"Lebenslauf" einer Kirche

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Gallus
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Re: "Lebenslauf" einer Kirche

Beitrag von Gallus » Donnerstag 24. November 2011, 22:10

Es ist nur ein Detail, aber bei solchen Renovierungen ist es auch der systematische Wegfall der Kniebänke, der mich nervt. Es ist ja nicht so, daß sich die meisten Leute dann sagen: Na gut, knien wir halt auf dem Boden. Sondern sie knien nicht mehr.

Bin kürzlich auf Reisen wieder in eine Hl. Messe in so einer Gemeinde gestolpert. Da werden keine sichtbaren Zeichen der Ehrfurcht vor dem Allerheiligsten mehr geübt, es ist wirklich nur noch: ein Mahl mit Keksen.

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HeGe
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Re: "Lebenslauf" einer Kirche

Beitrag von HeGe » Freitag 25. November 2011, 00:46

Es ist wirklich erschreckend. :heul:
Gallus hat geschrieben:Es ist nur ein Detail, aber bei solchen Renovierungen ist es auch der systematische Wegfall der Kniebänke, der mich nervt. Es ist ja nicht so, daß sich die meisten Leute dann sagen: Na gut, knien wir halt auf dem Boden. Sondern sie knien nicht mehr.

Bin kürzlich auf Reisen wieder in eine Hl. Messe in so einer Gemeinde gestolpert. Da werden keine sichtbaren Zeichen der Ehrfurcht vor dem Allerheiligsten mehr geübt, es ist wirklich nur noch: ein Mahl mit Keksen.
Die Inneneinrichtung ist eben ein Spielfeld, wo sich der satanisch verseuchte Geist des 68ers noch richtig austoben kann, unter Hinweis aus "pastorale Notwendigkeiten" und "Vorgaben des Konzils", ohne dass der böse Denkmalschutz groß dazwischenfunken kann. Wenn man also schon gezwungen ist, solche mittelalterlichen Sachen wie Heiligenfiguren, Beichtstühle oder den Hochaltar an den Außenwänden ansehen zu müssen, schafft man wenigstens im Zentrum Fakten und kreiert eine auf den sich selbst verwirklichenden Pfarrer zentrierte Versammlungsstelle in der Mitte, die in ihrem Charme jede sozialistische Sprechbude unterbieten kann.
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Re: "Lebenslauf" einer Kirche

Beitrag von martin v. tours » Freitag 25. November 2011, 07:37

Gallus hat geschrieben:Es ist nur ein Detail, aber bei solchen Renovierungen ist es auch der systematische Wegfall der Kniebänke, der mich nervt. Es ist ja nicht so, daß sich die meisten Leute dann sagen: Na gut, knien wir halt auf dem Boden. Sondern sie knien nicht mehr.

Bin kürzlich auf Reisen wieder in eine Hl. Messe in so einer Gemeinde gestolpert. Da werden keine sichtbaren Zeichen der Ehrfurcht vor dem Allerheiligsten mehr geübt, es ist wirklich nur noch: ein Mahl mit Keksen.
Stimmt,man kniet nicht mehr!
Und genau das ist die Absicht.
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Nach dem sie nicht erreicht hat, daß die Menschen praktizieren, was sie lehrt, hat die gegenwärtige Kirche beschlossen, zu lehren, was sie praktizieren.
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civilisation
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Re: "Lebenslauf" einer Kirche

Beitrag von civilisation » Dienstag 29. November 2011, 19:35

St. Maria in Weil-Haltingen:

Vorher:
Bild

Nachher:
Bild
Bildunterschrift: "Der Altar aus Kirschbaumholz rückte näher an die Gläubigen heran."

Bild
Bild von der Altarweih-Messe durch Weihbischof Wehrle am 1. Adventssonntag
Der Altar steht nicht mehr wie bisher ein paar Stufen erhöht im Chorraum, sondern direkt vor der Gemeinde. Altar und Priester näher zur Gemeinde zu rücken, war ein zentrales Anliegen im Gestaltungskonzept, das der Freiburger Künstler Matthias Dämpfle für die Gemeinde ausarbeitete. Zur Renovierung, die insgesamt rund 54 Euro kostete, gehörten aber auch die Erneuerung der Kirchenbänke, der Einbau einer modernen Fußbodenheizung und andere bautechnische Verbesserungen.
Quelle:
http://www.badische-zeitung.de/weil-am- ... 53249.html

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Re: "Lebenslauf" einer Kirche

Beitrag von taddeo » Dienstag 29. November 2011, 19:46

Zwischen "vorher" und "nachher" hat sich nichts verschlechtert.
Interessant wäre, ob die Kirche immer schon so nackig war. Nachdem sie 1937 gebaut wurde, wahrscheinlich schon. Aber der Altarraum vor 1960 hat vermutlich nochmal etwas anders ausgesehen.

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Re: "Lebenslauf" einer Kirche

Beitrag von civilisation » Dienstag 29. November 2011, 20:00

St. Ludgerus in Schermbeck

Vorher:
Bild

Nachher:
http://www.dorstenerzeitung.de/bilder/f ... 64,2829345

Altar, Tabernakel und Ambo sollen versetzt werden, um dem Altar einen zentralen Standort in der Mitte des Querhauses zu verschaffen, gleichzeitig soll die Altarinsel um zwei Stufen abgesenkt werden. Der Vorteil dieser Maßnahme wäre ein etwas geräumigerer Altarraum, was den liturgischen Handlungen zugute käme und darüber hinaus die Raumkapazität für die musikalische Gottesdienstgestaltung oder aber auch für Konzerte erheblich verbessern würde.
Quelle:
http://kirchensite.de/index.php?id=aus- ... 5161e1a45

civilisation
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Re: "Lebenslauf" einer Kirche

Beitrag von civilisation » Dienstag 29. November 2011, 20:01

taddeo hat geschrieben:Zwischen "vorher" und "nachher" hat sich nichts verschlechtert.
Interessant wäre, ob die Kirche immer schon so nackig war. Nachdem sie 1937 gebaut wurde, wahrscheinlich schon. Aber der Altarraum vor 1960 hat vermutlich nochmal etwas anders ausgesehen.
Ich habe leider kein älteres Bild gefunden.

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Re: "Lebenslauf" einer Kirche

Beitrag von taddeo » Dienstag 29. November 2011, 20:45

civilisation hat geschrieben:
taddeo hat geschrieben:Zwischen "vorher" und "nachher" hat sich nichts verschlechtert.
Interessant wäre, ob die Kirche immer schon so nackig war. Nachdem sie 1937 gebaut wurde, wahrscheinlich schon. Aber der Altarraum vor 1960 hat vermutlich nochmal etwas anders ausgesehen.
Ich habe leider kein älteres Bild gefunden.
Kein Problem, das war auch um Gottes Willen nicht als Vorwurf gemeint.
Aber es gibt so einen Typ von Kirchen, den kann man praktisch nicht verschandeln. Der ist einfach und geschmacklos und bleibt es. Das meinte ich damit.

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Re: "Lebenslauf" einer Kirche

Beitrag von Peregrin » Dienstag 29. November 2011, 22:08

taddeo hat geschrieben:Zwischen "vorher" und "nachher" hat sich nichts verschlechtert.
Vorher hat es immerhin einen Altarraum gegeben. Nachher gibt es eine Altarbühne und dahinter einen Raum, in dem man die Klos erwarten würde.
Ich bin der Kaiser und ich will Knödel.

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Re: "Lebenslauf" einer Kirche

Beitrag von Lux et Origo » Sonntag 15. Januar 2012, 03:54

Die Wallfahrtskirche Maria Schmolln in Oberösterreich, "betreut" von den Franziskanern.
Erbaut 1862 nach Plänen von P. Johannes Maria Reiter OFM.

vor 1962:

Bild

und heute (mit Reliefs aus den 1990er-Jahren):

Bild

:heul:

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Protasius
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Re: "Lebenslauf" einer Kirche

Beitrag von Protasius » Sonntag 15. Januar 2012, 12:48

Schön ist die Kirche zwar immer noch, aber der Glanz früherer Zeiten ist deutlich verblaßt.
Der so genannte ‚Geist’ des Konzils ist keine autoritative Interpretation. Er ist ein Geist oder Dämon, der exorziert werden muss, wenn wir mit der Arbeit des Herrn weiter machen wollen. – Ralph Walker Nickless, Bischof von Sioux City, Iowa, 2009

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cantus planus
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Re: "Lebenslauf" einer Kirche

Beitrag von cantus planus » Sonntag 15. Januar 2012, 13:03

civilisation hat geschrieben:Es gibt zwar schon einen Strang zur Kirchenarchitektur, aber ich eröffne mal einfach einen neuen Strang, in dem die Veränderungen am Kirchenbau nachvollzogen werden können.

St. Karl Borromäus, Breuberg Neustadt:

1949 (1Jahr-Feier)

Renovierung 1955

Renovierung 1968

Renovierung 1982

Renovierung 1999




Quelle: http://www.breuberg.de/vereine/katholische-kirche/
Am Bild von 1968 kann man sehr gut sehen, dass vieles an der Liturgiereform deutlichst vom Calvinismus beeinflusst ist. Danach beginnt eine zaghafte Rekatholisierung, die aber natürlich schon aus rein finanziellen Gründen die alte Pracht nicht wiederherzustellen vermag.
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Niels
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Re: "Lebenslauf" einer Kirche

Beitrag von Niels » Sonntag 22. Januar 2012, 10:41

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Re: "Lebenslauf" einer Kirche

Beitrag von cathfish » Sonntag 22. Januar 2012, 11:08

Niels hat geschrieben:St. Laurentius, Wismar: "Zeitgeist bestimmt die Innengestaltung"
Aus dieser Kirche gabs einmal einen Fernsehgottedienst - vor der jetzigen Renovierung.
Ein ziemlich trauriges Beispiel, wie eine jüngst erfolgte Abänderung des kargen Zustandes wieder rückgängig gemacht wurde. Rin in die Kartoffeln raus aus die Kartoffeln... Hochgradig bekloppt - immer wieder betone ich: zu viel Geld um damit Unsinn und Schindluder zu treiben...

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Re: "Lebenslauf" einer Kirche

Beitrag von civilisation » Mittwoch 8. Februar 2012, 16:08

Ich habe manchmal den Eindruck, als ob die Bilder, die vor dem Umbau nach "Vorgaben des 2. Vatikanischen Konzils" (oder ähnliche Formulierungen) entstanden waren fast überhaupt nicht mehr im Internet auftauchen. Man hat den Eindruck, als wollen die Verunstalter (zuständige Bauherren = Pfarrer, Ordinariate; Architekten usw.) die Vergangenheit zum Vergessen bringen.

Hin und wieder findet man doch noch was. So auch zur Kirche St. Martin in Rhaunen.

Hier der Zustand nach der Renovierung 2001, ganz steril:




... und vor 2001:


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taddeo
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Re: "Lebenslauf" einer Kirche

Beitrag von taddeo » Mittwoch 8. Februar 2012, 16:13

Eine Mischung aus beiden Varianten wäre am besten, wenn man nach den Bildern urteilt.

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cantus planus
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Re: "Lebenslauf" einer Kirche

Beitrag von cantus planus » Mittwoch 8. Februar 2012, 16:46

Hier hätte ich fast gesagt: ich weiss gar nicht, welche von beiden Varianten schlimmer ist.
In meinen Augen - und auch objektiv mit einem Mindestmaß an Kunstverstand - geht beides nicht.
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Re: "Lebenslauf" einer Kirche

Beitrag von cantus planus » Mittwoch 8. Februar 2012, 16:48

Niels hat geschrieben:St. Laurentius, Wismar: "Zeitgeist bestimmt die Innengestaltung"
Und auch hier: schlimmer geht's offensichtlich immer. Nachdem es - die bisherige Zeitleiste angelegt - höchste Zeit für eine neue Umgestaltung wäre, wagt man gar nicht sich auszumalen, was als nächstes kommt...
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Re: "Lebenslauf" einer Kirche

Beitrag von civilisation » Mittwoch 8. Februar 2012, 19:31

Noch ein Vorher-Nachher-Fund von heute. Die Altarweihe (neu) fand schon 2011 statt: St. Georg in Stuttgart.




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Niels
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Re: "Lebenslauf" einer Kirche

Beitrag von Niels » Mittwoch 8. Februar 2012, 19:36

Eione neue Bemalung hätte völlig ausgereicht. Stattdessen musste auch ein neues Altarensemble her... :vogel:
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Re: "Lebenslauf" einer Kirche

Beitrag von taddeo » Mittwoch 8. Februar 2012, 19:38

Das erinnert mich sehr an die Kirche, in der ich getauft worden bin. Dieser Baustil wird einfach nicht schöner, da kann man renovieren, wie man mag.
kirche.JPG

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Re: "Lebenslauf" einer Kirche

Beitrag von civilisation » Mittwoch 8. Februar 2012, 19:43

Positiv anmerken könnte man jedoch, daß die beiden Freimaurerflaggen (oder wie man das nennen soll) in den klassischen Freimaurerfarben nicht mehr da sind.

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Re: "Lebenslauf" einer Kirche

Beitrag von taddeo » Mittwoch 8. Februar 2012, 19:45

civilisation hat geschrieben:Positiv anmerken könnte man jedoch, daß die beiden Freimaurerflaggen (oder wie man das nennen soll) in den klassischen Freimaurerfarben nicht mehr da sind.
Die beiden Seitenaltäre, deren "Altarbilder" Deine "Flaggen" wohl sein sollten, allerdings auch nicht mehr.

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Re: "Lebenslauf" einer Kirche

Beitrag von civilisation » Dienstag 14. Februar 2012, 13:21

St. Maria Geburt (siehe auch "Moderne Kirchenarchitektur") in Aschaffenburg-Schweinheim:

Um 1900:


Wikipedia schreibt:
1955 wurde das Kircheninnere, entsprechend der liturgischen Entwicklung, umgestaltet. Ein Hochaltar in Tischform wurde aufgestellt, das Mittelfenster im Chor wurde von dem jungen Künstler Friedrich Höfer aus Bensheim gestaltet. Die anderen Kirchenfenster wurden von einheimischen Künstlern geschaffen.
Die Kirche wurde 1961 entgotisiert und 1999 nach dem Gesamtkonzept des Bildhauers und Künstlers Leo Zogmayer, Wien, völlig umgestaltet. Alle Fenster und liturgischen Objekte wurden in einer stark reduzierten Formensprache eigens für diesen Raum entworfen. Es ist ein heller Raum, der den Eintretenden Weite und Freiheit, Klarheit und Offenheit atmen lässt. Er ist wie geschaffen für litugische und kulturelle Versammlungen ebenso wie zur Meditation.

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Re: "Lebenslauf" einer Kirche

Beitrag von cantus planus » Dienstag 14. Februar 2012, 14:25

Man muss offensichtlich vollkommen mit dem Klammerbeutel gepudert sein, wenn man da irgendeine Verbesserung sieht. :vogel:

Nachtrag: vor allem sind die angebliche "Weite und Klarheit" dieses Raumes, die die Neugestaltung gebracht haben soll, in meinen Augen vollkommen verloren gegangen. Wer sich außen an den Stuhlreihen vorbeikämpfen muss, um in den düsteren und leeren Altarraum zu schauen, muss ja fast depressiv werden.
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Re: "Lebenslauf" einer Kirche

Beitrag von Kantorin » Mittwoch 15. Februar 2012, 00:24

civilisation hat geschrieben: Wikipedia schreibt:
... Die Kirche wurde 1961 entgotisiert ...
:heul:

Aber wenigstens steht sie noch.
Die gotische Vorläuferin der barocken Klosterkirche in Benediktbeuern wurde abgerissen, weil der Stil nicht mehr modern war. War man früher rigoroser bzw. hatte mehr Geld zur Verfügung?
Mein huldreicher Gott kommt mir entgegen. (Psalm 59)

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Re: "Lebenslauf" einer Kirche

Beitrag von Florianklaus » Mittwoch 15. Februar 2012, 09:30

Kantorin hat geschrieben:
civilisation hat geschrieben: Wikipedia schreibt:
... Die Kirche wurde 1961 entgotisiert ...
:heul:

Aber wenigstens steht sie noch.
Die gotische Vorläuferin der barocken Klosterkirche in Benediktbeuern wurde abgerissen, weil der Stil nicht mehr modern war. War man früher rigoroser bzw. hatte mehr Geld zur Verfügung?
Früher ging man selbstverständlich davon aus, daß der zeitgenössische Stil den vorhergehenden vorzuziehen sei und hat ältere Gebäude nur aus finanziellen Gründen nicht abgerissen und ersetzt. In vielen Fälle wurde aber zumindest innen "modernisiert". Erst im 19. Jhdt. kam man auf die Idee, daß ältere Gebäude schützenswerte Kulturgüter sein können.

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Re: "Lebenslauf" einer Kirche

Beitrag von Sursum Corda » Freitag 24. Februar 2012, 12:48

Es gibt auch noch positive Nachrichten:

http://www.pv-boke-ostenland.de/boke-os ... h_id=49516

Den nicht betrauernswerten Vorzustand kann man hier sehen:

http://picasaweb.google.com/1169148122 ... 4339913426
Auf, eilen liebentzündet, auch wir zum heil'gen Streit! Der Herr, der's Haus gegründet, uns ew'gen Sieg verleiht.

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Re: "Lebenslauf" einer Kirche

Beitrag von Moser » Freitag 24. Februar 2012, 13:23

Ich hab mal ein Beispiel einer evangelischen Kirche, und zwar die Dreifaltigkeitskirche in Leutkirch/Allgäu.

Sie wurde 1615 erbaut, 1860 wurde sie nach Erdbebenschäden "neugotisiert", und 1972 im Inneren völlig neu gestaltet.
Glaubt man dem Kirchenführer, dann erfolgte die Renovierung 1972 vor allem wegen der Akustik, die wohl unter aller Sau gewesen sein muss.

Früher:

Bild

Bild

Heute:

Bild

Bild

Wobei man ehrlich sagen muss: Auch wenn das vielleicht auf den Fotos ein bisschen komisch aussieht, aber der heutige Raum ist in der Realität durchaus nicht schlecht, er hat schon was.

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Re: "Lebenslauf" einer Kirche

Beitrag von Florianklaus » Freitag 24. Februar 2012, 13:25

Und das ist wirklich dieselbe Kirche? Kaum zu glauben!

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Re: "Lebenslauf" einer Kirche

Beitrag von HeGe » Freitag 24. Februar 2012, 13:32

Florianklaus hat geschrieben:Und das ist wirklich dieselbe Kirche? Kaum zu glauben!
Geht mir genauso. :glubsch: Sind da wirklich sämtliche Säulen herausgerissen worden? Geht das statisch überhaupt?

Interessant aber, dass die in der neuen Kirche auch Marien- und Heiligenfiguren stehen haben.
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Re: "Lebenslauf" einer Kirche

Beitrag von Moser » Freitag 24. Februar 2012, 13:37

HeGe hat geschrieben:
Florianklaus hat geschrieben:Und das ist wirklich dieselbe Kirche? Kaum zu glauben!
Geht mir genauso. :glubsch: Sind da wirklich sämtliche Säulen herausgerissen worden? Geht das statisch überhaupt?

Interessant aber, dass die in der neuen Kirche auch Marien- und Heiligenfiguren stehen haben.
Da wurde u.a. eine zweite Decke eingezogen, was wahrscheinlich die weggefallenen Säulen statisch kompensiert hat? Die Kirche ist jetzt also quasi zweistöckig, im "Obergeschoß" befinden sich jetzt meines Wissens Gemeinderäume und noch eine kleinere Kapelle. Und der Innenraum wurde quasi um 90 Grad gedreht, also da wo jetzt die Orgel steht muss früher die Längswand gewesen sein.

Von außen sieht sie (nach wie vor) so aus:

Bild

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