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Moralische Bewertung der "Pille danach"
Verfasst: Mittwoch 23. Januar 2013, 18:04
von Christian
Abgetrennt aus den "Nachrichten zum Lebensschutz" -HeGe
Juergen hat geschrieben:Hier ein SPON-Artikel:
http://www.spiegel.de/panorama/katholis ... 7986.html
Mir scheint, die früher – aber auch da schon fälschlich – als "furchtlos" angesehenen Priester und Bischöfe, sind jene die heute eben furchtsam sind.
Das "furchtlos" muß man allerdings differenziert betrachten:
Die Hirten sind nicht furchtlos sondern kopflos. Das Problem ist schon wieder das eine Kampagne gegen die Kirche gefahren wird und keiner kann dieser Kampagne entsprechend begegnen. Irgendwie findet keine koordinierte Öffentlichkeitsarbeit seitens der Kirche statt.
Ein Beispiel : das ganze Wochenende diskutierte ich im Bekanntenkreis über die Vorgänge in Köln und versuchte einiges klar zu stellen. Heute hatte anscheinend Radio Münster nichts besseres zu tun als über die Vorgänge in Köln wieder zu berichten und das die Piraten diese Vorgänge ins Parlament NRW vorbringen wollen. Prompt bekam ich einige Anrufe meiner Diskutanten vom Wochenende, einige Sätze waren :
Anrufer : Ihr wolltet die Frau nicht behandeln.... (wieder bei Punkt 1 vom Wochenende angelangt, wobei ich hoffte diesen ausgeräumt zu haben)
Ich : Hatten wir doch am Wochenende. Es war ein Mißverständnis lies dir doch die Stellungnahme im Internet durch.
Anrufer : Euer Chef mußte sich entschuldigen, weil er eingesehen hat das es falsch war.
Ich : Ja, weil es ein Mißverständnis war und dieses wird nicht mehr passieren, weil Anweisungen konkretisiert wurden.
Anrufer : Also behandelt ihr jetzt auch Frauen ?
Ich : Frauen wurden immer in kath. Krankenhäuser behandelt auch wurden immer vergewaltigte Frauen dort behandelt. Es ging um ein Mißverständnis das habe ich doch breit und weit am Wochenende erklärt.
Anrufer : Im Radio wird gesagt das es jetzt Pflicht wird das jede Frau die Pille danach auch bei kath. Krankenhäuser gibt (Piraten und Grüne wollen das)
Ich : nicht in katholischen Krankehäusern , denn das ist Abtreibung ( dieser Satz war eindeutig mein Fehler)
Anrufer: Du hast keine Ahnung das ist keine Abtreibung jeder kann sich das kaufen und warum soll die Kirche entscheiden wer Kinder kriegt.
Ich : Wir können nicht an unsere Grundsätze brechen und Abtreibung aktiv befürworten dazu haben wir nicht das Recht.
Das Gespräch ging noch eine Weile weiter hinzu kamen Themen wie verbrannte Hexen, Nonnen die Kinder kriegen und der andere übliche Müll ......
Will hiermit sagen das unsere Botschaften beim gemeinen RTL2 bis ARD Zuschauer nicht ankommen und diese sich durch bewußte Effekthascherei der Medien steuern lassen.
Re: Nachrichten zum Thema Lebensschutz
Verfasst: Mittwoch 23. Januar 2013, 18:11
von Juergen
Christian hat geschrieben:Ich : nicht in katholischen Krankehäusern , denn das ist Abtreibung ( dieser Satz war eindeutig mein Fehler)
Das war kein Fehler sondern nur etwas ungenau
http://www.domradio.de/themen/ethik-und ... g-bedeutet
…
Schallenberg: Bei der Pille danach muss man unterscheiden zwischen der strikten Pille danach und der strikten Abtreibungspille. Es geht immer um die Wirkungsweise. Wenn die Abtreibungspille gemeint ist, handelt es sich um die Verhinderung der Einnistung einer befruchteten Eizelle in der Gebärmutter. Das ist nach Auffassung der katholischen Kirche eine Frühabtreibung - und damit die Tötung eines Embryos. Das kann niemals erlaubt sein, auch nicht durch schwere Notfälle. Wenn es sich im engeren Sinne um die Pille danach handelt, handelt es sich um die Behinderung der Ovulation, also vor der befruchteten Eizelle wird verhindert, dass die Befruchtung stattfindet. Und das bewirkt im engeren Sinne keine Abtreibung, sondern fällt darunter, dass - nach katholischer Auffassung durch die Enzyklika Humane Vitae - die Pille verboten ist. Das bezieht sich aber auf Katholiken und nicht auf die medizinische Versorgung in einem Krankenhaus. Da muss man genau differenzieren. Und man müsste jetzt fragen: Was verstanden die Ärzte in Köln unter der Pille danach? Es geht um den medizinischen Wirkstoff.
…
Re: Nachrichten zum Thema Lebensschutz
Verfasst: Mittwoch 23. Januar 2013, 18:22
von Melody
Juergen hat geschrieben:http://www.domradio.de/themen/ethik-und ... g-bedeutet
…
Schallenberg: Bei der Pille danach muss man unterscheiden zwischen der strikten Pille danach und der strikten Abtreibungspille. Es geht immer um die Wirkungsweise.
Wenn die Abtreibungspille gemeint ist, handelt es sich um die Verhinderung der Einnistung einer befruchteten Eizelle in der Gebärmutter. Das ist nach Auffassung der katholischen Kirche eine Frühabtreibung - und damit die Tötung eines Embryos. Das kann niemals erlaubt sein, auch nicht durch schwere Notfälle. Wenn es sich im engeren Sinne um die Pille danach handelt, handelt es sich um die Behinderung der Ovulation, also vor der befruchteten Eizelle wird verhindert, dass die Befruchtung stattfindet. (...)
…
Die sog.
"Abtreibungspille" ist die RU-486/Mifegyne, das ist echte Abtreibung, da besteht bereits eine Schwangerschaft.
Man sollte diesen Begriff nun wirklich bei der "Pille danach" vermeiden, es vergrößert die Missverständnisse.
Die sog.
"Pille danach" ist im Prinzip ähnlich einer normalen Pille und soll in erster Linie eine Befruchtung verhindern, hat aber wie die normale Pille ebenso eine Nidationshemmung, KANN also je nachdem, ob eine Befruchtung bereits stattgefunden hat oder nicht, frühabtreibend wirken. Das ist aber wohl für den konkreten Fall nicht feststellbar.
Re: Nachrichten zum Thema Lebensschutz
Verfasst: Mittwoch 23. Januar 2013, 20:33
von Pelikan
Juergen hat geschrieben:Schallenberg hat geschrieben:[...] sondern fällt darunter, dass - nach katholischer Auffassung durch die Enzyklika Humane Vitae - die Pille verboten ist. Das bezieht sich aber auf Katholiken und nicht auf die medizinische Versorgung in einem Krankenhaus.
Nach katholischer Lehre ist es für Katholiken untersagt. Das ist eine Norm des Sexualrechtes, die für Katholiken gilt und nicht im Raum der Bioethik für die Versorgung von Kranken in katholischen Krankenhäusern.
Das ist nicht besonders glücklich formuliert, denn als Teil des Sittengesetzes gilt das Verhütungsverbot natürlich genau so für alle Menschen wie das Abtreibungsverbot, auch wenn es nicht kirchenrechtlich sanktioniert ist.
Re: Nachrichten zum Thema Lebensschutz
Verfasst: Mittwoch 23. Januar 2013, 20:38
von Hubertus
Pelikan hat geschrieben:Juergen hat geschrieben:Schallenberg hat geschrieben:[...] sondern fällt darunter, dass - nach katholischer Auffassung durch die Enzyklika Humane Vitae - die Pille verboten ist. Das bezieht sich aber auf Katholiken und nicht auf die medizinische Versorgung in einem Krankenhaus.
Nach katholischer Lehre ist es für Katholiken untersagt. Das ist eine Norm des Sexualrechtes, die für Katholiken gilt und nicht im Raum der Bioethik für die Versorgung von Kranken in katholischen Krankenhäusern.
Das ist nicht besonders glücklich formuliert, denn als Teil des Sittengesetzes gilt das Verhütungsverbot natürlich genau so für alle Menschen wie das Abtreibungsverbot, auch wenn es nicht kirchenrechtlich sanktioniert ist.
Allerdings. "Nicht besonders glücklich formuliert" ist sehr vorsichtig ausgedrückt.

Re: Nachrichten zum Thema Lebensschutz
Verfasst: Mittwoch 23. Januar 2013, 23:11
von Fragesteller
Wenn die "Pille danach" keine abtreibende (Neben)wirkung hätte, dürfte ihre Verschreibung im Vergewaltigungsfall aber auch in katholischen Krankenhäusern kein Problem sein. Vergewaltigungsopfern rein verhütende Maßnahmen zu untersagen, wäre ja absurd.
Re: Nachrichten zum Thema Lebensschutz
Verfasst: Mittwoch 23. Januar 2013, 23:46
von Melody
Fragesteller hat geschrieben:Wenn die "Pille danach" keine abtreibende (Neben)wirkung hätte, dürfte ihre Verschreibung im Vergewaltigungsfall aber auch in katholischen Krankenhäusern kein Problem sein. Vergewaltigungsopfern rein verhütende Maßnahmen zu untersagen, wäre ja absurd.
Die "Pille danach" hat wie jede andere Pille auch eine Nidationshemmung und damit quasi eine "frühabtreibende" Wirkung, wenn es denn schon zur Befruchtung gekommen wäre, was man ja nicht weiß. Das kann man doch nicht feststellen, ob eine Befruchtung stattgefunden hat oder nicht.
Aber selbst wenn sie diese Wirkung nicht hätte, ginge es für ein katholisches Krankenhaus auch dann nicht, weil sich, so denke ich, katholische Krankenhäuser an die komplette katholische Lehre halten sollten.
So grausam es sich für Nichtgläubige anhören mag, aber es obliegt doch Gott, ob aus so einer Gewalttat ein Kind entsteht - es zur Befruchtung und Schwangerschaft kommt - oder nicht. Sein Wille geschehe. Klar hat man hier von der Couch aus gut reden, das ist mir klar, aber so ist die katholische Lehre nun mal.

Re: Nachrichten zum Thema Lebensschutz
Verfasst: Donnerstag 24. Januar 2013, 13:50
von HeGe
Medizinethiker: «Pille danach» vereinbar mit katholischer Morallehre
Das halte ich für Unsinn. Die abtreibende Wirkung kann nicht allein maßgebliches Argument sein. Die "Pille davor" ist schließlich auch nicht vereinbar mit der katholischen Morallehre.
Re: Nachrichten zum Thema Lebensschutz
Verfasst: Donnerstag 24. Januar 2013, 13:54
von Raphael
Das sind Einlassungen, die den Weg in die moralische Beliebigkeit ebnen sollen!

Re: Nachrichten zum Thema Lebensschutz
Verfasst: Donnerstag 24. Januar 2013, 14:22
von Hubertus
Ich denke, er spricht hier nur von der konkreten Situation der Vergewaltigung.
Sonst wäre das tatsächlich unzutreffend. Einen Satz finde ich bemerkenswert:
http://www.gloria.tv/?media=389448 hat geschrieben: Der Begriff «Pille danach» fasse verschiedene Präparate mit ganz unterschiedlicher Wirkung zusammen, betonte der Chefarzt am katholischen Ketteler-Krankenhaus in Offenbach in der «Zeit»-Beilage «Christ & Welt» (Donnerstag).
So gebe es Pillen, die eine Empfängnis verhinderten, aber nicht abtreibend wirkten, erläuterte Sahm.
(im Orig. teilw. hervorgehoben).
Echt? Gibt es
reine "Verhütungspillen 'danach'"? Bei der normalen "Pille" ist es ja schon so, daß sie auch nidationshemmend wirken
kann (mehrfach hier schon verlinkt worden).
Re: Nachrichten zum Thema Lebensschutz
Verfasst: Donnerstag 24. Januar 2013, 14:40
von Pilgerer
Hubertus hat geschrieben:
Ich denke, er spricht hier nur von der konkreten Situation der Vergewaltigung.
Sonst wäre das tatsächlich unzutreffend.
Die Situation der Vergewaltigung ist für die Frau tatsächlich mit großer Verzweiflung, Erniedrigung etc. verbunden, in der es aus meiner Sicht nachvollziehbar ist, wenn sie eine Schwangerschaft verhindern will. Wäre eine Beichte machbar, falls die Frau in dieser Situation falsch entscheidet?
Re: Nachrichten zum Thema Lebensschutz
Verfasst: Donnerstag 24. Januar 2013, 14:43
von HeGe
Eine Beichte ist immer "machbar", setzt aber freilich ehrlich gemeinte Reue voraus.
Re: Nachrichten zum Thema Lebensschutz
Verfasst: Donnerstag 24. Januar 2013, 14:49
von cantus planus
Pilgerer hat geschrieben:Wäre eine Beichte machbar, falls die Frau in dieser Situation falsch entscheidet?
Brauchen die Gesunden den Arzt, oder die Kranken?
Re: Nachrichten zum Thema Lebensschutz
Verfasst: Donnerstag 24. Januar 2013, 15:33
von Melody
Hubertus hat geschrieben:
Echt? Gibt es
reine "Verhütungspillen 'danach'"? Bei der normalen "Pille" ist es ja schon so, daß sie auch nidationshemmend wirken
kann (mehrfach hier schon verlinkt worden).
Davon habe ich noch nie gehört. Das ist nichts, was sich im Internet finden ließe.
Aus dem Artikel:
In den USA hätten die katholischen Bischöfe bereits die entsprechenden Konsequenzen gezogen und die «Pille danach», die keine Abtreibung bewirkt, zugelassen.
Moment mal.
Kann denn eine Bischofskonferenz sowas für ihren Bereich regeln???
Und angenommen es gäbe tatsächlich eine Pille ohne Nidationshemmung (was mir unbekannt wäre), wäre das denn in Gottes Sinn?!
Wir reden sicherlich immer noch von dem speziellen konkreten Fall der Vergewaltigung, aber wenn ich davon ausgehe, dass Gott es ist, der der Herr über unser aller Leben ist und in dessen Hand unser Schicksal liegt, ließe es sich dann tatsächlich plötzlich im Vergewaltigungsfall mit kirchlicher Lehre vereinbaren, eine Befruchtung zu verhindern?!
Natürlich nimmt man auch sonst Medikamente, wenn man krank ist oder so.
Aber ich denke, wenn man hier ein Schlupfloch für Verhütungsmittel baut, dann wird das ein Bumerang für alle möglichen anderen Gründe...

Re: Nachrichten zum Thema Lebensschutz
Verfasst: Donnerstag 24. Januar 2013, 17:58
von Kirchenjahr
Zuächst ist zu klären, ob es "Pillen" ohne wesentlichen nidationshemmenden Effekt überhaupt gibt. Denn die nidationshemmende "Pille" ist nach röm-kath. Sichtweise verboten, weil eine frühe Abtreibung vorliegt. Eine Abtreibung wird unter keinen Umständen akzeptiert.
Was die "Pille" zur Empfängnisverhütung betrifft, gibt es kirchlicherseits mit Humanae Vitae ausschließlich eine Beurteilung für Eheleute. Das folgt daraus, dass eine geschlechtliche Vereinigung ausschließlich zwischen Eheleuten vorgesehen ist. Die geschlechtliche Vereinigung in der Ehe nach röm-kath. Lehre untrennbar mit der Fortpflanzung verbunden.
Im Falle einer außerehelichen Vergewaltigung liegt ein illegitimer Akt vor. Der Vergewaltiger ist nicht geschützt; als Störer darf er sogar in Notwehr getötet werden. Genausowenig geschützt sind von diesem Störer irgendwelche Samenzellen. Geschützt kann allenfalls eine vorhandene illegitime Leibesfruch sein. Eine Verhinderung der Befruchtung könnte also durchaus rechtmäßiges Interesse der Frau sein.
Die Frage nach der Erlaubtheit der Pille außerhalb der Ehe (mit Ausnahme im Fall einer Vergewaltigung) stellt sich der Kirche überhaupt nicht, da die Kirche bei außerehelichen Beziehungen keine Tipps geben kann. Man denke an die in den Medien geführte Kampagne, dass der Papst Kondome für Homosexuelle zugelassen habe oder zumindest daran denke.
Re: Nachrichten zum Thema Lebensschutz
Verfasst: Freitag 25. Januar 2013, 13:54
von HeGe
Re: Nachrichten zum Thema Lebensschutz
Verfasst: Freitag 25. Januar 2013, 22:36
von Maurus
Re: Nachrichten zum Thema Lebensschutz
Verfasst: Samstag 26. Januar 2013, 01:46
von Peregrin
Ich vermute stark, daß das sowieso ganz anders war. Wahrscheinlich hat man die Frau nicht "abgewiesen", sondern ihr bedeutet, daß sie woanders hingehen soll, damit sie problemlos die Abtreibungspille kriegt.
Re: Nachrichten zum Thema Lebensschutz
Verfasst: Samstag 26. Januar 2013, 11:19
von Protasius
Peregrin hat geschrieben:
Ich vermute stark, daß das sowieso ganz anders war. Wahrscheinlich hat man die Frau nicht "abgewiesen", sondern ihr bedeutet, daß sie woanders hingehen soll, damit sie problemlos die Abtreibungspille kriegt.
Die behandelnde Ärztin (die sie an die katholische Klinik überweisen wollte) hat in einem Fernsehinterview gesagt, daß die Dame von ihr problemlos ein Rezept für die "Pille danach" bekommen hätte und sie das auch so der Klinik am Telephon gesagt habe.
Andererseits: Hatte nicht irgendwer hier gesagt, daß die Anonyme Spurensicherung von diesen Kliniken gar nicht mehr durchgeführt wurde, weil sie mangels "Pille danach" aus dem System geschmissen wurden? Es wäre nicht das erste Mal, daß jemand nicht richtig zuhört.
Re: Nachrichten zum Thema Lebensschutz
Verfasst: Samstag 26. Januar 2013, 11:25
von civilisation
Ein katholischer Moraltheologe spricht.
=>
http://gloria.tv/?media=39572
daraus:
Die grundsätzliche Ablehnung des Schwangerschaftsabbruchs und auch der Pille danach in der frühabortiven Form ist unter den Katholiken aus meiner Sicht weithin Konsens. Hier sollte es keine Neuausrichtung geben. Im Grenzfall der Vergewaltigung sehe ich aber die Möglichkeit einer berechtigten Ausnahme, weil die Frau eine Art Notwehrrecht hat, die ihr durch Gewalt aufgezwungene Schwangerschaft zu beenden.
Wenn die Frau etwa erklärt, dass sie das Kind immer an das Trauma der Vergewaltigung erinnern würde, dann wird man ihre Entscheidung akzeptieren müssen. Sie handelt dann aus ihrer Notsituation heraus entschuldigt. Die Schuld am Abbruch fällt hier auf den Vergewaltiger zurück, der dann zwei Leben auf seinem Gewissen hat.

Re: Nachrichten zum Thema Lebensschutz
Verfasst: Samstag 26. Januar 2013, 11:27
von cantus planus
Durchaus verständlich, diese Meinung. Ich hätte das bis vor gar nicht allzu langer Zeit auch noch so gesehen. Der gute Mann hat es eben noch nicht ganz begriffen und in aller Konsequenz bis zu Ende gedacht.
Re: Nachrichten zum Thema Lebensschutz
Verfasst: Samstag 26. Januar 2013, 13:22
von Maurus
civilisation hat geschrieben:Ein katholischer Moraltheologe spricht.
=>
http://gloria.tv/?media=39572
daraus:
Die grundsätzliche Ablehnung des Schwangerschaftsabbruchs und auch der Pille danach in der frühabortiven Form ist unter den Katholiken aus meiner Sicht weithin Konsens. Hier sollte es keine Neuausrichtung geben. Im Grenzfall der Vergewaltigung sehe ich aber die Möglichkeit einer berechtigten Ausnahme, weil die Frau eine Art Notwehrrecht hat, die ihr durch Gewalt aufgezwungene Schwangerschaft zu beenden.
Wenn die Frau etwa erklärt, dass sie das Kind immer an das Trauma der Vergewaltigung erinnern würde, dann wird man ihre Entscheidung akzeptieren müssen. Sie handelt dann aus ihrer Notsituation heraus entschuldigt. Die Schuld am Abbruch fällt hier auf den Vergewaltiger zurück, der dann zwei Leben auf seinem Gewissen hat.

Ich frage mich ja, wie ein kath. Moraltheologe das Erlöschen dieses "Notwehrrechts" nach der Geburt des Kindes schlüssig begründen will. Die Möglichkeit, ihm einen anderen ontologischen Status zuzuweisen hat er ja nicht.
Re: Nachrichten zum Thema Lebensschutz
Verfasst: Samstag 26. Januar 2013, 13:33
von Lilaimmerdieselbe
Das erscheint mir in diesem Zusammenhang noch als das einfachste, ein geborenes Kind kann zumindest hierzulande sicher Adoptiveltern finden und gefährdet dann seine leibliche Mutter in keinster Weise mehr.
Re: Nachrichten zum Thema Lebensschutz
Verfasst: Samstag 26. Januar 2013, 15:19
von Peregrin
Protasius hat geschrieben:Peregrin hat geschrieben:
Ich vermute stark, daß das sowieso ganz anders war. Wahrscheinlich hat man die Frau nicht "abgewiesen", sondern ihr bedeutet, daß sie woanders hingehen soll, damit sie problemlos die Abtreibungspille kriegt.
Die behandelnde Ärztin (die sie an die katholische Klinik überweisen wollte) hat in einem Fernsehinterview gesagt, daß die Dame von ihr problemlos ein Rezept für die "Pille danach" bekommen hätte und sie das auch so der Klinik am Telephon gesagt habe.
Die Motivation dieser Dame sollte man vielleicht auch ein bißchen genauer unter die Lupe nehmen. Der Schritt von der Schwierigkeit, einen Krankenhaustermin zu vereinbaren, hin zum Anschütten der Kirche in Pressemeldungen und Interviews ist ja nicht so ganz zwingend.
Re: Nachrichten zum Thema Lebensschutz
Verfasst: Samstag 26. Januar 2013, 18:30
von Pilgerer
civilisation hat geschrieben:Ein katholischer Moraltheologe spricht.
=>
http://gloria.tv/?media=39572
daraus:
Die grundsätzliche Ablehnung des Schwangerschaftsabbruchs und auch der Pille danach in der frühabortiven Form ist unter den Katholiken aus meiner Sicht weithin Konsens. Hier sollte es keine Neuausrichtung geben. Im Grenzfall der Vergewaltigung sehe ich aber die Möglichkeit einer berechtigten Ausnahme, weil die Frau eine Art Notwehrrecht hat, die ihr durch Gewalt aufgezwungene Schwangerschaft zu beenden.
Wenn die Frau etwa erklärt, dass sie das Kind immer an das Trauma der Vergewaltigung erinnern würde, dann wird man ihre Entscheidung akzeptieren müssen. Sie handelt dann aus ihrer Notsituation heraus entschuldigt. Die Schuld am Abbruch fällt hier auf den Vergewaltiger zurück, der dann zwei Leben auf seinem Gewissen hat.

Das Grundproblem ist die seelische Verletzung im Zusammenhang mit der Vergewaltigung. Seelische Verletzungen führen immer zu einer verschärften "Knechtschaft der Sünde", d.h. die Kausalkette hin zur erneuten Sünde wird stärker als der freie Wille. Ohne die seelische Verletzung würde die Frau nicht negativ auf das Kind schauen, sondern sich über das neue Leben freuen. Darum hängt das "vergib uns" mit dem "wie auch wir vergeben unseren Schuldigern" eng zusammen.
Etwas anderes ist es im Fall der Ärzte und Krankenpfleger: sie sind ohne jene seelische Verletzung der Vergewaltigung und können daher ethisch freier handeln, außer wenn sie der Propaganda des lammartigen Tieres (Offenbarung 13,11 ff.) auf den Leim gehen.
Re: Nachrichten zum Thema Lebensschutz
Verfasst: Dienstag 29. Januar 2013, 22:49
von Hubertus
Hubertus hat geschrieben:
Ich denke, er spricht hier nur von der konkreten Situation der Vergewaltigung.
Sonst wäre das tatsächlich unzutreffend. Einen Satz finde ich bemerkenswert:
http://www.gloria.tv/?media=389448 hat geschrieben: Der Begriff «Pille danach» fasse verschiedene Präparate mit ganz unterschiedlicher Wirkung zusammen, betonte der Chefarzt am katholischen Ketteler-Krankenhaus in Offenbach in der «Zeit»-Beilage «Christ & Welt» (Donnerstag).
So gebe es Pillen, die eine Empfängnis verhinderten, aber nicht abtreibend wirkten, erläuterte Sahm.
(im Orig. teilw. hervorgehoben).
Echt? Gibt es
reine "Verhütungspillen 'danach'"? Bei der normalen "Pille" ist es ja schon so, daß sie auch nidationshemmend wirken
kann (mehrfach hier schon verlinkt worden).
Hierzu eine Meldung des Deutschlandfunks:
"
Die 'Pille danach' und die katholische Moral"
Re: Nachrichten zum Thema Lebensschutz
Verfasst: Dienstag 29. Januar 2013, 23:57
von HeGe
Der Deutschlandfunk ist mir schon öfter negativ aufgefallen. Bei der mittlerweile bekannten Faktenlage immer noch die Behauptung zu verbreiten, die Frau sei abgewiesen worden, ist dreist und bösartig. Aber man ist es ja leider mittlerweile gewohnt.
Re: Nachrichten zum Thema Lebensschutz
Verfasst: Donnerstag 31. Januar 2013, 13:37
von Melody
Wenn ich das richtig lese, sagen sowohl der Leiter der Gynäkologie an der Uniklinik in Köln, Professor Peter Mallmann, als auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, dass eine nidationshemmende Wirkung nicht definitiv ausgeschlossen werden könne.
Oder verstehe ich das falsch?!
Kardinal Meisner scheint nun denjenigen zu glauben, die sagen, es gebe Medikamente, die keine nidationshemmende Wirkung haben:
http://opencms.erzbistum-koeln.de/modul ... _1318.html
Wenn nach einer Vergewaltigung ein Präparat, dessen Wirkprinzip die Verhinderung einer Zeugung ist, mit der Absicht eingesetzt wird, die Befruchtung zu verhindern, dann ist dies aus meiner Sicht vertretbar.
Gibt es denn derartige Präparate nun mit ABSOLUTER SICHERHEIT überhaupt oder nicht?!

Re: Nachrichten zum Thema Lebensschutz
Verfasst: Donnerstag 31. Januar 2013, 13:39
von Raphael
Ich bin mir noch nicht ganz sicher, was ich von der Meldung halten soll, aber sie sollte Euch nicht vorenthalten werden:
dpa hat geschrieben:Kölner Erzbischof erlaubt bestimmte «Pille danach» für
Vergewaltigte
.......
«Wenn nach einer Vergewaltigung ein Präparat, dessen
Wirkprinzip die Verhinderung einer Zeugung ist, mit der Absicht
eingesetzt wird, die Befruchtung zu verhindern, dann ist dies aus
meiner Sicht vertretbar», sagte Meisner am Donnerstag in Köln. Der
Einsatz von «Pillen danach», die die Einnistung bereits befruchteter
Eizellen verhindern sollen, sei hingegen nicht hinnehmbar.
[...]
Der Kölner Erzbischof sagte, er habe seine Ansicht zu dem
Medikament nach einer Beratung mit Fachleuten geändert. Ihm sei
deutlich geworden, dass unter dem Namen «Pille danach» verschiedene
Präparate mit unterschiedlichen Wirkungen zusammengefasst werden.
Meisner betonte, die Ärzte in katholischen Einrichtungen seien
aufgefordert, ihr Handeln auf diese Prinzipien auszurichten.
«Darüber hinaus ist nichts dagegen einzuwenden, dass sie in diesem
Fall auch über Methoden, die nach katholischer Auffassung nicht
vertretbar sind, und über Zugänglichkeit aufklären», sagte der
Kardinal.
.....

Re: Nachrichten zum Thema Lebensschutz
Verfasst: Donnerstag 31. Januar 2013, 13:47
von Benedikt
Gibt es denn derartige Präparate nun mit ABSOLUTER SICHERHEIT überhaupt oder nicht?!
Moderne Notfallpillen verwenden denselben Wirkstoff wie die gewöhnliche Pille, jedoch in höherer Dosis. Ob dieser Wirkstoff auch nidationshemmend wirkt, ist umstritten. Früher stand in den Handbüchern, dass er so wirkt, heutzutage wird es eher negiert. Absolute Sicherheit gibt es in der Medizin aber sowieso nicht.
Re: Nachrichten zum Thema Lebensschutz
Verfasst: Donnerstag 31. Januar 2013, 16:32
von Melody
Ich frage mich, wer den Herrn Kardinal da beraten hat. Im übrigen halte ich es für wenig hilfreich, wenn man derlei Aussagen quasi unter dem Druck der Medien trifft. Solche Dinge müssen sorgfältig von allen Seiten durchdacht werden.
Ich weiß wirklich nicht, was ich von dieser Aussage halten soll.

Re: Nachrichten zum Thema Lebensschutz
Verfasst: Donnerstag 31. Januar 2013, 18:15
von Melody
Der Spiegel hat das Thema auch schon aufgegriffen:
http://www.spiegel.de/panorama/gesellsc ... 8814.html
Allerdings kann nicht hundertprozentig ausgeschlossen werden, dass die "Pillen danach" wie auch die Antibabypille die Gebärmutterschleimhaut beeinflussen und die Einnistung einer Eizelle dadurch erschweren.
Solange dies nicht hundertprozentig ausgeschlossen werden kann, kann die katholische Kirche ihre Haltung doch - eigentlich? - nicht ändern. Oder doch?!
