Katholische Auffassung(en) über Sprachentwicklung

Schriftexegese. Theologische & philosophische Disputationen. Die etwas spezielleren Fragen.
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Berolinensis
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Re: Katholische Auffassung(en) über Sprachentwicklung

Beitrag von Berolinensis »

Robert Ketelhohn hat geschrieben:Was getan? :hae?:
Das als Vorteil des Lateinischen gesehen. (Was war da jetzt unklar?)

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Robert Ketelhohn
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Re: Katholische Auffassung(en) über Sprachentwicklung

Beitrag von Robert Ketelhohn »

Der Bezug. War mir zumindest schleierhaft. – Was du meinst, ist jetzt klar, aber woran konkret machst du deine Aussage fest?
Propter Sion non tacebo, | ſed ruinas Romę flebo, | quouſque juſtitia
rurſus nobis oriatur | et ut lampas accendatur | juſtus in eccleſia.

Vulpius Herbipolensis
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Re: Katholische Auffassung(en) über Sprachentwicklung

Beitrag von Vulpius Herbipolensis »

Berolinensis hat geschrieben:
ad-fontes hat geschrieben:Mal kurz dazwischen gefunkt:

Ist es vom katholischen Standpunkt her sinnvoll, mit der Sprachentwicklung Schritt zu halten, sich also dem realen Sprachstand anzupassen, oder ältere Sprachformen zu bewahren (Bsp. Anglikaner und ihr BCP) bzw. sich Bedeutungsverengungen, zu denen es im Laufe der Zeit gekommen ist, zu verweigern (Bsp.: Weib statt Frau, Sodomie statt Homosexualität)?
Genau das ist ja einer der Vorteile des Lateinischen, da es dort keine Bedeutungsverschiebungen mehr gibt.
Das ist der ursprüngliche Zusammenhang von Berolinensis' Aussage. (Abgesehen davon, daß dieses kurze Dazwischenfunken inzwischen alles andere überlagert hat,) sind wir uns wohl alle einig (?), daß im lateinischen allen Neubildungen und Umprägungen zu trotz zu jeder Zeit alle stilistischen Konzepte, terminologischen Systeme und - je nach Kontext - auch Sondersprachen seit der Klassik zu Verfügung stehen, was durchaus einen Vorteil darstellt. Insofern war Berolinensis Aussage in diesem Zusammenhang richtig.
Guck doch einfach mal in ein Schulwörterbuch, bei welchen Wörtern der Vermerk: unklassisch, mittellateinisch, spätlateinisch, nachklassisch etc. steht.
Darum geht es doch überhaupt nicht, daß das Lateinische früher Veränderungen unterworfen war, ist doch sonnenklar, es geht um heute.
Ich denke, es ändert nichts an den prinzipiell vorhandenen Möglichkeiten, daß es heutzutage die meisten als Ideal ansehen, jedem Kontext, jedem Thema rücksichtslos Cicero überzustülpen, und kann mir eigentlich kaum vorstellen, daß du, Berolinensis, mit einer solchen Auffassung von gutem latenischen Stil wirklich einverstanden bist. :achselzuck: Das ist wohl als "sterile Schulwörterbuch-Latinität" sehr gut beschrieben und keineswegs erstrebenswert.
Robert Ketelhohn hat geschrieben:Ich liebe die lateinische Sprache. Aber nicht als strohernes Paragraphensystem,
Was hast du denn gegen Stroh? :hae?:
lifestylekatholik hat geschrieben:Das Festkleben am Götzen der Muttersprachlichkeit habe ich nie verstanden. Ob ich eine Sprache als erste oder als zweite oder gar erst als dritte Sprache lerne, ist völlig unwichtig, solange ich mir die Sprache zu eigen mache.
Wenn man in seine Muttersprache hineinwächst, übernimmt natürlich in erster Linie die Sprache seiner engeren Umgebung, was größere Veränderungen innerhalb einiger Jahrzehnte erlaubt. Und wenn man eine lebende Fremdsprache lernt, orientiert man sich am derzeit bei den entsprechenden Muttersprachlern herrschenden Gebrauch, der ebenfalls immer im Fluß ist. Was das Lateinische angeht, hat man beim Erlernen der Sprache im Mittelalter wie in der Neuzeit daneben immer auch an einigen wenigen Bezugspunkten - in der Klassik oder auch in der nachklassischen Tradition - orientiert, was die Veränderungen der Sprache erheblich verringert.

Vulpius
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Thomas_de_Austria
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Re: Katholische Auffassung(en) über Sprachentwicklung

Beitrag von Thomas_de_Austria »

Man lese doch nur spätmittelalterliche lateinische Erzählungen aus der Zeit, bevor die Humanisten das Latein verdarben und vergleiche das mit Literatur aus klassischer Zeit.
Ja, ja, die Humanisten - damit setzte wohl der Sterbensprozess endgültig ein und seit dem letzten Jahrhundert ungefähr, ist der Patient im Großen und Ganzen tot ...

(Aber für so eine Aussage bekommt man meistens sofort "Kloppe", wie es im Niederdeutschen heißt. :pfeif: ;D)

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Gamaliel
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Re: Katholische Auffassung(en) über Sprachentwicklung

Beitrag von Gamaliel »

Marion hat geschrieben:(Gamaliel hat da bestimmt was ;D )
Da muß ich leider passen. Auf Anhieb sind mir da keine speziellen lehramtlichen Äußerungen bekannt.

Natürlich kann man z.B. aus den kirchlichen Stellungnahmen zum Schöpfungsbericht, den Ureltern, der Historizität der Hl. Schrift,... auch gewisse Ableitungen zum Thema Ursprache bzw. Sprachentwicklung treffen, inwieweit es aber solche Zusammenstellungen gibt und wie sie sich zu den gesicherten Erkenntnissen der Sprachwissenschaft verhalten, weiß ich nicht.


Buchempfehlung:

Nicht direkt zum Thema (obwohl auch kurz Ursprache und Sprachverwirrung erwähnt werden), sondern grundsätzlich zum Verständnis der Hl. Schrift (Stichwort "Schriftsinne" und Mittel zur Hebung des Schriftsinns), sei das rechtgläubige Buch - was auf dem Gebiet der Exegese keineswegs selbstverständlich ist - von Johannes Schildenberger O.S.B. - "Vom Geheimnis des Gotteswortes" (1950) empfohlen. Antiquarisch ist es noch erhältlich.

Thomas_de_Austria
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Re: Katholische Auffassung(en) über Sprachentwicklung

Beitrag von Thomas_de_Austria »

Antiquarisch ist es noch erhältlich.


Gibt es dbzgl. auch Literatur, die man auch jenseits der Antiquariate bekommen kann?

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Robert Ketelhohn
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Re: Katholische Auffassung(en) über Sprachentwicklung

Beitrag von Robert Ketelhohn »

Thomas_de_Austria hat geschrieben:
Antiquarisch ist es noch erhältlich.
Gibt es dbzgl. auch Literatur, die man auch jenseits der Antiquariate bekommen kann?
Wenn du das meinst:
grundsätzlich zum Verständnis der Hl. Schrift (Stichwort "Schriftsinne" und
Mittel zur Hebung des Schriftsinns)
dann muß es durchaus keine theologische Litteratur sein. Mehr findest du bei
den Mediävisten. Beispielshalber habe ich hier im Regal:
• Hennig Brinkmann, Mittelalterliche Hermeneutik, Tübingen 198:
http://www.amazon.de/Mittelalterliche-H ... 894&sr=1-8 (irrsinniger Preis, nicht
über 5 € hinlegen).
• Friedrich Ohly, Schriften zur mittelalterlichen Bedeutungsforschung, Darm-
stadt 1977: http://www.amazon.de/Schriften-mittelal ... 199&sr=1-1 (Schnäpp-
chenpreise, zuschlagen!).
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Thomas_de_Austria
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Re: Katholische Auffassung(en) über Sprachentwicklung

Beitrag von Thomas_de_Austria »

Robert Ketelhohn hat geschrieben:
Thomas_de_Austria hat geschrieben:
Antiquarisch ist es noch erhältlich.
Gibt es dbzgl. auch Literatur, die man auch jenseits der Antiquariate bekommen kann?
Wenn du das meinst:
grundsätzlich zum Verständnis der Hl. Schrift (Stichwort "Schriftsinne" und
Mittel zur Hebung des Schriftsinns)
dann muß es durchaus keine theologische Litteratur sein. Mehr findest du bei
den Mediävisten. Beispielshalber habe ich hier im Regal:
• Hennig Brinkmann, Mittelalterliche Hermeneutik, Tübingen 198:
http://www.amazon.de/Mittelalterliche-H ... 894&sr=1-8 (irrsinniger Preis, nicht
über 5 € hinlegen).
• Friedrich Ohly, Schriften zur mittelalterlichen Bedeutungsforschung, Darm-
stadt 1977: http://www.amazon.de/Schriften-mittelal ... 199&sr=1-1 (Schnäpp-
chenpreise, zuschlagen!).
Danke, Robert, für den Hinweis. Leider nützt mir, bei den gebrauchten Büchern, Amazon nicht sonderlich viel, da sie diese so gut wie nie bzw. wenn, dann oft mit großen Kosten verbunden, ins Ausland (und Österreich ist ja, von euch aus gesehen, auch Ausland ;D) liefern ...

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Robert Ketelhohn
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Re: Katholische Auffassung(en) über Sprachentwicklung

Beitrag von Robert Ketelhohn »

Die Händler versenden nach Österreich für dieselben 3,- € Versandkosten wie innerhalb Deutschlands.
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Vulpius Herbipolensis
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Re: Katholische Auffassung(en) über Sprachentwicklung

Beitrag von Vulpius Herbipolensis »

Neulich ist mir bei der Lektüre eines Buches mit dem Titel "Christlich Worte" von Felix Rütten auch dieser Strang wieder eingefallen. Ein Veröffentlichungsjahr wird nicht erwähnt, aber es wird wohl im frühen 20. Jahrhundert entstanden sein. Ich zitiere mal Auszüge aus dem Vorwort:
Felix Rütten, Christliche Worte S. 7-8 hat geschrieben:Alle übernatürliche Offenbarung kommt zu uns durch Offenbarung, die Offenbarung aber geschieht nicht durch Fleisch und Blut, sondern durch den einen Vater, der im Himmel ist. Die Worte dagegen, in denen die Offenbarung an unser Ohr dringt, stammen nicht so unmittelbar von Gott selbst, sie entstammen der menschlichen Sprache, die mannigfaltig verschieden ist nach den Völkern und ihren Teilen. Wohl aber ist die Sprache das Zeichen der Gottähnlichkeit des Menschen und ihre vornehmste Aufgabe das Lob Gottes. Wenngleich alle menschliche Rede ein unzulängliches Stammeln bleibt gegenüber der unendlichen Herrlichkeit des dreifaltigen Gottes, so ist doch die menschliche Sprache ein taugliches Werkzeug des Gotteslobes, sie ist zu keinem anderen Berufe mehr und besser geeignet, sie ist zu dieser vornehmsten Aufgabe in tief geheimnisvoller Weise berufen. „Loben will Dich der Mensch, der auch ein Teil Deiner Schöpfung ist, der Mensch, der mit sich schleppt seine Sterblichkeit, mit sich das Zeugnis seiner Sünde und das Zeugnis, daß Du den Stolzen widerstehst. Und dennoch will Dich loben der Mensch, weil er ein Teil Deiner Schöpfung ist“ (Augustin, Bekenntnisse 1).
Es ist ein sehr altes Wort, daß die großen Denker der vorchristlichen Zeit „Erzieher auf Christus hin“ gewesen sind und noch immer sind. Es ist ebenso wahr, daß alle menschliche Sprache sich daraufhin bildete, Ausdruck der christlichen Wahrheit und Wirklichkeit zu werden. Wiewohl vornehmlich die Sprache die Sprache der Griechen und danach die der Lateiner zu dieser Aufgabe berufen worden sind und darum für alle Zeiten einen besonderen Adel behalten werden, so zeigt doch wieder der Vergleich mit anderen, ja mit jeder anderen Sprache, daß die Berufung der griechischen und lateinischen Sprache nicht ausschließlich ist. Alle Sprachen haben je ihre eigenen Vorzüge, die sie zum Lobe Gottes und zum Ausdruck der Wirklichkeiten des Reiches Gottes in besonderer Weisebefähigen und berufen.
Bei Gelegenheit zitiere ich vielleicht noch etwas weiter. Ich denke die Überlegungen sind auch für dieses Thema interessant.

Vulpius
Domum superborum demolietur Dominus.

Vulpius Herbipolensis
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Re: Katholische Auffassung(en) über Sprachentwicklung

Beitrag von Vulpius Herbipolensis »

Nachtrag: Gegenstand des genannten Buches ist die Etymologie und Bedeutungsgeschichte zentraler christlicher Begriffe v.a. im Griechischen, Lateinischen und Deutschen.
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