Was ist: Neoscholastik

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Bruder Donald
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Was ist: Neoscholastik

Beitrag von Bruder Donald » Donnerstag 14. Februar 2019, 22:11

Ich lese mich aktuell in Georg May's Werk "300 Jahre gläubige und ungläubige Theologie. Abriss und Aufbau" ein und hie und da spricht er sich positiv über die Neoscholastik aus.

Aber ich frage mich, was ist darunter überhaupt zu verstehen? Worin unterscheidet sich die Neoscholastik zur Nouvelle Theologie? Warum wird die Neoscholastik von "modernen" Theologen angefeindet?

Wäre über Erklärungen sehr dankbar. Nehme auch gerne Literaturempfehlungen, die meine Fragen beantworten können, an! :huhu:
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taddeo
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Re: Was ist: Neoscholastik

Beitrag von taddeo » Donnerstag 14. Februar 2019, 23:07

Bruder Donald hat geschrieben:
Donnerstag 14. Februar 2019, 22:11
Warum wird die Neoscholastik von "modernen" Theologen angefeindet?
Das sagt vielleicht schon der Name: Neo-Scholastik. Alle "Neo-s" sind zunächst mal nur ein Aufguß von Originalen, und leider meistens ein verwässerter, bei dem sich erst im Nachhinein herausstellt, ob an der einen oder anderen Stelle vielleicht sowas wie eigene, neue Gedanken auftauchen.

Ob Neo-Romanik, -Gotik, -Barock (im Kirchenbau), Neo-Romantik oder -Klassizismus (in der Musik), oder eben auch Neo-Scholastik - ans Original kommt das in den seltensten Fällen hin. Die Gefahr besteht immer, daß aus der Nachahmung eine Karikatur wird.

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Bruder Donald
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Re: Was ist: Neoscholastik

Beitrag von Bruder Donald » Freitag 15. Februar 2019, 00:16

Ja, das mag so sein, aber irgendwie bezweifle ich, dass moderne Theologen sich nur daran stoßen, weil das Original verwässert wird. :achselzuck:
Wenn ich mir manchmal so Stellungnahmen durchlese, dann schwingt da eine tiefe Abneigung mit, die ich nicht verstehe.
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taddeo
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Re: Was ist: Neoscholastik

Beitrag von taddeo » Freitag 15. Februar 2019, 09:17

Bruder Donald hat geschrieben:
Freitag 15. Februar 2019, 00:16
Ja, das mag so sein, aber irgendwie bezweifle ich, dass moderne Theologen sich nur daran stoßen, weil das Original verwässert wird. :achselzuck:
Wenn ich mir manchmal so Stellungnahmen durchlese, dann schwingt da eine tiefe Abneigung mit, die ich nicht verstehe.
Die Abneigung richtet sich in erster Linie gegen das Original, also gegen die mittelalterliche Scholastik, die als "überholt" empfunden wird. Und wenn man schon das Original nicht leiden kann, dann ist man von einem späteren Abklatsch erst recht nicht überzeugt. Meine eigene Erfahrung im Theologiestudium war, daß die Scholastik damals inhaltlich keinerlei Rolle gespielt hat (Ausnahme: die Vorlesungen und Seminare bei Prof. Kurt Krenn und Prof. Adolf Schurr, also den Philosophen), und von Neuscholastik habe ich erst Jahre nach dem Studium zum erstenmal überhaupt was gelesen.

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Re: Was ist: Neoscholastik

Beitrag von Bruder Donald » Freitag 15. Februar 2019, 10:20

taddeo hat geschrieben:
Freitag 15. Februar 2019, 09:17
Die Abneigung richtet sich in erster Linie gegen das Original, also gegen die mittelalterliche Scholastik, die als "überholt" empfunden wird.
Ja, das macht natürlich schon mehr Sinn :hmm:

Wobei dann die Frage wäre: Was ist die Scholastik?
(Dazu ein mMn informativen Artikel in der FAZ: https://www.faz.net/aktuell/wissen/geis ... 67664.html )

Meines Kenntnisstandes nach, kann man schlecht von DER Scholastik sprechen. Und in Anbetracht dessen, dass es innerhalb der Neuscholastik auch mehr "Schulen" gab als nur den Thomismus, verstehe ich eben die so oft anzutreffende "Kritik" (eher tiefgreifende Abneigung) gegen "DIE" Neuscholastik nicht.

Aber die Frage bleibt berechtigt: Was sind die Kernelemente der Scholastik/NeuScholastik, dass diese so angefeindet werden?
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Benedikt
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Re: Was ist: Neoscholastik

Beitrag von Benedikt » Freitag 15. Februar 2019, 11:20

taddeo hat geschrieben:
Donnerstag 14. Februar 2019, 23:07
Ob Neo-Romanik, -Gotik, -Barock (im Kirchenbau), Neo-Romantik oder -Klassizismus (in der Musik), oder eben auch Neo-Scholastik - ans Original kommt das in den seltensten Fällen hin. Die Gefahr besteht immer, daß aus der Nachahmung eine Karikatur wird.
Quatsch. Die Neogotik oder -romanik hat das Original oftmals übertroffen. Das Verächtlichmachen dieser Stilrichtungen ist von vorgestern.
"Kommt ihm der Staatsumwälzer nicht wie Sisyphus vor? Die Last wird nie oben bleiben, wenn nicht eine Anziehung gegen den Himmel sie auf der Höhe schwebend erhält." - Novalis: Europa

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Re: Was ist: Neoscholastik

Beitrag von taddeo » Freitag 15. Februar 2019, 11:35

Benedikt hat geschrieben:
Freitag 15. Februar 2019, 11:20
taddeo hat geschrieben:
Donnerstag 14. Februar 2019, 23:07
Ob Neo-Romanik, -Gotik, -Barock (im Kirchenbau), Neo-Romantik oder -Klassizismus (in der Musik), oder eben auch Neo-Scholastik - ans Original kommt das in den seltensten Fällen hin. Die Gefahr besteht immer, daß aus der Nachahmung eine Karikatur wird.
Quatsch. Die Neogotik oder -romanik hat das Original oftmals übertroffen. Das Verächtlichmachen dieser Stilrichtungen ist von vorgestern.
"Oftmals" halte ich für Quatsch. Es gibt Bauwerke aus den "Neo-"-Epochen, die einen eigenständigen künstlerischen Wert entwickelt haben, aber meist nur deswegen, weil die Architekten eben gerade nicht die Originalstile einfach kopiert haben. Aber häufiger blieben sie trotz stilistischer Anleihen weit hinter dem Original zurück. Gerade die "Steckerlgotik" des 19./20. Jh.s ist oft genug einfach nur primitiv, auch wenn es einzelne künstlerische Hochleistungen gab.

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Re: Was ist: Neoscholastik

Beitrag von Konstanz » Sonntag 17. Februar 2019, 22:12

Bruder Donald hat geschrieben:
Freitag 15. Februar 2019, 10:20
Aber die Frage bleibt berechtigt: Was sind die Kernelemente der Scholastik/NeuScholastik, dass diese so angefeindet werden?
Die Scholastik hat eine Methode erfunden mit der man den katholischen Glauben so lernen kann wie man heutzutage den Kindern in der Schule naturwissenschaftliche Fakten beibringt. Bei scholastisch Gebildeten ist der Glaube rational durchstrukturiert und bis "in die letzten Zipfelchen" erklärbar.

Kritiker dieser Lern- resp. Lehrmethode für den Glauben sind der Ansicht, daß damit der katholische Glaube zu stark entmystifiziert wird. Der katholische Glaube wird in der Scholastik in gewisser Hinsicht "machbar" gemacht und zu sehr in die Hände der Menschen gelegt. Etwas überspitzt gesagt:
Gott wird - so die Sicht der Kritiker - aus der Schöpfung vertrieben!

Geistesgeschichtlich betrachtet ist die Theologie der Kirche im ersten Jahrtausend nach Christus durch die Auseinandersetzung mit dem Platonismus geprägt gewesen, der das führende philosophische System der Antike repräsentierte. Die Scholastik hat dann dem Aristotelianismus Eintrittsmöglichkeiten in das kirchliche Lehrgebäude verschafft und damit eine neue Gewichtung geschaffen. Letzteres ist insbesondere der Grund dafür, daß die gesamte Ostkirche "Probleme" mit der Scholastik hat.
Wenn die recht Gläubigen und die Rechtgläubigen aus der Kirche vertrieben worden sind, wird der Herr wiederkommen und seiner Herrschaft wird kein Ende sein!

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Re: Was ist: Neoscholastik

Beitrag von Bruder Donald » Montag 18. Februar 2019, 10:43

Konstanz hat geschrieben:
Sonntag 17. Februar 2019, 22:12
Kritiker dieser Lern- resp. Lehrmethode für den Glauben sind der Ansicht, daß damit der katholische Glaube zu stark entmystifiziert wird. Der katholische Glaube wird in der Scholastik in gewisser Hinsicht "machbar" gemacht und zu sehr in die Hände der Menschen gelegt.
Ja, ich verstehe :hmm:
Bei meinen Recherchen in den letzten Tagen meine ich auch, dass die Scholastik/NeuScholastik als zu "formalsitisch" angesehen wird.
Ich weiß nicht ob "entmystifiziert" zu hart gemeint ist, aber ich meine eine starke "Intellektualisierung" wahrzunehmen, die kritisiert wird.
Ich finde es im Rahmen des katholischen Glaubens aber recht seltsam, da dieser doch sehr mystisch/spirituell ist und diesen Chatakter über die Jahrhunderte (trotz oder wegen der Scholastik/Neuscholastik :hmm: ) bewahrt hat. Eine Rationalisierung des Glaubens hätte ich eher im Protestantismus erwartet, der sich mMn von jeglicher Spiritualität entfert hat (wobei das kein Pauschalurteil sein soll, man möge mich da auch gerne korrigieren).

Georg May meint z.B., dass die moderne Theologie die Neuscholastik wegen ihrem Hang zur genauen Begrifflichkeit ablehnt, bei der man sich eben nicht hinter zweideutigen Begriffen/Meinungen versetcken kann (so wie viele "Modernisten" es tun).[*]
Soweit ich es überblicke, wir aus moderner Sicht die Neuscholastik wegen ihrem strikten Festhalten am Glauben und den Dogmen regelrecht verachtet. Die Scholastik/Neuscholastik steht mit ihrer philosophischen Bestätigung katholischer Glaubenswahrheiten wohl der "modernen" theologischen Freiheit/Wissenschaft diametral entgegen. Meiner Wahrnehmung nach, möchte die "moderne" Theologie eine Wissenschaft mit offenem Ergebnis sein.

Hie und da liest man, dass die Neuscholastik eben viel für die Verteidigung des katholischen Glaubens geleistet hat, deswegen empfinde ich die gegenwärtige schon fast prinzipielle Ablehnung als sehr merkwürdig.
Konstanz hat geschrieben:
Sonntag 17. Februar 2019, 22:12
Die Scholastik hat dann dem Aristotelianismus Eintrittsmöglichkeiten in das kirchliche Lehrgebäude verschafft und damit eine neue Gewichtung geschaffen. Letzteres ist insbesondere der Grund dafür, daß die gesamte Ostkirche "Probleme" mit der Scholastik hat.
Ja, meine gelesen zu haben, dass die Ostkirchen bereits mit Augustinus nicht viel anfangen können? Also, dass er nicht den gleichen hohen Stellenwert hat, wie in der Westkirche?

[*]Georg May, 300 Jahre gläubige und ungläubige Theologie. Abriss und Aufbau (Sarto Verlag 2017)
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Re: Was ist: Neoscholastik

Beitrag von Konstanz » Montag 18. Februar 2019, 17:22

Bruder Donald hat geschrieben:
Montag 18. Februar 2019, 10:43
Konstanz hat geschrieben:
Sonntag 17. Februar 2019, 22:12
Kritiker dieser Lern- resp. Lehrmethode für den Glauben sind der Ansicht, daß damit der katholische Glaube zu stark entmystifiziert wird. Der katholische Glaube wird in der Scholastik in gewisser Hinsicht "machbar" gemacht und zu sehr in die Hände der Menschen gelegt.
Ja, ich verstehe :hmm:
Bei meinen Recherchen in den letzten Tagen meine ich auch, dass die Scholastik/NeuScholastik als zu "formalsitisch" angesehen wird.
Ich weiß nicht ob "entmystifiziert" zu hart gemeint ist, aber ich meine eine starke "Intellektualisierung" wahrzunehmen, die kritisiert wird.
Ich finde es im Rahmen des katholischen Glaubens aber recht seltsam, da dieser doch sehr mystisch/spirituell ist und diesen Chatakter über die Jahrhunderte (trotz oder wegen der Scholastik/Neuscholastik :hmm: ) bewahrt hat. Eine Rationalisierung des Glaubens hätte ich eher im Protestantismus erwartet, der sich mMn von jeglicher Spiritualität entfert hat (wobei das kein Pauschalurteil sein soll, man möge mich da auch gerne korrigieren).
Die Scholastik ist konsequent im Benutzen der Vernunft für die Erklärung des katholischen Glaubens. Nichtsdestoweniger läßt sie Platz für das die Vernunft Übersteigende im Glauben der katholischen Kirche.
Die Konsequenz führt zur Konsistenz, wobei dann anschließend diese Konsistenz unterschiedlich rezipiert wird. Die Einen verstehen und akzeptieren, die Anderen fühlen sich übermächtigt und wieder Andere haben nicht einmal einen Zugang zur Lehre.
Es gibt eben auch Gläubige, die ein gottgefälliges Leben führen, ohne jemals in die höheren Sphären der Scholastik eingestiegen zu sein.
Bruder Donald hat geschrieben:
Montag 18. Februar 2019, 10:43
Georg May meint z.B., dass die moderne Theologie die Neuscholastik wegen ihrem Hang zur genauen Begrifflichkeit ablehnt, bei der man sich eben nicht hinter zweideutigen Begriffen/Meinungen versetcken kann (so wie viele "Modernisten" es tun).[*]
Soweit ich es überblicke, wir aus moderner Sicht die Neuscholastik wegen ihrem strikten Festhalten am Glauben und den Dogmen regelrecht verachtet. Die Scholastik/Neuscholastik steht mit ihrer philosophischen Bestätigung katholischer Glaubenswahrheiten wohl der "modernen" theologischen Freiheit/Wissenschaft diametral entgegen. Meiner Wahrnehmung nach, möchte die "moderne" Theologie eine Wissenschaft mit offenem Ergebnis sein.
Die Werke von Georg May können mit großem Gewinn für die spirituelle Entwicklung eines jeden Einzelnen gelesen werden. Er ist ähnlich wie Leo Kardinal Scheffczyk ein treuer Diener Gottes, der aus dem großen Fundus der katholischen Theologie schöpft.
Bruder Donald hat geschrieben:
Montag 18. Februar 2019, 10:43
Hie und da liest man, dass die Neuscholastik eben viel für die Verteidigung des katholischen Glaubens geleistet hat, deswegen empfinde ich die gegenwärtige schon fast prinzipielle Ablehnung als sehr merkwürdig.

[*]Georg May, 300 Jahre gläubige und ungläubige Theologie. Abriss und Aufbau (Sarto Verlag 2017)
Das Problem ist - wie so häufig - die Wahrheit!
Die Kirche verkündigt die Wahrheit, die sich nach dem Dasein Christi hier auf Erden nie mehr verdrängen lassen wird.
Die Scholastik ist eine unbestreitbar vernünftige Methode diese Wahrheit zu verkünden. Aber wenn man die Wahrheit schon nicht in vernünftiger Weise bekämpfen kann, versucht man wenigstens die Methode der Wahrheitsverbreitung, eben die Scholastik, zu bekämpfen.
Wenn die recht Gläubigen und die Rechtgläubigen aus der Kirche vertrieben worden sind, wird der Herr wiederkommen und seiner Herrschaft wird kein Ende sein!

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Re: Was ist: Neoscholastik

Beitrag von Bruder Donald » Montag 18. Februar 2019, 20:22

Konstanz hat geschrieben:
Montag 18. Februar 2019, 17:22
Die Scholastik ist konsequent im Benutzen der Vernunft für die Erklärung des katholischen Glaubens. Nichtsdestoweniger läßt sie Platz für das die Vernunft Übersteigende im Glauben der katholischen Kirche.
Ich frage mich, wie zulässig es überhaupt ist, von DER Scholastik zu sprechen bzw. DIE Scholastik überhaupt derart anzufeinden.
Ich bin zwar weder philosophisch oder theologisch gebildet, aber wenn ich mir oberflächlich die Scholastik anschaue, dann gibt es durchaus Unterschiede in den Lehren von z.B. Bonaventura, Thomas v. Aquin oder Johannes Duns Scotus.
Oder irre ich mich da?

Dem entsprechend empfinde ich eine pauschale Verurteilung der Neuscholastik als befremdlich.
Ich kann die Kritik einer starken "Rationalisierung des Glaubens" gut nachvollziehen, aber ich sehe nicht, was dagegen spricht/sprach, mithilfe der (Neu-)Scholastik zu spirituelleren "Ergebnissen" zu kommen.

Hier ein Beispiel, worum es mir geht:
Ein, wie ich finde, interessanter Artikel über die Bibel. Ich persönlich gehe mit der Ansicht des Autors konform, verstehe aber nicht die Kritik an der Neuscholastik. Und ich frage mich, ob die "neue" Sichtweise über die Inspiration der Bibel innerhalb neuscholastischen Denkens und Wirkens nicht ebenfalls möglich wäre. Intuitiv würde ich sagen: Doch!
Warum also das Basching?
https://www.google.com/url?sa=t&rct=j&q ... vtfAjK6X3O

(by the way, kann man eigentlich pdf. Dateien und dergleichen Anhängen? :hmm: )
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Re: Was ist: Neoscholastik

Beitrag von Konstanz » Dienstag 19. Februar 2019, 16:42

Bruder Donald hat geschrieben:
Montag 18. Februar 2019, 20:22
Ich frage mich, wie zulässig es überhaupt ist, von DER Scholastik zu sprechen bzw. DIE Scholastik überhaupt derart anzufeinden.
Stimmt, genau das sind die Fragen mit denen man am Morgen aufsteht, wenn man weder philosophisch noch theologisch gebildet ist. :pfeif:
Bruder Donald hat geschrieben:
Montag 18. Februar 2019, 20:22
Ich bin zwar weder philosophisch oder theologisch gebildet, aber wenn ich mir oberflächlich die Scholastik anschaue, dann gibt es durchaus Unterschiede in den Lehren von z.B. Bonaventura, Thomas v. Aquin oder Johannes Duns Scotus.
Oder irre ich mich da?
Im Glossar der von Dir weiter unten verlinkten pdf-Datei ist eine etwas knapp geratene Erläuterung dazu. Eine zeitgeschichtliche Einordnung sollte man ergänzend hinzunehmen.

Allerdings stellt sich für mich die Frage, wie jemand, der weder philosophisch noch theologisch gebildet ist, Unterschiede in den Lehren des Bonaventouristen, des Aquinaten oder von Johannes Duns Scotus feststellen will. :hmm:
Bruder Donald hat geschrieben:
Montag 18. Februar 2019, 20:22
Dem entsprechend empfinde ich eine pauschale Verurteilung der Neuscholastik als befremdlich.
Ich kann die Kritik einer starken "Rationalisierung des Glaubens" gut nachvollziehen, aber ich sehe nicht, was dagegen spricht/sprach, mithilfe der (Neu-)Scholastik zu spirituelleren "Ergebnissen" zu kommen.

Der Scholastik wohnt eine Gefahr inne, die man als deren Schüler nur allzu gerne übersieht:
Es ist der intrinsische Hochmut, der sich einstellen kann, wenn man ein derart komplexes Lehrgebäude betreten hat und sich in ihm wohlfühlt.
Bruder Donald hat geschrieben:
Montag 18. Februar 2019, 20:22
Hier ein Beispiel, worum es mir geht:
Ein, wie ich finde, interessanter Artikel über die Bibel. Ich persönlich gehe mit der Ansicht des Autors konform, verstehe aber nicht die Kritik an der Neuscholastik. Und ich frage mich, ob die "neue" Sichtweise über die Inspiration der Bibel innerhalb neuscholastischen Denkens und Wirkens nicht ebenfalls möglich wäre. Intuitiv würde ich sagen: Doch!
Warum also das Basching?
https://www.google.com/url?sa=t&rct=j&q ... vtfAjK6X3O

(by the way, kann man eigentlich pdf. Dateien und dergleichen Anhängen? :hmm: )
Zunächst ist wohl festzustellen, daß der Verfasser in der katholischen Erwachsenenbildung tätig ist und auch dieser Artikel von ihm in diesen Rahmen einzuordnen ist.
Außerdem ist generell festzustellen, daß das Kritischsein zum wichtigsten Lebensgefühl des modernen Menschen zu zählen ist; frei nach der Maxime: Wer nicht kritisch ist, der ist dumm!
Der sogenannte Gebildete benutzt auch gerne die kantianische Phrase des „Sapere Aude!“, wobei besonders Gebildete den antiken Ursprung dieser Phrase kennen.
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Lycobates
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Re: Was ist: Neoscholastik

Beitrag von Lycobates » Dienstag 19. Februar 2019, 16:55

Konstanz hat geschrieben:
Dienstag 19. Februar 2019, 16:42
Der sogenannte Gebildete benutzt auch gerne die kantianische Phrase des „Sapere Aude!“, wobei besonders Gebildete den antiken Ursprung dieser Phrase kennen.
Christlich Gebildete, die sich mit Gottes Gnade an das "Discite a me" (Mt. 11,29) geschult haben, kennen überdies den Völkerapostel, der an die Römer (12, 3) schrieb: non plus sapere quam oportet sapere, sed sapere ad sobrietatem: et unicuique sicut Deus divisit mensuram fidei.
Damit ist auch die Gefahr eines "intrinsischen Hochmuts, der sich einstellen kann, wenn man ein derart komplexes Lehrgebäude betreten hat", gebannt.

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Re: Was ist: Neoscholastik

Beitrag von Konstanz » Dienstag 19. Februar 2019, 17:30

Lycobates hat geschrieben:
Dienstag 19. Februar 2019, 16:55
Konstanz hat geschrieben:
Dienstag 19. Februar 2019, 16:42
Der sogenannte Gebildete benutzt auch gerne die kantianische Phrase des „Sapere Aude!“, wobei besonders Gebildete den antiken Ursprung dieser Phrase kennen.
Christlich Gebildete, die sich mit Gottes Gnade an das "Discite a me" (Mt. 11,29) geschult haben, kennen überdies den Völkerapostel, der an die Römer (12, 3) schrieb: non plus sapere quam oportet sapere, sed sapere ad sobrietatem: et unicuique sicut Deus divisit mensuram fidei.
Damit ist auch die Gefahr eines "intrinsischen Hochmuts, der sich einstellen kann, wenn man ein derart komplexes Lehrgebäude betreten hat", gebannt.
Wer meint, die Bannung sei auf diesem Wege bereits gesichert, verkennt das, was in der Moraltheologie Konkupiszenz genannt wird.
Wenn die recht Gläubigen und die Rechtgläubigen aus der Kirche vertrieben worden sind, wird der Herr wiederkommen und seiner Herrschaft wird kein Ende sein!

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Re: Was ist: Neoscholastik

Beitrag von Bruder Donald » Dienstag 19. Februar 2019, 18:14

Konstanz hat geschrieben:
Dienstag 19. Februar 2019, 16:42
Stimmt, genau das sind die Fragen mit denen man am Morgen aufsteht, wenn man weder philosophisch noch theologisch gebildet ist.
Oder Fragen, mit denen man abends schlafen geht. ;)
Konstanz hat geschrieben:
Dienstag 19. Februar 2019, 16:42
Allerdings stellt sich für mich die Frage, wie jemand, der weder philosophisch noch theologisch gebildet ist, Unterschiede in den Lehren des Bonaventouristen, des Aquinaten oder von Johannes Duns Scotus feststellen will.
ich nerv mal wieder bisschen: wenn man nur oberflächliche Internetquellen wie Wikipedia und ähnlich Zwielichtiges zur Verfügung hat, würde ich es eben nicht "Bildung" nennen.
Irgendetwas an Informationen sollte man aber dabei herauslesen. Die Frage bleibt, ob ich richtig verstanden oder mich geirrt habe.
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Re: Was ist: Neoscholastik

Beitrag von Konstanz » Freitag 22. Februar 2019, 16:27

Bruder Donald hat geschrieben:
Dienstag 19. Februar 2019, 18:14
Konstanz hat geschrieben:
Dienstag 19. Februar 2019, 16:42
Stimmt, genau das sind die Fragen mit denen man am Morgen aufsteht, wenn man weder philosophisch noch theologisch gebildet ist.
Oder Fragen, mit denen man abends schlafen geht. ;)
Mir war nicht klar, daß Du Dich selbst im Schlafzustand mit solchen Fragen beschäftigst; aber nun hast Du mich ja aufgeklärt ................
Bruder Donald hat geschrieben:
Dienstag 19. Februar 2019, 18:14
Konstanz hat geschrieben:
Dienstag 19. Februar 2019, 16:42
Allerdings stellt sich für mich die Frage, wie jemand, der weder philosophisch noch theologisch gebildet ist, Unterschiede in den Lehren des Bonaventouristen, des Aquinaten oder von Johannes Duns Scotus feststellen will.
ich nerv mal wieder bisschen: wenn man nur oberflächliche Internetquellen wie Wikipedia und ähnlich Zwielichtiges zur Verfügung hat, würde ich es eben nicht "Bildung" nennen.
Irgendetwas an Informationen sollte man aber dabei herauslesen. Die Frage bleibt, ob ich richtig verstanden oder mich geirrt habe.
Dann kannst Du ja von Glück sagen, daß Dir solch vorzügliche Lektüre wie ein Buch von Georg May in die Hände gefallen ist.
Wenn die recht Gläubigen und die Rechtgläubigen aus der Kirche vertrieben worden sind, wird der Herr wiederkommen und seiner Herrschaft wird kein Ende sein!

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Re: Was ist: Neoscholastik

Beitrag von Bruder Donald » Freitag 22. Februar 2019, 17:27

Konstanz hat geschrieben:
Freitag 22. Februar 2019, 16:27
Mir war nicht klar, daß Du Dich selbst im Schlafzustand mit solchen Fragen beschäftigst;
eher vor dem Schlafen gehen.... noch im Schlaf über sowas nachzudenken wäre doch nicht ganz gesund :pfeif:
Konstanz hat geschrieben:
Freitag 22. Februar 2019, 16:27
Dann kannst Du ja von Glück sagen, daß Dir solch vorzügliche Lektüre wie ein Buch von Georg May in die Hände gefallen ist.
Warum "vorzüglich"? Weil May das Buch geschrieben hat oder weil der Inhalt tatsächlich gut ist?
ich nerv mal wieder bisschen: im theologisch-geschichtlichen Sinne kann ich eigentlich nichts schlechtes sagen, aber für meine Thread-Frage hat das Buch leider keinen Mehrwert. Es war ja gerade der Grund für meine Frage, nicht die Antwort.
Aber wenn May eine vorzügliches Buch geschrieben hat, das mir meine Frage beantwortet, dann nur her damit :breitgrins:
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Re: Was ist: Neoscholastik

Beitrag von Konstanz » Freitag 22. Februar 2019, 17:34

Bruder Donald hat geschrieben:
Freitag 22. Februar 2019, 17:27
Konstanz hat geschrieben:
Freitag 22. Februar 2019, 16:27
Mir war nicht klar, daß Du Dich selbst im Schlafzustand mit solchen Fragen beschäftigst;
eher vor dem Schlafen gehen.... noch im Schlaf über sowas nachzudenken wäre doch nicht ganz gesund :pfeif:
Konstanz hat geschrieben:
Freitag 22. Februar 2019, 16:27
Dann kannst Du ja von Glück sagen, daß Dir solch vorzügliche Lektüre wie ein Buch von Georg May in die Hände gefallen ist.
Warum "vorzüglich"? Weil May das Buch geschrieben hat oder weil der Inhalt tatsächlich gut ist?
ich nerv mal wieder bisschen: im theologisch-geschichtlichen Sinne kann ich eigentlich nichts schlechtes sagen, aber für meine Thread-Frage hat das Buch leider keinen Mehrwert. Es war ja gerade der Grund für meine Frage, nicht die Antwort.
Aber wenn May eine vorzügliches Buch geschrieben hat, das mir meine Frage beantwortet, dann nur her damit :breitgrins:
Wenn Dich der Mehrwert interessiert, wäre eher "Das Kapital" von Karl Marx zu empfehlen. ;)
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Re: Was ist: Neoscholastik

Beitrag von Bruder Donald » Freitag 22. Februar 2019, 18:13

Konstanz hat geschrieben:
Freitag 22. Februar 2019, 17:34
Wenn Dich der Mehrwert interessiert, wäre eher "Das Kapital" von Karl Marx zu empfehlen. ;)
Neeeeee, ich bevorzuge in dem Falle den geistigen "Mehrwert" :breitgrins:
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Re: Was ist: Neoscholastik

Beitrag von Konstanz » Freitag 22. Februar 2019, 18:43

Bruder Donald hat geschrieben:
Freitag 22. Februar 2019, 18:13
Konstanz hat geschrieben:
Freitag 22. Februar 2019, 17:34
Wenn Dich der Mehrwert interessiert, wäre eher "Das Kapital" von Karl Marx zu empfehlen. ;)
Neeeeee, ich bevorzuge in dem Falle den geistigen "Mehrwert" :breitgrins:
In dem Falle ist der Rosenkranz sehr anzuempfehlen! :ja:
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Re: Was ist: Neoscholastik

Beitrag von Bruder Donald » Freitag 22. Februar 2019, 19:58

Konstanz hat geschrieben:
Freitag 22. Februar 2019, 18:43
In dem Falle ist der Rosenkranz sehr anzuempfehlen! :ja:
ich nerv mal wieder bisschen: wenn ich den Rosenkranz als Bereicherung und Konditionierung für Seele und Heil verstehe, was wäre dann wohl das Äquivalent zur Erbauung des katholischen Intellekts? :hmm:
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