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Welche Gebetshaltungen bedeuten was?
Verfasst: Dienstag 28. Dezember 2010, 23:49
von Hexlein
Hallo,
ich hoffe, ich schreibe nich in die komplett falsche Kategorie. Ich wüsste gernde, ob bestimmte Gebetshaltungen verschiedene Bedeutungen haben?
Allso z.B. das Stehen mit ausgestreckten Armen, das knien, das liegen auf dem Boden.
Weiß da jemand was zu?
Vielen Dank
Hexlein
Re: Welche Gebetshaltungen bedeuten was?
Verfasst: Dienstag 28. Dezember 2010, 23:56
von Nassos
Gute Frage!
Gibts eigentlich sowas wie die Metanien bei den Lateinern?
Re: Welche Gebetshaltungen bedeuten was?
Verfasst: Mittwoch 29. Dezember 2010, 00:40
von Robert Ketelhohn
[url=http://www.kreuzgang.org/viewtopic.php?p=365633#p365633]Romano Guardini[/url], Von heiligen Zeichen, Mainz 1927, hat geschrieben:Die Hand
Der Körper ist Werkzeug und Ausdruck der Seele. Sie hält sich nicht bloß in ihm auf, wie ein Mensch in seinem Hause sitzt, sondern wohnt und wirkt in jedem Glied und jeder Faser. Sie spricht aus jeder Linie und Form und Bewegung des Leibes. In besonderer Weise aber sind Antlitz und Hand Werkzeug und Spiegel der Seele.
Vom Antlitz ist es ohne weiteres klar. Aber beobachte einmal bei irgendeinem Menschen – oder bei dir selbst –, wie eine Bewegung des Gemütes, Freude, Überraschung, Erwartung sich in der Hand kundtun. Verrät nicht oft ein rasches Heben oder ein leises Zucken der Hand mehr, als selbst das Wort? Scheint das gesprochene Wort nicht zuweilen grob neben ihrer leisen, so viel sagenden Sprache?
Nach dem Antlitz ist sie der geistigste Teil des Leibes. Gewiß fest und stark, Werkzeug der Arbeit, Waffe zu Angriff und Abwehr, aber doch auch fein gebaut, vielgegliedert, beweglich und von empfindlich fühlenden Nerven durchzogen. So recht ein Organ, in welchem der Mensch die eigene Seele offenbaren kann. Und die fremde aufnehmen; denn auch das tut er mit der Hand. Oder ist es nicht ein Aufnehmen der fremden Seele, wenn Einer die entgegengestreckte Hand des Begegnenden ergreift? Mit allem, was aus ihr an Vertrauen, Freude, Zustimmung, Leid spricht?
So kann es gar nicht anders sein, als daß die Hand auch dort ihre Sprache hat, wo die Seele so besonders viel sagt – oder vernimmt –: vor Gott; wo sie sich selbst geben und Ihn empfangen will: im Gebet.
Wenn Einer sich in sich selbst sammelt, in seinem Innern mit Gott allein ist, dann schließt die eine Hand sich fest in die andere, Finger verschränkt sich mit Finger, als solle der innere Strom, der ausfluten möchte, von einer Hand in die andere geleitet werden und ins Innere zurückströmen, damit alles drinnen bleibe, bei Ihm. Ein Sammeln seiner selbst ist das; ein Hüten des verborgenen Schatzes. Es sagt: »Gott ist mein, und ich bin sein, und wir sind miteinander allein im Drinnen.«
Ebenso tut die Hand, wenn irgendeine große Not, ein heftiger Schmerz auszubrechen drohen. Wieder schließt sich Hand in Hand; darin ringt die Seele mit sich selbst, bis sie sich bezwungen, beruhigt hat.
Steht aber jemand in verehrender Haltung des Herzens vor Gott, dann legt sich wohl die gestreckte Hand flach auf die andere. Ein wohlgeordnetes Sprechen des eigenen Wortes drückt sich so aus, und, wenn Er es schenkt, ein aufmerksam bereites Hören des göttlichen. Auch Ergebung tut sich so kund, Hingabe, wenn wir die Hände, mit denen wir uns 'Wehren, gleichsam gebunden in Gottes Hände geben.
Zuweilen geschieht es wohl, daß die Seele sich ganz vor Gott erschließt, in großem Jubel oder Dank. Daß sich in ihr, der Orgel gleich, alle Register auftun, und die innere Fülle strömt. Oder die Sehnsucht sich erhebt und ruft. Dann öffnet der Mensch die Hände und hebt sie mit gebreiteter Fläche, damit der Seelenstrom frei fluten, und die Seele voll empfangen könne, wonach sie dürstet. Und es kann sein, daß Einer sich selbst mit allem, was er ist und hat, zusammenfaßt, um sich in lauterer Hingabe Gott darzubringen, wissend, daß es zu einem Opfer geht. Dann verschränkt er wohl Hände und Arme auf der Brust im Zeichen des Kreuzes.
Schön und groß ist die Sprache der Hand. Von ihr sagt die Kirche, Gott habe sie uns gegeben, daß wir »die Seele darin tragen«. So nimm diese heilige Sprache ernst. Gott hört auf sie. Sie redet vom Innern der Seele. Sie kann auch von Herzensträgheit Zerstreutheit und anderem Unguten reden. Halte die Hände recht und sorge, daß dein Inneres mit diesem Äußeren in Wahrhaftigkeit übereinstimme!
Es war eine zarte Sache, von der wir da gesprochen haben. Man sagt dergleichen eigentlich nicht gern; etwas regt sich dagegen. Um so sorgsamer wollen wir damit umgehen. Es darf kein eitles, geziertes Spiel daraus werden, sondern eine Sprache, durdJ die der Leib in lauterer Wahrhaftigkeit Gott sagt, was die Seele meint.
Re: Welche Gebetshaltungen bedeuten was?
Verfasst: Mittwoch 29. Dezember 2010, 08:35
von Hubertus
Hexlein hat geschrieben:Hallo,
ich hoffe, ich schreibe nich in die komplett falsche Kategorie. Ich wüsste gernde, ob bestimmte Gebetshaltungen verschiedene Bedeutungen haben?
Allso z.B. das Stehen mit ausgestreckten Armen, das knien, das liegen auf dem Boden.
Weiß da jemand was zu?
Vielen Dank
Hexlein
Hallo Hexlein,
recht bekannt sind ja die Gebetshaltungen des hl. Dominikus: z.B. auf dieser Seite
http://www.arenberger-dominikanerinnen. ... tungen.htm
sind sie aufgeführt. Im kursiv gedrucken Text wird jeweils kurz erklärt, welche Bedeutung die jeweilige Geste hat.
Re: Welche Gebetshaltungen bedeuten was?
Verfasst: Mittwoch 29. Dezember 2010, 08:57
von holzi
Nassos hat geschrieben:Gute Frage!
Gibts eigentlich sowas wie die Metanien bei den Lateinern?
Ja, das ist aber nicht sehr verbreitet. In manchen Klöstern wird das als "
Venia" bezeichnet.