Inquisition

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Robert Ketelhohn
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Inquisition

Beitrag von Robert Ketelhohn »

Erich Dumfarth hat geschrieben:»Hast Du eigentlich auch nur die geringste Ahnung, wie die Inquisition arbeitete? Was sie tat?«
Und du, Erich? Weißt du es?
Propter Sion non tacebo, | ſed ruinas Romę flebo, | quouſque juſtitia
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Benedikt
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Beitrag von Benedikt »

Ja, sie arbeitete so:
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;D

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Erich_D
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Re: Inquisition

Beitrag von Erich_D »

Robert Ketelhohn hat geschrieben:
Erich Dumfarth hat geschrieben:»Hast Du eigentlich auch nur die geringste Ahnung, wie die Inquisition arbeitete? Was sie tat?«
Und du, Erich? Weißt du es?
Ja.
"Spiel nicht mit den Schmuddelkindern sing nicht ihre Lieder. Geh doch in die Oberstadt mach´s wie deine Brüder", so sprach die Mutter, sprach der Vater, lehrte der Pastor."

Geronimo

Beitrag von Geronimo »

Wo kommt jetzt dieser Thread auf einmal her *wunder* - stammt der aus irgendeiner anderen Diskussion?

Ist mir irgendetwas entgangen?

Bitte um Erleuchtung.

Geronimo

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Juergen
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Beitrag von Juergen »

Geronimo hat geschrieben:Bitte um Erleuchtung.
Bitteschön
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Gruß Jürgen

Dieser Beitrag kann unter Umständen Spuren von Satire, Ironie und ähnlich schwer Verdaulichem enthalten. Er ist nicht für jedermann geeignet, insbesondere nicht für Humorallergiker. Das Lesen erfolgt auf eigene Gefahr.
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Juergen
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was man so alles findet

Beitrag von Juergen »

Was man so alles findet:

http://www.inquisition2000.de/

------------------------------------------------------------

Ein gar nicht so schlechtes Buch (halb Roman halb ein "Bericht") ist:

Emmanuel Leroy Ladurie: Montaillou. Ein Dorf vor dem Inquisitor. 1294 bis 1324. Berlin : Ullstein, 2000.

Franz. Original:
Montaillou, village occitan de 1294 à 1324. Paris: Gallimard, 1975.
Gruß Jürgen

Dieser Beitrag kann unter Umständen Spuren von Satire, Ironie und ähnlich schwer Verdaulichem enthalten. Er ist nicht für jedermann geeignet, insbesondere nicht für Humorallergiker. Das Lesen erfolgt auf eigene Gefahr.
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lancelot
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Beitrag von lancelot »

Da soll es jetzt einen Report einer vom Vatikan eingesetzten Historikerkommission geben, auf den sich dieser Kommentar bezieht:

Thomas F. Madden: The Real Inquisition: Investigating the popular myth.

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Robert Ketelhohn
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Re: Inquisition

Beitrag von Robert Ketelhohn »

Erich Dumfarth hat geschrieben:
Robert Ketelhohn hat geschrieben:
Erich Dumfarth hat geschrieben:»Hast Du eigentlich auch nur die geringste Ahnung, wie die Inquisition arbeitete? Was sie tat?«
Und du, Erich? Weißt du es?
»Ja.«
Na, dann erzähl doch mal.
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Erich_D
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Re: Inquisition

Beitrag von Erich_D »

Robert Ketelhohn hat geschrieben:
Erich Dumfarth hat geschrieben:
Robert Ketelhohn hat geschrieben:
Erich Dumfarth hat geschrieben:»Hast Du eigentlich auch nur die geringste Ahnung, wie die Inquisition arbeitete? Was sie tat?«
Und du, Erich? Weißt du es?
»Ja.«
Na, dann erzähl doch mal.
Nein. Eine Diskussion dieses Themas mit Dir erscheint mir nicht sinnvoll.
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Erich_D
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Beitrag von Erich_D »

"Spiel nicht mit den Schmuddelkindern sing nicht ihre Lieder. Geh doch in die Oberstadt mach´s wie deine Brüder", so sprach die Mutter, sprach der Vater, lehrte der Pastor."

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Knecht Ruprecht
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Inquisition

Beitrag von Knecht Ruprecht »

hallo, ich wüßte gerne, mit welcher begründung die inquisation durch den papst erschaffen wurde und mit welcher begründung, diese wieder von dem papst abgeschafft wurde.

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FioreGraz
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Beitrag von FioreGraz »

Sie Inquisition wurd 1235 von Gregor IX. eingeführt.

Sinn: Bekämpfung der Häresie, also das Verfolgen von "Gedankenverbrechen" übergeben wurden die "ketzer dann der weltlichen Gerichtsbarkeit, als Strafe wurde von Friedrich II die Todessrafe durch verbrennen festgesetzt.


Die Inquisition (1908 von Pius X in hl. Offizium umbenannt) wurde von Papst Paul VI: (im Rahmen der Kurienreform) bzw. vom 2. Vat. Konzil abgeschafft (an seine Stelle trat dann die Glaubenskongregation).

LG
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Knecht Ruprecht
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Beitrag von Knecht Ruprecht »

mit welcher begründung wurde die inquisation abgeschafft? du schriebst nur, durch wen und was sie ersetzt wurde.
FioreGraz hat geschrieben:Sie Inquisition wurd 1235 von Gregor IX. eingeführt.

Sinn: Bekämpfung der Häresie, also das Verfolgen von "Gedankenverbrechen" übergeben wurden die "ketzer dann der weltlichen Gerichtsbarkeit, als Strafe wurde von Friedrich II die Todessrafe durch verbrennen festgesetzt.


Die Inquisition (1908 von Pius X in hl. Offizium umbenannt) wurde von Papst Paul VI: (im Rahmen der Kurienreform) bzw. vom 2. Vat. Konzil abgeschafft (an seine Stelle trat dann die Glaubenskongregation).

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roncalli
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Beitrag von roncalli »

Eigentlich wurde die "Glaubensüberwachung" (mit aktivem Aufspüren von Irrlehren= inquisitio) nicht abgeschafft, sondern die Methoden wurden - Gott sei Dank - geändert.

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FioreGraz
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Beitrag von FioreGraz »

Eigentlich wurde die "Glaubensüberwachung" (mit aktivem Aufspüren von Irrlehren= inquisitio) nicht abgeschafft, sondern die Methoden wurden - Gott sei Dank - geändert.
Naja sie verlor zumindest formal die Vorrangstellung als oberstes Kurien-Organ. Demzufolge würde ich es schon als "abschaffung" betiteln. Auserdem befasst sich die "Glaubenskongragation" inquisitorisch "nur" mit Katholiken.

LG
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FioreGraz
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Beitrag von FioreGraz »

mit welcher begründung wurde die inquisation abgeschafft? du schriebst nur, durch wen und was sie ersetzt wurde.
Todesstrafe, Folter .... ähm welche Begrünung willst denn zur Abschaffung haben?
Die Begründung lag einfach in einer Reform (Neuordnung) der Kurie

LG
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Knecht Ruprecht
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Beitrag von Knecht Ruprecht »

Na es muss doch eine Begründung geben, warum man etwas abschafft. Man kann ja nicht einfach so etwas abschaffen. Vielleicht gab es ja weniger Verbrechen, die dazu führten, die Inquisation auszusetzen.

FioreGraz hat geschrieben:
mit welcher begründung wurde die inquisation abgeschafft? du schriebst nur, durch wen und was sie ersetzt wurde.
Todesstrafe, Folter .... ähm welche Begrünung willst denn zur Abschaffung haben?
Die Begründung lag einfach in einer Reform (Neuordnung) der Kurie

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Fichtel-Wichtel
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Beitrag von Fichtel-Wichtel »

Der Glaube an Gott ist gewaltfrei zuhalten,vor allem von seiten der Kath.Kirche.
Der Glaube an Gott ist so individuell für die Menschen,so wie jeder Mensch ein Unikat ist.
Der Glaube an Gott sollte von Gewalt frei sein,jedenfalls von Seiten der Kath.Kirche,weil nur so die allgemeine Gewalt ,sei es durch Kriege, Verbrechen vermindert werden kann.

Wenn die Kath.Kirche nicht mit "gutem" Beispiel vorangeht, wie soll dann diese Welt jemals auf allen Kontinenten,in allen Ländern Frieden erleben können?

Warum benötigst du@Kordian eine Begründung.
Frag den weishaarigen bayr.Kardinal im Vatican,welcher Chef der Glaubenskongregation ist, also der "Oberinquisitor".Der wird dir vermutlich auch nicht viel anderes sagen ,als ich nur in wesentlich wissenschaftl. diplomatischen und eleganteren Worten.

Gruß,
Elisabeth

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FioreGraz
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Beitrag von FioreGraz »

@Kordian
Na es muss doch eine Begründung geben, warum man etwas abschafft. Man kann ja nicht einfach so etwas abschaffen. Vielleicht gab es ja weniger Verbrechen, die dazu führten, die Inquisation auszusetzen.
Die Inquisition verfolgte "Gedankenverbrecher", das heißt diejenigen die nicht an das glaubten was Rom glaubte, Andersdenkende und Andersgläubige, keine Mörder oder sonstwas. Demzufolge gab es auch nie eine wirkliche Grundlage für die Inquisition, sie in dieser Form abzuschaffen bedarf daher auch keiner Begründung.

LG
Fiore

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Knecht Ruprecht
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Beitrag von Knecht Ruprecht »

Jetzt bitte keine verlogene Hexenverbrennungsdebatte. Wonach Frauen die zufällig rote Haare hatten gleich ins Feuer kamen. Die Hexen und Hexer dieser Zeit laufen mit Sprengstoffgürtel durch die Gegend. Ich bin gespannt, wie in 50 Jahren, über diese Hexer und Hexenverbrennung von humanistischer Seite getrauert wird. :sauer:

FioreGraz hat geschrieben:@Kordian
Na es muss doch eine Begründung geben, warum man etwas abschafft. Man kann ja nicht einfach so etwas abschaffen. Vielleicht gab es ja weniger Verbrechen, die dazu führten, die Inquisation auszusetzen.
Die Inquisition verfolgte "Gedankenverbrecher", das heißt diejenigen die nicht an das glaubten was Rom glaubte, Andersdenkende und Andersgläubige, keine Mörder oder sonstwas. Demzufolge gab es auch nie eine wirkliche Grundlage für die Inquisition, sie in dieser Form abzuschaffen bedarf daher auch keiner Begründung.

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Robert Ketelhohn
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Beitrag von Robert Ketelhohn »

Die Inquisition („Untersuchung“) ist zunächst ein Begriff des Prozeßrechts. Er bezeichnet ein Verfahren, in welchem von Amts wegen untersucht wird, im Gegensatz zum Akkusationsverfahren, das nur aufgrund einer Anklage zustandekommt und in dem Zeugen, Eide und Reinigungseide, Eideshelfer und Zweikämpfe den Ausschlag geben.

Das Inquisitionsverfahren als klarer Fortschritt gegenüber den Unzulänglichkeiten des Akkusationsverfahrens kam im Zuge der Neuentdeckung des römischen Rechts an den Universitäten auf und wurde schnell von der damaligen Gesellschaft angenommen, die Kirche eingeschlossen.

Darin ist noch nichts Vorwerfbares zu erkennen. Problematisch wurde dann jedoch die verbreitete Ansicht, niemand könne ohne Geständnis verurteilt werden, nachdem man die gerade aus Sicht des Glaubens anstößigen Zweikämpfe und Gottesurteile abschaffen wollte. Wenn nun einer praktisch überführt war, aber nicht gestehen wollte: Was dann? Das römische Recht schien eine Lösung zu bieten: die peinliche Befragung, genannt Tortur oder Folter.

Man erkannte zwar schnell die Unzulänglichkeiten dieser Methode und schuf darum viele Regulierungen: Gültigkeit einer Aussage unter Folter erst bei Wiederholung fern der Folterstätte vor dem Richter, Verbot der mehrmaligen Folter und vieles mehr. Doch obgleich auch solche Regeln erkennbar zu umgehen waren und bisweilen – je später, desto häufiger – auch umgangen wurden und ohnedies keine Sicherheit gegen Mißbrauch und Falschaussagen boten, setzte sich die peinliche Befragung im profanen Strafprozeß durch.

Obgleich es immer Stimmen gab – und zwar kirchliche Stimmen –, die daran Kritik übten, dauerte es Jahrhunderte, bis die Argumente von der Ungeignetheit und der Ungerechtigkeit der Folter so stark wurden, daß man verbreitet umdachte und die peinliche Befragung abzuschaffen begann.

Worin aber liegt nun der Vorwurf gegen „die Kirche“? Wahr ist, daß die Abschaffung der Folter zuerst von kirchlichen Amtsträgern postuliert wurde – wahr ist aber auch, daß die Akzeptanz der Folter als neuer Prozeßmethode durch die Amtsträger der Kirche seinerzeit gefördert worden war, wenn auch die Neuerung ursprünglich von der Wissenschaft her gekommen war.

Freilich waren auch diese Juristen Glieder der Kirche, wie fast jedermann im damaligen Europa. Also ein Irrtum der gesamten Christenheit? Das wäre eine ganz falsche Perspektive. Zahllose Sünden einzelner, gewiß: wie heute auch. Da mache man sich nichts vor. Und wenn wir heute die Folter generell als ungeeignet zur Wahrheitsfindung und ungerecht ansehen, so stimme ich bei. Aber haben wir tatsächlich das bessere System? Wer das glaubt, dem könnte vielleicht ein längerer Aufenthalt im Zuchthaus die Illusionen rauben.

Zu Zeiten der Folter war man sich der Unzulänglichkeit irdischer Gerechtigkeit wenigstens noch halbwegs bewußt. Die Ideologie des modernen Strafvollzugs blendet diese Grundvoraussetzung aus, wie überhaupt die Grundbedingung unseres Daseins, die eben in der Sündhaftigkeit des Menschen besteht. Daher – von dieser Ausblendung – kommt auch der immer wieder gegen die Kirche erhobene Vorwurf, sie habe die Welt nicht besser gemacht.

Nein, natürlich nicht: Das hat sie auch nie behauptet oder gewollt. Sie will die Menschen retten. Heiligen. Heilen. Bewahren zum ewigen Leben, durch die Gnadenmittel, die der Herr Jesus ihr anvertraut hat. Die Gestalt dieser Welt dagegen vergeht. Ihr ist der Untergang bestimmt.

Hier könnte nun noch jemand einwenden, der Vorwurf gegen die Kirche richte sich gar nicht gegen Inquisition allgemein, sondern gegen die Inquisition, nämlich gegen die Heilige, die römische. Oder gegen die spanische. Ja, richtig ist, daß auch die Kirche das Inquisitionsverfahren zur Untersuchung von Glaubenssachen eingeführt hat – und im übrigen, wie vielerorts auch das profane Recht, bis heute beibehält. Doch das ist ein neues Thema.
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HeGe
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Beitrag von HeGe »

Hallo zusammen.

Also, wenn ich mich dabei irre, soll mich bitte jemand, der mehr geschichtliche Kenntnisse hat, aufklären, aber für mich ist das "Problem" oder der Grund, warum die Todesurteile in den damaligen Gerichtsverfahren pauschal der Kirche angelastet werden, doch vielfach die Vermischung von kirchlicher und staatlicher Gewalt, oder nicht? So weit ich weiß, hatten doch die kirchlichen Inqusitionsgerichte nicht die Befugnis, ein Todesurteil zu sprechen, sondern nur den Kirchenbann. Da aber das Christentum Staatsreligion war, war ein Akt der Ketzerei, wenn er von einem kirchlichen Gericht festgestellt war, auch gleichzeitig ein Verbrechen gegen den Staat, was das Todesurteil überhaupt erst ermöglichte. Zweites Problem war es natürlich, wenn die geistliche Autorität auch gleichzeitig weltliche Macht hatte, wie im Fall der bischöflichen Kurfürsten oder Fürstabteien und ihnen damit auch die weltliche Gerichtsbarkeit unterstand. Auch da ist es aber m.E. durchaus problematisch ein solches weltliches Urteil der kirchlichen Seite anzulasten.
Vielleicht kann mir jemand zu diesem Thema noch mehr sagen. Jedenfalls kann man vor dem Hintergrund doch eigentlich ganz froh über die Trennnung von weltlicher und kirchlicher Macht sein, die ja nicht selten zur Korrumpierung der kirchlichen Würdenträger geführt hat.

HeGe

Biggi
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Beitrag von Biggi »

HeGe hat geschrieben: Jedenfalls kann man vor dem Hintergrund doch eigentlich ganz froh über die Trennnung von weltlicher und kirchlicher Macht sein, die ja nicht selten zur Korrumpierung der kirchlichen Würdenträger geführt hat.
Wieso "eigentlich"??? Ich bin darüber ganz "uneigentlich" auch froh! Nicht nur wegen des von dir genannten Grundes, sondern auch aus ganz biblischen Gründen.
Das Christentum nimmt den Menschen, wie er ist, und macht ihn zu dem, was er sein soll.
(Adolph Kolping, Patron des XX. Weltjugendtags 2005)

Geronimo

Beitrag von Geronimo »

Jepp!

Geronimo

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FioreGraz
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Beitrag von FioreGraz »

@Kordi
Jetzt bitte keine verlogene Hexenverbrennungsdebatte. Wonach Frauen die zufällig rote Haare hatten gleich ins Feuer kamen. Die Hexen und Hexer dieser Zeit laufen mit Sprengstoffgürtel durch die Gegend. Ich bin gespannt, wie in 50 Jahren, über diese Hexer und Hexenverbrennung von humanistischer Seite getrauert wird.
Das ist keine verlogene Debatte die Kirche hat die Inquisition zur verfoglung von Ketzern eingesetzt, nicht um Verbrechen zu ahnden.

ganz offiziel Kordie setze Papst Gregor IX erstmals im Jahre 1231 eine Kommision und dann 1235 die Inquisition ein - zur Bekämpfung der Häresie.

@HeGe

Die Bestrafung Kirchenbann war ne vogelfrei erklärung. Die Deliquenten wurden der weltlichen Gerichtsbarkeit übergeben, die dann die Bestrafung (Dekret Friedrich II für alle überführten Ketzer Todesureil) ausführte. Bei der römischen Inquisition (obwohl sie zu den humaneren gehört) sprach die Kirche sehr wohl direkt das Todesurteil aus.

LG
Fiore

HeGe
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Beitrag von HeGe »

FioreGraz hat geschrieben: @HeGe

Bei der römischen Inquisition (obwohl sie zu den humaneren gehört) sprach die Kirche sehr wohl direkt das Todesurteil aus.

LG
Fiore
Hallo Fiore.

Meinst du mit römischer Inquisition diejenige, die im Kirchenstaat tätig wurde? Das würde meinen obigen Beitrag ja nur bestätigen, denn auch hier fand eine Vermischung von kirchlicher und staatlicher Macht statt.

Dies wäre dann nach heutigen Verhältnissen ungefähr so, als wenn im Vatikan ein vermeintlicher Taschendieb festgenommen und ins Gefängnis gesteckt würde und die restliche Welt der Kirche - im religiösen Sinne - die Verfolgung Unschuldiger vorwerfen würde. Aber ich gebe zu, dass die Unterscheidung tatsächlich sehr schwer nachzuvollziehen ist, deshalb bin auch ich uneigentlich :mrgreen: über die Trennung von Staat und Kirche froh. (Auch wenn man sich in manchen Gebieten manchmal etwas mehr Einfluss der Kirche auf die Politik wünschen könnte. Andererseits würde es auch ausreichen, wenn die katholischen Politiker öfter gemäß der katholischen Lehre entscheiden würden.)

Aber dass der Kirchenbann vielfach zum Todesurteil durch ein weltliches Gericht führte, resultiert doch aus dem Fakt, dass dies eben als "Verrat" an der Staatsreligion auch "Verrat" am Staat war, oder sehe ich das falsch?

HeGe

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FioreGraz
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Beitrag von FioreGraz »

Aber dass der Kirchenbann vielfach zum Todesurteil durch ein weltliches Gericht führte, resultiert doch aus dem Fakt, dass dies eben als "Verrat" an der Staatsreligion auch "Verrat" am Staat war, oder sehe ich das falsch?
Hmmm, mit Kirchenbann, hmm nur muß man sehen das die Kirche es ja auch so wollte. Zwotens wurden die Strafen vom Staat vollzogen (ein lebenslager Kerker war auch für den Staat lebenslanger Kerker) und die Kirche überantworte und verureilte sehr wohl direkt zum Tode (siehe zB. Hus) nicht nur in der römischen Inquisition (sie galt nur als humanste von allen). Und es kann nicht angehen das man die Kirche reinzuwaschen versucht mit der Begründung das kein Priester die Strafe Vollsrekte. Ob nun im lichte einer objektiven Geschichtsbetrachtung das ganze beleuchtet wird, ohne deshalb gleich eine Kollektivschuld für die gesamte heutige Kirche abzuleiten steht auf einem anderen Blatt, aber zu verleugnen das sie gefehlt hat wäre törricht.

@Kordi

Um endlich mal dein Verständis (Verbrecher und nicht Andersgläubige/denkende wurden Verfolgt) zu verfeinern. Wenn du schon nicht solchen "Vernaderern" wie mir glaubst dann wenigstens dem Papst.

Auszüge aus
SCHREIBEN VON JOHANNES PAUL II.
AN KARD. ROGER ETCHEGARAY
ANLÄSSLICH DER PUBLIKATION DER AKTEN DES INTERNATIONALEN SYMPOSIUMS ÜBER DIE INQUISITION
(VATIKANSTADT, 29.-31. OKTOBER 1998)
....»Zu Recht nimmt sich daher die Kirche … mit stärkerer Bewußtheit der Schuld ihrer Söhne und Töchter an, eingedenk aller jener Vorkommnisse im Laufe der Geschichte, wo diese sich vom Geist Christi und seines Evangeliums dadurch entfernt haben, daß sie der Welt statt eines an den Werten des Glaubens inspirierten Lebenszeugnisses den Anblick von Denk- und Handlungsweisen boten, die geradezu Formen eines Gegenzeugnisses und Skandals darstellten« ....
.....Die Einrichtung der Inquisition ist abgeschafft. Wie ich die Möglichkeit hatte, den Teilnehmern am Symposium zu sagen, können die Söhne der Kirche nur im Geist der Reue an die »besonders in manchen Jahrhunderten an den Tag gelegte Nachgiebigkeit angesichts von Methoden der Intoleranz oder sogar Gewalt im Dienst an der Wahrheit« (vgl. Tertio millennio adveniente, 35) erinnern....
...Am 12. März 2000 wurde im Rahmen der liturgischen Feier, die den »Tag der Vergebung« geprägt hat, um Verzeihung gebeten für die Irrtümer, die im Dienst an der Wahrheit unter Anwendung von dem Evangelium widersprechenden Methoden begangen worden sind. Die Kirche muß diesen Dienst vor allem in der Nachfolge des Herrn erfüllen, der gütig und von Herzen demütig ist. Das Gebet, das ich damals an Gott richtete, beinhaltet die Beweggründe einer Vergebungsbitte, die sich sowohl auf die mit der Inquisition zusammenhängenden Dramen als auch auf die durch sie hervorgerufenen Wunden des Gedächtnisses bezieht...
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roncalli
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Beitrag von roncalli »

FioreGraz hat geschrieben: ... und die Kirche ... verureilte sehr wohl direkt zum Tode (siehe zB. Hus)
Bist du da so sicher? Hat die kirchliche Autorität bei Hus "nur" die Häresie festgestellt oder wirklich auch die Todestrafe verhängt? Die Hinrichtung leitete jedenfalls Friedrich VI. (der spätere Kurfürst von Brandenburg, der Stammvater der preußischen Könige und deutschen Kaiser aus dem Hause Hohenzollern).

Freilich wusste die kirchliche Autorität, was dann, wenn sie einen Ketzer dem weltlichen Arm übergab und in einer dafür vorgesehenen Formel um "Milde" bat, tatsächlich passierte.
Vergleiche dazu die Haltung des Paulus-Saulus bei der Steinigung des Stephanus:
"Saulus aber war mit dem Mord einvestanden!" (Apg 8,1a)

Dass man aktive Häresie, also das Abbringen anderer vom wahren Glauben, als schweres, auch vom Staat zu bestrafenes Delikt ansah, wurde auch mit einem Wort Jesu begründet:
"Wenn jemand einen von diesen Kleinen, die an mich glauben, zum Bösen verführt, für den wäre es besser, wenn er mit einem Mühlstein um den Hals im tiefen Meer versenkt würde!" ( Mt 18,6) Und die Henker taten das vermeintlich Bessere ... (halt meist mit Feuer)
Zuletzt geändert von roncalli am Mittwoch 6. Oktober 2004, 20:02, insgesamt 1-mal geändert.

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FioreGraz
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Beitrag von FioreGraz »

Bist du da so sicher? Hat die kirchliche Autorität bei Hus "nur" die Häresie festgestellt oder wirklich auch die Todestrafe verhängt? Die Hinrichtung leitete jedenfalls Friedrich VI. (der spätere Kurfürst von Brandenburg, der Stammvater der preußischen Könige und deutschen Kaiser aus dem Hause Hohenzollern).
Hus wurde direkt vom Konzil von Konsanz (zwar ohne zustimmung eines Papstes, die ja einen Konzilsbeschluß erst gültig macht) zum Tode verurteilt.

Die Mär von der nur "übergabe" der weltlichen Gerichtsbarkeit, mag vielleicht auf die Anfänge der Inquistion zutreffen. Wo sie ja wie Robert schon gesagt hat eine Verbesserung der damaligen Praxis darstellte, indem man den Wildwuchs an Verfahren und Anschuldigungen in den Bistümern eindämmte und eine "unabhängige" Stelle damit beauftragt war. Aber im Laufe der Zeit kehrte sich dieser SChritt nach vorn leider in einen Schritt nach hinten um und es war sehr wohl üblich dann die Todesstrafe zu verhängen. Nur weil hier die Kirche die Gewalten getrennt hat (judikative - Inquisition und Exekutive - weltliche Organe) bedeutet das nicht das die Exekutive die Macht hatte "Milde" walten zu lassen, trotz einer diesbezüglichen formalen bitte, von der ich bezweifel das sie mit dem Lauf der Jahre noch geäusert wurde.
Weiters kommt selbst das nicht fessetzen eines Strafmases und übergabe an die weltliche Gerichtsbarkeit mit dem Wissen das dieser damit automatisch den Flammen übergeben wird, einem Todesurteil gleich. Und wie sagt Ratzinger "Keine Toleranz dem Bösen" oder so ähnlich, also Mord und Todesstrafe zu tolerieren ....

LG
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roncalli
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Beitrag von roncalli »

Bitte, Fiore, verstehe mich nicht falsch, ich wollte keinesfalls inhumane Praktiken verleugnen oder verteidigen. Ich lass mich in puncto Geschichte (Hus und Konzil v. Konstanz) sehr gerne belehren.
Auch Zustimmung zum Mord (vgl. Apg 8,1a) wäre für mich ja schon schlimm genug, die Auffoderung eines Konzils, jemanden zu ermorden, ist freilich um vieles ärger ... :/ :( :/

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Großinquisitor
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Beitrag von Großinquisitor »

Ich wage stark zu bezweifeln, ob man die Hinrichtung des Hus als Mord bezeichnen darf. :nein:

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Großinquisitor
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Beitrag von Großinquisitor »

Bevor hier irgendjemand mich für einen Unmenschen hält, möchte ich das weiter so ausführen:
Hus behauptete, ein Fürst sei im Stande der Sünde vor Gott kein Fürst mehr. So etwas führt konsequent zu Ende gedacht zur Auflösung der staatlichen Ordnung. Tatsächlich waren die Hussiten auch sehr gewalttätig.

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