Christozentrismus

Schriftexegese. Theologische & philosophische Disputationen. Die etwas spezielleren Fragen.
Benutzeravatar
nomads
Beiträge: 1322
Registriert: Mittwoch 5. November 2025, 00:23
Wohnort: Buxtehude

Re: Christozentrismus

Beitrag von nomads »

Sascha B. hat geschrieben:
Mittwoch 26. August 2026, 21:58
Und Zwingli, Calvin, Menno Simons usw? Luther war ja nicht der einzige Reformator und es hatten sicher nicht alle die selben Gründe für ihr handeln.
Jan Hus gabs ja auch noch, Waldenser und sonstige Gruppen.
und? Sind sie aus der Sicht der Orthodoxie Heilige, oder zumindest keine Häretiker? Wenn ja, dann vielleicht nur deshalb, weil sie die RKK verlassen haben. :blinker:
Ich habe Luther als Beispiel angeführt, weil er der Bekannteste ist, auf den sich die ganze protestantische und evangelikale "Welt" beruft. Sie alle hatten ihre Gründe, weil sie (aus meiner Sicht) das Wesen der Kirche Christi nicht erkannt haben. Mir sind sie eh egal.

Sascha B. hat geschrieben:
Mittwoch 26. August 2026, 21:58
Sascha B. hat geschrieben:
Mittwoch 26. August 2026, 21:58
Sascha B. hat geschrieben:
Mittwoch 26. August 2026, 21:29
Das wäre so als würde man dir Unterstellen du wärst nur Katholisch weil du das von Klein auf kennst oder weil davon einen weltlichen Vorteil hast.
welchen weltlichen Vorteil meinst Du?
Ein weltlicher Vorteil könnte bestehen wenn man bei der Carias beschäftigt ist (in deinem Fall sicher nicht mehr der Fall) da dort Führungsposten nur an Katholiken gehen. Ein Lehramtsstudium katholische Theologie wird durch eine Konversion auch Nutzlos. Ich möchte nicht behaupten dass bei dir ein weltlicher Grund vorliegt, aber es gibt Menschen welche die katholische Kirche nicht verlassen da sie ihren Posten nicht verlieren wollen. Habe selbst lange genug bei der Caritas gearbeitet und kenne mehrere Fälle.
das alles betrifft mich nicht.

Sascha B. hat geschrieben:
Mittwoch 26. August 2026, 21:58
Die andere Option ist, man ist einfach Katholisch, Orthodox oder Moslem da man da rein geboren wurde. Man kennt es und macht es daher einfach weiter. Oder man will die Familie nicht enttäuschen.
ja, ich gebe zu, ich bin in einer rein römisch-katholischen Familie und Umgebung geboren, hatte ausgezeichnete Religionslehrer, aber dennoch, als ich in meinem Militärdienst langeweile hatte, habe ich die Werke von W.I.Lenin angefangen zu lesen - ich wolle auch die andere (linke) Seite der Menchheit kennenlernen. Nach 3 Seiten habe ich die Bücher wieder in der Bibliothek abgegeben - so ein langweiliges Zeug ziehen sich nur Masochisten rein!
Danach habe ich die Bücher von Hoimar von Ditfurth gelesen und war fasziniert - nicht wegen seiner atheistischen Sichtweise, sondern was mich beeindruckt hat, war sein Wissen und die Art, wie er es übermitteln konnte. Danach habe ich die ganze Bibel gelesen - von der ersten bis zu letzten Seite und kam zu folgendem Schluss: entweder sind das Märchen (wie der "fake-ottaviani" behauptet, nachdem er vom Glauben abgefallen ist), oder es ist die Offenbarung Gottes. Wenn die Bibel aber von der Offenabrung Gottes berichtet, fragte ich mich, wer ist denn so töricht und glaubt das nicht - zumal es logisch ist, dass es besser ist an Gott zu glauben, als nicht zu glauben. Tja, und da die Bibel unter anderem vom Petrus, als dem ersten Papst berichtet und der absoluten Unauflöslichkeit der Ehe, habe ich beschlossen römisch-katholisch zu bleiben. und hätte ich es nötig, mich noch mal taufen zu lassen, hätte ich es veranlast. Da ich aber vor V2 getauft und vor der Liturgiereform gefirmt wurde, bin ich mit Sicherheit kein "Bastard" (nach Meinung der FSSPX) und musste mich nicht noch mal taufen lassen. :breitgrins:

Sascha B. hat geschrieben:
Mittwoch 26. August 2026, 21:58
Soll aber auch Menschen die aus solchen Gründen konvertieren.
die katholischen Polen haben dafür eine Redewendung:
„cudze chwalicie, swego nie znacie” - auf deutsch heißt es: „Ihr lobt das Fremde, aber das Eigene kennt ihr nicht”. Auch deshalb konvertieren Menschen. :blinker:

Sascha B. hat geschrieben:
Mittwoch 26. August 2026, 21:58
Sascha B. hat geschrieben:
Mittwoch 26. August 2026, 21:58
Sascha B. hat geschrieben:
Mittwoch 26. August 2026, 21:29
Orthodox zu sein ist nichts was man sich aus weltlichen Günden antut. Und das antun meine ich wirklich so. :breitgrins:
das musst Du sagen (schreiben), weil Du orthodox geworden bist :D
etwa 200 Fastentage im Jahr ohne tierische Produkte, ewig lange Gottesdienste im Stehen, ewig lange Gebetsregeln. Das tut sich niemand an wenn er es nicht Inhaltlich glaubt. Die Auswirkungen aufs Leben sind ja nicht ohne. Von den Moralvorstellungen mal abgesehen. Die haben richtige Katholiken aber auch.
römisch-katholisch:
- Sonntagspflicht
- Jeder Freitag ist ein Fastentag - also min. 52 im Jahr.
- im Advent und Fastenzeit kein Tanz, keine Disko, kein Alkohol
- 3 Tage im Jahr sind Fasten- und Abstinenztage (für mich und meine Familie auf jeden Fall)
- keine Wiederheirat nach Scheidung
- keine Priesterweihe nach Heirat (meinetwegen könnte man das ändern und so machen wie in der Orthodoxie)
Zuletzt geändert von nomads am Mittwoch 26. August 2026, 22:43, insgesamt 5-mal geändert.

Peduli
Beiträge: 4455
Registriert: Dienstag 26. Juli 2022, 04:07

Re: Christozentrismus

Beitrag von Peduli »

logoschristus hat geschrieben:
Mittwoch 26. August 2026, 18:55
Peduli hat geschrieben:
Mittwoch 26. August 2026, 18:25
Da wir uns hier im Thread "Christozentrismus" befinden, einige Überlegungen zum Papstzentrismus der katholischen Kirche:

1. Ein Gott, ein Christus, ein Papst als sein Stellvertreter!
2. Der Papst hat in seinem Amt die Funktion, die potentielle Einheitlichkeit der Christenheit zu verdeutlichen
3. Daß das Papstamt im Laufe der Kirchengeschichte einer evolutionären Entwicklung unterzogen wurde, spricht nicht gegen das Papstamt, sondern für Selbiges, weil der Hl. Geist die Gläubigen immer tiefer in die Geheimnisse Gottes hineinführt. Ähnliches gilt für die Entwicklung der Dogmen wie John Henry Kardinal Newman überzeugend nachgewiesen hat: "An Essay on the Development of Christian Doctrine"
Ich gehe mal noch einen anderen Schritt, der zumindest auch mit dem Papst zu tun hat.

Irgendwann habe ich beschlossen, nicht mehr konfessionell oder multireligiös, sondern kirchlich denken zu wollen.

Konfessionelles Denken wäre für mich: Ich entscheide mich für eine der Konfessionen, die hier zur Verfügung stehen.
Multireligiöses Denken wäre für mich: Ich entscheide mich für eine der Religionen, die hier zur Verfügung stehen.

Zwar stimme ich dem Kirchenmodell, das der Vatikan vorgelegt hat, vollumfänglich zu, ich betrachte Kirche aber gleichzeitig von ihrem territorialen Aspekt her.
Mein kirchliches, territoriales Denken unterscheidet erstmal hinsichtlich der Wahrheitsfrage nicht zwischen Orthodoxie und Katholizismus, sondern sieht beide als einen Zweig der Kirchen der apostolischen Sukzession.

Wenn jemand in einem Bundesland in Deutschland wohnt und sagt "Ich werde orthodox", ist das für mich konfessionelles Denken. Denn spätestens, wenn die Kirchenspaltung überwunden ist, untersteht er wieder einem katholischen Bischof. Dass hierzulande orthodoxe Gemeinden sind, ist nur ein Ergebnis von Migrationsbewegungen, dass orthodoxe Christen gerne ihren orthodoxen Gottesdienst in ihrer Heimatsprache feiern wollten. Der abtrünnige Lateiner profitiert von den muttersprachlichen orthodoxen Gemeinden, entzieht sich aber seinem territorial zuständigen lateinischen Bischof.

Die Papstfrage schließt an dieser Stelle an. Aus Sicht einer Gemeinde in einem nicht-westlichen Patriarchat kann ich die Fragestellung, inwiefern dort der Papst als Oberhaupt akzeptiert wird, nachvollziehen, wenn ich mich für die Argumente öffne. Sie empfinden das als Übergriffigkeit. Ich teile diese Ansicht nicht, kann aber das Denken zumindest nachvollziehen.

Für jemanden, der allerdings hierzulande im römischen Patriarchat lebt, kommen wir zu einer doppelten Problematik, wenn er sich einer orthodoxen Gemeinde anschließt. Auch ohne die Frage, welche Vollmacht der Papst über die orthodoxen Patriarchate hätte, wäre er der zuständige Patriarch für das Abendland. Mit dem Wechsel in eine orthodoxe Gemeinde entzieht sich der abtrünnige Lateiner nicht nur dem zuständigen Bischof der katholischen Kirche, sondern auch dem zuständigen Patriarchen des Abendlandes, dem Bischof von Rom.

Der in die Orthodoxie konvertierende Lateiner steht damit in der gleichen Rebellion wie der Protestant gegenüber Rom.
Konfessionelles Denken hat sich erst im Laufe der Zeit herausgebildet und dient der Abgrenzung voneinander innerhalb der Christenheit. Mithin sind derlei Denkhaltungen kritisch zu betrachten.

Die frühe Kirche hatte bereits alle dogmatischen Grundlagen gelegt, die bis heute Gültigkeit haben.
Wenn man also über Ökumene redet, muß immer die Patrologie und der dabei entstandene consensus patrum im Fokus stehen.

Die Schwierigkeit bei dem konfessionelles Denken entsteht aus der untrennbaren Verbindung zwischen Denken und Sprache. Schon Tertullian hat die meines Erachtens bislang unübertroffene Definition vorgelegt: "Denken ist ein Sprechen mit sich selber!"
Der für die Formulierung von Dogmen erforderliche Weg ist jedoch, daß die Sprache von Subjektivismen gereinigt wird. Diese Reinigung ist der katholischen Kirche nach meiner Meinung in den letzten 2.000 Jahren jedoch immer gelungen.

Im Übrigen erinnere ich an den weithin bekannten Aphorismus: Ubi Petrus, ibi ecclesia! :ja: :ja: :ja:
Wer nicht weiß, wo er herkommt, weiß auch nicht, wo er hinwill.
Schauen wir dankbar zurück, mutig vorwärts und gläubig aufwärts!

(F.J.S.)

Der LOGOS bestimmt das Sein!
Das Sein definiert das Nicht-Sein!

Benutzeravatar
Sascha B.
Beiträge: 2668
Registriert: Mittwoch 21. April 2010, 20:25
Wohnort: Bayern

Re: Christozentrismus

Beitrag von Sascha B. »

Nomands, hättest Stalin lesen müssen, der schrieb nicht so Langweilig wie Lenin :D
Trotzky ist auch schrecklich zu lesen. Thälmann machte schon mehr Spaß.
Mao und Enver Hoxha waren auch nicht mein Fall.

Jetzt ruft jedoch das Bett.

Gute Nacht an alle.

Benutzeravatar
logoschristus
Beiträge: 15
Registriert: Samstag 22. August 2026, 06:37

Re: Christozentrismus

Beitrag von logoschristus »

Sascha B. hat geschrieben:
Mittwoch 26. August 2026, 21:58
etwa 200 Fastentage im Jahr ohne tierische Produkte, ewig lange Gottesdienste im Stehen, ewig lange Gebetsregeln. Das tut sich niemand an wenn er es nicht Inhaltlich glaubt. Die Auswirkungen aufs Leben sind ja nicht ohne. Von den Moralvorstellungen mal abgesehen. Die haben richtige Katholiken aber auch.
Auf tierische Produkte zu verzichten ist beim heutigen veganen Zeitgeist wirklich eine Herausforderung. 8)

Ansonsten fehlt mir bei Deiner Liste noch die ewig langen Morgen- und Abendgebete, die manch einen schon praktisch die Plapperei antrainierten, und die gefühlten 150 Bekreuzigungen in jedem Gottesdienst.

Ich wünsche Dir, dass Gott Dir diese Leistungen anrechnet. Das meine ich ehrlich so.
Persönlich glaube ich, dass das alles nur seinen Wert hat, wenn es in einer Gottesbeziehung stattfindet. Sonst helfen Dir auch keine 4stündigen Gottesdienste.

Benutzeravatar
logoschristus
Beiträge: 15
Registriert: Samstag 22. August 2026, 06:37

Re: Christozentrismus

Beitrag von logoschristus »

nomads hat geschrieben:
Mittwoch 26. August 2026, 22:29
römisch-katholisch:
Ich lobe mir am katholischen eigentlich den gesunden Mittelweg jenseits der Extreme. Denn eines verträgt sich nicht: der Eifer, den es braucht, besondere Herausforderungen zu leisten, um in der wahren Kirche zu verbleiben, und andererseits, dass es doch eben das Notwendige ist, in Christus Kirche zu verbleiben. Es erinnert mich an Calvinisten, die Erwähltheit darin glauben zu erkennen, dass Menschen erfolgreich sind.

Antworten Vorheriges ThemaNächstes Thema