*Diesen Thread habe ich aus dem Thread "Aus der Natur folgt kein Sollen" abgesplittet (Jürgen)*
Im Zusammenhang mit unserer Diskussion möchte ich auf ein Buch von Philippa Foot hinweisen.
Der deutsche Titel "Die Natur des Guten" erfasst leider das im Originaltitel "Natural goodness" m.E. nur unzureichend.
Hier Rober Spaemanns Rezension im Volltext (m.E. sehr lesenswert)
Einige Zusammenfassungen von Rezensionen findet man auf der Seite "Perlentaucher".
Philippa Foot: Die Natur des Guten
Philippa Foot: Die Natur des Guten
Zuletzt geändert von Juergen am Dienstag 28. Juni 2005, 13:58, insgesamt 1-mal geändert.
Gruß Jürgen
Dieser Beitrag kann unter Umständen Spuren von Satire, Ironie und ähnlich schwer Verdaulichem enthalten. Er ist nicht für jedermann geeignet, insbesondere nicht für Humorallergiker. Das Lesen erfolgt auf eigene Gefahr.
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Hm, scheint wirklich interessant zu sein.
Aber worin sieht sie nun das Gute material und nicht nur formal, Juergen? Wenn Du das Buch gelesen hast, kannst Du vielleicht mal kurz was dazu sagen.
Da wird von Teleologie geredet, aber was wohl das telos nun konkret ist?
Glück ist mir dafür ein bisschen zu wenig. Glück war für mich schon immer eher eine ästhetische denn eine moralische Kategorie.
Deshalb habe ich jetzt beim ersten Durchlesen Deiner Quellenangaben ähnliche Vorbehalte wie der Rezensent der NZZ.
Er hält der Autorin vor, dass ihre Ausführungen letztlich in eine Art teleologischen Naturalismus samt eudämonistischer Strebensethik münden.
Außerdem: Wenn man das Gute definiert als dasjenige, was der Arterhaltung dient - dann endet man vielleicht doch wieder bei einem billigen Sozialdarwinismus, oder?
Aber worin sieht sie nun das Gute material und nicht nur formal, Juergen? Wenn Du das Buch gelesen hast, kannst Du vielleicht mal kurz was dazu sagen.
Da wird von Teleologie geredet, aber was wohl das telos nun konkret ist?
Glück ist mir dafür ein bisschen zu wenig. Glück war für mich schon immer eher eine ästhetische denn eine moralische Kategorie.
Deshalb habe ich jetzt beim ersten Durchlesen Deiner Quellenangaben ähnliche Vorbehalte wie der Rezensent der NZZ.
Er hält der Autorin vor, dass ihre Ausführungen letztlich in eine Art teleologischen Naturalismus samt eudämonistischer Strebensethik münden.
Außerdem: Wenn man das Gute definiert als dasjenige, was der Arterhaltung dient - dann endet man vielleicht doch wieder bei einem billigen Sozialdarwinismus, oder?
Ich (bzw. wir im Philosophieseminar) bin erst mit Kap. 5 fertig (bzw. haben uns dadurch gequält). Das Buch hat 7 Kapitel plus ein kurzes Nachwort.Tacitus hat geschrieben:Wenn Du das Buch gelesen hast, kannst ...
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Das Buch ist eine Auseinandersetzung mit der vor allem durch Hume geprägten Moralphilosophie. Sie setzt sich insbesondere mit der bei Hare zu findenden Moralphilosophie auseinander und steht ihr entgegen.
Aber lassen wir P. Foot selbst zu Wort kommen. Sie schreibt im Vorwort zur dt. Ausgabe:
Sie stellt sich also gegen Formen des Praesciptivismus (etwa: Hare) wie des Emotivismus (etwa: Stevenson oder Ayer)....Hauptsächlich muß man wissen, daß ich gegen eine Auffassung moralischen Urteilens rebelliert habe (und es nach wie vor tue), die in den letzten fünfzig Jahren scheinbar unanfechtbar geworden ist und von den meisten Moralphilosophen in der englischsprachigen Welt immer noch für selbstverständlich gehalten wird.
Worin besteht diese Auffassung? Sie besagt, daß einer, der bestimmte Handlungen für richtig oder falsch bzw. bestimmte Subjekte für gut oder böse erklärt, sich nur ausdrücken kann, wenn er sich einer Sprache bedient, die eine besondere Funktion hat. Indem er solche Urteile fällt, würde er nicht irgend etwas in der Welt beschreiben, sondern etwas davon Verschiedenes tun: Mache Philosophen sagen, er würde Gefühle oder Einstellungen in bezug auf diese Handlungen und Personen ausdrücken, andere, er würde diese Handlungen bzw. Haltungen vorschreiben oder befehlen usw. (Es war kein Zufall, daß diese Auffassung von einem ihrer Gegner die 'bo-hurrah theory of ethics' genannt wurde.)...
Was sagen diese beiden Denkrichtungen?
Überspitzt etwa das:
Der Praeskiptivist sagt: Das ist schelcht!
Der Emotivist sagt: Mir wird schlecht! (wenn ich das sehe)
Sie stimmt G.E. More zu, der schon festgestellt hatte, daß es etwas Grundverschiedenes ist, wenn ich sage, daß etwas "rot" ist oder wenn ich sage, daß etwas "gut" ist.
Foot geht hier noch weiter und meint, daß es ebenso ein Unterschied in der Bedeutung von 'gut' ist, ob ich sage "X ist gut" (z.B. die Kaffeetasse ist gut) oder ob ich sage "das ist ein gutes X" (z.B. das ist ein guter Mensch).
Weiter im Vorwort schrebt sie
...Mir ist bewußt, daß diese Auffassung seltsam erscheinen könnte, doch ich bin heute davon überzeugt, daß sie richtig ist. Ich denke, daß die Zuschreibungen von 'gut' ausnahmslos auf die Welt der Lebewesen, also auf Pflanzen, Tiere und Menschen, bezogen sind und daß die Vorstellung von gut und schlecht ohne den Begriff des Lebens inhaltsleer wäre...
Gruß Jürgen
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Soweit so "gut".
Aber nochmal: was ist "gut"? Wer bestimmt das?
Geht sie inhaltlich über die Beschreibung "Gut ist was das Überleben und das Glück der Art gewährleistet" hinaus?
Das Gute erfährt bei ihr - soweit ich sehe - doch eine Verortung im "Sein". Deswegen grenzt sie sich doch in Deinem ersten Zitat von der sprachanalytischen Philosophie ab.
Was sagt sie also über das "Sein des Guten" aus? Wie präzisiert sie das?
Über Deine Beschreibung des Präskriptivisten und des Emotivisten habe ich schallend gelacht. Muss ich mir merken!
Aber nochmal: was ist "gut"? Wer bestimmt das?
Geht sie inhaltlich über die Beschreibung "Gut ist was das Überleben und das Glück der Art gewährleistet" hinaus?
Das Gute erfährt bei ihr - soweit ich sehe - doch eine Verortung im "Sein". Deswegen grenzt sie sich doch in Deinem ersten Zitat von der sprachanalytischen Philosophie ab.
Was sagt sie also über das "Sein des Guten" aus? Wie präzisiert sie das?
Über Deine Beschreibung des Präskriptivisten und des Emotivisten habe ich schallend gelacht. Muss ich mir merken!
Genau. Im weitersten Sinne könnte man hier meinen, daß sie auf den "naturrechtlichen Zug" aufspringt...Tacitus hat geschrieben:Das Gute erfährt bei ihr - soweit ich sehe - doch eine Verortung im "Sein".
Strukturell stellt sie zunächst Gemeinsamkeiten fest, die auf Pflanzen, Tiere und den Menschen zutreffen. Aber: dabei bleibt sie nicht stehen, sondern sieht beim Menschen doch Unterschiede, die über das was gut für Pflanzen und Tiere ist, hinausgehen.Tacitus hat geschrieben:Geht sie inhaltlich über die Beschreibung "Gut ist was das Überleben und das Glück der Art gewährleistet" hinaus?
Leider hat sie auf diesen ersten 74 Seiten (des 152 Seiten starken Buches) es noch nicht klar gemacht, was denn nun das "Wohl des Menshen" welches "sui generis" sein soll, nun ist.P. Foot (S. 74f. - Ende von Kap 3) hat geschrieben:In dem Kapitel insgesamt bin ich folgendem Gedanken nachgegangen: Wenn wir darüber nachdenken, was gut für ein Individuum, im Unterschied zu einer guten Verfassung - womit wir bei der Einführung des Nutzenbegriffs begonnen haben -, dann müssen wir tatsächlich anerkennen, daß sich das, was gut für den Menschen ist, von dem unterscheidet, was gut für eine Pflanze bzw. ein Tier ist. Dort verweist gut auf den Erfolg im Zyklus von Entwicklung, Selbsterhaltung und Fortpflanzung. Das Wohl des Menschen ist sui generis. Dennoch halte ich daran fest, daß eine gemeinsame begriffliche Struktur besteht. Denn eine "Naturgeschichte" haben wir nicht nur im Falle von Pflanzen und Tieren, sondern auch im Falle von Menschen: In beiden Fällen beschreibt sie die Lebensweise, in der die jeweiligen Individuen erreichen, was gut für sie ist. Es gibt wahre Aussagen wir "Menschen machen Kleider und Bauen Häuser", die sich vergleichen lassen mit "Vögel haben Federn und bauen Nester". Und so gibt es auch Aussagen wie "Menschen führen Regeln ein und erkennen Rechte an". Um zu bestimmen, was im Falle von Charakter, Disposition und Willensentscheidung gut und schlecht ist, müssen wir bedenken, was gut für Menschen ist und wie Menschen leben, d.h. welche Art von Lebewesen der Mensch ist.
...später mehr....
Gruß Jürgen
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Okay, Jürgen. Dann lies mit Deinen Studenten mal schön weiter.Juergen hat geschrieben:
Leider hat sie auf diesen ersten 74 Seiten (des 152 Seiten starken Buches) es noch nicht klar gemacht, was denn nun das "Wohl des Menshen" welches "sui generis" sein soll, nun ist.
...später mehr....
Wenn Du neue Erkenntnisse hast, kannst Du die uns ja mitteilen.
Ich freu mich drauf!
1) Wir sind schon zwei Kapitel weiter, aber es ist nicht so ganz einfach die Dinge in kurze Statements zu fassen.Tacitus hat geschrieben:Okay, Jürgen. Dann lies mit Deinen Studenten mal schön weiter.
2) Es sind nicht "meine Studenten", sondern ich bin einer der Studenten :pale:
Gruß Jürgen
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