Drewermann: Strukturen des Bösen

Schriftexegese. Theologische & philosophische Disputationen. Die etwas spezielleren Fragen.
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cathol01
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Drewermann: Strukturen des Bösen

Beitrag von cathol01 » Donnerstag 1. Januar 2004, 13:17

Um Drewermanns Habilitationsschrift "Strukturen des Bösen", und nur darum (wenn möglich) soll es im Folgenden gehen. In diesem Werk will er, ausgehend von der jahwistischen Urgeschichte, den Ursprung und die Genese des Bösen im Menschen untersuchen. Mir fällt zunächst auf, dass er hier durchaus auf der Linie der traditionnellen Interpretation ist, und dass er sich vor allem an durchaus orthodoxe Exegeten orientiert. So zitiert er oft Gerhard vpon Rad, Hermann Gunkel und Ernst Haag (nicht zu verwechseln mit Herbert Haag!). Er sieht die Urgeschichte als eine Art Katastrophengeschichte, eine Genese des Bösen; das Böse ergreift den Menschen immer mehr, bis Gott in Gn 12 hinsichtlich eines radikalen Neuanfangs eingreifen muss. So lehnt Drewermann sich zum Beispiel auch gegen Westermann, der die Urgeschichte differenzierter betrachtet, d.h. nicht als eine Geschichte des Bösen, nicht als eine immer stärker werdende Verstrickung ins Elend, eine immer gewaltiger werdene Entfremdung, sondern darin sogar Elemente des (kulturellen) Fortschritts sieht und die Urgeschichte sogar, wenn ich recht informiert bin, als eine Geschichte des Fortschritts bezeichnet.

Geronimo

Re: Drewermann: Strukturen des Bösen

Beitrag von Geronimo » Sonntag 4. Januar 2004, 06:02

cathol01 hat geschrieben:Um Drewermanns Habilitationsschrift ... des Fortschritts bezeichnet.
Das schließt sich nicht aus. Der kulturelle Fortschritt bzw. überhaupt der Fortschritt bedeutet ja nicht explizit Positives, sondern ist ein wertneutraler Begriff. Die wachsende Entfremdung kann also durchaus mit dem Fortschritt innig verbunden sein. Die Erzählung vom Sündenfall (mit ihren verschiedenen Ebenen) z.B. beschreibt mit Sicherheit einen kulturellen oder entwicklungsgeschichtlichen Knackpunkt in der Menschheitsgeschichte, einen Zeitpunkt von Erkenntnis"gewinn", der Folgen hatte in der Auffassung des Menschen über sich und seine Umwelt.

Geronimo

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