Antijudaismus der christlichen Kirche?

Schriftexegese. Theologische & philosophische Disputationen. Die etwas spezielleren Fragen.

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Niels
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Re: Antijudaismus der christlichen Kirche?

Beitrag von Niels » Donnerstag 25. Oktober 2012, 18:48

Haiduk hat geschrieben: Die Verstrickungen der Freimaurerei in die russische Revolution sind doch hinlänglich bekannt.
Das sind für Tiphi doch böse Verschwörungs-Theorien (ich benutze einen Bindestrich, sonst werden wieder "Schlumpfungen" darausBild ), mit denen er sich nicht einmal ansatzweise auseinandersetzt. :blinker:
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Haiduk
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Re: Antijudaismus der christlichen Kirche?

Beitrag von Haiduk » Donnerstag 25. Oktober 2012, 18:57

Pilgerer hat geschrieben:
Haiduk hat geschrieben:Tipheret tut so, als könne man nicht zwischen Antisemitismus und Antijudaismus zu unterscheiden.
Das eine ist völkisch, das andere religiös - ist ganz einfach. Leider konnte aber der Antisemitismus sich am Antijudaismus orientieren. Historisch betrachtet sind sie miteinander verwandt.
Verwandt? Du weißt nicht, was Du sagst: "Der kirchliche Jahwe ist nun heute tot wie Wotan vor 1500 Jahren." (Alfred Rosenberg in Der Mythus des 20. Jahrhunderts)
Pilgerer hat geschrieben: Dem Antijudaismus steht bei Juden allerdings der Antichristianismus gegenüber. Das zeigte sich insbesondere da, als sie die Perser ermutigten, Massaker an Christen (z.B. in Jerusalem) zu begehen. Haben die Juden diese dunkle Seite ihrer Geschichte aufgearbeitet?
Das haben sie nicht. Nur wäre es auch falsch, wenn man von der dunklen Seite der Geschichte der Juden als Ganzes spräche. Es ist davon auszugehen, daß es immer nur ein bestimmter Teil der Juden war: der messianische Flügel. Dieser Flügel ist besonders antichristlich, weil die Ablehnung von Jesus Christus dort einen politischen Niederschlag findet.
Eure Rede aber sei: Ja, ja; nein, nein. Was darüber ist, das ist vom Übel. (Mt. 5, 37)
Denn die Waffen unsres Kampfes sind nicht fleischlich, sondern mächtig im Dienste Gottes, Festungen zu zerstören. (2. Kor. 10,4)

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Re: Antijudaismus der christlichen Kirche?

Beitrag von Tipheret » Donnerstag 25. Oktober 2012, 19:22

@Haiduk + @Niels,

Ihr habt vergessen, die Protokolle der Weisen von Zion, den 1. und 2. Weltkrieg, die diversen Weltwährungskrisen und >>>>>>- hab' ich was vergessen?
Ach ja , die Unterwanderung des Vaticans durch Freimaurer, weil die ja die "Eine Welt-Religion" schaffen wollen
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Re: Antijudaismus der christlichen Kirche?

Beitrag von civilisation » Donnerstag 25. Oktober 2012, 19:26

@ Tiphi

Das alles ist gar nicht so absurd, wie DU es uns hier verkaufen willst.

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Raphael
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Re: Antijudaismus der christlichen Kirche?

Beitrag von Raphael » Donnerstag 25. Oktober 2012, 19:38

Tipheret hat geschrieben:@Haiduk + @Niels,

Ihr habt vergessen, die Protokolle der Weisen von Zion, den 1. und 2. Weltkrieg, die diversen Weltwährungskrisen und >>>>>>- hab' ich was vergessen?
Ach ja , die Unterwanderung des Vaticans durch Freimaurer, weil die ja die "Eine Welt-Religion" schaffen wollen
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Wie war das noch mit der von Dir geforderten Sachlichkeit? :hmm:
Die Welt kann man nur verstehen, wenn man vor dem Kreuz von Golgatha kniet!

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Re: Antijudaismus der christlichen Kirche?

Beitrag von Tipheret » Donnerstag 25. Oktober 2012, 19:42

Ach weißt Du, civilisation,
es gibt Dinge die sind "noch Quatscher als Quatsch" die quietschen gewaltig.

Zu Weihnachten sollte sich das Forum ein Fäßchen Öl schenken lassen - weil über so was diskutieren tun vernünftige Menschen schon lange nicht (mehr)!
Ihr seid nicht einmal in der Lage über Ereignisse der Vergangenheit mit klarem Blick zu behandeln und zu gestehen, was Ursache, Hintergründe und Methoden waren.
Es geht nicht darum der Kirche "etwas anzuhängen", wie das Pausbäckchen vermutet.

Was man aber erwarten kann - und Gott sei Dank tut das die KIRCHE, nicht Ihr hier, man steht zu den Dingen und versucht daraus für die Zukunft zu lernen.
Schneidet Euch davon eine Scheibe ab!
Was Du auch tust, handele klug und bedenke das Ende
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Re: Antijudaismus der christlichen Kirche?

Beitrag von Raphael » Donnerstag 25. Oktober 2012, 20:02

Tipheret hat geschrieben:Ihr seid nicht einmal in der Lage über Ereignisse der Vergangenheit mit klarem Blick zu behandeln und zu gestehen, was Ursache, Hintergründe und Methoden waren.
Das Opus magnum von Prof. Angenendt wurde nicht von Dir genannt.
Tipheret hat geschrieben:Es geht nicht darum der Kirche "etwas anzuhängen", wie das Pausbäckchen vermutet.
Das lügst Du, natürlich geht es Dir darum! 8)

Das beweisen schon die ganzen verbalen Herabsetzungen, mit denen andere Foranten von Dir tituliert werden. :regel:
Die Welt kann man nur verstehen, wenn man vor dem Kreuz von Golgatha kniet!

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Re: Antijudaismus der christlichen Kirche?

Beitrag von Maurus » Donnerstag 25. Oktober 2012, 21:08

Tipheret hat geschrieben: @Maurus
Es gibt Bereiche die mir sehr vertraut sind - z.B. die Jurisprudenz
Gegen diese Behauptung spricht bereits das Insfeldeführen des § 187 StGB.

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Haiduk
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Re: Antijudaismus der christlichen Kirche?

Beitrag von Haiduk » Donnerstag 25. Oktober 2012, 21:35

Tipheret hat geschrieben:@Haiduk + @Niels,

Ihr habt vergessen, die Protokolle der Weisen von Zion, den 1. und 2. Weltkrieg, die diversen Weltwährungskrisen und >>>>>>- hab' ich was vergessen?
Ach ja , die Unterwanderung des Vaticans durch Freimaurer, weil die ja die "Eine Welt-Religion" schaffen wollen
- auf Anweisung der "geheimen Oberen" :freude: :kugel: :D :freude: :kugel: :D :freude: :kugel: :D
Welcome to Absurdistan-Kreuzgang!
Daß sich Freimaurer zum Humanismus bekennen und damit brüsten, kann nicht geleugnet werden:
Und weil damit Freimaurer als Aufklärer und Humanisten in konservativen Kreisen unter Beschuss gerieten, gaben die Brüder auch keine Namen von Mitgliedern preis.
Mit diesem Humanismus und der "Aufklärung" führten die Freimaurer Jahrhunderte lang Angriffe auf die Kirche. Nachdem die Völker von den kirchlichen Glaubenswahrheiten "befreit" worden waren, dachten sie sich menschliche "Wahrheiten" aus, zu denen auch der völkische Nationalismus gehörte. Hier liegt die geschichtliche Verantwortung der Freimaurerei am Antisemitismus.
Eure Rede aber sei: Ja, ja; nein, nein. Was darüber ist, das ist vom Übel. (Mt. 5, 37)
Denn die Waffen unsres Kampfes sind nicht fleischlich, sondern mächtig im Dienste Gottes, Festungen zu zerstören. (2. Kor. 10,4)

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Robert Ketelhohn
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Re: Antijudaismus der christlichen Kirche?

Beitrag von Robert Ketelhohn » Freitag 26. Oktober 2012, 00:48

Nophretete hat geschrieben:
Vorab: Du bist offenkundig komplett kommunikationsunfähig. Du gehst nirgends auf Argumente ein, springst von einem Thema zum nächsten, windest dich wie ein Aal – und fährst unverdrossen mit deiner Verleumdungs- und Propagandamasche fort. Mach das mit wem du willst, aber die Kirche werde ich nicht weiter verleumden lassen.
Der Aal hat geschrieben:
Diese „Nebelkerze“ ist in der Wissenschaft völlig unstrittig. Darüber braucht man nicht zu diskutieren. Vielleicht schaust du mal einfach in ein Lexikon:
Herr Herauswinder, an keiner Stelle habe ich die Judenpogrome bestritten, versuche nicht wieder abzulenken. Wir sprechen über die geistigen Väter der Pogrome!
Für wie bekloppt hältst du uns? – Keiner hat die Geschichtlichkeit judenfeindlicher Pogrome bestritten. Ausgangspunkt war die Frage, ob es sich um „obrigkeitliche“ Inszenierungen handelte oder Bewegungen „von unten“. Fakt ist letztgenanntes, was in der Wissenschaft gar nicht umstritten ist, sondern klar wie Kloßbrühe. Du behauptest ohne Argumente das Gegenteil. Ich habe dir gestern – nach bereits ausführlicher Darstellung zuvor – beispielhaft ein paar Auszüge aus dem »Lexikon des Mittelalters« zitiert. Du nimmst das nicht einmal zur Kenntnis, reitest weiter deine Masche und wirfst mir obendrein noch vor zu tun, was du selber die ganze Zeit tust und keiner sonst. Was soll einer dazu sagen? – Ballaballa.
Der Aal hat geschrieben:Religiöser Antijudaismus und rassistischer Antisemitismus sind nicht gleichzusetzen, aber auch nicht zu trennen: Sie sind historisch eng verwandt, bedingten einander und wirkten zusammen bis hin zum Holocaust am europäischen Judentum.
Das ist eine furchtbare Lüge, deren Zweck der Vernichtungskampf gegen die Kirche ist. – Noch einmal langsam, für alle Gutwilligen, die hier mitlesen:

1. Zwischen Kirche und Synagoge besteht ein fundamentaler, bereits wurzelhafter Gegensatz, der nicht auflösbar und auch nicht abmilderbar ist: Ist Jesus von Nazareth der dem jüdischen Volk verheißene Messias der Juden und dann auch der Heiden, oder ist er es nicht? – Wenn nicht, dann war er der Lügenprophet und ist tot und verfault, die Christen aber hangen einem Phantom an. Ist er es doch, dann wird gerettet, wer ihm folgt und in die Kirche eintritt, die Synagoge aber ist die Versammlung der Abgefallenen im Zeichen des Gottesmordes und als solche verworfen, die aber ihr anhangen, entbehren des verheißenen Heils.

2. Die Synagoge, die Jesum nicht angenommen hat, sondern zum Tode verurteilt und seine Kreuzigung durch die Römer ertrotzt, hat diesen Haß auf den Messias, den sie nicht annehmen wollte, von Anfang an auf seine Jünger und die ganze dann sichtbar erstehende Kirche übertragen und diese verfolgt, wo sie konnte. Dieser synagogale Haß auf Jesum und die Kirche prägt die Litteratur der Synagoge durch die Jahrtausende und pflanzt sich bis heute fort. Er ist ein Wesenskern der Synagoge als solcher, freilich ohne daß damit etwa behauptet sein sollte, jeder ihrer Anhängher teile solchen Haß persönlich. In vielen ihrer Führer wird er aber bis heute und gerade heute wieder überdeutlich. Er ist dabei durchaus nachvollziehbar, denn allein die Existenz der Kirche bestreitet ipso facto die Existenzberechtigung der Synagoge, sie entzieht ihr die Grundlage.

3. Umgekehrt ist der „religiöse Antijudaismus“ der Kirche nicht geprägt von Haß und Verfolgung, sondern er besteht in der argumentativen Zurückweisung und Verwerfung jener Haltung der Synagoge. Hier liegt eine deutliche Inkongruenz vor: denn die Existenz der Herrn verwerfenden Synagoge stellt die Exististenzberechtigung der Kirche keineswegs in Frage, wie es umgekehrt die Existenz der Kirche mit der Exististenzberechtigung der Synagoge tut. Vielmehr weist die Kirche der verblendeten Synagoge von Beginn an eine heilsgeschichtliche Bedeutung zu; man beachte diesbezüglich vor allem die Briefe Pauli, namentlich denjenigen an die Römer. „Die Juden“ – also die Anhänger der Synagoge – gehören aus Sicht des kirchlichen Glaubens somit „dazu“, sie begleiten die Christenheit gleichsam als Stachel im Fleisch und immerwährende Mahnung durch die Endzeit bis zur Parusie des Messias. Jeder Vernichtungswille wäre nicht bloß frevelhaft, sondern glaubenswidrig, während der Synagoge die Vernichtung der Kirche die ersehnte Bestätigung ihrer Überzeugung wäre.

4. Gleichwohl kam es im Lauf der Geschichte immer wieder auch seitens Angehöriger christlicher Völker zu Haßausbrüchen und blutigen Verfolgungen von Juden. Diese Pogrome wurzeln aber nicht im Glauben, sondern habe ihre Ursache in sozialen Spannungen, die sich bei bestimmten Anlässen entluden. Es handelt sich also tatsächlich im wesentlichen um ein „Unterschichtenphänomen“, um aufrührerische Bewegungen, welche die bestehende Ordnung und mit ihr nicht bloß die rechtlich gesicherte Existenz der jüdischen Gemeinden in Frage stellten, sondern auch die christlichen Obrigkeiten angriffen, die sich dieser Aufrührer erwehren mußten und erwehrten, zum Schutz sowohl der Juden als auch der gesamten Rechtsordnung.

5. Wahr ist aber auch, daß solche aufrührerischen Bewegungen sich immer wieder aus vergröberten und vulgarisierten Versatzstücken des „religiösen Antijudaismus“ der Kirche bedienten. Das kann nicht bestritten werden und liegt auch nahe. Besonders deutlich wird das bei gewissen Anführern solcher Aufstände – wie beispielshalber dem oben schon mehrfach erwähnten Schlächter Rintfleisch –, die geradezu mit prophetischer, wenn nicht messianischer Attitüde auftraten, darin übrigens den jüdischen Pseudomessiasfiguren von den Anführern der Diasporarevolte des zweiten Jahrhunderts über Sabbatai Zewi bis hin zu Jacob Frank durchaus ähnlich. Das ist ein Schandfleck, ebenso wie manch andere von Christen verübte Untat, aber eben doch immer Untat und von der Kirche und der ganzen Christenheit auch nie anders beurteilt.

6. Mit dem Wandel, den man heute rückblickend, wiewohl mit geringem Recht, als Beginn der „Neuzeit“ zu kennzeichnen pflegt, werden vor allem zwei wesentliche Änderungen deutlich: einerseits eine allgemeine Brutalisierung des Justizwesens, wovon – wie jedermann – auch die Juden betroffen waren, insofern sie unter die Justiz der christlichen Obrigkeiten fielen. (Für die innerjüdische Justiz im Kahal gilt das übrigens erst recht: Die war generell noch um einiges schärfer, und dies im Osten bis ins zwanzigste Jahrhundert hinein.) Andererseits stellen wir auch eine theologische Grobianisierung fest, insonderheit im aufkommenden Protestantismus (aber beileibe nicht nur da), was dazu führte, daß die oben erwähnten „vulgarisierten Versatzstücke des religiösen Antijudaismus“ den Weg in offizielle Lehrmeinungen finden konnten (wenn auch nicht in katholische Lehramtsdokumente). Martin Luther ist das bekannteste Beispiel hierfür, für die Brutalisierung des Justizwesens nenne ich den Berliner Judenprozeß von 1510.

7. Die geistigen Umbrüche der folgenden Jahrhunderte und die durchaus gewichtige Rolle der Juden dabei näher zu beleuchten wäre verlockend, allein es fehlt mit dazu jetzt die Zeit. Jedenfalls zerbrach und verschwand endlich die staatlich verfaßte Christenheit, ganz neue Gebilde traten an ihre Stelle, in welchen die Zugehörigkeit zur Kirche nicht mehr konstitutiv für die Staatsangehörigekeit ist – und auch die Juden keine eigenen, mit Hoheitsrechten ausgestatteten Körperschaften mehr bilden –, sondern ein jeder religionsunabhängig als Bürger gilt, mithin die modernen säkularen Staaten, in welchen oft Juden durch wirtschaftliche und kulturelle Macht überproportionalen Einfluß gewannen.

8. Feindseligkeit gegenüber Juden verschwand dabei nicht etwa, im Gegenteil, sie erwuchs neu oder verstärkte sich, gerade in unterprivilegierten und zugleich dem Christentum längst ganz entfremdeten Volksschichten. Dabei griff diese neuartige Judenfeindschaft nun immer weniger auf jene „vulgarisierten Versatzstücke des religiösen Antijudaismus“ zurück, sondern bediente sich bei modernen Ideen, bei Soziologie, Biologie, Eugenik. Es entstand die sich selbst so nennende „antisemitische“ Bewegung des späteren 19. Jahrhunderts, welche sich durch Verbindung mit der damals hochmodernen Eugenik zu dem entwickelte, was dann in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts als antisemitische Rassenlehre der Nationalsozialisten erscheint. Dies nun aber in offenem und erklärten Gegensatz zur Kirche, die diese Lehren verurteilte, ebenso wie umgekehrt die Antisemiten früh auch die Kirche bekämpften, bis hin zum nationalsozialistischen Dogma, welches das Christentum als volksfremde, jüdische Verirrung und Krankheit zu vernichten trachtete.

Der Aal hat geschrieben:Schon früh wurden die Juden als unwürdig dargestellt: So "bewies" Eusebius von Cäsarea in seiner Kirchengeschichte (Buch 2, Kapitel 6): Juden waren Gott immer ungehorsam - sie fielen vom älteren, reinen Glauben der "Hebräer" dem Glauben Abraham‘s ab.
Natürlich. Recht hat er.
Der Aal hat geschrieben:Christen sind die rechtmäßigen Erben des wahren Hebräerglaubens
Das wahre Israel nach dem Geiste. So ist es.
Der Aal hat geschrieben:Christus selbst verbreitet den Ausschluss Israels über die ganze Welt
Blödsinn. Die Israeliten nach dem Fleisch sind nicht ausgeschlossen. Alle Apostel und die meisten Jünger und drei der vier Evangelisten gehören ja dazu, von Paulus gar nicht zu reden. Und selbstverständlich treten immer neu durch alle Jahrhunderte dieser Endzeit Kinder des jüdischen Volks in die Kirche ein und nehmen die Taufe. Ausgeschlossen ist, wer Jesum Christum nicht annimmt, ob Jud oder Heide.
Der Aal hat geschrieben:Niederlagen, Leiden und Zwietracht des Judentums sind Folgen seiner Schuld am Tod Christi : "So überwältigte die göttliche Vergeltung die Juden für die Verbrechen, die sie an Christus gewagt hatten zu begehen." Demgemäß führte die kirchliche Theologie das Leiden der Juden unter den christianisierten Völkern später auf ihr "Verbrechen an Gott" zurück und machte sie zum "Sündenbock" für alles mögliche Unglück.
Das sehen die sogenannt „orthodoxen“, antizionistischen Juden – wie Neturei Karta – heute noch genauso. – Natürlich sind solche Kausalaussagen immer problematisch, weshalb sie auch nicht Gegenstand der kirchlichen Lehre sind, sondern bloß persönliche Interpretation der jeweiligen Autoren. Übrigens findet sich dies Interpretationsmuster, das sich aus dem Alten Testament immerhin auch theologisch begründen läßt (und darum eigentlich so recht „jüdisch“ ist), keineswegs nur mit Bezug auf Juden, sondern ebenso zum Beispiel gegenüber heidnischen Verfolgern. Lies etwa Lactanzens De mortibus persecutorum.
Der Aal hat geschrieben:
Robert Ketelhohn hat geschrieben:Über die Gojim-Pogrome der Juden Anfang der 2. Jht.s kannst du vor allem bei Appian, Cassius Dio, Euseb und Orosius nachlesen.
Leider gab es das, wobei man den geschichtlichen Hintergrund, die wechselnden Besetzungen Palästinas und die damit verbundenen wechselseitigen Grausamkeiten nicht vergessen darf.
Oben hattest du’s noch bestritten.
Der Aal hat geschrieben:
Robert Ketelhohn hat geschrieben:
Am StraßburgerMünster befinden sich zwei Skulpturen: Ecclesia (Kirche, mit Krone) und Synagoga (mit Binde vor den Augen). Diese Skulpturen dokumentieren, weil es "Auftragsarbeiten der Kirchenerbauer" und nicht des "Pöbels" sind, die Haltung der damaligen katholischen Kirche zum Judentum.
Richtig. Das ist sogar nicht nur eine „Haltung“ der Kirche, sondern diese Symbolik drückt einen heilsgeschichtlich zentralen Tatbestand aus.
Na endlich bestätigst Du, dass es sich um eine „heilsgeschichtliche Ursache“ für den Antijudaismus gibt. Du solltst dann aber auch so konsequent sein und bestätigen, dass es DAS war, was dem unwissenden Volk eingebleut wurde und was später die „Ursache“ für den „Zorn des Pöbels“ war.
Natürlich nicht. Siehe meine ausführlichen Bemerkungen oben.
Der Aal hat geschrieben:
Die Judenfeindschaft entstand durch den Alleingeltungsanspruch des Christentums.
Und genau den bekämpfst du mit deinen Konsorten. Das ist der springende Punkt an der Sache.
Endlich rückst Du mit Deiner Motivation raus!
:kugel: Bleiben wir mal logisch. Die Synagoge hat mit heidnischen Kulten kein theologisches Problem, wohl aber mit der Kirche, mit deren bloßer Existenz, wie oben dargestellt. Darum muß es die Kirche bekämpfen, ihren „Alleingeltungsanspruch“ bekämpfen und wie nur möglich auszulöschen versuchen. Diesem Kampf der Synagoge muß die Kirche sich widersetzen, während sie kein Problem damit hat, wenn die synagogalen Juden einfach ihren Bräuchen folgen und nach dem Gesetz zu leben versuchen. Das ist deren Problem. Wir beten für sie, der Rest ist ihre und des Herrn Sache. Was aber die Synagoge ebenso zu erreichen sucht wie deinesgleichen, ist, daß die Kirche Jesum Christum aufgebe. Dann wäre sie aber nicht mehr die Kirche, kein Weg des Heils – und wir wären verloren. Exakt darum geht der Kampf.
Der Aal hat geschrieben:
Da kommst du ja schon wieder mit einem Nazitext an, ihn bösartig und verleumderisch der Kirche anzulasten.
Das musst Du mir erklären: Wieso ist ein Text der Evangelischen Kirche ein „Nazi-Text“?
Viele protestantische Texte dieser Zeit sind reine und echte Nazitexte. Lies doch mal über die „Deutschen Christen“ nach.
Der Aal hat geschrieben:Sind dann die zahlreichen, Grußbotschaften, Durchhalteparolen und Segenswünsche der katholischen Kirche, die während des Dritten Reiches vom katholischen Klerus an Hitler und Konsorten abgegeben wurden auch „Nazi-Texte“?
Nazitexte wirst du da schwerlich finden. Grußbotschaften haben diplomatischen Charakter. Nazisympathien findest du im katholischen Klerus nur in wenigen Einzelfällen. Militärbischof Rarkowski gehört vielleicht dazu. Einige „modernere“ Theologen damals waren nicht ganz astrein. Die Haltung der Kirche insgesamt kannst du am besten anhand der Enzyklika »Mit brennender Sorge« von Papst Pius XI. nachlesen, deren hauptsächliche Verfasser Kardinal Michael Faulhaber, der Erzbischof von München und Freising, und Kardinalstaatssekretär Eugenio Pacelli waren, der spätere Pius XII.
Propter Sion non tacebo, | ſed ruinas Romę flebo, | quouſque juſtitia
rurſus nobis oriatur | et ut lampas accendatur | juſtus in eccleſia.

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Re: Antijudaismus der christlichen Kirche?

Beitrag von christian12 » Freitag 26. Oktober 2012, 12:18

Robert Ketelhohn hat geschrieben:
Ecclesia und Synagoga
Israel, das heißt: die Kirche

Betrachten wir nun noch einmal die allegorische Gegenüberstellung von Ecclesia und Synagoga in paulinischem Licht. Wird denn, so mag man fragen, in der Allegorie überhaupt noch deutlich, daß beide aus derselben Wurzel stammen? – Die Frage ist falsch, weil aus der heute üblichen religionssoziologischen Froschperspektive gestellt, die „Christen“ und „Juden“ als „Religionsgemeinschaften“ nebeneinander sieht. Der Schlüssel zum rechten Verständnis lautet: Die Ecclesia ist Israel. Sie ist das Volk der Erwählung und der Verheißung. Sie umfaßt alle Patriarchen und Propheten und Heiligen des Alten Bundes ebenso wie die Heiligen des Neuen Bundes. Sie ist der Ölbaum des Apostels. Die Heiden – und nicht etwa die Kirche – sind die eingepfropften Zweige. Die Synagoge bedeutet die gebrochenen, welkenden und dorrenden Zweige, den levitischen Opferdienst wie die buchstabentreue Werkgerechtigkeit, diejenigen Juden, die geblendet sind und den Messias nicht erkennen. „Denn nicht alle, die aus Israel sind, die sind Israel; und nicht, weil sie Abrahams Same sind, sind sie Kinder ... Das heißt: Nicht diejenigen, die Kinder des Fleischs sind, die sind Kinder Gottes, sondern welche Kinder der Verheißung sind, die werden als Same gerechnet“ [Rm 9,6-8].
[/color]
Robert Ketelhohn hat geschrieben:
2. Die Synagoge, die Jesum nicht angenommen hat, sondern zum Tode verurteilt und seine Kreuzigung durch die Römer ertrotzt, hat diesen Haß auf den Messias, den sie nicht annehmen wollte, von Anfang an auf seine Jünger und die ganze dann sichtbar erstehende Kirche übertragen und diese verfolgt, wo sie konnte. Dieser synagogale Haß auf Jesum und die Kirche prägt die Litteratur der Synagoge durch die Jahrtausende und pflanzt sich bis heute fort. Er ist ein Wesenskern der Synagoge als solcher, freilich ohne daß damit etwa behauptet sein sollte, jeder ihrer Anhängher teile solchen Haß persönlich. In vielen ihrer Führer wird er aber bis heute und gerade heute wieder überdeutlich. Er ist dabei durchaus nachvollziehbar, denn allein die Existenz der Kirche bestreitet ipso facto die Existenzberechtigung der Synagoge, sie entzieht ihr die Grundlage.
(Hervorhebungen von mir) [OT] Mir ist nicht klar, wie man es zusammenbringen kann, dass die Kirche Israel ist und dass Jesus die Kirche gegründet hat (beim Letzten Abendmahl). Letzteres muss doch auch festgehalten werden. Meinst Du, dass die Kirche unsichtbar schon immer da war und von Jesus dann "nur" irgendwie sichtbar gemacht wurde, oder wie?[/OT]

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Re: Antijudaismus der christlichen Kirche?

Beitrag von Robert Ketelhohn » Freitag 26. Oktober 2012, 12:43

christian12 hat geschrieben:Mir ist nicht klar, wie man es zusammenbringen kann, dass die Kirche Israel ist und dass Jesus die Kirche gegründet hat (beim Letzten Abendmahl). Letzteres muss doch auch festgehalten werden. Meinst Du, dass die Kirche unsichtbar schon immer da war und von Jesus dann "nur" irgendwie sichtbar gemacht wurde, oder wie?
Vielleicht hilft dies zum Verständnis:
http://www.domus-ecclesiae.de/patres/au ... uctio.html
Propter Sion non tacebo, | ſed ruinas Romę flebo, | quouſque juſtitia
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Re: Antijudaismus der christlichen Kirche?

Beitrag von Tipheret » Freitag 26. Oktober 2012, 13:00

Robert Du bist und bleibst ein SCHWÄTZER!
Die katholische Kirche hat, von Anfang ihrer Existenz, stets die Juden bekämpft – und Du bestätigst dass ja auch mehrfach, mit Hinweis auf die „Lehre“.

Ja, wer so, wie Du argumentiert, ist wirklich, wie sagtest Du ?, „bekloppt“!

Die kirchliche Haltung ist seit frühesten Zeiten bekannt:
"Solche Tiere, die zur Arbeit untauglich geworden sind, eignen sich zur Verwendung als Schlachttiere. Das ist den Juden widerfahren. Sie machten sich selbst zur Arbeit untüchtig und sind so geeignet zur Schlachtung geworden."
(Der Kirchenvater und Kirchenlehrer Johannes Chrysostomos (344-47;) Schutzpatron der kirchlichen Prediger in: Adversus Judaeos, I,2 PG 48, 846)


Interessant, wie „meine These“ durch Deine Ausführungen:
Robert Ketelhohn hat geschrieben:5. Wahr ist aber auch, daß solche aufrührerischen Bewegungen sich immer wieder aus vergröberten und vulgarisierten Versatzstücken des „religiösen Antijudaismus“ der Kirche bedienten.
relativiert wird.

Was hat man denn erwartet?
Das Analphabeten, religiös dominierte Menschen differenzieren und entsprechend artikuklieren?
Dazu bist Du ja kaum in der Lage – und Du hast studiert.
Robert Keteljhohn hat geschrieben:Was aber die Synagoge ebenso zu erreichen sucht wie deinesgleichen, ist, daß die Kirche Jesum Christum aufgebe. Dann wäre sie aber nicht mehr die Kirche, kein Weg des Heils – und wir wären verloren.
Ich kenne die Ziele einer „Synagoge“ (das ist wieder so eine nebulöse,pauschalisierende Phantasieverbalie) nicht, und ich kann Dir , auch wenn Du blickfeldeingeschränkt bist, als getaufter Katholik versichern, dass ich nie etwas gegen die Kirche unternehmen werde.

Das die von katholischer Seite an die Nazis geschickten „Botschaften“, keineswegs rein „diplomatischer Natur“ sieht man hier:

Nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten wurde Bischof Graber 1933 geistlicher „Gauführer“ im katholischen Jugend-Bund Neudeutschland. Im selben Jahr schrieb er eine Abhandlung Deutsche Sendung.
In dieser Abhandlung finden sich eindeutig antisemitische, völkische Stellen, in denen der „Kampf gegen das Judentum“ als „instinktive Abneigung des ganzen deutschen Volkes“ bezeichnet wird. Für Bischof Graber war Adolf Hitler „Retter, Vater und irdischer Heiland“. Für Graber war das „Dritte Reich Rettung des Abendlandes vor dem Chaos des Bolschewismus, asiatischer Barbarei“.
Neudeutschland-Älterenbund (Hg.), Werkblätter, 6. Jg., Heft 9/1, 1933/1934, S. 241.

5.5.1933 - Der römisch-katholische Kardinal Michael Faulhaber bedankt sich in einem Brief an die bayerische Staatsregierung, "dass sich im öffentlichen Leben unter der neuen Regierung manches gebessert hat: Die Gottlosenbewegung ist eingedämmt, die Freidenker können nicht mehr offen gegen Christentum und Kirche toben, die Bibelforscher können nicht mehr ihre amerikanisch kommunistische Tätigkeit entfalten"
(Akten Deutscher Bischöfe über die Lage der Kirche 1933-1945, Teil I, Mainz 1968, S. 259,

Vor der Reichstagswahl von 1936 verkündete der Kirchliche Anzeiger am 11. März:
„Die schlichte Pflicht der Dankbarkeit gegen Gott und die persönliche Verantwortung für Deutschland, dem in Nacht und Not durch Gottes Gnade ein wirklicher Führer zu neuem Aufstieg, zu Freiheit und Ehre geschenkt wurde, gebietet jedem wahlberechtigten deutschen Mann und jeder deutschen Frau, ihre Schuldigkeit zu tun. Vor der ganzen Welt gilt es, freudiges Zeugnis abzulegen, daß Adolf Hitler Deutschland ist und Deutschland Adolf Hitler.“

Am 4. Juli 1936 berichtete die Kölnische Volkszeitung von Bischof Hermann Wilhelm Bernings Besuch in den Emslander Konzentrationslagern:
„Der Besuch erfolgte auf Einladung des Kommandeurs, Standartenführer Schäfer, der den Gast mit seiner Begleitung mit herzlichen Worten willkommen hieß. In einer Ansprache an die Wachmänner, die er zu einem Glase Bier eingeladen hatte, drückte Bischof Berning seine große Befriedigung über die im Emsland durch das Dritte Reich geleistete Kulturarbeit aus. Zum Schluß seiner Ansprache brachte er ein dreifaches Sieg-Heil auf Führer und Vaterland aus.“

Am 14. März 1938 schrieb der Kirchliche Anzeiger über Österreichs „Heimkehr ins Reich“:
Wir stehen unter dem überwältigenden Eindruck einer der größten Stunden unserer deutschen Geschichte. Der österreichische Bruderstamm hat heimgefunden zum Reich. Sichtbar hat der allmächtige Gott das Werk des Führers gesegnet.“

Kardinal Michael Faulhaber, von 1917 bis 1952 Erzbischof von München, hatte sich nach der Machtergreifung mit den Nazis arrangiert. Er lehnte es ab, die Judenboykotte zu verurteilen, weil die Juden sich selber helfen könnten. Stattdessen sicherte er Hitler 1936 zu, die Bischöfe würden ihn «in seinem weltgeschichtlichen Abwehrkampf gegen den Bolschewismus» unterstützen.

Kardinal Adolf Bertram an Adolf Hitler, 1943
Hochgebietender Herr Führer und Reichskanzler!

Der wiederum in entscheidungsvolle Kriegzeit fallende Geburtstag gibt mir als Senior des deutschen Episkopats erneut Anlaß, Ihnen herzlichen Glück-und Segenswunsch darzubringen im gemeinsamen Bewußtsein der Volksverbundenheit.

Ihre Sorgen sind unsere Sorgen und sind Sorgen des ganzen katholischen Deutschland. Die Tiefe un-serer Sorgen kann nur der ermessen, der das Unheil ahnt, das dem Vaterlande vom Bolschewismus droht, und der die Tiefe des Gegensatzes kennt, der zwischen Bolschewismus und katholischer Religion besteht. Daher die unvergleichlich ernsten Ausblicke der deutschen Bischöfe, denen die Hut des christlichen Glaubens und der religiösen Bildung der deutschen Katholiken anvertraut ist.

.... er reklamiert in Sorge um seine „Schäfchen“ die steigende Zahl vonKirchenaustritten,denen zu begegnen sei und schließt...
Gott schütze Volk und
Vaterland, Führer und Staat!
In ehrfurchtsvoller Ergebenheit
A.Card. Bertram
(1-4-1943)

Abschließend die Bischöfe Österreichs anl. der „Heimkehr der Ostmark“

Feierliche Erklärung
Aus innerster Überzeugung und mit freiem Wilen erklären wir unterzeichneten Bischöfe der österreichischen Kirchenprovinz anlässlich der grossen geschichtlichen Ereignisse in Deutsch-Österreich:
Wir erkennen freudig an, dass die nationalsozialistische Bewegung auf dem Gebiet des völkischen und wirtschaftlichen Aufbaues sowie der Sozial-Politik für das Deutsche Reich und Volk und namentlich für die ärmsten Schichten des Volkes hervorragendes geleistet hat und leistet.

Wir sind auch der Überzeugung, dass durch das Wirken der nationalsozialistischen Bewegungdie Gefahr des alles zerstörenden gottlosen Bolschewismus abgewehrt wurde.

Die Bischöfe begleiten dieses Wirken für die Zukunft mit ihren besten Segenswünschen und werden auch die Gläubigen in diesem Sinn ermahnen.

Am Tage der Volksabstimmung ist es für uns Bischöfe selbstverständliche nationale Pflicht uns als Deutsche zum Deutschen Reich zu bekennen, und wir erwarten auch von allen gläubigen Christen, dass sie wissen, was sie Ihrem Volk schuldig sind.

Wien, am 18. März 1938

Es folgen 6 Unterschriften der österreichischen Bischöfe

Auf dem Briefpapier des Erzbischofes von Wien mit dessen Wappen ging mit gleichem Datum an den Gauleiter folgendes Schreiben:

Sehr geehrter Herr Gauleiter,
beigeschlossene Erklärung der Bischöfe übersende ich Ihnen hiermit.
Sie ersehen daraus, dass wir Bischöfe freiwillig und ohne Zwang unsere nationale Pflicht erfült haben.

Ich weiss, dass dieser Erklärung eine gute Zusammenarbeit folgen wird.

Mit dem Ausdruck ausgezeichneter Hochachtung!
handschriftlich eingesetzt: "Heil Hitler"

Unterschrift Kardinal Theodor Innitzer

Hierzu der Link an das Österreichische Nationalmuseum http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno? ... =17&zoom=1

DAS Robert Ketelhohn ist die Realität und nicht das Geschwurbel, das Du hier von Dir gibst.

Wenn Menschen Deiner Geisteshaltung, die alte und neue Geschichte derartig leugnen, verdrehen und Recht beugen, dann verliert die Kirche den letzten Rest an Glaubwürdigkeit, die sie leider in weiten Teilen wegen solcher Unwahrhaftigkeiten bereits verloren hat.

Für mich endet hier die weitere Teilnahme an diesem Thread!

Tiphret
Was Du auch tust, handele klug und bedenke das Ende
quidquid agis, prudenter agas et respice finem

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Re: Antijudaismus der christlichen Kirche?

Beitrag von Robert Ketelhohn » Freitag 26. Oktober 2012, 14:37

Tipheret hat geschrieben:Die kirchliche Haltung ist seit frühesten Zeiten bekannt:
"Solche Tiere, die zur Arbeit untauglich geworden sind, eignen sich zur Verwendung als Schlachttiere. Das ist den Juden widerfahren. Sie machten sich selbst zur Arbeit untüchtig und sind so geeignet zur Schlachtung geworden."
(Der Kirchenvater und Kirchenlehrer Johannes Chrysostomos (344-407;) Schutzpatron der kirchlichen Prediger in: Adversus Judaeos, I,2 PG 48, 846)
Vielen Dank für die diesmal hinreichende Quellenangabe! :D Ist im Internet ja auch verbreitet genug. – Unser heiliger Vater Johannes Chrysostomos deutet in dieser Predigt Worte der Propheten (hier: Oseë und Jeremias) über Israel anhand der Evangelien und der geschichtlichen Ereignisse hernach; an dieser Stelle wird konkret das Schicksal der Juden in der Zerstörung Jerusalems und des zweiten Tempels im Jahr 70 und implizit wahrscheinlich auch im Bar-Kochba-Aufstand gedeutet. Ganz entsprechend deuten noch heute sogenannt „orthodoxe“ Juden diese Schicksale Israels, nur daß als die Untreue der Juden dort selbstverständlich nicht die Ablehnung Jesu Christi gesehen wird, sondern generell die Untreue gegenüber dem Gesetz (wobei Johannes an dieser Stelle auch nicht mehr sagt und Jesus und dessen Ablehnung durch die Juden gar nicht erwähnt).
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Re: Antijudaismus der christlichen Kirche?

Beitrag von Robert Ketelhohn » Freitag 26. Oktober 2012, 14:44

Tipheret hat geschrieben:Daß die von katholischer Seite an die Nazis geschickten „Botschaften“, keineswegs rein „diplomatischer Natur“ sieht man hier:

Nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten wurde Bischof Graber 1933 geistlicher „Gauführer“ im katholischen Jugend-Bund Neudeutschland. Im selben Jahr schrieb er eine Abhandlung Deutsche Sendung.
In dieser Abhandlung finden sich eindeutig antisemitische, völkische Stellen, in denen der „Kampf gegen das Judentum“ als „instinktive Abneigung des ganzen deutschen Volkes“ bezeichnet wird. Für Bischof Graber war Adolf Hitler „Retter, Vater und irdischer Heiland“. Für Graber war das „Dritte Reich Rettung des Abendlandes vor dem Chaos des Bolschewismus, asiatischer Barbarei“.
Neudeutschland-Älterenbund (Hg.), Werkblätter, 6. Jg., Heft 9/10, 1933/1934, S. 241.

5.5.1933 - Der römisch-katholische Kardinal Michael Faulhaber bedankt sich in einem Brief an die bayerische Staatsregierung, "dass sich im öffentlichen Leben unter der neuen Regierung manches gebessert hat: Die Gottlosenbewegung ist eingedämmt, die Freidenker können nicht mehr offen gegen Christentum und Kirche toben, die Bibelforscher können nicht mehr ihre amerikanisch kommunistische Tätigkeit entfalten"
(Akten Deutscher Bischöfe über die Lage der Kirche 1933-1945, Teil I, Mainz 1968, S. 259,
Keineswegs ist »für Bischof Graber .. Adolf Hitler „Retter, Vater und irdischer Heiland“«. Abgesehen davon, daß Graber damals nicht Bischof war, sondern junger Priester, beschreibt er lediglich, den quasi messianischen Charakter der nationalsozialistischen Bewegung herausstellend, daß Hitler darin »als Retter, Vater und irdischer Heiland erscheint«. Vor drei Jahren habe ich dazu bereits einmal ausführlich Stellung genommen:
Robert Ketelhohn hat geschrieben:
Granuaile hat geschrieben:Ich denke in erster Linie an den Bischof von Regensburg, Rudolf Graber … schrieb er eine Abhandlung "Deutsche Sendung. Zur Idee und Geschichte des Sacrum Imperium", in der Adolf Hitler als „Retter, Vater und irdischer Heiland“ bezeichnet wurde.
Graber hat im Jahre ’33 als junger, knapp dreißigjähriger Priester in jener Schrift folgendermaßen formuliert:
Daß auch die Reichsidee Gegenstand des Glaubens, eine Wirklichkeit des Glaubens, das Reich ein Reich der Verheißung sei! Der Nur-Politiker wird mitleidig lächeln, aber es scheint, als ob die Zeit des nur-politischen Fachmanns irgendwie vorbei sei. Deutschland besinnt sich wieder darauf, daß sein geschichtliches Thema ein religiöses ist; darum mußen auch das Reich des Jahres 1871 wie die Konstruktion von Weimar fallen, weil sie im tiefsten areligiöse, ungläubige Gebilde waren, Glauben wiederum in einem ganz weiten Sinne gefaßt. Dieser Gedanke der Politik aus dem Glauben hat dem Nationalsozialismus einen unverkennbaren messianischen Schwung gegeben, der immer wieder alle lächelnden Skeptiker Lügen strafte; einen messianischen Schwung, in dem der Führer als Retter, Vater und irdischer Heiland erscheint, so wie einst Augustus, als er die Antike aus den Wirren des Bürgerkriegs zur Pax Romana als der Pax Augusta führte.
Offensichtlich stand er damals also der Reichsmystik der „konservativen Revolution“ nahe, wie das Zitat mit seiner Mischung aus Distanz und Faszination zeigt. Diese Leute – zu denen damals beispielshalber auch Graf Stauffenberg gehörte, der spätere Hitler-Attentäter, ebenso der schon im Folgejahr von den Nazis ermordete Edgar Jung – waren gewiß keine Nazis, aber der Weimarer Staat war auch ihnen zuwider, und der nazistische Impetus erschien manchem von ihnen als willkommenes (und später zu überwindendes) Vehikel, selbst das Steuer des Staates in die Hand zu bekommen.

Das ist bekanntlich vollständig gescheitert. Von Ausnahmen abgesehen wurden diese „konservativen“ Romantiker von ihren Vorstellungen, mit den Nazis vorübergehend kooperieren zu können, schnell geheilt, und nicht wenige bezahlten ihre Einsicht mit dem Leben.

Rudolf Grabers weiterer Weg zeigt, daß auch er gewiß keine andere, womöglich nazistische Richtung eingeschlagen hat, wie oben behauptet wurde. Das ist und bleibt eine abwegige Verleumdung. Graber vertrat niemals nazistische Positionen, und von den „konservativ“-romantisierenden Träumereien des Jahres ’33 war er spätestens nach den ’34er Morden geheilt.
Granuaile hat geschrieben:Und, in zweiter Linie, natürlich sind die Fotografien mit Michael Kardinal von Faulhaber, der seinen Arm zum Hitlergruß streckte, nicht vergessen. Auch er war ein Förderer des jungen Ratzingers.
Kardinal Faulhaber war kein Schwärmer wie die „konservativen Revolutionäre“, sondern ein nüchterner Mann und wirklicher Konservativer. Als solcher wußte er auch von Anfang an, was er von den Nazis zu halten hatte. Er hatte sie schon bald nach dem Weltkrieg in München kennengelernt.

Diesen Faulhaber in irgendeine Nähe zum Nationalsozialismus zu rücken ist grotesk. Man lese die Enzyklika »Mit brennender Sorge«, dann erfährt man Faulhabers Position gegenüber dem Nationalsozialismus. Denn er war der Verfasser des Entwurfs für Pius XI. (den lediglich Staatssekretär Pacelli, der spätere Pius XII., noch etwas verschärft hat).
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Re: Antijudaismus der christlichen Kirche?

Beitrag von Maurus » Freitag 26. Oktober 2012, 14:47

Tipheret hat geschrieben: DAS Robert Ketelhohn ist die Realität und nicht das Geschwurbel, das Du hier von Dir gibst.
Das ist eine Seite der Medaille, die andere haste unterschlagen:

- Priesterblock im KZ Dachau
- Ermordung der polnischen Geistlichkeit
- Himmlers Planung zur Ermordung des Papstes
- Überhaupt die Planungen der Nazis, nach dem Krieg gegen die Katholiken vorzugehen (man fragt sich wieso, wenn die doch so linientreu waren?)
- v. Galen, v. Preysing, Ph. J. Mayer, Rupert Mayer, Franz Reinisch, die Lübecker Märtyrer, Maximilian Kolbe um nur einige Namen zu nennen.

Wer nur eine Seite darstellt, der ist eben ein Geschichtsfälscher. Du hast dich als solcher überführt.

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Re: Antijudaismus der christlichen Kirche?

Beitrag von Robert Ketelhohn » Freitag 26. Oktober 2012, 14:58

Tipheret hat geschrieben:Am 14. März 1938 schrieb der Kirchliche Anzeiger über Österreichs „Heimkehr ins Reich“:
Wir stehen unter dem überwältigenden Eindruck einer der größten Stunden unserer deutschen Geschichte. Der österreichische Bruderstamm hat heimgefunden zum Reich. Sichtbar hat der allmächtige Gott das Werk des Führers gesegnet.“
Das gehört in die Geschichte der Protestanten im Nationalsozialismus: eine Verlautbarung der Thüringer Landeskirche, Originalton Landesbischof Martin Sasse.
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Re: Antijudaismus der christlichen Kirche?

Beitrag von Robert Ketelhohn » Freitag 26. Oktober 2012, 15:01

Tipheret hat geschrieben:Vor der Reichstagswahl von 1936 verkündete der Kirchliche Anzeiger am 11. März:
„Die schlichte Pflicht der Dankbarkeit gegen Gott und die persönliche Verantwortung für Deutschland, dem in Nacht und Not durch Gottes Gnade ein wirklicher Führer zu neuem Aufstieg, zu Freiheit und Ehre geschenkt wurde, gebietet jedem wahlberechtigten deutschen Mann und jeder deutschen Frau, ihre Schuldigkeit zu tun. Vor der ganzen Welt gilt es, freudiges Zeugnis abzulegen, daß Adolf Hitler Deutschland ist und Deutschland Adolf Hitler.“
Dito, ev. Landeskirche von Thüringen, Autor weiß ich nicht.
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Re: Antijudaismus der christlichen Kirche?

Beitrag von Robert Ketelhohn » Freitag 26. Oktober 2012, 15:09

Tipheret hat geschrieben:Am 4. Juli 1936 berichtete die Kölnische Volkszeitung von Bischof Hermann Wilhelm Bernings Besuch in den Emslander Konzentrationslagern:
„Der Besuch erfolgte auf Einladung des Kommandeurs, Standartenführer Schäfer, der den Gast mit seiner Begleitung mit herzlichen Worten willkommen hieß. In einer Ansprache an die Wachmänner, die er zu einem Glase Bier eingeladen hatte, drückte Bischof Berning seine große Befriedigung über die im Emsland durch das Dritte Reich geleistete Kulturarbeit aus. Zum Schluß seiner Ansprache brachte er ein dreifaches Sieg-Heil auf Führer und Vaterland aus.“
Interessegeleitete Berichterstattung eines gleichgeschalteten Nazi-Blatts. Dazu aus Wikipedia:
Wikipedia hat geschrieben:Siehe Recker, zusammenfassend z.B. [1]: "Aus quellenkritischen Gründen und aus Gründen der Entwicklung Bernings seit 1934 liegt der Schluß nahe, daß es sich bei dem Bericht über Bernings Besuch im Emslandlager Aschendorfermoor am 25. Juni 1936, wie ihn die Papenburger "Ems-Zeitung" überliefert, um eine gezielte Fälschung im Interesse des Regimes und seiner Helfershelfer handelt. Berning besuchte das Lager aus pastoralen Gründen, während der Kommandant Schäfer den Besuch nutzte, das gespannte Verhältnis zur einheimischen Bevölkerung zu verbessern und die Wachmannschaften, die sich in einem desolaten Zustand befanden, zu ermuntern. Das Propagandaministerium in Berlin verband mit dem Besuch eine Werbung für die Olympischen Spiele im August 1936."
Richtig ist, das Berning 1933 zunächst noch Hoffnungen mit dem Machtwechsel verbunden hatte, wie manch anderer auch, etwa Bischof Graf Galen in Münster. Mit Beginn des Jahres 1934 sah Berning klarer und wandte sich von da an entschieden gegen den nationalsosialistischen Ungeist.
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Re: Antijudaismus der christlichen Kirche?

Beitrag von Pilgerer » Freitag 26. Oktober 2012, 15:54

Haiduk hat geschrieben:
Pilgerer hat geschrieben:
Haiduk hat geschrieben:Tipheret tut so, als könne man nicht zwischen Antisemitismus und Antijudaismus zu unterscheiden.
Das eine ist völkisch, das andere religiös - ist ganz einfach. Leider konnte aber der Antisemitismus sich am Antijudaismus orientieren. Historisch betrachtet sind sie miteinander verwandt.
Verwandt? Du weißt nicht, was Du sagst: "Der kirchliche Jahwe ist nun heute tot wie Wotan vor 15 Jahren." (Alfred Rosenberg in Der Mythus des 2. Jahrhunderts)
Im völkischen Antisemitismus sind tatsächlich bestimmte Judenbilder, die zuvor im Christentum vorhanden waren, aufgegriffen und weiter entwickelt worden. Wenn es das Feindbild "der Juden" nicht gegeben hätte, wären die völkischen Nationalisten nicht auf die Idee gekommen, ausgerechnet diese Bevölkerungsgruppe in unserer Mitte zum Feind zu erheben. Die Juden lebten am Ende des 19. Jahrhunderts zumeist sehr angepasst, nahmen deutsche Namen und Sitten an, waren kaum noch als Juden zu erkennen. Trotzdem bestanden die alten Vorurteile fort. Auf Hagalil heißt es zum Antijudaismus und Antisemitismus:
Die Judenfeindschaft besitzt mehrere historische Schichten, wobei die älteren Vorurteilsschichten in der nächsten Phase nicht "vergessen", sondern nur von neuen überlagert wurden.
http://www.antisemitismus.net/geschichte/bergmann.htm
Beim christlichen Antijudaismus in Deutschland haben die Ritualmordlegenden des Mittelalters und Luthers Worte einen deutlichen Anteil. Beide wurden im 19./2. Jahrhundert von den Antisemiten wieder aufgewärmt.
10 Die Erlösten des HERRN werden wiederkommen und nach Zion kommen mit Jauchzen; ewige Freude wird über ihrem Haupte sein; Freude und Wonne werden sie ergreifen, und Schmerz und Seufzen wird entfliehen. (Jesaja 35,10)

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Re: Antijudaismus der christlichen Kirche?

Beitrag von Juergen » Freitag 26. Oktober 2012, 16:01

Tipheret hat geschrieben:Kardinal Adolf Bertram an Adolf Hitler, 1943
Hochgebietender Herr Führer und Reichskanzler!

Der wiederum in entscheidungsvolle Kriegzeit fallende Geburtstag gibt mir als Senior des deutschen Episkopats erneut Anlaß, Ihnen herzlichen Glück-und Segenswunsch darzubringen im gemeinsamen Bewußtsein der Volksverbundenheit.

Ihre Sorgen sind unsere Sorgen und sind Sorgen des ganzen katholischen Deutschland. Die Tiefe un-serer Sorgen kann nur der ermessen, der das Unheil ahnt, das dem Vaterlande vom Bolschewismus droht, und der die Tiefe des Gegensatzes kennt, der zwischen Bolschewismus und katholischer Religion besteht. Daher die unvergleichlich ernsten Ausblicke der deutschen Bischöfe, denen die Hut des christlichen Glaubens und der religiösen Bildung der deutschen Katholiken anvertraut ist.

.... er reklamiert in Sorge um seine „Schäfchen“ die steigende Zahl vonKirchenaustritten,denen zu begegnen sei und schließt...
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Und?
Lag er mit der Einschätzung bezüglich der "Bolschewiken" so falsch?
Haben sie etwa nach dem Krieg in den Ländern wie der DDR, Polen etc. Frieden und Wohlstand gebracht?


Aber die Wahl zwischen Nazis und Boschewiken ist freilich so wie zwischen Pest oder Cholera.
Gruß
Jürgen

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Re: Antijudaismus der christlichen Kirche?

Beitrag von Haiduk » Freitag 26. Oktober 2012, 16:19

Pilgerer hat geschrieben:
Haiduk hat geschrieben:
Pilgerer hat geschrieben:
Haiduk hat geschrieben:Tipheret tut so, als könne man nicht zwischen Antisemitismus und Antijudaismus zu unterscheiden.
Das eine ist völkisch, das andere religiös - ist ganz einfach. Leider konnte aber der Antisemitismus sich am Antijudaismus orientieren. Historisch betrachtet sind sie miteinander verwandt.
Verwandt? Du weißt nicht, was Du sagst: "Der kirchliche Jahwe ist nun heute tot wie Wotan vor 15 Jahren." (Alfred Rosenberg in Der Mythus des 2. Jahrhunderts)
Im völkischen Antisemitismus sind tatsächlich bestimmte Judenbilder, die zuvor im Christentum vorhanden waren, aufgegriffen und weiter entwickelt worden. Wenn es das Feindbild "der Juden" nicht gegeben hätte, wären die völkischen Nationalisten nicht auf die Idee gekommen, ausgerechnet diese Bevölkerungsgruppe in unserer Mitte zum Feind zu erheben. Die Juden lebten am Ende des 19. Jahrhunderts zumeist sehr angepasst, nahmen deutsche Namen und Sitten an, waren kaum noch als Juden zu erkennen. Trotzdem bestanden die alten Vorurteile fort. Auf Hagalil heißt es zum Antijudaismus und Antisemitismus:
Die Judenfeindschaft besitzt mehrere historische Schichten, wobei die älteren Vorurteilsschichten in der nächsten Phase nicht "vergessen", sondern nur von neuen überlagert wurden.
http://www.antisemitismus.net/geschichte/bergmann.htm
Beim christlichen Antijudaismus in Deutschland haben die Ritualmordlegenden des Mittelalters und Luthers Worte einen deutlichen Anteil. Beide wurden im 19./2. Jahrhundert von den Antisemiten wieder aufgewärmt.
In dem selben Artikel kann man auch lesen, daß es sich bei "den Christen" um eine "abgespaltene jüdische Sekte" handele. Das ist Nazi-Jargon in Reinkultur. Auf der selben Plattform findest Du auch Deutschland als das "Land der Täter" eingeordnet. Wenn Du das alles ernst nehmen magst, kannst Du das tun. Ich werde mir diese antideutsche und antichristliche Hasspropaganda nicht antun.
Eure Rede aber sei: Ja, ja; nein, nein. Was darüber ist, das ist vom Übel. (Mt. 5, 37)
Denn die Waffen unsres Kampfes sind nicht fleischlich, sondern mächtig im Dienste Gottes, Festungen zu zerstören. (2. Kor. 10,4)

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Re: Antijudaismus der christlichen Kirche?

Beitrag von Pilgerer » Dienstag 20. November 2012, 11:34

Heute betrifft der Antijudaismus am ehesten noch die "alten" Konfessionen, die im Orient mit arabischen Gemeinden stark verwurzelt sind (orthodoxe, katholische, lutherische). Dagegen sind die freikirchlichen Christen zumeist deutlich juden- und israelfreundlich eingestellt.
Jedoch freuen sich die Juden nicht wirklich über diese Unterstützung und werfen selbst diesen israelfreundlichen Christen einen unterschwelligen Antijudaismus vor. Tatsächlich unterstützen die evangelikalen Konfessionen im USA-Stil die Judenmission, wie sie etwa in der Gestalt der "messianischen Juden" Ausdruck findet. Die "messianischen Juden" kombinieren häufig Elemente der Baptisten-Gemeinden mit jüdischen Riten. Heftig ist der Vorwurf von jüdischer Seite, dass Judenmission (auch von seiten der Israel-Freunde) eine Fortsetzung des Holokausts mit anderen Mitteln sei. Sie sehen damit die friedliche Judenmission als größeres Verbrechen als die israelische Siedlungspolitik.
10 Die Erlösten des HERRN werden wiederkommen und nach Zion kommen mit Jauchzen; ewige Freude wird über ihrem Haupte sein; Freude und Wonne werden sie ergreifen, und Schmerz und Seufzen wird entfliehen. (Jesaja 35,10)

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Re: Rund um Israel, Judentum usw.

Beitrag von Maurus » Dienstag 27. November 2012, 20:28

iustus hat geschrieben:Und die umstrittene Passage ist diese?
Im Paschaopfer macht Jesus sich selbst zum Lamm, dessen Blut die Israeliten rettet. Im eucharistischen Opfer tritt Jesus, der König der Juden, mit seinem Gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz (Phil 2) stellvertretend ein für den ausgebliebenen Gehorsam Israels. Er erlöst damit zuerst sein Volk und dann mit seinem Volk alle aus den Völkern, die sich nach der Weissagung des Jesaja diesem Volk anschließen wol-len, um den wahren Gott zu finden. Das ist das dritte Wunder des Altars: dass Jesus selbst stellvertretend für sein Volk und uns alle gehorsam bleibt und in den Tod geht, um uns allen zu einem Lebens-Mittel zu werden.
In kaum einer Pressemeldungen liest man den Text, um den es geht. Das ist für viele Journalisten offenbar schon zu viel verlangt.
Wenn man es mal genau beobachtet, dann stellt man fest, dass in den Medien fast gar keine O-Töne mehr auftauchen, höchstens noch Schnipsel. Auch die nun anderswo inkriminierten Aussagen von Jolie werden ja nirgendwo zitiert. Der Leser kann sich so kein eigenes Bild mehr machen, damit verraten die Medien im Prinzip ihren verfassungsmäßigen Auftrag.

iustus hat geschrieben:http://www.domradio.de/aktuell/85145/be ... ndnis.html
Professor Böhler hat sofort auch mit uns Kontakt aufgenommen und gesagt, dass er eigentlich zwei Texte geschrieben hat, die zusammengehören. Und wenn man diesen ersten Text, den wir noch nicht versandt haben, dazu nimmt, wird eigentlich klar, dass Professor Böhler auch ganz klar steht zu der bleibenden Erwählung Israels als Gottes Volk und somit eben auch zum Fortbestehen des Alten Bundes.
Zu Recht?
Der Substitutionstheologie erteilt Böhler jedenfalls eine deutliche Absage. Mit einem schönen Bild:
P. Böhler SJ hat geschrieben:Gott ist, um Spaemanns Bild noch einmal aufzunehmen, kein Bigamist, aber auch kein wiederverheirateter Geschiedener, der die Ersterwählte verstößt und den Bund mit einer anderen schließt.

(Quelle: http://www.sankt-georgen.de/leseraum/boehler2.pdf (S. 3)

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Re: Rund um Israel, Judentum usw.

Beitrag von Robert Ketelhohn » Dienstag 27. November 2012, 22:35

iustus hat geschrieben:http://www.domradio.de/aktuell/85145/be ... ndnis.html
Professor Böhler hat sofort auch mit uns Kontakt aufgenommen und gesagt, dass er eigentlich zwei Texte geschrieben hat, die zusammengehören. Und wenn man diesen ersten Text, den wir noch nicht versandt haben, dazu nimmt, wird eigentlich klar, dass Professor Böhler auch ganz klar steht zu der bleibenden Erwählung Israels als Gottes Volk und somit eben auch zum Fortbestehen des Alten Bundes.
Zu Recht?
Nein, auf keine Weise. Der Alte Bund besteht nicht fort, er ist erfüllt in Jesu Christo, dem Messias der Juden und der Gojim, quo antiquum documentum novo cessit ritui.

Juden und Heiden werden nur durch ihn gerettet. Der Alte Bund rettete nie, außer mittelbar, indem er auf Jesum Christum und den Neuen Bund vorauswies und von ihm zeugte wie der Schatten vom Licht. Da das Licht aber erschien, ward der Schatten wertlos. Allein und für sich taugte und taugt der Alte Bund zu nichts anderm, denn die Sünde zum Vorschein zu bringen.
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Re: Rund um Israel, Judentum usw.

Beitrag von Robert Ketelhohn » Dienstag 27. November 2012, 22:41

Maurus hat geschrieben:Der Substitutionstheologie erteilt Böhler jedenfalls eine deutliche Absage. Mit einem schönen Bild:
P. Böhler SJ hat geschrieben:Gott ist, um Spaemanns Bild noch einmal aufzunehmen, kein Bigamist, aber auch kein wiederverheirateter Geschiedener, der die Ersterwählte verstößt und den Bund mit einer anderen schließt.
(Quelle: http://www.sankt-georgen.de/leseraum/boehler2.pdf (S. 3)
Ich halte dies Bild für einen Popanz. Natürlich ist das so Unsinn. Es gibt nur eine Braut: Israel, das ist die Kirche. Israel nach dem Geist, nicht nach dem Fleisch. Von Abraham, Isaac und Jacob bis zu den Märtyrern der Gegenwart.

Der Alte Bund ist obsolet. Vergleiche dazu auch meinen vorigen Beitrag.
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Re: Rund um Israel, Judentum usw.

Beitrag von Torsten » Dienstag 27. November 2012, 22:42

@Robert K.

Du bringst es noch so weit, dass der Verfassungsschutz dir das Forum dicht macht.

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Re: Rund um Israel, Judentum usw.

Beitrag von Robert Ketelhohn » Dienstag 27. November 2012, 22:43

Wie oft haben sie Athanasius vertrieben?
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Re: Rund um Israel, Judentum usw.

Beitrag von taddeo » Dienstag 27. November 2012, 22:44

Torsten hat geschrieben:@Robert K.

Du bringst es noch so weit, dass der Verfassungsschutz dir das Forum dicht macht.
Der Graumann oder die Männer mit den grauen Trenchcoats? :detektiv:
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Re: Rund um Israel, Judentum usw.

Beitrag von Robert Ketelhohn » Dienstag 27. November 2012, 22:45

Wer weiß das zu unterscheiden? :achselzuck:
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Re: Rund um Israel, Judentum usw.

Beitrag von Maurus » Dienstag 27. November 2012, 23:12

Robert Ketelhohn hat geschrieben:
Maurus hat geschrieben:Der Substitutionstheologie erteilt Böhler jedenfalls eine deutliche Absage. Mit einem schönen Bild:
P. Böhler SJ hat geschrieben:Gott ist, um Spaemanns Bild noch einmal aufzunehmen, kein Bigamist, aber auch kein wiederverheirateter Geschiedener, der die Ersterwählte verstößt und den Bund mit einer anderen schließt.
(Quelle: http://www.sankt-georgen.de/leseraum/boehler2.pdf (S. 3)
Ich halte dies Bild für einen Popanz. Natürlich ist das so Unsinn. Es gibt nur eine Braut: Israel, das ist die Kirche. Israel nach dem Geist, nicht nach dem Fleisch. Von Abraham, Isaac und Jacob bis zu den Märtyrern der Gegenwart.

Der Alte Bund ist obsolet. Vergleiche dazu auch meinen vorigen Beitrag.
Nach Böhler hätte das weitreichende Konsequenzen. Ein "rex iudaeorum sine iudeis ist kein rex". In deinem vorigen Beitrag finde ich auch nichts, was Böhler irgendwo widerlegt. Böhler weist ja gerade das ZdK-Papier vom christusfreien Heilsweg zurück. Sowohl die Substitutionstheologie als auch der ZdK-Ansatz führen zur einer Trennung Jesu von seinem Ursprung her - und sind damit abzulehnen. Da es kein Dogma gibt...ist die Frage wohl nicht so einfach zu entscheiden. Habe die Ehre.

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ChrisCross
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Re: Rund um Israel, Judentum usw.

Beitrag von ChrisCross » Dienstag 27. November 2012, 23:19

Dass es zu dem, was Robert hier als zweifelsohne überlieferten katholischen Glauben darstellt und der es natürlich auch tatsächlich ist, kein Dogma gibt, heißt doch noch lange nicht, dass jeder behaupten kann, was er will. Der Glaube der Kirche ist auch dann nicht beliebig, wenn er noch nicht als Dogma formal definiert wurde. Ansonsten müssten wir ja wirklich ständig nach Konzilen und dogamtischen Definitionen der Päpste lechzen. Gott sei Dank haben wir aber die Tradition, die selbstverständlich verbindlich ist und nichts anderes lehrt, als dass der alte Bund durch den neuen ersetzt wurde. Und König ist Christus schon garnicht von der Juden Gnaden, sondern aus seiner göttlichen Natur und wie er der Herr aller Menschen ist, so ist er auch all deren König, ob sie es wollen oder nicht, egal ob Juden oder Heiden.
Tu excitas, ut laudare te delectet, quia fecisti nos ad te et inquietum est cor nostrum, donec requiescat in te.
Augustinus Conf. I. 1

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