Alles zu Bußsakrament/Beichte 2.0

Allgemein Katholisches.

Moderator: taddeo

Coturnix
Beiträge: 139
Registriert: Sonntag 3. August 2014, 23:12

Re: Alles zu Bußsakrament/Beichte 2.0

Beitrag von Coturnix » Sonnabend 12. Mai 2018, 18:09

Danke für eure Antworten.
Sie ist zwar orthodox getauft aber hat lange Zeit ohne Bezug zum Christentum gelebt, deswegen hat sie die orthodoxe Beichtpraxis auch nicht kennen gelernt. Als wir uns kennen lernten war sie wieder dabei einen Bezug zum Christentum herzustellen und wir haben uns seitdem viel mit dem Katholizismus beschäftigt und würden dort gerne eine gemeinsame geistliche Heimat finden. Aber du magst recht haben - obwohl ihr der Bezug zur orthodoxen Kirche lange Zeit fehlte, hat sie durchaus einen "orthodoxen Instinkt" (etwa was Liturgie angeht) um das mal so auszudrücken.

Was ist denn der Unterschied zwischen subjektiv schwer empfundener Schuld und einer in "geistlicher Hinsicht" schweren Sünde? Zumindest handelt es sich im konkreten Fall nach kath. Lehre soweit ich das sehen kann objektiv gesehen um schwere Sünden (das hatten wir zuvor bei unserer gemeinsamen KAtechismuslektüre auch nochmal bestätigt bekommen), die von ihr auch subjektiv als solche empfunden werden. Aber was ist nun eine in "geistlicher Hinsicht" schwere Sünde? Ist nicht jede Todsünde in geistlicher Hinsicht schwerwiegend, da sie der vom Himmelreich ausschließt?

Es stimmt, dass der Vater des verlorenen Sohnes ein Freudenfest ausgerichtet und keine Bußübung auferlegt hat. Nur leider war meiner Frau nach der Beichte trotz Absolution irgendwie nicht zur Freude zu Mute, im Gegenteil. Du magst recht haben, vielleicht ist die Forderung, sich selber trotz der begangenen Taten wieder anzunehmen die notwendige "Buße". Aber gerade das fällt ihr ja nicht leicht. Dann wäre zumindest ein Ratschlag hilfreich gewesen, wie man diesen Prozess, sich selber wieder anzunehmen, mit Gebeten o.ä. gestalten kann. Zumindest wäre es dann sinnvoll gewesen das Gespräch länger aufrecht zu erhalten und sie nicht so schnell zu entlassen.

Benutzeravatar
taddeo
Moderator
Beiträge: 18310
Registriert: Donnerstag 18. Januar 2007, 09:07
Wohnort: in Superiori Palatinatu

Re: Alles zu Bußsakrament/Beichte 2.0

Beitrag von taddeo » Sonnabend 12. Mai 2018, 19:51

Coturnix hat geschrieben:
Sonnabend 12. Mai 2018, 18:09
Was ist denn der Unterschied zwischen subjektiv schwer empfundener Schuld und einer in "geistlicher Hinsicht" schweren Sünde? Zumindest handelt es sich im konkreten Fall nach kath. Lehre soweit ich das sehen kann objektiv gesehen um schwere Sünden (das hatten wir zuvor bei unserer gemeinsamen KAtechismuslektüre auch nochmal bestätigt bekommen), die von ihr auch subjektiv als solche empfunden werden. Aber was ist nun eine in "geistlicher Hinsicht" schwere Sünde? Ist nicht jede Todsünde in geistlicher Hinsicht schwerwiegend, da sie der vom Himmelreich ausschließt?
Da habe ich mich theologisch ungenau ausgedrückt, entschuldige.

Es gibt objektiv schwere Sünden. Was das für welche sind, beschreibt die Moraltheologie, und du hast ja im Katechismus entsprechende Angaben gefunden. Allerdings ist es genau die Aufgabe des Beichtvaters, herauszufinden, ob diese objektiv schweren Sünden dem Pönitenten auch subjektiv als schwer schuldhaft anzurechnen sind. Das meinte ich mit "in geistlicher Hinsicht". Es gibt allerlei Umstände (und das ist keineswegs eine Erfindung der "modernistischen" Theologen!), die die Zurechenbarkeit einschränken oder gar ganz aufheben können. Es liegt dann vom äußerlichen Sachverhalt zwar eine schwere Sünde vor, aber der Pönitent hat womöglich nur eine geringe(re) oder gar keine Schuld auf sich geladen.

Und dann gibt es öfter als man denkt auch den Fall, daß ein Pönitent irrigerweise der Ansicht ist, sein Verhalten sei eine schwere Sünde, was aber auch objektiv gar nicht stimmt, weil mindestens eines der nötigen drei Kriterien dafür nicht erfüllt ist. Auch da ist es Aufgabe des Beichtvaters, den Pönitenten in seiner Auffassung zu korrigieren.

Wenn zwischen dem eigenen Empfinden und dem Handeln des Beichtvaters so eine Diskrepanz besteht, wie von dir beschrieben, dann wäre sicher eine Art "geistliche Begleitung" sinnvoll, also ein Beichtvater, mit dem man sich in regelmäßigen Abständen trifft und ausführlicher über diese Fragen reden kann. Das kann, muß aber nicht jedesmal in eine sakramentale Beichte münden. Dafür braucht es aber auf jeden Fall ein Vertrauensverhältnis zum Priester, und auch die Überzeugung (bzw. Erfahrung), daß der von seiner kirchlichen Einstellung her der Richtige für einen ist. Die Suche nach so einem Priester kann leider schwierig sein.
nemini parcetur

Antworten Vorheriges ThemaNächstes Thema