"Religionsunterricht"?

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Yeti
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Re: "Religionsunterricht"?

Beitrag von Yeti » Donnerstag 1. März 2018, 17:59

...inzwischen offenbar auch was für den Reli-Unterricht... (mal zur Abwechslung was anderes als Drogen, Alkohol, das supertolerante rosarote Gummibärchen Jesus und bla bla blubb...) :-)
"Glaube an allmächtige russische Hacker als Religion anerkannt":

http://www.der-postillon.com/2017/06/ru ... acker.html
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Sempre
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Re: "Religionsunterricht"?

Beitrag von Sempre » Donnerstag 1. März 2018, 19:34

Yeti hat geschrieben:
Donnerstag 1. März 2018, 17:59
...inzwischen offenbar auch was für den Reli-Unterricht... (mal zur Abwechslung was anderes als Drogen, Alkohol, das supertolerante rosarote Gummibärchen Jesus und bla bla blubb...) :-)
"Glaube an allmächtige russische Hacker als Religion anerkannt":

http://www.der-postillon.com/2017/06/ru ... acker.html
Super, allein der Titel schon!
Die Lehren der Kirche zu glauben mag manch einem Schwierigkeiten bereiten. Sie aber nach eigenem Gutdünken nachzubessern und das Resultat dann für wahr zu halten, ist infantil.

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Sascha B.
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Re: "Religionsunterricht"?

Beitrag von Sascha B. » Sonntag 11. März 2018, 16:08

Was soll ein Religionsunterricht an staatlichen Schulen bringen, wenn dann sogar Atheistinnen katholische Religion unterrichten dürfen. So hat eines der Deggendorfer Gymnasien derzeit eine Lehrerin für katholische Religion, welche den Kindern erklärte es gäbe weder einen Gott noch andere höhere Wesen/Mächte.
Um den Frieden von oben und das Heil unserer Seelen lasset zum Herrn uns beten.
Herr, erbarme dich.

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Niels
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Re: "Religionsunterricht"?

Beitrag von Niels » Sonntag 11. März 2018, 16:58

Sinnloser geht es nicht.
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Juergen
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Re: "Religionsunterricht"?

Beitrag von Juergen » Samstag 22. Juni 2019, 12:56

Ökumenisches Lernen
Gespräch über gemeinsam verantworteten Religionsunterricht beim Kirchentag

Dortmund, 21. Juni 2019. Als ein „gelungenes Beispiel ökumenischer Zusammenarbeit“ bezeichnete Roland Gottwald, Schulrat in der Schulabteilung des Erzbischöflichen Generalvikariats Paderborn, die Vereinbarungen zum sogenannten konfessionell-kooperativen Religionsunterricht. Dieser Unterricht, in dem evangelische und katholische Schülerinnen und Schüler gemeinsam lernen, ist auf Antrag der Schulen seit 2018 in Nordrhein-Westfalen möglich. Das war am Freitag Thema einer Diskussion in der Werkstatt „Ökumenisch Kirche sein“ auf dem Evangelischen Kirchentag in Dortmund.
Gruß
Jürgen
Dieser Beitrag kann unter Umständen Spuren von Satire, Ironie und ähnlich schwer Verdaulichem enthalten. Er ist nicht für jedermann geeignet, insbesondere nicht für Humorallergiker. Das Lesen erfolgt auf eigene Gefahr.

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Re: "Religionsunterricht"?

Beitrag von Niels » Samstag 22. Juni 2019, 13:09

Verfassungswidrig.
Und Selbstabschaffung.
Man fragt sich, was schlimmer ist.
Surrexit Christus spes mea

Lauralarissa
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Re: "Religionsunterricht"?

Beitrag von Lauralarissa » Donnerstag 27. Juni 2019, 10:03

Nicht verfassungswidrig:
Art 7.3: "Der RU wird in Übereinstimmung mit den Religionsgemeinschaften erteilt". Wenn diese sich nun entscheiden, koko einzuführen, ist das vollkommen verfassungsgemäß.

In einer Zeit, in der in Großstädten nur noch unter 40% der Neugeborenen getauft werden, die einzige Chance den RU langfristig zu sichern.

Laura

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Hanspeter
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Re: "Religionsunterricht"?

Beitrag von Hanspeter » Donnerstag 27. Juni 2019, 10:08

Gerade in Großstädten dürfte es doch auch langfristig genug katholische Kinder geben, um einen katholischen RU aufrecht zu erhalten. Dies auch vor dem Hintergrund, daß die Schulen immer größer werden. In einem sechszügigen Jahrgang werden sich doch wohl noch 20 - 30 katholische Kinder befinden.

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Juergen
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Re: "Religionsunterricht"?

Beitrag von Juergen » Donnerstag 27. Juni 2019, 11:36

Hanspeter hat geschrieben:
Donnerstag 27. Juni 2019, 10:08
Gerade in Großstädten dürfte es doch auch langfristig genug katholische Kinder geben, um einen katholischen RU aufrecht zu erhalten. Dies auch vor dem Hintergrund, daß die Schulen immer größer werden. In einem sechszügigen Jahrgang werden sich doch wohl noch 20 - 30 katholische Kinder befinden.
Für vie­len Groß­s­täd­te mag das stim­men (vgl. Anm. un­ten), doch vie­le Schu­len ste­hen eben nicht in Groß­s­täd­ten. Ge­ra­de Grund­schu­len sind oft sehr klein und auch Haupt- und Re­al­schu­len müs­sen um Schü­l­er­zah­len kämp­fen. In der Stadt, aus der ich kom­men, läuft die Zeit der Haupt­schu­le man­gels An­mel­de­zah­len aus und auch die Re­al­schu­le hat es schwer.
Vor Jah­ren ha­ben die El­tern lei­der die Idee der Stadt an­ge­lehnt, aus den bei­den Schu­len ei­ne Se­kun­dar­schu­le zu ma­chen – al­so gleich­sam bei­de Schul(form)en zu­sam­men­zu­le­gen. (El­tern zu be­fra­gen ist bei so­was na­tür­lich ab­so­lu­ter Blöd­sinn, da sol­chen Än­de­r­un­gen erst dann grei­fen, wenn die Kin­der je­ner El­tern, die be­fragt wur­den, die Schu­le schon ver­las­sen ha­ben.) Und über­haupt sol­len die Kin­der ja spät­er stu­die­ren, so daß sie mög­lichst ins Gym­na­si­um (15km ent­fernt) ge­schickt wer­den.
Es ist je­den­falls in länd­li­chen Ge­bie­ten teil­wei­se schwer, ge­nug Kin­der zu­sam­men­zu­be­kom­men, die ei­ner Kon­fes­si­on an­ge­hör­en.

Noch ei­ne An­mer­kung zu den Groß­s­täd­ten: Auch und ge­ra­de dort gibt es Stadt­tei­le, in de­nen der An­teil der christ­li­chen Kin­der im­mer wei­ter schrumpft und der An­teil der kon­fes­si­ons­lo­sen bzw nicht-christ­li­chen Kin­der zu­nimmt.
Gruß
Jürgen
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Lauralarissa
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Re: "Religionsunterricht"?

Beitrag von Lauralarissa » Donnerstag 27. Juni 2019, 11:40

Hanspeter hat geschrieben:
Donnerstag 27. Juni 2019, 10:08
Gerade in Großstädten dürfte es doch auch langfristig genug katholische Kinder geben, um einen katholischen RU aufrecht zu erhalten. Dies auch vor dem Hintergrund, daß die Schulen immer größer werden. In einem sechszügigen Jahrgang werden sich doch wohl noch 20 - 30 katholische Kinder befinden.
Nicht zwingend. Die Schulen werden eher kleiner, die Gymnasien sind inzwischen oft dreizügig mit 70 Schülern pro Jahrgang. Wenn davon 28 getauft sind, ist das Risiko recht hoch, dass die Mindestgruppengröße nicht erreicht wird (7 Schüler), insbesondere in Gegenden mit sehr ungleicher Verteilung zwischen den Konfessionen.

Dann hat man de facto noch folgende Möglichkeiten:
-> rk Unterricht fällt aus, die Schüler besuchen den Ethikunterricht oder den ev. Unterricht
-> rk Unterricht für mehrere Schulen zusammen, z.B. am späten Nachmittag oder Samstagvormittag
-> E-Learning - http://www.kathrelionline.de/
-> alle christlichen Schüler zusammen unterrichten (konfessionelle Kooperation)

Die Zeiten der Volkskirche ist vorbei, damit auch des RU, der volkskirchliche Strukturen voraussetzt. Koko ist eine mögliche Lösung. Alternative wäre sonst langfristig die Abschaffung des RU in den Schulen - wie in Luxemburg z.B.

Laura


PS: Und es gibt nicht nur Großstädte! Auf dem Land ist es möglicherweise noch viel problematischer...

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Juergen
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Re: "Religionsunterricht"?

Beitrag von Juergen » Donnerstag 27. Juni 2019, 11:43

Und man soll­te nicht ver­ges­sen, daß es die Mög­lich­keit gibt, daß sich Schü­ler vom Re­li­gi­ons­un­ter­richt ab­mel­den. Früh­er gab es dann ei­ne Frei­stun­de, oder die Schü­ler konn­ten, wenn der RU auf die letz­te Stun­de fiel, früh­er nach Hau­se ge­hen. Der Faul­heit hat man zu­min­dest in NRW ja ei­nen Rie­gel vor­ge­scho­ben, in­dem das Fach „prak­ti­sche Phi­lo­so­phie“ (oder Phi­lo­so­phie, je nach Schul­form) ein­ge­führt wur­de, wel­ches dann statt des RU zu be­su­chen ist.
Gruß
Jürgen
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Petrus
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Re: "Religionsunterricht"?

Beitrag von Petrus » Donnerstag 27. Juni 2019, 12:12

Lauralarissa hat geschrieben:
Donnerstag 27. Juni 2019, 10:03
Nicht verfassungswidrig:
Art 7.3: "Der RU wird in Übereinstimmung mit den Religionsgemeinschaften erteilt". Wenn diese sich nun entscheiden, koko einzuführen, ist das vollkommen verfassungsgemäß.
da bin ich mir nicht ganz so sicher.

Es gibt da auch noch Konkordate, und Staatskirchenverträge. Ein Spezialist in solchen Sachen sagte mir mal (mündliche Überlieferung), dass die Kirchen am konfessionell geprägten RU festhaltten müssen, weil ansonsten der Staat die Zuschüsse für den RU streichen könne.

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Niels
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Re: "Religionsunterricht"?

Beitrag von Niels » Donnerstag 27. Juni 2019, 12:59

Petrus hat geschrieben:
Donnerstag 27. Juni 2019, 12:12
Lauralarissa hat geschrieben:
Donnerstag 27. Juni 2019, 10:03
Nicht verfassungswidrig:
Art 7.3: "Der RU wird in Übereinstimmung mit den Religionsgemeinschaften erteilt". Wenn diese sich nun entscheiden, koko einzuführen, ist das vollkommen verfassungsgemäß.
da bin ich mir nicht ganz so sicher.

Es gibt da auch noch Konkordate, und Staatskirchenverträge. Ein Spezialist in solchen Sachen sagte mir mal (mündliche Überlieferung), dass die Kirchen am konfessionell geprägten RU festhaltten müssen, weil ansonsten der Staat die Zuschüsse für den RU streichen könne.
Das habe ich auch von einem Professor mal so gehört.
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Re: "Religionsunterricht"?

Beitrag von Lauralarissa » Donnerstag 27. Juni 2019, 14:18

Niels hat geschrieben:
Donnerstag 27. Juni 2019, 12:59
Petrus hat geschrieben:
Donnerstag 27. Juni 2019, 12:12
Lauralarissa hat geschrieben:
Donnerstag 27. Juni 2019, 10:03
Nicht verfassungswidrig:
Art 7.3: "Der RU wird in Übereinstimmung mit den Religionsgemeinschaften erteilt". Wenn diese sich nun entscheiden, koko einzuführen, ist das vollkommen verfassungsgemäß.
da bin ich mir nicht ganz so sicher.

Es gibt da auch noch Konkordate, und Staatskirchenverträge. Ein Spezialist in solchen Sachen sagte mir mal (mündliche Überlieferung), dass die Kirchen am konfessionell geprägten RU festhaltten müssen, weil ansonsten der Staat die Zuschüsse für den RU streichen könne.
Das habe ich auch von einem Professor mal so gehört.
Hier geht gerade einiges durcheinander.
1. Religion ist ordentliches Lehrfach und wird als solches vom Staat finanziert und trägt zum staatlichen Bildungsauftrag bei. Der Staat gibt also keine Zuschüsse, sondern die Kirche bezuschusst den Staat, wenn sie z.B. einen Teil der Lehrerfortbildung übernimmt.
2. Der Staat überträgt die inhaltliche Ausgestaltung den Religionsgemeinschaften, also z.B. den Kirchen. Wie diese ihn ausgestalten, ist zunächst ihnen selbst überlassen, vorausgesetzt, sie tragen zum staatlichen Bildungsauftrag bei. Daher können die Kirchen ganz problemlos Koko einrichten, wenn sie sich hierüber einig sind.
3. Koko ist konfessioneller RU im Sinne von Art 7.3. Der Schüler hat lediglich abwechselnd evangelischen und katholischen Unterricht bei einer Lehrkraft der jeweiligen Konfession. Koko ist kein ökumenischer RU, sondern bewusste Kooperation, die die Gemeinsamkeiten stärkt, aber auch den Unterschieden gerecht wird.
Koko ist kein kleinster gemeinsamer Nenner, sondern bewusste Erziehung zur Dialogfähigkeit - und zur konfessionellen Sensibilität.

Laura

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Re: "Religionsunterricht"?

Beitrag von Siard » Donnerstag 27. Juni 2019, 19:15

Es geht also um Vermittlung Häresie und Schisma im Wechsel. :hmm:

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Juergen
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Re: "Religionsunterricht"?

Beitrag von Juergen » Donnerstag 27. Juni 2019, 19:23

Gruß
Jürgen
Dieser Beitrag kann unter Umständen Spuren von Satire, Ironie und ähnlich schwer Verdaulichem enthalten. Er ist nicht für jedermann geeignet, insbesondere nicht für Humorallergiker. Das Lesen erfolgt auf eigene Gefahr.

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Re: "Religionsunterricht"?

Beitrag von Lauralarissa » Donnerstag 27. Juni 2019, 20:34


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Re: "Religionsunterricht"?

Beitrag von Juergen » Donnerstag 27. Juni 2019, 20:51

Ende der 1990er und Anfang der 2000er wurde noch seitens der Kirchenvertreter immensen Wert auf den konfessionellen Religionsunterricht gelegt. Irgendwo müßte ich eigentlich noch (sofern nicht verschlampt) Handreichungen und Argumentationshilfen haben, die von der Hauptabteilung Schule und Erziehung herausgegeben wurden, in denen der konfessionelle RU gegenüber anderen Formen verteidigt wurde.
Tja, die Zeiten ändern sich.

Letztlich ist es aber auch egal, ob die Kinder im konfessionellen, konfessionell-kooperativen, interkonfessionellen oder interreligiösen Religionsunterricht inhaltlich nichts über ihren eigenen Glauben lernen.



Nachtrag (21:07) – Ich habe da was gefunden.
„Schu­l­in­for­ma­tio­nen Pa­der­born“ Aus­ga­be 3/03:

…Die Über­ein­stim­mung mit den Grund­sät­zen der Re­li­gi­ons­ge­mein­schaf­ten ist nur in ei­nem kon­fes­sio­nel­len Re­li­gi­ons­un­ter­richt ge­währ­leis­tet. Da­her hat das Bun­des­ver­fas­sung­ge­richt (AZ 1 BvR 47/84; SPE n.F. und SPE 3. F. 652 Nr. 15) fest­ge­stellt: Sei­ne Son­der­stel­lung ge­gen­ü­ber an­de­ren Fächern ge­winnt der Re­li­gi­ons­un­ter­richt aus dem Über­ein­stim­mungs­ge­bot des Art. 7 Abs. 3 Satz 2 GG. Die­ses ist so zu ver­ste­hen, dass er in kon­fes­sio­nel­ler Po­si­ti­vi­tät und Ge­bun­den­heit zu er­tei­len ist … Er ist kei­ne über­kon­fes­sio­nel­le ver­glei­chen­de Be­trach­tung re­li­gi­ö­ser Leh­ren, nicht blo­ße Moral­leh­re, Sit­ten­un­ter­richt, hi­s­to­ri­sie­ren­de und re­la­ti­vie­ren­de Re­li­gi­ons­kun­de, Re­li­gi­ons- oder Bi­bel­ge­schich­te. Sein Ge­gen­stand ist viel­mehr der Be­kennt­nis­in­halt, näm­lich die Glau­bens­sät­ze der je­wei­li­gen Re­li­gi­ons­ge­mein­schaft. … gurnd­sätz­lich (sind) die Vor­stel­lun­gen der Kir­chen über In­halt und Ziel der Lehr­ver­an­stal­tun­gen maß­g­eb­lich. Än­d­ert sich de­ren Ver­ständ­nis vom Re­li­gi­ons­un­ter­richt, muss der re­li­gi­ös neu­tra­le Staat dies hin­neh­men.
Er ist je­doch nicht ver­pf­lich­tet, je­de denk­ba­re De­fi­ni­ti­on der Re­li­gi­ons­ge­mein­schaf­ten als ver­bind­lich an­zu­er­ken­nen.

usw.usw
…Ein über­kon­fes­sio­nel­ler Re­li­gi­ons­un­ter­richt ge­hört aber nicht zu den tra­di­tio­nel­len Pf­licht­fächer und sein Un­ter­richts­pro­gramm lässt sich nicht aus dem Ge­samt­zu­sam­men­hang der schul­ge­setz­li­chen Re­ge­lun­gen ab­lei­ten, son­dern es steht im Ge­gen­satz zu Ver­fas­sung und Ge­setz…
usw.

So ändern sich die Ansichten der Kirche… :roll:
Gruß
Jürgen
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Re: "Religionsunterricht"?

Beitrag von Lauralarissa » Donnerstag 27. Juni 2019, 21:17

Juergen hat geschrieben:
Donnerstag 27. Juni 2019, 20:51
Ende der 1990er und Anfang der 2000er wurde noch seitens der Kirchenvertreter immensen Wert auf den konfessionellen Religionsunterricht gelegt. Irgendwo müßte ich eigentlich noch (sofern nicht verschlampt) Handreichungen und Argumentationshilfen haben, die von der Hauptabteilung Schule und Erziehung herausgegeben wurden, in denen der konfessionelle RU gegenüber anderen Formen verteidigt wurde.
Tja, die Zeiten ändern sich.

Letztlich ist es aber auch egal, ob die Kinder im konfessionellen, konfessionell-kooperativen, interkonfessionellen oder interreligiösen Religionsunterricht inhaltlich nichts über ihren eigenen Glauben lernen.



Nachtrag (21:07) – Ich habe da was gefunden.
„Schu­l­in­for­ma­tio­nen Pa­der­born“ Aus­ga­be 3/03:

…Die Über­ein­stim­mung mit den Grund­sät­zen der Re­li­gi­ons­ge­mein­schaf­ten ist nur in ei­nem kon­fes­sio­nel­len Re­li­gi­ons­un­ter­richt ge­währ­leis­tet. Da­her hat das Bun­des­ver­fas­sung­ge­richt (AZ 1 BvR 47/84; SPE n.F. und SPE 3. F. 652 Nr. 15) fest­ge­stellt: Sei­ne Son­der­stel­lung ge­gen­ü­ber an­de­ren Fächern ge­winnt der Re­li­gi­ons­un­ter­richt aus dem Über­ein­stim­mungs­ge­bot des Art. 7 Abs. 3 Satz 2 GG. Die­ses ist so zu ver­ste­hen, dass er in kon­fes­sio­nel­ler Po­si­ti­vi­tät und Ge­bun­den­heit zu er­tei­len ist … Er ist kei­ne über­kon­fes­sio­nel­le ver­glei­chen­de Be­trach­tung re­li­gi­ö­ser Leh­ren, nicht blo­ße Moral­leh­re, Sit­ten­un­ter­richt, hi­s­to­ri­sie­ren­de und re­la­ti­vie­ren­de Re­li­gi­ons­kun­de, Re­li­gi­ons- oder Bi­bel­ge­schich­te. Sein Ge­gen­stand ist viel­mehr der Be­kennt­nis­in­halt, näm­lich die Glau­bens­sät­ze der je­wei­li­gen Re­li­gi­ons­ge­mein­schaft. … gurnd­sätz­lich (sind) die Vor­stel­lun­gen der Kir­chen über In­halt und Ziel der Lehr­ver­an­stal­tun­gen maß­g­eb­lich. Än­d­ert sich de­ren Ver­ständ­nis vom Re­li­gi­ons­un­ter­richt, muss der re­li­gi­ös neu­tra­le Staat dies hin­neh­men.
Er ist je­doch nicht ver­pf­lich­tet, je­de denk­ba­re De­fi­ni­ti­on der Re­li­gi­ons­ge­mein­schaf­ten als ver­bind­lich an­zu­er­ken­nen.

usw.usw
…Ein über­kon­fes­sio­nel­ler Re­li­gi­ons­un­ter­richt ge­hört aber nicht zu den tra­di­tio­nel­len Pf­licht­fächer und sein Un­ter­richts­pro­gramm lässt sich nicht aus dem Ge­samt­zu­sam­men­hang der schul­ge­setz­li­chen Re­ge­lun­gen ab­lei­ten, son­dern es steht im Ge­gen­satz zu Ver­fas­sung und Ge­setz…
usw.

So ändern sich die Ansichten der Kirche… :roll:
Es stimmt - 1996 erschien "Die bildende Kraft des RU", der die Konfessionalität des RU bildungstheoretisch begründete. Damals ging es vor allem um die Abgrenzung von LER in Brandenburg.
Aber: Konfessionelle Kooperation ist nicht überkonfessionell, sondern wird aus der Perspektive der jeweiligen Konfession unterrichtet. Damit lernen die Schüler beide Perspektiven kennen, üben sich in der Perspektivübernahme.
Koko wird ja gerade deswegen eingeführt, um einen allgemeinen, überkonfessionellen RU zu verhindern.

Laura

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Re: "Religionsunterricht"?

Beitrag von Juergen » Donnerstag 27. Juni 2019, 21:26

Lauralarissa hat geschrieben:
Donnerstag 27. Juni 2019, 21:17
Es stimmt - 1996 erschien "Die bildende Kraft des RU", der die Konfessionalität des RU bildungstheoretisch begründete. Damals ging es vor allem um die Abgrenzung von LER in Brandenburg.
Aber: Konfessionelle Kooperation ist nicht überkonfessionell, sondern wird aus der Perspektive der jeweiligen Konfession unterrichtet. Damit lernen die Schüler beide Perspektiven kennen, üben sich in der Perspektivübernahme.
Koko wird ja gerade deswegen eingeführt, um einen allgemeinen, überkonfessionellen RU zu verhindern.
Wie gesagt: Es ist letztlich wurscht, da im RU sowie nichts gelernt wird, was auch nur ansatzweise etwas mit den Glaubenssätzen der eigenen Konfession zu tun hat.
Gruß
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Re: "Religionsunterricht"?

Beitrag von Hubertus » Donnerstag 27. Juni 2019, 23:16

Juergen hat geschrieben:
Donnerstag 27. Juni 2019, 21:26
Lauralarissa hat geschrieben:
Donnerstag 27. Juni 2019, 21:17
Es stimmt - 1996 erschien "Die bildende Kraft des RU", der die Konfessionalität des RU bildungstheoretisch begründete. Damals ging es vor allem um die Abgrenzung von LER in Brandenburg.
Aber: Konfessionelle Kooperation ist nicht überkonfessionell, sondern wird aus der Perspektive der jeweiligen Konfession unterrichtet. Damit lernen die Schüler beide Perspektiven kennen, üben sich in der Perspektivübernahme.
Koko wird ja gerade deswegen eingeführt, um einen allgemeinen, überkonfessionellen RU zu verhindern.
Wie gesagt: Es ist letztlich wurscht, da im RU sowie nichts gelernt wird, was auch nur ansatzweise etwas mit den Glaubenssätzen der eigenen Konfession zu tun hat.
:ja:
Der Kult ist immer wichtiger als jede noch so gescheite Predigt. Die Objektivität des Kultes ist das Größte und das Wichtigste, was unsere Zeit braucht. Der Alte Ritus ist der größte Schatz der Kirche, ihr Notgepäck, ihre Arche Noah. (M. Mosebach)

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