Die Katholiken und Paulus
Re: Die Katholiken und Paulus
Es gab wohl beides (in unbekanntem Zahlenverhältnis):
die einen gingen in der Heidenchristenheit auf,
die anderen wandten sich judenchristlichen Sekten zu (v.a.Ebioniten, Elkesaiten, Nazarener).
Dass auch eine nennenswerte Zahl zur Synagoge übertrat, wäre mir neu und scheint mir unwahrscheinlich.
die einen gingen in der Heidenchristenheit auf,
die anderen wandten sich judenchristlichen Sekten zu (v.a.Ebioniten, Elkesaiten, Nazarener).
Dass auch eine nennenswerte Zahl zur Synagoge übertrat, wäre mir neu und scheint mir unwahrscheinlich.
Von allen Gottesgaben ist die Intelligenz am gerechtesten verteilt. Jeder ist zufrieden mit dem, was er hat und freut sich sogar, dass er mehr hat, als die anderen.
- Robert Ketelhohn
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Re: Die Katholiken und Paulus
So ist es. Ferner gab es natürlich die ganze Geschichte der Kirche hindurch immer wieder Bekehrungen von Juden aus der Synagoge zur Kirche.Galilei hat geschrieben:Entspricht diese Aussage über die Judenchristen wirklich den historischen Tatsachen?ad_hoc hat geschrieben:Die Judenchristen sind innerhalb weniger Jahrhunderte verschwunden, entweder zurückgegangen in die jüdischen Synagogen, oder sie haben sich vermischt mit Anhängern gnostischer Irrlehren und sind dann untergegangen. Aus den Heidenchristen, die vor allem durch das Wirken des Paulus (und vor allem dessen Einfluss auf die Apostel) gewachsen sind, hat sich der christliche Glauben schließlich immer weiter ausgebreitet.
Ich kenne mich da nicht so genau aus, würde aber eher annehmen, dass die Judenchristen die Befolgung des jüdischen Gesetzes aufgegeben haben (ihre Kinder nicht mehr beschnitten haben usw.), sodass die Unterscheidung zwischen Juden- und Heidenchristen in der zweiten, dritten Generation gegenstandslos war.
Propter Sion non tacebo, | ſed ruinas Romę flebo, | quouſque juſtitia
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Re: Die Katholiken und Paulus
..doch wohl eher zu Christus!Robert Ketelhohn hat geschrieben:So ist es. Ferner gab es natürlich die ganze Geschichte der Kirche hindurch immer wieder Bekehrungen von Juden aus der Synagoge zur Kirche.
Außerdem haben die wenigsten ihre jüdischen Wurzeln deshalb verleugnet, beziehungsweise das Bundeszeichen des jüdischen Volkes, die Beschneidung, vernachlässigt, da sie sich klar waren, dass die Verheißungen für das Volk Israel nicht aufgehoben, sondern durch den Messias punktuell erweitert wurden, auf die Nationen.
Jedes Gedächtnismahl sagt: Das Beste kommt noch!
Re: Die Katholiken und Paulus
Und daneben gab es Juden wie meine liebe Grossmutter, die die Ehe mit Christen eingingen, ihre Kinder taufen liessen, sie zu Erstkommunion etc. begleiteten, selbst aber der ach so pöhsen Synagoge immer treu blieben.asderrix hat geschrieben:..doch wohl eher zu Christus!Robert Ketelhohn hat geschrieben:So ist es. Ferner gab es natürlich die ganze Geschichte der Kirche hindurch immer wieder Bekehrungen von Juden aus der Synagoge zur Kirche.
Außerdem haben die wenigsten ihre jüdischen Wurzeln deshalb verleugnet, beziehungsweise das Bundeszeichen des jüdischen Volkes, die Beschneidung, vernachlässigt, da sie sich klar waren, dass die Verheißungen für das Volk Israel nicht aufgehoben, sondern durch den Messias punktuell erweitert wurden, auf die Nationen.
Ich bin stolz, eine Jüdin zur Grossmutter zu haben. Wie sie würde ich meinen Glauben (hier: Christlich) nie aufgeben, wenn ich eine Andersreligiöse heiraten würde.
Ich bin auch stolz, über die mütterliche Seite von jenem Volk abzustammen, in dem der Christus geboren wurde. Einem Volk, das Jahrtausende älter ist als jede noch existierende europäische Kultur
Wie bewundernswert sind deine Werke, o Herr, alles hast du mit Weisheit gemacht! Ps 104
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Re: Die Katholiken und Paulus
wann fängt denn die Geschichte Israels an?Christ86 hat geschrieben:Einem Volk, das Jahrtausende älter ist als jede noch existierende europäische Kultur
Ich glaube; hilf meinem Unglauben
Re: Die Katholiken und Paulus
Vor 5000 Jahren, Relikte mit hebräischer Sprache lassen sich aber auf ein Alter von 10'000 Jahren bestimmen.Nassos hat geschrieben:wann fängt denn die Geschichte Israels an?Christ86 hat geschrieben:Einem Volk, das Jahrtausende älter ist als jede noch existierende europäische Kultur
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Re: Die Katholiken und Paulus
vor 5000 Jahren beginnt (?) die griechische Geschichte mit der kykladischen Zivilisation - lt. griechischem Wikipedia. Ich erwartete bei den Juden max. 6000 Jahre...
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Re: Die Katholiken und Paulus
Ihr Griechenlein könnt gegen Israel einpackenNassos hat geschrieben:vor 5000 Jahren beginnt (?) die griechische Geschichte mit der kykladischen Zivilisation - lt. griechischem Wikipedia. Ich erwartete bei den Juden max. 6000 Jahre...
Ihr seid Kinder dagegen
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Re: Die Katholiken und Paulus
Es ist zum großen Teil eine zutiefst traurige Geschichte, wie sich das Judenchristentum weiterentwickelt hatte. Einerseits lag dies daran, dass sich die Judenchristen von den Heidenchristen abkapselten, andererseits auch daran, dass die Heidenchristen zu wenig taten, um diese Einkapselung der Judenchristen zu verhindern. Etwa um 300 - 350 n. Chr. dürfte es Judenchristen nur noch sporadisch hier und da gegeben haben.Robert Ketelhohn hat geschrieben:So ist es. Ferner gab es natürlich die ganze Geschichte der Kirche hindurch immer wieder Bekehrungen von Juden aus der Synagoge zur Kirche.Galilei hat geschrieben:Entspricht diese Aussage über die Judenchristen wirklich den historischen Tatsachen?ad_hoc hat geschrieben:Die Judenchristen sind innerhalb weniger Jahrhunderte verschwunden, entweder zurückgegangen in die jüdischen Synagogen, oder sie haben sich vermischt mit Anhängern gnostischer Irrlehren und sind dann untergegangen. Aus den Heidenchristen, die vor allem durch das Wirken des Paulus (und vor allem dessen Einfluss auf die Apostel) gewachsen sind, hat sich der christliche Glauben schließlich immer weiter ausgebreitet.
Ich kenne mich da nicht so genau aus, würde aber eher annehmen, dass die Judenchristen die Befolgung des jüdischen Gesetzes aufgegeben haben (ihre Kinder nicht mehr beschnitten haben usw.), sodass die Unterscheidung zwischen Juden- und Heidenchristen in der zweiten, dritten Generation gegenstandslos war.
Weiteres ergibt sich aus der Literatur zur Entwicklung des Christentums als auch im besonderen der christlichen Kirche.
Gruß, ad_hoc
quidquid cognoscitur, ad modum cognoscentis cognoscitur (n. Thomas v. Aquin)
Re: Die Katholiken und Paulus
Ich kann Dich verstehen, Christ86Christ86 hat geschrieben:Und daneben gab es Juden wie meine liebe Grossmutter, die die Ehe mit Christen eingingen, ihre Kinder taufen liessen, sie zu Erstkommunion etc. begleiteten, selbst aber der ach so pöhsen Synagoge immer treu blieben.asderrix hat geschrieben:..doch wohl eher zu Christus!Robert Ketelhohn hat geschrieben:So ist es. Ferner gab es natürlich die ganze Geschichte der Kirche hindurch immer wieder Bekehrungen von Juden aus der Synagoge zur Kirche.
Außerdem haben die wenigsten ihre jüdischen Wurzeln deshalb verleugnet, beziehungsweise das Bundeszeichen des jüdischen Volkes, die Beschneidung, vernachlässigt, da sie sich klar waren, dass die Verheißungen für das Volk Israel nicht aufgehoben, sondern durch den Messias punktuell erweitert wurden, auf die Nationen.
Ich bin stolz, eine Jüdin zur Grossmutter zu haben. Wie sie würde ich meinen Glauben (hier: Christlich) nie aufgeben, wenn ich eine Andersreligiöse heiraten würde.
Ich bin auch stolz, über die mütterliche Seite von jenem Volk abzustammen, in dem der Christus geboren wurde. Einem Volk, das Jahrtausende älter ist als jede noch existierende europäische Kultur
Vorübergehend hatte ich mich vor Jahren mit der Geschichte der Juden in Deutschland und Österreich beschäftigt. Es ist schade, dass ein solches Volk (in angenehmstem Sinne), welches in Deutschland und Österreich beheimatet war, deren Bürgerrechte besass und die abendländische Kultur derart fruchtbringend bereichert hat, auf so schreckliche Weise untergegangen ist. Danach haben Deutschland und Österreich viel von ihrer Kultur verloren.
Gruß, ad_hoc
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Re: Die Katholiken und Paulus
Christ86 hat geschrieben: Ich bin auch stolz, über die mütterliche Seite von jenem Volk abzustammen, in dem der Christus geboren wurde. Einem Volk, das Jahrtausende älter ist als jede noch existierende europäische Kultur
Iúdica me, Deus, et discérne causam meam de gente non sancta
Re: Die Katholiken und Paulus
Jesus war Jude und er betete den Gott an, den alle Juden anbeten.
Somit stehen die heutigen Juden dem Jesus von Nazareth näher als wir Christen, die 2000 Jahre theologische Spekulation hinter uns haben.
Hätte ich eine jüdische Mutter/Großmutter, würde ich mich als Jude fühlen.
Somit stehen die heutigen Juden dem Jesus von Nazareth näher als wir Christen, die 2000 Jahre theologische Spekulation hinter uns haben.
Hätte ich eine jüdische Mutter/Großmutter, würde ich mich als Jude fühlen.
Re: Die Katholiken und Paulus
Wenn man im Leib Christi ist und getauft, dann geht das nicht mehr noch näher.
Zur Spekulation kann ich nichts sagen, sie ist nicht unser Metier.
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Re: Die Katholiken und Paulus
Ich korrigiere mich: im Leib Christi die Theosis anvisieren, dann kommt man noch näher. Der Jude ist von der Theosis aber leider sehr weit entfernt.
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Re: Die Katholiken und Paulus
Ich auch - dieses Volk ist aber die Ecclesia (die (in die Welt) Herausgerufenen) nicht die Synagoga.(die Versammelten)Christ86 hat geschrieben:Ich bin auch stolz, über die mütterliche Seite von jenem Volk abzustammen, in dem der Christus geboren wurde. Einem Volk, das Jahrtausende älter ist als jede noch existierende europäische Kultur
"Katholizismus ist ein dickes Steak, ein kühles Dunkles und eine gute Zigarre." G. K. Chesterton
"Black holes are where God divided by zero. - Einstein
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Re: Die Katholiken und Paulus
Das ist ein und dasselbe.asderrix hat geschrieben:..doch wohl eher zu Christus!Robert Ketelhohn hat geschrieben:So ist es. Ferner gab es natürlich die ganze Geschichte der Kirche hindurch immer wieder Bekehrungen von Juden aus der Synagoge zur Kirche.
Ja, weshalb auch? – Manche oblagen gerade darum besonders eifrig der Judenmission oder widmeten sich der Bekämpfung oder Aufdeckung der talmudischen Irrtümer.Außerdem haben die wenigsten ihre jüdischen Wurzeln deshalb verleugnet …
Wer als Mann aus der Synagoge heraus sich bekehrt hatte, der war natürlich beschnitten. Ich wüßte aber nicht, daß irgend bekannt wäre, daß solche Judenchristen bei ihren eigenen Nachkommen die Beschneidung fortgeführt hätten, außer bei gewissen modernen Freikirchenerscheinungen wie den sogenannten „messianischen Juden“ oder möglicherweise in manchen Fällen des „Marranentums“, namentlich wo ganze Dörfer auf der iberischen Halbinsel nur zum Schein das Christentum angenommen hatten. Normalerweise haben aber auch scheinbekehrte Marranen (oder Dunmeh etc.) die Beschneidung aufgegeben, gerechtfertigt durch die talmudische Erlaubnis der Verstellung im Interesse des synagogalen Judentums.… beziehungsweise das Bundeszeichen des jüdischen Volkes, die Beschneidung, vernachlässigt
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Re: Die Katholiken und Paulus
Eher „bekam“ oder „errang“. Zu ihrem und unserem Verhängnis, nach meinem bescheidenen Urteil. Daraus ist nichts Gutes erwachsen.ad_hoc hat geschrieben:Bürgerrechte besaß
Das kann ich nicht erkennen, von Ausnahmen abgesehen.ad_hoc hat geschrieben:die abendländische Kultur derart fruchtbringend bereichert hat
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Re: Die Katholiken und Paulus
Ich sehe es eher umgekehrt: Die Ausnahmen, wenn auch in nicht unerheblichem und teilweise auch bestürzendem Ausmaß, waren auf der anderen Seite. Heute ist die Situation aber nicht mehr wie damals. Jetzt genügt ein Blick auf denZentralrat der Juden in Deutschland, auf deren Präsidentin Dr. h.c. Charlotte Knobloch, und vor allem auf den umtriebigen Herrn Dingsbums, der augenblicklich mit einer Fernsehmoderatorin verheiratet ist, um zu verzweifeln.Robert Ketelhohn hat geschrieben:Eher „bekam“ oder „errang“. Zu ihrem und unserem Verhängnis, nach meinem bescheidenen Urteil. Daraus ist nichts Gutes erwachsen.ad_hoc hat geschrieben:Bürgerrechte besaßDas kann ich nicht erkennen, von Ausnahmen abgesehen.ad_hoc hat geschrieben:die abendländische Kultur derart fruchtbringend bereichert hat
Gruß, ad_hoc
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Re: Die Katholiken und Paulus
Ich auch.ad_hoc hat geschrieben:Ich sehe es eher umgekehrtRobert Ketelhohn hat geschrieben:Eher „bekam“ oder „errang“. Zu ihrem und unserem Verhängnis, nach meinem bescheidenen Urteil. Daraus ist nichts Gutes erwachsen.ad_hoc hat geschrieben:Bürgerrechte besaßDas kann ich nicht erkennen, von Ausnahmen abgesehen.ad_hoc hat geschrieben:die abendländische Kultur derart fruchtbringend bereichert hat
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Re: Die Katholiken und Paulus
Dann nenn’ mir mal ein paar Früchte.ad_hoc hat geschrieben:Ich sehe es eher umgekehrt
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Re: Die Katholiken und Paulus
Fällt mir leider gerade nichts ein. Aber mir kam es auch mehr auf die verlorengegangene kulturelle, geistige Atmosphäre eines jüdisch-christlich geprägten Europas an, im Gegensatz zur nunmehrigen Unkultur, die sich auf dem nicht mehr besetzten Platz eingerichtet hat und den Untergang desjenigen Abendlandes, wie es seit Jahrhunderten bestand, eher noch forciert.
Aber eine Literaturempfehlung, damit Du weißt, was ich meine, kann ich geben. Und es würde mich schon sehr wundern, wenn Dir das kleine Taschenbuch nicht gefallen würde:
"Die 'Tante Jolesch", oder der Untergang des Abendlandes in Anekdoten, v. Friedrich Torberg, dtv.
Ein brilliant geschriebens Buch, auch wenn bei aller Komik doch viel Wehmut anfällt.
Abgesehen davon, gibt es über das Thema Juden in Europa sehr viel Literatur. Ein Buch habe ich gerade vor mir liegen:
"Und wurden zerstreut unter alle Völker", die nachbiblische Geschichte des jüdischen Volkes, v. Werner Keller, Knaur.
Gruß, ad_hoc
Aber eine Literaturempfehlung, damit Du weißt, was ich meine, kann ich geben. Und es würde mich schon sehr wundern, wenn Dir das kleine Taschenbuch nicht gefallen würde:
"Die 'Tante Jolesch", oder der Untergang des Abendlandes in Anekdoten, v. Friedrich Torberg, dtv.
Ein brilliant geschriebens Buch, auch wenn bei aller Komik doch viel Wehmut anfällt.
Abgesehen davon, gibt es über das Thema Juden in Europa sehr viel Literatur. Ein Buch habe ich gerade vor mir liegen:
"Und wurden zerstreut unter alle Völker", die nachbiblische Geschichte des jüdischen Volkes, v. Werner Keller, Knaur.
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Re: Die Katholiken und Paulus
ad_hoc hat geschrieben:die verlorengegangene kulturelle, geistige Atmosphäre eines jüdisch-christlich geprägten Europas
Robert Ketelhohn hat geschrieben:Lieber Overkott, dem stimme ich ja ganz zu. Das kann die Kirche doch niemals ausblenden (und hat sie auch nie getan), welcher Wurzel ihr Herr entstammte, ebenso die Apostel, und in welchen edlen Stamm die ehemals wilden Zweige eingepfropft wurden, aus welchen sie heute ganz überwiegend besteht.overkott hat geschrieben:Der hl. Bonaventura ist sicherlich ein Kronzeuge der jüdisch-abendländischen Tradition. Schließlich hatte er nicht nur die sieben freien Künste studiert, sondern war auch weitgehend Alttestamentler. Als Schöpfungstheologe war für ihn der sechste Tag der Tag des Lebens und der Erschaffung des Menschen. Das sechste Kapitel seiner Reise des Geistes zu Gott war das Kapitel über den Schöpfer in seiner Dreifaltigkeit als Urheber des Lebens. Der Ecclesiast Koholet war für ihn ein Gottgläubiger und kein Nihilist. Der Karfreitag ist für ihn ein Tag des Lebens, weil er das Kreuz als Baum des Lebens versteht. Heute erscheint uns Bonaventura als ein harmonisierender und evolutionärer Denker, der aus abendländischer Bildung heraus die jüdische Theologie in christlicher Tradition weiterdenkt.Robert Ketelhohn hat geschrieben:Es gibt keine „jüdisch-abendländische“ Tradition. Es gibt die Kirche mit ihrem abendländischen und ihrem morgenländischen Flügel, das ist das wahre Israel, nicht mehr Schatten, sondern Realität.Overkott hat geschrieben:Damit stellen die deutschen Bischöfe jedenfalls klar, dass der Gottesbezug einer Verfassung bereits Ausdruck einer Entideologisierung ist, dass weder Christdemokraten, noch Sozialdemokraten, noch Liberale die Trinität für sich allein reklamieren können und ihre Denksysteme keinen Totalanspruch erheben. Natürlich geht es im Gottesbezug einer Verfassung um die Bewahrung einer jüdisch-abendländischen Tradition, die in einem transzendenten Schöpfungsverständnis ihren Ursprung hat.
Das ist die traditionelle heilsgeschichtliche Sicht der Kirche. – Wenn aber heute Politiker und Medienleute jenen ominösen Begriff gebrauchen, dann haben sie beim Wort „jüdisch“ allzu oft keineswegs das Israel der Erzväter und der Propheten und der allheiligen Jungfrau und Gottesmutter im Sinn, sondern jenes synagogale Judentum des Talmud und der Kabbala, welches in christlicher Zeit den Pharisäismus fortsetzte, und den daher stammenden jüdischen Anteil an Kultur und Wirtschaft seit dem Illuminismus.
Dieses Judentum aber war, und daran halte ich fest, der Kirche immer feind, und es hat zu ihrer fruchtbaren Kultur auch nichts beigetragen. Im Gegenteil, in den letzten dreihundert Jahren hat es, im Verein mit andern destruktiven Kräften, fast nur zerstörerisch gewirkt.
Robert Ketelhohn hat geschrieben:Es gibt keine „jüdisch-abendländische“ Tradition. Es gibt die Kirche mit ihrem abendländischen und ihrem morgenländischen Flügel, das ist das wahre Israel, nicht mehr Schatten, sondern Realität.Overkott hat geschrieben:Damit stellen die deutschen Bischöfe jedenfalls klar, dass der Gottesbezug einer Verfassung bereits Ausdruck einer Entideologisierung ist, dass weder Christdemokraten, noch Sozialdemokraten, noch Liberale die Trinität für sich allein reklamieren können und ihre Denksysteme keinen Totalanspruch erheben. Natürlich geht es im Gottesbezug einer Verfassung um die Bewahrung einer jüdisch-abendländischen Tradition, die in einem transzendenten Schöpfungsverständnis ihren Ursprung hat.
Und es gibt die ganze Geschichte der Kirche hindurch das Gegenmodell mit seinen zahllosen Strömungen, genannt Babylon oder die civitas terrena.
Dazu gehört – nicht nach religiösen oder glaubensabhängigen, sondern kulturhistorischen Kriterien – sehr eindeutig auch, was uns heute in der täglichen Mediendröhnung als „jüdisch-abendländische Tradition“ verkauft zu werden pflegt: nämlich sowohl (a) die verblendete Synagoge der christlichen Ära in der Tradition eines Hannas und Kaiphas, Jesu und der Kirche allzeit spinnefeind, als auch (b) das „aufgeklärte“, besser: illuministische, sich mit gleichartigen vom Christentum abfallenden Strömungen vereinigende liberale Judentum vor allem seit dem 18. Jht. als auch (c) der angeblich so hochstehende, fortschrittliche jüdische Einfluß im Kulturleben seit dem 19. Jht., der in Wahrheit fast stets zerstörerisch war und maßgeblich dazu beigetragen hat, den Humusboden einer christlichen, kirchlichen Zivilisation in Europa auszutrocknen und unfruchtbar zu machen.
»Fast stets zerstörerisch«, sage ich, und füge eilends bei: Es gab und gibt gewiß auch noch diejenigen aus Israel nach dem Fleisch, die darein nicht passen, sondern ganz im Gegenteil aufbauen und sich mühen im Weinberg des Herrn, auch im Kulturleben. Franz Werfel sei genannt. Leider aber eben doch als Ausnahme.Overkott hat geschrieben:Der Gottesbezug als Vorwort einer Verfassung ist wie der Sonntag einer Woche.Robert Ketelhohn hat geschrieben:Ich stimme nicht zu. Allein schon der Begriff „Gottesbezug“ verursacht meinem Magen gewisse Reflexe. Wenn schon, dann laßt uns nicht uns irgendwie verklausuliert auf Gott „beziehen“, sondern ihn ganz einfach anrufen. Klar und geradeheraus.Dirk hat geschrieben:Dem Papst scheint der Gottesbezug nicht unwichtig zu sein. Und ich stimme ihm da zu:
http://www.kath.net/detail.php?id=7922
Das aber können wir von einer antichristlichen Gesellschaft nicht erwarten. Schluß mit den Illusionen. (Es ist übrigens auch gefährlicher Unfug zu meinen, die Wurzeln dieses Europa seien christlich. Nein, da ist was aus ganz anderm Wurzelwerk erwachsen.)
Robert Ketelhohn hat geschrieben:Das trifft in dem Sinne zu, wie du auch von einer vielhundertjährigenPit hat geschrieben:daß es vorher auch eine fast 1 Jahre währende deutsch-
jüdische Geschichte gab
polnisch-russischen oder ungarisch-rumänischen Geschichte reden
könntest. Meinst du es aber so, wie heute oft – daß der Tropfen den
Stein höhle – von der „jüdisch-christlichen Tradition des Abendlands“
gesprochen wird: dann ist es schlicht falsch.
Denn es handelt sich vielmehr um zwei getrennte, nebeneinander ab-
gelaufene „Geschichten“. Natürlich mit zahlreichen Berührungspunk-
ten. Aber eben doch die Geschichte getrennter, sich getrennt empfin-
dender und definierender Gemeinschaften mit je eigenen Rechtskrei-
sen, eigenen Organen, eigener Kultur und Litteratur, die einander
weitgehend fremd blieben.
Zur abendländischen Kultur hat das synagogale Judentum der Zeit
der Kirche in der Tat sehr wenig bis gar nichts beigetragen. Das Jüdi-
sche oder besser Israelitische in der Kirche, in Theologie und Liturgie
und in der ganzen Kultur des Abendlands (und ebenso natürlich des
christlichen Morgenlands) stammt nicht aus der Synagoge, sondern
vom „vorchristlichen“ Volk Israel und seinen heiligen Schriften her,
die ja alle auf die Erfüllung der an die Väter ergangenen Verheißung
abzielen, welche in Christus endlich erfolgte.
Dies änderte sich erst in der Zeit der Aufklärung, als das Abendland
geistig den Rückzug antrat, die Gesellschaft zunehmend entchristlicht
und entkirchlicht wurde. Seit dieser Zeit – und nicht eher – gewannen
Juden mehr und mehr Anteil an der – nunmehr nicht mehr christli-
chen, sondern bürgerlichen – Gesellschaft und ihrem öffentlichen Le-
ben. Die Umwälzungen der Aufklärungszeit haben das einerseits er-
möglicht, andererseits wurde sie gerade auch unter nicht unmaßgebli-
cher Beteiligung von Juden herbeigeführt.
In diesem Sinne gibt es eine „deutsch-jüdische Geschichte“ also nicht
seit tausend Jahren, sondern gerade mal ein Vierteljahrtausend. Eine
„jüdisch-christliche Tradition“ dagegen gibt es überhaupt nicht, son-
dern die Tradition Israels von den Stammvätern und Propheten her,
die in der Kirche fortlebt, und die Tradition der Synagoge, in welcher
das Erbe der Pharisäer und der Verfolger der Propheten fortlebt.
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Thomas_de_Austria
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Re: Die Katholiken und Paulus
Das kann ich nicht erkennen, von Ausnahmen abgesehen.
Ja, an "Bereicherungen" kann man in der Tat nicht viel erkennen.
Re: Die Katholiken und Paulus
Hollywood.Robert Ketelhohn hat geschrieben:Dann nenn’ mir mal ein paar Früchte.ad_hoc hat geschrieben:Ich sehe es eher umgekehrt
Actually, it just shows how dumb America has gotten. Jews totally run Hollywood.
Multi venient in nomine meo, id est in nomine corporis mei. (Tichonius Africanus)
———
Quomodo facta est meretrix civitas fidelis (Is 1:21)
———
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Re: Die Katholiken und Paulus
Nicht nur unter Juden gibt es Menschen, die ihren Fähigkeiten entsprechend, durch Unkorrektheiten und menschenverachtende Handlungen auffallen und die Gesellschaft manipulativ instrumentalisieren und stören, es gibt sie auch unter Christen.
Nochmals: Mir ging es um die ganz normalen bürgerlichen Juden, die unter ganz normalen bürgerlichen Deutschen und Österreichern lebten und das Bürgertum insgesamt, den Handel sowie die Kultur belebten und bereicherten. Es gibt immer noch viele Menschen, die sich an die durch die Nazizeit verursachten Lücken in allen Lebensbereichen der Nachkriegszeit erinnern.
Keine Zweifel habe ich daran, dass sich damals die Bürger mit den Juden besser verstanden, als die heutigen Bürger mit dem, was aus einschlägigen Ländern seit den 60er Jahren bei uns einfällt und den Restbeständen an christlicher abendländischer Kultur vollends den Garaus macht.
Wenn Euch das besser gefällt....
Gruß, ad_hoc
Nochmals: Mir ging es um die ganz normalen bürgerlichen Juden, die unter ganz normalen bürgerlichen Deutschen und Österreichern lebten und das Bürgertum insgesamt, den Handel sowie die Kultur belebten und bereicherten. Es gibt immer noch viele Menschen, die sich an die durch die Nazizeit verursachten Lücken in allen Lebensbereichen der Nachkriegszeit erinnern.
Keine Zweifel habe ich daran, dass sich damals die Bürger mit den Juden besser verstanden, als die heutigen Bürger mit dem, was aus einschlägigen Ländern seit den 60er Jahren bei uns einfällt und den Restbeständen an christlicher abendländischer Kultur vollends den Garaus macht.
Wenn Euch das besser gefällt....
Gruß, ad_hoc
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Thomas_de_Austria
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Re: Die Katholiken und Paulus
Keine Zweifel habe ich daran, dass sich damals die Bürger mit den Juden besser verstanden, als die heutigen Bürger mit dem, was aus einschlägigen Ländern seit den 60er Jahren bei uns einfällt und den Restbeständen an christlicher abendländischer Kultur vollends den Garaus macht.
Ach, ehrlich? - Wenn man sich ansieht, wie das in Wien um AD 1900 (+/- ein, zwei Jahrzehnte) war und wie es, nur mit einem anderen Volk, mit einer anderen Religion, heute ist, dann merkt man schon, wenn man ein bisschen überlegt - auch den reinen Zahlen nach* -, dass die Unterschiede, vor allem der Wirkung bei der "autochthonen" Bevölkerung, gewiss nicht allzu groß sind. Ob ich dort jetzt zu gewissen Tageszeiten, an gewissen Orten, alles mit mohammedanischen Türken oder mit sog. "Kaftanjuden" aus dem Osten überlaufen vorfinde, macht praktisch eben nicht unbedingt einen allzu groben Unterschied (- deswegen, gab es damals antisemitische und heute "fremdenfeindliche" Tendenzen ...). - Also, dass sich "die Oberschicht" (das dürften Sie ja scheinbar mit "den Bürgern" meinen), mit den Juden so gut verstand, wie sich jetzt auch die gegenwärtige Oberschicht, mit Ausländern doch recht gut versteht, mag schon glaubhaft sein (aber hier besteht heute auch kein allzu großer Unterschied), aber über die Bevölkerung und in welcher "Reputation" sie damals bei derselben standen, darüber lässt sich damit nichts aussagen und das dürfte sich nicht groß von der heutigen Situation, mit anderen Völkern, mit anderer Religion unterschieden haben.
---* Anm.: Nur, um sich auch ein bisschen die Relationen zu verdeutlichen: Jetzt gibt es in Wien ungefähr 41.000 Türken und 124.000 Menschen aus Ex-Jugoslawien. Im Jahr 1923 gab es in Wien rund 201.000 (!) Juden.
Re: Die Katholiken und Paulus
Gibt es eigentlich eine jüdische Deutung der Shoah als Strafe Gottes für die eigenen Sünden und wenn nein, warum?
Christi vero ecclesia, sedula et cauta depositorum apud se dogmatum custos, nihil in his umquam permutat, nihil minuit, nihil addit; non amputat necessaria, non adponit superflua; non amittit sua, non usurpat aliena. (Vincentius Lerinensis, Com. 23, 16)
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Miserere Nobis Domine
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Re: Die Katholiken und Paulus
Gibt es, z.B. vom Satmarer Rebbe, als Strafe für die Vernachlässigung der göttlichen Gebote, Assimilation und Zionismus.ad-fontes hat geschrieben:Gibt es eigentlich eine jüdische Deutung der Shoah als Strafe Gottes für die eigenen Sünden und wenn nein, warum?
Re: Die Katholiken und Paulus
Aber warum nur als Einzelmeinung, nicht als kollektive Interpretation?Miserere Nobis Domine hat geschrieben:Gibt es, z.B. vom Satmarer Rebbe, als Strafe für die Vernachlässigung der göttlichen Gebote, Assimilation und Zionismus.ad-fontes hat geschrieben:Gibt es eigentlich eine jüdische Deutung der Shoah als Strafe Gottes für die eigenen Sünden und wenn nein, warum?
Christi vero ecclesia, sedula et cauta depositorum apud se dogmatum custos, nihil in his umquam permutat, nihil minuit, nihil addit; non amputat necessaria, non adponit superflua; non amittit sua, non usurpat aliena. (Vincentius Lerinensis, Com. 23, 16)
Re: Die Katholiken und Paulus
Der Strang heißt "Die Katholiken und Paulus".
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Re: Die Katholiken und Paulus
Die Katholiken sind das wahre Israel, und Paulus stammt aus der Synoagoge; - da wird die Frage doch wohl erlaubt sein!?Nassos hat geschrieben:Der Strang heißt "Die Katholiken und Paulus".
Christi vero ecclesia, sedula et cauta depositorum apud se dogmatum custos, nihil in his umquam permutat, nihil minuit, nihil addit; non amputat necessaria, non adponit superflua; non amittit sua, non usurpat aliena. (Vincentius Lerinensis, Com. 23, 16)