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60 J. „Humani generis“ – Wider die Irrlehren der Modernisten
Verfasst: Montag 9. August 2010, 10:15
von Gamaliel
Diese Woche, am 12. August 2010, werden es 60 Jahre sein, seit dem die Enzyklika
„Humani generis“ von Papst Pius XII. veröffentlicht wurde.
Inhaltlich handelt die Enzyklika „über einige falsche Ansichten, welche die Grundlagen der katholischen Lehre zu untergraben drohen“. Kurz, sie handelt vom Schutz des Glaubens vor der „Nouvelle Théologie“ („Neue Theologie“) bzw. dem „Neo-Modernismus“.
Der Jahrestag könnte Anlaß sein dieses Rundschreiben (wieder) einmal durchzulesen, hat es doch nichts von seiner Aktualität eingebüßt, im Gegenteil. Gefährliche Lehren, die unter dem Pontifikat von Pius XII. noch zaghaft unter einigen Gliedern der Kirche verbreitet wurden, sind mittlerweile unter den Gläubigen allgegenwärtig und werden auch von Hirten der Kirche eifrig propagiert.
Wie ist das möglich? Wo liegt der Irrtum, in der Enzyklika von Pius XII. oder bei jenen, die heute das vertreten, was vor 60 Jahren noch verboten war?
Re: 60 J. „Humani generis“ – Wider die Irrlehren der Modernisten
Verfasst: Montag 9. August 2010, 11:12
von Raphael
Lesenswert hierzu auch die Anmerkungen des Thomisten Dr. David Berger:
Der theologiegeschichtliche Kontext der Enzyklika HUMANI GENERIS
Re: 60 J. „Humani generis“ – Wider die Irrlehren der Modernisten
Verfasst: Montag 9. August 2010, 11:16
von Stephen Dedalus
Gamaliel hat geschrieben:Lehren, die unter dem Pontifikat von Pius XII. noch zaghaft unter einigen Gliedern der Kirche verbreitet wurden, sind mittlerweile unter den Gläubigen allgegenwärtig und werden auch von Hirten der Kirche eifrig propagiert.
Wie ist das möglich?
Das ist das Wirken des Heiligen Geistes.
Gott sei Lob und Dank!

Re: 60 J. „Humani generis“ – Wider die Irrlehren der Modernisten
Verfasst: Montag 9. August 2010, 11:18
von Florianklaus
Stephen Dedalus hat geschrieben:Gamaliel hat geschrieben:Lehren, die unter dem Pontifikat von Pius XII. noch zaghaft unter einigen Gliedern der Kirche verbreitet wurden, sind mittlerweile unter den Gläubigen allgegenwärtig und werden auch von Hirten der Kirche eifrig propagiert.
Wie ist das möglich?
Das ist das Wirken des Heiligen Geistes.
Gott sei Lob und Dank!

Pius XII. hatte also nach Deiner Meinung nicht den Beistand des Heiligen Geistes?
Re: 60 J. „Humani generis“ – Wider die Irrlehren der Modernisten
Verfasst: Montag 9. August 2010, 11:19
von Gamaliel
@Raphael
Ja, der Beitrag von Dr. Berger ist lesenswert. Er erschien innerhalb eines kleinen Büchleins zur 50-Jahr-Feier der Enzyklika, wobei ich die anderen drei Beiträge in dieser Publikation nur für sehr mäßig interessant halte. Eine Anschaffung lohnt sich also nicht.
Re: 60 J. „Humani generis“ – Wider die Irrlehren der Modernisten
Verfasst: Montag 9. August 2010, 11:22
von Stephen Dedalus
Florianklaus hat geschrieben:
Pius XII hatte also nach Deiner Meinung nicht den Beistand des Heiligen Geistes?
In dieser Frage nicht, da herrschte Verblendung vor.
Der ganze Kampf gegen den sog. "Modernismus" war eine einzige Farce und hat der Kirche schwersten Schaden zugefügt.
Re: 60 J. „Humani generis“ – Wider die Irrlehren der Modernisten
Verfasst: Montag 9. August 2010, 13:08
von Marion
Stephen Dedalus hat geschrieben:Der ganze Kampf gegen den sog. "Modernismus" war eine einzige Farce und hat der Kirche schwersten Schaden zugefügt.
@Stephen Dedalus
Die Ursache z.B. des Glaubensschwund in der Kirche ist also Pius XII mit seinem Kampf gegen den Modernismus und nicht der Modernismus?
Bist du Protestant oder was anderes? Ist ne ernst gemeinte Frage. (Damit ich weiß was für eine Gesprächsbasis wir haben)
Re: 60 J. „Humani generis“ – Wider die Irrlehren der Modernisten
Verfasst: Montag 9. August 2010, 13:19
von ottaviani
Man sieht wie diese Theologie die in der Enzyklika verurteilt wurde die Kirche fast Tödlich getroffen hat
natürlich findet sie hier den Beifall eines Angklikanischen Haeretikers
Was man aber auch sehen kann ist: die Gegenbewegung gegen den Modernismus wird größer und größer. ganz langsam. es wird dauern aber es kommt der Tag wo wieder die Lehre der Kirche klar sein wird
Re: 60 J. „Humani generis“ – Wider die Irrlehren der Modernisten
Verfasst: Montag 9. August 2010, 13:25
von cantus planus
SD wird sich jetzt geehrt fühlen.
Man sollte allerdings festhalten, dass Pius XII. hier nicht Dinge aus heiterem Himmel angeordnet hat, sondern Thesen und Strömungen verurteilt, die die Kirche schon früher abgelehnt hat. Man lese z. B. mal den berühmten "Syllabus Errorum" des Pius X.: man meint fast, das Vorlesungsverzeichnis einer heutigen theologischen Fakultät in Händen zu halten...
Re: 60 J. „Humani generis“ – Wider die Irrlehren der Modernisten
Verfasst: Montag 9. August 2010, 13:30
von ottaviani
Natürlich der Irrtum ändert sich nie
Re: 60 J. „Humani generis“ – Wider die Irrlehren der Modernisten
Verfasst: Montag 9. August 2010, 13:39
von Stephen Dedalus
Marion hat geschrieben:s
Die Ursache z.B. des Glaubensschwund in der Kirche ist also Pius XII mit seinem Kampf gegen den Modernismus und nicht der Modernismus?
Nein, das habe ich nicht gesagt.
Der Kampf gegen den sog. "Modernismus" (man muß das in Anführungszeichen setzen, weil es eine geschlossene Bewegung des Modernismus nie gab und verschiedene geistig-religiöse Strömungen unter diesem Kampfbegriff vom römischen Lehramt subsumiert wurden, die nicht unbedingt verbunden waren) hat auf Jahrzehnte hinaus eine angemessene Antwort der Kirche auf die Herausforderungen der modernen Gesellschaft und des modernen Denkens verhindert. Verhindern ließ sich freilich nicht, daß diese Themen im Untergrund weiterwirkten und hier und da an die Oberfläche drängten.
Humani Generis war der trauige Endpunkt einer mißglückten Abwehrpolitik. Im Konzil und danach brach sich dann - teilweise ungeordnet - Bahn, was man mit Gewalt hatte unterdrücken wollen. Die Folgen davon sind bis heute zu spüren. Auch der neu sich Bahn brechende Traditionalismus ist ein Ausdruck dieser verfehlten Auseinandersetzung mit der Moderne (hier schreibe ich bewußt nicht "Modernismus"!).
Es wäre wert, ein alternatives Szenario zu entwickeln: Was wäre geschehen, wenn Leo XIII und Pius X sich dem Dialog mit der Moderne nicht veweigert hätten, sondern eine
angemessene, kritische und konstruktive Antwort der Kirche begünstigt hätten? Nicht radikale Ablehnung, sondern Prüfung und Übernahme des Guten bei gleichzeitiger kritischer Ablehung problematischer Aspekte? Statt Verweigung auf der einen und Untergrund mit Aufbauen eines "Überdrucks" auf der anderen Seite hätte es zu einer organischen Entwicklung kommen können, die den Kontakt mit den geistigen Entwicklungen nicht so stark verloren hätte, wie dies in den Jahren 1870 bis 1940 der Fall war. Es ist zweifellos richtig, daß sich im Konzil und in seiner Folge eine Menge von dem gefühlten "Reformstau" entlud, der sich aufgrund der Unterdrückung des sog. "Modernismus" Bahn brach. Allgemein vorherrschend war das Gefühl, die Kirche habe einen rieisigen Nach- und Aufholbedarf. Aus diesem Gefühl des Mangels heraus waren radikale Veränderungen möglich, die andernfalls niemals denkbar gewesen wären. Genau diese Radikalisierung hätte vermieden werden können, wenn der Dialog nicht für Jahrzehnte unterbrochen gewesen wäre.
Meine These ist:
Die Radikalität und die Fehlentwicklungen (auch liturgischer Natur) der 1960er und 1970er Jahre wären zum großen Teil vermeidbar gewesen, wenn man den sog. "Modernismus" vorher nicht so radikal bekämpft hätte. Ohne den radikalen Antimodernismus der Jahrzehnte vor dem Konzil und ohne die Auswüchse nach dem Konzil stünde die Kirche heute sicher besser da. Aber das eine ist (ursächlich) nicht vom anderen zu trennen. Auch hätte man nicht mit dem Phänomen des heute neu aufkeimenden Traditionalismus zu tun.
Für diese Sicht wird es hier aber wohl kaum Zustimmung geben.
Bist du Protestant oder was anderes? Ist ne ernst gemeinte Frage. (Damit ich weiß was für eine Gesprächsbasis wir haben)
Anglokatholik.
Re: 60 J. „Humani generis“ – Wider die Irrlehren der Modernisten
Verfasst: Montag 9. August 2010, 13:45
von Robert Ketelhohn
Vulgo Anglikaner.
Re: 60 J. „Humani generis“ – Wider die Irrlehren der Modernisten
Verfasst: Montag 9. August 2010, 13:48
von Stephen Dedalus
Robert Ketelhohn hat geschrieben:Vulgo Anglikaner.
Nicht alle Anglikaner sind Anglokatholiken.
Re: 60 J. „Humani generis“ – Wider die Irrlehren der Modernisten
Verfasst: Montag 9. August 2010, 13:51
von Stephen Dedalus
Übrigens wäre wahrscheinlich Benedikt XVI. kein so schlechtes Beispiel für das, was ich meine. Seine Positionen wären unter Pius X als modernistisch verdammt worden. Für die liberale Konzilskatholiken ist er ein konservatives Schreckbild. Ob es ihm gelingt, über die Gräben der Verwerfungen von Antimodernismus und liberalem Progressismus auf lange Sicht wieder Brücken zu bauen, ist fraglich.
Wäre die Entwicklung der römisch-katholischen Kirche von 1870 zu Benedikt sowohl liturgisch wie auch theologisch linearer verlaufen, dann ginge es der Kirche heute weitaus besser.
Widerspruch?
Re: 60 J. „Humani generis“ – Wider die Irrlehren der Modernisten
Verfasst: Montag 9. August 2010, 14:04
von ad-fontes
Stephen Dedalus hat geschrieben: sondern Prüfung und Übernahme des Guten
id est ....??
Re: 60 J. „Humani generis“ – Wider die Irrlehren der Modernisten
Verfasst: Montag 9. August 2010, 14:07
von ad-fontes
Stephen Dedalus hat geschrieben:
Wäre die Entwicklung der römisch-katholischen Kirche von 1870 zu Benedikt sowohl liturgisch wie auch theologisch linearer verlaufen, dann ginge es der Kirche heute weitaus besser.
Widerspruch?
Da reicht es aber nicht 1870 zu setzen. Letztlich muß man 100 Jahre weiter zurück, um zu verstehen.
Re: 60 J. „Humani generis“ – Wider die Irrlehren der Modernisten
Verfasst: Montag 9. August 2010, 14:13
von cantus planus
Ich dachte, man müsste zur "Alten Kirche" zurück...?

Re: 60 J. „Humani generis“ – Wider die Irrlehren der Modernisten
Verfasst: Montag 9. August 2010, 14:15
von Stephen Dedalus
ad-fontes hat geschrieben:Stephen Dedalus hat geschrieben:
Wäre die Entwicklung der römisch-katholischen Kirche von 1870 zu Benedikt sowohl liturgisch wie auch theologisch linearer verlaufen, dann ginge es der Kirche heute weitaus besser.
Widerspruch?
Da reicht es aber nicht 1870 zu setzen. Letztlich muß man 100 Jahre weiter zurück, um zu verstehen.
Meinetwegen. Um ein paar Jahre streite ich mich nicht.
Re: 60 J. „Humani generis“ – Wider die Irrlehren der Modernisten
Verfasst: Montag 9. August 2010, 14:15
von ad-fontes
Re: 60 J. „Humani generis“ – Wider die Irrlehren der Modernisten
Verfasst: Montag 9. August 2010, 14:45
von Torsten
Der Modernismus war im gewissen Sinne der Ausdruck eines allerdings sehr spät einsetzenden Versuchs der Versöhnung des Katholizismus mit der Aufklärung, einer „Verbürgerlichung der katholischen Theologie“[16]. Allen Modernisten ging es letztlich um eine Assimilation der traditionellen Lehre der Kirche an das eben moderne Denken, genauer an das, was sie für das moderne Denken hielten[17].
Diese Assimilation lässt sich besonders deutlich an drei von dem Freiburger Fundamentaltheologen Josef Schumacher herausgearbeiteten Hauptzielen des Modernismus festmachen: Zuerst wollten sie „den scholastischen Intellektualismus überwinden und die in diesem Denken so sehr vernachlässigte Subjektivität in ihrer Bedeutung hervorheben ...“[18]. Dies hat zweitens einen Abschied von klaren scholastischen Distinktionen, die als lebensfremd qualifiziert werden, zur Folge: Besonders anschaulich und in allen Bereichen der Theologie und des kirchlichen Lebens wirksam wird dieser Abschied in der Ablehnung der klaren Unterscheidung von Natur und Gnade: die Gnade, das Übernatürliche wird zu einem notwendigen Bestandteil der Natur, die Offenbarung wird zur subjektiven Erfahrung bzw. zu einer Ausdrücklichmachung des religiösen Gefühls depotenziert: „In all diesen Fällen wird die Offenbarung in subjektive Bedeutsamkeit verflüchtigt.“[19] Damit verliert das Christentum sein bleibendes, unwandelbares Proprium, es ist einer ständigen Evolution unterworfen. Daher das dritte Hauptziel der Modernisten: der Wunsch, die aus der Philosophie des 19. Jahrhunderts entlehnte Kategorie der Geschichtlichkeit in die Theologie zu importieren, indem sie „die historisch-kritische Methode in die Bibelwissenschaft heimisch machen und die Glaubenswahrheiten weniger abstrakt und statisch, mehr konkret und dynamisch fassen ...“[20]
Wie ist das hier zu verstehen mit der Ablehnung der klaren Unterscheidung von Natur und Gnade? Ähnliches kenne ich aus der postmarxistischen Theorie, wo es statt um die "Verbürgerlichung der katholischen Theologie" um die "Verhausschweinung der Arbeiterbewegung" mittels eines liberalen Fortschrittsbegriffes geht, der, einfach ausgedrückt, die Krisenhaftigkeit und die Systemzwänge auch zur "subjektiven Erfahrung" degradiert, die dann "konkret und dynamisch" unter einem Motto gefasst wird:"Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied." Was letztlich ja wirklich nichts anderes ist als die Rückübersetzung der Prädestinationslehre ins Weltliche.
Re: 60 J. „Humani generis“ – Wider die Irrlehren der Modernisten
Verfasst: Montag 9. August 2010, 16:01
von Gamaliel
Stephen Dedalus hat geschrieben:Für diese Sicht wird es hier aber wohl kaum Zustimmung geben.
Ganz richtig, von mir jedenfalls nicht! Die Stellungnahmen des Lehramts waren die differenzierte und mit dem Hinweis auf die Pflege der "philosophia perennis", sowie die Bedeutung des hl. Thomas von Aquin, auch konstruktive Antwort auf die "modernen Lehren". Aber das ist ja alles in "Humani generis" ausgeführt und erklärt...
Und zum Modernismusvorwurf gegenüber Kaplan Dr. Joseph Ratzinger ist die Geschichte ja ohnehin bekannt:
30 Tage hat geschrieben:Ratzinger berichtet in seiner Autobiographie, daß dann etwas schiefzulaufen begann...
LÄPPLE: Im Herbst 1955 gab Ratzinger seine Habilitationsschrift über Bonaventura ab. Söhngen nahm sie mit Begeisterung auf – nicht aber Professor Schmaus, der Mediävist der Theologischen Fakultät. Schmaus sagte zu Söhngen: „Das ist Modernismus, diese Arbeit kann ich nicht annehmen.“ So mußte Söhngen Ratzinger mitteilen, daß die Arbeit nicht durchgehen würde, weil sie Schmaus für modernistisch hielt. Schmaus war wohl der Meinung, daß gewisse Passagen auf eine gefährliche Subjektivierung des Offenbarungsbegriffes hinausliefen.
Die Habilitationsschrift des zukünftigen Papstes wurde dann aber – trotz des Verdachts des Modernismus – doch nicht abgelehnt…
LÄPPLE: Nein. Der Fakultätsrat beschloß, die Arbeit nicht abzulehnen, sondern zur Verbesserung zurückzugeben. Was zu verbessern war, sollte aus den von Schmaus in sein Exemplar eingetragenen Randbemerkungen ersichtlich sein.
Eine Umarbeitung, die einen jahrelangen Arbeitsaufwand bedeutet hätte. Doch dann kam Ratzinger der rettende Einfall…
LÄPPLE: Der letzte Teil von Ratzingers Arbeit befaßte sich mit der Geschichtstheologie Bonaventuras, im Vergleich zu der von Joachim von Fiore – und daran hatte Schmaus keine Kritik geübt. Es war ein eigenständiger Teil, der sich ohne große Schwierigkeiten zu einem geschlossenen Ganzen umgestalten ließ. Auch Söhngen war mit Ratzingers Plan einverstanden, den ersten, so unerbittlich beanstandeten Teil einfach herauszunehmen und nur den letzten vorzulegen…
Re: 60 J. „Humani generis“ – Wider die Irrlehren der Modernisten
Verfasst: Montag 9. August 2010, 16:16
von lifestylekatholik
ad-fontes hat geschrieben:Stephen Dedalus hat geschrieben: sondern Prüfung und Übernahme des Guten
id est ....??
Ja, Väterchen Direx, das würde mich auch interessieren: Was war gut an den modernistischen Forderungen?
Re: 60 J. „Humani generis“ – Wider die Irrlehren der Modernisten
Verfasst: Montag 9. August 2010, 16:30
von ad-fontes
Einführung einer Verfassung, die die bischöflichen Kompetenzen beschneidet (Rechtsprechung durch Laiengerichte, Exekutivorgan Synodalvertretung, Gesetzgebung durch Synode, die nach demokratischen Grundsätzen zusammentritt)?
Re: 60 J. „Humani generis“ – Wider die Irrlehren der Modernisten
Verfasst: Montag 9. August 2010, 16:37
von lifestylekatholik
ad-fontes hat geschrieben:Einführung einer Verfassung, die die bischöflichen Kompetenzen beschneidet (Rechtsprechung durch Laiengerichte, Exekutivorgan Synodalvertretung, Gesetzgebung durch Synode, die nach demokratischen Grundsätzen zusammentritt)?
Nein, ich meinte SD, den Ojciec Dyrektor.

Re: 60 J. „Humani generis“ – Wider die Irrlehren der Modernisten
Verfasst: Montag 9. August 2010, 16:41
von ad-fontes
War an SD gerichtet; deshalb das Fragezeichen am Schluß.
Re: 60 J. „Humani generis“ – Wider die Irrlehren der Modernisten
Verfasst: Montag 9. August 2010, 17:49
von Torsten
>Was war gut an den modernistischen Forderungen?<
"Abschied von klaren scholastischen Distinktionen, die als lebensfremd qualifiziert werden, zur Folge: Besonders anschaulich und in allen Bereichen der Theologie und des kirchlichen Lebens wirksam wird dieser Abschied in der Ablehnung der klaren Unterscheidung von Natur und Gnade: die Gnade, das Übernatürliche wird zu einem notwendigen Bestandteil der Natur"
Die Sichtweise birgt etwas positives. Sich nicht zurücklehnen, weil es Gott schon richten wird, sondern die anvertrauten Aufgaben erfüllen. Nicht auf das Jüngste Gericht warten und sich innerlich völlig aus der Welt verabschieden. Aber auch nicht den einen Materialismus(Kommunismus) in Bausch und Bogen verdammen, den anderen(Kapitalismus) als Naturgesetz hinnehmen, um sich dann an den daraus entstehenden modernistischen gesellschaftlichen Ideen und Entwicklungen zu reiben. Wenn wir als Menschen wirklich als Wesen geschaffen sind, die beide Seiten der Schöpfung, die der Engel und die der Materie, verkörpern, dann kommen wir nicht drumherum, uns Gedanken über eine materielle Ordnung zu machen. Aber als Engel betrachtet man diese weniger bis gar nicht von der materiellen Wertschöpfung und Verteilung, sondern mehr vom Blut. Von der zwischenmenschlichen Beziehung und der Sexualität her, die eine Form findet und dann als Grundlage für profane, materielle Entscheidungen dient. Denke ich mir so.
Re: 60 J. „Humani generis“ – Wider die Irrlehren der Modernisten
Verfasst: Montag 9. August 2010, 18:36
von Thomas_de_Austria
Abschied von klaren scholastischen Distinktionen, die als lebensfremd qualifiziert werden ...
Wenn ich so was schon lese ... - Es gibt da eine gewisse (allseits bekannte) Sorte Theologen, die kommen mit Phrasen über die "Lebensfremdheit" etc. der (Neo-)Scholastik, die einmal abgesehen davon, dass sie schlicht eine persönliche Einschätzung, desjenigen der sie drischt, und kein wie auch immer geartetes Argument ist, noch dazu eine ebenfalls rein subjektive, emotionale Wertung stillschweigend impliziert.
Das ist exakt dasselbe Zeug, mit dem manche Schüler gegen die Mathematik, Studenten gegen die Logik wettern oder man gegen den Latein/Altgriechisch-Unterricht hausieren geht ...
Re: 60 J. „Humani generis“ – Wider die Irrlehren der Modernisten
Verfasst: Dienstag 10. August 2010, 18:01
von Gamaliel
Wie sehr die Zeit rund um "Humani generis" von Ungehorsam gegen die lehramtlichen Weisungen geprägt war, zeigt in erschütternder Offenheit der Bericht eines der Anhänger der verurteilten "Neuen Theologie", nämlich Msgr. Peter Henrici.
In einem Aufsatz mit dem Titel "
Das Heranreifen des Konzils" (Seite 4-20 der pdf-Datei) beschreibt der em. Weihbischof von Chur und em. Professor an der Gregoriana seine eigene Studienzeit bzw. die Zeit unter Papst Pius XII.
Fazit: Man las, lehrte und tat in gewissen Kreisen genau das, was von den Päpsten - insbesondere in "Humani generis" - verboten wurde und war/ist darauf auch noch stolz. => Leseempfehlung für diesen Aufsatz, der gut zeigt, wie die Wölfe in die Herde des Herrn einfielen und dort bis auf den heutigen Tag ihr Zerstörungswerk fortsetzen.
Ein Auszug aus den Erzählungen von Msgr. Henrici:
Eine ganz andere Atmosphäre als in Deutschland fand ich bei meinen theologischen Studien (1955-59) in Löwen vor.
[…]
Den theologisch Interessiertesten empfahl der Studienpräfekt als erste Lektüre die ersten zwei Kapitel von Henri de Lubacs Surnaturel – dem verbotensten der »verbotenen Bücher«! – und dann sein Corpus Mysticum, um einen Sinn dafür zu bekommen, daß gleichlautende Aussagen zu anderen Zeiten und in anderem Kontext theologisch einen ganz anderen Sinn haben konnten. Gleichzeitig wurde in der Fundamentaltheologie von einem anderen Professor die Möglichkeit der Dogmenentwicklung diskutiert, die Bedeutung der lebendigen Tradition (und nicht nur des Lehramts) unterstrichen und die Zwei-Quellen-Lehre (Schrift und Tradition) des Tridentinums schon ganz im Sinne von Dei Verbum ausgelegt.
[…]
Von einer systematisch (scholastisch oder lehramtlich) verfestigten Theologie war da nichts mehr zu spüren – wenn auch in den vervielfältigten »Notes de cours« (Studienunterlagen) der Professoren der Inhalt im alten (scholastischen) Stil bereitgestellt wurde; aber diese Unterlagen blätterte man höchstens noch durch.
Re: 60 J. „Humani generis“ – Wider die Irrlehren der Modernisten
Verfasst: Donnerstag 12. August 2010, 11:14
von Gamaliel
Am heutigen Jahrestag der Enzyklika „Humani generis“, möchte ich auf einen sehr wichtigen Punkt des Schreibens hinweisen, nämlich die Bedeutung, die die Enzyklika der Scholastik und insbesondere dem hl. Thomas von Aquin beimißt.
Zunächst zwei Zitate aus der Enzyklika:
Sie [sc. die Neomodernisten] wenden ferner ein, daß die „philosophia perennis“ nichts als eine Philosophie der unveränderlichen Wesenheiten sei, während das heutige Denken interessiert sein müsse an der „Existenz der Einzeldinge“ und an dem „stets fließenden Leben“. – Während sie aber diese Philosophie verachten, preisen sie andere Systeme hoch: seien es antike oder neue, seien es solche östlicher oder westlicher Völker: so sehr, daß sie damit hinterhältig den Seelen das Gefühl einflößen zu wollen scheinen, jede beliebige Philosophie oder Meinung könne, unter Beifügung – wenn das vonnöten sein sollte – einiger Verbesserungen oder Ergänzungen, in Ausgleich mit dem katholischen Dogma gebracht werden.
Aber kein Katholik kann daran zweifeln, daß dies gänzlich falsch ist, […]
Nach diesen Überlegungen versteht man leicht, warum die Kirche es verlangt, daß die zukünftigen Priester in den philosophischen Fächern unterrichtet werden nach der Methode, der Lehre und den Grundsätzen des engelgleichen Lehrers. Die Kirche weiß ja nach einer Erfahrung von vielen Jahrhunderten gut, daß die Methode und die Denkart des heiligen Thomas von Aquin, sowohl im Unterricht für die Anfänger als auch in der Erforschung verborgener Wahrheiten einzigartig hervorragend sind; daß fernerhin seine Lehre gleichsam in einer Art von Harmonie mit der göttlichen Offenbarung übereinstimmt, und daß sie in höchst wirkungsvoller Weise die gesicherten Fundamente des Glaubens legt sowie auch brauchbar und gefahrlos die Früchte eines gesunden Fortschritts aufliest. Darum ist es äußerst zu beklagen, daß man die Philosophie, die von der Kirche übernommen und anerkannt ist, heute von mancher Seite der Verachtung preisgibt, und man sich von ihr als „veraltet in der Form“ und als „rationalistisch“ in der Denkweise, wie sie es nennen, unverschämt lossagt.
Um mit Prof. Johannes Dörmann zu sprechen, „das Erscheinungsbild der ‚Neuen Theologie’ ist facettenreich, aber im Prinzip ist es einfach, weswegen man die vielen Formen unter demselben Namen zusammenfassen kann.
Gemeinsam ist allen Formen die Ablehnung der traditionellen Theologie. […] Durch den Verzicht auf die scholastische Sprache wurde in Wirklichkeit auch die scholastische Theologie verabschiedet und die in Jahrhunderten bewährte Ehe zwischen der „philosophia perennis“ und dem Glauben geschieden. […] Offenbarung und Glaube wurden den philosophisch-geistigen Zeitströmungen angepaßt und Exponenten der ‚Neuen Theologie’ wurden zu Kardinälen kreiert.“
Und somit ergeben sich erneut die Frage: Wo liegt der Irrtum, in der Enzyklika von Pius XII. oder bei jenen, die heute das vertreten, was vor 60 Jahren noch verboten war?
Es kann keinen Zweifel geben, daß eine authentische Erneuerung der kirchlichen Lehrtradition genau den umgekehrten Weg von dem gehen muß, der zum Bruch mit der bisherigen Lehrtradition der Kirche geführt hat: Rückkehr zur "philosophia perennis" und Rückkehr zur scholastischen Theologie unter der Führung des hl. Thomas von Aquin, im Gehorsam zu den beständigen Weisungen des päpstlichen Lehramts.
Re: 60 J. „Humani generis“ – Wider die Irrlehren der Modernisten
Verfasst: Donnerstag 12. August 2010, 11:37
von Robert Ketelhohn
Gamaliel hat geschrieben:Es kann keinen Zweifel geben, daß eine authentische Erneuerung der kirchlichen Lehrtradition genau den umgekehrten Weg von dem gehen muß, der zum Bruch mit der bisherigen Lehrtradition der Kirche geführt hat: Rückkehr zur "philosophia perennis" und Rückkehr zur scholastischen Theologie unter der Führung des hl. Thomas von Aquin, im Gehorsam zu den beständigen Weisungen des päpstlichen Lehramts.
Bloß mal ’ne Zwischenfrage: Weshalb eigentlich nicht weiter zurück: über Thomas zu Augustin, Basilius, Johannes Goldmund?
Re: 60 J. „Humani generis“ – Wider die Irrlehren der Modernisten
Verfasst: Donnerstag 12. August 2010, 11:52
von Gamaliel
Robert Ketelhohn hat geschrieben:Bloß mal ’ne Zwischenfrage: Weshalb eigentlich nicht weiter zurück: über Thomas zu Augustin, Basilius, Johannes Goldmund?
Papst Pius XII. beantwortet Deine Zwischenfrage so:
Die Kirche weiß ja nach einer Erfahrung von vielen Jahrhunderten gut, daß die Methode und die Denkart des heiligen Thomas von Aquin, sowohl im Unterricht für die Anfänger als auch in der Erforschung verborgener Wahrheiten einzigartig hervorragend sind
Wohlgemerkt, die Betonung liegt auf Methode. Inhaltlich stützt sich der hl. Thomas ja bekanntlich häufig auf die Kirchenväter und selbiges tat auch die traditionelle Dogmatik. Daß "daneben", als Grundlage, Unterstützung, Ergänzung,... die Patristik eine entscheidende Rolle spielen muß, versteht sich von selbst.
Re: 60 J. „Humani generis“ – Wider die Irrlehren der Modernisten
Verfasst: Samstag 14. August 2010, 11:09
von Gamaliel
Wem fehlt noch eine Lektüre für das Wochenende?
Im Sommer 1946 erschien ein bedeutender Artikel aus der Feder des Dominikanerpaters und Thomisten Garrigou-Lagrange, der sich mit den Grundlagen der "Neuen Theologie" beschäftigte.
Der Text trägt die Überschrift: "Wohin führt die neue Theologie?“ und er kommt zur Schlußfolgerung: "Sie kehrt zum Modernismus zurück!"
Schon kurze Zeit nach diesem Artikel (und knapp 4 Jahre vor Veröffentlichung von "Humani generis") bezog auch Papst Pius XII. deutlich Position:
[quote="Pius XII. im "Osservatore Romano" am 19. September 1946"]Ziemlich viel wurde über die Neue Theologie gesagt, was jedoch nicht ausreichend durchdacht war. Sie würde sich zugleich mit allen anderen sich ständig ändernden Dingen entwickeln, immer werde sie unterwegs sein, aber nie ans Ziel gelangen.
Sollte eine derartige Ansicht gutgeheißen werden, was wird dann mit den katholischen Dogmen geschehen, die niemals geändert werden dürfen, und was mit der Einheit und dauernden Festigkeit des Glaubens?[/quote]
Die traurige Antwort auf diese Frage liefert uns ein Blick in die "moderne" Kirche und Theologie der Gegenwart.
Der vollständige Artikel von Garrigou-Lagrange liegt in englischer Übersetzung* online
hier vor. Die Hintergründe seiner Abfassung und Bedeutung beleuchtet auch der schon weiter oben erwähnte
Beitrag von David Berger.
*Mir liegt eine (online nicht verfügbare) deutsche Übersetzung vor. Sollte jemand daran Interesse haben, möge er sich per PN melden.