Katastrophe in Japan

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Torsten
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Re: Katastrophe in Japan

Beitrag von Torsten » Freitag 10. Juni 2011, 17:50

Die behauptete Diskrepanz bei den Lohnentgelten - so sie denn besteht (s.o.) - wird auch nicht unwesentlich mit den Aufgaben in Zusammenhang stehen. Die Leitung und damit die Verantwortung für den Betrieb eines Kernkraftwerkes wird mit Sicherheit nicht auf Fremdfirmen übertragen (wäre wohl auch nicht zulässig). Da diese Posten höher dotiert sind als andere ergibt sich schon aufgrund des "Durchschnittswertes" ein Gefälle.
Dass das Lohngefälle besteht, davon gehe ich absolut aus. Es wäre ein Novum in Deutschland, wenn Leiharbeit gleich oder gar besser bezahlt würde als festangestellte Arbeitsverhältnisse. Einen weiteren richtigen Punkt sprichst Du an, was die Leitung und die Verantwortung für den Betrieb eines Kernkraftwerkes und dessen Dotierung angeht. Dass nun jemand, der die Drecksarbeit macht weniger Verantwortung, dafür aber mehr Strahlenlast trägt, und geringer bezahlt wird, ist einem gesellschaftlichen Verhältnis geschuldet, welches hier mit dem Begriff "Strahlenproletariat" treffend benannt wird. Hier wird deutlich, dass sich der Mensch und seine Arbeit letztlich nicht in Geld bemessen lässt. Warum soll Verantwortung mehr (Geld-)Wert sein als die Gesundheit?

Caviteño
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Re: Katastrophe in Japan

Beitrag von Caviteño » Freitag 10. Juni 2011, 19:12

Torsten hat geschrieben:
Dass das Lohngefälle besteht, davon gehe ich absolut aus. Es wäre ein Novum in Deutschland, wenn Leiharbeit gleich oder gar besser bezahlt würde als festangestellte Arbeitsverhältnisse.
Zunächst einmal der von Dir verwendete Ausdruck "Leiharbeit" falsch und dient - wie der Ausdruck "Strahlenproletariat" - der Stimmungsmache. Juristisch ist Leihe unentgeltlich und kann sich nur auf Sachen beziehen. Beides trifft nicht zu.

Korrekt handelt es sich um Arbeitnehmer von anderen Unternehmen (im Sprachgebrauch "Subunternehmer"), die für den Auftraggeber Werkverträge ausführen. Was die Bezahlung betrifft, kommt es - wie immer im Leben - darauf an, welche Arbeiten durchgeführt werden. Es gibt durchaus Spezialfirmen, deren Arbeitnehmer Spezialisten für bestimmte Aufgaben sind und die höhere Löhne beziehen als viele Arbeitnehmer des Auftraggebers. Dies zeigt im vorliegenden Fall auch schon das Dilemma eines Lohnvergleiches:
Wenn keine Arbeitnehmer des Kraftwerkbetreibers das notwendige know-how haben - wie können dann die Lohnentgelte verglichen werden? :hmm:
Torsten hat geschrieben: Einen weiteren richtigen Punkt sprichst Du an, was die Leitung und die Verantwortung für den Betrieb eines Kernkraftwerkes und dessen Dotierung angeht. Dass nun jemand, der die Drecksarbeit macht weniger Verantwortung, dafür aber mehr Strahlenlast trägt, und geringer bezahlt wird, ist einem gesellschaftlichen Verhältnis geschuldet, welches hier mit dem Begriff "Strahlenproletariat" treffend benannt wird. Hier wird deutlich, dass sich der Mensch und seine Arbeit letztlich nicht in Geld bemessen lässt. Warum soll Verantwortung mehr (Geld-)Wert sein als die Gesundheit?
Weil z.B. das Wissen und nicht die Gesundheitsgefährdung bezahlt wird.
Ein Beispiel aus dem Bergbau, der - man könnte es ja heute bei dem Strahlenhype vergessen - auch für die Bergleute gesundheitsgefährlich ist. Ein Markscheider hat ein viel höheres Gehalt als ein Steiger oder gar ein "einfacher" Hauer, obwohl die beiden letzteren dauernd "unter Tage vor Kohle liegen", während ein Markscheider diese gesundheitsgefährlichen Regionen viel seltener betritt (vom Zechendirektor nicht zu reden).
Warum?
Weil ein Markscheider eine höherwertige Ausbildung hat und in gewisser Weise auch für die Sicherheit (und Gesundheit) der anderen verantwortlich ist.
Im übrigen haben gerade Bergleute einen besonders großen Berufsstolz. Sie als Gruppe mit dem Begriff "Steinstaubproletariat" oder den einzelnen als "Steinstaubproleten" zu bezeichnen, würden sie - zu Recht - als Beleidigung auffassen. Ähnliches dürfte auch für den einzelnen Arbeiter im Kernkraftwerk gelten, der sich wohl nicht als "Strahlenprolet" als Teil der Gruppe des "Strahlenproletariats" sieht.
Herr Gysi hat durch seine Äußerungen diese Menschen, die mit ehrlicher und gefährlicher(!) Arbeit ihren Lebensunterhalt verdienen, herabgewürdigt. Allerdings kann man mit christlicher Nächstenliebe sein verbales Fehlverhalten durch seine vita entschuldigen - er weiß es halt nicht besser.

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Torsten
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Re: Katastrophe in Japan

Beitrag von Torsten » Sonntag 12. Juni 2011, 16:01

Caviteño hat geschrieben:Zunächst einmal der von Dir verwendete Ausdruck "Leiharbeit" falsch und dient - wie der Ausdruck "Strahlenproletariat" - der Stimmungsmache. Juristisch ist Leihe unentgeltlich und kann sich nur auf Sachen beziehen. Beides trifft nicht zu.

Korrekt handelt es sich um Arbeitnehmer von anderen Unternehmen (im Sprachgebrauch "Subunternehmer"), die für den Auftraggeber Werkverträge ausführen. Was die Bezahlung betrifft, kommt es - wie immer im Leben - darauf an, welche Arbeiten durchgeführt werden.
Korrekt handelt es sich um Menschen, die ihre Arbeitskraft einem Unternehmen zur Verfügung stellen, welche diese an Auftraggeber weitervermieten. Und korrekt genommen besteht kein Unterschied zwischen diesen Menschen und jenen, die ihre Arbeitskraft in einem direkten, sogenannten Festanstellungsverhältnis vermieten. Es handelt sich bei allen im wahrsten Sinne um Mietarbeiter. Der sogenannte Arbeitgeber ist der einzige "Mitarbeiter", also der "mit Arbeit". Der wahre Arbeitgeber aber ist das Geld und keiner sonst. Es ist die pure Heuchelei und Selbstbetrug wenn von Mitarbeit und Mitarbeitern die Rede ist, wenn dahinter nichts anderes steckt als das Abhängigkeitsverhältnis von den Interessen eines dem Menschen übergeordneten, künstlichen, automatischen Subjekts.

Mitarbeit beruht auf meiner freien Entscheidung, an etwas mitzuwirken oder nicht. Diese Entscheidung kann dadurch beeinflusst werden, dass ich von der Notwendigkeit der Mitarbeit überzeugt bin, weil sie meinem eigenen existentiellen Interesse entspricht. Mitarbeit kann aber niemals beinhalten, dass sie mir ein anderer gibt oder vorenthält, meine Existenz von Launen anderer abhängig ist. So wahr mir Gott helfe.

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sternchen
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Re: Katastrophe in Japan

Beitrag von sternchen » Sonntag 12. Juni 2011, 21:14

Wenn die Welt euch haßt, dann wißt, daß sie mich schon vor euch gehaßt hat. Wenn ihr von der Welt stammen würdet würde die Welt euch als ihr Eigentum lieben.... "Joh 15,18 - 15,19"

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Re: Katastrophe in Japan

Beitrag von sternchen » Montag 13. Juni 2011, 12:22

Der Mensch hat die Grenzen des Naturrechts überschritten - Drei Monate Fukushima Ein Ende der Katastrophe ist nicht in Sicht Die Katastrophe sprengt alles was die Menschheit bis heute ausgelöst hat. Leuchtender Tee ... Bei einer Stichprobe der ersten Tee-Ernte aus Shizuoka hat eine Versandfirma nun radioaktive Strahlung gemessen, die über dem gesetzlich zulässigen Limit liegt. Unterdessen entströmt aus der Reaktorruine Fukushima fortwährend gefährliche Strahlung in Luft, Boden und Meer.

Die Ohnmacht der Menschen manifestiert sich in den Leitsatz " Ora et labora (deutsch: Bete und arbeite)" weder Gebet noch Arbeit halten die Strahlung der Reaktorruine Fukushima zurück. Selbst die Notlösung, Sarkophag aus Spezialbeton, bietet nur sehr kurzen und sehr dürftigen Schutz. Die Reaktorruine in Fukushima wird tausende Jahre eine gefährlich Strahlung in die Umwelt der Todeszone abstrahlen.
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Re: Katastrophe in Japan

Beitrag von sternchen » Donnerstag 16. Juni 2011, 13:39

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Re: Katastrophe in Japan

Beitrag von lifestylekatholik » Donnerstag 16. Juni 2011, 14:09

Die Menschheit! :aengstlich: Drunter machstet nich, wa? Meine Jüte, jehtet nich ooch ma ne Numma kleena?!
»Was muß man denn in der Kirche ›machen‹? In den Gottesdienſt gehen und beten reicht doch.«

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Re: Katastrophe in Japan

Beitrag von holzi » Donnerstag 16. Juni 2011, 22:27

Wir sollten lieber den Ausstieg aus dem Biogemüse anstreben. Das hat in den letzten zwei Monaten wesentlich mehr Menschenleben gekostet als die Atomkraftwerke in zwei Jahrzehnten. :aergerlich:
Die Zeit ist, bei Licht besehen, immer gleich gut und gleich schlecht am Ende vom Jahre wie am Anfange desselben, nur die besseren Menschen machen die Zeiten besser, und bessere Menschen macht nur das treu geübte Christentum.
Adolph Kolping

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Re: Katastrophe in Japan

Beitrag von Caviteño » Freitag 17. Juni 2011, 19:22

Einen etwas anderer Blick auf die Katastrophe in Japan bietet dieser Bericht. In ihm werden die Maßnahmen dargestellt, mit denen man den Energienotstand bekämpfen will. Hoffentlich liest die Bundesregierung ihn auch:
In den U- und S-Bahnen fahren nur noch 8 Prozent der Züge. Manche Rolltreppen und Fahrkartenautomaten sind abgeschaltet. Die Beleuchtung wurde gedämpft. In vielen Bürotürmen sind einige Lifttüren mit dem Hinweis verklebt, hier werde Strom gespart. Geschäfte und Auslagen strahlen weniger hell. In der jetzt beginnenden schwül-heißen Zeit, die bis Ende August dauert, sollen Unternehmen und öffentliche Einrichtungen 15 Prozent Strom einsparen. Die Regierung hat angewiesen, die Raumtemperaturen nicht unter 28 Grad abzusenken. Auch die U- und S-Bahnen im Großraum Tokio, die zu Stoßzeiten brechend voll sind, werden nur noch teilweise gekühlt.
Ein besonderes "Schmankerl" gibt es in den Stromsparempfehlungen für die privaten Haushalte:
Die Stromspar-Empfehlungen richten sich jetzt auf die privaten Haushalte. Dort ist ein typisch japanischer Groß-Energieverbraucher der dauerbeheizte und mit allerlei Wasch- und Trockenfunktionen ausgestattete Toilettensitz. Er soll im Winter ausgeschaltet bleiben.
Klimageräte sollen aber nicht in jedem Fall ausgeschaltet bleiben:
Und damit die Konsumenten nicht übertreiben und einen Hitzschlag riskieren, will die Regierung Hitze-Warnungen ausgeben. Wenn die Temperatur über 35 Grad steigt – dann soll man doch besser nicht auf die Klimaanlage verzichten.
(Hervorhebungen von mir)

http://www.faz.net/artikel/C3798/energ ... 4148.html

Bei 3 Grad und schwüler Luft im Büro oder in der Wohnung zu sitzen und an die überfüllten Züge wage ich garnicht zu denken. :auweia:

Aber die Japaner haben keine andere Wahl, wir hatten sie schon. Andererseits wird bei uns der Stromkollaps auch nicht im Sommer, sondern im Winter eintreten. Gut, daß wir keine japanischen Toilettensitze haben :ja:

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Re: Katastrophe in Japan

Beitrag von Caviteño » Freitag 1. Juli 2011, 11:10

Der Atomausstieg wurde gestern beschlossen. Gleichzeitig wurde darauf hingewiesen, daß dieser natürlich nicht kostenlos zu haben ist und die Energiepreise steigen werden.

Deutschland gehört bereits zu den Spitzenreitern beim Strompreis. Dank des Atomausstiegs werden wir jetzt wohl ganz oben auf dem Siegertreppchen stehen.
In Euro ausgedrückt waren die durchschnittlichen Strompreise für Haushalte in Bulgarien (8,3 Euro pro 1 kWh), Estland (1,), Lettland und Rumänien (je 1,5) im zweiten Halbjahr 21 am niedrigsten und in Dänemark (27,1), Deutschland (24,4), Zypern (2,2) und Belgien (19,7) am höchsten. Der durchschnittliche Strompreis in der EU27 betrug 17,1 Euro pro 1 kWh.

In Kaufkraftstandards (KKS)5 ausgedrückt wurden die niedrigsten Strompreise für Haushalte in Frankreich (11,3 KKS pro 1 kWh), Finnland (11,5) und Griechenland (12,8) verzeichnet und die höchsten in Ungarn (25,7), der Slowakei (24,7) und Deutschland (23,2).
http://epp.eurostat.ec.europa.eu/cache/ ... -BP-DE.PDF

Beim Gaspreis müssen wir uns noch anstrengen, der liegt in D. sogar noch unter dem Durchschnitt der EU 27. :irritiert:

Herr Schäuble - übernehmen Sie!

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Raphael
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Re: Katastrophe in Japan

Beitrag von Raphael » Dienstag 12. Juli 2011, 13:45

So schön grün wird's wohl nicht auf die Schnelle:
dpa hat geschrieben:Ein Alt-AKW muss wohl am Netz bleiben

Berlin, 12. Jul (Reuters) - Trotz des beschlossenen
Atomausstiegs wird in Deutschland wohl eine Alt-Reaktor zunächst
als Reserve am Netz bleiben. Die Bundesnetzagentur deutete am
Dienstag an, dass eine Stromlücke in den kommenden Wintern nur
mit Hilfe eines Atomkraftwerkes in Süddeutschland abgefangen
werden könne.
Die Netzagentur hat von Regierung und Parlament den Auftrag
erhalten, nach Alternativen für ein Atomkraftwerk zu suchen.
Sowohl die Netzfirmen als auch die Netzagentur haben vor einem
Stromausfall in den nächsten beiden Wintern in Süddeutschland
gewarnt, wenn alle sieben Altmeiler abgeschaltet blieben.
"Die Zahlen, die uns bislang vorliegen, sprechen eher dafür,
dass wir eines dieser Kernkraftwerke benötigen werden", sagte
Netzagentur-Chef Matthias Kurth bei einer Energiekonferenz in
Berlin. "Denn die vielbeschworene fossile Kaltreserve hat sich
bislang nicht als tragfähige Option entpuppt." Mögliche andere
Anlagen wie das Öl-Kraftwerk Pleinting in Bayern könnten
kurzfristig nicht reaktiviert werden. Die Reserve wird als
Sicherheit für die Winter 2011/2012 und 2012/2013 benötigt, wenn
wenig Ökostrom eingespeist wird und der Verbrauch hoch ist.
...........
Die Welt kann man nur verstehen, wenn man vor dem Kreuz von Golgatha kniet!

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sternchen
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Re: Katastrophe in Japan

Beitrag von sternchen » Dienstag 12. Juli 2011, 14:46

Wenn die Welt euch haßt, dann wißt, daß sie mich schon vor euch gehaßt hat. Wenn ihr von der Welt stammen würdet würde die Welt euch als ihr Eigentum lieben.... "Joh 15,18 - 15,19"

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Re: Katastrophe in Japan

Beitrag von Caviteño » Freitag 15. Juli 2011, 11:13

Interessanter Bericht in der FAZ:

http://www.faz.net/artikel/C32436/litau ... 6347.html

Litauen will, weil es von Energieimporten aus Rußland abhängig (und damit erpreßbar) ist, ein neues Atomkraftwerk bauen. Neben einer sichereren Energieversorgung der baltischen Staaten war dabei auch an den Stromverkauf nach Skandanvien, Polen und Deutschland gedacht.

Aber die Russen sind schneller:
Sie bauen jetzt Atomkraftwerke in Kaliningrad und Weißrußland, die schneller fertig gestellt werden als das Projekt in Litauen.
Der deutsche Atomausstieg hat die Chancen der Litauer weiter verschlechtert. Bisher hatte man das eigene Atomprojekt nämlich mit dem Argument verteidigt, die überdimensionierten russischen Kraftwerksprojekte in der Nachbarschaft seien reiner Poker-Bluff. Rosatom werde sie nie zu Ende bringen, weil es in Europa für solche Giganten keinen Markt gebe. Nun aber, da Deutschland nach und nach alle eigenen Atomkraftwerke stilllegen will, hat sich das Blatt der Russen dramatisch verbessert. Der deutsche Markt ist aus Komarows Sicht eine Bonanza für russischen Atomstrom. Für Rosatom, stellt er fest, sei die absehbare Energielücke in Deutschland eine „Gelegenheit“, die man mit den geplanten Atomkraftwerken an der EU-Außengrenze zu nutzen gedenke.
(Hervorhebung von mir)

Die eigenen Atomkraftwerke, deren Sicherheit man kontrollieren kann, stillegen und dafür Strom aus russischen Atomkraftwerken beziehen (müssen) - da steckt Verstand hinter..... :pfeif:

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Torsten
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Re: Katastrophe in Japan

Beitrag von Torsten » Freitag 15. Juli 2011, 11:46

Die Atomkraftwerke sind im Besitz von Konzernen und nicht im Besitz des deutschen Volkes, das von den Gewinnen, den die Atomkraftwerke abwerfen, nur insoweit etwas hat, dass es als Gemeinschaft der Steuerzahler für Endlagerung und Risiken haftet. Desweiteren ist es Ausdruck nationaler Überheblichkeit bzw. Hochmutes, die "eigenen" Atomkraftwerke als sicher anzusehen. Die Möglichkeiten des Energiesparens sind bei weitem noch nicht ausgeschöpft. Dass in Belgien die Beleuchtung der Autobahnen teilweise abgeschaltet wird, zeigt nur, welcher Energieverschwendungswahnsinn bisher geherrscht hat und weiter herrscht. Zu guter letzt: Ja, man könnte es als Verstand bezeichnen, das Risiko von durch einen GAU unbewohnbar gewordenen Zonen zu "outsourcen".

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Re: Katastrophe in Japan

Beitrag von Caviteño » Freitag 15. Juli 2011, 13:59

Torsten hat geschrieben:Die Atomkraftwerke sind im Besitz von Konzernen und nicht im Besitz des deutschen Volkes, das von den Gewinnen, den die Atomkraftwerke abwerfen, nur insoweit etwas hat, dass es als Gemeinschaft der Steuerzahler für Endlagerung und Risiken haftet.
Und die Konzerne gehören sich selbst?
Die Kommunen in NRW halten über 25% an RWE, nicht nur wegen der Aufsichtsratsitze, sondern auch wegen der Dividenden. Die Kommunen haben in 2011 insgesamt über 450 Mio € an Dividenden erhalten - viele wären sonst schon gänzlich pleite.
Wer trägt die Ewigkeitslasten des Steinkohlebergbaus? Diese Frage habe ich hier schon oft gestellt, sie wird immer ignoriert.
Der einzige Energieträger, der seine Kosten selbst trägt und keine Subventionen erhält, ist die Braunkohle. Unter Kostengesichtspunkten könnte die Devise dann nur lauten: "Schafft drei, vier, viele Garzweiler" - wer will das?
Torsten hat geschrieben: Desweiteren ist es Ausdruck nationaler Überheblichkeit bzw. Hochmutes, die "eigenen" Atomkraftwerke als sicher anzusehen.
Das wäre es, nur habe ich es nicht geschrieben.
Die eigenen Atomkraftwerke, deren Sicherheit man kontrollieren kann, stillegen...
Ich habe von der Kontrollfunktion gesprochen. Diese bezieht sich auf die Bauvorschriften und die späteren Betriebsvorschriften. Atomkraftwerke in Rußland, ja noch nicht einmal in Belgien können von der Bundesregierung nicht abgeschaltet werden. Selbst in desolatem Zustand können sie weiterbetrieben werden.
Torsten hat geschrieben: Die Möglichkeiten des Energiesparens sind bei weitem noch nicht ausgeschöpft.
Mehr als die Hälfte des Stroms wird vom verarbeitenden Gewerbe verbraucht, hier ist das Einsparungspotential weitgehend ausgeschöpft. Nur ca. 40% entfällt auf die privaten Haushalte - die dann bei 18 Grad in der Wohnung ausharren sollen....
Torsten hat geschrieben: Dass in Belgien die Beleuchtung der Autobahnen teilweise abgeschaltet wird, zeigt nur, welcher Energieverschwendungswahnsinn bisher geherrscht hat und weiter herrscht.
Die Abschaltung erfolgt, weil man in Belgien prüfen will, ob die Restlaufzeit der Atomkraftwerke verkürzt werden kann. Sie zeigt, daß ein Atomausstieg nicht kostenlos ist. Gut, daß man in Belgien noch Möglichkeiten hat, relativ "schmerzfrei" auf große Strommengen zu verzichten. In D. fielen mir da nur die Weihnachtsbeleuchtung und Flutlichtspiele der Bundesliga ein. Und keine Elektroautos benutzen. ;D
Torsten hat geschrieben: Zu guter letzt: Ja, man könnte es als Verstand bezeichnen, das Risiko von durch einen GAU unbewohnbar gewordenen Zonen zu "outsourcen".
Glaubst Du, daß dies der tiefere Grund für den Atomausstieg in D. ist? Kann schon sein, Frau Merkel ist ja Physikerin....
Für mich bringt das allerdings nicht viel, denn das nächste Atomkraftwerk steht in Belgien. Aber für die Uckermark kann es bei Westwind durchaus Sinn machen. :pfeif:

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sternchen
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Re: Katastrophe in Japan

Beitrag von sternchen » Mittwoch 20. Juli 2011, 13:50

Unvorstellbar - Unglaublich - Verantwortungslos
[/b]
Es wird einfach immer schrecklicher und schrecklicher ....
Wenn die Welt euch haßt, dann wißt, daß sie mich schon vor euch gehaßt hat. Wenn ihr von der Welt stammen würdet würde die Welt euch als ihr Eigentum lieben.... "Joh 15,18 - 15,19"

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Re: Katastrophe in Japan

Beitrag von Caviteño » Montag 25. Juli 2011, 14:11

sternchen hat geschrieben:
Es wird einfach immer schrecklicher und schrecklicher ....
Dazu ein Reisebericht in das "verstrahlte" Japan und die Provinz Fukushima:

http://www.faz.net/artikel/C3531/japan ... 71818.html
„Wir müssen der Welt die Wahrheit mitteilen“, sagt der Mensch, dem man als Japanreisender vertrauen will. Kenji Jimbo, Vizepräsident der Japanischen Fremdenverkehrszentrale (JNTO), sitzt mit ernster Miene auf einer Ledergarnitur im zehnten Stock eines Tokioter Wolkenkratzers. Wahrheit, damit meint Jimbo die Messwerte, die er gerade den fünf deutschen Journalisten vorgelesen hat. Sie sind auf Einladung der JNTO nach Japan gereist. Laut den Zahlen ist die Strahlenbelastung in Tokio geringer als in New York. ,6 Mikrosievert pro Stunde. Das ist gerade mal ein Hundertstel jener Strahlenbelastung, die man während jeder Stunde des Flugs über die Nordroute von Frankfurt nach Tokio abbekommt.

Die Deutsche Botschaft hat den TÜV Rheinland nach Tokio kommen lassen, um unabhängige Messungen durchzuführen. Womöglich, weil besorgte Deutsche ihre Kinder bis in den Mai hinein nicht in die Deutsche Schule in Tokio zurückkehren lassen wollten. Die Messdaten des TÜV liegen mit ,8 bis ,18 Mikrosievert pro Stunde etwas über denen der japanischen Regierung; sie sind aber immer noch mit der in Deutschland üblichen natürlichen Strahlenbelastung vergleichbar. Anders, so heißt es, sehe das lediglich im Norden Japans aus.
(...)
Wir sind zu zweit nach Norden gereist, den anderen deutschen Reportern war der Ausflug zu riskant – wegen der Strahlung. Es ist 3 Grad warm, dunkle Wolken hängen am Himmel. 1,4 Mikrosievert pro Stunde liegen in der Luft. Der Wert steht im Internet, wo ihn Japaner für fast jeden Standort wie das Wetter abrufen können. Nach ein bis zwei Tagen in Nihonmatsu hat man die effektive Dosis einer Röntgenaufnahme des Brustkorbs angesammelt.
Zur gegenwärtigen Situation, die ja immer "schrecklicher und schrecklicher" wird, sollte man sich den Statusbericht der Deutschen Botschaft Tokyo durchlesen:
Gemüse (hauptsächlich Freiland-, aber auch Gewächshauskulturen)
- Positivbefunde rückläufig: Grenzwertüberschreitungen im Mai 4,6 v.H., im Juni 2,9 v.H. und in
den ersten drei Juliwochen ,7 v.H. der monatlichen Proben;
- betroffen v.a. Spinat, Shiitake Pilze, Bambussprossen und Broccoli;
- hauptsächlich betroffene Präfektur: Fukushima.

Milch und Eier
Seit Mitte April sind keine Grenzwertüberschreitungen festgestellt worden.

Fisch/Meeresfrüchte
- Positivbefunde schwankend: Grenzwertüberschreitungen im Mai 5,5 v.H., im Juni 8,7 v.H. und in
den ersten drei Juliwochen 6,6 v.H. der monatlichen Proben;
- betroffen ausschließlich küstennah lebende, weitgehend standorttreue Arten aus den
Küstengewässern des südlichen Fukushima und nördlichen Ibaraki sowie einige Arten in
Binnengewässern Fukushimas.

Fleisch
In der zweiten Juliwoche wurden erste Fälle von deutlich über den Grenzwert hinausgehend
belastetem Rindfleisch bekannt, das von Rindern innerhalb ausgewiesener Evakuierungszonen in
Fukushima stammt, die unzulässigerweise mit im Freien gelagerten, kontaminierten Reisstroh
gefüttert worden waren. Inzwischen wurde bekannt, dass bereits in den Vormonaten mutmaßlich
belastetes Rindfleisch aus Fukushima in den innerjapanischen Handel gekommen und
kontaminiertes Reisstroh als Tierfutter in andere Präfekturen verbracht worden ist. Der Verkauf von
Rindern aus Fukushima wurde zwischenzeitlich bis auf weiteres untersagt. Darüber hinaus ist eine
Dringlichkeitsuntersuchung zur Belastung von Reisstroh auch in anderen Präfekturen angeordnet
worden. Die seit der zweiten Juliwoche analysierten Rindfleischproben weisen in 13,7 v.H. der Fälle
eine Überschreitung des Vorsorge-Grenzwertes auf.

Andere Lebensmittel
- Positivbefunde seit Mai zurückgehend: Grenzwertüberschreitungen im Mai 17,5 v.H., im Juni 7,4
v.H. und in den ersten drei Juliwochen 5,1 v.H. der monatlichen Proben;
- betroffen bislang ausschließlich Grüntee aus einzelnen Teeplantagen in Ibaraki, Kanagawa, Chiba, Shizuoka, Tochigi und Fukushima.
http://www.tokyo.diplo.de/contentblob/3 ... ht_KKW.pdf

Ja, schon schrecklich, wie die Kontamination zurückgeht und nicht mehr für Schlagzeilen und Horrormeldungen geeignet ist. :pfeif:

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Pit
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Re: Katastrophe in Japan

Beitrag von Pit » Montag 25. Juli 2011, 16:36

Caviteño hat geschrieben:
sternchen hat geschrieben:
Es wird einfach immer schrecklicher und schrecklicher ....
Dazu ein Reisebericht in das "verstrahlte" Japan und die Provinz Fukushima:

http://www.faz.net/artikel/C3531/japan ... 71818.html
„...Laut den Zahlen ist die Strahlenbelastung in Tokio geringer als in New York. ,6 Mikrosievert pro Stunde....
Und da Tokio bekanntlich in der Provinz Fukushima liegt... :freude:
Toll, sollte also mal das AKW nahe Neuwied einen Super-Gau erleiden, wissen wir, daß das nicht so schlimm ist, weil man dann schnell messen kann, daß die Strahlenbelastung in München nach der Katastrophe in Neuwied so gering ist, daß man problemlos in München leben kann- auch wenn die Bewohner des Wieder Beckens nichts davon haben werden.
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Re: Katastrophe in Japan

Beitrag von Caviteño » Montag 25. Juli 2011, 17:26

Pit hat geschrieben: Und da Tokio bekanntlich in der Provinz Fukushima liegt... :freude:
Hatte ich das geschrieben? :nein:

Aber mit copy und paste an (un)passenden Stellen ist natürlich viel möglich - nicht nur eine Doktorarbeit....
Vielleicht solltest Du den Artikel auch mal lesen, da steht auch etwas über Fukushima und nicht nur über Tokio.

Vir Probatus
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Re: Katastrophe in Japan

Beitrag von Vir Probatus » Montag 1. August 2011, 06:21

Pit hat geschrieben:
Caviteño hat geschrieben:
sternchen hat geschrieben:
Es wird einfach immer schrecklicher und schrecklicher ....
Dazu ein Reisebericht in das "verstrahlte" Japan und die Provinz Fukushima:

http://www.faz.net/artikel/C3531/japan ... 71818.html
„...Laut den Zahlen ist die Strahlenbelastung in Tokio geringer als in New York. ,6 Mikrosievert pro Stunde....
Und da Tokio bekanntlich in der Provinz Fukushima liegt... :freude:
Toll, sollte also mal das AKW nahe Neuwied einen Super-Gau erleiden, wissen wir, daß das nicht so schlimm ist, weil man dann schnell messen kann, daß die Strahlenbelastung in München nach der Katastrophe in Neuwied so gering ist, daß man problemlos in München leben kann- auch wenn die Bewohner des Wieder Beckens nichts davon haben werden.
Das AKW nahe Neuwied ist "Mülheim-Kärlich". Es war nur ein paar Wochen in den achtziger Jahren in Betrieb und dann wurde der Betrieb verboten. Seit seit einigen Jahren wird es wieder abgebaut. Kalkar kam erst gar nicht soweit.
Das zahlen wir eben alle mal so mit, kost ja nix.
"Die Frau ist für die Kirche unabdingbar und wichtiger als manche Bischöfe." (Papst Franziskus)

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Re: Katastrophe in Japan

Beitrag von sternchen » Montag 1. August 2011, 22:11

Das ist das pure Grauen
[/size]

Mehr als zehn Sievert pro Stunde - Strahlung in Fukushima so hoch wie nie - .
Die natürliche Hintergrundstrahlung in Deutschland - beträgt im Schnitt 2,4 Millisievert im Jahr und gilt als unbedenklich.
[/size]
Financial Times Deutschland 01.08.2011, 18:15 Atomkatastrophe
Zahlreiche Lebensmittel wie Fleisch und Gemüse sind kontaminiert, auch das Grundnahrungsmittel Reis könnte tonnenweise verseucht sein. Die Strahlenwerte im japanischen Kraftwerk sind derzeit auf dem höchsten Stand seit dem Atomunfall....Tokio hatte bereits den Präfekturen Miyagi und Fukushima den Rindertransport untersagt. Die Behörden erwägen zudem ein ähnliches Verbot für die Region Tochigi, nachdem Cäsium in Rindfleisch aus der Region entdeckt worden war.

Zuerst dachte ich, es wird immer schrecklicher und schrecklicher .... jetzt weiß ich, es wird noch schrecklicher als ich dachte......
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Re: Katastrophe in Japan

Beitrag von Maurus » Montag 1. August 2011, 22:48

:roll:
Arbeitest du eigentlich bei Springer?

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Re: Katastrophe in Japan

Beitrag von lifestylekatholik » Montag 1. August 2011, 23:56

Sternchen, du steckst offensichtlich im Thema. Sei doch bitte so gut und stelle die Situation kontrastiv zum Unfall in Tschernobyl kurz dar. Was heißt das: mehr als zehn Sievert pro Stunde, und wieviel Sievert gab es in, um und nach Tschernobyl?

Danke im Voraus für deine Mühe!
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Re: Katastrophe in Japan

Beitrag von sternchen » Dienstag 2. August 2011, 00:19

Wenn die Welt euch haßt, dann wißt, daß sie mich schon vor euch gehaßt hat. Wenn ihr von der Welt stammen würdet würde die Welt euch als ihr Eigentum lieben.... "Joh 15,18 - 15,19"

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Re: Katastrophe in Japan

Beitrag von lifestylekatholik » Dienstag 2. August 2011, 00:43

Sternchen, bezog sich das auf meine Frage? Vielleicht war meine Frage ja unklar formuliert. Ich probiere es noch einmal:

1. Was heißt das: mehr als zehn Sievert pro Stunde?

2. Wieviel Sievert gab es in, um und nach Tschernobyl und über welche Zeiträume?

In dem verlinkten Artikel habe ich leider keine Antwort darauf gefunden.
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Re: Katastrophe in Japan

Beitrag von Caviteño » Dienstag 2. August 2011, 12:57

Zwar keine genau Antwort auf Deine Frage, aber vielleicht gibt das eine Vorstellung:
In Sievert (Sv) wird die biologische Wirkung radioaktiver Strahlung auf Menschen, Tiere oder Pflanzen angegeben. Entscheidend ist die jeweilige Zeiteinheit, auf die die Angaben bezogen werden. Die natürliche Hintergrundstrahlung in Deutschland - verursacht etwa durch radioaktive Substanzen im Boden wie Radon - beträgt im Schnitt 2,4 Millisievert im Jahr und gilt als unbedenklich.

Bei 1 Millisievert (gleich 1 Sievert) steigt das Risiko, an Krebs zu erkranken, um zehn Prozent. Bei einigen Menschen löst bereits eine Bestrahlung mit 1 Millisievert körperliche Folgen wie Übelkeit und Erbrechen aus. Angesichts der Atomkatastrophe hat die japanische Regierung die zugelassene Höchstgrenze für Arbeiter in einem Kernkraftwerk von 1 auf 25 Millisievert angehoben.
http://www.faz.net/artikel/C3721/japan ... 77527.html

Ich gehe einmal davon aus, daß die wirklichen Zahlen in Tschernobyl nicht bekannt geworden sind.

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Re: Katastrophe in Japan

Beitrag von lifestylekatholik » Dienstag 2. August 2011, 13:20

Danke, Caviteño. In dem FTD-Artikel steht, dass »die Strahlung« am Boden eines Rohres mehr als zehn Sievert betragen habe. Das Sievert ist ja nun, wenn ich es richtig verstanden habe, die Einheit der Äquivalenzdosis, also eben nicht der Strahlung? Auch würde mich interessieren, wie lange da denn nun welche Aktivität bestanden hat und um welche Mengen es insgesamt geht.

Bei der Asse gab es zum Beispiel Leckstellen, die sehr hoch belastet waren und zu irrsinnigen Werten pro Liter geführt haben. Da es sich aber nur um Tropfstellen mit Wassermengen im Milliliterbereich handelte, die meist auch nach kurzer Zeit wieder trockenfielen, war die tatsächlich Gefahr, die davon ausging, viel geringer, als die Zahlen zunächst suggerierten.

Das zum einen. Zum anderen fehlt mir zur Einschätzung aber auch noch der Vergleich mit z. B. dem Unfall in Tschernobyl. Im englischsprachigen Wikipädieartikel dazu steht z. B., dass Pferde in 6 km Entfernung zum Kraftwerk nach einer Dosis von 150 bis 200 Sievert gestorben seien. Das sind also 15- bis 20fach höhere Werte (allerdings ohne Angabe des Zeitraums), und zwar in mehreren Kilometern Entfernung zur Unglücksstelle. In 6 km Entfernung zum Boden des bewussten Rohres in Fukushima ist die Dosis pro Stunde natürlich lange nicht mehr 10 Sv. – Wie gefährlich ist das also, was dort gemessen wurde? In welchem Maße rechtfertigt es die Aussage Sternchens, dass es »noch schrecklicher« werde, als sie dachte, wobei sie ja auch bisher schon den Weltuntergang prophezeit hat?
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Re: Katastrophe in Japan

Beitrag von Caviteño » Dienstag 2. August 2011, 15:25

lifestylekatholik hat geschrieben:In welchem Maße rechtfertigt es die Aussage Sternchens, dass es »noch schrecklicher« werde, als sie dachte, wobei sie ja auch bisher schon den Weltuntergang prophezeit hat?
Ich weiß es nicht und habe auch nicht vor, mich mit dem Hype auseinanderzusetzen.

Wir leben in einer Industriegesellschaft auf relativ hohem Niveau und müssen mE dafür auch Risiken in Kauf nehmen. Warum soll z.B. ein Flugzeug immer nur auf ein Atomkraftwerk und nie auf eine Staumauer abstürzen? :hmm:
Wenn ich an die Bombardierung der Möhnetalsperre und die Folgen denke, (weit über 1000 Tote, Auswirkungen bis nach Essen, das mehr als 50 KM entfernt liegt) scheint mir ein Zerstörung der Staumauer durch einen Flugzeugabsturz nicht sooo weit von einer Atomkatastrophe entfernt zu sein - vom Eingriff in die Landschaft ganz zu schweigen. Es kommt aber niemand auf die Idee, deswegen auf Wasserkraft zu verzichten.

Und was die Verstrahlung betrifft:
Sind Hiroshima und Nagasaki noch immer unbewohnt?

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Re: Katastrophe in Japan

Beitrag von sternchen » Dienstag 2. August 2011, 21:28

sternchen hat geschrieben:
Das ist das pure Grauen
[/size]

Mehr als zehn Sievert pro Stunde - Strahlung in Fukushima so hoch wie nie - .
Die natürliche Hintergrundstrahlung in Deutschland - beträgt im Schnitt 2,4 Millisievert im Jahr und gilt als unbedenklich.
[/size]
Financial Times Deutschland 01.08.2011, 18:15 Atomkatastrophe
Zahlreiche Lebensmittel wie Fleisch und Gemüse sind kontaminiert, auch das Grundnahrungsmittel Reis könnte tonnenweise verseucht sein. Die Strahlenwerte im japanischen Kraftwerk sind derzeit auf dem höchsten Stand seit dem Atomunfall....Tokio hatte bereits den Präfekturen Miyagi und Fukushima den Rindertransport untersagt. Die Behörden erwägen zudem ein ähnliches Verbot für die Region Tochigi, nachdem Cäsium in Rindfleisch aus der Region entdeckt worden war.

Zuerst dachte ich, es wird immer schrecklicher und schrecklicher .... jetzt weiß ich, es wird noch schrecklicher als ich dachte......
Fukushima: Tödliche Strahlenquelle in der AKW-Ruine
[/size]

.... Strahlenwerte gemessen worden, die schon nach wenigen Sekunden zu schweren Gesundheitsschäden und zum Tod führen können. Am Boden überschritt die radioaktive Verseuchung demnach mit mehr als zehn Sievert pro Stunde (= Einheit der Strahlendosis; s.u., Lexikon) die absolute Alarmstufe. Wie stark die Strahlung tatsächlich ist, konnte nicht einmal genau gemessen werden, da die eingesetzten Geräte noch höhere Werte nicht darstellen können....Herkunft von Rindfleisch verschleiert.....Lehrer zum Lügen gezwungen
Das ist eine real-existierende Katastrophe ohne absehbares Ende.
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Re: Katastrophe in Japan

Beitrag von Caviteño » Sonnabend 6. August 2011, 12:28

Ein nachdenklicher Kommentar zur Energiewende in Deutschland:
Inzwischen ist Fukushima in den Hintergrund getreten, und die Wissenschaftler verschiedener Institute haben einmal kühl nachgerechnet. Das Ergebnis ist so voraussehbar wie erschreckend: Der überhastete Verzicht auf die Kernkraft wird Bürgern und Industrie Zusatzkosten in dreistelliger Milliardenhöhe aufbürden. Hauptgrund sind die horrenden Kosten zur Förderung der erneuerbaren Energien, die schon in wenigen Jahren das Rückgrat unserer Stromversorgung bilden sollen.
(...)
Völlig unterschätzt in der Politik wird zudem die Frage, wer denn in den nächsten Jahren überhaupt noch in den Umbau der Energieversorgung in Deutschland investieren soll. Denn nicht nur die Kernkraft, sondern auch die Kohle steht inzwischen auf dem Index. Niemand will künftig das Risiko eingehen, milliardenschwere Investitionsruinen zu hinterlassen, weil sich politische Rahmenbedingungen ständig ändern. Selbst der Neubau der vielgepriesenen Gaskraftwerke lohnt sich nach Aussage der meisten Versorger kaum.
Und schließlich: Wer steckt jetzt noch Milliardensummen in den Bau der erforderlichen neuen Hochspannungsnetze? Die großen Energiekonzerne haben längst die Lust am Netzgeschäft verloren. Gibt der Regulierer hier nicht zulasten der Verbraucher nach und gestattet wieder satte Renditen, wird sich daran kaum etwas ändern. Selbst das Geschäft mit Sonne und Wind lockt nur noch so lange mit hübschen Gewinnen, wie der Stromkunde draufzahlt. Aus dem alten "Kohlepfennig" wird dann der ewige "Biostrom-Cent".
http://www.handelsblatt.com/politik/kon ... 3763.html

Die Stromnetze sind nach der von der EU vorgeschriebenen Entflechtung der Energiekonzerne überwiegend in der Hand ausländischer Finanzinvestoren. Die werden sich einen Dreck um Investitionen kümmern, sofern die Rendite nicht stimmt und eine Quersubventionierung aus den Strompreisen ist auch nicht mehr möglich.

Die indirekten Kosten durch den Verlust von Arbeitsplätzen sind dabei noch nicht einmal eingerechnet. Dazu passt diese Meldung:
Nach dem Atomausstieg steht der Energieriese Eon einem Zeitungsbericht zufolge vor einem drastischen Stellenabbau. Wie die „Süddeutsche Zeitung“ am Samstag berichtete, erwägt das Unternehmen den Abbau von bis zu 1. Stellen weltweit. Das sind mehr als zehn Prozent der gesamten Belegschaft.
http://www.handelsblatt.com/unternehmen ... 71416.html

Aber wir können uns das ja alle leisten: Atomausstieg, Umstieg auf erneuerbare Energien, Rettung von Griechenland, Portugal, Irland und demnächst Spanien und Italien - irgendwie muß das Land doch kaputt zu kriegen sein. :hmm:

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Re: Katastrophe in Japan

Beitrag von Torsten » Sonnabend 6. August 2011, 12:44

Japan gedenkt und schaut in die Zukunft

Der japanische Ministerpräsident Naoto Kan legte am Samstag im Friedenspark von Hiroshima einen Kranz mit gelben Blumen nieder. Er erneuerte das Versprechen Japans, den Horror von Hiroshima niemals zu wiederholen. Japan hat versprochen, niemals Atomwaffen zu bauen oder zu besitzen.

In seiner Rede ging Kan auch auf die Katastrophe in Fukushima-Daiichi ein. Er versprach, das Land werde sich den erneuerbaren Energien zuwenden und weniger auf die Atomkraft stützen . "Ich bedaure zutiefst, an den Sicherheitsmythos der Atomkraft geglaubt zu haben", sagte er.
Caviteño hat geschrieben:Sind Hiroshima und Nagasaki noch immer unbewohnt?
Nein, das kannst du aber auch nicht mit Fukushima vergleichen.

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Re: Katastrophe in Japan

Beitrag von Caviteño » Sonnabend 6. August 2011, 12:55

Torsten hat geschrieben:
Caviteño hat geschrieben:Sind Hiroshima und Nagasaki noch immer unbewohnt?
Nein, das kannst du aber auch nicht mit Fukushima vergleichen.
Warum?
Fukushima war - lt. Presseberichten - der SuperGAU (= größter anzunehmender Unfall).

Was ist dann die Explosion einer Atombombe über einer Stadt? :achselzuck:

Ich bin ja gerne bereit zu lernen, habe aber auf diese Frage bisher keine zufriedenstellende Antwort erhalten. Die Frage ist ernst gemeint, weil ich es mir einen gravierenden Unterschied nicht erklären kann. Ganz im Gegenteil. Eigentlich müßte doch die durch eine Atombombenexplosion verursachte Strahlung eine weitaus höhere Wirkung haben, weil sie ohne "schützende" Stahl- und Betonwände direkt wirkt.
Wenn Hiroshima und Nagasaki inzwischen wieder von Millionen Menschen bewohnt werden (können), warum wird dann bei einem Reaktorunfall (GAU) von dauerhaft unbewohnbarem und verstrahltem Gebiet geredet? :achselzuck:

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