Schuld

Allgemein Katholisches.
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LumenChristi
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Schuld

Beitrag von LumenChristi »

Ich wüsste gerne, wie unsere Kirche den Begriff Schuld versteht.
Setzt Schuld, oder sich schuldig machen, nicht den freien menschlichen Willen voraus? Oder anders, ist ein Mensch, der unter einer schweren psychiatrischen Erkrankung leidet und vielleicht deshalb andere Menschen getötet hat, moralisch schuldig geworden? Wird dieser Mensch nach seinem Tod der ewigen Verderbnis anheim fallen?

(Ich habe seit kurzem Briefkontakt zu jemandem, der in den USA im Gefängnis sitzt und hätte gerne etwas Boden unter den Füssen, wenn diese Themen zur Sprache kommen sollten). Danke für Meinungen und für Wissen.
Vielmehr habe ich Euch Freunde genannt...
Joh 15, 15

...denn Dir habe ich meine Sache anvertraut.
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Stefan

Re: Schuld

Beitrag von Stefan »

"Wenn wir behaupten, wir hätten keine Sünde, dann täuschen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns" (1 Joh 1,8)
"Das Blut Jesu, seines Sohnes, reinigt uns von aller Sünde ... Wenn wir unsere Sünden bekennen, dann ist er treu und gerecht, so daß er uns die Sünden erläßt u. uns von jeglicher Ungerechtigkeit reinigt. Wenn wir behaupten, wir hätten nicht gesündigt, dann machen wir ihn zum Lügner, und sein Wort ist nicht in uns" (1 Joh 1,7.9 f; vgl. Joh 3,19; 16,8)"

Vielleicht lenkst Du die Gedanken des Genfängnisinsassen auf den die Zusage Christi, die Sünden zu vergeben. Das ist, glaube ich besser als nach Gründen zu suchen, warum man keine Schuld habe....

civilisation
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Re: Schuld

Beitrag von civilisation »

"Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern."

-> http://www.vatican.va/archive/DEU35/_PAG.HTM

(Katechismus der Katholischen Kirche, 2838 ff.)

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LumenChristi
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Re: Schuld

Beitrag von LumenChristi »

Danke.
Hm, kann vielleicht doch noch jemand etwas zur Schuldfähigkeit sagen? Es soll kein Ausweichen sein, die Frage stellt sich hier wirklich.
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Sperling
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Re: Schuld

Beitrag von Sperling »

Also, mir hat einmal ein Psychiater gesagt, ein Pädophiler sei zwar krank, aber er erkennt trotzdem, dass es falsch ist, was er tut...

Falls dir dieses Beispiel weiterhilft...

Wobei schwere Psychosen etwas anders sind, denn in einem psychotischen Anfall weiß der Kranke nicht, was er tut, er lebt und handelt in einer anderen Welt...Ich habe solche Anfälle bei mir bekannten Menschen miterlebt und weiß, wie das aussieht, es ist schlimm...und ich habe sie auch erlebt, wie sie vor und nach dem Anfall waren...

Stefan

Re: Schuld

Beitrag von Stefan »

Es ist nicht die Auffassung der Psychologen, die eigene Schuld sei möglichst kleinzureden.
Es ist vielmehr notwendig, sie eigene Schuld einzugestehen, sie anzunehmen und mit ihr umgehen zu lernen.
Der christliche Glaube hilft dabei (könnte aber auch schaden, wenn das Augenmerk nicht auf der Erlösung liegt).

Die Schuld kleinzureden (Schuldunfähigkeit, etc.) ist eher eine Aufgabe bei den Juristen, um bei der Bestrafung von
Straftätern angemessen umzugehen. Das ist aber eine völlig andere Fragestellung.

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LumenChristi
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Re: Schuld

Beitrag von LumenChristi »

Sperling hat geschrieben:Wobei schwere Psychosen etwas anders sind, denn in einem psychotischen Anfall weiß der Kranke nicht, was er tut, er lebt und handelt in einer anderen Welt..
Ja, so etwas meine ich. Aber vielleicht gibt es Dinge, die man nicht mehr mit dem Verstand fassen kann und besser ins Gebet aufnimmt.
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Senensis
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Re: Schuld

Beitrag von Senensis »

Vielleicht wäre ein erster Ansatz, ob der Betreffende sich subjektiv schuldig fühlt. Wenn der Betreffende sich der Unrichtigkeit seiner Handlung bewußt ist, sollte er (sofern sein Gewissen nicht völlig verbogen ist) etwas wie Schuldgefühle empfinden. Ich persönlich fühle mich auch schuldig, wenn ich etwas nicht bewußt oder ungewollt verschuldet habe - natürlich anders, als wenn ich das Übel bewußt gewollt hätte, aber doch.
Das nächste ist dann, daß unser christlicher Glaube auf das Bewußtsein eigener Schuld eine konstruktive Anwort hat.

Wenn der Betreffende keine Schuld empfindet, kann man sie ihm auch nur schwer einreden, bzw. es würde im vorliegenden Fall vorerst nicht viel nützen.

Es ist auch möglich, daß der Betreffende (sich oder anderen) die Frage stellt: "Bin ich schuldig?"
Selbst wenn ich moraltheologisch nicht beschlagen genug bin, um die Schuldfrage zu entscheiden, so kann ich immerhin die Sache der göttlichen Barmherzigkeit übergeben und sagen: "Herr, ich wünschte in jedem Fall, es wäre nicht geschehen." oder "Herr, wenn ich mich schuldig gemacht habe, bitte ich um Vergebung." Das genügt, um sich mit Gott zu versöhnen. Ich finde, daß diese Tatsache sehr entlastend ist: ich habe die Möglichkeit, eine Sache Gott gegenüber ins Reine zu bringen, auch wenn nicht alles geklärt ist.
et nos credidimus caritati

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LumenChristi
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Re: Schuld

Beitrag von LumenChristi »

Senensis hat geschrieben:Vielleicht wäre ein erster Ansatz, ob der Betreffende sich subjektiv schuldig fühlt. Wenn der Betreffende sich der Unrichtigkeit seiner Handlung bewußt ist, sollte er (sofern sein Gewissen nicht völlig verbogen ist) etwas wie Schuldgefühle empfinden. Ich persönlich fühle mich auch schuldig, wenn ich etwas nicht bewußt oder ungewollt verschuldet habe - natürlich anders, als wenn ich das Übel bewußt gewollt hätte, aber doch.
Das nächste ist dann, daß unser christlicher Glaube auf das Bewußtsein eigener Schuld eine konstruktive Anwort hat.

Wenn der Betreffende keine Schuld empfindet, kann man sie ihm auch nur schwer einreden, bzw. es würde im vorliegenden Fall vorerst nicht viel nützen.

Es ist auch möglich, daß der Betreffende (sich oder anderen) die Frage stellt: "Bin ich schuldig?"
Selbst wenn ich moraltheologisch nicht beschlagen genug bin, um die Schuldfrage zu entscheiden, so kann ich immerhin die Sache der göttlichen Barmherzigkeit übergeben und sagen: "Herr, ich wünschte in jedem Fall, es wäre nicht geschehen." oder "Herr, wenn ich mich schuldig gemacht habe, bitte ich um Vergebung." Das genügt, um sich mit Gott zu versöhnen. Ich finde, daß diese Tatsache sehr entlastend ist: ich habe die Möglichkeit, eine Sache Gott gegenüber ins Reine zu bringen, auch wenn nicht alles geklärt ist.
Danke, das ist ein guter Ansatz und hilfreich. So werde ich den Faden aufnehmen, wenn es möglich ist. Danke.
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