Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

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civilisation
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Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von civilisation » Freitag 21. Juni 2013, 20:20

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http://www.kreuzgang.org/viewtopic.php?f=6&t=6719

civilisation
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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken - II. -

Beitrag von civilisation » Freitag 21. Juni 2013, 20:23

Steigende Zinsen: Chinas Banken schlagen Cash-Alarm
http://www.spiegel.de/wirtschaft/sozial ... 7159.html

Caviteño
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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken - II. -

Beitrag von Caviteño » Sonntag 23. Juni 2013, 11:12

Sehr kritischer Kommentar zur Bankenunion in der FAZ:
Schon wieder wurde Wolfgang Schäuble in Brüssel über den Tisch gezogen. Das Raushauen von Banken, die sich verspekuliert haben, soll nicht nur für die angeblich ferne Zukunft einer Haftungsgemeinschaft in einer Eurozone mit Bankenunion institutionalisiert werden, sondern plötzlich auch rückwirkend. Zuvor hatten der Bundesfinanzminister und auch Bundeskanzlerin Angela Merkel die Haftung deutscher Steuerzahler für Fehlspekulationen irischer, griechischer, zyprischer, belgischer oder französischer Banken strikt abgelehnt. Schäuble hatte sogar darauf gepocht, dass so etwas ohne Änderung europäischer Verträge gar nicht möglich sei. Das galt bis gestern. Jetzt hat die Eurogruppe das Gegenteil beschlossen.
Pragmatiker mit einem Hang zum Zynismus mögen sagen, das Verbot der Haftung finanziell gesunder Länder für die Schulden anderer Staaten stehe in den EU-Verträgen sowieso nur auf Altpapier; die Rettungsroutine habe aus der Währungsunion längst eine Haftungs- und Transferunion gemacht. Das ändert aber nichts an der Rechtsbeugung, um es vornehm auszudrücken.
(...)
Dieses Einknicken von Merkel und Schäuble droht teurer zu werden als alle bisherigen „Euro-Rettungen“ zusammen. Denn die Schulden der Banken sind viel größer als die Schulden aller Eurostaaten. Alle Eurobanken zusammen haben mehr als 9 Billionen Euro Schulden. Etwa die Hälfte davon entfällt auf Einlagen, der Rest auf Bankschuldverschreibungen und andere Kredite. Schätzungen zufolge rollt - aber zufällig bestimmt erst nach der Bundestagswahl - auf das Euro-Bankensystem eine gigantische Abschreibungswelle in der Höhe von einer Billion zu.
Wer soll das tragen? Der Deckel von 6 Milliarden Euro für die Rekapitalisierung von Wackelbanken durch den Rettungsfonds ESM, den die Eurogruppe nun beschlossen hat, wirkt im Vergleich dazu lächerlich. Schäubles Verzögerungstaktik ging mal wieder nicht auf. Wer glaubt dem CDU-Minister, dass er oder sein Nachfolger (vielleicht Jürgen Trittin von den Grünen) mittels Einzelfallentscheidungen die Haftung begrenzen kann? Wieso soll die Eurogruppe Bank A in Spanien retten, aber nicht Bank B in Irland?
(...)
Es soll eine gemeinsame Verantwortung und Haftung für Banken geben ohne Anpassungen auf anderen Feldern, obwohl Fehlentwicklungen dort unmittelbar auf Bankbilanzen durchschlagen. Das nationale Insolvenzrecht könnte es etwa spanischen Immobilienkäufern künftig leichter machen, untragbare Hauskredite bei ihrer Bank abzuladen, wofür dann Euro-Europa haftet.
http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/b ... 39364.html

Insbesondere der letzte Punkt sollte zu denken geben.
Es ist dann so ähnlich wie in den USA (und für Deutsche schwer nachvollziehbar): Man kauft ein Haus, vollfinanziert durch die Bank. Wenn sich dann z.B. die Mieteinnahmen nicht so entwickeln, wie man das geschätzt hat und man mit den Raten in Verzug gerät, überträgt man das Haus an die Bank und damit ist die Angelegenheit für den Eigentümer erledigt. Es gibt keine persönliche Haftung für den Kredit, nur eine dingliche Sicherung, aus der sich Bank befriedigen kann.
Die dadurch ausgelösten Spekulationen waren auch ein Grund für die Bankenkrise. Gewinne werden privatisiert - für Verluste haftet die Bank und dann - in der Bankenunion über den ESM - letztendlich der (nord-)europäische Steuerzahler.

Aber die Abgeordneten werden auf Anweisung ihrer Führung wieder brav das Pfötchen heben, die Bankenunion durchwinken und die Haftung des deutschen Steuerzahlers weiter vergrößern......

Caviteño
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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken - II. -

Beitrag von Caviteño » Mittwoch 26. Juni 2013, 16:28

Nicht nur die Griechen, auch die Italiener scheinen sich mit falschen Zahlen und buchhalterischen Tricks in den Euro gemogelt zu haben:
Drei Experten hätten den möglichen Verlust auf acht Milliarden Euro geschätzt. La Repubblica bezifferte das potenzielle Minus auf 8,1 Milliarden Euro. Den Zeitungen zufolge stammen die Derivate-Verträge aus den 199er Jahren, als die italienische Regierung Vorauszahlungen von Banken verwendet habe, um die Defizit-Ziele der Europäischen Union zur Einführung des Euro zu erreichen.
"In den 199ern wurden viele Fehler gemacht, um Italien in den Euro hineinzubekommen und heute wandeln sie sich in höhere Schulden versteckt in offiziellen Konten", zitierte La Repubblica einen Regierungsvertreter. Das Finanzministerium war zunächst nicht für eine Stellungnahme erreichbar.
http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/r ... -1.175948

Sogar die Süddeutsche Zeitung sieht die Bankenunion und den Zugriff der Banken auf den ESM jetzt kritisch und weist auf folgende Gefahren hin:
Es ist nur ein Teil der Wahrheit.
Denn was die Finanzminister in Luxemburg zur Rekapitalisierung der Banken beschlossen haben, ist für den Steuerzahler ganz besonders risikoreich. Der ESM leiht den kranken, aber sanierungsfähigen Banken nicht bloß Geld. Sondern der Rettungsfonds erwirbt faktisch Anteile an diesen Banken. Dem ESM - und damit letztlich den Bürgern der Euro-Länder - gehören also am Ende womöglich Banken in Griechenland, Spanien oder Zypern.
Rating-Agenturen halten dies für riskant. Und zwar für so riskant, dass der ESM für jeden Euro, den er an notleidende Banken vergibt, zwei Euro an Sicherheiten zurücklegen muss. Das schränkt die Ausleihmöglichkeiten des ESM deutlich ein, wie der Rettungsfonds der Süddeutschen Zeitung nun auch selber bestätigt. Sollte der ESM die Obergrenze von 6 Milliarden Euro für direkte Bankenrekapitalisierung ausschöpfen, dann würde dies den Fonds nicht bloß 6 Milliarden Euro kosten - sondern, erklärt ein Sprecher des Rettungsfonds, "das würde die maximale Ausleihkapazität des ESM um etwa 18 Milliarden Euro absenken". Dies wiederum bedeutet: Von den 5 Milliarden Euro, die der europäische Rettungsfonds insgesamt ausgeben darf, blieben nach einer möglichen Rekapitalisierung der Banken nur noch 32 Milliarden Euro übrig, um klamme Staaten zu retten.
Zur Wahrheit gehört zudem, dass von diesen 32 Milliarden Euro bereits 19 Milliarden Euro verplant sind: Zypern hat neun Milliarden Euro zugesagt bekommen und Spanien 1 Milliarden Euro.
(...)
Experten bezweifeln, ob diese finanzielle Feuerkraft ausreichen wird, um die größten Risiken zu decken. Die USA und Euro-Länder wie Frankreich hatten ursprünglich dafür plädiert, den ESM mit 1 Milliarden Euro auszustatten. Das war am Widerstand aus Berlin gescheitert.
http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/e ... -1.175784

Damit dürfte eine Erhöhung der Haftungsgrenze des ESM nach der Bundestagswahl([Punkt]) wohl kaum noch zu vermeiden sein.

Auch die an GR gewährten Darlehn iHv 21 Mrden € (= 21. pro Kopf der [Punkt]) werden wohl nicht zurückgezahlt werden:

http://www.welt.de/wirtschaft/article11 ... hnitt.html

Ja, ja - unsere politische "Elite" - soviel klüger als das Volk.... An den Stammtischen wurde ja bereits 21, als von Frau Merkel der Maastricht-Vertrag gebrochen wurde, dem guten Geld hinterhergewunken. Dort glaubte niemand, daß man von dem Geld etwas sehen würde - und die Target-Salden stehen auch noch offen.

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken - II. -

Beitrag von civilisation » Mittwoch 26. Juni 2013, 20:07

Platzt sie, die Goldblase?

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Caviteño
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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken - II. -

Beitrag von Caviteño » Montag 1. Juli 2013, 11:11

Der Euro führt zu einer Deindustrialisierung in Italien:
Laut dem Unternehmerverband Confindustria hat das Land in den letzten vier Jahren 55 Firmen verloren. Betroffen sind auch einstige Vorzeigebranchen Italiens wie die Textil- und Lederwarenindustrie. Mittlerweile wächst die Angst, dass Italien sogar seine industrielle Basis im Norden des Landes verliert: den Automobilbau, die Chemieindustrie und die Stahlherstellung.
Nimmt man Kleinbetriebe und Ladengeschäfte dazu, dann verliert Italien von seinen insgesamt sechs Millionen Unternehmen sogar bis zu 1 Firmen pro Tag, so eine Schätzung der „New York Times“ vom März dieses Jahres. War die Zustimmung zum Euro in der italienischen Bevölkerung ohnehin schon so gering, so wächst mit dem Firmensterben nun auch in Italiens Wirtschaft der Eindruck, mit der Gemeinschaftswährung in der Falle zu sitzen: Gefangen in einer falschen Währung, die für die italienische Leistungskraft rund 25 Prozent zu hoch bewertet ist, ohne wie früher die Möglichkeit einer Abwertung zu haben. Mehr noch. Während in immer mehr italienischen Firmen die Lichter ausgehen, scheint die deutsche Industrie Europas Märkte regelrecht „aufzurollen“.
(...)
Sollte die Karte „Draghi“ eines Tages generell nicht mehr stechen, dann könnte ein Euro-Ausstieg für Italien durchaus eine Option sein – vor allem für die italienische Wirtschaft, die gegen die deutsche Konkurrenz immer weniger mithalten kann. Die Chancen für einen Neustart mit einer neuen Lira wären sogar recht gut. Einer Untersuchung der Bank of America zufolge, würde Italien von einem Euro-Ausstieg von allen Teilnehmerländern sogar am meisten profitieren
http://www.preussische-allgemeine.de/na ... rgang.html

Längerfristig wird es entweder zu direkten (Finanzhilfen) bzw. indirekten (Eurobonds) Transfers von Nord nach Süd oder zum Austritt einiger Länder aus der Eurozone kommen. Anders kann das wachsende Ungleichgewicht bei der Wettbewerbsfähigkeit nicht ausgeglichen werden.

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martin v. tours
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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken - II. -

Beitrag von martin v. tours » Sonntag 7. Juli 2013, 12:25

Wenn schon auf 3Sat darüber geredet wird ?
http://www.3sat.de/mediathek/index.php? ... &obj=3735
Nach dem sie nicht erreicht hat, daß die Menschen praktizieren, was sie lehrt, hat die gegenwärtige Kirche beschlossen, zu lehren, was sie praktizieren.
Nicolás Gómez Dávila

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Torsten
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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken - II. -

Beitrag von Torsten » Sonntag 7. Juli 2013, 14:32

Worüber wird denn da gesprochen? Über die drohende Finanzapokalypse, aber vor allem am Problem vorbei. Die Staatsschulden werden das System zum kollabieren bringen, die Zeit der Rendite ist vorüber, jetzt gilt es, Vermögen zu sichern. Da hätte ich zwei ganz einfache Fragen: Warum ist die Zeit der Rendite vorüber, und weshalb sind die Staatsschulden plötzlich ein Problem? Ach, wegen der Finanzkrise, den Spekulationsblasen? Weshalb fing denn die Spekulation in solch einem Ausmaß an? Wegen der Deregulierung der Märkte? Wieso wurde denn dereguliert? usw, usf.

Wenn wir von Staatsschulden hören, dann hören wir auch immer die Forderung nach der Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit, und damit nähern wir uns dem Kern des Problems schon viel eher, als es bei diesem Interview der Fall ist. Denn das Problem ist nicht das Geld - liegt nicht bei den Schulden - sondern in einem zunehmenden Mangel an rentabler Beschäftigung, in einem zunehmenden Mangel (vor allem auch "nachhaltig" entlohnter) Erwerbsarbeit. Für uns sieht es so aus, als ob sich die Welt um das Geld dreht. Aber für das Geld dreht sich die Welt letztlich um die Erwerbsarbeit, um die menschliche Tätigkeit, welche den Mehrwert produziert.

Die ewige Forderung nach der Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit blendet das Problem aus, dass durch die dadurch steigende Produktivität Erwerbsarbeit abgebaut wird. Ja, es war mal anders, damals zu Wirtschaftswunderzeiten, wo noch wirkliche Konsumlaune in nach neuen Produkten hungrigen Märkten herrschte. Auto, Fernseher, Kühlschrank. Es wird nie wieder so sein, weil es kein zurück in der Entwicklung gibt. Und wenn doch, dann wird es auf einem vorindustriellen Niveau sein. Und der Vorwurf an die Kapitalseite, zugunsten von Spekulationsgewinnen die Investitionen in die sogenannte Realwirtschaft zu vernachlässigen haut in die gleiche, falsche Kerbe. Die Banken und Fonds sind eben zu gierig? Nein, diese "Realwirtschaft" gibt für das Kapital einfach nicht mehr genug Rendite her. Und die Kapitalseite steht genau so unter Wettbewerbsdruck, Anleger mit attraktiven Renditen anzulocken.

Und das erklärt auch, warum Staaten mit zunehmender Gewalt auf Proteste reagieren und die Totalüberwachung anstreben. Nicht, um einer Elite Macht und Reichtum zu sichern, sondern aus Hilflosigkeit. Weil die Grundlage der Zivilisation wegbricht: Arbeit und Geld. Wir sehen es gerade in Ägypten. Da kann die eine Seite noch zig-Mal auf dem Tahrir-Platz aufmarschieren, und die islamistischen Steinzeitfundamentalisten Terrorgruppen bilden, am Ende wird der an der Macht sein, der noch das Vertrauen genießt, Schulden machen zu können, um damit das Brot zu subventionieren.

Ich sehe zwei Entwicklungsmöglichkeiten, wie die Ordnung über das Chaos siegt: Entweder eine weltweite Militärherrschaft, die die Reste einer Zivilgesellschaft kontrolliert und abwickelt. Was eine ziemlich öde und düstere Vision ist. Oder aber eine Gesellschaft, welche es verstanden hat, Freiheit in einem Totalitarismus zu finden, der sich nicht auf militärische Strukturen und Begriffe stützt.

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martin v. tours
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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken - II. -

Beitrag von martin v. tours » Sonntag 7. Juli 2013, 14:51

Torsten
Mir ging es bei dem Beitrag nicht so sehr um den konkreten Inhalt sondern darum das so ein Interview in einem Systemsender wie 3SAT überhaupt gezeigt wird.
Für mich ist der Euro bzw. unser Finanzsystem, wie man es bei uns nennt, " a gschminkte Leich´ ".
Aber mit so deutlichen Aussagen, wie in diesem Interview, wurde man bisher doch eher als Spinner oder Schlumpf abgekanzelt. Das solche Aussagen auch ausgestrahlt werden
gibt mir zu denken.
Im Fernsehen geschieht nichts zufällig.
Nach dem sie nicht erreicht hat, daß die Menschen praktizieren, was sie lehrt, hat die gegenwärtige Kirche beschlossen, zu lehren, was sie praktizieren.
Nicolás Gómez Dávila

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Torsten
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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken - II. -

Beitrag von Torsten » Sonntag 7. Juli 2013, 15:24

Im Grunde sehe ich da keinen großen Unterschied zu dem, was bspw. "Mr. Dax" Dirk Müller als gerne gesehener Talkshowgast immer zum besten gibt. So ungewöhnlich ist das für Systemsender nicht. Du solltest dich nicht so sehr auf "den Euro bzw. unser Finanzsystem" einschießen, sondern auch mal auf die Seite der Arbeit schauen. Als die Grundlage jedes Währungs- und Finanzsystems. Wie diese Arbeit aussieht, was die Voraussetzungen für ihre Schaffung sind, und welchen Zwängen sie unterliegt. Da ändert sich nämlich nichts bzw. es kann immer nur schlimmer werden. Bis dahin, dass entweder Beschäftigung subventioniert wird, oder Länder und Staaten in eine Subsistenzwirtschaft zurückfallen. Mit der Folge, dass die Bevölkerung rebelliert, weil sie ein besseres Leben will oder diese Wirtschaft nicht zu ihrem Leben reicht.

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken - II. -

Beitrag von Torsten » Sonntag 7. Juli 2013, 17:00

Freiheit im Totalitarismus. Wir leben momentan eine Freiheit, in der eine äußere Abstraktion - das Geld und seine Pseudo-Naturgesetze - uns eine Freiheit bescheren, wie sie in der Wildbahn herrscht. Fressen und gefressen werden, Partner finden, sich fortpflanzen. Diese Freiheit ist gerade dabei, ihre vermutlich letzten Grenzen auszutesten und einzureißen. Sowohl was das fressen und gefressen werden angeht, als auch die Freiheit bei der Partnerwahl.

Das Gegenmodell ist nichts weiter als eine innere Abstraktion. In Form von Gesetzen für den Menschen, die so selbstverständlich, verbindlich und unverhandelbar sind, wie heutzutage das Profitstreben. Diese Gesetze haben ihre Herkunft nicht in der Wildbahn, nicht in der Natur, sondern in der Ordnung der Schöpfung. Die das, was wir unter Partnerschaft und Familie verstehen, abstrahiert und reduziert. Zurechtstutzt. Auf das Maß eines Herzens und einer Seele. Auf Mütter und Kinder und einen Vater im Himmel.

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken - II. -

Beitrag von Caviteño » Sonntag 7. Juli 2013, 17:11

Torsten hat geschrieben: Wie diese Arbeit aussieht, was die Voraussetzungen für ihre Schaffung sind, und welchen Zwängen sie unterliegt. Da ändert sich nämlich nichts bzw. es kann immer nur schlimmer werden. Bis dahin, dass entweder Beschäftigung subventioniert wird, oder Länder und Staaten in eine Subsistenzwirtschaft zurückfallen. Mit der Folge, dass die Bevölkerung rebelliert, weil sie ein besseres Leben will oder diese Wirtschaft nicht zu ihrem Leben reicht.
Arbeit kann wohl kaum durch den Staat geschaffen werden, selbst entsprechende Konjunkturprogramme sind meist nur ein Strohfeuer. Man denke nur an die Solarindustrie, die im Zuge der Energiewende hoch gefeiert wurde. Tausende von neuen Arbeitsplätzen, ein Export der deutschen Produkte wurden von der Politik angekündigt. Inzwischen liest man nur Negativschlagzeilen - Mrden-Subventionen verdampfen, der Stromverbraucher zahlt die Zeche. Statt in D. zu einer nachhaltigen Beschäftigung zu führen, werden mit dem EEG chinesische Arbeitsplätze gefördert - soweit zur vorausschauenden Arbeitsplatzsicherung durch politische Maßnahmen.

Durch die modernen Kommunikationsmittel können Arbeitsplätze dorthin verlagert werden, wo die Arbeit preiswerter ausgeführt wird. Auf den Philippinen gibt es hunderte von call-centern, nicht nur für den englisch- sondern auch für den deutschsprachigen Raum. Dort arbeiten Deutsche, die dort leben (wollen) und verdienen für dortige Verhältnisse ein fürstliches Gehalt, das jedoch noch immer erheblich unter den geringen Löhnen der hiesigen call-center liegt. Vor einigen Jahren habe ich von zwei arbeitslosen deutschen Zahntechnikern erfahren, die in Manila jetzt einen Großbetrieb mit 3 Beschäftigten führen, der ganz überwiegend für deutsche Zahnärzte tätig ist - deutscher Standard bei den Arbeiten und Luftfracht machen es möglich.

Die Beispiele zeigen, daß die Arbeitsplätze, die hier wegfallen irgendwo auf der Welt wieder neu entstehen. In vielen Ländern der Welt ist der Lebensstandard gestiegen und eine neue Mittelschicht entstanden. Der peruanische Bauer oder der südafrikanische Landarbeiter, deren Spargel bzw. Weintrauben man hier im Winter kaufen kann, hätte ohne den internationalen Warenaustausch eben kein oder ein erheblich geringeres Einkommen. Wenn auf den PH in jedem Jahr ca. 1 Mio junger Menschen von den Schulen bzw. Universitäten auf den Arbeitsmarkt drängen (und in China ist es ein Mehrfaches davon), sollte man sich freuen, daß von dort keine Horrorzahlen wie aus Südeuropa (Jugendarbeitslosigkeit 5%) berichtet werden.

Der Arbeitsplatzabbau hier wird weitergehen - auch in einer Schlüsselbranche, der Automobilindustrie:
Mag der Fall Argentinien wegen der geringen Bedeutung des Marktes auch Heiterkeit auslösen, so wird die Sache anderswo zu einer ernsten Schwierigkeit für die deutsche Autoindustrie:die Abschottung von großen und wachsenden Märkten wie Brasilien, China, Indien oder Russland durch hohe Einfuhrzölle oder andere Handelshemmnisse.
Oft verbarrikadieren Schwellenländer ihre wachsenden Märkte zusätzlich hinter besonderen Auflagen für Sicherheitsausrüstung oder speziellen Umweltauflagen. Um diese Zölle und sonstige Erschwernisse zu umgehen, bauen die deutschen Konzerne immer öfter neue Fabriken vor Ort. Die Folgen machen sich schon jetzt in Deutschland bemerkbar: In der ersten Hälfte dieses Jahres sind der Export und die Inlandsproduktion deutscher Autos auf den niedrigsten Stand seit dem Krisenjahr 29 gesunken. Zwei Drittel der Neuwagen deutscher Hersteller laufen inzwischen im Ausland vom Band.
(...)
Kaum ein Monat vergeht, in dem nicht Volkswagen, Daimler oder BMW eine neue Fabrik in China einweihen. Was in Fernost an neuen Kapazitäten entsteht, könnte in Westeuropa bald verschwinden. VW investiert zwar 3,6 Milliarden Euro in das Stammwerk Wolfsburg, aber das sind nur 7 Prozent der gesamten Investitionen des Konzerns von 5 Milliarden Euro. Der Löwenanteil fließt ins Ausland.
(...)
Die hiesigen Volumenhersteller wie Ford, Opel oder Peugeot-Citroën müssen nicht nur Fabriken schließen, weil die Nachfrage seit Jahren schrumpft. Ford schließt Werke in Belgien und England, Opel macht den Standort Bochum dicht, und Peugeot beendet die Produktion in Aulnay bei Paris.
Anders als die deutschen Premiummarken Audi, BMW und Mercedes müssen sie in der Flaute auch noch mit importierten Billigautos aus Indien und Korea konkurrieren. Schon hat der besonders stark unter Druck geratene französische Peugeot-Konzern versucht, in Brüssel bei der EU-Kommission eine Beschränkung der Korea-Importe durchzusetzen. Vergeblich. Protektionismus in Übersee, Absatzflaute in Europa - die Folge ist ein Bedeutungsverlust der westeuropäischen Produktionsstandorte. In Italien hat sich die Produktion seit dem Jahr 2 um zwei Drittel auf 64. Einheiten verringert.
Italien ist damit hinter Polen zurückgefallen. Auch in Frankreich laufen mit nur noch zwei Millionen Einheiten über ein Drittel weniger Neuwagen vom Band als im Jahr 2. Die Fabrikschließungsorgie ist noch nicht vorüber.
http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/u ... 72349.html

Autos als Billigprodukte aus Fernost - das hätte vor einigen Jahr(zehnt)en niemand für möglich gehalten. Aber diese Einstellung gab es auch für Waschmaschinen, Fernseher oder Fotoapparate. Bei Computern oder Handfernsprechern sind deutsche Produkte überhaupt nicht mehr vertreten.

Wie sollen - um auf die Ausgangsfrage von martin v. tours zurückzukommen - die steigenden Staatsschulden unter diesen Voraussetzungen zurückgezahlt werden? Was für D. schon sehr schwierig sein wird, kann man für die südlichen Peripherieländer praktisch ausschließen. Sie haben fast keine wettbewerbsfähige Industrie und nur mit Tourismus, wird das wohl nicht klappen.

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken - II. -

Beitrag von Torsten » Sonntag 7. Juli 2013, 17:23

Es ist die Wahl zwischen dem General und der Oberin. Und wir wissen, dass der General die Menschen durch den Fleischwolf dreht, durch das "Feuer!" grillt und als Futter an seine Kanonen verteilt. Weil er in der Ordnung der Schöpfung keine Rolle spielt, und deshalb rastlos auf der Suche nach seinem Platz im Leben, den er nur darin findet, es für alles Mögliche zu opfern und zu verlieren, aber nicht für das eine Unmögliche: Das Kind in seinem Herzen.

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken - II. -

Beitrag von Gamaliel » Mittwoch 10. Juli 2013, 21:13

Standard & Poor's senkt Rating für Italien auf "BBB"

Daraus:
Die Ratingagentur S&P hat ihre Bonitätsnote für Italien gesenkt. Die Staatsanleihen der drittgrößten Volkswirtschaft in der Euro-Zone würden nun nur noch mit BBB bewertet nach zuvor BBB+, teilte die US-Agentur am Dienstag mit. Der Ausblick sei weiterhin negativ.

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken - II. -

Beitrag von Caviteño » Donnerstag 11. Juli 2013, 20:08

Ein deutlicher Kommentar in der WELT:
Tut die Bundesregierung, was jeder normale Gläubiger tun würde, erwartet sie also von ihren Schuldnern, dass sie so schnell wie möglich dafür sorgen, dass sie die ihnen gewährte Hilfe auch zurückzahlen können, wird die Bundeskanzlerin von wütenden Demonstranten als Nazisse beschimpft, die ein deutsches "Diktat" ausüben wolle. Die Fotos auf den Titelseiten griechischer und portugiesischer Zeitungen sind uns noch lebhaft in Erinnerung.
Schnelle Schuldentilgung, heißt es neuerdings, sei im Übrigen ein unzumutbarer Eingriff in die Kultur südeuropäischer Länder, die ein anderes Arbeitsethos hätten als wir. In der Tat. Hilfe kann entmündigen. Sollte man da nicht zweimal nachdenken, bevor man Geld gibt?
Übrigens: Dass man hierzulande auf Kanzlerbeleidigungen, Nazi-Vergleiche und moralische Erpressung entspannt reagiert, mag manch einer souverän finden. Unsere nationalstolzeren Nachbarn dürften darin eher Schwäche erkennen.
Gibt die Kanzlerin wiederum umstandslos den Zahlmeister (was sie de facto tut), verstößt sie gegen den Verfassungsauftrag, riskiert ihren noch immer großen Rückhalt in der Bevölkerung und beginnt, die Kuh auszuhungern, die man doch weiterhin melken will.
(...)
Deutschlands Macht in Europa beruht auf seiner wirtschaftlichen Stärke. Wer hier Führung anmahnt, möchte meistens, dass die Bundeskanzlerin ihre "Merkelnomics" (Denis MacShane) aufgibt, ihren "Austeritätskurs", ihr "Spardiktat".
Stattdessen soll Deutschland mutig und risikofreudig "retten", also: Geld ausgeben. Dagegen spricht nicht nur ökonomische Weitsicht, sondern auch das Mandat der Kanzlerin, Schaden vom eigenen Volk abzuwenden. Schon jetzt vollzieht sich eine gewaltige Enteignung der Steuerzahler. Und das ist erst der Anfang.
(...)
Doch auch darin könnte Führungsstärke liegen: Europa anders zu denken, auch so: Europa ohne den Euro zu denken. Hoffentlich macht sich schon jemand Gedanken darüber. Gut möglich, dass die Ruhe vor dem Sturm nur noch bis zum Tag nach der Bundestagswahl am 22. September währt.
http://www.welt.de/debatte/kommentare/a ... Falle.html

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken - II. -

Beitrag von Marcus » Sonnabend 13. Juli 2013, 16:10

Ökonom Mayer sieht Parallelen zwischen der heutigen Euro- und der früheren Rubelzone:

http://www.welt.de/wirtschaft/article11 ... lzone.html
Jesus spricht: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.“ (Joh. 14,6)

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken - II. -

Beitrag von Caviteño » Mittwoch 17. Juli 2013, 21:01

Prof. Sinn zum Zusammenhang zwischen Demographie, Renten und der Euro-Krise:
Die Welt: Kann man bereits jetzt beziffern, wie stark Steuern oder Sozialabgaben steigen müssten, um den demografischen Wandel auszugleichen?

Sinn: Es gibt verschiedene Berechnungen, die alle darauf hinaus laufen, dass die Rentenbeiträge in erheblichem Umfang, vielleicht sogar um bis zu 5 Prozent, steigen müssen, wenn man die Renten nicht antasten möchte. Das trifft die Unternehmen, weil die Arbeitskosten steigen und deutsche Produkte dadurch im Ausland weniger konkurrenzfähig sind. Und es betrifft die Arbeitnehmer, deren Lebensstandard sinkt.

Die Welt: Gibt es eine Alternative zu den höheren Rentenbeiträgen?

Sinn: Natürlich, der Staat könnte auch die Renten entsprechend kürzen. So oder so kommt auf uns ein programmierter Verteilungskonflikt zu.
Und dazu kommen noch die Riesenlasten des Euro-Fehlschlags: Lasten, die dadurch entstanden, dass die Staatengemeinschaft und die EZB die privaten Gläubiger der Südländer freigekauft und den Krisenländern über Jahre hinaus neuen Kredit gegeben haben, um die schmerzliche Anpassung ihrer Leistungsbilanzen zu verzögern. Und jetzt sollen ja auch noch die Altlasten in den Bilanzen der südlichen Bankensysteme auf den Rettungsfonds ESM und damit auf die Steuerzahler abgeschoben werden. Das könnte der teuerste Schritt überhaupt werden. Bundesfinanzminister Schäuble ist jetzt der Kragen geplatzt. Ob er es schaffen wird, die Vergemeinschaftung der Lasten noch abzuwehren, weiß ich nicht.

Die Welt: Sie beschreiben ein Horrorszenario.

Sinn: Ja, das ist wohl wahr. Aber der Sachverhalt ist leider allzu offenkundig.

Die Welt: Wie kann die Politik diese Entwicklung abwenden?

Sinn: Bei der Euro-Krise stehen noch viele Entscheidungen an, doch die demografische Krise ist gelaufen, da kann die Politik nichts mehr machen.
http://www.welt.de/wirtschaft/article11 ... oraus.html

Interessant in dem Interview sind auch seine Lösungsansätze, wie das BVerfG die EZB - indirekt - zwingen könnte, die Finanzierung der Krisenstaaten einzustellen.

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken - II. -

Beitrag von cantus planus » Donnerstag 18. Juli 2013, 11:01

Die Euro-Krise war nie vorbei, und die demographische Katastrophe rast unter Augen einer untätigen Politik auf uns zu. Professor Sinn redet wieder Klartext: http://www.welt.de/wirtschaft/article11 ... oraus.html Allerdings vergisst er - wie viele - zu erwähnen, dass wir durchaus nicht nur weniger Nachwuchs haben, sondern es uns bis heute gönnen, jährlich 3' Kinder abzutreiben und gleichzeitig nichts gegen die Armutseinwanderung zu tun.
Nutzer seit dem 13. September 2015 nicht mehr im Forum aktiv.

‎Tradition ist das Leben des Heiligen Geistes in der Kirche. — Vladimir Lossky

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken - II. -

Beitrag von cantus planus » Donnerstag 18. Juli 2013, 11:03

(Nachtrag: Der Artikel wurde bereits einen Beitrag zuvor gepostet. Das hatte ich übersehen. Man beachte also nur meine Anmerkung.)
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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken - II. -

Beitrag von Torsten » Donnerstag 18. Juli 2013, 14:04

cantus planus hat geschrieben:Professor Sinn redet wieder Klartext: http://www.welt.de/wirtschaft/article11 ... oraus.html
Wenn die Babyboomer in 15 bis 2 Jahren in die Rente gehen, werden alle Bürger die Auswirkungen der geringeren Geburtenraten spüren. Dann müssen die Steuern oder die Sozialabgaben dramatisch angehoben werden, um die Renten der Babyboomer zu finanzieren, und doch werden diese Renten weit unter dem Niveau liegen, das man erwartet hat.
Es ist ja nicht nur, dass die Renten von immer mehr Älteren finanziert werden müssen. Es ist ja vor allem der stetig wachsende große Rest der "Torte", der den 1% oder dem einen 1% der Bevölkerung "gehört", den abzutreten die größte Belastung darstellt. Es ist nicht die Frage von Alt und Jung, sondern Arm und Reich. Und der Reichtum ist der Grund, dass wir immer älter und immer mehr immer ärmer werden. Dass hier wieder der Generationenkonflikt geschürt und das auch so geschluckt wird, liegt ja nur daran, dass es im Kapitalismus "eben so ist" und nicht gefragt wird, wo eigentlich das meiste hingeht. Weil auch jedem klar ist, wenn man das in Frage stellt, dass dann der Wettbewerbsvorteil zur Disposition steht. Es ist eben ein brutales System, und die Diskussion um Alter, Arbeit und Rente sowie deren Finanzierung eine zwar widerwärtige, aber logische Erscheinung davon. Aber es ist ein System.

Und was den "Klartext" vom Herrn Sinn angeht: Innerhalb dieses Systems würde es ja schon wirklich - Achtung! - "Sinn machen", würden den Versicherungskonzernen nicht Milliarden an Rentenbeiträgen in den Rachen geworfen, um Reiche noch reicher zu machen, und würden alle zur Finanzierung der gesetzlichen Rente herangezogen. Das, und die nicht zu beantworten wollende Frage, wer eigentlich was von der ganzen Arbeit und dem ganzen Wachstum etwas hat, das sorgt dafür, dass vielleicht nicht dieses System verschwindet, aber jede Menschlichkeit. Unser soziales Wesen.

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Edi
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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken - II. -

Beitrag von Edi » Donnerstag 18. Juli 2013, 23:17

Es lebt der Mensch im alten Wahn.
Wenn tausend Gründe auch dagegen sprechen,
der Irrtum findet immer freie Bahn,
die Wahrheit aber muss die Bahn sich brechen.

Die meisten Leute werden immer schmutziger je älter sie werden, weil sie sich nie waschen.

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Gamaliel
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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken - II. -

Beitrag von Gamaliel » Freitag 19. Juli 2013, 08:48

Erste US-Metropole offiziell bankrott

Daraus:
Die einstige US-Industriemetropole Detroit im Bundesstaat Michigan hat am Donnerstag offiziell den Bankrott angemeldet.
[...]
Die Stadt, früher Zentrum der US-Autoindustrie, ächzt unter einem Schuldenberg von 18,5 Milliarden Dollar (rund 14 Mrd. Euro).
[...]
Der Niedergang der Metropole vollzog sich über Jahrzehnte. 1950 hatte die Stadt noch 1,8 Millionen Einwohner, heute leben dort knapp 700.000 Menschen. Die Autoindustrie verlagerte ihre Standorte, viele Fabriken schlossen, die Arbeitslosigkeit schoss ebenso in die Höhe wie die Kriminalität.
[...]
Die Folgen des Konkursantrags könnten zum fiskalischen Dammbruch werden. In den meisten US-Städten ist die finanzielle Lage zumindest angespannt, abgesehen von kleineren Kommunen scheuten sie jedoch bisher vor dem offiziellen Bankrott zurück. Selbst wenn Detroit jedoch weiterhin die einzige offiziell bankrotte US-Großstadt bleiben sollte, werden den nunmehrigen Konkursantrag auch andere Städte in den USA zu spüren bekommen.

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken - II. -

Beitrag von TeDeum » Freitag 19. Juli 2013, 11:43

Ich hatte das "Vergnügen", Detroit (scherzhaft auch "Destroyed" genannt) vor einigen Jahren zu besuchen. Was ich sah, war schockierend. Ansatzweise konnte man noch erkennen, dass es sich mal eine lebenswerte Stadt handelte. Jetzt ist es Dritte Welt. Abgefackelte Ruinen (Versicherungsbetrug) und überall achtlos weggeworfener Müll. Mein Ami Begleiter meinte, die Stadt überlebe nur noch durch Transferleistungen.

Der Niedergang seit Jahrzehnten ist in Zahlen sichtbar: 1940 besaß Detroit eine weiße Bevölkerung von 90.4%. Im Jahr 2010 lebten in der Stadt 82.7% Schwarze und nur noch 7.8% Weiße. Der Anteil der flüchtenden weißen Bevölkerung in 72 Jahren betrug demnach 82.6%. Mit anderen Worten - die Stadt wurde im Zeitraum eines Menschenlebens komplett neu besiedelt. In den USA wird die einstige Motor City (heute eher "Murder city") deshalb in Diskussionen gern als Paradebeispiel für den gescheiterten Multikulturalismus erwähnt.

Mein nächster Tipp in Sachen Bankrott ist Chicago. Da sah es kaum anders aus, wenn man mal vom Zentrum mit der Magnificent Mile etwas rauskommt.

Caviteño
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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken - II. -

Beitrag von Caviteño » Freitag 19. Juli 2013, 19:34

TeDeum hat geschrieben: Der Niedergang seit Jahrzehnten ist in Zahlen sichtbar: 194 besaß Detroit eine weiße Bevölkerung von 9.4%. Im Jahr 21 lebten in der Stadt 82.7% Schwarze und nur noch 7.8% Weiße. Der Anteil der flüchtenden weißen Bevölkerung in 72 Jahren betrug demnach 82.6%. Mit anderen Worten - die Stadt wurde im Zeitraum eines Menschenlebens komplett neu besiedelt. In den USA wird die einstige Motor City (heute eher "Murder city") deshalb in Diskussionen gern als Paradebeispiel für den gescheiterten Multikulturalismus erwähnt.
Danke.
Einen solchen Hinweis konnte man bisher in der Presse nicht lesen - ist natürlich auch politisch nicht korrekt.

Im übrigen erinnern die Beschreibungen über Detroit mehr an ein Land der Dritten Welt:
Die Stadt war zuletzt kaum mehr in der Lage, die Rechnung für die Straßenbeleuchtung zu begleichen - und das, obwohl nur noch 6 Prozent der Lampen überhaupt noch brannten. Einsätze von Polizei und Feuerwehr wurden auf die wichtigsten Notrufe reduziert, und die durchschnittliche Wartezeit bis zum Eintreffen der Polizei beträgt eine Stunde. Zwei Drittel der Notarztwagen sind defekt.
(...)
Entlang der Michigan Avenue, die vom Stadtzentrum in Richtung Westen nach Dearborn führt, wo die Ford-Werke ihren Sitz haben, bedient Detroit alle Klischees vom Industriesaurier in Agonie. Die meisten Häuser und Werkhallen aus Backstein stehen leer. Sperrholzplatten sind vor Fensterhöhlen genagelt. Neben Alkoholgeschäften und Lebensmittelläden sind nur obskure Erweckungskirchen und Pfandleihhäuser geöffnet. Der klassizistische Riesenbau der „Central Station“, die 1913 als größter Bahnhof der Welt erbaut wurde und 1988 ihren letzten Zug erlebt hat, bröckelt als denkmalgeschützte Ruine vor sich hin.
http://www.faz.net/aktuell/politik/ausl ... 87868.html

Auch im Ruhrgebiet sind durch den Wegfall der Kohle- und Eisen und Stahl-Industrie viele Arbeitsplätze weggefallen, aber zumindest wurden die Industriebrachen zu Naherholungsgebieten umgewidmet, sofern eine andere Nutzung wegen der Altlasten nicht möglich war. Trotzdem ziehen - wie in Detroit - viele junge Familien in das Umland und zurück bleiben die A's (Alte, Arbeitslose, Ausländer).

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken - II. -

Beitrag von Maurus » Freitag 19. Juli 2013, 20:00

TeDeum hat geschrieben: In den USA wird die einstige Motor City (heute eher "Murder city") deshalb in Diskussionen gern als Paradebeispiel für den gescheiterten Multikulturalismus erwähnt.
Wahrscheinlicher ist, dass die wohlhabende Schicht weggezogen ist und bloß das Prekariat zurückblieb. In den USA wird die wohlhabende Mittelschicht& Oberschicht tendenziell von Weißen gebildet, ärmere Schichten von Schwarzen oder Latinos. Das ist keine Folge gescheiterten Multikulturalismus, sondern einfach Erbe des US-Rassismus, dessen ja bis vor wenigen Jahrzehnten gesetzlich festgeschrieben war.

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken - II. -

Beitrag von Caviteño » Freitag 19. Juli 2013, 21:37

Maurus hat geschrieben:
Wahrscheinlicher ist, dass die wohlhabende Schicht weggezogen ist und bloß das Prekariat zurückblieb. In den USA wird die wohlhabende Mittelschicht& Oberschicht tendenziell von Weißen gebildet, ärmere Schichten von Schwarzen oder Latinos. Das ist keine Folge gescheiterten Multikulturalismus, sondern einfach Erbe des US-Rassismus, dessen ja bis vor wenigen Jahrzehnten gesetzlich festgeschrieben war.
Da muß aber ziemlich viel Prekariat zugezogen sein:
1940
Einwohnerzahl City = 1,6 Mio - davon Weiße 90,4%; übrige (einschl. Latinos somit 9,6%) oder ca. 160.000
2010
Einwohnerzahl City = 713.000 - davon 82,7% Schwarze = ca. 590.000

Die Einwohnerzahl in der Region Detroit erhöhte sich von 2,9 Mio (1940) auf 5,2 Mio (2010), allerdings profitieren davon nur die Randbezirke, in denen inzwischen 4,3 Mio Menschen wohnen (1940 = 2,5 Mio)
(Zahlen aus dem oben verlinkten wikipedia-Artikel)

Die Jim Crow-Gesetze, auf denen ua die Rassen-Segregation beruhte, wurden in den 60'iger Jahren des vergangenen Jahrhunderts aufgehoben. Wenn jetzt, also 50 Jahre später, sich der Trend noch verstärkt (hat) und Detroit noch immer als eine der Städte gilt, in denen die räumliche Rassentrennung mit am stärksten ausgeprägt ist, müssen die Gründe woanders liegen als im früheren "Rassismus". Kann es nicht sein, daß bestimmte Bevölkerungsgruppen lieber unter sich bleiben? In Berlin-Neukölln ist dieses Phänomen - zum Leidwesen seines Bürgermeisters - doch auch zu beobachten.
Als meine Frau und ich in Los Angeles mal zum Strand wollten und einen Bus nahmen, der durch Inglewood fuhr, haben wir auch unseren Plan ganz schnell aufgegeben und sind wieder zurückgefahren. Die Vorhaltungen unserer Verwandten (Asiaten!) klingen mir jetzt noch in den Ohren.....

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken - II. -

Beitrag von Maurus » Freitag 19. Juli 2013, 23:49

Caviteño hat geschrieben:
Maurus hat geschrieben:
Wahrscheinlicher ist, dass die wohlhabende Schicht weggezogen ist und bloß das Prekariat zurückblieb. In den USA wird die wohlhabende Mittelschicht& Oberschicht tendenziell von Weißen gebildet, ärmere Schichten von Schwarzen oder Latinos. Das ist keine Folge gescheiterten Multikulturalismus, sondern einfach Erbe des US-Rassismus, dessen ja bis vor wenigen Jahrzehnten gesetzlich festgeschrieben war.
Da muß aber ziemlich viel Prekariat zugezogen sein:
1940
Einwohnerzahl City = 1,6 Mio - davon Weiße 90,4%; übrige (einschl. Latinos somit 9,6%) oder ca. 160.000
2010
Einwohnerzahl City = 713.000 - davon 82,7% Schwarze = ca. 590.000

Die Einwohnerzahl in der Region Detroit erhöhte sich von 2,9 Mio (1940) auf 5,2 Mio (2010), allerdings profitieren davon nur die Randbezirke, in denen inzwischen 4,3 Mio Menschen wohnen (1940 = 2,5 Mio)
(Zahlen aus dem oben verlinkten wikipedia-Artikel)

Die Jim Crow-Gesetze, auf denen ua die Rassen-Segregation beruhte, wurden in den 60'iger Jahren des vergangenen Jahrhunderts aufgehoben. Wenn jetzt, also 50 Jahre später, sich der Trend noch verstärkt (hat) und Detroit noch immer als eine der Städte gilt, in denen die räumliche Rassentrennung mit am stärksten ausgeprägt ist, müssen die Gründe woanders liegen als im früheren "Rassismus". Kann es nicht sein, daß bestimmte Bevölkerungsgruppen lieber unter sich bleiben? In Berlin-Neukölln ist dieses Phänomen - zum Leidwesen seines Bürgermeisters - doch auch zu beobachten.
Als meine Frau und ich in Los Angeles mal zum Strand wollten und einen Bus nahmen, der durch Inglewood fuhr, haben wir auch unseren Plan ganz schnell aufgegeben und sind wieder zurückgefahren. Die Vorhaltungen unserer Verwandten (Asiaten!) klingen mir jetzt noch in den Ohren.....
Über die heutige Rassentrennung vermag ich nichts zu sagen. Das die Bildungsprobleme, die eine solche Segregation erzeugt, nicht innerhalb einer Generation gelöst werden können, erscheint mir aber offenkundig. Dass es eine Milieubildung gibt und von einigen bevorzugt wird, ist sicher richtig, aber das erklärt ja nicht, wieso sich die Bevölkerungsverhältnisse umgedreht haben.

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken - II. -

Beitrag von Caviteño » Sonnabend 20. Juli 2013, 10:53

Maurus hat geschrieben:Dass es eine Milieubildung gibt und von einigen bevorzugt wird, ist sicher richtig, aber das erklärt ja nicht, wieso sich die Bevölkerungsverhältnisse umgedreht haben.
Sofern der Zuzug von Neubürgern aus anderen Kulturkreisen oder einer anderen Rasse dazu führt, daß sich die bisherigen Bewohner dort "unwohl" fühlen, ziehen sie fort. Dieser Trend verstärkt sich, weil immer mehr Neubürger zu- und die bisherigen Einwohner fortziehen.
"Multi-Kulti" will den Menschen einreden, daß auch unterschiedliche Ethnien problemlos zusammenleben können, sofern sie sich gegenseitig Verständnis, Respekt, Toleranz entgegenbringen.

Die bisherigen Einwohner sehen das nicht so und stimmen - in den USA noch stärker als in D. - mit ihren Füßen ab. Sie wollen mit ihrer Bevölkerungsgruppe leben und ziehen dazu in die Vororte oder Umlandgemeinden. Diese Segregation kann nicht nur im Großraum Detroit sondern auch im Speckgürtel um Berlin oder in den Kleinstädten des Münsterlandes oder Niederrheins in der Nähe des Ruhrgebiets beobachtet werden, wo die Miet- und Hauspreise z.T. ganz erheblich über denen der benachbarten Großstädte liegen.

Insofern kann man durchaus - wie TeDeum schrieb - Detroit als "Paradebeispiel für den gescheiterten Multikulturalismus" sehen.

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken - II. -

Beitrag von Maurus » Sonnabend 20. Juli 2013, 11:18

Caviteño hat geschrieben:
Maurus hat geschrieben:Dass es eine Milieubildung gibt und von einigen bevorzugt wird, ist sicher richtig, aber das erklärt ja nicht, wieso sich die Bevölkerungsverhältnisse umgedreht haben.
Sofern der Zuzug von Neubürgern aus anderen Kulturkreisen oder einer anderen Rasse dazu führt, daß sich die bisherigen Bewohner dort "unwohl" fühlen, ziehen sie fort. Dieser Trend verstärkt sich, weil immer mehr Neubürger zu- und die bisherigen Einwohner fortziehen.
"Multi-Kulti" will den Menschen einreden, daß auch unterschiedliche Ethnien problemlos zusammenleben können, sofern sie sich gegenseitig Verständnis, Respekt, Toleranz entgegenbringen.

Die bisherigen Einwohner sehen das nicht so und stimmen - in den USA noch stärker als in D. - mit ihren Füßen ab. Sie wollen mit ihrer Bevölkerungsgruppe leben und ziehen dazu in die Vororte oder Umlandgemeinden. Diese Segregation kann nicht nur im Großraum Detroit sondern auch im Speckgürtel um Berlin oder in den Kleinstädten des Münsterlandes oder Niederrheins in der Nähe des Ruhrgebiets beobachtet werden, wo die Miet- und Hauspreise z.T. ganz erheblich über denen der benachbarten Großstädte liegen.

Insofern kann man durchaus - wie TeDeum schrieb - Detroit als "Paradebeispiel für den gescheiterten Multikulturalismus" sehen.
Wenn das grundsätzlich so wäre, müsste es ja überall wie in Detroit aussehen. Zudem kann der Zuzug ja nicht so unglaublich groß gewesen sein, dass sich die vorige weiße Bevölkerung auch nur annähernd marginalisiert sehn konnte. Dann müssten in der Stadt jetzt ja Millionen Schwarze wohnen.

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken - II. -

Beitrag von Protasius » Sonnabend 20. Juli 2013, 11:21

Maurus hat geschrieben:
Caviteño hat geschrieben:
Maurus hat geschrieben:Dass es eine Milieubildung gibt und von einigen bevorzugt wird, ist sicher richtig, aber das erklärt ja nicht, wieso sich die Bevölkerungsverhältnisse umgedreht haben.
Sofern der Zuzug von Neubürgern aus anderen Kulturkreisen oder einer anderen Rasse dazu führt, daß sich die bisherigen Bewohner dort "unwohl" fühlen, ziehen sie fort. Dieser Trend verstärkt sich, weil immer mehr Neubürger zu- und die bisherigen Einwohner fortziehen.
"Multi-Kulti" will den Menschen einreden, daß auch unterschiedliche Ethnien problemlos zusammenleben können, sofern sie sich gegenseitig Verständnis, Respekt, Toleranz entgegenbringen.

Die bisherigen Einwohner sehen das nicht so und stimmen - in den USA noch stärker als in D. - mit ihren Füßen ab. Sie wollen mit ihrer Bevölkerungsgruppe leben und ziehen dazu in die Vororte oder Umlandgemeinden. Diese Segregation kann nicht nur im Großraum Detroit sondern auch im Speckgürtel um Berlin oder in den Kleinstädten des Münsterlandes oder Niederrheins in der Nähe des Ruhrgebiets beobachtet werden, wo die Miet- und Hauspreise z.T. ganz erheblich über denen der benachbarten Großstädte liegen.

Insofern kann man durchaus - wie TeDeum schrieb - Detroit als "Paradebeispiel für den gescheiterten Multikulturalismus" sehen.
Wenn das grundsätzlich so wäre, müsste es ja überall wie in Detroit aussehen. Zudem kann der Zuzug ja nicht so unglaublich groß gewesen sein, dass sich die vorige weiße Bevölkerung auch nur annähernd marginalisiert sehn konnte. Dann müssten in der Stadt jetzt ja Millionen Schwarze wohnen.
Über die Bevölkerungsverteilung der Randbezirke ist ja nichts ausgesagt. In der Stadt selbst brauchen aber gar keine Millionen Schwarze zu leben, denn da lebten vorher auch nur ein paar Hunderttausend Weiße, zum Marginalisieren sind die Zahlen mehr als ausreichend.
Der so genannte ‚Geist’ des Konzils ist keine autoritative Interpretation. Er ist ein Geist oder Dämon, der exorziert werden muss, wenn wir mit der Arbeit des Herrn weiter machen wollen. – Ralph Walker Nickless, Bischof von Sioux City, Iowa, 2009

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken - II. -

Beitrag von Caviteño » Sonntag 21. Juli 2013, 10:38

Protasius hat geschrieben:
Maurus hat geschrieben: Wenn das grundsätzlich so wäre, müsste es ja überall wie in Detroit aussehen. Zudem kann der Zuzug ja nicht so unglaublich groß gewesen sein, dass sich die vorige weiße Bevölkerung auch nur annähernd marginalisiert sehn konnte. Dann müssten in der Stadt jetzt ja Millionen Schwarze wohnen.
Über die Bevölkerungsverteilung der Randbezirke ist ja nichts ausgesagt. In der Stadt selbst brauchen aber gar keine Millionen Schwarze zu leben, denn da lebten vorher auch nur ein paar Hunderttausend Weiße, zum Marginalisieren sind die Zahlen mehr als ausreichend.
Die Bevölkerungsverteilung nach ethnischen Gruppen innerhalb der Metropolregion kann man hier sehen:

http://www.cus.wayne.edu/content/maps/T ... nicmix.pdf

Auch hier wird deutlich, daß die einzelnen Ethnien es vorziehen, zusammen zu bleiben. Bemerkenswert ist, daß es nur 38 sog. "Mischgebiete" gibt (bei über 1. "areas"), in denen keine der ethnischen Gruppe einen mehrheitlichen Bevölkerungsanteil (> 5%) stellt. Das wären ja die Gebiete, in denen sich der Multikulturalismus zeigen und beweisen würde. Die allermeisten Gebiete sind eindeutig einer Ethnie zuzuordnen. In ihnen ist der Bevölkerungsanteil einer Ethnie größer als 5% oder sogar 8%.
Man kann die Bevölkerungsverteilung durchaus als Abstimmung mit den Füßen (= Fortzug von der Innenstadt in die Randgebiete) gegen den politisch propagierten Multikulturalismus ansehen.

Bemerkenswert ist mE auch, daß die Gebiete, in denen überwiegend Weiße - sorry "Caucasians" - leben, zu den reichsten counties in den USA gehören:
Today, the Detroit suburbs in Oakland County, Macomb County, and northeastern and northwestern Wayne County are predominantly Caucasian. Oakland County is among the most affluent counties in the United States with populations over one million. In Wayne County, the city of Dearborn has a large concentration of Arab Americans, mainly Lebanese. Recently, the area has witnessed some growth in Albanian, Asian and Hispanic populations. Immigration continues to play a role in the region's projected growth with the population of Detroit-Ann Arbor-Flint (CMSA) estimated to be 6,191, by 225.
(Hervorhebung von mir)

http://en.wikipedia.org/wiki/Metro_Detroit

http://web.archive.org/web/2779229 ... richest%22

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von TeDeum » Montag 22. Juli 2013, 09:19

Interessante Statistiken @ Caviteño. Dazu fällt mir noch ein, dass unser Ami Begleiter damals meinte, dass aber auch die (kleine) schwarze Ober- und Mittelschicht mit den weißen Einwohnern aus Detroit geflohen ist. D.h. diejenigen, die ihrem Habitus entsprechend eher "weiß" sind. Wie uns erklärt wurde, sollte Detroit nach den Rassenunruhen in den 60ern ein Paradebeispiel für Multi-Kulti mit Sozialkitsch werden. Das war aber nur über die Erhöhung der Besteuerung möglich - und reichte trotzdem nicht - was dann wiederrum die Leistungsträger (siehe oben) vertrieb.

Interessant werden die innenpolitischen Auswirkungen sein. Detroit stand für die Vision des Amerika des Demokratischen Partei (dort seit den 60er Jahren durchgehend regierend). Inwiefern das bei künftigen Wahlkämpfen als "Waffe" verwendet wird, bin ich gespannt.

Allerdings dürfte es nicht die letzte Großstadt bleiben. Das Detroit der Westküste heißt Oakland, Kalifornien. Ähnliche Symptome. Und dann ist da wie gesagt noch Chicago ...

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