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Historische Quellen zur frühen Liturgiegeschichte
Verfasst: Dienstag 15. Februar 2005, 17:49
von Jo
Wie ist die Quellenlage für die frühchristliche Zeit (1.-4. Jh.) bezüglich der Liturgie?
1. Quellen zur Gebetshaltung (Knien, Stehen, Sitzen) zu den bestimmten liturgischen Abschnitten.
2. Quellen zur Art und Weise des Kommunionempfangs.
Es wird immer wieder behauptet, das Knien sei im Urchristentum nicht praktiziert worden oder die Handkommunion hätte ein Vorbild in der frühen liturgischen Praxis. Anhand welcher Quellen läßt sich das glaubhaft nachweisen bzw. widerlegen?
Jo
Verfasst: Dienstag 15. Februar 2005, 19:08
von Nietenolaf
Hl. Kyrill von Jerusalem hat geschrieben:"Komme nicht mit ausgestreckten Händen und nicht mit ausgebreiteten Handflächen tritt herzu; sondern, indem du die linke Hand zum Thron der rechten machst, als wollest du den König emporheben, und die Handfläche leicht gekrümmt, nimm den Leib Christi entgegen, und sogleich sprich "Amen"... Dann, nach dem du am Leib Christi teilhattest, tritt auch an den Kelch des Blutes: nicht die Hände ausstreckend, sondern dich beugend..."
(Hl. Kyrill von Jerusalem (*315, +386), "Mystagogische Katechesen", V, 19; zit. nach: Erzpriester Alexander Men', "Sakrament, Wort, Bildnis")
Re: Historische Quellen zur frühen Liturgiegeschichte
Verfasst: Mittwoch 16. Februar 2005, 01:07
von Uwe Schmidt
Jo hat geschrieben:Wie ist die Quellenlage für die frühchristliche Zeit (1.-4. Jh.) bezüglich der Liturgie?
1. Quellen zur Gebetshaltung (Knien, Stehen, Sitzen) zu den bestimmten liturgischen Abschnitten.
2. Quellen zur Art und Weise des Kommunionempfangs.
Es wird immer wieder behauptet, das Knien sei im Urchristentum nicht praktiziert worden oder die Handkommunion hätte ein Vorbild in der frühen liturgischen Praxis. Anhand welcher Quellen läßt sich das glaubhaft nachweisen bzw. widerlegen?
Jo
Der BERTHOLET/V.CAMPENHAUSEN (der aber auch nicht unfehlbar ist) behauptet, das Knien im Christentum sei aus dem Judentum übernommen. Ich weiß aber, dass in der römischen Liturgie im 4./5. Jh. nicht mehr gekniet wurde und dass es sich dann wieder unter fränkischem Einfluss auch in der neuen römischen Liturgie eingebürgert hat. Es stimmt also beides: Das Judentum (und damit auch das Urchristentum) kannte das Knien, aber auch in der alten germanischen Religion spielte es eine Rolle. Die Beweihräucherung des Priesters soll auch aus der altfränkischen Religion kommen wie auch die abgehobene Stellung des Priesters.
Verfasst: Mittwoch 16. Februar 2005, 08:44
von FioreGraz
ad) Eucharistie
Form: Darstellungen in den Katakomben (zB. Sakramentskapelle 3.Jhdt.), Haltung am Tisch sitzend
Ablauf: Didache - Herrenmahl: Eucharistie und Agape waren nicht wie heute getrennt.
ad) Gebetshaltung
Konstantinbogen - Orantehaltung
Obwohl, da man ja jederzeit und allerorts beten kann, denke ich kaum das es da eine "vorgeschriebe" Haltung gab. Ein Soldat am Pferd in der Schlacht wird kaum absitzen zum beten. Eine Sklavin auf dem Weg zu Nero um ihm Speisen zu bringen schon gar nicht.
LG
Fiore
Verfasst: Mittwoch 16. Februar 2005, 11:25
von Jo
FioreGraz hat geschrieben:Ein Soldat am Pferd in der Schlacht wird kaum absitzen zum beten. Eine Sklavin auf dem Weg zu Nero um ihm Speisen zu bringen schon gar nicht.
Bitte – wenn möglich – Quellen zur Gebetshaltung
in der Liturgie angeben. Danke.
Jo
Verfasst: Mittwoch 16. Februar 2005, 12:18
von FioreGraz
@Jo
Ergibt sich aus der Form der Liturgie die wurde ja als Herrenmahl (Eucharistie + Agape) am Tisch sitzend gefeiert.
LG
Fiore
Verfasst: Freitag 18. Februar 2005, 22:58
von Jo
Vielen Dank denen, die Quellen genannt haben!
Trotzdem finde ich die Ausbeute ein bißchen dürftig. Scheint doch einiges im Dunklen zu liegen. Deshalb ist es für mich nicht so ganz überzeugend, wenn sich alle immer auf die Praxis der Urkirche berufen.
Jo
Verfasst: Freitag 18. Februar 2005, 23:10
von Norbert
eine gute darstellung der liturgischen Entwicklung
gibt das 2 Bändige Werk von Josef Andreas Jungmann S.J
Missarum Sollemnia
Eine genetische Erklärung der Römischen Messe.
gibt es aber höchstwahrscheinlich nur noch Antiquarisch.
Norbert
Verfasst: Freitag 18. Februar 2005, 23:40
von Robert Ketelhohn
Norbert hat geschrieben:»gibt es aber höchstwahrscheinlich nur noch Antiquarisch«
Schau mal in meine Bücherstube (’n Stücke nach unten rollen).
Neben dem neuaufgelegten Jungmann findest du dort dort manch anders Interessante, so zum Beispiel Uwe Michael Langs hervorragendes Büchlein.
Allerdings handelt es sich hier nicht um Quellentexte, nach denen gefragt war, sondern um Sekundärlitteratur.
Verfasst: Samstag 19. Februar 2005, 10:17
von FranzSales
Zum Thema Gebet äußert sich Tertullian sehr ausführlich:
http://www.tertullian.org/articles/kemp ... atione.htm
Dort findest Du auch Ausführungen zum Thema "Hände erheben" und knien bei Gebet.
Verfasst: Samstag 19. Februar 2005, 11:48
von Stefan
Eine praktische Möglichkeit an die Quellen der Liturgie heranzukommen ist folgende:
Besuche die Gottesdienste der Kirchen, die sich bereits früh abgespalten haben:
Die orthodoxen Gottesdienste, besonders die der syrisch-orthodoxen Kirche, die selbst die Sprache, das aramäische, erhalten haben und laß Dir die Feiern erklären. Dort habe sich Traditionen bewahrt, die von westlichen Einflüssen unversehrt geblieben sind.
Ein Buch, welches ich aber nicht kenne, beschäftigt sich u.a. mit dem Thema Geschichte der Liturgie; dort solltest Du auch Quellen finden.
Adolf Adam, Grundriß Liturgie.
Herder, Freiburg-Basel-Wien, Neuausgabe 1998, 336 Seiten