Hallo allerseits,
da werd ich also meinen ersten Beitrag in diesem doch mitunter lesenswerten Forum einem meiner Lieblingsthemata widmen.
Zunächst sollte man hinsichtlich der deutsch-polnischen Probleme doch einmal die Fakten klären.
Es ist nicht richtig, dass es für Deutsche heute unmöglich ist, in Polen Grundeigentum zu erwerben. Grundsätzlich stellt das Gesetz über den Immoblienerwerb durch Ausländer (Fassung von 2004) den Erwerb durch Ausländer unter staatlichen Genehmigungsvorbehalt. Davon ausgenommen sind aber für alle Ausländer der Erwerb von Eigentumswohnungen und für EU-Ausländer (also auch Deutsche) der Erwerb von einem ganz normalen Hausgrundstück. Daneben gibt es eine Reihe weiterer Ausnahmen. Grundsätzlich gilt, daß problematisch (aber nicht unmöglich) nur der Erwerb von landwirtschaftlichen Gütern ist.
Im übrigen sollte man sich in diesem Zusammenhang immer wieder vor Augen halten, daß es schwieriger ist, als Pole in Deutschland eine Arbeitserlaubnis zu erhalten als umgekehrt. Es sind gerade Deutschland und Österreich, die sich gegenüber den neuen EU-Staaten abschotten.
Hinsichtlich der Situation der Deutschen, die in Polen leben (ich kann die Situation da ganz gut beurteilen) gilt, dass in der Tat das gesellschaftliche Klima nicht optimal ist, aber auch nicht katastrophal. Es gibt in Polen ein Minderheitengesetz, dessen Umsetzung allerdings lokale Aufgabe ist. Das dürfte die meisten aber nicht interessieren, da sie ohnehin nur sporadisch in Polen sind und sich ansonsten im Ausland aufhalten um dort zu arbeiten (dank festgestellter dt. Staatsangehörigkeit)

. In der Oppelner Region haben die deutschen Behörden etwa 300.000 dt. Pässe ausgegeben. Für die deutsche Wahlliste in der Wojwodschaft Oppeln haben bei der Selbstverwaltungswahl am letzten WE gerade mal 50.000 Menschen gestimmt. Die Schwäche der Minderheit ist der politische Unwille eines größeren Teils ihrer Angehörigen.
Dies schlägt sich glücklicherweise nicht so sehr auf gewisse politische Projekte durch. Es gibt in Oberschlesien, dort wo die Deutschen die kommunale Selbstverwaltung bestimmen und mitbestimmen zweisprachige Orts- und Amtstafeln und selbstverständlich Deutsch im Schulunterricht bis hin zu muttersprachlichem Unterricht und speziellen Minderheitenklassen.
Um noch einmal kurz auf die Abgeordnete zum dt. Bundestag Steinbach einzugehen, die in Dtl. wohl nur wenige kennen, in Polen aber um so mehr. Die ist dort tatsächlich eher unbeliebt. Die Vertreibung ist ein heikles Thema. Die Polen sind da in Denkstrukturen gefangen, die in der Tat auch unkatholisch sind, weil letzenendes immer kollektiv. D.h. "die Deutschen haben den Krieg angefangen, das führte zur Westverschiebung Polens, die Last dafür müssen deswegen auch die Deutschen tragen". Leider ist es den Polen mitunter schwer klar zu machen, dass es auch und vor allem individuelle Verantwortung gibt. Die Polen denken auch als Volk nach innen noch sehr kollektiv und wundern sich zum Teil sehr, dass wir Deutsche das nicht auch tun.
Damit will ichs fürs erste mal bewenden lassen.
