Erziehungsstile

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taddeo
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Re: Erziehungsstile

Beitrag von taddeo »

cantus planus hat geschrieben:
Eure Kinder sind nicht eure Kinder.
Sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selber.
Sie kommen durch euch, aber nicht von euch,
Und obwohl sie mit euch sind, gehören sie euch doch nicht.
Ihr dürft ihnen eure Liebe geben, aber nicht eure Gedanken,
Denn sie haben ihre eigenen Gedanken.
Ihr dürft ihren Körpern ein Haus geben, aber nicht ihren Seelen,
Denn ihre Seelen wohnen im Haus von morgen, das ihr nicht besuchen könnt, nicht einmal in euren Träumen.
Oh ja. Es kann weh tun, das zuzugeben. :bedrippelt:

Als unsere Tochter ungefähr 12, 13 Jahre alt war, haben wir mal beim Essen von unserer Silberhochzeit gesprochen. Sie hat gefragt, wann die denn sei und wie alt sie da wäre. Antwort: Wenn Du 23 bist. Sie darauf wie aus der Pistole geschossen: Oh, da bin ich ja schon längst über alle Berge. Aber zur Feier komm ich auf jeden Fall. - Sowas nenn ich "frei".

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Reinhard
cum angelis psallat Domino
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Re: Erziehungsstile

Beitrag von Reinhard »

Melody hat geschrieben:Wenn das Kind weiß, dass ein derartiges Streben keinen Sinn macht, wenn es keinen Ärger haben möchte, dann kann es sich aber einfach in die Situation ergeben und sich damit arrangieren. ....
Ja, im Extremfall ist das die Reaktion, wenn ein Kind repressive Eltern hat.

Allerdings kommt das Kind aus so einer Nummer in der Regel nicht ohne einen Knacks heraus.
(dazu könnte ich von unseren Patienten eine ganze Latte an Beispielen nennen ...)

Überhaupt hat die Art unserer Erziehung ziemlich weitreichende Folgen, bis hin zum Gottesbild der Kinder.
Wer einen rigorosen, strengen Vater hatte, der wird auch Gott zuerst und hauptsächlich als diese strenge Richtergestalt sehen.

Wer einen Vater hatte, der seinen Kindern vertraut, sie herzlich liebt, ihnen etwas zutraut und sie loslässt, der hat es auch leicht, an die Liebe Gottes zu glauben. Und ganz ähnlich wirkt sich das auf das Selbstbild des ehemaligen Kindes aus. Wer von seinen Eltern verachtet wurde, der verinnerlicht die Verachtung und wendet sie auf sich selbst an.

Zu diesem Kapitel kann ich einiges aus eigener Erfahrung sagen. Für mich war es ein langer, mühsamer Weg, bis die Liebe Gottes für mich zugänglich wurde. Nicht als abstrakte "Richtigkeit" (die habe ich immer im Kopf "geglaubt"), sondern dass ich wirklich, von Herzen Gottes Liebe annehmen und an sie glauben konnte.

Das zeigt zum einen, wie wichtig die Haltung der Eltern ist, genau wie Taddeo und Cantus Planus sie beschrieben haben.

Aber das zeigt auch ein Zweites: dass solche Fehlentwicklungen aus der Kindheit kein endgültiges Menetekel sein müssen.

Sie sind zunächst erstmal fast so etwas wie eine Behinderung, aber man kann doch später noch aus ihnen heraus kommen. Das ist mühsam und langwierig, aber es gibt Hoffnung !
(nicht zuletzt, weil Gott selber uns oft auf diesem Weg hilft und uns heilt. Nicht in einem Rutsch, aber Stück für Stück.)

Raimund J.
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Re: Erziehungsstile

Beitrag von Raimund J. »

Reinhard hat geschrieben:
Melody hat geschrieben:Wenn das Kind weiß, dass ein derartiges Streben keinen Sinn macht, wenn es keinen Ärger haben möchte, dann kann es sich aber einfach in die Situation ergeben und sich damit arrangieren. ....
Ja, im Extremfall ist das die Reaktion, wenn ein Kind repressive Eltern hat.
Auch in anderen Fällen, bspw. bei einer psychischen oder schweren körperlichen Erkrankung eines Elternteils, wenn sich die Rollen verkehren und das Kind aus Angst um Gesundheit und Leben der wichtigsten Bezugspersonen nicht mehr so agieren kann, wie als Kind eigentlich "normal" wäre ...
Der Herr ist mein Hirte; mir wird nichts mangeln.
Nec laudibus, nec timore

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Melody
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Re: Erziehungsstile

Beitrag von Melody »

Raimund Josef H. hat geschrieben:
Reinhard hat geschrieben:
Melody hat geschrieben:Wenn das Kind weiß, dass ein derartiges Streben keinen Sinn macht, wenn es keinen Ärger haben möchte, dann kann es sich aber einfach in die Situation ergeben und sich damit arrangieren. ....
Ja, im Extremfall ist das die Reaktion, wenn ein Kind repressive Eltern hat.
Auch in anderen Fällen, bspw. bei einer psychischen oder schweren körperlichen Erkrankung eines Elternteils, wenn sich die Rollen verkehren und das Kind aus Angst um Gesundheit und Leben der wichtigsten Bezugspersonen nicht mehr so agieren kann, wie als Kind eigentlich "normal" wäre ...
Oder wenn die Mutter todunglücklich (vielleicht/wahrscheinlich depressiv) ist und keine Menschenseele hat außer ihr Kind... wie hartherzig muss man denn da sein, seiner Mutter nicht Freude machen zu wollen und alles zu vermeiden, was sie unnötig zusätzlich betrüben könnte?!
Reinhard hat geschrieben:Wer einen rigorosen, strengen Vater hatte, der wird auch Gott zuerst und hauptsächlich als diese strenge Richtergestalt sehen.
Nein, auch das würde ich nicht verallgemeinern.
Mein Vater ist doch schließlich nicht Gott.
Ich hatte nie ein Problem damit, dass Gott mich natürlich liebt... das war das, woran ich mich immer geklammert habe... ich hatte in der frühen Jugend im Urlaub am Schriftenstand einer Freikirche mal so ein kleines Comic mitgenommen mit dem Titel "Einer liebt dich". Eben.
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Edi
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Re: Erziehungsstile

Beitrag von Edi »

Melody hat geschrieben:
Reinhard hat geschrieben:Wer einen rigorosen, strengen Vater hatte, der wird auch Gott zuerst und hauptsächlich als diese strenge Richtergestalt sehen.
Nein, auch das würde ich nicht verallgemeinern.
Mein Vater ist doch schließlich nicht Gott.
Genau. Das eine hat mit dem andern wenig zu tun, weil die existentielle Erkenntnis, dass Gott den Menschen liebt, nur durch Berührung des heiligen Geistes kommt und das ist die göttliche Dimension, die weit über eine irdische Liebe hinausgeht. Die muss und wird jeder, der ernsthaft Christ werden oder sein will, erfahren.

In manchen Freikirchen wird aber genau das gelehrt, was Reinhard schreibt. Hier werden zum Teil individuelle Lebenserfahrungen verallgemeinert und dann eine neue psycho-geistliche Lehre daraus gemacht. Wenn man das ernst nähme, dann hätten manche Leute auch gute Ausreden, denn der strenge Vater sei ja dann an der eigenen Einstellung schuld.
Es lebt der Mensch im alten Wahn.
Wenn tausend Gründe auch dagegen sprechen,
der Irrtum findet immer freie Bahn,
die Wahrheit aber muss die Bahn sich brechen.

Die meisten Leute werden immer schmutziger je älter sie werden, weil sie sich nie waschen.

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