Heiligkeit

Schriftexegese. Theologische & philosophische Disputationen. Die etwas spezielleren Fragen.
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Edi
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Beitrag von Edi »

Angelika hat geschrieben:
Edi hat geschrieben:Stimmt ja nicht. Oben habe ich Gommel und Tersteegen erwähnt, die beide nicht katholisch waren.

Ja, stimmt.
Aber freikirchliche Heilige hast du bisher nicht akzeptiert. ;)

Edi hat geschrieben:Wenn man natürlich unter Heiligkeit auch sonst verdienstvolle Christen versteht, dann waren viele heilig. Aber ich habe hier unter heilig eine ganz unmittelbare Gottesnähe zu verstehen gegeben, die auch die heilige Schrift als Ziel erwähnt.
Ich verstehe Heiligkeit so, wie es die katholische Kirche für die Heiliggesprochenen tut. Und da wären meiner Ansicht nach auch Freikirchler potentielle Heilige.

Gruß
Angelika
Freikirchliche Heilige kenne ich keine, zumindest nicht solche, die ähnlich wie Gommel waren. Ich habe ja bisher hier in der Diskussion unter heilig immer etwas wie vollkommen oder beinahe vollkommen verstanden soweit das irdisch erreicht werden kann, etwas was der Heiligkeit Gottes nahe kommt, nicht die kanonisierte Heiligkeit allein. Die haben viele bekommen, ohne dass sie so ganz gottnah waren.
Welcher Christ kann z.B. wie Tersteegen sagen, dass er immerwährend in einer Anbetung und Beugung vor Gott lebt? Oder dass er immerwährend betet wie ein Pater Pio und der eine vollkomene Selbstbeherrschung erreicht hat. Wer nicht unterscheiden kann oder will, dass solche Menschen anders waren als wir Normalgläubigen, der soll mehr beten, denn Gottes Geist offenbart das ihm auch heute noch.
In Büchern über Pater Pio wird berichtet, was manche Menschen empfanden als sie zu ihm kamen, nämlich den Geruch der Heiligkeit.Einer sagte einmal, es sei ihm gewesen wie wenn Jesus selber vor ihm gestanden sei. In der Messe hat sich sein Gesicht des öfteren in das Gesicht Jesu verwandelt wie glaubwürdige Zeugen berichten.
Und etliche Heilige haben auch einen Wohlgeruch ausgeströmt.
Zuletzt geändert von Edi am Mittwoch 23. März 2005, 18:23, insgesamt 1-mal geändert.

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Mariamante
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Heilige

Beitrag von Mariamante »

Walter Nigg evangelischer Pastor

siehe:

http://www.buch-versand.net/50176_walternigg.html

hat über die Heiligen beachtenswerte Bücher geschrieben.

Ein russisches Sprichwort sagt: Im Heiligen geht Gott noch einmal über die Erde.

Wenn Paulus sagt:" Ich lebe, doch nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir" dann zeigt sich, dass die Heiligkeit der Heiligen kein"Seitenweg" ist, sondern dass in den Heiligen Gott der Heilige Geist in besonderer Weise lebt und wirkt.
Gelobt sei Jesus Christus

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Nietenolaf
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Beitrag von Nietenolaf »

Edi hat geschrieben:Ímmerhin hat das christliche Volk es schon zu den Lebzeiten eines Heiligen gemerkt,dass da ein aussergewöhnlicher Mensch war und die Leute sind denen auch nachgelaufen.
Dazu ein erbaulicher Text:
Maja Kučerskaja hat geschrieben:"Der Ungeschickte"

Ein Väterchen
(= Priester) konnte überhaupt nichts. Er konnte die Kirche nicht instandsetzen, und so stand sie denn schon das fünfte Jahr mit einem Gerüst da. Er hatte keinen Verstand dazu, Buchhandel zu treiben, Verkaufsstellen zu errichten, ins Buchgeschäft einzusteigen.

Er verstand es nicht, sich ein Gemeindehaus zu organisieren oder wenigstens einen Raum für die Sonntagsschule. Er besaß nicht die nötigen Verbindungen, freigebige Sponsoren, dutzende und hunderte von ergebenen geistlichen Kindern, er hatte kein Auto, kein Mobiltelefon, keinen Computer, keine Email, nicht einmal einen Pager. Er hatte nicht die Gabe der Unterscheidung der Geister, die Gabe der Wundertätigkeit, die Gabe der Hellsicht oder die Gabe eines schönen Gottesdienstes - im Gottesdienst sprach er mit leiser Stimme, so daß, wenn man weit entfernt stand, man nichts mehr hörte. Und was er ganz und gar nicht hatte, das war Redebegabung, seine Predigten nuschelte er und wiederholte immer dasselbe, von mal zu mal. Das Mütterchen
(= seine Frau) hörte und sah man gar nicht, obwohl er doch eine hatte, aber Kinder hatten sie keine. So lebte Väterchen sein Leben, und dann starb er. Die Totenmesse hielt man an einem trüben Novembertag, und als die Menschen wie üblich ihre Kerzen anzünden wollten, da brannten bei allen die Kerzen von selbst an, und die Kirche wurde erfüllt von einem jenseitigen Licht. (Maja Kučerskaja, "Lektüre für von Mutlosigkeit erfüllte")
Das dazu; nehmt's mir nicht übel, aber zum Thema "Heiligkeit" steht hier fast nur Quatsch.

Nur Gott allein ist heilig. So inflationär wie dieser Begriff hier gebraucht wird, muß das mal gesagt werden.

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Linus
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Beitrag von Linus »

Angelika hat geschrieben:Ich verstehe Heiligkeit so, wie es die katholische Kirche für die Heiliggesprochenen tut. Und da wären meiner Ansicht nach auch Freikirchler potentielle Heilige.

Gruß
Angelika
Wen? und vor allem warum? (wo siehst du den heroischen tugendgrad, der von dir vorgeschlagenen personen?)
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Edi
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Beitrag von Edi »

Nur zur Erläuterung für jene, die es nicht wissen: Viele Freikirchen vertreten lehrmässig die Theorie alle Christen seien heilig, wohl u.a. auch gemäss der Anrede des Paulus an Christen. Da sie aber einräumen müssen, dass es mit der praktischen Heiligkeit auch in ihren Kreisen oft nicht soweit her ist, wird folgendes erklärt:
Der Stand des Christen sei heilig, aber der Zustand noch nicht.

Ich finde solche Theorien ziemlich daneben.

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Angelika
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Beitrag von Angelika »

Linus hat geschrieben:
Angelika hat geschrieben:Ich verstehe Heiligkeit so, wie es die katholische Kirche für die Heiliggesprochenen tut. Und da wären meiner Ansicht nach auch Freikirchler potentielle Heilige.

Gruß
Angelika
Wen? und vor allem warum? (wo siehst du den heroischen tugendgrad, der von dir vorgeschlagenen personen?)
Ich habe Martin Luther King genannt.

Er setzte sich im Geiste Jesu ohne Gewalt und durch passiven Widerstand für die Rechte der Schwarzen und gegen die Rassentrennung ein. Er mobilisierte die Schwarzen für diesen Kampf, organisierte Demonstrationen und konnte einige Erfolge verbuchen. Er wurde angefeindet und schließlich umgebracht.

Ich denke, dass er aus seiner Nähe zu Christus die Kraft geschöpft hat, die er für seinen Kampf gebraucht hat.

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Angelika
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Beitrag von Angelika »

Hallo Edi,
Edi hat geschrieben:Viele Freikirchen vertreten lehrmässig die Theorie alle Christen seien heilig, wohl u.a. auch gemäss der Anrede des Paulus an Christen.
Das liegt wohl daran, dass sie eine andere Definition von heilig anwenden als du. Heilig bedeutet zunächst einmal zu Gott gehörend bwz. ausgesondert für Gott.
Auch in der katholischen Kirche geht man von dieser Definition aus, wenn man von der Heiligen Messe, der Heiligen Eucharistie usw. spricht.

Bei Menschen würde ich heilig dann nicht nur als zu Gott gehörend, sondern als ganz zu Gott gehörend verstehen.


Edi hat geschrieben:Da sie aber einräumen müssen, dass es mit der praktischen Heiligkeit auch in ihren Kreisen oft nicht soweit her ist, wird folgendes erklärt:
Der Stand des Christen sei heilig, aber der Zustand noch nicht.
Ich finde solche Theorien ziemlich daneben.
Ich nicht, denn auch die Bibel spricht einerseits von der Heiligkeit der Christen andererseits von der Heiligung. Heiligkeit ist also Weg und Ziel.

Gruß
Angelika

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Linus
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Beitrag von Linus »

Angelika hat geschrieben:
Linus hat geschrieben:
Angelika hat geschrieben:Ich verstehe Heiligkeit so, wie es die katholische Kirche für die Heiliggesprochenen tut. Und da wären meiner Ansicht nach auch Freikirchler potentielle Heilige.

Gruß
Angelika
Wen? und vor allem warum? (wo siehst du den heroischen tugendgrad, der von dir vorgeschlagenen personen?)
Ich habe Martin Luther King genannt.

Er setzte sich im Geiste Jesu ohne Gewalt und durch passiven Widerstand für die Rechte der Schwarzen und gegen die Rassentrennung ein. Er mobilisierte die Schwarzen für diesen Kampf, organisierte Demonstrationen und konnte einige Erfolge verbuchen. Er wurde angefeindet und schließlich umgebracht..
Das ist sicher ein heroischer Tugendgrad, bloss nicht in geistlicher Weise, sondern in politischer.
Ich denke, dass er aus seiner Nähe zu Christus die Kraft geschöpft hat, die er für seinen Kampf gebraucht hat
Gibt es dafür irgendwelche Belegstellen (Selbstverfasste Gebete, Traktate odgl.?) Der heroische Tugendgrad eines Heiligen ist in erster Linie eine geistliche Sache und die Auswirkung davon spiegelt sich m konkreten Leben. (eben Glaube und Werke, in dieser Reihenfolge)
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Angelika
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Beitrag von Angelika »

Hallo Linus,

ich möchte jetzt nicht das Für und Wider der Heiligkeit von Martin Luther King diskutieren. Ich sehe ihn in einer Reihe mit katholischen Heiligen und habe ihn daher auf Nachfrage genannt. Wenn du das anders siehst, o.k.

Gruß
Angelika

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Linus
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Beitrag von Linus »

asderrix hat geschrieben:DIE HEILIGEN gibt es aber nicht, also eine Elite von besonders heiligen Christen, die in den Stand DER Heiligen erhoben wurden, also Christen die bessere Heilige sind als die anderen Heiligen.
Klassisch protestantisches Mißverständnis: Von der Kirche kanonisierte Heilige sind
a) Vorbilder im Glauben und
b) wird durch die Kanonisation bezeugt, dass die Kirche glaubt die betreffende Person befindet sich bereits jedenfalls in der ewigen Herrlichkeit bei Gott.(vulgo "Himmel").(Diesen Zustand haben sie sich aber nicht durch ihre Werke erarbeitet!)

mehr auch schon nicht.
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Edi
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Beitrag von Edi »

Angelika hat geschrieben:Hallo Linus,

ich möchte jetzt nicht das Für und Wider der Heiligkeit von Martin Luther King diskutieren. Ich sehe ihn in einer Reihe mit katholischen Heiligen und habe ihn daher auf Nachfrage genannt. Wenn du das anders siehst, o.k.

Gruß
Angelika
Den Gandhi hast auch noch vergessen mit seinem gewaltlosen Widerstand gegen die Engländer. War halt nur kein Christ.

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Nietenolaf
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Beitrag von Nietenolaf »

Angelika hat geschrieben:Bei Menschen würde ich heilig dann nicht nur als zu Gott gehörend, sondern als ganz zu Gott gehörend verstehen.
Nein. Mir scheint, hier sind viele falsche Konzepte in der Luft. Schmidt Peter gibt den Hinweis auf die rechte Stelle beim Apostel, schreibt aber dazu irgendetwas vom Geist Gottes, der irgendwie in besonderer Weise in diesen Menschen wirkt etc., was - je nach Geschmack - ganz unterschiedliche Dinge sein können, wie z.B. hierüber die Sache mit Martin Luther King.
Gen. 1:26 (Elberfelder Übers.) hat geschrieben:Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen in unserem Bilde, nach unserem Gleichnis ...
Der Mensch ist nach dem Bild und der Ähnlichkeit Gottes geschaffen, aber gefallen. Gott allein ist - Seiner Natur nach - heilig. Der Mensch ist es, insofern er Gott gleicht und Ihm ähnlich ist.

Wenn ihr Martin Luther King und andere Herren als heilig bezeichnet, so liegt ihr meiner Meinung nach falsch. Uns ist durch Christus und Seine Kirche gezeigt worden, wie man den gefallenen Adam in uns wieder aufrichten kann. Das geht nicht auf einem Weg, der an der Kirche vorbei führt. King und Konsorten sind vielleicht Genies der Menschlichkeit, vielleicht das Maximum an Tugend und Gerechtigkeit, das sich in der gefallenen menschlichen Natur ohne die reelle Gegenwart Christi verwirklichen kann; es ist der Abglanz dessen und ein Hinweis darauf, daß der Mensch tatsächlich im Grunde als vollkommenes Wesen geschaffen wurde. Das beste mögliche Resultat wird aber immer der Altar bleiben, den man "dem unbekannten Gott" weihen muß, weil man aus eigener Kraft einfach nicht weiterkommt. Und, mit Verlaub, Kampf gegen Dinge wie Rassentrennung u.ä. oder gar die Organisation von Demonstrationen haben nichts mit Heiligkeit oder dem Geist Gottes zu tun.

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Angelika
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Beitrag von Angelika »

Edi hat geschrieben:Den Gandhi hast auch noch vergessen mit seinem gewaltlosen Widerstand gegen die Engländer. War halt nur kein Christ.
War auch nicht die Frage. :roll:

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Angelika
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Beitrag von Angelika »

Nietenolaf hat geschrieben:King und Konsorten sind vielleicht Genies der Menschlichkeit, vielleicht das Maximum an Tugend und Gerechtigkeit, das sich in der gefallenen menschlichen Natur ohne die reelle Gegenwart Christi verwirklichen kann
Ich gehe eben davon aus, dass Martin Luther King u.a. es durch die Gegenwart Christi verwirklicht haben.


Nietenolaf hat geschrieben:Und, mit Verlaub, Kampf gegen Dinge wie Rassentrennung u.ä. oder gar die Organisation von Demonstrationen haben nichts mit Heiligkeit oder dem Geist zu tun.
Ein gewaltloser und passiver Widerstand gegen die Ungleichbehandlung von Menschen, die ja alle nach dem Abbild Gottes geschaffen sind, hat m.E. nach durchaus etwas mit dem Geist Gottes zu tun. Damit wird das Reich Gottes ein Stück weit ins irdische Leben gebracht.

Gruß
Angelika

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Beitrag von Angelika »

Linus hat geschrieben:
asderrix hat geschrieben:DIE HEILIGEN gibt es aber nicht, also eine Elite von besonders heiligen Christen, die in den Stand DER Heiligen erhoben wurden, also Christen die bessere Heilige sind als die anderen Heiligen.
Klassisch protestantisches Mißverständnis: Von der Kirche kanonisierte Heilige sind
a) Vorbilder im Glauben und
b) wird durch die Kanonisation bezeugt, dass die Kirche glaubt die betreffende Person befindet sich bereits jedenfalls in der ewigen Herrlichkeit bei Gott.(vulgo "Himmel").(Diesen Zustand haben sie sich aber nicht durch ihre Werke erarbeitet!)

mehr auch schon nicht.
So ist es.
Ergänzen möchte ich noch, dass die Heiligsprechung von bestimmten Personen nicht bedeutet, dass alle anderen Verstorbenen nicht bei Gott in der Herrlichkeit sein können.

Im übrigen wird das klassische protestantische Missverständnis durch Aussagen von Katholiken oft noch genährt. :roll:

Gruß
Angelika

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Nietenolaf
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Beitrag von Nietenolaf »

Angelika hat geschrieben:Damit wird das Reich Gottes ein Stück weit ins irdische Leben gebracht.
Ich halte es eher für Ablenkung und Unglauben. >> Joh. 18:36

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Edi
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Beitrag von Edi »

So kommt man ja mit einer Diskussion nicht weiter, wenn jeder etwas anderes unter heilig versteht. Nach meiner Kenntnis verwendet die Schrift dieses Wort in verschiedenen Bedeutungen.
a) Gott allein ist heilig
b) alle Gläubigen gelten als Heilige
c) die Kirche hat darüber hinaus eine eigene Definition, was die Heiligsprechung angeht.

Geht man man von Punkt a) aus und weiss man, dass Gott im AT gesagt hat, was Paulus auch im NT zitiert: Werdet heilig, denn auch ICH bin heilig, so ergibt sich da ein Verständnis, das über das der "Heiligkeit" aller Gläubigen weit hinausgeht. Denn wer will behaupten er sei gleich heilig wie Gott selber. In dem Sinne kann nur ein Christ ein Heiliger sein, der durch Gottes Gnade weitgehend mit Christus eins geworden ist. Die Bibel kennt im AT das Hohelied, das auch geistlich verstanden wird. Die Seele, die sich als Bräutigam des Herrn erlebt, man spricht ja auch von geistlicher Vermählung mit Gott, die ist in dem Sinne heilig, zumindest so gottnah, wie es auf dieser Erde überhaupt möglich ist.

Regelmässig verwenden die Freikirchen, da sie es nicht besser wissen, die Definition aus Punkt b). Die ist ja auch nicht grundlegend falsch, aber übersieht, dass es auch andere gibt.

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Heike
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Beitrag von Heike »

Edi hat geschrieben:Regelmässig verwenden die Freikirchen, da sie es nicht besser wissen, die Definition aus Punkt b). Die ist ja auch nicht grundlegend falsch, aber übersieht, dass es auch andere gibt.
a) und b) :| das müsstest du eigentlich wissen.

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Edi
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Beitrag von Edi »

Heike hat geschrieben:
Edi hat geschrieben:Regelmässig verwenden die Freikirchen, da sie es nicht besser wissen, die Definition aus Punkt b). Die ist ja auch nicht grundlegend falsch, aber übersieht, dass es auch andere gibt.
a) und b) :| das müsstest du eigentlich wissen.
Wird auch a) sein, aber wie du auch hier siehst, hat das weniger eine praktische Bedeutung, eher nur eine theoretische. Wenn alle Gläubigen gleich heilig wären, wäre ja eine Heiligung nicht mehr sinnvoll. Diesselben Autoren im NT aber, die Definition b) auch gebraucht haben, haben durchaus zwischen Christen verschiedenster Fortschrittsgrade in der Heiligung unterschieden. Ich denke, dass muss auch beachtet werden, denn es steht ja da.

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Angelika
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Beitrag von Angelika »

Nietenolaf hat geschrieben:
Angelika hat geschrieben:Damit wird das Reich Gottes ein Stück weit ins irdische Leben gebracht.
Ich halte es eher für Ablenkung und Unglauben. >> Joh. 18:36
Das ist ein Totschlagsargument, denn damit könnte man jedes Tun zum Wohle anderer als Ablenkung und Unglauben abtun.

Gruß
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Linus
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Beitrag von Linus »

Angelika hat geschrieben:Hallo Linus,

ich möchte jetzt nicht das Für und Wider der Heiligkeit von Martin Luther King diskutieren. Ich sehe ihn in einer Reihe mit katholischen Heiligen und habe ihn daher auf Nachfrage genannt. Wenn du das anders siehst, o.k.

Gruß
Angelika
Ich möchts auch nicht diskutieren, bloss würd mich interessieren ob der Herr King auch was geistliches (und eben nicht politisches) abgelassen hat.
Vale!
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Heike
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Beitrag von Heike »

Edi hat geschrieben:Wird auch a) sein, aber wie du auch hier siehst, hat das weniger eine praktische Bedeutung, eher nur eine theoretische.
Natürlich hat es praktische Bedeutung. Daraus leitet sich nämlich das Bemühen auch freikirchlicher Christen um Heiligung ab. Wird meistens nicht so genannt, sondern unter den Begriffen "Jüngerschaft" oder "Nachfolge" geführt.

1. Petrus 1,15 - 16: sondern wie der, der euch berufen hat, heilig ist, sollt auch ihr heilig sein in eurem ganzen Wandel. Denn es steht geschrieben (3. Mose 19,2): »Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig.«

Das wird schon ernst genommen.

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Edi
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Beitrag von Edi »

Heike hat geschrieben:
Edi hat geschrieben:Wird auch a) sein, aber wie du auch hier siehst, hat das weniger eine praktische Bedeutung, eher nur eine theoretische.
Natürlich hat es praktische Bedeutung. Daraus leitet sich nämlich das Bemühen auch freikirchlicher Christen um Heiligung ab. Wird meistens nicht so genannt, sondern unter den Begriffen "Jüngerschaft" oder "Nachfolge" geführt.

1. Petrus 1,15 - 16: sondern wie der, der euch berufen hat, heilig ist, sollt auch ihr heilig sein in eurem ganzen Wandel. Denn es steht geschrieben (3. Mose 19,2): »Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig.«

Das wird schon ernst genommen.
Da kann ich dir ja zustimmen und diese Stelle meinte ich auch. Klar gibt es Heiligungsbemühungen in Freikirchen.

Ich meinte aber, es hat weniger praktische Bedeutung bezogen auf unsere Diskussion hier, wo manche keine Unterschiede zwischen Christen sehen wollen und alle als gleich heilig ansehen. Da wird eine vergleichsweise grössere oder ganz grosse Gottesnähe einzelner Christen nicht anerkannt, wiewohl die heilige Schrift dagegen spricht und ebenso die Erfahrung, soweit man das "Leben heiliger Seelen" kennt. Den Titel hat, wie schon erwähnt der nicht katholische Tersteegen einem seiner Bücher gegeben.

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Beitrag von Angelika »

Linus hat geschrieben:
Angelika hat geschrieben:Hallo Linus,

ich möchte jetzt nicht das Für und Wider der Heiligkeit von Martin Luther King diskutieren. Ich sehe ihn in einer Reihe mit katholischen Heiligen und habe ihn daher auf Nachfrage genannt. Wenn du das anders siehst, o.k.

Gruß
Angelika
Ich möchts auch nicht diskutieren, bloss würd mich interessieren ob der Herr King auch was geistliches (und eben nicht politisches) abgelassen hat.
Vale!
L.
Seine berühmte Rede "I have a dream" kennst du doch sicher. ;)

(Wahrscheinlich hat irgendjemand wieder was auszusetzen daran. :roll:)

Gruß
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Beitrag von Nietenolaf »

Angelika hat geschrieben:[re. Joh. 18:36] Das ist ein Totschlagsargument, denn damit könnte man jedes Tun zum Wohle anderer als Ablenkung und Unglauben abtun.
Nein, denn Du redest ganz konkret davon, das Reich Gottes durch Demonstrationen und Kampf ein Stück weit "ins irdische Leben" zu bringen. Hier geht's um Heiligkeit, Angelika, doch nicht ums Tun zum Wohle anderer.

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Beitrag von Angelika »

Edi hat geschrieben:Ich meinte aber, es hat weniger praktische Bedeutung bezogen auf unsere Diskussion hier, wo manche keine Unterschiede zwischen Christen sehen wollen und alle als gleich heilig ansehen. Da wird eine vergleichsweise grössere oder ganz grosse Gottesnähe einzelner Christen nicht anerkannt, wiewohl die heilige Schrift dagegen spricht und ebenso die Erfahrung, soweit man das "Leben heiliger Seelen" kennt. Den Titel hat, wie schon erwähnt der nicht katholische Tersteegen einem seiner Bücher gegeben.
Was die Heiligkeit oder Gottesnähe angeht, sehe ich durchaus Unterschiede zwischen den Christen. Natürlich sind nicht alle gleich weit fortgeschritten in der Heiligung und nicht alle gleich nahe an Gott.

Ich finde es aber nicht sinnvoll, bei den kanonisierten Heiligen noch mal zu unterschieden. Diese sind alle vollendete Heilige, ihre Heiligung ist abgeschlossen. Dass manche von ihnen im irdischen Leben näher an Gott waren als andere, das mag sein. Es gibt aber keine Kriterien, dies festzustellen; eine Bewertung kann also immer nur subjektiv sein.

Gruß
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Beitrag von Angelika »

Nietenolaf hat geschrieben:
Angelika hat geschrieben:[re. Joh. 18:36] Das ist ein Totschlagsargument, denn damit könnte man jedes Tun zum Wohle anderer als Ablenkung und Unglauben abtun.
Nein, denn Du redest ganz konkret davon, das Reich Gottes durch Demonstrationen und Kampf ein Stück weit "ins irdische Leben" zu bringen. Hier geht's um Heiligkeit, Angelika, doch nicht ums Tun zum Wohle anderer.
Ich habe konkret von den Rechten der Schwarzen und von der Abschaffung der Rassentrennung gesprochen. Ich habe konkret davon gesprochen, dass eine Ungleichbehandlung von Menschen, die alle nach dem Abbild Gottes geschaffen sind, nicht dem Geist Gottes entspricht.

Wenn jemand gewaltfrei und durch passiven Widerstand dazu beitragen will, diese Ungleichbehandlung abzuschaffen, dann hat dies durchaus was mit Heiligkeit zu tun.

Wenn dir der von mir verwendete Begriff "Kampf" nicht gefällt, dann tausch' ihn gegen "Einsatz" aus. :roll:

Im übrigen haben viele Heilige das Reich Gottes durch ihr Tun ein Stück weit ins irdische Leben geholt.

Gruß
Angelika

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Beitrag von Linus »

Angelika hat geschrieben:Seine berühmte Rede "I have a dream" kennst du doch sicher. ;)

(Wahrscheinlich hat irgendjemand wieder was auszusetzen daran. :roll:)

Gruß
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Klar ist das bekannt, hat das aber irgendeine geistliche Relevanz?
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Beitrag von Angelika »

Linus hat geschrieben:Klar ist das bekannt, hat das aber irgendeine geistliche Relevanz?
Was verstehst du unter geistliche Relevanz ?

Außerdem habe ich - wie bereits erwähnt - keine Lust, über die Heiligkeit von Martin Luther King zu diskutieren, und erst recht nicht anhand von nicht genannten Kriterien.

Gruß
Angelika

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Beitrag von Edi »

Angelika hat geschrieben:
Edi hat geschrieben:Ich meinte aber, es hat weniger praktische Bedeutung bezogen auf unsere Diskussion hier, wo manche keine Unterschiede zwischen Christen sehen wollen und alle als gleich heilig ansehen. Da wird eine vergleichsweise grössere oder ganz grosse Gottesnähe einzelner Christen nicht anerkannt, wiewohl die heilige Schrift dagegen spricht und ebenso die Erfahrung, soweit man das "Leben heiliger Seelen" kennt. Den Titel hat, wie schon erwähnt der nicht katholische Tersteegen einem seiner Bücher gegeben.
Was die Heiligkeit oder Gottesnähe angeht, sehe ich durchaus Unterschiede zwischen den Christen. Natürlich sind nicht alle gleich weit fortgeschritten in der Heiligung und nicht alle gleich nahe an Gott.

Ich finde es aber nicht sinnvoll, bei den kanonisierten Heiligen noch mal zu unterschieden. Diese sind alle vollendete Heilige, ihre Heiligung ist abgeschlossen. Dass manche von ihnen im irdischen Leben näher an Gott waren als andere, das mag sein. Es gibt aber keine Kriterien, dies festzustellen; eine Bewertung kann also immer nur subjektiv sein.

Gruß
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Dass es keine Kriterien gibt, intensivere oder weniger intenive Gottesnähe festzustellen, sehe ich anders. Wenn ich auch einräume, dass es da nicht ohne Weiteres ein Messinstrument gibt. Ohne Weiteres heisst aber es gibt doch ein solches, wenn auch nicht zum Unterscheiden von Zwischenmaßen. Ich nannte schon den Lukas 11,34, aber den verstehen ja viele nicht, obwohl sich einige schon immer wunderten, wenn sie solchen Menschen begegneten und ihnen in die Augen schauten. Die Leute nennt man auch christliche Mystiker und wenn ich es richtig sehe, weiss die Kirche auch genau, was das ist. Ein Johannes vom Kreuz z.B. gehört dazu. Er hat auch schriftliche Ausführungen zu dem Thema gemacht und der jetztige Papst hat darüber auch eine theologische Arbeit geschrieben.

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Heike
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Beitrag von Heike »

Edi hat geschrieben:Die Leute nennt man auch christliche Mystiker und wenn ich es richtig sehe, weiss die Kirche auch genau, was das ist. Ein Johannes vom Kreuz z.B. gehört dazu. Er hat auch schriftliche Ausführungen zu dem Thema gemacht und der jetztige Papst hat darüber auch eine theologische Arbeit geschrieben.
Ich hatte schon vorher den Verdacht, dass du Heilige nur auf Mystiker reduzierst. Du vergisst dabei aber, dass jeder Christ eine andere Berufung und einen anderen Platz von Gott zugewiesen bekommen hat. Heiligkeit zeigt sich doch darin, genau diesen Platz am besten auszufüllen, möglichst nah am Willen Gottes und in enger Verbindung zu ihm. Ich find's nicht gerade sinnvoll Berufungen gegeneinander auszuspielen.

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Edi hat geschrieben:Die Leute nennt man auch christliche Mystiker und wenn ich es richtig sehe, weiss die Kirche auch genau, was das ist. Ein Johannes vom Kreuz z.B. gehört dazu.
Im Gegensatz zu Heike hatte ich bisher nicht den Verdacht, dass du Mystiker meinst, wenn du von Heiligen sprichst.

:roll:

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