Gott des Alten + Neuen Testamentes - straft Gott heute noch?

Schriftexegese. Theologische & philosophische Disputationen. Die etwas spezielleren Fragen.
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Bruder Donald
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Re: Gott des Alten + Neuen Testamentes - straft Gott heute noch?

Beitrag von Bruder Donald »

Trisagion hat geschrieben:
Mittwoch 27. Mai 2020, 03:44
Es gibt nicht "den modernen Menschen", der einem durch Abspulen irgendeiner Masche auf den Leim geht. Leute finden auf ganz verschiedene Weisen zu Gott, und die Problematik die Dich hier umtreibt ist z.B. für mich persönlich weitgehend irrelevant
Es geht ja nicht darum, eine "Masche" parat zu haben. Die Menschen haben ja oft unterschiedliche Zugänge zum Glauben, bei den einen wirkt das Argument, bei anderen wiederum ein anderes.
Grundsätzlich ist der "postmoderne" Mensch ja gar nicht so sehr areligiös. Man merkt, dass viele mit Jesus schon etwas anfangen können (wenn auch nur als "weiser Lehrer" a la Buddha), aber Gott Vater des AT ist nicht unbedingt der Sympathieträger. Mir geht es nicht darum, einen sympathischeren Gott (Vater) zu bekommen, sondern wie räumt man am besten mit negativen Vorurteilen auf?
Offenbar haben viele Menschen es nicht mehr nötig, sich auf den christlichen Gott einzulassen, bei dem religiösen Überangebot. Es ist aber an uns als Kirche die Leute zu überzeugen. Aber wie überzeugt man Leute bei der Frage nach dem Leid und Bösen, wenn sogar Gott selbst sich einer Antwort verweigert?
Trisagion hat geschrieben:
Mittwoch 27. Mai 2020, 03:44
Auch die Paschal'sche Wette ist ein guter Weg zu Gott...
Neeeeeee, find ich nicht. Für mich ist das eher ein Argument für opportunistisches Mitläufertum.
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Trisagion
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Re: Gott des Alten + Neuen Testamentes - straft Gott heute noch?

Beitrag von Trisagion »

Bruder Donald hat geschrieben:
Mittwoch 27. Mai 2020, 22:38
Grundsätzlich ist der "postmoderne" Mensch ja gar nicht so sehr areligiös. Man merkt, dass viele mit Jesus schon etwas anfangen können (wenn auch nur als "weiser Lehrer" a la Buddha), aber Gott Vater des AT ist nicht unbedingt der Sympathieträger. Mir geht es nicht darum, einen sympathischeren Gott (Vater) zu bekommen, sondern wie räumt man am besten mit negativen Vorurteilen auf?
Dein Problem scheint mir zu sein, daß Du Dich - wenn auch zum guten Zweck - an der Wahrheit vorbeimogeln willst. Gott wie er den Menschen im AT begegnet ist kein netter Sympathieträger. Stimmt. Jesus übrigens auch nicht. Wer das behauptet, hat das NT entweder nie gelesen, oder nur durch die rosa Brille moderner Gutmensch-Weichspülung.
Bruder Donald hat geschrieben:
Mittwoch 27. Mai 2020, 22:38
Für mich ist das eher ein Argument für opportunistisches Mitläufertum.
Das ist besser als gelangweiltes Wegbleibertum... vielleicht einfach mal die Erwartungshaltung zurückschrauben? Es ist noch kein Heiliger vom Himmel gefallen.

Außerdem, Blaise Pascal, das ist der Mann der seine mystische Erfahrung wie folgend zu Papier brachte - ein Papier, daß er dann eingenäht in seinem Rock trug:
Jahr der Gnade 1654
Montag, den 23. November, Tag des heiligen Klemens, Papst und Märtyrer, und anderer im Martyrologium.
Vorabend des Tages des heiligen Chrysogonos, Märtyrer, und anderer.
Seit ungefähr abends zehneinhalb bis ungefähr eine halbe Stunde nach Mitternacht
Feuer
Gott Abrahams, Gott Isaaks, Gott Jakobs, nicht der Philosophen und Gelehrten.
Gewissheit, Gewissheit, Empfinden: Freude, Friede. Der Gott Jesu Christi.
Deum meum et Deum vestrum.
Dein Gott ist mein Gott.
Vergessen der Welt und aller, nur Gottes nicht.
Er ist allein auf den Wegen zu finden, die das Evangelium lehrt.
Größe der menschlichen Seele Gerechter Vater, die Welt kennt dich nicht; ich aber kenne dich.
Freude, Freude, Freude, Freudentränen.
Ich habe mich von ihm getrennt.
Dereliquerunt me fontem aquae vivae.
Mein Gott, wirst du mich verlassen?
Möge ich nicht auf ewig von ihm getrennt sein.
Das ist aber das ewige Leben, dass sie dich, der du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesum Christum, erkennen.
Jesus Christus!
Jesus Christus!
Ich habe mich von ihm getrennt, ich habe mich ihm entzogen, habe ihn geleugnet und gekreuzigt.
Möge ich niemals von ihm getrennt sein.
Er ist allein auf den Wegen zu bewahren, die im Evangelium gelehrt werden.
Vollkommene Unterwerfung unter Jesus Christus und meinen geistlichen Führer.
Ewige Freude für einen Tag der Mühe auf Erden.
Non obliviscar sermones tuos. Amen.
Und der hat das dann auch den Rest seiner Tage gelebt, wenn auch vielleicht in etwas problematischer Gesellschaft (Jansenisten). Vielleicht erstmal die Pensées lesen, und dann urteilen. Insbesondere da es Monsieur Plascal durchaus in ähnlichen Gefilden umhertrieb wie Dich jetzt... wie überzeugt man die unwilligen Menschen?

Hier ist übrigens einer meiner Lieblingsgedanken von ihm (aus oben verlinkter Quelle):
Man muß sich nicht verkennen, wir sind eben so viel Leib als Geist und daher kommt es, daß das Mittel, durch welches die Überzeugung sich bildet, nicht einzig die Beweisführung ist. Wie giebt es doch so wenig bewiesene Dinge! Die Beweise überzeugen nur den Geist. Die Gewohnheit schafft unsere stärksten Beweise. Sie neigt die Sinne, welche den Geist mitziehn, ohne daß er es denkt. Wer hat bewiesen, daß morgen auch ein Tag sein wird und daß wir sterben werden? und doch, was wird allgemeiner geglaubt? Also die Gewohnheit überzeugt uns davon, sie ists, die so viel Türken und Heiden macht, sie ists die die Handwerker macht, die Soldaten u.s.w. Freilich muß man nicht mit ihr anfangen um die Wahrheit zu finden; aber man muß zu ihr die Zuflucht nehmen, wenn der Geist ein Mal gesehn hat, wo die Wahrheit ist, damit sie uns erfrische und stärke mit jenem Glauben, der uns jede Stunde entschwindet, denn die Beweise für denselben immer gegenwärtig zu haben ist zu viel verlangt. Man muß sich einen geläufigern Glauben verschaffen, das ist der Glauben der Gewohnheit, die ohne Heftigkeit, ohne Kunst, ohne Beweis uns die Dinge glauben macht und alle unsere Kräfte zu diesem Glauben hinneigt, so daß unsere Seele von selbst hineingeräth. Das ist nicht genug nur durch die Kraft der Beweisführung zu glauben, wenn die Sinne uns drängen, das Gegentheil zu glauben. Wir müssen also unsere beiden Theile gleichen Schritt halten lassen, den Geist durch die Gründe, die ein Mal im Leben erkannt zu haben genügt, und die Sinne durch die Gewohnheit und zwar indem man ihnen nicht erlaubt sich nach der entgegengesetzten Seite zu neigen.

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Bruder Donald
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Re: Gott des Alten + Neuen Testamentes - straft Gott heute noch?

Beitrag von Bruder Donald »

Trisagion hat geschrieben:
Donnerstag 28. Mai 2020, 01:18
Gott wie er den Menschen im AT begegnet ist kein netter Sympathieträger. Stimmt. Jesus übrigens auch nicht.
Habe ich irgendwo gegenteiliges behauptet?
Ich dokumentiere nur meine Beobachtung: Gott im NT wird sympathischer wahrgenommen, als im AT. Es hat schon seine Gründe, wieso es z. B. einen Markionismus gab und heute noch ähnlich gedacht wird.
So gesehen kann man den Worten: "Jesus sagte zu ihm: [...] niemand kommt zum Vater außer durch mich." [Joh 14, 6] eine interessante Bedeutung geben: "Ja, Gott Vater ist schon etwas anstrengend, aber ich bin der nettere. Komm, wenn du mich kennenlernst und magst, dann zeige ich dir, dass Papa auch n Guter ist ;) "
Hierzu auch eine Passage aus den von dir verlinkten "Gedanken" des B. Pascal:
Man erkennt Gott nicht anders heilsam als durch Jesum Christum.
[...]
Sie [die hl. Schrift] sagt uns im Allgemeinen, daß Gott ein verborgner Gott ist, [...] und daß seit dem Verderbniß der Natur, er die Menschen in einer Blindheit gelassen hat, aus der sie nur durch Jesum Christum herauskommen können, außer welchem uns alle Gemeinschaft mit Gott geraubt ist. [...]
[...]
Wir müssen also einzig streben Jesum Christum zu erkennen, weil wir durch ihn allein erwarten können Gott zu erkennen auf eine Art, die uns nützlich sei.
[...]
Trisagion hat geschrieben:
Donnerstag 28. Mai 2020, 01:18
Das ist besser als gelangweiltes Wegbleibertum...
Darum geht es mir nicht. Es ist einfach ein Argument pro Glauben in Form einer Wahrscheinlichkeitsrechnung. Kalte, rationale Kalkulation. Die so oft viel besagte "heiße Liebe" (zwischen Mensch und Gott) dringt da mMn nicht hervor.
Dass Heilige nun nicht als solche geboren werden (außer Maria), kann natürlich eine solche anfängliche Annahme natürlich noch zur Heiligkeit führen. Entwickelt sich der Glauben aber nicht weiter, bleibt man auf einer lauen Stufe eben hängen. Für das persönliche Heil mag das ja noch ausreichen, aber Jesus sagt ja:
"Daher, weil du lau bist, weder heiß noch kalt, will ich dich aus meinem Mund ausspeien." [Offb 3, 16].
Man gewinnt Gott ja auch nicht nur für sich selbst, man lebt auch nicht nur für sich selbst.
Trisagion hat geschrieben:
Donnerstag 28. Mai 2020, 01:18
Vielleicht erstmal die Pensées lesen, und dann urteilen. Insbesondere da es Monsieur Plascal durchaus in ähnlichen Gefilden umhertrieb wie Dich jetzt... wie überzeugt man die unwilligen Menschen?
Man muss ja auch nicht allem zustimmen, was B. Pascal geschrieben hat. So viel Kritik sollte noch erlaubt sein.
Aber danke für den Link! Wusste nicht, dass es die Pensées online zur Verfügung gibt. :daumen-rauf:
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Trisagion
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Re: Gott des Alten + Neuen Testamentes - straft Gott heute noch?

Beitrag von Trisagion »

Bruder Donald hat geschrieben:
Donnerstag 28. Mai 2020, 12:27
Ich dokumentiere nur meine Beobachtung: Gott im NT wird sympathischer wahrgenommen, als im AT. Es hat schon seine Gründe, wieso es z. B. einen Markionismus gab und heute noch ähnlich gedacht wird.
Dann sollen die Leute halt erstmal NT lesen. Es gibt einen Unterschied zwischen "verstehe / mag ich nicht, also weg damit" und "verstehe / mag ich nicht, also hebe ich mir das für später auf".

Ich würde allerdings folgendes sagen, gerade auch mit (Noch-)Nicht-Christem im Kopf: AT und NT sind auch Bilder einer individuellen geistlichen Entwicklung. Der Mensch fängt in seiner Beziehung zu Gott normalerweise eher AT-mäßig an, und entwickelt sich dann zum NT hin. Vom AT zum NT wird das Äußere verinnerlicht, die Regel zur Motivation, der Kult zur Begegnung, der begrenzte Fokus weit gestellt... Alles sicher ganz toll, und Christlich, aber ist man selber wirklich schon so weit? Vielleicht einfach mal schauen ob man sein eigenes Geistesleben nicht mehr an in Stein gemeisselte Regeln denkt, die man dann immer wieder bricht, wenn man nicht gleich um ein goldenes Kalb tanzt. Wenn man durch eine Wüste seines Lebens zieht, mosert man dann nicht gerne rum, ängstigt sich ob seiner leiblichen Versorgung, und denkt mit einer gewissen Sehnsucht an seine Versklavung zurück? Wollen wir nicht gerne dies oder jenes als Opfer in Rauch aufgehen lassen, um Gott anderweitig auf unsere Seite zu ziehen? Vielleicht gleich mit Abraham um die Zahl der nötigen (Todes)opfer feilschen, wie auf einem makaberen Basar? Und wenn wir mal der Auserwählte Gottes sind, und sehen etwas Begehrenswertes das unser Untergebener hat - keine Versuchung den mal eben an die Front zu schicken? Kein Hiob in uns wenn unsere Welt zusammenklappt. Keine Jona als Prophet wider Willen. Wir brauchen unseren Kopf nicht verhüllen wie Elija wenn Gott vor unserer Höhle leise säuselt. Denn wir sind ja Christen, über den Kinderkram sind wir hinaus.

Naja, vielleicht. Das etwas besser geht heißt nicht daß man es besser macht. Vielleicht hat vielen von uns das AT so einiges zu sagen, wenn man es mal spirituell betrachtet, nicht als regeltriefende Horror-Geschichte. AT als Bestandsaufnahme, NT als Ziel, so kann man das auch lesen...
Bruder Donald hat geschrieben:
Donnerstag 28. Mai 2020, 12:27
"Daher, weil du lau bist, weder heiß noch kalt, will ich dich aus meinem Mund ausspeien." [Offb 3, 16].
Ein schwieriges Wort, für mich viel beängstigender als das AT... Aber schon interessant, daß es hier zwei vorzuziehende Optionen gibt: heiß oder kalt, nicht nur heiß.

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Bruder Donald
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Re: Gott des Alten + Neuen Testamentes - straft Gott heute noch?

Beitrag von Bruder Donald »

Trisagion hat geschrieben:
Donnerstag 28. Mai 2020, 16:13
Vielleicht hat vielen von uns das AT so einiges zu sagen, wenn man es mal spirituell betrachtet, nicht als regeltriefende Horror-Geschichte.
Ich nehme an, dass viele eben das AT als Tatsachenbericht lesen (und verstehen). Spirituelle Betrachtung erscheint mir eher als Übung von Fortgeschrittenen.
Das AT erschließt sich wohl "anders" wenn man Jesus Christus, das Evangelium, als "Leseschlüssel" für das AT nimmt.
Trisagion hat geschrieben:
Donnerstag 28. Mai 2020, 16:13
Aber schon interessant, daß es hier zwei vorzuziehende Optionen gibt: heiß oder kalt, nicht nur heiß.
Ja, nicht wahr? Ein interessanter Gedanke hier:
Die Bedeutung muss anders gelagert sein. Der „historische“ Hintergrund kann uns hier offenbar hilfreich sein: Die Stadt Laodizäa bekam heißes und kaltes Wasser zugeleitet. Als es in der Stadt ankam, war das kalte Wasser erhitzt worden und das heiße abgekühlt – also beides lauwarm. Außerdem soll es in Laodizäa lauwarme Quellen gegeben haben. Lauwarmes ist ekelerregend, man spuckt es wieder aus (die Bewohner von L. kannten das aus Erfahrung). Entweder muss etwas kalt sein (man denke z.B. an ein Glas Bier) oder heiß sein (man denke an eine Tasse Kaffee) – sonst ist es unbrauchbar.
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Re: Gott des Alten + Neuen Testamentes - straft Gott heute noch?

Beitrag von Trisagion »

Bruder Donald hat geschrieben:
Donnerstag 28. Mai 2020, 17:04
Ich nehme an, dass viele eben das AT als Tatsachenbericht lesen (und verstehen). Spirituelle Betrachtung erscheint mir eher als Übung von Fortgeschrittenen.
Ich rede hier ja nicht von lectio divina. Das war ein einfacher Leseschlüssel, den man jemanden in wenigen Minuten vermitteln kann, am Besten mit ein paar Beispielen. Ich denke, er kann durchaus hilfreich sein...

Ich hab so ein bißchen den Eindruck, daß du alles und jedes ablehnst was zur Problematik vorgeschlagen wird, weil es immer etwas Arbeit und guten Willen auf der Seite des Suchenden voraussetzt (oder der "Suchende" in Wirklichkeit garnicht sucht, sondern ein "Nörgler" ist).

Das bringt nichts. 'You can lead a horse to water, but you can't make it drink.' (Man kann ein Pferd zum Wasser führen, aber man kann es nicht zum Trinken zwingen.)

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Re: Gott des Alten + Neuen Testamentes - straft Gott heute noch?

Beitrag von Bruder Donald »

Trisagion hat geschrieben:
Donnerstag 28. Mai 2020, 18:11
Ich hab so ein bißchen den Eindruck, daß du alles und jedes ablehnst was zur Problematik vorgeschlagen wird, [...]
Wo liest du denn Ablehnung heraus? :hae?:
Trisagion hat geschrieben:
Donnerstag 28. Mai 2020, 18:11
Ich rede hier ja nicht von lectio divina.
Ich auch nicht.
Trisagion hat geschrieben:
Donnerstag 28. Mai 2020, 18:11
Das war ein einfacher Leseschlüssel, den man jemanden in wenigen Minuten vermitteln kann, am Besten mit ein paar Beispielen. Ich denke, er kann durchaus hilfreich sein...
Worauf beziehst du dich hier?
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Re: Gott des Alten + Neuen Testamentes - straft Gott heute noch?

Beitrag von Trisagion »

Bruder Donald hat geschrieben:
Donnerstag 28. Mai 2020, 20:59
Wo liest du denn Ablehnung heraus? :hae?:
Ablehnung nicht im Sinne, daß Du das nun selber alles falsch findest. Aber eben, daß Du die Frage wie man denn nun mit den Bedenkenträgern umgehen könnte immer weiter stellst. Demnach reichen die Antworten dazu wohl nicht aus, denn wozu sonst die Wiederholung? Und zumindestens indirekt verneinst Du die Anwendbarkeit ja öfter auch, also z.B. " Spirituelle Betrachtung erscheint mir eher als Übung von Fortgeschrittenen." wenn man gerade von Anfängern geredet hat ist eben für mich ablehnend.
Bruder Donald hat geschrieben:
Donnerstag 28. Mai 2020, 20:59
Worauf beziehst du dich hier?
"Ich würde allerdings folgendes sagen, gerade auch mit (Noch-)Nicht-Christem im Kopf: AT und NT sind auch Bilder einer individuellen geistlichen Entwicklung."

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Re: Gott des Alten + Neuen Testamentes - straft Gott heute noch?

Beitrag von Bruder Donald »

Trisagion hat geschrieben:
Freitag 29. Mai 2020, 00:43
Und zumindestens indirekt verneinst Du die Anwendbarkeit ja öfter auch, also z.B. " Spirituelle Betrachtung erscheint mir eher als Übung von Fortgeschrittenen." wenn man gerade von Anfängern geredet hat ist eben für mich ablehnend.
Da hast du mich etwas missverstanden. :tuete:
Was ich meinte ist:
Ich vermute mal, dass ein Anfänger die Bibel eher als Tatsachenbericht, also wortwörtlich, liest und versteht, bzw. mit diesem Ansatz erstmalig an die Sache herangeht.
Eine spirituelle Herangehensweise wird sich wohl dann einstellen, wenn man im Glauben reifer, gefestigter, eben fortgeschrittener ist.
Wie gesagt, es ist eine Vermutung, die vielleicht auf einem zu pessimistischen Menschenbild gründet.
Trisagion hat geschrieben:
Donnerstag 28. Mai 2020, 18:11
Das war ein einfacher Leseschlüssel, den man jemanden in wenigen Minuten vermitteln kann, am Besten mit ein paar Beispielen. Ich denke, er kann durchaus hilfreich sein...
Was für ein Beispiel hättest du denn im Angebot?
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Re: Gott des Alten + Neuen Testamentes - straft Gott heute noch?

Beitrag von Trisagion »

Bruder Donald hat geschrieben:
Freitag 29. Mai 2020, 10:25
Was ich meinte ist:
Ich vermute mal, dass ein Anfänger die Bibel eher als Tatsachenbericht, also wortwörtlich, liest und versteht, bzw. mit diesem Ansatz erstmalig an die Sache herangeht.
Eine spirituelle Herangehensweise wird sich wohl dann einstellen, wenn man im Glauben reifer, gefestigter, eben fortgeschrittener ist.
Und meine Aussage ist eben: wenn ein (williger) Anfänger mit dem Wortsinn der Bibel Probleme hat, dann sollte man ihm mal erläutern, daß man die Bibel eben auch auf andere Weise lesen kann, und sollte. Das ein Anfänger dann nicht sofort die mystisch-inspirierende Exegese abliefert ist schon klar. Aber darum geht es ja überhaupt nicht. Es geht darum Möglichkeiten zu eröffnen für jemanden der keine sieht.

(Um ehrlich zu sein halte ich es für verfehlt Anfänger überhaupt je mit dem Wortsinn der Bibel alleine zu lassen. Eventuell kann man sich das mit den Evangelien leisten, aber selbst da...)
Trisagion hat geschrieben:
Donnerstag 28. Mai 2020, 18:11
Was für ein Beispiel hättest du denn im Angebot?
Also, ich habe da ja schon so ca. sieben Beispiele skizziert, im gleichen Paragraphen?! Wie gesagt, ist ein Leseschlüssel, ich kann das jetzt praktisch beliebig fortführen. Jakob ringt mit Gott/einem Engel, siegt und wird zu Israel, aber dabei wird sein Hüftgelenk beschädigt und lahmt nun. Was sagt uns das jetzt im Sinne einer spirituellen Entwicklung? Man kommt aus einem innerem Kampf mit Gott vielleicht als Sieger heraus, macht seinen Frieden mit Gott und wird gar gesegnet. Aber man soll nicht erwarten, daß ein solcher Kampf mit Gott spurlos an einem vorbeigeht. Es mag da für immer Dinge geben wo man anschließend bestenfalls hinterherhumpeln kann, geistig und geistlich. Das hindert einen aber nicht, anschließend Großes zu vollbringen, als "Israel".

Es geht bei alledem übrigens nicht um eine alleingültige Intepretation. Das Beispiel mit Jakob jetzt war sehr einfach und eindeutig, andere Teile der Bibel sind vieldeutig, und sicher kann man auch Dinge in die Bibel reinlesen die nicht wirklich drin stehen. Das ist OK, wenn man sich nicht im gleichen Atemzug zum Propheten aufschwingt. Und das ist auch ganz und garnicht der einzige Leseschlüssel, oder der beste. Es geht hier einfach darum den Geist beim Lesen zu öffnen, nicht nur Worte im Kopf abspulen sondern sie zu einer Wirkung kommen zu lassen. Es gibt dazu viele Wege, aber einfach "nimm und lies" funktioniert nur bei guter Vorblidung.

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Re: Gott des Alten + Neuen Testamentes - straft Gott heute noch?

Beitrag von Bruder Donald »

Trisagion hat geschrieben:
Freitag 29. Mai 2020, 12:06
Und meine Aussage ist eben: wenn ein (williger) Anfänger mit dem Wortsinn der Bibel Probleme hat, dann sollte man ihm mal erläutern, daß man die Bibel eben auch auf andere Weise lesen kann, und sollte. Das ein Anfänger dann nicht sofort die mystisch-inspirierende Exegese abliefert ist schon klar. Aber darum geht es ja überhaupt nicht. Es geht darum Möglichkeiten zu eröffnen für jemanden der keine sieht.
Ah, okay, jetzt verstehe ich dich besser! Jetzt habe ich auch nichts mehr zu widersprechen oder einzuwenden. :)

Gibt es einen guten Ratgeber, für einen solchen "einfachen" Leseschlüssel?
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Re: Gott des Alten + Neuen Testamentes - straft Gott heute noch?

Beitrag von Trisagion »

Bruder Donald hat geschrieben:
Freitag 29. Mai 2020, 13:19
Gibt es einen guten Ratgeber, für einen solchen "einfachen" Leseschlüssel?
Du meinst jetzt ein spezifisches Buch, oder so? Nicht das ich wüßte... Es ist eine bestimme Form des allegorischen Lesens, eine der vier klassischen Formen der Bibelinterpretation. Die meisten Leute kenne das typologische Lesen ("Vorgänger von Christus finden") als die wichtigste Form christlicher Allegorie, aber es ist eben nicht die einzige. Spirituelle Entwicklung gerade in das AT hineinzulesen war durchaus üblich bei den Vätern. Ein berühmtes und lesbares Beispiel ist Gregory of Nyssa "The Life of Moses" (gibt es vielleicht auch in deutscher Übersetzung, ich kenne halt diese auf Englisch).

Aber wie gesagt, mir ging es ja jetzt weniger um Profi-Exegese und mehr um einen Denkanstoß um fruchtbares Lesen zu ermöglichen. Halt mal selber nachdenken, auch wenn es vielleicht falsch ist. Das ist OK, wenn man sich nicht in seine eigenen Einsicht verbeisst. (Anfänger sind diesbzgl. übrigens meist flexibler als Fortgeschrittene...)

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Re: Gott des Alten + Neuen Testamentes - straft Gott heute noch?

Beitrag von Protasius »

Trisagion hat geschrieben:
Freitag 29. Mai 2020, 19:45
Bruder Donald hat geschrieben:
Freitag 29. Mai 2020, 13:19
Gibt es einen guten Ratgeber, für einen solchen "einfachen" Leseschlüssel?
Du meinst jetzt ein spezifisches Buch, oder so? Nicht das ich wüßte... Es ist eine bestimme Form des allegorischen Lesens, eine der vier klassischen Formen der Bibelinterpretation. Die meisten Leute kenne das typologische Lesen ("Vorgänger von Christus finden") als die wichtigste Form christlicher Allegorie, aber es ist eben nicht die einzige. Spirituelle Entwicklung gerade in das AT hineinzulesen war durchaus üblich bei den Vätern. Ein berühmtes und lesbares Beispiel ist Gregory of Nyssa "The Life of Moses" (gibt es vielleicht auch in deutscher Übersetzung, ich kenne halt diese auf Englisch).

Aber wie gesagt, mir ging es ja jetzt weniger um Profi-Exegese und mehr um einen Denkanstoß um fruchtbares Lesen zu ermöglichen. Halt mal selber nachdenken, auch wenn es vielleicht falsch ist. Das ist OK, wenn man sich nicht in seine eigenen Einsicht verbeisst. (Anfänger sind diesbzgl. übrigens meist flexibler als Fortgeschrittene...)
Ich kenne zwar diese Übersetzung nicht aus eigenem Anschauen, aber mW kennen und schätzen mehrere Forumsteilnehmer Dieter Hattrup sehr: DAS LEBEN DES MOSE oder DAS VOLLKOMMENE LEBEN: in neuer Übersetzung mit neuer Einleitung von Dieter Hattrup
Der so genannte ‚Geist’ des Konzils ist keine autoritative Interpretation. Er ist ein Geist oder Dämon, der exorziert werden muss, wenn wir mit der Arbeit des Herrn weiter machen wollen. – Ralph Walker Nickless, Bischof von Sioux City, Iowa, 2009

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Re: Gott des Alten + Neuen Testamentes - straft Gott heute noch?

Beitrag von Juergen »

kath.net hat geschrieben:Bloße Aussage, Corona ist keine Strafe Gottes, völlig unzureichend
Kardinal Koch kritisiert theologische Sprachlosigkeit zu Corona und übt deutliche Kritik an Aussagen des deutschen Theologe Magnus Striet
Gruß Jürgen

Dieser Beitrag kann unter Umständen Spuren von Satire, Ironie und ähnlich schwer Verdaulichem enthalten. Er ist nicht für jedermann geeignet, insbesondere nicht für Humorallergiker. Das Lesen erfolgt auf eigene Gefahr.

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Re: Gott des Alten + Neuen Testamentes - straft Gott heute noch?

Beitrag von Siard »

Juergen hat geschrieben:
Sonntag 31. Mai 2020, 10:35
kath.net hat geschrieben:Bloße Aussage, Corona ist keine Strafe Gottes, völlig unzureichend
Kardinal Koch kritisiert theologische Sprachlosigkeit zu Corona und übt deutliche Kritik an Aussagen des deutschen Theologe Magnus Striet
Corona ist sicher keine Strafe Gottes, wäre es eine, dann wäre die Influenza es auch.

Corona ist der Lackmustest, der Gottes Strafe sichtbar macht:
Das schreckliche deutschkatholische Führungspersonal.

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Re: Gott des Alten + Neuen Testamentes - straft Gott heute noch?

Beitrag von Bruder Donald »

Siard hat geschrieben:
Sonntag 31. Mai 2020, 13:57
Corona ist sicher keine Strafe Gottes, wäre es eine, dann wäre die Influenza es auch.

Corona ist der Lackmustest, der Gottes Strafe sichtbar macht:
Das schreckliche deutschkatholische Führungspersonal.
Es ist jedenfalls eine Prüfung.
In dieser zeigt sich, wie man sich eben Verhält.
Keine Ahnung, ob man mit "Strafe" eben eine "Prüfung" meint.
Aber mir fällt auf, dass zwar oft von Strafe gesprochen wurde, aber irgendwie keine Bischof oder Theologe von einer "Prüfung Gottes" sprach. Aber es kann gut sein, dass es an mir vorbei gegangen ist.
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