Katechese

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Bruder Donald
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Re: Katechese

Beitrag von Bruder Donald » Donnerstag 10. Oktober 2019, 12:48

Lauralarissa hat geschrieben:
Donnerstag 10. Oktober 2019, 12:19
Das habe ich doch oben erklärt:
Ein Katechismus ist die Zusammenfassung dessen, was zu glauben ist für die Hand des Laien. Daher ist er einfach verständlich und hat normativen Charakter. Er enthält eine knappe, gut verständliche Zusammenfassung des katholischen Glaubens, oft in Fragen und Antworten.
Eine Dogmatik stellt (je nach Schwerpunktgebiet) alle oder einzelne Bereiche des katholischen Glaubens dar. Und zwar in ihrer Genese, ihren historischen Hintergründen, ihren Herausforderungen.
Quasi: eine (gute) Katechese baut auf (einer guten) Dogmatik auf?

Lauralarissa, soweit ich richtig verstanden habe, hast du ja Theologie studiert?
Hattest du ein bestimmtes Lehrbuch zur Dogmatik, a la Ott oder Müller?
Wie muss für dich persönlich ein gutes Lehrbuch zur Dogmatik sein? Soll es rein neutral-wissenschaftlich sein? Kann ein Dogmatiklehrbuch zum persönlichen Wachsen im Glauben beitragen, soll es überhaupt so etwas leisten?

Würde mich über deine persönlichen Einschätzungen freuen. :)
Prüft alles und behaltet das Gute! (1. Thess 5,21)

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Vinzenz Ferrer
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Re: Katechese

Beitrag von Vinzenz Ferrer » Donnerstag 10. Oktober 2019, 12:50

Bruder Donald hat geschrieben:
Donnerstag 10. Oktober 2019, 12:48
Lauralarissa hat geschrieben:
Donnerstag 10. Oktober 2019, 12:19
Das habe ich doch oben erklärt:
Ein Katechismus ist die Zusammenfassung dessen, was zu glauben ist für die Hand des Laien. Daher ist er einfach verständlich und hat normativen Charakter. Er enthält eine knappe, gut verständliche Zusammenfassung des katholischen Glaubens, oft in Fragen und Antworten.
Eine Dogmatik stellt (je nach Schwerpunktgebiet) alle oder einzelne Bereiche des katholischen Glaubens dar. Und zwar in ihrer Genese, ihren historischen Hintergründen, ihren Herausforderungen.
Quasi: eine (gute) Katechese baut auf (einer guten) Dogmatik auf?

Lauralarissa, soweit ich richtig verstanden habe, hast du ja Theologie studiert?
Hattest du ein bestimmtes Lehrbuch zur Dogmatik, a la Ott oder Müller?
Wie muss für dich persönlich ein gutes Lehrbuch zur Dogmatik sein? Soll es rein neutral-wissenschaftlich sein? Kann ein Dogmatiklehrbuch zum persönlichen Wachsen im Glauben beitragen, soll es überhaupt so etwas leisten?

Würde mich über deine persönlichen Einschätzungen freuen. :)
Das sind gute Fragen! :ikb_thumbsup:
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Bruder Donald
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Re: Katechese

Beitrag von Bruder Donald » Donnerstag 10. Oktober 2019, 12:57

Vinzenz Ferrer hat geschrieben:
Donnerstag 10. Oktober 2019, 12:08
Das ist übrigens eine Frage, die mir auch gekommen ist:
Was ist der Unterschied zwischen einem Katechismus und einer Dogmatik?
Und vor allem: was "sticht" was aus im Zweifel? :hmm:
Naja, ich würde ja behaupten, dass Katechese ja u. a. auf der Dogmatik aufbaut. Wobei die Dogmatik ja auch nur ein Teil einer vollwertigen Katechese wäre, mMn. Dazu kommen ja auch Fundamentaltheologie und Ethik.

Mich interessiert: Katechese soll ja die Glaubenslehre bzw. Glaubenswahrheiten wiedergeben und erklären. Ziel ist es, dem Laien das korrekte Glaubensverständnis zu vermitteln. (Soll es aber auch den persönlichen Glauben des Laien formen?)
Hat die Dogmatik auch diesen Anspruch, dieses Ziel oder geht es nur darum, sich mit den Themen der Dogmatik wissenschaftlich auseinanderzusetzen und zu präsentieren? Welchen Einfluss hat die Dogmatik (im Endergebnis als Lehr- oder Handbuch) auf den persönlichen Glauben der Menschen?
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Amigo
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Re: Katechese

Beitrag von Amigo » Donnerstag 10. Oktober 2019, 13:00

Bruder Donald hat geschrieben:
Donnerstag 10. Oktober 2019, 12:57
Mich interessiert: Katechese soll ja die Glaubenslehre bzw. Glaubenswahrheiten wiedergeben und erklären. Ziel ist es, dem Laien das korrekte Glaubensverständnis zu vermitteln. (Soll es aber auch den persönlichen Glauben des Laien formen?)
Zur eingeklammerten Frage kann ich mit Bestimmtheit JA antworten; jedenfalls ist das bei unseren Ex-Muslimen, für die ich als Katechist tätig bin, definitiv der Fall, denn bei ihnen lassen sich Glaubenslehre, Glaubenspraxis, Glaubenserfahrung, Gemeinde-Eingliederung und auch "Inkulturation" einfach nicht trennen. Es wäre weitgehend sinnlos und unfruchtbar, ihnen nur intellektuelle Einsichten zum Glauben zu vermitteln und zu hoffen, dass daraus ein lebendiger Glaube und eine einigermaßen nachhaltige Integration in die Gemeinschaft der Gläubigen entstehen könnte.

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Bruder Donald
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Re: Katechese

Beitrag von Bruder Donald » Donnerstag 10. Oktober 2019, 13:10

Amigo hat geschrieben:
Donnerstag 10. Oktober 2019, 13:00
Zur eingeklammerten Frage kann ich mit Bestimmtheit JA antworten; [...]
Super, vielen Dank für deine Antwort, die auf deiner Erfahrung gründet! :)

Wie das praktisch abläuft, also Vermittlung der Glaubensinhalte mit Formung des persönlichen Glaubens, wäre ja wohl zu viel der Frage, oder? :D

Jedenfalls, das was du sagst, soll(te) das nicht auch ein Theologiestudium können/leisten? Mir scheint, die moderne Theologie, will es nicht. Aber wie war es früher mal? Und vor allem: Soll(te) es nicht so sein? Soll(te) das Theologiestudium (darunter ja auch die Dogmatik) nicht irgendwie katechetisch sein?
Das sind jetzt in den Raum gestellte Fragen, die mich momentan so umtreiben, Antworten sind gerne gesehen, aber nicht erforderlich.
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Amigo
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Re: Katechese

Beitrag von Amigo » Donnerstag 10. Oktober 2019, 13:28

Bruder Donald hat geschrieben:
Donnerstag 10. Oktober 2019, 13:10
Amigo hat geschrieben:
Donnerstag 10. Oktober 2019, 13:00
Zur eingeklammerten Frage kann ich mit Bestimmtheit JA antworten; [...]
Super, vielen Dank für deine Antwort, die auf deiner Erfahrung gründet! :)

Wie das praktisch abläuft, also Vermittlung der Glaubensinhalte mit Formung des persönlichen Glaubens, wäre ja wohl zu viel der Frage, oder? :D
Dazu kann man viel schreiben; aber in Kürze: Wir machen die Katechesen meist in Form von "Sunday School", also nach dem gemeinsamen Besuch der Heiligen Messe am Sonntag. Es wird gesungen, gebetet, wir machen Bibelarbeit (u.a. "Bibel-Teilen"), sprechen über aktuelle Tages-Heilige, lernen den Aufbau der Messe, wie und warum man den Rosenkranz betet usw. - aber natürlich ist das "thematische Gerüst" der Katechismus. Genug Raum muss man auch den großen (Theodizee...!) und kleinen ("was ist das für ein Wasserbecken beim Kircheneingang? Warum zünden die Leute vor der Statue von Maria Kerzen an?") Fragen der Katechumenen geben, denn so wie bei Kindern soll man auch den Katechumenen nicht zu viel an Information zumuten, sondern es in ihrem Auffassungstempo - auch wegen der erheblichen Sprachbarriere! - anbieten.

Deshalb haben wir auch Teilnehmer in den Katechesen, die zwei oder drei Jahre nach(!) ihrer Taufe - vor der sie ja schon ein Jahr Katechumenat hatten! - immer noch mit ziemlich grundlegenden Fragen kommen ("was ist der Unterschied zwischen dem Heiligen Geist und einem Engel?"). Aber gut, dass sie kommen. Und immer wieder gibt es so auch Gelegenheit, auf ihre Glaubenspraxis und ihren Weg einzuwirken.
Jedenfalls, das was du sagst, soll(te) das nicht auch ein Theologiestudium können/leisten? Mir scheint, die moderne Theologie, will es nicht. Aber wie war es früher mal? Und vor allem: Soll(te) es nicht so sein? Soll(te) das Theologiestudium (darunter ja auch die Dogmatik) nicht irgendwie katechetisch sein?
Das sind jetzt in den Raum gestellte Fragen, die mich momentan so umtreiben, Antworten sind gerne gesehen, aber nicht erforderlich.
Ich bin nicht verantwortlich für Ziele und Curriculum irgendwelcher Theologiestudien; meine persönliche Meinung wäre, dass ein Universitäts-Theologiestudium wohl weitestgehend sachbezogen und nicht glaubensformend sein kann oder soll, wobei aber das Theologiestudium für Anwärter auf Weihe oder kirchliche Ämter zumindest den Prozess der Glaubensformung unterstützen, niemals aber diesem zuwiderlaufen darf. Umsomehr sollte das für theologische Kurse gelten, die spezifisch für die Vorbereitung auf innerkirchliche Funktionen (Pastoralassistent etc.) vorgesehen sind.

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Bruder Donald
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Re: Katechese

Beitrag von Bruder Donald » Donnerstag 10. Oktober 2019, 21:43

Amigo hat geschrieben:
Donnerstag 10. Oktober 2019, 13:28
Dazu kann man viel schreiben; aber in Kürze: Wir machen die Katechesen meist in Form von "Sunday School", also nach dem gemeinsamen Besuch der Heiligen Messe am Sonntag. Es wird gesungen, gebetet, wir machen Bibelarbeit (u.a. "Bibel-Teilen"), sprechen über aktuelle Tages-Heilige, lernen den Aufbau der Messe, wie und warum man den Rosenkranz betet usw. - aber natürlich ist das "thematische Gerüst" der Katechismus. Genug Raum muss man auch den großen (Theodizee...!) und kleinen ("was ist das für ein Wasserbecken beim Kircheneingang? Warum zünden die Leute vor der Statue von Maria Kerzen an?") Fragen der Katechumenen geben, denn so wie bei Kindern soll man auch den Katechumenen nicht zu viel an Information zumuten, sondern es in ihrem Auffassungstempo - auch wegen der erheblichen Sprachbarriere! - anbieten.

Deshalb haben wir auch Teilnehmer in den Katechesen, die zwei oder drei Jahre nach(!) ihrer Taufe - vor der sie ja schon ein Jahr Katechumenat hatten! - immer noch mit ziemlich grundlegenden Fragen kommen ("was ist der Unterschied zwischen dem Heiligen Geist und einem Engel?"). Aber gut, dass sie kommen. Und immer wieder gibt es so auch Gelegenheit, auf ihre Glaubenspraxis und ihren Weg einzuwirken.
Das hört sich wirklich nach sehr guter und fruchtbarer Arbeit an, was mich sehr positiv und zuversichtlich stimmt. :ja:

Amigo hat geschrieben:
Donnerstag 10. Oktober 2019, 13:28
Ich bin nicht verantwortlich für Ziele und Curriculum irgendwelcher Theologiestudien; meine persönliche Meinung wäre, dass ein Universitäts-Theologiestudium wohl weitestgehend sachbezogen und nicht glaubensformend sein kann oder soll, wobei aber das Theologiestudium für Anwärter auf Weihe oder kirchliche Ämter zumindest den Prozess der Glaubensformung unterstützen, niemals aber diesem zuwiderlaufen darf. Umsomehr sollte das für theologische Kurse gelten, die spezifisch für die Vorbereitung auf innerkirchliche Funktionen (Pastoralassistent etc.) vorgesehen sind
Ich habe leider keinen Einblick in den studierenden und lehrenden Theologiebetrieb, aber was man so hört und v. a. die gegenwärtigen Ergebnisse sieht (u. a. Prof. Dr. Michael Seewald) dann bin ich um den Zustand des Theologiestudiums in Bezug zur glaubensvertiefenden Perspektive ernsthaft erschüttert und besorgt. :/
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Lauralarissa
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Re: Katechese

Beitrag von Lauralarissa » Freitag 11. Oktober 2019, 21:05

Bruder Donald hat geschrieben:
Donnerstag 10. Oktober 2019, 12:48
Quasi: eine (gute) Katechese baut auf (einer guten) Dogmatik auf?
Genau!
Und es ist tragisch, wenn die Katechese auf dogmatischen Fehlern aufbaut ... Oder der Katechet bzw. Religionslehrer nicht in der Lage ist, die Qualität der Quellen zu beurteiilen, die er benutzt.
Bruder Donald hat geschrieben:
Donnerstag 10. Oktober 2019, 12:48
Lauralarissa, soweit ich richtig verstanden habe, hast du ja Theologie studiert?
Hattest du ein bestimmtes Lehrbuch zur Dogmatik, a la Ott oder Müller?
Ich habe damals zu Beginn bzw. in der Mitte meines Studiums mit den Werken von Greshake gearbeitet. Die fand ich gut verständlich. Irgendwann hätte ich dann aber gerne mehr Hintergrundwissen, mehr Verständnis gehabt, fand sie fast zu seicht.
Bruder Donald hat geschrieben:
Donnerstag 10. Oktober 2019, 12:48
Wie muss für dich persönlich ein gutes Lehrbuch zur Dogmatik sein? Soll es rein neutral-wissenschaftlich sein?
Ich persönlich möchte den Glauben der Kirche verstehen. Das bedeutet, dass ich wissen möchte, wie die Dogmen entstanden sind, wie die Dogmengeschichte war, warum man sich für genau diese Formulierungen entschieden hat. Ich fand das schon sehr spannend zu sehen, auf welche Konflikte bestimmte Entscheidungen zurückgehen, welche philosophischen und theologischen Strömungen dahinter stehen. Also Dogmen genauso in ihrer historischen Genese zu sehen wie biblischen Texte. Das ist schon sehr interessant...
Das Interessante ist ja, dass Theologie eben eine Wissenschaft ist und somit auch die eigenen Texte kritisch hinterfragen kann. Eben keine Katechese für Erwachsene.
Bruder Donald hat geschrieben:
Donnerstag 10. Oktober 2019, 12:48

Kann ein Dogmatiklehrbuch zum persönlichen Wachsen im Glauben beitragen, soll es überhaupt so etwas leisten?
Meines Erachtens braucht es für ein Wachsen im Glauben immer zweierlei:
1. Das Glaubenswissen und damit die persönliche Entscheidung für den Glauben einer bestimmten Religionsgemeinschaft. Nur wenn ich den katholischen Glauben in seinen zentralen Inhalten und in seiner Logik intellektuell erfasse, kann ich mich für ihn wirklich entscheiden. Und natürlich kann ich auch nur dann in irgendeiner Form der Vermittlung (Unterricht, Seelsorge etc.) arbeiten, wenn ich den Glauben wirklich verstanden habe und ihn - zumindest in Grundzügen - auch wissenschaftlich erfasst habe. Dafür sind Lehrbücher unerlässlich.
2. Das zweite sind die Glaubenserfahrungen, die persönliche Beziehung zu Jesus Christus. Da muss ich im Laufe meines Lebens immer tiefer reinwachsen. Dafür können Kenntnisse helfen, aber sie sind nur ein kleiner Teil.
Hierfür gibt es übrigens an den Unis auch sehr gute Angebote - die meisten Unis haben Mentorate, die die Studierenden genau in diesem Prozess begleiten ...

Letztlich geht es im Studium darum, den katholischen Glauben intellektuell zu durchdringen, wissenschaftlich reflektieren zu können und mit (!) diesen Kenntnissen in einer lebendigen Christusbeziehung zu wachsen, die das Wissenschaftliche nicht ausblendet sondern integriert.
Wenn man nur in der Wissenschaft bleibt ohne die persönliche Gottesbeziehung besteht das Risiko, dass Theologie zum intellektuellen Gedankenspiel wird. Wenn man nur in der Gottesbeziehung bleibt, ohne die Wissenschaft zu integrieren (oder sie sogar ablehnt), besteht die Gefahr des Fundamentalismus. Beiden Problemen begegnet man an die Unis...

Laura

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Siard
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Re: Katechese

Beitrag von Siard » Samstag 12. Oktober 2019, 12:20

Lauralarissa hat geschrieben:
Freitag 11. Oktober 2019, 21:05
Letztlich geht es im Studium darum, den katholischen Glauben intellektuell zu durchdringen, wissenschaftlich reflektieren zu können und mit (!) diesen Kenntnissen in einer lebendigen Christusbeziehung zu wachsen, die das Wissenschaftliche nicht ausblendet sondern integriert.
Darum geht es im (Universitäts-)Studium nicht, obwohl es vielleicht wünschenswert wäre.
Es geht um Wissenschaft – und die hat mit einer Christusbeziehung so nichts zu tun.
In einer lebendigen Christusbeziehung zu wachsen, ist ein Privatvergnügen.

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Re: Katechese

Beitrag von Lauralarissa » Samstag 12. Oktober 2019, 15:55

Siard hat geschrieben:
Samstag 12. Oktober 2019, 12:20
Lauralarissa hat geschrieben:
Freitag 11. Oktober 2019, 21:05
Letztlich geht es im Studium darum, den katholischen Glauben intellektuell zu durchdringen, wissenschaftlich reflektieren zu können und mit (!) diesen Kenntnissen in einer lebendigen Christusbeziehung zu wachsen, die das Wissenschaftliche nicht ausblendet sondern integriert.
Darum geht es im (Universitäts-)Studium nicht, obwohl es vielleicht wünschenswert wäre.
Es geht um Wissenschaft – und die hat mit einer Christusbeziehung so nichts zu tun.
In einer lebendigen Christusbeziehung zu wachsen, ist ein Privatvergnügen.
Es stimmt insofern, als dass es keine Scheine dafür gibt und man damit auch keine Creditpoints sammeln kann.
Aber es gibt durchaus seitens der Kirche den Wunsch, dass die Studierenden während des Studiums auch Angebote zur Glaubensvertiefung wahrnehmen - tlw. sind die auch obligatorisch.
Und ich kann mir durchaus vorstellen, dass man bei der Auswahl der Bewerber für Pastis etc. auch darauf achtet, ob sie einen persönlichen Bzug hierzu haben.

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Re: Katechese

Beitrag von Bruder Donald » Dienstag 15. Oktober 2019, 09:13

Lauralarissa hat geschrieben:
Freitag 11. Oktober 2019, 21:05
Ich habe damals zu Beginn bzw. in der Mitte meines Studiums mit den Werken von Greshake gearbeitet. Die fand ich gut verständlich. Irgendwann hätte ich dann aber gerne mehr Hintergrundwissen, mehr Verständnis gehabt, fand sie fast zu seicht.
Interessant. :hmm: Ich wusste nicht, dass G. Greshake sich zu mehreren Themen der Dogmatik geäußert hat.
Seine Studie zur Trinität finde ich aber sehr interessant und v. a. sehr gut und verständlich geschrieben! Er hat einen sehr angenehmen (Schreib-)Stil.


Und vielen Dank für die ausgiebige Antwort und den Einblick in deine Erfahrung des Theologiestudiums. :)
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Lycobates
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Re: Katechese

Beitrag von Lycobates » Dienstag 15. Oktober 2019, 22:38

Lauralarissa hat geschrieben:
Freitag 11. Oktober 2019, 21:05
Ich persönlich möchte den Glauben der Kirche verstehen. Das bedeutet, dass ich wissen möchte, wie die Dogmen entstanden sind, wie die Dogmengeschichte war, warum man sich für genau diese Formulierungen entschieden hat. Ich fand das schon sehr spannend zu sehen, auf welche Konflikte bestimmte Entscheidungen zurückgehen, welche philosophischen und theologischen Strömungen dahinter stehen. Also Dogmen genauso in ihrer historischen Genese zu sehen wie biblischen Texte. Das ist schon sehr interessant...
Das Interessante ist ja, dass Theologie eben eine Wissenschaft ist und somit auch die eigenen Texte kritisch hinterfragen kann. Eben keine Katechese für Erwachsene.
Bei dieser rein historischen, bzw. historisierenden Herangehensweise, die an sich ganz bestimmt ihre Reize haben kann, nicht nur für den Historiker (wie ich auch einer bin), besteht aber die akute Gefahr, den übernatürlichen Aspekt der Glaubensinhalte außer Acht zu lassen. Letztendlich die Gefahr, die Glaubensinhalte zu glauben aufgrund eines autonom, nur der eigenen Vernunft gemäß gefaßten persönlichen Schlusses, nicht aber theonom, aufgrund des offenbarenden Gottes, der sich nicht täuscht und auch uns nicht täuschen kann, und der dem Menschen, jedem Menschen, sichere Mittel zur sicheren und irrtumslosen Glaubenserkenntnis bereitgestellt hat. (Sonst wäre ein Glaubensassens nicht einforderbar und könnte es nicht sein, daß es „unmöglich ist, ohne den Glauben Gott zu gefallen“, wie der Völkerapostel lehrt.) Ein solch autonomer, statt richtig theonomer, Glaube wäre kein übernatürlicher, demnach keine Tugend, auch dann nicht, wenn man materiell alle Glaubensinhalte korrekt rezipieren würde, ein solcher Glaube würde auch nicht seligmachend sein. Er käme bestenfalls höchstens einer respektablen Weltanschauung gleich.
Schließlich kann man als katholischer Theologe den Glauben, dessen Inhalte von Gott geoffenbarte Wahrheiten sind, die der Obhut des seit Pfingsten vom Hl. Geist geführten kirchlichen Lehramts übergeben wurden, nicht wie andere x-beliebige Forschungsobjekte behandeln.
Katholische Theologie muß immer, wenn sie denn katholisch bleiben will, kirchliche Theologie sein. Der katholische Dogmatiker empfängt das Dogma aus der Hand der lehrenden Kirche.

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Hubertus
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Re: Katechese

Beitrag von Hubertus » Mittwoch 16. Oktober 2019, 07:02

Lycobates hat geschrieben:
Dienstag 15. Oktober 2019, 22:38
Lauralarissa hat geschrieben:
Freitag 11. Oktober 2019, 21:05
Ich persönlich möchte den Glauben der Kirche verstehen. Das bedeutet, dass ich wissen möchte, wie die Dogmen entstanden sind, wie die Dogmengeschichte war, warum man sich für genau diese Formulierungen entschieden hat. Ich fand das schon sehr spannend zu sehen, auf welche Konflikte bestimmte Entscheidungen zurückgehen, welche philosophischen und theologischen Strömungen dahinter stehen. Also Dogmen genauso in ihrer historischen Genese zu sehen wie biblischen Texte. Das ist schon sehr interessant...
Das Interessante ist ja, dass Theologie eben eine Wissenschaft ist und somit auch die eigenen Texte kritisch hinterfragen kann. Eben keine Katechese für Erwachsene.
Bei dieser rein historischen, bzw. historisierenden Herangehensweise, die an sich ganz bestimmt ihre Reize haben kann, nicht nur für den Historiker (wie ich auch einer bin), besteht aber die akute Gefahr, den übernatürlichen Aspekt der Glaubensinhalte außer Acht zu lassen. Letztendlich die Gefahr, die Glaubensinhalte zu glauben aufgrund eines autonom, nur der eigenen Vernunft gemäß gefaßten persönlichen Schlusses, nicht aber theonom, aufgrund des offenbarenden Gottes, der sich nicht täuscht und auch uns nicht täuschen kann, und der dem Menschen, jedem Menschen, sichere Mittel zur sicheren und irrtumslosen Glaubenserkenntnis bereitgestellt hat. (Sonst wäre ein Glaubensassens nicht einforderbar und könnte es nicht sein, daß es „unmöglich ist, ohne den Glauben Gott zu gefallen“, wie der Völkerapostel lehrt.) Ein solch autonomer, statt richtig theonomer, Glaube wäre kein übernatürlicher, demnach keine Tugend, auch dann nicht, wenn man materiell alle Glaubensinhalte korrekt rezipieren würde, ein solcher Glaube würde auch nicht seligmachend sein. Er käme bestenfalls höchstens einer respektablen Weltanschauung gleich.
Schließlich kann man als katholischer Theologe den Glauben, dessen Inhalte von Gott geoffenbarte Wahrheiten sind, die der Obhut des seit Pfingsten vom Hl. Geist geführten kirchlichen Lehramts übergeben wurden, nicht wie andere x-beliebige Forschungsobjekte behandeln.
Katholische Theologie muß immer, wenn sie denn katholisch bleiben will, kirchliche Theologie sein. Der katholische Dogmatiker empfängt das Dogma aus der Hand der lehrenden Kirche.
:daumen-rauf:
Der Kult ist immer wichtiger als jede noch so gescheite Predigt. Die Objektivität des Kultes ist das Größte und das Wichtigste, was unsere Zeit braucht. Der Alte Ritus ist der größte Schatz der Kirche, ihr Notgepäck, ihre Arche Noah. (M. Mosebach)

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Re: Katechese

Beitrag von Juergen » Mittwoch 16. Oktober 2019, 19:43

Nicht selten verbirgt sich hinter den Begriffen folgendes:

Dogmatik = Geschichte der Entstehung der Dogmen
Kirchenrecht = Jurisprudenz in Bezug auf positives Recht
Liturgie = Geschichte der Entwicklungen im Kult
Exegese = Literaturwissenschaft und/oder Komparatistik
Fundmentaltheologie = Unverbindliches Geplauder über Gott und die Welt
Moraltheologie = mehr philosophische als theologische Ethik
Christliche Gesellschaftslehre = allgemeine Sozialethik


Übrigens kann man problemlos auch als Atheist einen Abschluß in Theologie machen. Glauben braucht man für das Fach nicht. Der ist oft eher hinderlich.
Gruß
Jürgen
Dieser Beitrag kann unter Umständen Spuren von Satire, Ironie und ähnlich schwer Verdaulichem enthalten. Er ist nicht für jedermann geeignet, insbesondere nicht für Humorallergiker. Das Lesen erfolgt auf eigene Gefahr.

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