Heinrich II hat geschrieben:Was Du hier machst ist die Gäste H1, H2, usw. in ein zweites Hilbertsches Hotel mit den Zimmernummer ω, ω+1, ω+2, ... auszuquartieren. Bringt uns also nicht weiter!
Sempre hat geschrieben:Außerdem sagst Du, Heinrich II, ω sei eine endliche Zahl.
Ex 20,16.
Ich habe niemals behauptet ω sei eine endliche Zahl.
Doch, tust Du doch gerade eben hier wieder. Du sagst:
Was Du hier machst ist die Gäste H1, H2, usw. in ein zweites Hilbertsches Hotel ω, ω+1, ω+2, ... auszuquartieren. Damit willst Du doch gerade sagen, dass ω endlich sei.
Sempre hat geschrieben:Ordinalzahlen sind sowieso keine Zahlen im klassischen Sinne, sondern eine abstrakte Erweiterung des Zahlbegriffes mit Mitteln der Mengentheorie.
Hier sind wir wohl am Knackpunkt unserer Differenzen angekommen.
Du denkst also klassisch wie bis Ende des 19. Jahrhunderts üblich und schiebst Georg Cantor beiseite. Es handele sich (bloß)
um eine abstrakte Erweiterung des Zahlbegriffes. Von diesem überholten Standpunkt aus greifst Du den Ausschluss des
regressus ad infinitum beim Gottesbeweis aus der Bewegung an.
So richtig klassisch und konkret und nicht abstrakt denkst Du aber auch nicht. Denn wenn alle natürlichen Zahlen endlich wären, dann wären auch alle Dominosteinreihen endlich lang. Was sollte ein
konkreter Zahlenbegriff denn sonst anderes bedeuten? Die Länge von Dominosteinreihen wird durch eine natürliche Zahl angegeben, wir haben aber eine besondere Dominosteinreihe (oder mehrere?) deren Länge keine Zahl ist? Wir haben zwar besondere Dominosteinreihen, nicht aber besondere Zahlen? Das ist nicht das klassische Verständnis. Außerdem ist die Rede von unendlich vielen Zahlen, die allesamt endlich seien, offenbar Unfug. Die Zahlen unterscheiden sich ja allesamt. Alle unterschiedlichen endlichen natürlichen Zahlen sind aber evidenterweise endlich viele und nicht unendlich viele. Bei endlichen natürlichen Zahlen entspricht die laufende Nummer der Anzahl an Zahlen bis dorthin. Bleibt die laufende Nummer endlich, dann auch die Anzahl.
Nun bist Du aber andererseits kein Ultrafinitist, sondern erkennst an, dass die Peano-Axiome die natürlichen Zahlen korrekt und konsistent charakterisieren.
Betrachten wir also folgende Zahlenmenge:
1, 2, 3, ... ω, ω+1, ω+2, ...
Wobei ω nach Georg Cantor
die kleinste Zahl ist, die größer ist als jede endliche Zahl. Die Anschauung wird keineswegs strapaziert, wenn wir in ω, ω+1, ω+2, ... die zweite Ladung an abzählbar unendlich vielen Gästen in Hilberts Hotel erblicken.
Bitte nicht gleich in die Luft gehen, ω sei gar keine Zahl, das seien nicht die natürlichen Zahlen, das seien vielmehr zwei Hotels, sondern erst weiterlesen.
Betrachten wir nun die Peano-Axiome:
- 1 ist eine natürliche Zahl.
- Jede natürliche Zahl n hat eine natürliche Zahl n' als Nachfolger.
- 1 ist kein Nachfolger einer natürlichen Zahl.
- Natürliche Zahlen mit gleichem Nachfolger sind gleich.
- Enthält X die 1 und mit jeder natürlichen Zahl n auch deren Nachfolger n', so bilden die natürlichen Zahlen eine Teilmenge von X.
Für die o.g. Zahlenmenge 1, 2, 3, ... ω, ω+1, ω+2, ... gelten alle Peano-Axiome. Folglich handelt es sich um die Menge der natürlichen Zahlen, woraus wiederum folgt:
- ω ist eine natürliche Zahl.
- ω ist voraussetzungsgemäß nicht endlich.
- Die vollständige Induktion erfasst sowohl endliche als auch nicht-endliche Zahlen.
Du könntest Dich nun daran versuchen zu zeigen, dass die o.g. Zahlenmenge nicht den Peano-Axiomen entspreche. David Hilbert drehte sich allerdings im Grabe herum:
Aus dem Paradies, das Cantor uns geschaffen, soll uns niemand vertreiben können. Alternativ könntest Du Dich daran versuchen, zu zeigen, dass aus den Peano-Axiomen folge, dass alle natürlichen Zahlen endlich seien (was trivialerweise unmöglich ist, s.o.: bleibt die laufende Nummer endlich, dann auch die Anzahl.)
P.S.: Ja, es trifft zu, dass man nicht selten und auch auf Wikipedia verwirrenderweise liest, ω sei größer als jede natürliche Zahl. Georg Cantor definiert aber: ω ist größer als jede endliche natürliche Zahl.