Melody hat geschrieben:Wenn das Kind weiß, dass ein derartiges Streben keinen Sinn macht, wenn es keinen Ärger haben möchte, dann kann es sich aber einfach in die Situation ergeben und sich damit arrangieren. ....
Ja, im Extremfall ist das die Reaktion, wenn ein Kind repressive Eltern hat.
Allerdings kommt das Kind aus so einer Nummer in der Regel nicht ohne einen Knacks heraus.
(dazu könnte ich von unseren Patienten eine ganze Latte an Beispielen nennen ...)
Überhaupt hat die Art unserer Erziehung ziemlich weitreichende Folgen, bis hin zum Gottesbild der Kinder.
Wer einen rigorosen, strengen Vater hatte, der wird auch Gott zuerst und hauptsächlich als diese strenge Richtergestalt sehen.
Wer einen Vater hatte, der seinen Kindern vertraut, sie herzlich liebt, ihnen etwas zutraut und sie loslässt, der hat es auch leicht, an die Liebe Gottes zu glauben. Und ganz ähnlich wirkt sich das auf das Selbstbild des ehemaligen Kindes aus. Wer von seinen Eltern verachtet wurde, der verinnerlicht die Verachtung und wendet sie auf sich selbst an.
Zu diesem Kapitel kann ich einiges aus eigener Erfahrung sagen. Für mich war es ein langer, mühsamer Weg, bis die Liebe Gottes für mich zugänglich wurde. Nicht als abstrakte "Richtigkeit" (die habe ich immer im Kopf "geglaubt"), sondern dass ich wirklich, von Herzen Gottes Liebe annehmen und an sie glauben konnte.
Das zeigt zum einen, wie wichtig die Haltung der Eltern ist, genau wie Taddeo und Cantus Planus sie beschrieben haben.
Aber das zeigt auch ein Zweites: dass solche Fehlentwicklungen aus der Kindheit kein endgültiges Menetekel sein müssen.
Sie sind zunächst erstmal fast so etwas wie eine Behinderung, aber man kann doch später noch aus ihnen heraus kommen. Das ist mühsam und langwierig, aber es gibt Hoffnung !
(nicht zuletzt, weil Gott selber uns oft auf diesem Weg hilft und uns heilt. Nicht in einem Rutsch, aber Stück für Stück.)