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Theologie zwischen Idealismus und Materialismus

Verfasst: Sonntag 16. Dezember 2007, 14:03
von overkott
Theologie als Rechtfertigung und Klärung des Glaubens durch die Vernunft steht im Gespräch mit der Zeit und bewegt sich dabei im Spannungsfeld geistiger Pole wie Idealismus und Materialismus, Individualismus und Sozialismus, Wissenschaft und Ideologie.

Da es "die" Theologie nicht gibt, darf es auch nicht überraschen, dass es auch Theologien gibt, die dem einen oder anderen Pol erliegen. Dann erscheint in den jeweiligen Theologien Gott etwa als bloße Idee oder werden Diesseits und Jenseits identitär in eins gesetzt, wird die Person auf das Individuum reduziert oder die Eschatologie auf eine Zukunft der Gesellschaft, wird Theologie zur Faktenhuberei oder zum geistigen Instrument von Herrschaft.

Wo steht Theologie heute? (Das ist meine eigentliche Frage.)

Sicher muss man Theologie von Spiritualität abgrenzen. Der Unterschied entspricht analog dem von Theorie und Praxis. Weil der Unterschied jedoch nicht randscharf und extrem ist, kann man feststellen, dass sich Theologie und Spiritualität gegenseitig befruchten und beeinflussen.

Nehmen wir als Beispiel eine Spiritualität der Liebe. Sicher wird sie von der Grundannahme geprägt, dass Gott in seinem Wesen die Liebe ist und sein Wesen zur Maxime der Spiritualität gemacht hat. Umgekehrt kann gerade diese Spiritualität zum Wunsch einer intellektuellen Gottesschau und einer Betrachtung des christlichen Zusammenlebens führen.

Vor allem aber scheint mir eine christliche Theologie und Spiritualität der Liebe davon geprägt, dass beide weder dem Pol des Idealismus noch des Materialismus verfallen, sondern reflektiert oder unreflektiert gerägt sind von einem historisch-empirischen Ansatz, der davon ausgeht, das Gott als Jesus Christus in die Geschichte eingegangen und in der Geschichte erfahrbar ist.

Re: Theologie zwischen Idealismus und Materialismus

Verfasst: Sonntag 16. Dezember 2007, 14:31
von Raphael
overkott hat geschrieben:Wo steht Theologie heute? (Das ist meine eigentliche Frage.)
Man könnte bspw. die heutige Theologie durch die Brille Bonaventuras betrachten, um dann auf diese Frage eine Antwort zu finden. ;)

Der Standpunkt der heutigen Theologie wird insbesondere dort interessant, wo sie eine Antwort auf die These der modernen Philosophie gibt, die ein "Ende der Metaphysik" postuliert!

Re: Theologie zwischen Idealismus und Materialismus

Verfasst: Sonntag 16. Dezember 2007, 15:01
von Robert Ketelhohn
overkott hat geschrieben:Wo steht Theologie heute?
Wo steht der Brei?
Wo steht der Schlamm?
Wo steht die Sauce?

Stehen muß man erst einmal können. Eine zeitgenössische
Theologie gibt es eigentlich gar nicht. Die Theologie hat sich
aufgelöst in eine entgrenzte Masse.

Das Scriptorum

Verfasst: Sonntag 16. Dezember 2007, 18:57
von ieromonach
Friede,
Theologie ist immer "unlogisch/logisch". Spiritualität: Was ist das?
Nur ein gläubiger Mensch der betet und mit/in der Kirche lebt kann erfassen was Theo ---logie sein kann. Wir sollten diese "religiöse Wissenschaft" nicht mit Religionswissenschaft verwechseln. -Der Begriff "Spiritualität" kommt bei den Vätern nicht vor. Eine Ausbildung von "Theologen" an Universitäten sollte eigentlich nicht vom Leben in und mit der Kirche abgekoppelt sein. Diesen Eindruck kann man aber bekommen. +pth

Re: Theologie zwischen Idealismus und Materialismus

Verfasst: Montag 17. Dezember 2007, 12:43
von overkott
Raphael hat geschrieben:Man könnte bspw. die heutige Theologie durch die Brille Bonaventuras betrachten, um dann auf diese Frage eine Antwort zu finden. ;)
Ja, Bonaventura, der intellektuelle Mystiker und vergessene Kirchenlehrer, ist auch in der Moderne nachhaltig aktuell:

Gottes Wirken in der Geschichte beschränkt sich nicht auf das Sechstagewerk; das Sechstagewerk aber ist nicht wörtlich zu nehmen.

Re: Theologie zwischen Idealismus und Materialismus

Verfasst: Montag 17. Dezember 2007, 13:30
von Sebastian
Robert Ketelhohn hat geschrieben:
overkott hat geschrieben:Wo steht Theologie heute?
Stehen muß man erst einmal können. Eine zeitgenössische
Theologie gibt es eigentlich gar nicht. Die Theologie hat sich
aufgelöst in eine entgrenzte Masse.
Darf ich fragen was "entgrenzte Masse" ist ? Verstehen wir darunter, die Mißdeutungen, die ausserhalb der Kirche entstehen? Dachte bisher immer es gäbe nur die eine Theologie, nämlich die vom fleischgewordenen Logos Gottes selbst und das alles andere, was Menschen "entgrenzten" zwar als "Theologie" bezeichnet wird, jedoch alles andere als "Göttlich" ist. Wenn es nur eine Theologie gibt - nämlich die der Einen, Heiligen, Katholischen und Apostolischen Kirche - wie können wir dann die "entgrenzte Masse" zur Theologie hinzurechnen ? Bestenfalls ist die "entgrenzte Masse" eine zurecht geschneiderte Ideologie - die Theologie an sich jedoch unverrückbar. Oder ?

Re: Theologie zwischen Idealismus und Materialismus

Verfasst: Montag 17. Dezember 2007, 14:43
von overkott
Sebastian hat geschrieben:
Robert Ketelhohn hat geschrieben:
overkott hat geschrieben:Wo steht Theologie heute?
Stehen muß man erst einmal können. Eine zeitgenössische
Theologie gibt es eigentlich gar nicht. Die Theologie hat sich
aufgelöst in eine entgrenzte Masse.
Darf ich fragen was "entgrenzte Masse" ist ?
Ein Indiz für Flasche leer?

Re: Theologie zwischen Idealismus und Materialismus

Verfasst: Dienstag 18. Dezember 2007, 08:13
von Raphael
overkott hat geschrieben:
Raphael hat geschrieben:Man könnte bspw. die heutige Theologie durch die Brille Bonaventuras betrachten, um dann auf diese Frage eine Antwort zu finden. ;)
Ja, Bonaventura, der intellektuelle Mystiker und vergessene Kirchenlehrer, ist auch in der Moderne nachhaltig aktuell:

Gottes Wirken in der Geschichte beschränkt sich nicht auf das Sechstagewerk; das Sechstagewerk aber ist nicht wörtlich zu nehmen.
Nun, am ersten Tage läßt man sich beschenken und spürt, daß dieses Geschenk in die übrigen sechs Tage hineinwirkt. Genauer gesagt: Die Arbeit der sechs Tage erst ermöglicht! :)

Re: Theologie zwischen Idealismus und Materialismus

Verfasst: Dienstag 18. Dezember 2007, 08:48
von Raphael
Sebastian hat geschrieben:Darf ich fragen was "entgrenzte Masse" ist ?
Die lexikalisch korrekte Antwort lautet wohl: Es handelt sich um ein Oxymoron! ;)

Ein Oxymoron deutet auf ein paradoxes Phänomen. Paradoxe Phänomene haben die Eigenschaft, ähnlich einer mathematischen Gleichung nach zwei Seiten hin aufgelöst werden zu können.

Im sprachlogischen Bereich verliert das Oxymoron durch diese Auflösung jedoch in aller Regel seine eigentliche Bedeutung, sodaß es angezeigt erscheint, das mit dem Oxymoron Bezeichnete auch als paradox stehen zu lassen.
Dadurch kann dann das oxymoronisch Bezeichnete zu einem Fundament weiterer theologischer Überlegungen werden ...............

Re: Theologie zwischen Idealismus und Materialismus

Verfasst: Dienstag 18. Dezember 2007, 14:57
von Sebastian
Raphael hat geschrieben:
Sebastian hat geschrieben:Darf ich fragen was "entgrenzte Masse" ist ?
Die lexikalisch korrekte Antwort lautet wohl: Es handelt sich um ein Oxymoron! ;)

Ein Oxymoron deutet auf ein paradoxes Phänomen. Paradoxe Phänomene haben die Eigenschaft, ähnlich einer mathematischen Gleichung nach zwei Seiten hin aufgelöst werden zu können.
Und wie lässt sich ein "Oxymoron" auf Christus deuten ?

Re: Theologie zwischen Idealismus und Materialismus

Verfasst: Dienstag 18. Dezember 2007, 15:41
von Raphael
Sebastian hat geschrieben:
Raphael hat geschrieben:
Sebastian hat geschrieben:Darf ich fragen was "entgrenzte Masse" ist ?
Die lexikalisch korrekte Antwort lautet wohl: Es handelt sich um ein Oxymoron! ;)

Ein Oxymoron deutet auf ein paradoxes Phänomen. Paradoxe Phänomene haben die Eigenschaft, ähnlich einer mathematischen Gleichung nach zwei Seiten hin aufgelöst werden zu können.
Und wie lässt sich ein "Oxymoron" auf Christus deuten ?
Die zweite Person des dreieinigen Gottes nahm als Jesus Christus Knechtsgestalt an!
ER wurde Mensch, um uns von den Sünden zu erlösen.

Re: Theologie zwischen Idealismus und Materialismus

Verfasst: Dienstag 18. Dezember 2007, 15:59
von Sebastian
Raphael hat geschrieben:
Sebastian hat geschrieben:
Raphael hat geschrieben:
Sebastian hat geschrieben:Darf ich fragen was "entgrenzte Masse" ist ?
Die lexikalisch korrekte Antwort lautet wohl: Es handelt sich um ein Oxymoron! ;)

Ein Oxymoron deutet auf ein paradoxes Phänomen. Paradoxe Phänomene haben die Eigenschaft, ähnlich einer mathematischen Gleichung nach zwei Seiten hin aufgelöst werden zu können.
Und wie lässt sich ein "Oxymoron" auf Christus deuten ?
Die zweite Person des dreieinigen Gottes nahm als Jesus Christus Knechtsgestalt an!
ER wurde Mensch, um uns von den Sünden zu erlösen.
Also war die Herabkunft Christi ein paradoxes "Phänomen" , dass "nach zwei Seiten hin aufgelöst werden kann" (-was immer das bedeuten mag) ? Was bedeutet das ?

Das Scriptorum

Verfasst: Dienstag 18. Dezember 2007, 16:52
von ieromonach
Hallo, Sebastian,
diese Fragen sind gefährlich. Frag niemals, warum, weshalb, wieso und wie das Christusmysterium (Dreieinigkeits-,) mit philosophischen Begriffen zu enthüllen ist. Gerade der Nominalismus mund später das aristotelische Denken (bes. Thomas v. Aquin) versuchten Theologie zu rationalisieren. Wenn Du dieses machst dann landest zu bald bei Hegel mit all seinen Folgen. Beschäftige Dich einmal mit den Schriften des hl. Gregorios Palamas oder dem hl. Symeon dem neuen Theologen und Du wirst zum Erkennenden.
+ P.Theodoros

Re: Theologie zwischen Idealismus und Materialismus

Verfasst: Dienstag 18. Dezember 2007, 16:55
von Stephen Dedalus
Sebastian hat geschrieben: Also war die Herabkunft Christi ein paradoxes "Phänomen" , dass "nach zwei Seiten hin aufgelöst werden kann" (-was immer das bedeuten mag) ? Was bedeutet das ?
Hallo Sebastian,

ein Oxymoron ist eigentlich eine rhetorische Figur und bezeichnet einen "Widerspruch in sich". Beispiel wären zum Beispiel ein "stummer Schrei" oder ein "beredtes Schweigen", im Englischen auch so etwas wie ein "deafening silence".

Das Oxymoron ist nicht notwendigerweise nach beiden Seiten hin auflösbar. Als rhetorische Figur kann es auch unauflösbar sein oder Dinge zusammenbringen, die gemeinhin als "unvereinbar" gelten.

Auf die Christologie bezogen können Oxymora zum Beispiel sein:

Gottmensch (Gott und Mensch in einer Person)
Unschuldiger Sünder (Christus ist sündlos, trägt aber am Kreuz die Sünde der ganzen Menschheit)

Ein schönes Oxymoron kennst Du auch aus dem Exultet in der Osternacht: Dort wird die Schuld Adams als felix culpa bezeichnet, als "glückliche Sünde", da erst diese Sünde das Erlösungwerk Christi veranlaßte.

Gruß
SD

Re: Theologie zwischen Idealismus und Materialismus

Verfasst: Dienstag 18. Dezember 2007, 17:12
von Raphael
Sebastian hat geschrieben:
Raphael hat geschrieben:
Sebastian hat geschrieben:
Raphael hat geschrieben:
Sebastian hat geschrieben:Darf ich fragen was "entgrenzte Masse" ist ?
Die lexikalisch korrekte Antwort lautet wohl: Es handelt sich um ein Oxymoron! ;)

Ein Oxymoron deutet auf ein paradoxes Phänomen. Paradoxe Phänomene haben die Eigenschaft, ähnlich einer mathematischen Gleichung nach zwei Seiten hin aufgelöst werden zu können.
Und wie lässt sich ein "Oxymoron" auf Christus deuten ?
Die zweite Person des dreieinigen Gottes nahm als Jesus Christus Knechtsgestalt an!
ER wurde Mensch, um uns von den Sünden zu erlösen.
Also war die Herabkunft Christi ein paradoxes "Phänomen" , dass "nach zwei Seiten hin aufgelöst werden kann" (-was immer das bedeuten mag) ? Was bedeutet das ?
Du solltest schon meinem gesamten Beitrag zur Kenntnis nehmen, bevor Du weitergehende Fragen stellst. ;)

In dem von Dir im Zitat weggelassenen Teil stand:
Im sprachlogischen Bereich verliert das Oxymoron durch diese Auflösung jedoch in aller Regel seine eigentliche Bedeutung, sodaß es angezeigt erscheint, das mit dem Oxymoron Bezeichnete auch als paradox stehen zu lassen.
Dadurch kann dann das oxymoronisch Bezeichnete zu einem Fundament weiterer theologischer Überlegungen werden ...............
Man kann auf drei Weisen mit einem Oxymoron umgehen:
1. Man löst es nach der einen Seite auf.
2. Man löst es nach der anderen Seite auf.
3. Man läßt es als das bestehen, was es aussagt.

Nach der einen oder anderen Seite hin auflösen bedeutet nun, daß man entweder die eine oder die andere Seite überbetont.
Im Oxymoron "Gottmensch" wäre eine Auflösung, die menschliche Seite überzubetonen, die in den Arianismus führt, während die göttliche Seite überzubetonen bedeutete, in den Adoptianismus abzugleiten.

Katholisch ist es aber, an die göttliche und die menschliche Natur unseres Erlösers Jesus Christus zu glauben.

Das Scriptorium

Verfasst: Dienstag 18. Dezember 2007, 17:19
von ieromonach
Raphaela, du hat etwas vergesse, näminlich " in einer Person"und das ist der "Gottmensch". +pth

Re: Das Scriptorium

Verfasst: Dienstag 18. Dezember 2007, 17:35
von Raphael
Lieber Ieromonach,
ieromonach hat geschrieben:Raphaela, du hat etwas vergesse, näminlich " in einer Person"und das ist der "Gottmensch". +pth
nun, das habe ich nicht vergessen, sondern nur nicht erwähnt, weil ich das für schon gesagt gehalten hatte.

Ich sprach eingangs von der zweiten Person Gottes, die als Jesus Christus Mensch geworden ist: Die beiden Naturen Christi verbinden sich nun zu einer hypostatischen Union in der Person Jesus Christus!


P.S. Ich bin männlich und nicht mit Raphaela zu verwechseln. 8)

Da Scriptorium

Verfasst: Dienstag 18. Dezember 2007, 17:55
von ieromonach
Rapha-el,
Verzeihung, das war keine Absicht. Bin eben fehlbar.Beruhigt doch sehr, oder? +pth

Re: Theologie zwischen Idealismus und Materialismus

Verfasst: Dienstag 18. Dezember 2007, 19:39
von overkott
Raphael hat geschrieben:
Sebastian hat geschrieben:
Raphael hat geschrieben:
Sebastian hat geschrieben:
Raphael hat geschrieben:
Sebastian hat geschrieben:Darf ich fragen was "entgrenzte Masse" ist ?
Die lexikalisch korrekte Antwort lautet wohl: Es handelt sich um ein Oxymoron! ;)

Ein Oxymoron deutet auf ein paradoxes Phänomen. Paradoxe Phänomene haben die Eigenschaft, ähnlich einer mathematischen Gleichung nach zwei Seiten hin aufgelöst werden zu können.
Und wie lässt sich ein "Oxymoron" auf Christus deuten ?
Die zweite Person des dreieinigen Gottes nahm als Jesus Christus Knechtsgestalt an!
ER wurde Mensch, um uns von den Sünden zu erlösen.
Also war die Herabkunft Christi ein paradoxes "Phänomen" , dass "nach zwei Seiten hin aufgelöst werden kann" (-was immer das bedeuten mag) ? Was bedeutet das ?
Du solltest schon meinem gesamten Beitrag zur Kenntnis nehmen, bevor Du weitergehende Fragen stellst. ;)

In dem von Dir im Zitat weggelassenen Teil stand:
Im sprachlogischen Bereich verliert das Oxymoron durch diese Auflösung jedoch in aller Regel seine eigentliche Bedeutung, sodaß es angezeigt erscheint, das mit dem Oxymoron Bezeichnete auch als paradox stehen zu lassen.
Dadurch kann dann das oxymoronisch Bezeichnete zu einem Fundament weiterer theologischer Überlegungen werden ...............
Man kann auf drei Weisen mit einem Oxymoron umgehen:
1. Man löst es nach der einen Seite auf.
2. Man löst es nach der anderen Seite auf.
3. Man läßt es als das bestehen, was es aussagt.

Nach der einen oder anderen Seite hin auflösen bedeutet nun, daß man entweder die eine oder die andere Seite überbetont.
Im Oxymoron "Gottmensch" wäre eine Auflösung, die menschliche Seite überzubetonen, die in den Arianismus führt, während die göttliche Seite überzubetonen bedeutete, in den Adoptianismus abzugleiten.

Katholisch ist es aber, an die göttliche und die menschliche Natur unseres Erlösers Jesus Christus zu glauben.
Meine volle Zustimmung

Re: Theologie zwischen Idealismus und Materialismus

Verfasst: Mittwoch 19. Dezember 2007, 09:50
von Sebastian
Hallo Raphael,
Raphael hat geschrieben:
Sebastian hat geschrieben:
Raphael hat geschrieben:
Sebastian hat geschrieben:
Raphael hat geschrieben:
Sebastian hat geschrieben:Darf ich fragen was "entgrenzte Masse" ist ?
Die lexikalisch korrekte Antwort lautet wohl: Es handelt sich um ein Oxymoron! ;)

Ein Oxymoron deutet auf ein paradoxes Phänomen. Paradoxe Phänomene haben die Eigenschaft, ähnlich einer mathematischen Gleichung nach zwei Seiten hin aufgelöst werden zu können.
Und wie lässt sich ein "Oxymoron" auf Christus deuten ?
Die zweite Person des dreieinigen Gottes nahm als Jesus Christus Knechtsgestalt an!
ER wurde Mensch, um uns von den Sünden zu erlösen.
Also war die Herabkunft Christi ein paradoxes "Phänomen" , dass "nach zwei Seiten hin aufgelöst werden kann" (-was immer das bedeuten mag) ? Was bedeutet das ?
Du solltest schon meinem gesamten Beitrag zur Kenntnis nehmen, bevor Du weitergehende Fragen stellst. ;)

In dem von Dir im Zitat weggelassenen Teil stand:
Im sprachlogischen Bereich verliert das Oxymoron durch diese Auflösung jedoch in aller Regel seine eigentliche Bedeutung, sodaß es angezeigt erscheint, das mit dem Oxymoron Bezeichnete auch als paradox stehen zu lassen.
Dadurch kann dann das oxymoronisch Bezeichnete zu einem Fundament weiterer theologischer Überlegungen werden ...............
Man kann auf drei Weisen mit einem Oxymoron umgehen:
1. Man löst es nach der einen Seite auf.
2. Man löst es nach der anderen Seite auf.
3. Man läßt es als das bestehen, was es aussagt.

Nach der einen oder anderen Seite hin auflösen bedeutet nun, daß man entweder die eine oder die andere Seite überbetont.
Im Oxymoron "Gottmensch" wäre eine Auflösung, die menschliche Seite überzubetonen, die in den Arianismus führt, während die göttliche Seite überzubetonen bedeutete, in den Adoptianismus abzugleiten.

Katholisch ist es aber, an die göttliche und die menschliche Natur unseres Erlösers Jesus Christus zu glauben.
OK gut und schön. Verstehe trotzdem nicht, warum Theologie eine "entgrenzte Masse" sein soll. Auch Euer Oxymoron hilft da nicht weiter. In sich widersprüchlich - ja ! Aber das erklärt mir den "Zustand" nicht weiter. Meint man evtl. damit, dass Menschen alle möglichen Bereiche der Theologie (für sich) "überbetonen" bzw interpretieren und somit "entgrenzen". Ist das dann aber noch Theologie ?

Ist wahrscheinlich auch nicht weiter wichtig.

Bedanke mich bei Dir und SD, denn ich hab' mal wieder etwas gelernt.

Re: Theologie zwischen Idealismus und Materialismus

Verfasst: Mittwoch 19. Dezember 2007, 10:53
von Raphael
Sebastian hat geschrieben:OK gut und schön. Verstehe trotzdem nicht, warum Theologie eine "entgrenzte Masse" sein soll.
In der Einordnung der Theologie als „entgrenzte Masse“ kommt der theologie-kritische Ansatz Robert’s zum Vorschein.
Sebastian hat geschrieben:Auch Euer Oxymoron hilft da nicht weiter. In sich widersprüchlich - ja ! Aber das erklärt mir den "Zustand" nicht weiter. Meint man evtl. damit, dass Menschen alle möglichen Bereiche der Theologie (für sich) "überbetonen" bzw interpretieren und somit "entgrenzen". Ist das dann aber noch Theologie ?

Er will wohl damit sagen, daß manche moderne (und/oder liberalistische) Theologen eine Menge dummes Geschwätz von sich geben.
Kurz: Es ist nicht alles Theologie, was Theologen so von sich geben ………..
Sebastian hat geschrieben:Ist wahrscheinlich auch nicht weiter wichtig.
Wichtig ist das schon, weil man auf diesem Wege zum Beispiel die Differenzen über das filioque erklärbar machen kann.
Sebastian hat geschrieben:Bedanke mich bei Dir und SD, denn ich hab' mal wieder etwas gelernt.
Gern geschehen!