Die Kirche und die Flüchtlingsfrage

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Raphael
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Re: Die Kirche und die Flüchtlingsfrage

Beitrag von Raphael » Dienstag 17. Mai 2016, 18:48

Lilaimmerdieselbe hat geschrieben: Ich behaupte ja nicht, dass das jüdisch-christliche Menschenbild der Unionsparteien da irgendwie besser wäre, aber unter derem Personal fallen doch mehr irgendwie kirchlich geprägte Menschen auf.
Welche denn? :hmm:
Die Welt kann man nur verstehen, wenn man vor dem Kreuz von Golgatha kniet!

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Edi
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Re: Die Kirche und die Flüchtlingsfrage

Beitrag von Edi » Dienstag 17. Mai 2016, 18:55

Lilaimmerdieselbe hat geschrieben:Stimmt, Abendland ist mehr Pegida. AfD, zum Beispiel Meuthen oder Petri, von Storch sprechen von einer christlich geprägten Kultur, ob das mehr als Folklore ist? Ich behaupte ja nicht, dass das jüdisch-christliche Menschenbild der Unionsparteien da irgendwie besser wäre, aber unter derem Personal fallen doch mehr irgendwie kirchlich geprägte Menschen auf.
Wahrscheinlich kann man die an den fünf Fingern abzählen.
Es lebt der Mensch im alten Wahn.
Wenn tausend Gründe auch dagegen sprechen,
der Irrtum findet immer freie Bahn,
die Wahrheit aber muss die Bahn sich brechen.

Die meisten Leute werden immer schmutziger je älter sie werden, weil sie sich nie waschen.

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Yeti
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Re: Die Kirche und die Flüchtlingsfrage

Beitrag von Yeti » Dienstag 17. Mai 2016, 19:04

Lilaimmerdieselbe hat geschrieben:Weiß eigentlich die AfD, was sie mit christlichem Abendland meint?
Vermutlich mehr als so manche kirchliche Eminenz, die beim Pforzheimer Kreis mal eine Fortbildung machen könnte:
Pforzheimer Kreis hat geschrieben:"Der oft genannte Hinweis auf das antike Erbe greift zu kurz. Unzweifelhaft haben die altgriechische Philosophie und das römische Rechtssystem bedeutenden Anteil am Aufstieg des europäischen Kontinents. Entscheidend für die Bildung der europäischen Nationen war dies aber nicht, denn auch die kleinasiatischen und nordafrikanischen Staaten des frühen Mittelalters hatten Anteil an diesem Erbe, ohne dass dies zu einer vergleichbaren Entwicklung wie in Europa geführt hätte. Es war vielmehr die unterschiedliche Religion, die die nördlichen und südlichen Anrainer des Mittelmeeres veranlasste, auch unterschiedliche gesellschaftliche Wege zu gehen.
Wir glauben, dass Gott die Menschen nach seinem Ebenbild erschaffen und auch mit der Freiheit des Willens und mit Verstand begabt hat. Der Mensch ist also frei, sich für oder gegen Gott, für oder gegen das Gute zu entscheiden. Er besitzt eine unveräußerliche Würde, die durch seine Mitmenschen nicht angetastet werden darf und unabhängig von Geschlecht, Religion, Rasse oder persönlichem Lebensentwurf ist. Die “Gleichwertigkeit” des Menschen vor Gott bedeutet aber auch eine grundsätzliche Gleichheit der Rechte und Pflichten gegenüber der Staatsmacht, die ja Gottes Autorität vertritt, und auch im zwischenmenschlichen Verhältnis gelten unumstößliche Regeln, die der Willkür Grenzen setzen. Insofern war mit der Annahme des Christentums durch die europäischen Völker und dem christlichem Grundverständnis der Weg in freiheitliche und auch demokratische Strukturen vorgezeichnet(Demokratie ist nicht zwingend mit Freiheit gleichzusetzen!).
Für die Bildung der europäischen Nationen war der Einfluss des Christentums entscheidend, das nach und nach alle Bereiche der Kultur durchdrang. Ohne Kenntnis der christlichen Grundlagen ist weder die Architektur der Gotik, noch die Musik Johann Sebastian Bachs oder die Philosophie Immanuel Kants zur Gänze zu verstehen. Mit der Zurückdrängung des Glaubens und des Glaubenswissens gefährden wir damit nichts weniger als die Grundlagen unseres Staatswesens und unserer Zivilisation."
Lilaimmerdieselbe hat geschrieben:Stimmt, Abendland ist mehr Pegida. AfD, zum Beispiel Meuthen oder Petri, von Storch sprechen von einer christlich geprägten Kultur, ob das mehr als Folklore ist? Ich behaupte ja nicht, dass das jüdisch-christliche Menschenbild der Unionsparteien da irgendwie besser wäre, aber unter derem Personal fallen doch mehr irgendwie kirchlich geprägte Menschen auf.
Wie kommst du denn auf diese Vermutung? Die meisten Abgeordneten der AfD in den Länderparlamenten kennt doch (noch) kaum jemand; ich selbst kenne zwei Abgeordnete der Fraktion im BW-Landtag und einen im RLP-Landtag, diesen sogar sehr persönlich. Von allen drei MdL's kann ich sagen, dass sie jeden Sonntag in die Kirche gehen und auf jeden Fall den christlichen Glauben praktizieren und zwar nicht nur durch den sonntäglichen Gang zur Kirche. Das ist mehr, als man von vielen vermeintlich christlichen, sozialen oder grünen Polit-Profis sagen kann. Man kann auch nicht der AfD ständig Ressentiments vorwerfen, wenn man diese selbst in seiner unhinterfragten bürgerlichen Wohlanständigkeit durch Vorurteile pflegt.
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Re: Die Kirche und die Flüchtlingsfrage

Beitrag von Lilaimmerdieselbe » Dienstag 17. Mai 2016, 19:27

Ich behaupte ja nicht, dass Ihr sie mögen müßt oder dass sie Euren speziellen Anforderungen genügen würden, aber der Typus Laschet, der Vatikanbotschafterin, Bosmann, oder ähnlich protestantische wie der Gesundheitsminister Gröhe sind noch nicht vom Aussterben bedroht, die gibt es in allen Landesteilen und auf allen Ebenen. Ich kann noch nicht mal behaupten, dass es sie in der AFD nicht gibt, aber diese Art Stallgeruch habe ich dort, live kenne ich nur NRW, noch nicht gerochen. Bis hierhin habe ich geschrieben, bevor ich Yetis Beitrag gelesen habe.
Ich habe allerdings den ganzen AfD-Parteitag gehört und eine Menge Interviews der Frontleute gelesen, zur persönlichen Frömmigkeit würde ich mich über niemanden äußern, aber manches kam mir einfach desinteressiert vor, zum Beispiel der Umgang mit dem Arbeitskreis Christen in der AfD oder Interviews mit Herrn Jongen.

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Re: Die Kirche und die Flüchtlingsfrage

Beitrag von Yeti » Dienstag 17. Mai 2016, 21:33

Lilaimmerdieselbe hat geschrieben:zum Beispiel der Umgang mit dem Arbeitskreis Christen in der AfD oder Interviews mit Herrn Jongen.
Also kanntest du den Arbeitskreis bereits; offenbar wurde er auch zwischendurch von interessierter Seite "totgesagt". Den (bundesweiten) Arbeitskreis "Christen in der AfD" gibt es auch (s. auch hier). Da steckt - zumindest im Moment - mehr Christentum drin, als in den Grünen je drin war und mehr, als in der CDU drin ist. Ich kann natürlich nicht genau sagen, wieviel Einfluss genau diese beiden Strömungen bzw. Vereinigungen in der Partei haben, aber sie sind manifest und präsent - wenn auch wahrscheinlich nicht omnipräsent; ob ein Gesamtparteitag so ihre Sache ist, wage ich zu bezweifeln. Auch im Verborgenen kann man viel erreichen. Die Modernisten wissen das gut.
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Re: Die Kirche und die Flüchtlingsfrage

Beitrag von Lilaimmerdieselbe » Dienstag 17. Mai 2016, 21:50

Auf dem Parteitag haben sich Christen in der AfD zweimal zu Wort gemeldet, als es um Abtreibung ging, durften sie ihren Antrag nicht stellen, einen sehr ähnlichen hat dann die AfD-Jugend gestellt, wurde mit einem Erleichterungsaufschrei abgelehnt. Gegen Ende versuchte es ein schon sehr enttäuscht wirkendes Mitglied noch mal, kam aber noch nicht mal bis zu seinem Antrag. Ich fand noch nicht mal das Ergebnis so destruktiv, Politiker müssen bis zu einem bestimmten Grad Opportunisten sein, die Art und Weise war mindestens genauso schlimm.

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Re: Die Kirche und die Flüchtlingsfrage

Beitrag von Yeti » Dienstag 17. Mai 2016, 22:21

Lilaimmerdieselbe hat geschrieben:Auf dem Parteitag haben sich Christen in der AfD zweimal zu Wort gemeldet, als es um Abtreibung ging, durften sie ihren Antrag nicht stellen, einen sehr ähnlichen hat dann die AfD-Jugend gestellt, wurde mit einem Erleichterungsaufschrei abgelehnt. Gegen Ende versuchte es ein schon sehr enttäuscht wirkendes Mitglied noch mal, kam aber noch nicht mal bis zu seinem Antrag. Ich fand noch nicht mal das Ergebnis so destruktiv, Politiker müssen bis zu einem bestimmten Grad Opportunisten sein, die Art und Weise war mindestens genauso schlimm.
Könntest du das näher ausführen, bitte? Oder ungefähr sagen, wann diese Momente auftauchten? Nur damit ich mir nicht alle sechs Stunden ansehen muss... (auf der Bundesseite der AfD ist ja ein Video zu sehen). Die AfD ist ja ein Sammelsurium aus eigentlich verschiedenen ehemaligen Parteigängern, von rot und grün bis dunkelbraun. Dass da auch lebensfeindliche und vielleicht auch generell religionsfeindliche Tendenzen mitschwingen, ist angesichts der (zumindest früheren) Relevanz der ostdeutschen Landesverbände (Stichwort mehrheitlich fehlende Konfessionszugehörigkeit) fast klar; allerdings bringt z.B. ein ehemaliger Linkspartei-Wähler halt auch seine metaphysischen Irrwege mit. Angesichts des ganzen sechsten Kapitels des Grundsatzprogramms (Ist die Parallele zum sechsten Gebot gewollt?) und besonders bei 6.7 ("Willkommenskultur für Neu- und Ungeborene") finde ich - im wahrsten Sinne des Wortes - beim Thema Lebensschutz keine Alternative bei den übrigen Parteien und meine, dass das überzeugte Christen doch zum Nachdenken anregen könnte.
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Re: Die Kirche und die Flüchtlingsfrage

Beitrag von Lilaimmerdieselbe » Mittwoch 18. Mai 2016, 18:45

https://www.youtube.com/watch?v=dLbHs2L7FV

Auf den aus 12 Stunden zusammengeschnittenen videos des Herrn Rehnen auf der AfD ist das nicht darauf, hielt ich für Zufall, wenn andere Minderheitenpositionen nicht auch weg wären und noch sehr viel Formalkram drin. Auf youtube gibt es auch noch einen Schnipsel, der zeigt einen Mann von Christen in der AfD, der ziemlich am Ende des Parteitags dafür plädierte, abzubrechen, weil nur noch durchgewunken würde.

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Re: Die Kirche und die Flüchtlingsfrage

Beitrag von Yeti » Dienstag 24. Mai 2016, 19:48

Lilaimmerdieselbe hat geschrieben:https://www.youtube.com/watch?v=dLbHs2L7FV0

Auf den aus 12 Stunden zusammengeschnittenen videos des Herrn Rehnen auf der AfD ist das nicht darauf, hielt ich für Zufall, wenn andere Minderheitenpositionen nicht auch weg wären und noch sehr viel Formalkram drin. Auf youtube gibt es auch noch einen Schnipsel, der zeigt einen Mann von Christen in der AfD, der ziemlich am Ende des Parteitags dafür plädierte, abzubrechen, weil nur noch durchgewunken würde.
Herzlichen Dank für diesen Hinweis! In der Tat bietet sich da zum Thema Abtreibung ein ernüchterndes Bild. Allerdings weit nicht so enttäuschend wie der Umgang mit diesem Thema von offizieller kirchlicher Seite - der "inoffizielle" Umgang damit ist dort freilich oft noch unglaublicher. Es gibt aber ganz offenbar eine antikirchliche Strömung in der AfD, wie man hier sehen kann:
Gauland: „Wir sind keine christliche Partei“
„Wenn diese Flüchtlingspolitik das Programm der Kirchen ist – dann gebe ich offen zu: Ich bekämpfe das Programm der Kirchen“, sagte Gauland in der Zeit-Beilage Christ & Welt. „Die Kirchen versuchen, den Staat zu manipulieren“, warnte der AfD-Politiker. Er wolle nicht, daß dieser zugrunde gehe."
Ich habe allerdings nicht wirklich das Gefühl, dass die Kirchen den Staat manipulieren. Die Kirchen scheinen mir - mehr denn je - selbst in höchstem Maße Getriebene zu sein. Inwieweit Herr Gauland tatsächlich für eine starke antikirchliche oder antireligiöse Strömung steht, kann ich nur mutmaßen. Ich persönlich glaube, dass speziell solche Strömungen in den westlichen Landesverbänden eher selten vorkommen - übrigens auch Putins Politik verherrlichende Tendenzen.
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Re: Die Kirche und die Flüchtlingsfrage

Beitrag von Lilaimmerdieselbe » Dienstag 24. Mai 2016, 20:14

Wir haben uns leider vom threat-titel ziemlich weit entfernt, vielleicht nimmt sich ein Moderator der Sache an.

Den Pforzheimer Kreis kannte ich vor Deinem Hinweis nicht, nur die Christen in der AfD. Inhaltlich habe ich keinen Unterschied festgestellt, aber die Christen in der AfD scheinen für die Gesamtpartei leichter zu verkraften zu sein. Zwei der Pforzheimer hatten Parteiämter mit gewissen Einfluß, die sie mittlerweile wieder los sind. Deshalb glaube ich nicht, dass die antikirchliche Tendenz auf den Osten beschränkt ist. Das ist vielleicht auch eine Reaktion auf die Abneigung, die DBK und EKD gegenüber der AfD zeigen.

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Re: Die Kirche und die Flüchtlingsfrage

Beitrag von Yeti » Dienstag 24. Mai 2016, 20:27

Lilaimmerdieselbe hat geschrieben:Das ist vielleicht auch eine Reaktion auf die Abneigung, die DBK und EKD gegenüber der AfD zeigen.
Ja, das könnte sein. Und ich wette, dass das DBK und EKD noch leid tun wird. Spätestens, wenn die AfD mal irgendwo mit in der Regierung sitzt.
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Re: Die Kirche und die Flüchtlingsfrage

Beitrag von Yeti » Donnerstag 26. Mai 2016, 10:39

Vorwurf nicht nur von der AfD: Die Kirchen verdienen an der Flüchtlingshilfe!
Es kommt sonst nie vor, dass "katholisch.de" den bayerischen Vorsitzenden der AfD zitiert - doch heute passt es ins Konzept. Dieser habe erklärt, die Kirchen nützten einerseits die Hilfsbereitschaft Ehrenamtlicher aus, schrieben aber andererseits "saftige Rechnungen", wenn es um Flüchtlingsunterkünfte gehe. Die Kirchen verdienten unter dem "Deckmantel der Nächstenliebe"
Katholikentag: Gipfel der Scheinheiligkeit
Eine Lobby, die Milliarden am Flüchtlingelend verdient, feiert sich selbst. Währenddessen laufen den Kirchen die Mitglieder zu Hunderttausenden davon.
Ginge es um Glauben und nicht ums Geschäft, müssten die Kirchen den Zustrom der Muslime skeptisch sehen.
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Re: Die Kirche und die Flüchtlingsfrage

Beitrag von Lilaimmerdieselbe » Donnerstag 26. Mai 2016, 11:07

Wie "die Kirche" die Hilfsbereitschaft Ehrenamtlicher ausnützt, sehe ich in diesem Zusammenhang gar nicht. Man kann grundsätzlich Kritik an der Wohlfahrtsorganisation des Staates durch kirchliche und weltliche Orgnisationen üben, man kann sich auch überlegen, in wie weit der Caritasverband sich auf welchen Feldern engagieren soll, aber diese Sorte von diffamierenden RundumSchlägen trägt zu gar nichts bei.

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Re: Die Kirche und die Flüchtlingsfrage

Beitrag von Yeti » Donnerstag 26. Mai 2016, 15:07

Lilaimmerdieselbe hat geschrieben:Wie "die Kirche" die Hilfsbereitschaft Ehrenamtlicher ausnützt, sehe ich in diesem Zusammenhang gar nicht. Man kann grundsätzlich Kritik an der Wohlfahrtsorganisation des Staates durch kirchliche und weltliche Orgnisationen üben, man kann sich auch überlegen, in wie weit der Caritasverband sich auf welchen Feldern engagieren soll, aber diese Sorte von diffamierenden RundumSchlägen trägt zu gar nichts bei.
Zuerst einmal:
[*] Stichwort "Ehrenamtliche": Die werden nicht bezahlt, das steckt ja auch im Wort drin. Der Nebeneffekt ist, dass immer mehr ehemals hauptamtliche Tätigkeiten so durch das Ehrenamt ersetzt werden und zwar in beiden großen Kirchen s.hier und hier :kotz: . Natürlich werden nicht nur Stellen im Dienstleistungsbereich der Kirchen wie Hauswirtschaftlerinnen und Reinigungskräfte eingespart, auch Organisten- und Kantorenstellen gibt es immer seltener, das kann man in der kath. Kirche natürlich gut über den "Priestermangel" begründen. Diejenigen, die in den Gemeinden als geweihte Seelsorger fehlen, tun in den Ordinariaten, Akademien und sonstigen Institutionen Dienst - eine Arbeit, für welche es keine geweihten Priester bräuchte. Warum leiten solche Institutionen eigentlich z.B. keine Ordensschwestern? Die halbe deutschsprachige kath. Kirche fordert doch ständig einen höheren Frauenanteil. Also: Ehrenamtliche haben sicher keine schlechten Absichten, müssen aber wissen, dass ihre Tätigkeit u.U. den Finanzbeauftragten der Kirche erlaubt, die dafür vielleicht ursprünglich ordentlich bezahlte Stelle einzusparen. Wohlgemerkt: Im Dienstleistungsbereich. In den Ordinariaten gibt's sicher keine Stellenkürzung.

[*] Stichwort Flüchtlingshilfe und was die Kirche davon hat: Ich halte mich mal an die verlinkten Quellen:
Focus hat geschrieben:Aber was ist mit den Kirchen in Deutschland. Tun sie genug, um in der Flüchtlingskrise zu helfen?
Focus hat geschrieben:Um diese Frage zu beantworten, lohnt ein Blick auf die Zahlen. Beispiel Erzbistum Köln: Die mitgliederstärkste Diözese Deutschlands hat Ende 2014 rund 12,5 Millionen Euro für Not- und Flüchtlingshilfe freigegeben. Die Mittel seien gerade wieder um 1,3 Millionen Euro aufgestockt worden, sagte ein Sprecher zu FOCUS Online. Allein eine halbe Million Euro will das Erzbistum in Sprachkurse für Flüchtlinge stecken. Das klingt nach großzügiger Hilfe. Schaut man sich aber die finanzielle Situation des Bistums an, erscheinen die Zahlen in etwas anderem Licht: 2013 verzeichnete das Bistum einen Jahresüberschuss von 59 Millionen Euro, sein Gesamtvermögen schätzte es Ende 2014 auf 3,5 Milliarden Euro. Verglichen damit sind die Aufwendungen für die Flüchtlingshilfe nicht überwältigend hoch.
Das sind die Ausgaben, die noch nicht "rückflussbereinigt" sind, bei denen also noch nicht berücksichtigt wurde, inwieweit solche Ausgaben der Kirche durch staatliche Subventionen, Steuervorteile und -nachlässe kompensiert wurden oder werden.
Kommen wir zu den Einnahmen, welche die Kirche durch die Flüchtlingsunterkünfte bezieht; bekanntlich gilt die kath. Kirche in Deutschland als größter Grundstücks- und Immobilieneigner:
Focus hat geschrieben:„Viele der kirchlichen Immobilien sind aber bereits vermietet“, gibt der kirchenkritische Publizist Carsten Frerk im Gespräch mit FOCUS Online zu bedenken. „Die Kirchen haben oft Immobilien in guter Geschäftslage.“ Und weil solche Häuser und Wohnung am Markt begehrt sind, hätten die Kirchen oft nur wenige leerstehende Immobilien, die für Flüchtlinge geeignet seien.
Das Prozedere läuft offenbar folgendermaßen ab:
Merkur hat geschrieben:Die bayerischen Bistümer lassen sich die Kosten für die Unterbringung von Flüchtlingen in kirchlichen Einrichtungen erstatten. Die Mietkosten für Wohnungen und Häuser zahle in der Regel der Landkreis, bestätigte eine Sprecherin des Erzbistums München und Freising unserer Zeitung. „Bei Häusern und Wohnungen, die man sonst auch vermietet hätte, ist das der Regelfall“, sagte die Sprecherin weiter. Der übliche Weg ist: Die katholische Kirche bietet dem Landkreis eine Unterkunft an. Wenn der diese als geeignet ansieht, gibt er ein Mietangebot ab. „Das akzeptieren wir in der Regel ohne Verhandlungen“, sagte die Sprecherin. Man orientiere sich an der ortsüblichen Miete. „Es werden dort nicht Flüchtlinge einquartiert, um höhere Einnahmen zu erzielen. Insgesamt kommt am Ende weniger raus, als wir bei einer normalen Vermietung verdienen würden.“
Bei älteren Objekten, beispielsweise bei leerstehenden Pfarrheimen, die auf den Abriss warten, würden teilweise nur die Betriebskosten verlangt. Eine kostenfreie Unterbringung sei indes rechtlich schwierig, „weil die Wohnungen meist kirchlichen Stiftungen gehören“.
Schlau geregelt, wer das Stiftungsrecht kennt. Eine Körperschaft öffentlichen Rechts, die Vermögen und Kapital in Stiftungen auslagert, an denen sie mehrheitliche Anteile haben und dadurch sicherstellen, dass so erwirtschaftetes Kapital wieder zurückfließt. Ich würde sagen, das ist eine Art Panama-Briefkasten der kath. Kirche in Deutschland. Es mag juristisch legal sein - moralisch ist man damit über den Abgrund hinaus:
Focus hat geschrieben:Kirchenkritiker Frerk stört sich an etwas anderem – an „diesem Zungenschlag, jegliches Engagement der Kirchen in der Flüchtlingskrise sei nur Ausdruck christlicher Nächstenliebe“
Merkur hat geschrieben:„Wir sehen uns in der Verantwortung, dabei zu helfen. Aber zu den üblichen Konditionen.“
Ich glaube, das nennt man bei Kirchens: "Wasser predigen und Wein trinken". Also Heuchelei. Das fällt auch nicht nur der bösen AfD auf:
Merkur hat geschrieben:In Sachen Flüchtlingsunterkünfte steht die AfD nicht allein da. So hatte Bayerns Wirtschaftsminister Markus Söder (CSU) mit seiner Aussage "Barmherzigkeit braucht keine Miete" im November für Aufsehen gesorgt. Söder forderte damals die Kirchen auf, Grundstücke und Gebäude möglichst kostenlos für Flüchtlinge zur Verfügung zu stellen. Dafür hatte er sich unter anderem harsche Kritik von Kardinal Reinhard Marx eingefangen.
Kardinal Marx hat geschrieben:„Sie glauben doch nicht, dass das an Mieteinnahmen wieder reinkommt, was wir für die Flüchtlingshilfe an Millionen aufbringen. Das ist doch völliger Unsinn“, sagte Marx.
Na wenn nicht durch die Miete selbst, dann insgesamt durch die Rückflüsse vom Staat. Und selbst wenn die vereinbarte Miete zehn Prozent niedriger als die ortsübliche Miete war und ist - was übrigens den Aussagen der Bistumssprecherin widerspricht, s.o. - ist dafür gesorgt, dass sich selbst die zehn Prozent Einbußen bei den Mieteinnahmen der Stiftungen durch die Rückflüsse amortisieren.

[*] Stichwort "diese Sorte von diffamierenden RundumSchlägen": Es ist schön, dass immer davor gewarnt wird, nicht zu generalisieren. Das ist auch sicher richtig und gilt mit Sicherheit auch für für ungeliebte Parteien und Institutionen. Speziell die Kirchen geben da beispielsweise gegenüber der AfD kein wirklich gutes Beispiel ab, haben aber anlässlich des Katholikentages sofort die Hose voll, wenn die Kritik zu laut wird. Bleibt die Frage, wohin man mit einer solchen Kommunikationsverweigerung kommt?
Ludwig Ring-Eifel hat geschrieben:Was bleibt, ist der Eindruck, dass man mit Leuten, die den schwarz-rot-grünen Konsens beim Zuwanderungsthema und in der Familienpolitik in Frage stellen, nicht reden möchte. Der Funktion von Katholikentagen, wie ich sie einst kannte, entspricht das nicht. Immerhin waren die großen Christentreffen in den vergangenen vier Jahrzehnten unter anderem so etwas wie gesellschaftliche Labore, wo im herrschaftsfreien Diskurs neue Themen und Positionen kontrovers debattiert werden konnten - übrigens auch solche, die radikal systemkritisch und alles andere als staatstragend waren. Nun aber bleiben die Menschen mit der korrekten Gesinnung lieber unter sich. Wer auf dem Katholikentag spricht, gehört zur politischen Orthodoxie. Und die Schmuddelkinder von der AfD müssen draußen bleiben. Ob das eine freie Gesellschaft weiterbringt?
Kardinal Marx hat geschrieben:"Lasst uns sachlich diskutieren"
Unbedingt. Und zwar ergebnisoffen, was für beide - überinstitutionalisierte Kirche und "Flüchtlinge" ohne Bleiberecht heißen kann: "good bye".
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Re: Die Kirche und die Flüchtlingsfrage

Beitrag von Lilaimmerdieselbe » Donnerstag 26. Mai 2016, 16:45

Nun kann man nicht behaupten, dass gerade in die kirchlichen Stiftungen viel Vermögen ausgelagert wird. Die meisten kirchlichen Stiftungen sind sehr alt und dienen Zwecken, die sie sehr unbeweglich machen. Das Bistum Köln gründet deshalb, wenn es Steuern sparen will, Briefkastenfirmen in Holland.

Ehrenamtliche arbeiten innerhalb von Einrichtungen der Wohlfahrtspflege, auch wenn sie von der Caritas getragen werden, in der Regel in Bereichen, die nicht abrechnungsfähig sind. Ausnahme ist mittlerweile Zuwendung zu Dementen, aber auch da dürfen Ehrenamtliche nicht abgerechnet werden und ihr Einsatz ist ein mehr zu dem, was die Krankenkasse zahlt.

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Re: Die Kirche und die Flüchtlingsfrage

Beitrag von Yeti » Donnerstag 26. Mai 2016, 19:22

Lilaimmerdieselbe hat geschrieben:Nun kann man nicht behaupten, dass gerade in die kirchlichen Stiftungen viel Vermögen ausgelagert wird. Die meisten kirchlichen Stiftungen sind sehr alt und dienen Zwecken, die sie sehr unbeweglich machen. Das Bistum Köln gründet deshalb, wenn es Steuern sparen will, Briefkastenfirmen in Holland.
Einmal ganz allgemein zu kirchlichen Stiftungen:
www.kirchensteuern.de hat geschrieben: Der spätere Kardinal Lehmann hatte bereits 1999 die Witterung in Sachen Stiftungen aufgenommen. Zusammen mit der Dresdner Bank, die bereitwillig eine Kooperation anbot (und mit 100 000 Euro Stiftungskapital bereitstand), wurde das Zentralinstitut für kirchliche Stiftungen (zks) gegründet. [Sinnvollerweise hat er das Institut auch gleich in Mainz angesiedelt, pers. Anmerkung] Seit 1999 bietet es sich nach eigenen Angaben als "einzigartiges Kompetenz- und Servicezentrum für privilegierte Stiftungsangelegenheiten in Deutschland und darüber hinaus" (Webpräsenz des zks) an und verspricht einen Rundum-Service bei der Einrichtung und Verwaltung von Stiftungen. [...] Neben der Kirchensteuer, die in unbegrenzter Höhe steuerlich absetzbar ist und den Spenden für kirchliche Zwecke, die in Höhe von 5% des zu versteuernden Einkommens sind Stiftungsgelder direkt von der Steuerschuld absetzbar. Darüber hin aus können Unterstützungszahlungen an Stiftungen in Höhe bis zu 10% des zu versteuernden Einkommens in Anrechnung gebracht werden. Im Hinblick auf Religionsgemeinschaften verzichtet der Staat also in einem Umfang auf Steuern, wie er es sonst keiner anderer gesellschaftlichen Gruppe gestattet. [...] Die Werbung des Zentralinstituts für kirchliche Stiftungen grenzt gelegentlich an Irreführung. So ist die Kennzeichnung "Kirchliche Stiftung" ein Etikettenschwindel. Auch mittels gewöhnlicher, nicht der zks unterstellten Stiftungen kann für "kirchliche Zwecke" gestiftet werden. Ferner: Alle staatlichen Regelungen gelten selbstverständlich auch für die sog. "Kirchlichen Stiftungen", die unter dem Dach der zks errichtet wurden. Umgekehrt braucht die sog. "Kirchliche Stiftung" keineswegs kirchlichen Zwecken zu dienen, sie kann selbstverständlich für jeden vom staatlichen Recht her möglichen Zweck, also auch für unternehmerische oder familiäre Zwecke errichtet werden. Das als "Kirchlichkeit" gepriesene Schutzdach des zks entfaltet seine Wirksamkeit lediglich im organisatorischen Bereich, also in der Lenkung der Geldströme in möglichst viele christliche Zielrichtungen und danach vor allem in der formalen, vom Gesetz her vorgegebenen Verwaltung der einmal errichteten Stiftung. [...] Einzelne Formulierungen aus den werbenden Prospekten des Instituts erweisen sich als hohle Phrasen: "Wenn ein so verstandenes Leitbild zum kernhaften Bestandteil des satzungsmäßig normierten Stifterwillens erhoben wird, dann können Staat und staatliche Stiftungssaufsicht die tatsächliche und stetige Wirksamkeit dieses Lebensgesetzes einer Stiftung in keinem Fall gewährleisten. Dafür fehlt unserem säkularen Staat (Gott sei Dank!) jede sachliche Kompetenz und politisch-rechtliche Bestimmungsmacht. Er hat nach unserem Grundgesetz religiös und weltanschaulich neutral zu sein (Trennung von Kirche und Staat)." Der unmittelbar diesem Zitat folgende Satz ist an Dreistigkeit kaum noch zu überbieten: "Nur die Kirchen können und dürfen mit ihrer originären, geistig-geistlichen Zuständigkeit die bleibende Geltung solcher Werteorientierungen eines Stiftungsvermächtnisses obhutlich sicherstellen (Art. 140 Grundgesetz, Art. 137, 138 Weimarer Reichsverfassung".
Es gibt kirchliche Stiftungen privaten und öffentlichen Rechts. Und natürlich kann man auch neue gründen, um da was hin- und herzuschieben. Manche Kirchen werben regelrecht damit, s.a. oben. Problematisch ist sicher das da:
Ihre Anerkennung erfolgt durch die zuständige staatliche Behörde, die Aufsicht über sie obliegt jedoch nicht dem Staat, sondern ausschließlich der jeweils nach Kirchenrecht zuständigen Kirchenbehörde.
, die Folgen s.a. obiger Text. Da gab es doch mal einen hübschen Artikel in der "Zeit" (obwohl ich diese übelst libertäre Zeitung speziell aufgrund ihrer notorischen "Lügenpresse" nicht sehr oft lese), die wohl damals noch Kardinal Meisner hinterhertreten wollte:
Von 166,2 Millionen Euro Immobilienvermögen war in einer Presseerklärung die Rede. "Aus diesem Vermögen wurden im Jahr 2012 knapp 9,6 Millionen Euro Erträge erzielt", hieß es. "Die Erträge sind wie in den Vorjahren in den Bistumshaushalt eingeflossen." Die Vermutung, dass es sich dabei nur um einen winzigen Ausschnitt handeln kann, liegt nahe. Der Haushalt speist sich zum größten Teil aus Kirchensteuern und staatlichen Zuschüssen, aber eben nicht nur. Das Erzbistum hat 92 Millionen Euro selbst eingebracht. Wenn es aber nur 9,6 Millionen Euro Gewinn gemacht hat – woher kommt dann der Rest?
Lilaimmerdieselbe hat geschrieben:Ehrenamtliche arbeiten innerhalb von Einrichtungen der Wohlfahrtspflege, auch wenn sie von der Caritas getragen werden, in der Regel in Bereichen, die nicht abrechnungsfähig sind. Ausnahme ist mittlerweile Zuwendung zu Dementen, aber auch da dürfen Ehrenamtliche nicht abgerechnet werden und ihr Einsatz ist ein mehr zu dem, was die Krankenkasse zahlt.
Ich hab selber mal während meiner FSJ-Zeit bei der Kirche in einem Altenheim gearbeitet und dort pflegerische Aufgaben mit übernommen. Das wurde auch nicht "abgerechnet" oder war bestimmt auch nicht "abrechnungsfähig", im Gegenteil. Wenn ich und eine weitere Pflegekraft auf einer Station allein waren, hieß es von der Pflegeleitung, dass man dann für mich eine examinierte Pflegekraft für den Dienstplan einsparen könnte. Das war vor 20 Jahren (!). Heute wird's mit Sicherheit nicht besser sein. Ich rede nicht von der Theorie, sondern wie's umgesetzt wird:
Report Mainz hat geschrieben:»Im gesamten Bereich der sozialen Arbeit sind die beiden Kirchen Marktführer. Die beiden Kirchen haben verhältnismäßig großen politischen Einfluss. Sie nützen diesen Einfluss und ihre Marktführerschaft im sozialen Bereich nicht, um endlich vernünftige Entgelte für die Arbeit zu bekommen. Sie nützen ihre Macht ausschließlich um Dumpinglöhne durchzusetzen. Alle Welt regt sich über Lidl und Aldi auf, die Kirche ist schlimmer.«
Bis zum Beweis des Gegenteils stelle ich also fest: Die Kirchen verdienen an der Flüchtlingswelle und zwar gut. Logischerweise haben sie deshalb ein sprichwörtlich vitales Interesse daran, dass diese Welle nicht abebbt. In diesem Licht erhalten dann Aussagen wie diese eine ganz neue Bedeutung:
„Wer Menschen im Mittelmeer ertrinken lässt, lässt Gott ertrinken“ Man muss schon sehr verzweifelt sein, um eine solch tumbe emotionale Erpressung à la "wenn du mir nicht 1000 € schickst, erschieße ich dieses Kätzchen" anzuwenden. Und mit einer Theologie nach ratio et fides hat das gar nichts zu tun. Wenn jemand am Ertrinken der Leute "schuld" ist, dann die Schlepper und nicht zuletzt die Flüchtenden selbst - wenn sie tatsächlich Flüchtlinge sind und wirklich flüchten müssen. Herr Söder hat Recht: "Barmherzigkeit braucht keine Mieten".
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Re: Die Kirche und die Flüchtlingsfrage

Beitrag von Lilaimmerdieselbe » Donnerstag 26. Mai 2016, 20:03

Die Kirchen und die kirchlichen Wohlfahrtsverbände würde ich wegen ihrer rechtlichen und finanziellen Trennung nicht in einen Topf werfen.

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Re: Die Kirche und die Flüchtlingsfrage

Beitrag von Yeti » Donnerstag 26. Mai 2016, 20:59

Lilaimmerdieselbe hat geschrieben:Die Kirchen und die kirchlichen Wohlfahrtsverbände würde ich wegen ihrer rechtlichen und finanziellen Trennung nicht in einen Topf werfen.
Wie das? Die Caritas ist doch ein Wohlfahrtsverband der römisch-katholischen Kirche und wird auch von der Kirchensteuer mitfinanziert:
Caritas hat geschrieben:Wie viel Geld erhält die Caritas von der Kirche? Die Caritas ist Teil der katholischen Kirche und wird von dieser bei der Finanzierung bestimmter Aufgaben und Angebote unterstützt. Die Förderung ist regional unterschiedlich und wird von den Bistümern individuell geregelt. Für seine bundesverbandliche und internationale Arbeit erhielt der Deutsche Caritasverband im Jahr 2013 rund 8,5 Millionen Euro von der Kirche. Das sind knapp zehn Prozent der Einnahmen in diesem Bereich.
Eine genaue Ver- und Aufteilung der Herkunft der Gelder sucht man natürlich vergeblich:
"Da viele Leistungen der Caritas unter anderem über öffentliche Mittel finanziert werden und diese von den Ländern, Kreisen und Kommunen abhängen, lassen sich keine generellen Aussagen über die Anteile der Finanzierungsquellen treffen."
Genau diese Trennung scheint also in der Praxis offenbar nicht vorhanden zu sein, oder meinst du die "Caritas-Legende"?
"Zentraler Teil der Caritas-Legende ist die Behauptung, die Kirchen würden, indem sie oder ihre Sozialkonzerne Caritas und Diakonie die Trägerschaft sozialer Dienste übernehmen, eine Leistung für die Allgemeinheit erbringen. Bei vielen Menschen herrscht dementsprechend der Eindruck vor, ein bedeutender Teil der Kirchensteuer würde für die von den Kirchen unterhaltenen Sozialeinrichtungen ausgegeben. Dies ist jedoch nicht der Fall. Denn zahlreiche grundlegende soziale Dienste werden vollständig durch den Staat, die Sozialversicherungsträger oder die Patienten bezahlt: zum Beispiel Krankenhäuser, Altenheime oder Rettungsdienste. In diese Einrichtungen fließt kein Cent Kirchensteuer. Andere Einrichtungen erhalten tatsächlich Zuschüsse aus Kirchensteuermitteln. Hier wären Sozialstationen, Beratungseinrichtungen und vor allem die konfessionellen Kindergärten zu nennen."
Die Caritas-Einrichtungen sind zwar rechtlich tatsächlich teilweise eigenständig, dennoch gehören sie organisatorisch und finanziell zu den deutschen römisch-katholischen Diözesen, von Trennung kann man da also nicht wirklich sprechen, vor allem ist sie offenbar sehr schwierig festzustellen:
FAZ hat geschrieben:Sie weigern sich hartnäckig, ihre Zahlen an die Zentralen weiterzureichen. „Franchising im Namen der Nächstenliebe“, nennt Enste das Organisationsprinzip der Branche. Der altruistische Zweck heiligt den Schleier der Intransparenz. Und führt zu mangelnder Wirtschaftlichkeit. „Es ist kaum zu glauben, wie aufgebläht die Verwaltungen der Verbände sind“, kritisierte schon vor Jahren der damalige Pforzheimer Oberbürgermeister Joachim Becker: „Für alles gibt es Referenten, Unterreferenten und Sachbearbeiter in großer Zahl.“ Gegen den gerne erweckten Anschein spielen Spenden und private Zuwendungen zur Finanzierung der Wohlfahrtspflege eine sehr untergeordnete Rolle. Schätzungen zum Spendenaufkommen schwanken zwischen 2 und 4 Milliarden jährlich.
Ich denke also nicht, dass man hier von einer eindeutigen Trennung sprechen kann, im Gegenteil. Und selbstverständlich ist auch die Flüchtlingshilfe der Caritas damit Teil der Kirche. Also bleibt's dabei: Die Kirchen verdienen an der Flüchtlingswelle und zwar gut.
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guatuso
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Re: Die Kirche und die Flüchtlingsfrage

Beitrag von guatuso » Donnerstag 26. Mai 2016, 21:19

http://www.faz.net/aktuell/politik/inla ... 53966.html

" In seiner Predigt zu Fronleichnam erhebt der Kölner Kardinal Woelki eindringlich die Stimme in der Flüchtlingskrise – am Ende applaudieren die Gottesdienstbesucher."

Demnaechst gibt es den Applausbaromether, der anzeigt wieviel Gehaltserhoehung der Bischof bekommt.
Applaus erheischender Bischof. Der hat in Berlin zuviel mit dem Analfreund Wowereit zusammen gefeiert.

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polyglotta
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Re: Die Kirche und die Flüchtlingsfrage

Beitrag von polyglotta » Donnerstag 26. Mai 2016, 21:41

guatuso hat geschrieben:http://www.faz.net/aktuell/politik/inla ... 53966.html

" In seiner Predigt zu Fronleichnam erhebt der Kölner Kardinal Woelki eindringlich die Stimme in der Flüchtlingskrise – am Ende applaudieren die Gottesdienstbesucher."

Demnaechst gibt es den Applausbaromether, der anzeigt wieviel Gehaltserhoehung der Bischof bekommt.
Applaus erheischender Bischof. Der hat in Berlin zuviel mit dem [Vokabular zitier ich nicht] Wowereit zusammen gefeiert.
Erst Original ansehen, dann meckern!

Der Applaus war echt spontan und wohl verdient. Video hier: https://www.domradio.de/video/kardinal- ... leichnam-0

Für mich war's jedenfalls eine aufrüttelnde und wahrhaft jesuanische Predigt. Nicht das geschwurbelte Politgerede, nicht applausheischend, sondern schonungslos geradlinig und wahrlich katholisch. Dafür steckt der Kardinal gerade prompt den geballten Hass von ganz rechts ein...
Text übrigens hier: https://www.domradio.de/pdf/predigt-kar ... chene-wort

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Re: Die Kirche und die Flüchtlingsfrage

Beitrag von Edi » Donnerstag 26. Mai 2016, 22:16

Den Kardinal hätte ich gefragt, was er denn selber tun will. Will er einige Rettungsschiffe mieten, um die Ertrinkenden im Mittelmeer zu retten? Will er vom dem vielen Geld seiner Diözese mal hundert Millionen abgeben, um die Menschen zu uns zu holen und zu versorgen usw. Oder will er nur von den anderen, also vorwiegend Politikern verlangen, daß diese mehr tun?
Tut er nur so, als ob es nur Sünde wäre, nicht ausreichend zu helfen oder ist es am Fronleichnamstag nicht auch noch wichtig auf andere Sünden hinzuweisen, auch z.B. die, die zu den Zuständen geführt haben, daß Menschen fliehen.

Weiß er auch, daß es Sünde ist, wenn welche Nation auch immer, in diesen Regionen militärisch eingreift, um ganze Länder zu destabilisieren, sagt es aber aus politischer Korrekheit nicht, um ja nicht u.a auch die eigene Regierung bzw. Frau Merkel anzugreifen, die immer weitgehend für diese Destabilsiering eingetreten ist. Hirten, die das nicht öffentlich zu sagen wagen, sind mir suspekt.
Zuletzt geändert von Edi am Donnerstag 26. Mai 2016, 22:28, insgesamt 1-mal geändert.
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Zarahfication
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Re: Die Kirche und die Flüchtlingsfrage

Beitrag von Zarahfication » Donnerstag 26. Mai 2016, 22:27

Bischof Woelki soll aufhören den Namen des Herrn für seine Woelki-Show zu missbrauchen.
Die katholische u. evangelische Kirche in Deutschland, Bischöfe, Berufs-und Verbandskatholiken u. liberale Christen haben alle ihre Glaubwürdigkeit in Bezug auf echte christliche Nächstenliebe verloren. Christus schreit Tag und Nacht durch die verfolgten Christen: Warum verfolgt ihr mich? Warum ignoriert ihr mich? Und stößt bei vielen liberalen Christen, Kirchen und Bischöfe auf taube ohren und AUF EINE MAUER der Kälte und gnadenlosen Gleichgültigkeit. Der Bischof erhebt den moralischen Zeigefinger während drei Finger auf ihn zeigen. Er; der christliche Flüchtlingen hartherzig keines Blinkes würdigt, hat noch die Nerven von Christus im Flüchtlingsboot zu reden. Jesus wird all diese Christen, die so stolz auf ihre poltisch korrekten von Mainstream u. Politik verordneten Nächstenliebe sind, sagen: Als ich ein verfolgter Christ war, bedroht und drangsaliert habt ihr mir nicht geholfen und ignoriert.


Bischof Woelki wie viele Christen in Deutschland weigert sich den gekreuzigten und leidenden Jesus in den verfolgten Christen, die um Christi willen von Muslimen gefoltert, ins Gefängnis gesteckt und abgeschlachtet werden, zu sehen. Er schweigt zu den Schreie der christlichen Flüchtlingen, die vor dem islamischen Terror nach Deutschland geflohen sind und schutzlos in deutschen Heimen von Muslimen bedrängt, geschlagen oder gar mit dem Tod bedroht werden. Der Herr Bischof im Einklang mit den anderen Bischöfen, dem ZdK und der EKD verweigert den christlichen Flüchtlingen zum ihrem Schutz getrennte Unterbringung nur damit er seine bequemen Wunschvorstellungen von Multikulti egoistisch und auf Kosten der verfolgten Christen frönen kann. 

Wann hören die deutschen Bischöfe endlich damit auf Weggucker zu sein? Wann hören unsere Kirchen, Bischöfe und Gutmenschen- Christen damit auf, die Not der verfolgten Christen zu ignorieren, zu verharmlosen, zu relativieren, kleinzureden oder zu vertuschen nur damit sie den Christen nicht beistehen brauchen? Wie eiskalt und abgebrüht deutsche Bischöfe, ZdK und Berufs-und Gremiumkatholiken reagieren um ihre Macht zu festigen ist bezeichnend, beschämend und zutiefst unchristlich. Daher ist jede Predigt über Mitgefühl mit Flüchtlingen und christliche Nächstenliebe aus deren Mund unglaubwürdig.

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Yeti
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Re: Die Kirche und die Flüchtlingsfrage

Beitrag von Yeti » Donnerstag 26. Mai 2016, 22:39

polyglotta hat geschrieben:
guatuso hat geschrieben:http://www.faz.net/aktuell/politik/inla ... 53966.html

" In seiner Predigt zu Fronleichnam erhebt der Kölner Kardinal Woelki eindringlich die Stimme in der Flüchtlingskrise – am Ende applaudieren die Gottesdienstbesucher."

Demnaechst gibt es den Applausbaromether, der anzeigt wieviel Gehaltserhoehung der Bischof bekommt.
Applaus erheischender Bischof. Der hat in Berlin zuviel mit dem [Vokabular zitier ich nicht] Wowereit zusammen gefeiert.
Erst Original ansehen, dann meckern!

Der Applaus war echt spontan und wohl verdient. Video hier: https://www.domradio.de/video/kardinal- ... leichnam-0

Für mich war's jedenfalls eine aufrüttelnde und wahrhaft jesuanische Predigt. Nicht das geschwurbelte Politgerede, nicht applausheischend, sondern schonungslos geradlinig und wahrlich katholisch. Dafür steckt der Kardinal gerade prompt den geballten Hass von ganz rechts ein...
Text übrigens hier: https://www.domradio.de/pdf/predigt-kar ... chene-wort
Der Kardinal hat nichts gesagt, was mir als Christ fremd wäre. Aber "geradlinig" würde ich es nicht nennen. "Wer Menschen im Mittelmeer ertrinken lässt, lässt Gott ertrinken" - natürlich. Aber wer lässt sie denn ertrinken? Da fängt es an, knifflig zu werden, denn die Bibel ist keine Anleitung zur emotionalen Erpressung. Zu einem "Amoklauf der Barmherzigkeit" kann niemand verpflichtet werden:
Nicht einmal bibeltreu ist die Aufforderung zur grenzenlosen Mildtätigkeit. „Das christliche Gebot der Nächstenliebe ist individuell“, erklärt Pastor Tscharntke. Jeder einzelne Mensch muss für sich selbst entscheiden, wie weit er ihm folgen möchte. Es kann nicht einfach verordnet werden und schon gar nicht, wenn darüber ein ganzes Land ruiniert wird.
Irgendwie so ähnlich müssen die Ablasspredigten von Tetzel gewesen sein. "Wenn's Geld im Klingelkasten klingt, der Flüchtling aus dem Bötchen springt!" Ja, Zarahfication und Edi, wo der Kardinal nur die Flüchtlingsproblematik nennt, da wird er unglaubwürdig - im doppelten und dreifachen Sinn. Auch das Blut der verfolgten Christen in unserem Land und von wo viele Flüchtlinge herkommen, schreit zum HERRN. Der Kardinal sollte sich also nicht über andere Schreie empören. Wo steckt er übrigens "den geballten Hass von ganz rechts" ein? Und was ist "ganz rechts"? Die Gegenseite, von welcher der "anschwellende Bocksgesang" herschallt?
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polyglotta
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Re: Die Kirche und die Flüchtlingsfrage

Beitrag von polyglotta » Donnerstag 26. Mai 2016, 23:12

Zarahfication hat geschrieben:Der Herr Bischof im Einklang mit den anderen Bischöfen, dem ZdK und der EKD verweigert den christlichen Flüchtlingen zum ihrem Schutz getrennte Unterbringung nur damit er seine bequemen Wunschvorstellungen von Multikulti egoistisch und auf Kosten der verfolgten Christen frönen kann. 
Damit kann jetzt aber nicht Kardinal Woelki gemeint sein, denn der hat ja schließlich auch eine Einrichtung (nur) für christliche Flüchtlinge an St. Pantaleon eröffnet, soweit ich sehe als einziger deutscher Bischof?
Vgl. https://www.domradio.de/themen/rainer-m ... nd-muslime

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Re: Die Kirche und die Flüchtlingsfrage

Beitrag von Siard » Freitag 27. Mai 2016, 10:50

polyglotta hat geschrieben:
Zarahfication hat geschrieben:Der Herr Bischof im Einklang mit den anderen Bischöfen, dem ZdK und der EKD verweigert den christlichen Flüchtlingen zum ihrem Schutz getrennte Unterbringung nur damit er seine bequemen Wunschvorstellungen von Multikulti egoistisch und auf Kosten der verfolgten Christen frönen kann. 
Damit kann jetzt aber nicht Kardinal Woelki gemeint sein, denn der hat ja schließlich auch eine Einrichtung (nur) für christliche Flüchtlinge an St. Pantaleon eröffnet, soweit ich sehe als einziger deutscher Bischof?
Vgl. https://www.domradio.de/themen/rainer-m ... nd-muslime
Doch, ich denke schon. Natürlich ist die Eröffnung dieser Einrichtung gut, aber er hat gegen den oben aufgezeigten Kurs nicht die Stimme erhoben.
Hat er die Einrichtung eigentlich initiiert, oder nur eröffnet?
Langsam komme ich an den Punkt jede Äußerung von DBK und Konsorten zu Religionsfreiheit dahin gehend zu verstehen, daß sie Freiheit von Religion meinen.

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Yeti
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Re: Die Kirche und die Flüchtlingsfrage

Beitrag von Yeti » Freitag 27. Mai 2016, 21:39

»Wer Menschen ertrinken lässt, lässt Gott ertrinken.« Kardinal Woelki vergisst die über Bord geworfenen Christen.
80 bis 100 Menschen hätten Woelki zufolge in diesem Boot »um ihr Leben gerudert«. Sie seien von Libyen aufgebrochen, um vor Krieg und Terror zu fliehen.
Das Erzbistum Köln hatte das Holzboot gekauft, das von der Maltesischen Armee vor einigen Jahren bei einem Rettungseinsatz beschlagnahmt wurde. Ursprünglich hatte das Erzbistum angekündigt, das Boot im Dom auszustellen. Es passe allerdings nicht durch die Tür, sagte ein Sprecher am Donnerstag.
Washington Post hat geschrieben:The symbolic gesture by one of Germany's most influential cardinals came the same day dozens of refugees were feared to have drowned while trying to reach European soil.
Spiegel hat geschrieben:"Tausende Tote" meldete Sea-Watch vor der libyschen Küste - dabei war die Zahl deutlich niedriger. Ein Sprecher der Hilfsorganisation erklärt, was in der Kommunikation schiefgelaufen ist.
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Re: Die Kirche und die Flüchtlingsfrage

Beitrag von DarPius » Freitag 27. Mai 2016, 23:44

Wer noch Worten Seiner Eminenz zuhört, dem ist nicht mehr zu helfen
In unseren Gesellschaften, die vom globalen Migrationsprozeß betroffen sind, ist es notwendig, das rechte Gleichgewicht zwischen der Achtung der eigenen Identität und der Anerkennung der Identität der anderen herzustellen. Denn es ist notwendig, die berechtigte Pluralität der in einem Land vertretenen Kulturen anzuerkennen, soweit sie mit dem Schutz der Ordnung vereinbar ist, von der sozialer Frieden und Freiheit der Bürger abhängen.
Heiliger JPII
so on.
Wie gut, dass ich das dumme Zeug einfach ignorieren kann.
Und nein, Gott kann nicht ertrinken!



Das ist einfach eine Frechheit, was der Clown mit der ihm anvertrauten Kirche macht. Weiß jemand, wann wir drei Heilige Flüchtlinge feiern?
'Et portae inferi non praevalebunt eam'

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Re: Die Kirche und die Flüchtlingsfrage

Beitrag von Yeti » Sonnabend 28. Mai 2016, 13:14

Die katholische Kirche soll endlich missionieren
Die Welt hat geschrieben:Man könnte meinen, diese Maxime müsste in einer Zeit, in der so viele muslimische Einwanderer nach Deutschland kommen, in der Kirche eine besondere Aktualität haben. Doch in der immer bizarrer werdenden Diskussion, wie viel Islam für Deutschland denn noch gerade eben verträglich sei, scheint ausgerechnet die größte religiöse Institution des Landes merkwürdig leise zu sein: die katholische Kirche. Die Bischöfe, die doch wirklich mal wieder ein bisschen Zulauf gebrauchen könnten, organisieren lieber Podiumsdiskussionen mit Muslimen und lassen die AfD rechts liegen, statt die Gunst der Stunde zu nutzen. Warum, so mögen sich manche besorgte Bürger fragen, zeigt die Kirche nicht mal klare Kante und profiliert sich als Identitätsstifterin, die ein neues Wir-Gefühl erzeugen könnte – gegen alle, die nicht dazugehören? Von der Idee mal abgesehen, in Flüchtlingsunterkünften zu missionieren – das überlassen die Bischöfe den evangelikalen Freikirchen. Ja, hat die Kirche denn gar keine Angst ums Abendland?
:daumen-rauf:
Die Welt hat geschrieben:Kölns Kardinal Rainer Maria Woelki ist an Fronleichnam zur Predigt in ein Flüchtlingsboot gestiegen und sagte: "Wer Menschen im Mittelmeer ertrinken lässt, lässt Gott ertrinken – jeden Tag, tausendfach." Die Kirche fürchtet nicht die Überfremdung durch Menschen von außen, sondern die Entfremdung der Menschen im Inneren.
:daumen-runter:
Jüdische Rundschau hat geschrieben:Ähnliche Gründe für den prozentualen Rückgang der christlichen Araber Israels und der Katholiken Kölns sind der Zuzug von Juden nach Israel und der Zuzug von Muslimen nach Köln. Kirchenaustritte sind in Israel selten, in Köln häufig. Die Gründe für die bedeutende absolute Zunahme der christlichen Araber Israels und der absoluten Abnahme der Katholiken Kölns liegt im Proliferationsverhalten. Araberinnen sind gebärfreudiger als Kölnerinnen! Hätten sich die katholischen Kölnerinnen genauso gebärfreudig gezeigt wie die christlichen Araberinnen Israels, so gäbe es heute in Köln 840.000 Katholiken! Wenn die Politik Israels verantwortlich ist für die Zunahme der arabischen Christen, dann trägt die Politik der Katholischen Kirche Kölns die Verantwortung für die Abnahme der Katholiken. Mögen sich die Katholikinnen Kölns ein Beispiel an ihren arabischen Glaubensschwestern in Israel nehmen! Mögen die arabischen Christen Israels die Worte des Kölner Kardinals vergessen!
:daumen-rauf:
Die Welt hat geschrieben:Katholikentage wie der in Leipzig helfen uns, diese christliche Leitkultur neu zu entdecken. Man nennt das auch: Mission.
Offenbar mit überschaubarem Erfolg. Vielleicht werden Themen angeboten, welche die Bevölkerung nicht interessieren oder bei denen die Bevölkerung vollkommen anderer Meinung ist als die offiziöse Kirchenhaltung? Soll es in der Kirche ja auch geben...
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ar26
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Re: Die Kirche und die Flüchtlingsfrage

Beitrag von ar26 » Sonnabend 28. Mai 2016, 17:22

Ja, der Missionsaufruf ist der entscheidende Punkt. Immerhin kommen die Muselmannen mit einer Gottesvorstellung hierher, auf die man aufsetzen könnte. Das unterscheidet sie von den vielen Einheimischen, die jede religiöse Antenne verloren haben und deswegen auch nicht auf den Katholikentag gehen. Diese ganze Politisiererei tut ihr übriges.
...bis nach allem Kampf und Streit wir dich schaun in Ewigkeit!

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Re: Die Kirche und die Flüchtlingsfrage

Beitrag von Caviteño » Montag 30. Mai 2016, 20:05

Asylindustrie in Kirchen-Hand
Wie gemeinnützig sind die kirchlichen Wohlfahrtsverbände wirklich? Von Ehrenamtlichkeit ist jedenfalls mehr Rede als Wirklichkeit. Es sind vielmehr gigantische Konzerne der sozialen Infrastruktur entstanden, deren Geschäftsinteresse dominiert.
(...)
Allein die kirchlichen Wohlfahrtsverbände Caritas (kath. Kirche) und Diakonie (ev. Kirche) erhalten geschätzte 45 Milliarden pro Jahr vom Staat. „Mit keiner Lobby ist die Politik so eng verbandelt wie mit den Wohlfahrtsunternehmen. Rund ein Drittel aller Bundestagsabgeordneten hat zugleich eine Leitungsfunktion bei Diakonie oder Caritas inne, auf kommunaler Ebene sind die Verbindungen noch frappierender, mancherorts betreiben Staat und Wohlfahrt sogar gemeinsame Tochtergesellschaften.“ schreibt das Handelsblatt hierzu.
(...)
Die Asylindustrie ist zu einem großen Teil in kirchlicher Hand. Freiwillige Helfer stören da nur und werden häufig abgewiesen – sie stören den Geschäftsablauf. Durch die enge Verstrickung von Staat und Kirche, die Versorgung der Kirchen aus dem Topf der Steuermittel, hat man mit der Asylkrise ein neues Standbein für sich entdeckt, wie man weitere Mittel abgreifen und zur Ausdehnung der eigenen Einfluss-Sphäre nutzen kann, wenn schon die spirituelle Leistung verblasst.
Natürlich löst das langfristig nicht das Problem einer zunehmenden Islamisierung und der Abkehr der Deutschen vom christlichen Glauben, dem die Kirchen gegenüberstehen. Auch wenn die vielen Ehrenamtlichen in der Krise temporär für neues Leben in den Gemeinden sorgen. Was zählt, ist jedoch der momentane Profit. Und der ist gigantisch. Da gibt man sich ganz opportunistisch. Und wenn das eben bedeutet, dass man Flüchtlingsboote zum Altar umfunktioniert, dann ist das so. Unter dem Deckmantel der Moral ließ sich schon immer ziemlich störungsfrei Geld und Macht anhäufen. Um die Folgen der Masseneinwanderung können sich ja dann auch die nachfolgenden Generationen kümmern.

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Re: Die Kirche und die Flüchtlingsfrage

Beitrag von jackson » Montag 30. Mai 2016, 20:47

Die Ausführungen, vor allem zum Ende, sind aber nicht unbedingt fair.

Es hat sicherlich weder die Caritas, noch eine andere caritative Organisation daran Schuld, dass es zu dieser Massenflucht des letzten Jahres kam. Wenn man sich dann anschaut wie diese Menschen in anderen Ländern gehaust haben (Frankreich und Griechenland beispielsweise), dann bin zumindest ich froh, dass es hier in Deutschland (halbwegs) funktioniert hat, ohne großartig auf improvisierte Slums und Zeltstädte zurückgreifen zu müssen.

Auch kann ich nicht feststellen, dass ehrenamtliche Helfer abgewiesen werden und stören (beispielsweise in Alten- und Pflegeheimen), eher das Gegenteil.

An der ganzen real existierenden Caritas und ähnlichem kann man sicherlich viel kritisieren aus christlicher/katholischer Sicht, ebenso an der blödsinnigen "Willkommenkultur". Aber ob der auf der AFD-Gehaltsliste stehende Tichy da jetzt ein brauchbarer Gewährsmann ist?

Das diese, von wenig subtiler unterschwelligkeit getragene Bösartigkeit der Diffamierung von kirchlichen Einrichtungen als "Asylindustrie" völliger Blödsinn ist sollte man alleine schon daran merken, dass es zig Jahre überhaupt keine nennenswerte "Asylproblematik" in diesem Land gab und der Laden dennoch lief.

Das Menschen- und Gesellschaftsbild der AFD und Ihrer Vordenker ist mir ebenso zuwider wie das der Grünen. Unabhängig gewisser punktueller Zustimmungen, die fände ich sogar bei der PDS.

Tichy macht halt seit geraumer Zeit einen auf Spin-Doktor, ich fände es Schade, wenn man das einfach unhinterfragt stehen lassen würde. Nur weil man sich bei den herkömmlichen Parteien nicht mehr vertreten fühlt (zurecht vermutlich), muss man ja nicht gleich der erst besten "Alternative" hinterherlaufen, die nur laut genug schreit.

Aber da darf natürlich jeder eine andere Meinung haben. ;)

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Raphael
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Re: Die Kirche und die Flüchtlingsfrage

Beitrag von Raphael » Montag 30. Mai 2016, 21:35

jackson hat geschrieben:Aber ob der auf der AFD-Gehaltsliste stehende Tichy da jetzt ein brauchbarer Gewährsmann ist?
Steht er denn da wirklich d'rauf? :detektiv:
Die Welt kann man nur verstehen, wenn man vor dem Kreuz von Golgatha kniet!

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