Seite 1 von 1

"Bewusstsein" im Gebet

Verfasst: Dienstag 4. August 2009, 16:24
von azs
Hallo,

mal eine praktische und vielleicht auch schon fast mystische Frage:

Wenn ihr betet, wohin steuert ihr euer "Bewusstsein" / eure Aufmerksamkeit? Mir ist aufgefallen, dass ich oft mit meinem Gebet nach außen "strahle", also ich mein Bewusstsein auf den externen, über mir stehenden Gott lenke und mich zu ihm erhebe.

In Theresa von Avilas "Die innere Burg" beschreibt sie, dass Gott in uns wohnt und wir ihn dort suchen sollen. Wir sollen aufhören ihn äußerlich zu suchen und uns beim beten unserem Herz und unserem inneren zuzuwenden. In vielen Beschreibungen über das kontemplative Beten und die Mystik findet man den Hinweis, im eigenen Innern nach der Vereinigung mit Gott zu suchen. Mir persönlich fällt das sehr schwer.

Wie macht ihr das? Betet ihr nach "außen" oder nach "innen"? Und was für Erfahrungen macht ihr dabei? Mir ist aufgefallen, dass ich beim Herzensgebet in Gott selbst versinken kann (auch wenn mir das nur selten gelingt), wenn ich meine Gedanken und mein Bewusstsein nach innen richte, wobei ich meine normalen Gebete fast automatisch nach "außen" richte.

Dazu passt auch die immerwiederkehrende Formulierung in allen möglichen Schriften und Aussagen der Heiligen, sich eine "innere Zelle" einzurichten, in der man auch in jeglichem Trubel des Alltags betend und betrachtend versinken kann.

Ich bin gespannt auf eure Berichte und Erfahrungen.

Liebe Grüße
azs

Re: "Bewusstsein" im Gebet

Verfasst: Dienstag 4. August 2009, 16:41
von cantus planus
Ich erhebe meine Seele zum Herrn, wie der Psalm so schön sagt. Ich lobe und preise ihn, trete in Zwiesprache mit ihm, trage meine Sorgen vor ihn (selten erlaube ich mir auch, im Angesicht des Herrn zu zürnen), und dabei fühle ich mich nach einiger Zeit oft ganz von ihm durchdrungen. Ich habe meine Schwierigkeiten mit der Formulierung, "Gott in uns zu suchen". Das ist zwar theologisch nicht falsch, wurde aber oft sehr esoterisch vernebelt.

Re: "Bewusstsein" im Gebet

Verfasst: Donnerstag 6. August 2009, 00:10
von incarnata
ad cantus: ja weil sich esoteriker oft für mystiker halten.
ad asz:
Gott ist über uns-wir schauen demütig staunend und in Ehrfurcht zu Ihm auf
ER ist neben uns,steht uns in Christus als Bruder zur Seite
ER ist unter uns,wenn ER uns auffängt,wenn wir fallen-und wenn ER sich uns ausliefert in der Gestalt des Brotes
ER ist in uns im Augenblick der Vereinigung von Gott und Mensch und bleibt in uns,wenn wir in Ihm bleiben als ewig glimmendes Feuer,das uns Hilfe gibt,die Geister zu unterscheiden jeden Tag
Als personales Gegenüber erfahren wir IHN so im Gebet zunächst ausserhalb von uns;dann aber durchdringt ER uns und bleibt in uns.Innen und Aussen wird eins.
Ist dies gelungen,sieht es die Um-und Mitwelt auch an unseren Werken.
Angelus Silesius sagte: Und würde Christus tausend mal geboren-und nicht in Dir-Du wärest doch verloren !

Re: "Bewusstsein" im Gebet

Verfasst: Donnerstag 6. August 2009, 01:22
von Juergen
azs hat geschrieben:Wenn ihr betet, wohin steuert ihr euer "Bewusstsein" / eure Aufmerksamkeit?
Ich laber vor mich hin und hoffe, daß der Herr zuhört.
Wenn er es nicht tut, ist er selber Schuld.

Re: "Bewusstsein" im Gebet

Verfasst: Donnerstag 6. August 2009, 14:56
von Marion
azs hat geschrieben:Wenn ihr betet, wohin steuert ihr euer "Bewusstsein" / eure Aufmerksamkeit?
Ich bete nach außen (Richtung Herr im Himmel oben - aber mit Kopf nach unten) und das Bewusstsein/die Aufmerksamkeit steuert vor allem Richtung andächtig, also die Worte im Gebet und darauf, daß Gott gaaanz groß und gut ist und ich gaaaanz klein und böse.
Ob das nun innen oder außen ist weiß ich nicht, kann ich nicht sagen. :achselzuck:
In einem Zwiegespräch hat das noch nie geendet. Ich würd ganz schön erschrecken wenn da mal geantwortet wird. Manchmal fühlt sich das beten schön an und manchmal fühlt es sich an wie Buße.

Den Herr Gott in sich reinlassen stell ich mir vor, wie alle die ich lieb gewinne und in mein Herz schließe. Ich rede weiterhin mit ihnen nach außen. Der Trieb ihnen was Gutes zutun kommt dann von innen. Lass mich also von dem Geliebten beeinflussen und lenken. Er bleibt aber weiterhin draußen auch wenn sein Geist in mir wirkt.