Buchempfehlung zur Offenbarung in der Geschichte?

Schriftexegese. Theologische & philosophische Disputationen. Die etwas spezielleren Fragen.
Coturnix
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Buchempfehlung zur Offenbarung in der Geschichte?

Beitrag von Coturnix » Samstag 11. Juni 2016, 23:37

Hallo,
ich stehe zur Zeit vor folgendem Problem: Ein Bekannter von mir, selber Philosophiestudent, der früher sehr religionskritisch eingestellt war, sich nun aber schon seit geraumer Zeit (zu meiner großen Freude) wieder dem Christentum annähert, wünscht sich von mir ein Buch, das sich mit folgenden Fragestellungen auseinandersetzt: Warum sollte sich Gott in äußerlichen, "zufälligen Geschichtswahrheiten" offenbaren, statt nicht nur über den reinen Intellekt (ewige Vernunftwahrheiten), was ja wohl in der Philosophie als weitaus eleganter gilt? (Also eine der wesentlichen Fragen der Aufklärungsphilosophie an die Theologie; vgl. Lessing, Kant,...) Wie kann Gottes Wirken in der Geschichte, v.a. der Kirchengeschichte (mit all ihren dunklen Flecken), begriffen werden? Wie können Menschen durch äußerliche Werke (Liturgie!) eine Verbindung zu Gott herstellen? Das Buch sollte philosophisch einigermaßen fundiert sein. Bis jetzt hat besagte Person auf meine Empfehlung v.a. die Werke Ratzingers gelesen und wohl auch gemocht. Habt ihr irgendwelche Ideen, welches Buch ungefähr in diese Richtung geht?
Vielen Dank!

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Sempre
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Re: Buchempfehlung zur Offenbarung in der Geschichte?

Beitrag von Sempre » Samstag 11. Juni 2016, 23:50

Dem Teufel hat es auch nicht gefallen, dass Gott Mensch werden wollte und wurde und sich in solch niedrige Gefilde begab, Menschensohn einer Frau mit Leib zu werden.

Da hilft m.E. Chesterton am besten, der die Fragen zwar nur zum Teil mit Antworten versieht, aber Philosophen ganz neue Horizonte eröffnet. Wichtigste Buchtitel: Orthodoxie und Häretiker.
Die Lehren der Kirche zu glauben mag manch einem Schwierigkeiten bereiten. Sie aber nach eigenem Gutdünken nachzubessern und das Resultat dann für wahr zu halten, ist infantil.

Tinius
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Re: Buchempfehlung zur Offenbarung in der Geschichte?

Beitrag von Tinius » Sonntag 12. Juni 2016, 00:49

Die Bücher von Karl-Heinz Menke.

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Raphael
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Re: Buchempfehlung zur Offenbarung in der Geschichte?

Beitrag von Raphael » Sonntag 12. Juni 2016, 13:18

Tinius hat geschrieben:Die Bücher von Karl-Heinz Menke.
Eine gute Empfehlung, die - ich's gesteh zu meiner Schande - von dir nicht erwartet hätte! :tuete:
Wenn der Humanismus den Menschen an die erste Stelle setzt,
dann ist der Anti-Humanismus eine gerechtfertigte Ideologie!

Coturnix
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Re: Buchempfehlung zur Offenbarung in der Geschichte?

Beitrag von Coturnix » Sonntag 12. Juni 2016, 14:23

Tinius hat geschrieben:Die Bücher von Karl-Heinz Menke.

Danke! Kannst du das bitte näher ausführen, an welche Titel du hier denkst, also welche sich u.a. mit den oben genannten Problemen beschäftigen?

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overkott
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Re: Buchempfehlung zur Offenbarung in der Geschichte?

Beitrag von overkott » Montag 13. Juni 2016, 00:18

Coturnix hat geschrieben:Hallo,
ich stehe zur Zeit vor folgendem Problem: Ein Bekannter von mir, selber Philosophiestudent, der früher sehr religionskritisch eingestellt war, sich nun aber schon seit geraumer Zeit (zu meiner großen Freude) wieder dem Christentum annähert, wünscht sich von mir ein Buch, das sich mit folgenden Fragestellungen auseinandersetzt: Warum sollte sich Gott in äußerlichen, "zufälligen Geschichtswahrheiten" offenbaren, statt nicht nur über den reinen Intellekt (ewige Vernunftwahrheiten), was ja wohl in der Philosophie als weitaus eleganter gilt? (Also eine der wesentlichen Fragen der Aufklärungsphilosophie an die Theologie; vgl. Lessing, Kant,...) Wie kann Gottes Wirken in der Geschichte, v.a. der Kirchengeschichte (mit all ihren dunklen Flecken), begriffen werden? Wie können Menschen durch äußerliche Werke (Liturgie!) eine Verbindung zu Gott herstellen? Das Buch sollte philosophisch einigermaßen fundiert sein. Bis jetzt hat besagte Person auf meine Empfehlung v.a. die Werke Ratzingers gelesen und wohl auch gemocht. Habt ihr irgendwelche Ideen, welches Buch ungefähr in diese Richtung geht?
Vielen Dank!
Das grundlegende Buch ist sicher die Bibel, weil man ohne die Bibel das Christentum nicht verstehen kann. Selbst Benedikt wollte die Bibel durch noch so tiefschürfende theologische Überlegungen nicht ersetzen. Ein wichtiger Hinweis für einen Philosophiestudenten ist, dass die Bibel als Bibliothek, also als Sammlung relevanter Schriften, keine systematische Abhandlung zur Fragestellung ist, sondern in Geschichten Thesen und Antithesen miteinander ins Gespräch bringt.

Auch sollte der Philosophiestudent sich nicht vom Volumen der Bibel schrecken lassen, sondern mit der ersten Zeile, der ersten Geschichte beginnen, um die zweite Geschichte im Vergleich mit dieser in Übereinstimmung und Widerspruch zu verstehen. Wichtig scheint dem biblischen Redakteur, nennen wir ihn Moses, zu sein, in beiden Geschichten Gott als Schöpfer des Ganzen und damit als Prinzip des Ganzen zu verstehen.

Der Philosoph wird weiter fragen, wie sich denn das Prinzip des Ganzen in den Teilen des Ganzen widerspiegelt. Wichtig ist dabei die weiter führende Frage, ob es sich noch um das Ganze handelt, wenn ein Teil fehlt. Wenn sich das Ganze in allen Teilen widerspiegelt, repräsentiert jedes Teil das Ganze, ohne selbst das Ganze zu sein. Das wichtigste Teil des Ganzen kann jedoch als Abbild des Prinzips verstanden werden. Versteht man die erste Schöpfungsgeschichte in diesem Sinn, offenbart sich Gott im Allgemeinen im Ganzen der Schöpfung wie der Künstler im Kunstwerk, im Besonderen aber im wichtigsten Teil der Schöpfung, dem Menschen, in dem das Wort Fleisch wird.

Nach dem Zeugnis der Bibel ist die Schöpfung die Geschichtswahrheit, deren Zufall in der freien Entscheidung Gottes liegt. Gerade als Schöpfer ist Gott nicht nur ewige Vernunftwahrheit ( ewiger Logos ), sondern konkrete, zeitliche Vernunftwahrheit in Schöpfung und Geschöpf. Ein Geschöpf repräsentiert den Schöpfer wie ein Teil das Ganze.

Dabei zeigt die zweite Schöpfungsgeschichte, dass sich Moses bereits der Unvollkommenheit des Menschen bewusst war: Der Mensch kann in seinem freien Willen auch versagen, was ihn Gott unähnlich macht. Die ganze biblische Geschichte hindurch stellt sich daraufhin die Frage, wie der Mensch wieder mit Gott versöhnt werden kann. In vielen Büchern der Bibel wird diese Frage thematisiert, bis Gottes Wort endgültig Mensch im neuen Menschen wird, der von Sünde frei ist. Die Versöhnung erfolgt schließlich im Sohn, Jesus Christus, als dem neuen Adam.

Im engeren Sinn muss man das christliche Denken von Christus her verstehen und seiner Kritik an der reinen, geistlosen, lieblosen Äußerlichkeit. Um die Dinge von innen her zu verkosten, die verborgene Motivation des Menschen zu erkennen, ihm ins Herz zu schauen, bedarf es einer Empathie, deren Urteil vorläufig bleibt. Erst im Jüngsten Gericht wird Gottes Wirken endgültig offenbar. Gottes Wirken in der Kirchengeschichte wird konkret, wo Menschen aus Gottes- und Nächstenliebe gehandelt haben. Wir können versuchen, darauf eine Antwort zu finden, können aber auch selber irren. Das Wissen darum schützt uns vor letzter Entschiedenheit und Extremismus. Auch äußere Werke ( Liturgie! ) bleiben Gott ein Greuel, wenn sie nicht von Glaube, Hoffnung und Liebe motiviert und getragen sind. Liturgie erweist sich als echt, wo sie in Nächstenliebe mündet, weil Gott Nächstenliebe gebietet und Lippenbekenntnisse das Leben nach dem Gebot nicht ersetzen können.

Tinius
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Re: Buchempfehlung zur Offenbarung in der Geschichte?

Beitrag von Tinius » Montag 13. Juni 2016, 08:47

Also nein: dieser sinnlose Erguss (natürlich wieder mit seiner zweiten Schöpfungsgechichte) bringt den Fragenden nicht weiter.
Traurige Sache mit Overkott, dass er von dem Zeug nicht lassen kann.

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Re: Buchempfehlung zur Offenbarung in der Geschichte?

Beitrag von overkott » Montag 13. Juni 2016, 10:01

Warum Sie mich in Ihrer Nächstenliebe so schätzen, bleibt ihr Geheimnis, Tinius. Was Sie nicht verstehen, ist sinnlos und durch Zeug entstanden.

Es gibt Leute, für die zählen keine Argumente. Tinius, wir können solche Leute wie Sie ertragen, aber nicht ändern.

Tinius
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Re: Buchempfehlung zur Offenbarung in der Geschichte?

Beitrag von Tinius » Montag 13. Juni 2016, 10:53

overkott hat geschrieben:Warum Sie mich in Ihrer Nächstenliebe so schätzen, bleibt ihr Geheimnis, Tinius.
Weil er JEDEN Thread zerstört und das Anliegen des Fragenden verbrabbelt, verbabbelt....verPARLATORT.

Und da er immer jeden kritischen Beitrag sofort meldet: "Herr Lehrer, ich weiss was.....".........

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incarnata
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Re: Buchempfehlung zur Offenbarung in der Geschichte?

Beitrag von incarnata » Mittwoch 7. September 2016, 03:11

Wie wär´s mit der als Buch veröffentlichten Promotionsarbeit des Radio Horeb Leiters Pfr. Dr. Richard Kocher?.Hab´s gerade nicht bei der Hand der Titel heisst meiner Erinnerung nach "herausgeforderter Vorsehungsglaube".Das Eingreifen Gottes in das Leben einzelner wie auch die Weltgeschichte ist so ein roter faden,der sich auch durch viele Sendungen zieht.
Durch die barmherzige Liebe unseres Gottes wird uns besuchen das aufstrahlende
Licht aus der Höhe.......(Lk1,76)

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