"Religionsunterricht"?

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overkott
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Re: "Religionsunterricht"?

Beitrag von overkott » Dienstag 27. Januar 2015, 18:31

Im Zweifel auch die Schüler. Dabei steht an erster Stelle die verborgene Frage: Woran erkennen wir den dichotomen Charakter einer Ideologie?

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Yeti
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Re: "Religionsunterricht"?

Beitrag von Yeti » Dienstag 27. Januar 2015, 22:25

overkott hat geschrieben:Im Zweifel auch die Schüler. Dabei steht an erster Stelle die verborgene Frage: Woran erkennen wir den dichotomen Charakter einer Ideologie?
Dass jeder (leider nur) das (erste) Opfer seiner eigenen ist.
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Re: "Religionsunterricht"?

Beitrag von Yeti » Dienstag 27. Januar 2015, 22:33

Lilaimmerdieselbe hat geschrieben:Islamfeindliche Stimmung und mitunter auch islamische Übergriffigkeit sind aber nicht spezifisches Thema des Religionsunterricht. Da müssen sich schon die Klassenlehrer, die Schulleitung, auch gerne Eltern, kurz alle an der Schule Beteiligten insgesamt drum kümmern.
In den meisten Schulen, an denen ich unterrichtet habe, standen die nichtmuslimischen Schülerinnen und Schüler gegenüber muslimischen Schülerinnen und Schülern niemals feindlich gegenüber, die "heftigste" Reaktion war da noch am ehesten Unverständnis, meist wurde die Religion aber einfach ausgeklammert. Das geht z.B. in einem katholischen Religionsunterricht, an dem auch Muslime teilnehmen, nicht mehr. In solchen Fällen waren gläubige Muslime in der Klasse eher ein Ansporn für die übrigen Taufscheinchristen, sich mit dem eigenen Glauben zu befassen. Aber von Feindschaft keinerlei Spur. Das wäre auch seltsam, es ist normal, Muslime um sich zu haben, zumindest in einem gewissen städtischen Umfeld, sogar die Schulspeisungen und Schulkioske bieten mittlerweile fast alle auch Nahrungsmittel für Muslime an.
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Re: "Religionsunterricht"?

Beitrag von overkott » Dienstag 27. Januar 2015, 22:39

Yeti hat geschrieben:
overkott hat geschrieben:Im Zweifel auch die Schüler. Dabei steht an erster Stelle die verborgene Frage: Woran erkennen wir den dichotomen Charakter einer Ideologie?
Dass jeder (leider nur) das (erste) Opfer seiner eigenen ist.
Das sehen die Täter meist zu spät.

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Re: "Religionsunterricht"?

Beitrag von Yeti » Sonnabend 31. Januar 2015, 13:10

Schüler hatten Bibel nicht dabei: Wütender Pfarrer angezeigt und suspendiert... Und noch einige Ansichten über die Schwierigkeiten, heute Religionsunterricht zu erteilen:
Heutzutage Religionsunterricht zu erteilen ist ein harter Job. Völlig normal und unbeanstandet, wenn Schüler keine Hausaufgaben machen oder keine der eingesetzten Lernmaterialien (Bibel) mitbringen. Wie angesichts solcher Verhältnisse ein geplanter Unterricht möglich sein soll, spielt keine Rolle. Vielleicht kann der Kollege ja spontan was vorlesen, wenn die Schü-
ler ohne Unterlagen kommen...? Die festgelegten Lernziele wird man so wohl kaum erreichen. Und wenn dann auch noch zur Strafe was ins Heft geschrieben werden soll -- nee, das geht natürlich gar nicht! Ich kenne Lehrerkollegen, die haben einfach die Schnauze voll. Der Krankenstand steigt. Die Aggressionen auch. Trotzdem: Die Hand darf einem nicht ausrutschen. Das ist klar.
Mancher Kollege wird alternativ zum Temperamentsausbruch depressiv und lässt die Schüler machen. Ein Kollege meiner ehemaligen Schule gab einem Schüler nach einer Provokation in der ersten Aufregung eine Ohrfeige. Das hätte er besser nicht getan. Eine Suspendierung, ein Disziplinarverfahren und eine Gehaltskürzung waren die Folge. Der Mann ist jetzt fertig. Man hört schon von weitem im Flur, in welcher Klasse er gerade nicht mehr in der Lage ist, die Freude unseres Glaubens zu verkünden...
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Re: "Religionsunterricht"?

Beitrag von Pit » Sonnabend 31. Januar 2015, 13:18

Yeti,ich weiss nicht,wie es heute ist und kenne den Lehrplan hier für NRW nicht,aber zu meiner Zeit (Beginn bis Mitte 1980er Jahre) war es so,dass einige wenige Schüler wirklich Interesse am Reli-Unterricht hatten und auch kritisch nachfragten,eben weil sei interessiert waren,aber der Grossteil nur in dem Maße teilnahm,dass die Note in "Reli" die Gesamtnote des Halbjahreszeugnisses nach oben zog.
"Reli" war für die meisten Schüler auf unserer "Penne" ein klassisches "Ausgleichsfach".
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Re: "Religionsunterricht"?

Beitrag von Siard » Sonnabend 31. Januar 2015, 13:50

Spätestens ab der Oberstufe waren wir im Religionsunterricht nur noch Interessierte. Ein paar wechselten vom evangelischen zum katholischen, um einer Demontage ihres Glaubens zu entgehen. Meine letzten Erfahrungen legen nahe, daß es heute vermutlich umgekehrt klüger wäre. Als Ausgleichsfach war der Religionsunterricht damals ungeeignet.
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Re: "Religionsunterricht"?

Beitrag von Pit » Sonnabend 31. Januar 2015, 14:04

Siard hat geschrieben:Ein paar wechselten vom evangelischen zum katholischen, um einer Demontage ihres Glaubens zu entgehen. ....
Das dürfte in den 1980er Jahren der selbe Grund gewesen sein,warum man immer wieder überzeugte Lutheraner bei den Katholikentagen antraf,der Katholikentag war oft lutherischer als der Evangelische (!?) Kirchentag.
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Re: "Religionsunterricht"?

Beitrag von Yeti » Sonnabend 31. Januar 2015, 14:11

Pit hat geschrieben:Yeti,ich weiss nicht,wie es heute ist und kenne den Lehrplan hier für NRW nicht,aber zu meiner Zeit (Beginn bis Mitte 1980er Jahre) war es so,dass einige wenige Schüler wirklich Interesse am Reli-Unterricht hatten und auch kritisch nachfragten,eben weil sei interessiert waren,aber der Grossteil nur in dem Maße teilnahm,dass die Note in "Reli" die Gesamtnote des Halbjahreszeugnisses nach oben zog.
"Reli" war für die meisten Schüler auf unserer "Penne" ein klassisches "Ausgleichsfach".
Ja, kann ich z.T. bestätigen. Es gibt sogar Kolleginnen/Kollegen, die auf dieses Fach einen ausgesprochenen Hass haben, nicht aus Gründen des persönlichen Glaubens, sondern weil z.T. durch solche Noten Schüler doch noch weiterkommen, obwohl es besser für sie wäre, das Jahr zu wiederholen bzw. den Bildungsgang (z.B. Oberstufe bzw. Abitur) abzubrechen; das kommt zugegebenermaßen sehr selten vor, weil dann oft auch in anderen Hauptfächern die Noten zu schlecht sind, aber es kommt vor. Fakt ist aber: Religionsunterricht ist schulrechtlich ein Fach wie jedes andere, die Notenbildungsverordnung gilt hier ebenso. Als Leistung wird die mündliche und schriftliche Leistungserbringung, also mündliche Mitarbeit und schriftliche Lernzielkontrolle, gewertet. So gut wie alle Reli-Lehrpläne in den Bundesländern haben mittlerweile die Umstellung von der reinen Wissensvermittlung in Richtung Kompetenzaneignung vollzogen, zumindest auf dem Papier. Das Bewusstsein, dass die neuen kompetenzorientierten Lehrpläne mehr freie Curricula als feststehende Lehrpläne im alten Sinn sind, ist allerdings noch nicht weit verbreitet. Was die Motivation der Schüler angeht: Hier kommt es - auch wie in den anderen Fächern, aber für Religion ganz besonders - auf den Lehrer und seinen Unterricht an. Wenn er den Schülern als Person glaubwürdig erscheint, kritische Nachfragen nicht nur zulässt, sondern fördert und sich vor den Antworten nicht drückt und sich vor allen Dingen verständlich ausdrückt, stehen die Chancen für eine gute Schülermotivation nicht schlecht. Allerdings muss man speziell beim Religionsunterricht auch die Schüler- bzw. "Fachunterrichtsbiographie" der Schüler berücksichtigen. Welche Art des Unterrichts haben Schüler vorher genossen? Wurden nur Filme angesehen (das gibt es auch) oder wurde auch richtig gearbeitet? Mussten Schüler Bibeltexte und Gebete auswendig lernen (also rein auf reproduktives Wissen gesetzt), oder konnten sich auch die Schüler selbst in den Unterricht mit einbringen? Das alles spielt eine Rolle. Oft stellt ja der Religionsunterricht für die Schüler den einzig verbliebenen Kontakt zur Kirche dar. Wissen über das Christentum ist oft trotz mehrjähriger Lernbiographie im Fach kaum vorhanden, was auch eine Chance sein kann: Der christliche Glaube wird als etwas ganz Neues wahrgenommen.
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Re: "Religionsunterricht"?

Beitrag von Pit » Sonnabend 31. Januar 2015, 14:41

Yeti,schau mal hier
http://www.karl-leisner-jugend.de
Auf der Homepage finden sich u.A. zahlreiche Katechesen-auch zu den berühmten "heissen Eisen".
Die meisten Katechesen sind vom Webmaster der HP- Pfarrer Peter van Briel - und er hat die ersten Katechesen damals geschrieben,weil er sich erinnerte,dass er selber weder im Religionsunterricht noch vom Pfarrer viele Glaubensfragen beantwortet bekam und wenn dann unzureichend und nicht so,dass ein Jugendlicher sie auch verstand.
Das wollte er ändern,ich denke,es ist ihm gelungen und gelingt ihm noch,denn es kommen immer wieder mal Texte dazu.
Und genau das Problem,dass ihn antrieb,sehe ich leider immer noch.
Viele Reli-Lehre und auch viele Pfarrer in diesem Land wissen kaum bis garnicht,wie sie den Glauben so vermitteln können,dass ihn Kinder und Jugendliche verstehen,ganz zu schweigen davon,ob sie auf kritische Fragen eingehen oder ihnen wie gewohnt ausweichen.
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Re: "Religionsunterricht"?

Beitrag von Siard » Sonnabend 31. Januar 2015, 15:03

Pit hat geschrieben:Das dürfte in den 1980er Jahren der selbe Grund gewesen sein,warum man immer wieder überzeugte Lutheraner bei den Katholikentagen antraf,der Katholikentag war oft lutherischer als der Evangelische (!?) Kirchentag.
Das ist das größtes Häretikertreffen Deutschlands.
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Re: "Religionsunterricht"?

Beitrag von Yeti » Sonnabend 31. Januar 2015, 16:17

Pit hat geschrieben:Yeti,schau mal hier
http://www.karl-leisner-jugend.de
Auf der Homepage finden sich u.A. zahlreiche Katechesen-auch zu den berühmten "heissen Eisen".
Die meisten Katechesen sind vom Webmaster der HP- Pfarrer Peter van Briel - und er hat die ersten Katechesen damals geschrieben,weil er sich erinnerte,dass er selber weder im Religionsunterricht noch vom Pfarrer viele Glaubensfragen beantwortet bekam und wenn dann unzureichend und nicht so,dass ein Jugendlicher sie auch verstand.
Das wollte er ändern,ich denke,es ist ihm gelungen und gelingt ihm noch,denn es kommen immer wieder mal Texte dazu.
Und genau das Problem,dass ihn antrieb,sehe ich leider immer noch.
Viele Reli-Lehre und auch viele Pfarrer in diesem Land wissen kaum bis garnicht,wie sie den Glauben so vermitteln können,dass ihn Kinder und Jugendliche verstehen,ganz zu schweigen davon,ob sie auf kritische Fragen eingehen oder ihnen wie gewohnt ausweichen.
Ich kenne die Seite und finde sie sehr gut, vielen Dank. Was den zweiten Punkt betrifft: Sie müssten erzählen, am besten von sich selbst. Selbst gemachte, authentische Erfahrung und Erlebnisse sind m.E. im Reliunterricht durch nichts zu ersetzen. Aber nicht jeder bringt diese Bereitschaft zur Offenheit mit in den Beruf, außerdem muss man auch der Typ dafür sein, ich kann es keinem vorwerfen, bei mir funktioniert es eben so. Im Prinzip muss da jeder den Weg finden, der für ihn angemessen ist.
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Re: "Religionsunterricht"?

Beitrag von Yeti » Sonnabend 31. Januar 2015, 16:20

Siard hat geschrieben:
Pit hat geschrieben:Das dürfte in den 1980er Jahren der selbe Grund gewesen sein,warum man immer wieder überzeugte Lutheraner bei den Katholikentagen antraf,der Katholikentag war oft lutherischer als der Evangelische (!?) Kirchentag.
Das ist das größtes Häretikertreffen Deutschlands.
Es gibt da einen derben Witz: Tausend Mädels und keine einzige Hübsche dabei, wo bist du dann? Antwort: Auf einem Kirchentag.
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Re: "Religionsunterricht"?

Beitrag von Yeti » Montag 2. Februar 2015, 17:42

Eine "brandaktuelle" Forderung...:Religionsunterricht abschaffen! Hier das ganze Interview. Im Kern scheint es darum zu gehen:
Junge Welt hat geschrieben:Laut einem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes ist die Aufgabe des Religionsunterrichtes, die Glaubenssätze als »bestehende Wahrheiten zu vermitteln«. Das hat mit Bildung in einem demokratischen Staat nichts zu tun.
Diese Aussage scheint sich auf folgendes Urteil des Bundesverfassungsgerichts zu beziehen:
Bundesverfassungsgericht hat geschrieben:Gegenstand des Religionsunterrichts ist, so die Verfassungsrichter, "vielmehr der Bekenntnisinhalt, nämlich die Glaubenssätze der jeweiligen Religionsgemeinschaft. Diese als bestehende Wahrheiten zu vermitteln, ist seine Aufgabe" (BVerfG, Beschl. v. 25.02.1987, Az. 1 BvR 47/84).
Es scheint aber auch eine gewisse Unkenntnis der praktischen Unterrichtsbedingungen zu geben:
Junge Welt hat geschrieben:Die Einschulung der Jüngsten in die Grundschule beginnt vielerorts mit einem Kirchgang, die Eltern werden zumeist nicht informiert, dass hier die Teilnahme absolut freiwillig ist. Weiter ist die Teilnahme an dem konfessionellen Religionsunterricht auch für konfessionsangehörige Schülerinnen und Schüler freiwillig, doch die Schulen informieren nicht von sich aus über diese Tatsache. Auch gibt es vielerorts noch Gebete im allgemeinbildenden Unterricht und außerhalb des Religionsunterrichtes. Ebenso finden sich in vielen Schulen religiöse Symbole in Lehrer- und Klassenzimmern; wodurch Schüler gezwungen sind, ›unter dem Kruzifix‹ zu lernen. Das hat System, denn in manchen Landesverfassungen und Schulgesetzen findet sich als Erziehungsziel auch immer noch die »Ehrfurcht vor Gott«.
Aufgrund der Aufsichtspflicht - erst recht in Grundschulen! - müsste für diejenigen Schüler und Schülerinnen, die nicht am Gottesdienst teilnehmen wollen, eine Lehrkraft "abgestellt" werden; aus Personalgründen für die Schulleitung oft ein Ding der Unmöglichkeit. Die Sache mit Gebeten im Unterricht habe ich schon öfter gehört, finde aber, dass zumindest das Kennenlernen von Gebeten nicht schädlich sein kann; schließlich kann man nur über etwas urteilen, was man kennt. Die Bezugnahme auf religiöse Symbole ist m.E. ein Nebenkriegsschauplatz, der etwas psychologisiert aufgebauscht wird. Anders, nämlich grundsätzlicher, wird das bei eventuellen Gottesbezügen in Landesverfassungen: Da hat der Gesetzgeber entschieden, sich auf überstaatliche Maximen zu berufen, ohne die eine rechtsphilosophische Begründung für ein Gesetz gar nicht gegeben werden könnte.
Junge Welt hat geschrieben:Wird an den Schulen ein Ersatzfach erteilt wie beispielsweise »Ethik«, so findet das Zwangsersatzfach mancherorts nicht zeitgleich zum Religionsunterricht statt, und der Mehraufwand durch Nachmittagsunterricht – manchmal sogar an einer anderen als der eigenen Schule – wird den Nichtgläubigen auferlegt, um zu erreichen, dass sie sich erst gar nicht von Religion befreien.
Das ist tatsächlich ein Problem.
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Re: "Religionsunterricht"?

Beitrag von Athanasius0570 » Montag 2. Februar 2015, 18:09

In Österreich ist der Religionsunterricht nicht "freiwillig", sondern ein Pflichtgegenstand, von dem man sich allerdings abmelden kann.
In una fide nil officit ecclesiae consuetudo diversa. Gregorius Magnus Papa.

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Re: "Religionsunterricht"?

Beitrag von Lilaimmerdieselbe » Montag 2. Februar 2015, 18:20

Yeti, wie sind denn die muslimischen Jugendlichen in Deinen Religionsunterricht gekommen? Bei uns (NRW) habe ich noch nie davon gehört, es müßten Eltern und Jugendlicher ausdrücklich darauf bestehen.

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Re: "Religionsunterricht"?

Beitrag von Yeti » Montag 2. Februar 2015, 19:00

Lilaimmerdieselbe hat geschrieben:Yeti, wie sind denn die muslimischen Jugendlichen in Deinen Religionsunterricht gekommen? Bei uns (NRW) habe ich noch nie davon gehört, es müßten Eltern und Jugendlicher ausdrücklich darauf bestehen.
Sie haben mich gefragt, ob sie teilnehmen können und ich hab "ja" gesagt (s. Schulrecht), weil ich gute Erfahrungen damit gemacht habe. Andere Klassen waren schon gemischt zusammengesetzt, von vornherein (nicht in allen Bundesländern ist Religionsunterricht konfessionell getrennt, offiziell ja, aber...). Abgewiesen habe ich noch nie jemanden, jeder Interessierte kam und war tatsächlich interessiert. Ich weiß aber, dass es viele Kollegen und Kolleginnen gibt, die das anders handhaben.
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Re: "Religionsunterricht"?

Beitrag von Yeti » Montag 2. Februar 2015, 19:01

Athanasius0570 hat geschrieben:In Österreich ist der Religionsunterricht nicht "freiwillig", sondern ein Pflichtgegenstand, von dem man sich allerdings abmelden kann.
Gibt's da dann ein Ersatzfach, z.B. Ethik etc.?
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Re: "Religionsunterricht"?

Beitrag von Athanasius0570 » Dienstag 3. Februar 2015, 17:01

In der Pflichtschule nicht, in höheren Schulen zumindest zum Teil, da kenne ich mich aber zu wenig aus.
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Re: Prof. Christine Büchner (kath. Theologin)

Beitrag von Yeti » Sonntag 12. April 2015, 19:23

Die folgenden Beiträge stammen aus dem Thread "Prof. Christine Büchner (kath. Theologin)" und wurden nach berechtigter Beanstandung nun hierher transferiert...
Ecce als Mod

Exilfranke hat geschrieben:studieren auf Religionslehrer.
Müssen die da echt dafür kath. Theologie studieren? M.W. gibt's in Hamburgs Schulsystem keinen regelrechten konfessionellen Religionsunterricht nach dem Hamburger "Religionsunterrichts für alle in evangelischer Verantwortung":
Formal ein bekenntnisgebundener Religionsunterricht nach Artikel 7 GG, wendet er sich jedoch an alle Schüler jedweder Glaubensvorstellung. Der Hamburger Unterricht unterscheidet sich dadurch, dass er auch inhaltlich einen interreligiösen Ansatz verfolgt. Dieses Angebot der evangelischen Kirche ist in Hamburg nicht zuletzt auch deshalb zu so großer Bedeutung erlangt, da die katholische Kirche als Diasporagemeinschaft bislang lediglich an ihren eigenen Schulen Religionsunterricht anzubieten vermochte. So waren die katholischen Schüler an den öffentlichen Schulen schon immer auf den evangelischen Religionsunterricht angewiesen. Aber auch wenn Hamburg eine große Vielfalt an religiösen Orientierungen und Gemeinschaften aufweist, ist die Stadt insgesamt doch sehr stark säkular ausgerichtet. Trotz der interreligiösen und dialogischen Ausrichtung des Religionsunterrichts liegt aber ein leichtes Übergewicht auf christlichen Themen. Der Hamburger Religionsunterricht darf deshalb auch nur von Lehrkräften erteilt werden, die einer Kirche mit evangelischem Bekenntnis angehören.
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Re: Prof. Christine Büchner (kath. Theologin)

Beitrag von Fragesteller » Dienstag 14. April 2015, 00:39

Yeti hat geschrieben:
Exilfranke hat geschrieben:studieren auf Religionslehrer.
Müssen die da echt dafür kath. Theologie studieren? M.W. gibt's in Hamburgs Schulsystem keinen regelrechten konfessionellen Religionsunterricht nach dem Hamburger "Religionsunterrichts für alle in evangelischer Verantwortung":
Formal ein bekenntnisgebundener Religionsunterricht nach Artikel 7 GG, wendet er sich jedoch an alle Schüler jedweder Glaubensvorstellung. Der Hamburger Unterricht unterscheidet sich dadurch, dass er auch inhaltlich einen interreligiösen Ansatz verfolgt. Dieses Angebot der evangelischen Kirche ist in Hamburg nicht zuletzt auch deshalb zu so großer Bedeutung erlangt, da die katholische Kirche als Diasporagemeinschaft bislang lediglich an ihren eigenen Schulen Religionsunterricht anzubieten vermochte. So waren die katholischen Schüler an den öffentlichen Schulen schon immer auf den evangelischen Religionsunterricht angewiesen. Aber auch wenn Hamburg eine große Vielfalt an religiösen Orientierungen und Gemeinschaften aufweist, ist die Stadt insgesamt doch sehr stark säkular ausgerichtet. Trotz der interreligiösen und dialogischen Ausrichtung des Religionsunterrichts liegt aber ein leichtes Übergewicht auf christlichen Themen. Der Hamburger Religionsunterricht darf deshalb auch nur von Lehrkräften erteilt werden, die einer Kirche mit evangelischem Bekenntnis angehören.
Ebd. heißt es aber weiter:
Nach Artikel 5 des Vertrags zwischen dem Heiligen Stuhl und der Freien und Hansestadt Hamburg vom 29. November 2005 wird heute aber auch ein katholischer konfessioneller Religionsunterricht gewährleistet. Zur Durchführung hat die Stadt 2011 auch ein Verwaltungsabkommen mit dem Erzbistum Hamburg geschlossen, das in seiner Nr. 11 die Errichtung einer besonderen Gemischten Kommission für den katholischen Religionsunterricht vorsieht.[18]

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Re: Prof. Christine Büchner (kath. Theologin)

Beitrag von Yeti » Dienstag 14. April 2015, 01:19

Fragesteller hat geschrieben:
Yeti hat geschrieben:
Exilfranke hat geschrieben:studieren auf Religionslehrer.
Müssen die da echt dafür kath. Theologie studieren? M.W. gibt's in Hamburgs Schulsystem keinen regelrechten konfessionellen Religionsunterricht nach dem Hamburger "Religionsunterrichts für alle in evangelischer Verantwortung":
Formal ein bekenntnisgebundener Religionsunterricht nach Artikel 7 GG, wendet er sich jedoch an alle Schüler jedweder Glaubensvorstellung. Der Hamburger Unterricht unterscheidet sich dadurch, dass er auch inhaltlich einen interreligiösen Ansatz verfolgt. Dieses Angebot der evangelischen Kirche ist in Hamburg nicht zuletzt auch deshalb zu so großer Bedeutung erlangt, da die katholische Kirche als Diasporagemeinschaft bislang lediglich an ihren eigenen Schulen Religionsunterricht anzubieten vermochte. So waren die katholischen Schüler an den öffentlichen Schulen schon immer auf den evangelischen Religionsunterricht angewiesen. Aber auch wenn Hamburg eine große Vielfalt an religiösen Orientierungen und Gemeinschaften aufweist, ist die Stadt insgesamt doch sehr stark säkular ausgerichtet. Trotz der interreligiösen und dialogischen Ausrichtung des Religionsunterrichts liegt aber ein leichtes Übergewicht auf christlichen Themen. Der Hamburger Religionsunterricht darf deshalb auch nur von Lehrkräften erteilt werden, die einer Kirche mit evangelischem Bekenntnis angehören.
Ebd. heißt es aber weiter:
Nach Artikel 5 des Vertrags zwischen dem Heiligen Stuhl und der Freien und Hansestadt Hamburg vom 29. November 2005 wird heute aber auch ein katholischer konfessioneller Religionsunterricht gewährleistet. Zur Durchführung hat die Stadt 2011 auch ein Verwaltungsabkommen mit dem Erzbistum Hamburg geschlossen, das in seiner Nr. 11 die Errichtung einer besonderen Gemischten Kommission für den katholischen Religionsunterricht vorsieht.[18]
Ja, das ist die Theorie. Faktisch wird dort aber in den Schulen nur ein Fach angeboten und das heißt (inoffiziell, da eben konfessionell gemischt) "Religionsgespräche". Das ist die Information, die ich höchstselbst von der Behörde für Schule und Berufsbildung erhielt. Anhand der Lehrpläne wirst du für den allgemeinbildenden Bereich sehen, dass dort nur die ev.-lutherische Kirche maßgeblich ist, zumindest ist sonst keine andere Kirche genannt. Für den berufsschulischen Bereich gilt dasselbe. Kann gut sein, dass eine solche gemischte Kommission tatsächlich existiert, da gibt es Hinweise in den Präambeln der Lehrpläne. Aber die katholische Kirche wird da nicht einmal genannt.
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Re: Prof. Christine Büchner (kath. Theologin)

Beitrag von Lilaimmerdieselbe » Dienstag 14. April 2015, 01:33

Ist das für Hamburg spezifisch? Zumindest in NRW ist es anders.

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Re: Prof. Christine Büchner (kath. Theologin)

Beitrag von Yeti » Dienstag 14. April 2015, 17:47

Lilaimmerdieselbe hat geschrieben:Ist das für Hamburg spezifisch? Zumindest in NRW ist es anders.
Ja, das ist Hamburgspezifisch und speziell an die dort herrschende konfessionelle Situation angepasst, obwohl ich mal gern wissen würde, ob die Katholikenanzahl in den Schulen dort wirklich so gering ist. Für Berlin gilt ja Ähnliches, dort wurde allerdings zum Ersatz für konfessionellen Religionsunterricht das freiwillige Fach "Religionskunde" geschaffen. In NRW ist das natürlich anders, nämlich wie gehabt.
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Re: Prof. Christine Büchner (kath. Theologin)

Beitrag von Tinius » Dienstag 14. April 2015, 18:10

Yeti hat geschrieben:obwohl ich mal gern wissen würde, ob die Katholikenanzahl in den Schulen dort wirklich so gering ist.
Es gibt ungefähr 150.000 Katholiken in Hamburg. Da werden einige wenige auch in die Schule gehen.

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Re: Prof. Christine Büchner (kath. Theologin)

Beitrag von Yeti » Dienstag 14. April 2015, 19:32

Tinius hat geschrieben:
Yeti hat geschrieben:obwohl ich mal gern wissen würde, ob die Katholikenanzahl in den Schulen dort wirklich so gering ist.
Es gibt ungefähr 150.000 Katholiken in Hamburg. Da werden einige wenige auch in die Schule gehen.
Ja, in den konfessionell gemischten RU eben, wie ich schon schrieb: Stellungnahme zum Religionsunterricht in Hamburg:
Der in Hamburg vor etwa 25 Jahren gefundene Weg eines Religionsunterrichts für alle. d.h. die Aufgabe der in anderen Bundesländern vollzogenen Trennung nach Konfessionen im Religionsunterricht, ist lange nicht in Frage gestellt worden, Gespräche und Diskussionen über die inhaltliche Gestaltung waren eher den inneren Zirkeln der Betroffenen vorbehalten geblieben. [...] Bei der oben vollzogenen inhaltlichen Bestimmung des Religionsunterrichtes ist offensichtlich, dass ein solcher Unterricht nicht als konfessionell getrennter Unterricht zu denken ist. Die angemessene, in Hamburg schon gefundene Organisationsform für einen solchen Unterricht in der pluralistischen, d.h. nicht zuletzt multireligiös und multikulturell geprägten Gesellschaft, ist der gemeinsame Religionsunterricht für alle Schülerinnen und Schüler.
Ich glaube, dass es jetzt klar wurde.
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Re: Prof. Christine Büchner (kath. Theologin)

Beitrag von Fragesteller » Dienstag 14. April 2015, 19:41

D. h. man hat quasi einen vormodernen Einheits-Staatsreligions-Unterricht schleichend in einen zeitgeistigen Einheits-Zivil-Nichtreligions-Unterricht umgewandelt bei anachronistischer Beibehaltung der Dominanz der ev.-luth. Kirche.

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Re: Prof. Christine Büchner (kath. Theologin)

Beitrag von Yeti » Dienstag 14. April 2015, 20:36

Fragesteller hat geschrieben:D. h. man hat quasi einen vormodernen Einheits-Staatsreligions-Unterricht schleichend in einen zeitgeistigen Einheits-Zivil-Nichtreligions-Unterricht umgewandelt bei anachronistischer Beibehaltung der Dominanz der ev.-luth. Kirche.
Vertrag zwischen dem Heiligen Stuhl und der Freien und Hansestadt Hamburg vom 29. November 2005 hat geschrieben:Die Gemischte Kommission Schule/Kirche war ursprünglich paritätisch mit Vertretern der Stadt und der damaligen Landeskirchen besetzt. Inzwischen gehören ihr auf kirchlicher Seite außer denen der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland auch je ein Vertreter der Evangelisch-reformierten Kirche und der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Hamburg an.
Die katholische Kirche wirkt in der hergebrachten Gemischten Kommission Schule/Kirche nicht mit. Nach Artikel 5 des Vertrags zwischen dem Heiligen Stuhl und der Freien und Hansestadt Hamburg vom 29. November 2005 wird heute aber auch ein katholischer konfessioneller Religionsunterricht gewährleistet. Zur Durchführung hat die Stadt 2011 auch ein Verwaltungsabkommen mit dem Erzbistum Hamburg geschlossen, das in seiner Nr. 11 die Errichtung einer besonderen Gemischten Kommission für den katholischen Religionsunterricht vorsieht.
Mir sieht das angesichts der offensichtlichen Lage ganz so aus, als ob das EB Hamburg die Potemkin'sche Kulisse für Rom aufrecht erhält. Offiziell kann dann niemand meckern. Man kennt das. Aber wir sollten das nicht hier weiterdiskutieren, sondern hier.
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Re: Kurzmeldungen/Nachrichten IV

Beitrag von JosefBordat » Freitag 22. Mai 2015, 13:51

Frage: Wohin gehst Du, katholische Religionslehre? Antwort: Zur Biologie! – Unterwegs ist sie derweil auf Abwegen: https://jobo72.wordpress.com/215/5/22 ... ionslehre/

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overkott
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Re: "Religionsunterricht"?

Beitrag von overkott » Donnerstag 4. Juni 2015, 16:20

Religionsunterricht sollte sich den eigenen Quellen zuerst zuwenden, wie es Bonaventura als Kirchenlehrer bleibend gültig gelehrt hat. Die vorrangige Option für die Bibel bedeutet gleichsam, ihre sprachlichen Grundlagen intensiver zu erforschen, um den interreligiösen Dialog nicht nur im alten und neuen Testament zu entdecken, sondern auch in den heiligen Schriften anderer Religionen wie dem Islam oder anderer östlicher Religionen. Das interdisziplinäre Gespräch zwischen Geisteswissenschaft und Naturwissenschaft, das sich rudimentär auch bei Bonaventura findet, bedeutet aus der Perspektive des Religionsunterrichts, das Interesse an einer christozentrischen Anthropologie zu wecken, was naturwissenschaftlicher Unterricht nicht leisten kann. Christozentrische Anthropologie bedeutet, eine wertorientierte Perspektive auf die Natur mit Christus als dem Bild des Menschen im Mittelpunkt zu entwickeln, Natur und Mensch vom Schöpfer her prinzipiell als gut zu betrachten und entsprechend Schöpfungsauftrag und Nächstenliebe verantwortungsvoll zu gestalten und zu formen/bilden.

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Yeti
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Re: "Religionsunterricht"?

Beitrag von Yeti » Mittwoch 10. Februar 2016, 14:59

Interessanter Vorschlag der Bundesvereinigung "Christen in der AfD": Schulfach "Religionsgeschichte" statt "Ethik":
Christen in der AfD hat geschrieben:"Der konfessionelle Religionsunterricht in allen Bundesländern hat für uns größte Bedeutung, denn in ihm besteht noch die Möglichkeit, das in den Familien nicht mehr oder nicht mehr ausreichend vorhandene Glaubenswissen zu vermitteln. Selbstverständlich achten wir die Wahlfreiheit der Eltern oder der Schüler, die die Wahrnehmung nicht glaubensbezogener Ersatzangebote ermöglicht. Anstelle unverbindlicher “Ethik”-Angebote oder vergleichbarer Fächer wäre nach unserer Ansicht die alternative Einrichtung eines Schulfaches “Religionsgeschichte” wünschenswert. Damit könnte dem oben erwähnten Aspekt der großen Bedeutung der christlichen Religion für die Ausbildung der europäischen Kultur Rechnung getragen werden, ohne dass an die Lernenden glaubensbezogene Anforderungen gestellt würden. Dies gilt auch für Kinder nichtchristlicher Bekenntnisse."
Nebenbei ein klares Bekenntnis für den konfessionellen RU an Schulen.
#gottmensch statt #gutmensch

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Amanda
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Re: "Religionsunterricht"?

Beitrag von Amanda » Mittwoch 10. Februar 2016, 19:46

Yeti hat geschrieben:Interessanter Vorschlag der Bundesvereinigung "Christen in der AfD": Schulfach "Religionsgeschichte" statt "Ethik":
Christen in der AfD hat geschrieben:"Der konfessionelle Religionsunterricht in allen Bundesländern hat für uns größte Bedeutung, denn in ihm besteht noch die Möglichkeit, das in den Familien nicht mehr oder nicht mehr ausreichend vorhandene Glaubenswissen zu vermitteln. Selbstverständlich achten wir die Wahlfreiheit der Eltern oder der Schüler, die die Wahrnehmung nicht glaubensbezogener Ersatzangebote ermöglicht. Anstelle unverbindlicher “Ethik”-Angebote oder vergleichbarer Fächer wäre nach unserer Ansicht die alternative Einrichtung eines Schulfaches “Religionsgeschichte” wünschenswert. Damit könnte dem oben erwähnten Aspekt der großen Bedeutung der christlichen Religion für die Ausbildung der europäischen Kultur Rechnung getragen werden, ohne dass an die Lernenden glaubensbezogene Anforderungen gestellt würden. Dies gilt auch für Kinder nichtchristlicher Bekenntnisse."
Nebenbei ein klares Bekenntnis für den konfessionellen RU an Schulen.

Der erste Satz in dem Zitat, lieber Yeti, ist ja wohl ein Witz... :kugel:
Der Religionsunterricht soll also tatsächlich Glaubenswissen vermitteln? Das hat er bei mir nicht; ich musste mir dieses Wissen andernorts beschaffen.
"Die Kirche scheint immer der Zeit hinterher zu sein,
obwohl sie doch in Wirklichkeit jenseits der Zeit ist;
sie wartet, bis der letzte Tick seinen letzten Sommer gehabt hat."
Gilbert Keith Chesterton

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