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Re: Bibelübersetzungen/-ausgaben

Verfasst: Dienstag 1. September 2020, 16:26
von Lycobates
Protasius hat geschrieben:
Samstag 29. August 2020, 09:58
Lycobates hat geschrieben:
Mittwoch 26. August 2020, 12:24
Protasius hat geschrieben:
Mittwoch 26. August 2020, 11:04


Paulus sah das anscheinend anders, schrieb er doch an die Römer (Röm 15,4):


Mir fehlt gerade die Zeit um tiefer darauf einzugehen, aber bspw. die Beschreibung bspw. des Tempelgottesdienstes ist nach meinem Dafürhalten für das Verständnis einiger Stellen des Neuen Testamentes sehr nützlich (man denke nur an den Hebräerbrief).
Das lasse ich gelten.
Allerdings muß man sich im klaren sein, was unter „Belehrung“ genau gemeint ist.
Kein Katholik ist sein eigener Lehrer, und die wenigsten können und sollen sich in dieser Beziehung eigenständig betätigen.
In den meisten Fällen genügte eine Fußnote zur einschlägigen Stelle des NT in einem autorisierten katholischen Kommentar.
Hier ein Nachtrag mit etwas ausführlicheren Beispielen zum asketischen Nutzen der geschichtlichen Bücher des alten Testamentes aus einer Handausgabe seiner Bibelübersetzung, die Dr. Joseph Franz Allioli 1850 für die betrachtende Schriftlesung herausgab; aus diesem Grund enthält sie nur die nötigsten Kommentare, während etwa die vielen Anmerkungen über Varianten zwischen lateinischen, griechischen, hebräischen und chaldäischen Manuskripten oder archäologische und historische Erläuterungen seines großen Bibelwerkes überwiegend wegfielen. In der Einleitung gibt er dem Zweck des Werkes entsprechend bspw. folgende Anmerkungen zu den Büchern Levitikus und Numeri:
Im dritten Buche [Mosis] werden die nähern religiösen Vorschriften in Bezug auf Gottesdienst und priesterliches Amt gegeben. Auch diese orschriften haben in allen ihren Einzelnheiten einen sinnbildlichen Werth für uns Christen. In den verschiedenen Opfern der Israeliten ist uns das blutige und unblutige Opfer Christi veranschaulicht; denn auch dieses ist ein Schlacht-, Friedens-, Bitt-, Dank- und Sündopfer, das uns erst dann zur Rechtfertigung und Heiligung, ähnlich den Israeliten, verhilft, wenn wir damit das beschnittene Herz und den lebendigen Glauben verbinden. In den Ceremonien der Bestellung und Einweihung der Priester, und in den Reinigungsgesetzen wird uns die Heiligkeit des christlichen Priesterthums, und der allgemeine christliche Beruf an's Herz gelegt, vor allem die innerliche Reinigung zu suchen und zu bewahren. In den israelitischen Festen erblicken wir vorgebildet die heiligen Zeiten der Christen, und können uns auch aus den übrigen Sinnbildern überzeugen, wie Christus und seine Kirche das Sinnliche des Alten Bundes in das höhere Gebiet des Geistes hinaufgerückt haben. Allerdings ist von dem Christen nicht zu verlangen, daß er die geistige Beziehung dieser Sinnbilder auf seinen Glauben in ihrem ganzen Umfange erkenne, auch der unterrichtetste Christ wird darüber noch in einigem Dunkel bleiben; aber bei aufmerksamer Vergleichung kann er es in demüthiger Forschung zu immer größerer Klarheit bringen, und der Geist wird ihn von Wahrheit in Wahrheit leiten.

Im vierten Buche wird die Geschichte des vierzigjährigen Zuges durch die Wüste fortgeführt, und eine Ergänzung der politischen und religiösen Gesetze gegeben. Die Israeliten erscheinen da in geschlossenen Lagern und den Panieren ihrer zwölf Stammfürsten, geschaart und gerüstet zum Einzuge ins Land Chanaan. In diesem Zuge sehen wir so recht anschaulich die menschliche Herzenshärtigkeit und die göttliche Langmuth. Gott zieht vor den Israeliten her in der Wolken- und Feuersäule, speist sie mit dem himmlischen Manna, tränkt sie mit Wasser aus dem Felsen; aber sie murren und sind widerspenstig, selbst die Frommen unter ihnen straucheln. Gott schildert ihnen das herrliche Land, das ihr Erbe werden soll; aber sie wollen sich nicht bemühen, es zu erkämpfen; sie erlahmen im Streite und fordern in ihrem Uebermuthe Gottes Strafgerichte heraus. So kommen sie nach einigen Siegen unter Moses über die feindlichen Völker nur bis an die Grenze des verheißenen Landes. All dies ist ein sprechendes Bild unserer Reise durch das irdische Leben, das ein Streit ist, den wir wohl unter Entsagungen, aber in dankbarer Anerkennung der göttlichen Gaben und Tröstungen muthvoll kämpfen müssen, wenn wir das himmlische Land unsere eigentlichen Heimath erreichen wollen.
Diese Ausgabe enthält derartige kurze Erläuterungen für jedes Buch der Bibel, und nach meinem Dafürhalten wird daraus durchaus ein asketischer Nutzen dieser Bücher deutlich. Ich gebe freimütig zu, daß mir dies nicht unbedingt selbst eingefallen wäre, aber zu diesem Zwecke gibt es ja seit Jahrtausenden Kommentare der heiligen Schriften.
Ich danke für die Mühe!

Re: Bibelübersetzungen/-ausgaben

Verfasst: Dienstag 1. September 2020, 16:28
von Lycobates
Irmgard hat geschrieben:
Samstag 29. August 2020, 16:26
Lycobates hat geschrieben:
Mittwoch 26. August 2020, 08:29
Ich habe mich immer gewundert, warum Christen heute etwa Numeri oder Levitikus oder weite Abschnitte der historischen Bücher lesen möchten, es sei denn aus rein dokumentarischem oder historischem Interesse, einen direkten asketischen (geistlichen) Nutzen erkenne ich da nicht.)
Richtig, aus dokumentarischem und historischem Interesse :) . Geht aber auch nicht wirklich ohne Kommentar. Und ohne Hebräisch-Hintergrund auch schwierig.

Gruß
Irmgard
Eben.
Genau das meinte ich.
Daher: nicht für jedermann.
Und niemals zwingend.

Re: Bibelübersetzungen/-ausgaben

Verfasst: Mittwoch 2. September 2020, 02:20
von Trisagion
Lycobates hat geschrieben:
Dienstag 1. September 2020, 16:28
Eben.
Genau das meinte ich.
Daher: nicht für jedermann.
Und niemals zwingend.
Nun ja... Ich darf dann mal an

Litera gesta docet,
Quid credas allegoria,
Moralis quid agas,
Quo tendas anagogia.


erinnern, also daran, daß es neben dem "wörtlichen" Sinn noch drei andere klassischen Möglichkeiten der Bibelinterpretation gibt (allegorisch, moralisch, anagogisch). Bei den Kirchenvätern wurde das Alte Testament eifrig "nicht-wörtlich" gelesen. Zu Numeri sind mir Predigten des Origen von Alexandrien bekannt, die dieses Buch spirituell "aufbohren". Keine Ahnung ob es da deutsche Übersetzungen zu gibt, die Predigten findet sich auf Englisch unter anderem in dieser Sammlung (5 Predigten dabei komplett kostenlos im Netz, weil Google Copyright nicht juckt...). Es ist durchaus möglich, daß wir ohne dieses christliche Deuten der Kirchenväter gar kein Altes Testament in die Bibel übernommen hätten, oder jedenfalls nicht die komplette Tanakh.

Verglichen mit heutigen drögen Ansätzen sind die Kirchenväter ziemliche frei und kreativ in ihren Interpretationen. Und sie gehen schlicht davon aus, daß dem Heilige Geist kein Füllmaterial in die Schrift geraten ist: es muß einen christlichen Sinn geben, also sucht man ihn. Ist zwar manchmal etwas Brechstange, aber m.E. ist das Risiko hier etwas in die Schrift hineinzulesen ein notwendiges. Ansonsten sind halt große Teile der Bibel schlicht spirituell tot, nur noch von "dokumentarischem und historischem Interesse" (Irmgard).

Re: Bibelübersetzungen/-ausgaben

Verfasst: Mittwoch 2. September 2020, 08:20
von Protasius
Trisagion hat geschrieben:
Mittwoch 2. September 2020, 02:20
Lycobates hat geschrieben:
Dienstag 1. September 2020, 16:28
Eben.
Genau das meinte ich.
Daher: nicht für jedermann.
Und niemals zwingend.
Nun ja... Ich darf dann mal an

Litera gesta docet,
Quid credas allegoria,
Moralis quid agas,
Quo tendas anagogia.


erinnern, also daran, daß es neben dem "wörtlichen" Sinn noch drei andere klassischen Möglichkeiten der Bibelinterpretation gibt (allegorisch, moralisch, anagogisch). Bei den Kirchenvätern wurde das Alte Testament eifrig "nicht-wörtlich" gelesen. Zu Numeri sind mir Predigten des Origen von Alexandrien bekannt, die dieses Buch spirituell "aufbohren". Keine Ahnung ob es da deutsche Übersetzungen zu gibt, die Predigten findet sich auf Englisch unter anderem in dieser Sammlung (5 Predigten dabei komplett kostenlos im Netz, weil Google Copyright nicht juckt...). Es ist durchaus möglich, daß wir ohne dieses christliche Deuten der Kirchenväter gar kein Altes Testament in die Bibel übernommen hätten, oder jedenfalls nicht die komplette Tanakh.

Verglichen mit heutigen drögen Ansätzen sind die Kirchenväter ziemliche frei und kreativ in ihren Interpretationen. Und sie gehen schlicht davon aus, daß dem Heilige Geist kein Füllmaterial in die Schrift geraten ist: es muß einen christlichen Sinn geben, also sucht man ihn. Ist zwar manchmal etwas Brechstange, aber m.E. ist das Risiko hier etwas in die Schrift hineinzulesen ein notwendiges. Ansonsten sind halt große Teile der Bibel schlicht spirituell tot, nur noch von "dokumentarischem und historischem Interesse" (Irmgard).
:daumen-rauf: In diese Richtung gehen ja auch die oben zitierten Einleitungen von Allioli, wenngleich nicht so stark, wie das manche Kirchenväter tun; mir fällt dazu immer ein aus heutiger Sicht etwas anachronistisch erscheinendes Beispiel aus einer Predigt Gregors des Großen ein, der zum Evangelium vom reichen Prasser und armen Lazarus sagt, daß unter den Hunden, die die Wunden des Lazarus lecken, die Prediger zu verstehen seien – wir Heutigen haben dabei natürlich schnell die Dominikaner im Kopf, die aber erst 600 Jahre später gegründet wurden.

Re: Bibelübersetzungen/-ausgaben

Verfasst: Sonntag 13. September 2020, 16:30
von Vinzenz Ferrer
Auf der Spur der Heiligen Schrift

Der Ursprung der Bibel liegt teils noch im Dunkeln. Forscher haben deshalb uralte Tonschriften aus Israel analysiert. Könnten erste Bibeltexte schon früher als gedacht entstanden sein?
https://www.spiegel.de/wissenschaft/men ... 8dcc7e439e

Re: Bibelübersetzungen/-ausgaben

Verfasst: Mittwoch 23. September 2020, 14:17
von Vinzenz Ferrer
Benutzt jemand „Halley's Bible Handbook“ für seine Bibelarbeit?