Auseinandersetzung in einer Stuttgarter Kirchengemeinde
Verfasst: Sonntag 27. Februar 2011, 01:25
Hallo miteinander,
mit Interesse beobachte ich die Situation der katholischen Schwester-Gemeinde in Stuttgart, in derem Gebiet ich lange wohnte.
Da sich der derzeitige "Konflikt" andernorts so oder so ähnlich auch abspielt oder abspielen könnte, möchte ich das Thema hier mal zur allgemeinen Diskussion stellen.
29 ging in Stgt-Sillenbuch der Pfarrer in den Ruhestand, seitdem ist die Pfarrstelle vakant. Es wurde ein neuer Pfarrer ernannt, aber dieser wurde wegen Verdachts auf sexuellen Mißbrauch wieder zurückgezogen.
Mit dem (vergleichsweise jungen) Pfarradministrator fremdelt die Gemeinde merklich. Ein neuer Pfarrer für die Gemeinde ist nicht in Sicht.
Nun ist der alte Pfarrer verstorben, und der Administrator hat ohne Rücksprache mit den entsprechenden Gemeindegremien einen Termin für den Trauergottesdienst angesetzt (was soll er auch machen, der Mann betreut glaube ich 7 oder noch mehr Gemeinden, soll er da jeden Termin immer mit jedem absprechen?). Das ist nun die Zündschnur, an der der Konflikt in die Öffentlichkeit, sprich Lokalpresse, getragen wird:
http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/p ... 211-2-25
http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/p ... 211-2-25
Zitat:
"Und nun kommt hinzu, dass die Chemie zwischen der Gemeinde und Heiko Merkelbach nicht stimmt. In Pater Gottfried hatten sie 16 Jahre einen katholischen Geistlichen, der fortschrittlich dachte, der die Ökumene im Bezirk förderte, der eng mit der Gemeinde zusammenarbeitete. Das hat die Leute geprägt. Viele von ihnen wollen zu jenen Katholiken gehören, die sich vom Ewiggestrigen verabschieden. Viele von ihnen teilen die Kritik, dass sich die Oberen in Rom am Pflichtzölibat festklammern und Frauen vom Priesteramt ausschließen.
Merkelbach indessen gilt als einer, der für Tradition und Hierarchie steht. Dies hat bereits mehrfach zu Irritationen in Sillenbuch geführt."
Zitat Ende
Ich denke, dass diese Situation (älterer, "liberaler" Pfarrer geht, neuer, "konservativer" Pfarrer kommt) auch in anderen Gemeinden zu Konflikten führen könnte, denn die jüngeren Kleriker, DIE noch nachkommen, sind ja, zumindest auf katholischer Seite, wohl oft konservativer als ihre Vorgänger.
Wie soll man denn nun mit einer solchen Situation (die sich ja auch auf ganze Bistümer, siehe Chur) übertragen lässt, umgehen.
Ich als Protestant schüttle nur manchmal etwas verwundert den Kopf, wenn ich folgendes beobachte:
Aus der, nennen wir es einfach mal "katholisch-liberalen" Ecke kommt unentwegt die Forderung, dass der Zölibat fallen und die Frauenordination eingeführt werden müsse, weil man ja zuwenig Priester habe und man nicht mehr gewährleisten könne, dass die Eucharistie, die ja Mittelpunkt kirchlichen Lebens sei, überall gefeiert werden könne.
Leuten aus derselben Ecke ist nun aber jeder neue, junge Pfarrer, Bischof oder Priesteramtskandidat nicht gut genug, weil zu konservativ oder "zu papsttreu" (:hmm:) sind. Nach dem Motto: Wir jammern zwar dass wir keine Priester haben, aber die die wir noch bekommen, sind uns dann auch nicht recht. So groß kann die Sehnsucht nach Priestern dann ja auch nicht sein....
Ebenfalls werden aus derselben Ecke Wortgottesdienste gefördert und wird es Priestern untersagt, Eucharistiefeiern zu halten. So groß kann die Sehnsucht nach Eucharistiefeiern ja dann ebenfalls nicht sein.
Nochmal kurz zum Thema "zu papsttreu" - das hab ich wirklich mal in einem Presseartikel, in dem es um die Wiederbesetzung eines Bischofsstuhls ging, gelesen:
Sollte Papsttreue denn nicht ein Merkmal des Katholischen sein? Warum sollte der Papst nicht papsttreue Bischöfe ernennen? Würde der Chef eines Unternehmens Abteilungsleiter einstellen, von denen er weiss dass sie seine Anweisungen nicht befolgen und hinter seinem Rücken über ihn schimpfen würden?
Wie denkt ihr darüber?
Gruß Matze
mit Interesse beobachte ich die Situation der katholischen Schwester-Gemeinde in Stuttgart, in derem Gebiet ich lange wohnte.
Da sich der derzeitige "Konflikt" andernorts so oder so ähnlich auch abspielt oder abspielen könnte, möchte ich das Thema hier mal zur allgemeinen Diskussion stellen.
29 ging in Stgt-Sillenbuch der Pfarrer in den Ruhestand, seitdem ist die Pfarrstelle vakant. Es wurde ein neuer Pfarrer ernannt, aber dieser wurde wegen Verdachts auf sexuellen Mißbrauch wieder zurückgezogen.
Mit dem (vergleichsweise jungen) Pfarradministrator fremdelt die Gemeinde merklich. Ein neuer Pfarrer für die Gemeinde ist nicht in Sicht.
Nun ist der alte Pfarrer verstorben, und der Administrator hat ohne Rücksprache mit den entsprechenden Gemeindegremien einen Termin für den Trauergottesdienst angesetzt (was soll er auch machen, der Mann betreut glaube ich 7 oder noch mehr Gemeinden, soll er da jeden Termin immer mit jedem absprechen?). Das ist nun die Zündschnur, an der der Konflikt in die Öffentlichkeit, sprich Lokalpresse, getragen wird:
http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/p ... 211-2-25
http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/p ... 211-2-25
Zitat:
"Und nun kommt hinzu, dass die Chemie zwischen der Gemeinde und Heiko Merkelbach nicht stimmt. In Pater Gottfried hatten sie 16 Jahre einen katholischen Geistlichen, der fortschrittlich dachte, der die Ökumene im Bezirk förderte, der eng mit der Gemeinde zusammenarbeitete. Das hat die Leute geprägt. Viele von ihnen wollen zu jenen Katholiken gehören, die sich vom Ewiggestrigen verabschieden. Viele von ihnen teilen die Kritik, dass sich die Oberen in Rom am Pflichtzölibat festklammern und Frauen vom Priesteramt ausschließen.
Merkelbach indessen gilt als einer, der für Tradition und Hierarchie steht. Dies hat bereits mehrfach zu Irritationen in Sillenbuch geführt."
Zitat Ende
Ich denke, dass diese Situation (älterer, "liberaler" Pfarrer geht, neuer, "konservativer" Pfarrer kommt) auch in anderen Gemeinden zu Konflikten führen könnte, denn die jüngeren Kleriker, DIE noch nachkommen, sind ja, zumindest auf katholischer Seite, wohl oft konservativer als ihre Vorgänger.
Wie soll man denn nun mit einer solchen Situation (die sich ja auch auf ganze Bistümer, siehe Chur) übertragen lässt, umgehen.
Ich als Protestant schüttle nur manchmal etwas verwundert den Kopf, wenn ich folgendes beobachte:
Aus der, nennen wir es einfach mal "katholisch-liberalen" Ecke kommt unentwegt die Forderung, dass der Zölibat fallen und die Frauenordination eingeführt werden müsse, weil man ja zuwenig Priester habe und man nicht mehr gewährleisten könne, dass die Eucharistie, die ja Mittelpunkt kirchlichen Lebens sei, überall gefeiert werden könne.
Leuten aus derselben Ecke ist nun aber jeder neue, junge Pfarrer, Bischof oder Priesteramtskandidat nicht gut genug, weil zu konservativ oder "zu papsttreu" (:hmm:) sind. Nach dem Motto: Wir jammern zwar dass wir keine Priester haben, aber die die wir noch bekommen, sind uns dann auch nicht recht. So groß kann die Sehnsucht nach Priestern dann ja auch nicht sein....
Ebenfalls werden aus derselben Ecke Wortgottesdienste gefördert und wird es Priestern untersagt, Eucharistiefeiern zu halten. So groß kann die Sehnsucht nach Eucharistiefeiern ja dann ebenfalls nicht sein.
Nochmal kurz zum Thema "zu papsttreu" - das hab ich wirklich mal in einem Presseartikel, in dem es um die Wiederbesetzung eines Bischofsstuhls ging, gelesen:
Sollte Papsttreue denn nicht ein Merkmal des Katholischen sein? Warum sollte der Papst nicht papsttreue Bischöfe ernennen? Würde der Chef eines Unternehmens Abteilungsleiter einstellen, von denen er weiss dass sie seine Anweisungen nicht befolgen und hinter seinem Rücken über ihn schimpfen würden?
Wie denkt ihr darüber?
Gruß Matze
machen, brauchen