erheblich, sowohl was die Baukosten als auch den Fertigstellungszeitpunkt anbetrifft. :hmm:
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Re: Katastrophe in Japan

Beitrag von Caviteño » Donnerstag 15. September 2016, 15:44

Raphael hat geschrieben: Nichtsdestoweniger ist der Bau nach den Erfahrungen in Olkiluoto ein massives ökonomisches Risiko. Planung und Durchführung differieren dort erheblich, sowohl was die Baukosten als auch den Fertigstellungszeitpunkt anbetrifft. :hmm:
Das ökonomische Risiko mag ja sein, betrifft mich aber nicht, weil ich weder britische Strompreise bezahlen muß noch Aktien von EdF besitze. :neinfreu:
Es ist aber interessant, wie sich innerhalb von knapp drei Monaten die Einschätzungen gewandelt haben. In diesem Artikel würden die Pläne aufgrund des Brexits noch als "gefährdet" eingestuft.
„Ich zählte immer zu denen, die erwartet haben, dass Hinkley C gebaut wird. Jetzt habe ich zum ersten Mal diese Zuversicht verloren“, sagte ein Beteiligter gegenüber FAZ.NET. Das Problem sei: „Wenn die Investoren nach einem gesichtswahrenden Grund gesucht haben sollten, einen Rückzieher zu machen, dann hat der Brexit ihn diesen geliefert.“
(...)
Auch die chinesischen Co-Investoren in Hinkley C blicken nach dem Brexit-Votum der vergangenen Woche offenbar mit Sorge nach Großbritannien. „Die Chinesen haben Bedenken, ob der Brexit die Finanzierung erschweren wird“, heißt es. EdF soll fast zwei Drittel der Kosten stemmen, während der chinesische Staatskonzern CGN einsteht. Die Chinesen sehen das Kraftwerk in Großbritannien als Chance, längerfristig ihre eigene Nukleartechnik im Westen verkaufen zu können.
Inzwischen scheint das Vorhaben wohl realisiert zu werden. Die in D. immer wieder herbeigeredeten negativen Folgen des Brexits sind vielleicht doch nicht so gravierend, wie uns die "Europäer" immer wieder glaubhaft machen wollen.
Paris begrüßte die Entscheidung als eine gute Nachricht für die französische Nuklearindustrie. „Diese Bestätigung ist ein bedeutender Schritt in der französisch-britischen Industrie- und Energie-Zusammenarbeit“, sagte Wirtschafts- und Finanzminister Michel Sapin.

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Raphael
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Re: Katastrophe in Japan

Beitrag von Raphael » Donnerstag 15. September 2016, 15:54

Caviteño hat geschrieben:
Raphael hat geschrieben:Nichtsdestoweniger ist der Bau nach den Erfahrungen in Olkiluoto ein massives ökonomisches Risiko. Planung und Durchführung differieren dort erheblich, sowohl was die Baukosten als auch den Fertigstellungszeitpunkt anbetrifft. :hmm:
Das ökonomische Risiko mag ja sein, betrifft mich aber nicht, weil ich weder britische Strompreise bezahlen muß noch Aktien von EdF besitze. :neinfreu:
Wimre wird das Projekt nur verwirklicht, weil der britische Staat eine Abnahmegarantie für den produzierten Strom zu Konditionen oberhalb des Marktpreises gegeben hat. Eine Überprüfung seitens der EU wegen unzulässiger Subventionen könnte jetzt natürlich wegen dem Brexit obsolet werden. :unbeteiligttu:

Trotzdem bleibt es mir rätselhaft wie man bei einer solchen Investitionssumme mit dem produzierten Strom noch Geld für die Aktionäre verdienen will. Man schaue sich nur einmal die Investitionssumme im Verhältnis zur Reaktorkapazität bei einem deutschen AKW an.
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Re: Katastrophe in Japan

Beitrag von Caviteño » Donnerstag 15. September 2016, 20:35

Raphael hat geschrieben: Wimre wird das Projekt nur verwirklicht, weil der britische Staat eine Abnahmegarantie für den produzierten Strom zu Konditionen oberhalb des Marktpreises gegeben hat. Eine Überprüfung seitens der EU wegen unzulässiger Subventionen könnte jetzt natürlich wegen dem Brexit obsolet werden. :unbeteiligttu:

Trotzdem bleibt es mir rätselhaft wie man bei einer solchen Investitionssumme mit dem produzierten Strom noch Geld für die Aktionäre verdienen will. Man schaue sich nur einmal die Investitionssumme im Verhältnis zur Reaktorkapazität bei einem deutschen AKW an.
Ein Teil Deiner Bemerkungen wird in diesem Artikel beantwortet, aus dem ich zitiere:

Britisches Comeback der Atomkraft

Zu den Preisen:
Den Konzernen wird von London ein während 35 Jahren jährlich mit der Inflation steigender Absatzpreis von anfänglich 92.50 Pfund pro Megawattstunde garantiert, was rund das Doppelte des heutigen Marktpreises ist. Zusätzliche Kosten tragen vor allem die Endkonsumenten. Bis 2050 will Grossbritannien seinen CO2-Ausstoss um 80 Prozent reduzieren, ausgehend vom Niveau von 1990, und plant deshalb die Abschaltung von Kohle- und älteren Kernkraftwerken. Hinkley Point ist ein Teil der Strategie zur Sicherung der Energieversorgung. Die Preise für erneuerbare Energien sind aber stark am Fallen, was die Kosten von Hinkley Point noch deutlicher hervorstechen lässt.
(Hervorhebungen von mir)

Das beantwortet - zumindes teilweise - die Frage nach den Dividenden für die Aktionäre. Bei garantierten Preisen, die mit einer Inflationsschutzklausel versehen sind, kann sich die ganze Sache vielleicht rechnen, das kann ich nicht beurteilen. Im übrigen wird - wie in der Politik üblich - auf die Zukunft verwiesen:
Mit der Entscheidung, an Hinkley Point festzuhalten, dürfte London die Beziehungen zu Frankreich und besonders zu China verbessern. Peking hatte sich verärgert über die Verzögerung im Juli gezeigt. Eine Absage an das Projekt hätte möglicherweise die Absicht Londons unterminiert, nach der Entscheidung, die EU zu verlassen, verstärkt mit der ganzen Welt Handel treiben zu wollen. Für die chinesischen Unternehmen ist vor allem der Bau von Bradwell ein weltweites Vorzeigeprojekt, das die Zuverlässigkeit chinesischer Reaktoren demonstrieren soll. Aus Peking kam bereits das Signal, die neuen Bestimmungen zu akzeptieren.
Man sollte den Werbeeffekt für die Chinesen, einen Atomreaktor in GB zu bauen und zu betreiben, nicht unterschätzen. Selbst wenn sie hier Geld zusetzen sollten - bei Ausschreibungen für Atomreaktoren in Ländern der Dritten Welt (und vielleicht sogar in Europa, s. GB) können sie damit punkten. Nicht alle Länder folgen den Eingebungen unserer alternativlosen Kanzlerin - weder in punkto "Energiewende" noch in der "Flüchtlings"politik. Im übrigen gewinnen die Chinesen durch den Bau kostenlos know-how und falls das Ding doch mal - wider Erwarten - hochgeht: China ist weit weg..... :D Man darf sicher sein: China wird den Fehler nicht wiederholen.....

Anzahl der geplanten Atomreaktoren in ausgewählten Ländern

Der Einwand europäischer, us-amerikanischer, russischer oder japanischer Konsortien, daß ihre Reaktoren "sicherer" seien, dürfte mit einem Demonstrationsobjekt in Europa, in GB, zusammenfallen. China wäre damit in einer Liga mit den USA, Japan oder anderen Industriestaaten - mit Ausnahme von D., die schrauben Windturbinen zusammen. :D

Bzgl. Frankreich sendet GB mit der Entscheidung schon einmal ein Signal - die Brexitverhandlungen stehen an und wie heißt es so schön: "Man sieht sich immer zweimal..." F ködert man mit der Atomkraft und D. will seine Autoindustrie nicht schädigen - blöd sind sie nicht, die Briten. Ich nehme einmal an, daß man sich in Brüssel noch verwundert die Augen reiben wird, wenn das - von den Staats- und Regierungschefs genehmigte - Ergebnis der Brexit-Verhandlungen vorliegt. Oder glaubt jemand ernsthaft, daß die Nationalstaaten daran interessiert sind, die EU und ihre Kommission zu stärken? :D :freude:

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Juergen
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Re: Katastrophe in Japan

Beitrag von Juergen » Dienstag 6. Dezember 2016, 11:12

Die Dreizehnte Novelle des Atomgesetzes ist im Wesentlichen mit dem Grundgesetz vereinbar

Urteil vom 6. Dezember 2016 - 1 BvR 2821/11, 1 BvR 321/12, 1 BvR 1456/12
Die Regelungen des Dreizehnten Gesetzes zur Änderung des Atomgesetzes vom 31. Juli 2011 („13. AtG-Novelle“) erweisen sich weitgehend als eine zumutbare und auch die Anforderungen des Vertrauensschutzes und des Gleichbehandlungsgebots wahrende Bestimmung von Inhalt und Schranken des Eigentums. Dies hat der Erste Senat des Bundesverfassungsgerichts mit heute verkündetem Urteil entschieden. Die 13. AtG-Novelle verletzt die Eigentumsgarantie (Art. 14 GG) jedoch insoweit, als die Einführung fester Abschalttermine für die in Deutschland betriebenen Kernkraftwerke (§ 7 Abs. 1a Satz 1 Atomgesetz in der Fassung der 13. AtG-Novelle), einen konzerninternen Verbrauch der im Jahr 2002 jedem Kernkraftwerk gesetzlich zugewiesenen Stromerzeugungskontingente bis zu den festgesetzten Abschaltdaten nicht sicherstellt. Hierdurch werden die durch die Eigentumsgarantie geschützten Nutzungsmöglichkeiten der Anlagen unzumutbar, teilweise auch gleichheitswidrig beschränkt. Demgegenüber steht die Streichung der mit dem Elften Gesetz zur Änderung des Atomgesetzes vom 8. Dezember 2010 („11. AtG-Novelle“) den einzelnen Kernkraftwerken zusätzlich gewährten Stromerzeugungskontingente in Einklang mit dem Grundgesetz. Mit Art. 14 GG unvereinbar ist ferner, dass die 13. AtG-Novelle keine Regelung zum Ausgleich für Investitionen vorsieht, die im berechtigten Vertrauen auf die im Jahr 2010 zusätzlich gewährten Stromerzeugungskontingente vorgenommen, durch deren Streichung mit der 13. AtG-Novelle aber entwertet wurden. § 7 Abs. 1a Satz 1 Atomgesetz ist zunächst weiter anwendbar; der Gesetzgeber muss bis 30. Juni 2018 eine Neuregelung treffen.
Ich fürchte, das wird nicht billig… :unbeteiligttu:
Gruß
Jürgen

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Re: Katastrophe in Japan

Beitrag von HeGe » Dienstag 6. Dezember 2016, 11:45

Eine m.E. richtige Entscheidung des BVerfG. Politisch kann man ja zum Atomausstieg stehen, wie man möchte. Auch die Erwägungen zur Beschleunigung sind sicher vertretbar und dürften auch eine Mehrheit der Bevölkerung hinter sich gehabt haben. Aber wenn man einen fest vereinbarten Zeitplan einseitig und quasi über Nacht über Bord kippt, muss man eben damit rechnen, dass sich die andere Seite ihr enttäuschtes Vertrauen in diese Vereinbarung bezahlen lässt. Und ob der Bürger die Kosten über die Stromrechnung oder den Steuerbescheid bezahlt, ist letztendlich vermutlich auch egal.
Preces meae non sunt dignae: / Sed tu bonus fac benigne, / Ne perenni cremer igne.

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Niels
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Re: Katastrophe in Japan

Beitrag von Niels » Freitag 6. April 2018, 16:01

"Zuerst Saudi-Arabien, dann Deutschland?": http://www.spiegel.de/netzwelt/web/saud ... 01410.html
O Herr, verleih, dass Lieb' und Treu'
in dir uns all verbinden,
dass Hand und Mund zu jeder Stund'
dein' Freundlichkeit verkünden,
bis nach der Zeit den Platz bereit'
an deinem Tisch wir finden.

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Re: Katastrophe in Japan

Beitrag von Lilaimmerdieselbe » Freitag 6. April 2018, 18:45

Wenn man sich überlegt, was alles am Internet hängt, kann einem nur schlecht werden. Letztlich kann man Einbrüche nur schwer machen, aber nicht ausschließen. Die wirklich relevanten Steuerungen müssen endlich physisch vom Netz getrennt werden. Dann bleibt immer noch das ganze Problem mit dem Zahlungsverkehr, aber da hat man wenigstens noch ein paar Tage zum irgendwie reagieren, bevor das Chaos ausbricht. In NRW ist der Katastrophenschutz wenigsten wieder funktionstüchtig mit Funk ausgerüstet.

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Re: Katastrophe in Japan

Beitrag von Caviteño » Sonnabend 7. April 2018, 01:07

Ich empfehle zu dem Thema immer den Roman Blackout - Morgen ist es zu spät. Darin wird beschrieben, wie sich ein Ausfall der Stromversorgung in Europa (natürlich im Winter) auswirkt. Eine annähernde Vorstellung bekam man während der Schneekatastrophe im Münsterland vor einigen Jahren, die zum Glück nur einen kleinen Bereich beschränkt war und nicht viele Menschen betraf.

Hier auf den PH muß immer mit einem -tlw. zwei, drei Tage dauernden- Stromausfall nach Taifunen gerechnet werden. Aber erstens ist so etwas vorhersehbar (Taifun) und zweitens kennt man das und ist vorbereitet. Außerdem wird mit Gas (Flaschen) gekocht und Generatoren sind viel verbreiteter als in D.. Insofern funktionieren auch die Kassen in den Supermärkten, bei den Banken und die Pumpen an den Tankstellen. Aber im hochtechnisierten D.?

Ob eine physische Trennung der Steuerungen vom Netz so einfach ist, weiß ich nicht. Ich kann mir jedenfalls kaum vorstellen, daß man diese naheliegende Idee nicht schon umgesetzt hätte, wenn es problemlos möglich wäre und mehr Sicherheit (die Steuerung über das Intranet bliebe ja) brächte.
Im übrigen ist es nicht auszuschließen, daß entsprechende Trojaner oder Viren bereits in die Steuerung eingeschleust wurden, die dann bei Bedarf aktiviert werden. So könnten durchaus künftige "Kriege" aussehen...

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Re: Katastrophe in Japan

Beitrag von Lilaimmerdieselbe » Sonnabend 7. April 2018, 12:11

Nachdem man den realen Bankrott eines von Hackern betroffenen Kollegen erlebt hat, gibt es für Ärzte in unserem Bezirk eine Lösung, die den Internetzugang auf eine viertel- bis halbe Stunde zur wöchentlichen Übermittlung der Daten zu wechselnden Zeiten an die kassenärztliche Vereinigung begrenzt. Was die Ärzte sonst noch so alles im Internet machen, läuft über private PCs.
Da ein Bochumer Krankenhaus ebenfalls schwer unter Hackern zu leiden hatte, das Ückendorfer bereits vor Jahren an einer übel mißglückten Systemumstellung die Grenzen seiner Liquidität getestet hatte und damit immerhin das Problem erkannt, ist eine auch physische Trennung von internem und externen Netz in Arbeit.
Supermärkte und Banken können das natürlich kaum leisten, aber weshalb Stromanbieter nicht Kunden- und technisches Netz trennen können sollten, sehe ich nicht ein. Entsprechendes gilt für Industriebetriebe.

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Re: Katastrophe in Japan

Beitrag von Protasius » Sonnabend 7. April 2018, 14:56

Wenigstens in deutschen und schweizerischen Kernkraftwerken gibt es mW eine physische Trennung zwischen dem mit dem Internet verbundenen Netz für Verwaltung etc. und den Systemen zur Steuerung der kerntechnischen Anlagen (die je nach Alter des Kraftwerks teilweise noch analog oder mit – sagen wir mal – sehr altbewährter Digitaltechnik verläuft; bspw. General Electric ist der mW letzte Verwender der in den 70ern entwickelten PDP-11, und verwendet sie zur Steuerung von KKW).
Der so genannte ‚Geist’ des Konzils ist keine autoritative Interpretation. Er ist ein Geist oder Dämon, der exorziert werden muss, wenn wir mit der Arbeit des Herrn weiter machen wollen. – Ralph Walker Nickless, Bischof von Sioux City, Iowa, 2009

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Sempre
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Re: Katastrophe in Japan

Beitrag von Sempre » Sonntag 22. April 2018, 03:16

Lilaimmerdieselbe hat geschrieben:
Sonnabend 7. April 2018, 12:11
Nachdem man den realen Bankrott eines von Hackern betroffenen Kollegen erlebt hat, gibt es für Ärzte in unserem Bezirk eine Lösung, die den Internetzugang auf eine viertel- bis halbe Stunde zur wöchentlichen Übermittlung der Daten zu wechselnden Zeiten an die kassenärztliche Vereinigung begrenzt. Was die Ärzte sonst noch so alles im Internet machen, läuft über private PCs.
Da ein Bochumer Krankenhaus ebenfalls schwer unter Hackern zu leiden hatte, das Ückendorfer bereits vor Jahren an einer übel mißglückten Systemumstellung die Grenzen seiner Liquidität getestet hatte und damit immerhin das Problem erkannt, ist eine auch physische Trennung von internem und externen Netz in Arbeit.
Supermärkte und Banken können das natürlich kaum leisten, aber weshalb Stromanbieter nicht Kunden- und technisches Netz trennen können sollten, sehe ich nicht ein. Entsprechendes gilt für Industriebetriebe.
Technische Anlagen werden von Spezialisten ferngewartet. Alle naslang werden die Systeme aus der Ferne überprüft, das Personal wird aus der Ferne unterstützt und Software wird aus der Ferne aktualisiert.
Die Lehren der Kirche zu glauben mag manch einem Schwierigkeiten bereiten. Sie aber nach eigenem Gutdünken nachzubessern und das Resultat dann für wahr zu halten, ist infantil.

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Re: Katastrophe in Japan

Beitrag von Lilaimmerdieselbe » Sonntag 22. April 2018, 16:22

Eben, das ist genau der Punkt, der mir Sorgen macht. Mit der Fernwartung hat man sich ein großes Sicherheitsproblem eingefangen, dass man bestenfalls relativ, nie absolut beherrschen kann. Bei der großen Zahl der Systeme kann man nicht davon ausgehen, dass es immer und bei allen gut geht.
In unserem Bezirk ist deshalb die Ärztekammer und die mit ihr verbundenen Praxen ganz davon abgekommen, da kommt jetzt überall jeden Monat ein Techniker. Es ist mir klar, dass es für die westlich komplizierteren Systeme gar nicht genug Spezialisten gibt, dass die die Hälfte ihrer Arbeitszeit auf Dienstfahrten verbringen können, dass mindert das Risiko aber überhaupt nicht.

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