Ich möchte heute beginnen, den Kirchenvater Gregor von Nazianz vorzustellen, beigenannt »der Theologe«. Beginnen wir mit dem Artikel des Biographisch-Bibliographischen Kirchenlexikons, verfaßt von Friedrich Wilhelm Bautz:
Friedrich Wilhelm Bautz hat geschrieben:GREGOR von Nazianz, genannt »der Theologe«, griechischer Kirchenlehrer, Heiliger, * 329 auf dem Landgut Arianz bei Nazianz (Kappadozien) als Sohn des Bischofs Gregor von Nazianz (* um 280, † 374) und seiner Gattin Nonna, † daselbst 390. - Nonna, unter deren Einfluß ihr Gatte 325 Christ geworden war, hatte den Sohn vom Herrn erbeten und ihn dann wieder dem Herrn geschenkt. G. besuchte die Schulen in Cäsarea (Kappadozien), wo er Basilius (s. Basilius von Cäsarea) kennenlernte, in Cäsarea (Palästina), in Alexandrien und endlich in Athen, wo er mit dem bald nach ihm ankommenden Basilius Freundschaft fürs Leben schloß. »Meine einzige Liebe war die Wissenschaft. Im Orient und Okzident und in Athen, der Zierde Griechenlands, habe ich sie gesucht und mit Anstrengung und lange Zeit hindurch mich um sie bemüht. Indes auch sie habe ich zu den Füßen Christi niedergelegt und dem Wort des großen Gottes unterworfen.«
Um 357 verließ G. Athen und kehrte, »fast 30 Jahre alt«, über Konstantinopel heim. 358/359 weilte er bei seinem Freund in der pontischen Einsiedelei am Iris. Um 362 wurde G. auf Wunsch der Gemeinde, aber gegen seinen Willen von seinem Vater zum Priester geweiht. Aus Unmut über die ihm angetane »Gewalt« floh er zu Basilius, kehrte aber bald nach Nazianz zurück und unterstützte seinen Vater bei der Verwaltung der Diözese. Widerstrebend ließ sich G. 372 in Nazianz durch Basilius zum Bischof der kleinen Stadt Sasima weihen, eines »verwunschenen und elenden Fleckens« zwischen Tyana und Nazianz; er trat aber das Amt nicht an. G. verließ 375 Nazianz und zog sich zu einem beschaulichen Leben nach Seleucia (Isaurien) zurück, folgte aber 379 dem Ruf nach Konstantinopel und übernahm die Leitung und Neuordnung der nizänischen Gemeinde, die unter dem arianischen Kaiser Valens (s. d.) zu einem fast verschwindend kleinen Häuflein zusammengeschmolzen war. Theodosius der Große (s. d.), der 379 zum Herrscher des Ostens erhoben worden war, schlug sofort eine antiarianische Kirchenpolitik ein: er stellte sich auf die Seite G.s, entriß den Arianern die Kirchen Konstantinopels und geleitete am 27.11. 380 G. persönlich unter militärischem Schutz in die Kathedrale, die Apostelkirche.
Das von Theodosius einberufene und im Mai 381 eröffnete 2. ökumenische Konzil zu Konstantinopel bestätigte G. als Bischof von Konstantinopel. Wegen mancherlei Wirren und Intrigen dankte er aber nach wenigen Tagen ab und nahm mit einer glänzenden Rede an die Bischöfe und das Volk Abschied von Konstantinopel, kehrte nach Nazianz zurück und betreute die noch immer verwaiste heimatliche Diözese, bis sein Vetter und Freund Eulalius 383 sein Nachfolger wurde. Dann zog er sich auf das Landgut Arianz zurück und lebte dort der Askese und literarischen Arbeiten. - G. war im arianischen Streit (318-381) einflußreicher Führer der orthodoxen (jungnizänischen) Partei. Mit Basilius dem Großen und Gregor von Nyssa (s. d.) gehörte er zu den »drei großen Kappadoziern«, die die Lehren vom Heiligen Geist und von der Trinität zum Abschluß brachten. G. war ein hervorragender Redner, Schriftsteller und Dichter. Seine Reden, Briefe und Gedichte zählen zu den besten Leistungen der altkirchlichen Literatur. - G. wird als Heiliger verehrt. Sein Fest ist der 9. Mai.
GREGOR von Nazianz, genannt »der Theologe«, griechischer Kirchenlehrer, Heiliger, * 329 auf dem Landgut Arianz bei Nazianz (Kappadozien) als Sohn des Bischofs Gregor von Nazianz (* um 280, † 374) und seiner Gattin Nonna, † daselbst 390. - Nonna, unter deren Einfluß ihr Gatte 325 Christ geworden war, hatte den Sohn vom Herrn erbeten und ihn dann wieder dem Herrn geschenkt. G. besuchte die Schulen in Cäsarea (Kappadozien), wo er Basilius (s. Basilius von Cäsarea) kennenlernte, in Cäsarea (Palästina), in Alexandrien und endlich in Athen, wo er mit dem bald nach ihm ankommenden Basilius Freundschaft fürs Leben schloß. »Meine einzige Liebe war die Wissenschaft. Im Orient und Okzident und in Athen, der Zierde Griechenlands, habe ich sie gesucht und mit Anstrengung und lange Zeit hindurch mich um sie bemüht. Indes auch sie habe ich zu den Füßen Christi niedergelegt und dem Wort des großen Gottes unterworfen.«