Liturgie: Volkssprache oder Latein?

Allgemein Katholisches.

Die Einführung der Hl. Messe in der Volkssprache nach dem Konzil war...

ein Fehler, und sollte rückgängig gemacht werden
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ein Fehler, der heute aber nicht mehr zu ändern ist
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richtig
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Insgesamt abgegebene Stimmen: 56

Stephen Dedalus
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Liturgie: Volkssprache oder Latein?

Beitrag von Stephen Dedalus » Donnerstag 6. Mai 2010, 20:29

Die folgenden Beiträge wurden aus diesem Thread getrennt. SD und Hubertus haben das Thema nicht eröffnet.
cantus planus, Mod.

Hubertus hat geschrieben: Wogegen ich mich wehre, ist die neuerdings sog. "Hermeneutik des Bruchs", die davon ausgeht, daß es schlicht unmöglich sei, die Kirchen so zu belassen, wie sie sind, weil die Gestaltung des Kirchenraums einer "überwundenen" Form der Liturgie entspräche, die "der unseren nicht mehr gerecht wird". Und ich glaube, daß der "Umgestaltung" o.g. Kirche genau dieser Leitgedanke zugrunde lag.
Und was denkst Du umgekehrt über eine "Hermeneutik des Bruchs", die die Theologie und Liturgie nach dem 2. Vatikanum für einen radikalen Bruch mit der katholischen Lehre aller Zeiten hält?
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overkott
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Re: Liturgische Mißbräuche und kein Ende...

Beitrag von overkott » Donnerstag 6. Mai 2010, 20:32

Stephen, wie denkst du als Anglikaner drüber?

Stephen Dedalus
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Re: Liturgische Mißbräuche und kein Ende...

Beitrag von Stephen Dedalus » Donnerstag 6. Mai 2010, 20:43

overkott hat geschrieben:Stephen, wie denkst du als Anglikaner drüber?
Ich denke, daß das Konzil ein wichtiger Schritt für die Kirche war, grundsätzliche Wahrheiten des Glaubens wieder zu forumulieren und den Gläubigen ins Bewußtsein zu rufen.

Im Hinblick auf die Liturgie meine ich, daß einige grundsätzlich richtige Entscheidungen getroffen wurden (u.a. die Feier der Eucharistie in der Volkssprache), daß aber nicht alle Reformen gut waren und man die sog. Alte Messe nicht so sehr hätte unterdrücken dürfen.
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Bernado
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Re: Liturgische Mißbräuche und kein Ende...

Beitrag von Bernado » Donnerstag 6. Mai 2010, 21:24

Stephen Dedalus hat geschrieben:Im Hinblick auf die Liturgie meine ich, daß einige grundsätzlich richtige Entscheidungen getroffen wurden (u.a. die Feier der Eucharistie in der Volkssprache), daß aber nicht alle Reformen gut waren und man die sog. Alte Messe nicht so sehr hätte unterdrücken dürfen.
Bitte erst informieren: Die Entscheidung war, der Volkssprache größeren Platz einzuräumen, aber im Grundsatz am Latein festzuhalten. Siehe SC 36.

@Hubertus: Bei SD muß man genau hinschauen: Er meint, die eigentlichen Bruchverursacher sind die, die der Entwicklung nach dem Konzil unterstellen, sie sei von Brüchen geprägt - er setzt nämlich fälschlicherweise die reale Entwicklung nach dem Konzil im Wesentlichen in Eins mit dem, was die Konzilsväter gewollt und auch beschlossen haben.

Wobei eben leider das letztere tatsächlich nicht immer leicht zu erkennen ist, weil es in einigen Dokumenten widersprüchliche Passagen gibt.

Dabei ist die Auflösung dieser Widersprüche für Katholiken nicht wirklich ein Problem: Was Brüche mit der Tradition der Kirche impliziert, kann nicht gemeint sein.
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Stephen Dedalus
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Re: Liturgische Mißbräuche und kein Ende...

Beitrag von Stephen Dedalus » Donnerstag 6. Mai 2010, 22:30

Bernado hat geschrieben:
Stephen Dedalus hat geschrieben:Im Hinblick auf die Liturgie meine ich, daß einige grundsätzlich richtige Entscheidungen getroffen wurden (u.a. die Feier der Eucharistie in der Volkssprache), daß aber nicht alle Reformen gut waren und man die sog. Alte Messe nicht so sehr hätte unterdrücken dürfen.
Bitte erst informieren: Die Entscheidung war, der Volkssprache größeren Platz einzuräumen, aber im Grundsatz am Latein festzuhalten. Siehe SC 36.
Bitte erst genau lesen: Eine solche Behauptung, daß die Entscheidung zur Gestalt der Liturgiereform vom Konzil getroffen wurde, habe ich nirgendwo aufgestellt. Trotzdem halte ich die Entscheidung, die Eucharistie in der Volkssprache zu feiern, für richtig.
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Re: Liturgische Mißbräuche und kein Ende...

Beitrag von Bernado » Donnerstag 6. Mai 2010, 22:35

Stephen Dedalus hat geschrieben:
Bernado hat geschrieben:
Stephen Dedalus hat geschrieben:Im Hinblick auf die Liturgie meine ich, daß einige grundsätzlich richtige Entscheidungen getroffen wurden (u.a. die Feier der Eucharistie in der Volkssprache), daß aber nicht alle Reformen gut waren und man die sog. Alte Messe nicht so sehr hätte unterdrücken dürfen.
Bitte erst informieren: Die Entscheidung war, der Volkssprache größeren Platz einzuräumen, aber im Grundsatz am Latein festzuhalten. Siehe SC 36.
Bitte erst genau lesen: Eine solche Behauptung, daß die Entscheidung zur Gestalt der Liturgiereform vom Konzil getroffen wurde, habe ich nirgendwo aufgestellt. Trotzdem halte ich die Entscheidung, die Eucharistie in der Volkssprache zu feiern, für richtig.
Ausrede nicht akzeptiert. Demnächst beim Nebelwerfen vorsichtiger sein.
SD hat geschrieben:Ich denke, daß das Konzil ein wichtiger Schritt für die Kirche war, grundsätzliche Wahrheiten des Glaubens wieder zu forumulieren und den Gläubigen ins Bewußtsein zu rufen.

Im Hinblick auf die Liturgie meine ich, daß einige grundsätzlich richtige Entscheidungen getroffen wurden (u.a. die Feier der Eucharistie in der Volkssprache), daß aber nicht alle Reformen gut waren und man die sog. Alte Messe nicht so sehr hätte unterdrücken dürfen.
Du kannst natürlich mit dem Befund leben wollen, ein kontextloser Schreiber zu sein: Was interessiert mich, was ich im vorhergehenden Absatz geschrieben habe.
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Re: Liturgische Mißbräuche und kein Ende...

Beitrag von Stephen Dedalus » Donnerstag 6. Mai 2010, 22:40

Bernado hat geschrieben:Ausrede nicht akzeptiert. Demnächst beim Nebelwerfen vorsichtiger sein.
Keine Ausrede, Fakt.

Im Beitrag vorher schrieb ich bewußt von Theologie und Liturgie nach dem Konzil.

Im Übrigen: Wenn Du schon meinst, hier durch Exegese meiner Beiträge Deine Deutungshoheit verteidigen zu müssen, solltest Du etwas genauer lesen und arbeiten. Und vor allem den Kontext beachten. Damit der Vorwurf der "Kontextlosigkeit" nicht auf Dich selbst zurückfällt.
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Re: Liturgische Mißbräuche und kein Ende...

Beitrag von Bernado » Donnerstag 6. Mai 2010, 22:47

Stephen Dedalus hat geschrieben:
Bernado hat geschrieben:Ausrede nicht akzeptiert. Demnächst beim Nebelwerfen vorsichtiger sein.
Keine Ausrede, Fakt.
A nice try: SD erfindet den Hüpfkontext, der immer gerade da ist, wo man ihn braucht. Hilft aber alles nix - zuviel Nebel.
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Re: Liturgische Mißbräuche und kein Ende...

Beitrag von Stephen Dedalus » Donnerstag 6. Mai 2010, 22:54

Bernado hat geschrieben:
Stephen Dedalus hat geschrieben:
Bernado hat geschrieben:Ausrede nicht akzeptiert. Demnächst beim Nebelwerfen vorsichtiger sein.
Keine Ausrede, Fakt.
A nice try: SD erfindet den Hüpfkontext, der immer gerade da ist, wo man ihn braucht. Hilft aber alles nix - zuviel Nebel.
Apropos Nebelwerfen:

Was will "Bernardo" eigentlich durch seinen Aufstand hier bezwecken? Mir beweisen, daß die katholische Kirche nie angefangen hat, die Liturgie in der Volkssprache zu feiern, daß niemand diese Entscheidung gefällt hat, oder daß es sich dabei um einen "Betriebsunfall" gehandelt hat?

Oder erträgt er bereits nicht, daß ich eine Entwicklung in der katholischen Kirche begrüßt habe, die er selbst ablehnt?
Zuletzt geändert von Stephen Dedalus am Donnerstag 6. Mai 2010, 23:01, insgesamt 1-mal geändert.
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MODERATION

Beitrag von cantus planus » Freitag 7. Mai 2010, 10:42

Ich habe aus diesem Thema einen neuen Strang gemacht, weil es im Prinzip doch ganz interessant ist. Bitte aber sachlich im Ton bleiben!
cantus planus, Mod.
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Re: Liturgie: Volkssprache oder Latein?

Beitrag von Stephen Dedalus » Freitag 7. Mai 2010, 11:49

Ich habe dazu eine Umfrage eingestellt, da mich das Meinungsbild der Kreuzgängster dazu interessiert.

viewtopic.php?f=3&t=11438
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Re: Liturgie: Volkssprache oder Latein?

Beitrag von cantus planus » Freitag 7. Mai 2010, 11:55

Ich habe mir erlaubt, die Umfrage hier nochmal anzulegen, und den anderen Thread zu versenken, damit die Übersicht gewahrt bleibt.
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Re: Liturgie: Volkssprache oder Latein?

Beitrag von Stephen Dedalus » Freitag 7. Mai 2010, 12:00

cantus planus hat geschrieben:Ich habe mir erlaubt, die Umfrage hier nochmal anzulegen, und den anderen Thread zu versenken, damit die Übersicht gewahrt bleibt.
Danke! :)
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Re: Liturgie: Volkssprache oder Latein?

Beitrag von Linus » Freitag 7. Mai 2010, 12:02

ich habe "richtig" angekreuzt, wobei zu sagen wäre: Zurück zur Liturgiereform von 1965, und her mit den Hochaltären!
und die Übersetzung hat durch das Dikasterium zu erfolgen, die Beamtenkirche der Deutschösterrweiz ist nun mal unfähig pro multis richtig zu übersetzen.
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Re: Liturgie: Volkssprache oder Latein?

Beitrag von Stephen Dedalus » Freitag 7. Mai 2010, 12:12

Linus hat geschrieben:ich habe "richtig" angekreuzt, wobei zu sagen wäre: Zurück zur Liturgiereform von 1965, und her mit den Hochaltären!
und die Übersetzung hat durch das Dikasterium zu erfolgen, die Beamtenkirche der Deutschösterrweiz ist nun mal unfähig pro multis richtig zu übersetzen.
Ja, eine Messe in der Volkssprache nach den Büchern von 1965 hielte ich durchaus für eine gute Lösung.
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Re: Liturgie: Volkssprache oder Latein?

Beitrag von overkott » Freitag 7. Mai 2010, 12:16

Hat der Herr etwa in der Sprache seines Vaters oder in der Muttersprache nach 1965 zelebriert? Vielleicht auf Englisch? Natürlich nicht. Das Pfingstereignis zeigt uns: Es kommt nicht auf die Muttersprache an, sondern auf den Geist der Hingabe und Nächstenliebe. Denn wer geistlos zelebriert, redet auch in seiner Muttersprache dummes Zeug.

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Pelikan
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Re: Liturgische Mißbräuche und kein Ende...

Beitrag von Pelikan » Freitag 7. Mai 2010, 12:20

Stephen Dedalus hat geschrieben:Im Hinblick auf die Liturgie meine ich, daß einige grundsätzlich richtige Entscheidungen getroffen wurden (u.a. die Feier der Eucharistie in der Volkssprache), daß aber nicht alle Reformen gut waren und man die sog. Alte Messe nicht so sehr hätte unterdrücken dürfen.
So sehe ich es auch, aber dem scheint in dieser seltsam formulierten Umfrage keine Option zu entsprechen.

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Re: Liturgische Mißbräuche und kein Ende...

Beitrag von Robert Ketelhohn » Freitag 7. Mai 2010, 12:29

Pelikan hat geschrieben:So sehe ich es auch, aber dem scheint in dieser seltsam formulierten Umfrage keine Option zu entsprechen.
Ebenso. – Die Entscheidung, die Einführung der Volkssprache in die Liturgie zu ermöglichen, war richtig; die konkrete Umsetzung in vielem schlecht bis katastrophal.
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Re: Liturgische Mißbräuche und kein Ende...

Beitrag von Bernado » Freitag 7. Mai 2010, 12:45

Ich kann ebenfalls unter den vorgegebenen Antworten keine finden, die ich ankreuzen könnte.
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Re: Liturgie: Volkssprache oder Latein?

Beitrag von Stephen Dedalus » Freitag 7. Mai 2010, 12:46

Zur Klarstellung:

Mir ging es mit der Umfrage konkret um die Einführung der Volkssprache an sich, zunächst ohne die Frage der Umsetzung. Es scheint mir, daß selbst dieser fundamentale Punkt hier umstritten ist.

Wer also der Meinung ist, die Einführung der Volkssprache sei an sich richtig, die Umsetzung jedoch mangelhaft, sollte im Sinne der Umfrage "richtig" angeben. Ergänzende Bemerkungen sollten dann im Strang gemacht werden.
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Re: Liturgische Mißbräuche und kein Ende...

Beitrag von ad-fontes » Freitag 7. Mai 2010, 12:46

Robert Ketelhohn hat geschrieben:
Pelikan hat geschrieben:So sehe ich es auch, aber dem scheint in dieser seltsam formulierten Umfrage keine Option zu entsprechen.
Ebenso. – Die Entscheidung, die Einführung der Volkssprache in die Liturgie zu ermöglichen, war richtig; die konkrete Umsetzung in vielem schlecht bis katastrophal.
Das sehe ich genauso. Im übrigen hätte ich mir eine andere Umfrageoption erwartet:

Wer ist für Zweisprachigkeit (z.B. Ordinariumsstücke und Amtsgebete auf Latein, Lesungen und sonstige Gesänge in der Volkssprache), wer für sprachlichen "Purismus" (entweder nur Volkssprache oder nur Latein) in der Liturgie?
Christi vero ecclesia, sedula et cauta depositorum apud se dogmatum custos, nihil in his umquam permutat, nihil minuit, nihil addit; non amputat necessaria, non adponit superflua; non amittit sua, non usurpat aliena. (Vincentius Lerinensis, Com. 23, 16)

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Re: Liturgie: Volkssprache oder Latein?

Beitrag von ad-fontes » Freitag 7. Mai 2010, 12:47

Stephen Dedalus hat geschrieben: Wer also der Meinung ist, die Einführung der Volkssprache sei an sich richtig.
Als Option oder als Vorschrift?
Christi vero ecclesia, sedula et cauta depositorum apud se dogmatum custos, nihil in his umquam permutat, nihil minuit, nihil addit; non amputat necessaria, non adponit superflua; non amittit sua, non usurpat aliena. (Vincentius Lerinensis, Com. 23, 16)

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Re: Liturgie: Volkssprache oder Latein?

Beitrag von overkott » Freitag 7. Mai 2010, 12:48

Nehmen wir den Turmbau zu Babbel. Was lernen wir daraus? Wo Gott die heilige Stadt und ihre Liturgie nicht baut, da verwirrt er sie und ihre Sprache und verstreut sie über die ganze Welt.

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Re: Liturgie: Volkssprache oder Latein?

Beitrag von Niels » Freitag 7. Mai 2010, 13:02

overkott hat geschrieben:Nehmen wir den Turmbau zu Babel. Was lernen wir daraus? Wo Gott die heilige Stadt und ihre Liturgie nicht baut, da verwirrt er sie und ihre Sprache und verstreut sie über die ganze Welt.
Du hältst also die Einführung der Volksprache für eine Strafe Gottes?
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Re: Liturgische Mißbräuche und kein Ende...

Beitrag von Bernado » Freitag 7. Mai 2010, 13:25

ad-fontes hat geschrieben:Im übrigen hätte ich mir eine andere Umfrageoption erwartet:

Wer ist für Zweisprachigkeit (z.B. Ordinariumsstücke und Amtsgebete auf Latein, Lesungen und sonstige Gesänge in der Volkssprache), wer für sprachlichen "Purismus" (entweder nur Volkssprache oder nur Latein) in der Liturgie?
Das ist z.B. eine ganz wichtige Frage - die noch zu ergänzen wäre durch die Frage danach, ob z.B. der Kanon laut oder leise zu beten ist.

Ein anderer "übersehener" Punkt ist der, daß die Erlaubnis zur teilweisen Verwendung der Volksprache sich zunächst (und nach dem Willen der Konzilsväter) nur auf die Gemeindemesse bezog - es wurde als selbstverständlich betrachtet, daß der Priester bei der Einzelzelebration weiterhin auf Latein betete. Nun, wir wissen, was aus der Einzelzelebration geworden ist - und ahnen, daß die Frage der Sprache keine Einzelfrage darstellt, sondern nur eine der Kristallisationsstellen ist, an denen die gesamte Revolution fassbar wird.
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Re: Liturgische Mißbräuche und kein Ende...

Beitrag von lifestylekatholik » Freitag 7. Mai 2010, 13:27

Bernado hat geschrieben:wir [...] ahnen, daß die Frage der Sprache keine Einzelfrage darstellt, sondern nur eine der Kristallisationsstellen ist, an denen die gesamte Revolution fassbar wird.
:ja: :ikb_thumbsup:
»Was muß man denn in der Kirche ›machen‹? In den Gottesdienſt gehen und beten reicht doch.«

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Re: Liturgische Mißbräuche und kein Ende...

Beitrag von ad-fontes » Freitag 7. Mai 2010, 13:47

lifestylekatholik hat geschrieben:
Bernado hat geschrieben:wir [...] ahnen, daß die Frage der Sprache keine Einzelfrage darstellt, sondern nur eine der Kristallisationsstellen ist, an denen die gesamte Revolution fassbar wird.
:ja: :ikb_thumbsup:
Deswegen ist es auch methodisch verfehlt, zu den Ostkirchen rüber zu blinzeln und zu sagen: Volkssprache kein Problem (ähnlich beim Zölibat).

1. Mißbraucht man die Orthodoxie bzw- die Unierten als argumentatives Deckmäntelchen.
2. Wer über soviele Jahrhunderte eine eigene Praxis hatte, braucht Zeit um solch einen Schritt wie die "Liturgiereform" vorzubereiten; wenn man die Weichenstellung dann so rasch so grundlegend ändert,sprich über's Knie bricht, nimmt es nicht Wunder, wenn es dann in die Binsen geht.
Christi vero ecclesia, sedula et cauta depositorum apud se dogmatum custos, nihil in his umquam permutat, nihil minuit, nihil addit; non amputat necessaria, non adponit superflua; non amittit sua, non usurpat aliena. (Vincentius Lerinensis, Com. 23, 16)

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Re: Liturgische Mißbräuche und kein Ende...

Beitrag von Bernado » Freitag 7. Mai 2010, 14:12

ad-fontes hat geschrieben:Wer über soviele Jahrhunderte eine eigene Praxis hatte, braucht Zeit um solch einen Schritt wie die "Liturgiereform" vorzubereiten; wenn man die Weichenstellung dann so rasch so grundlegend ändert,sprich über's Knie bricht, nimmt es nicht Wunder, wenn es dann in die Binsen geht.
Ja, aber da ist noch mehr als die Zeitfrage. Die Eile, in der die Reform durchgepeitscht wurde, war ja nicht nur ein "Formfehler" - sie war instrumentell dafür, zu verschleiern, daß es keine Einigkeit über die Ziele der Reform gab.

Bei großen Teilen des Klerus gab es das berechtigte Bedürfnis, die Liturgie wieder "näher an die Menschen" zu bringen - da war einiges verloren gegangen. In diesem Zusammenhang hatte auch die stärkere Verwendung der Volkssprache ihren Stellenwert. Die Ordnung von 1965 wäre dem weitgehend gerecht geworden.

Bei Teilen der Wissenschaft gab es die entschlossene Absicht, die protestantische Reformation nachzuholen - nicht nur in Bezug auf die Sprache, sondern umfassend. Sie konnten natürlich nicht mit einer Liturgie zufrieden sein, die mehr oder weniger der bestehenden entsprach und nur statt der lateinischen Texte die alten Schott-Übersetzungen brachte. Sie brauchten eine "neue" Liturgie, die den Bruch signalisierte, sie mußten zu katholische Teile der "alten" Theologie ausmerzen, und sie brauchten eine neue Übersetzung, die neuen Deutungen gegenüber offener war.

Bei der Bugnini-Truppe ging es weniger um diese Protestantisierung, sondern um die aus unerhörtem Hochmut geborene Vorstellung, mit der Tradition tabula rasa machen zu können und etwas ganz Neues für eine ganz neue multikulturelle Kirche zu schaffen: Die Liturgie sollte nur noch ein Minimalgerüst liefern, die Knochen, denen von den verschiedenen Weltkulturen aus wieder Fleisch von ihrem Fleisch zu geben wäre. Wenn die Deutschen meinten, zu ihrer Kultur gehöre nun mal ein gutes Stück Protestantismus, hatte man bugniniseitig aber auch nichts dagegen einzuwenden: Nicht nur die Liturgie, auch die Lehre sollte auf einen dürren Kernbestand (unerörterterFestigkeit) reduziert werden.

Durchgesetzt hat sich in der Praxis weitgehend das Protestantisierungskonzept - auch wenn Papst Paul dem an einigen Stellen Widerspruch entgegensetzte. Von daher ist es einerseits zwar völlig logisch, daß sich auch die Abkehr von der lateinischen Sprache durchgesetzt hat - es ist aber andererseits völlig unzulänglich, die Frage der Sprache außerhalb dieses Gesamtzusammenhangs zu behandeln.
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Re: Liturgie: Volkssprache oder Latein?

Beitrag von incarnata » Freitag 7. Mai 2010, 14:47

Ich kann keine Antwort finden,denn die Sprache ist letztlich nur ein Nebenkriegsschauplatz und es müsste erst einmal gekärt werden,was mit "Verständnis des Wesens der Liturgie zum Zwecke der aktiven Teilnahme desselben " gemeint ist.Fakt ist jedenfalls dass seit das Volk dank Volkssprache
scheinbar jedes Wort in der Liturgie versteht das tiefere Verständnis derselben rapide gesunken ist und die andächtige participatio actuosa durch Mitbeten der liturgischen Texte im Schott bzw. stillen Miterlebens der Heiligen Handlung oberflächlichem Aktionismus gewichen ist. Trotz(oder wegen?) der scheinbar leichten Verständlichkeit weiss ein Großteil der Leute heute nicht mehr,welches Wunder in der Hl. Messe tag für Tag geschieht.Das liegt m.E. allerdings weniger an der Sprache sondern daran dass sich der Charakter der Feier so geändert hat,dass sie durchaus missverständlich als reines Mahl und Gemeindehappening interpretiert werden kann bzw. von interessierten Kreisen so interpretiert wird,trotz aller anderslautender offiziellen Verlautbarungen.
Durch die barmherzige Liebe unseres Gottes wird uns besuchen das aufstrahlende
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Re: Liturgie: Volkssprache oder Latein?

Beitrag von overkott » Freitag 7. Mai 2010, 15:03

Niels hat geschrieben:
overkott hat geschrieben:Nehmen wir den Turmbau zu Babel. Was lernen wir daraus? Wo Gott die heilige Stadt und ihre Liturgie nicht baut, da verwirrt er sie und ihre Sprache und verstreut sie über die ganze Welt.
Du hältst also die Einführung der Volksprache für eine Strafe Gottes?
Etwas schon.

In der Vergangenheit war die Kirche so geistreich, sich bei der Ausbreitung ihrer Liturgie und Theologie der damaligen Weltsprache zu bedienen, die zugleich die Sprache der Gelehrten und der Verwaltung war. Das hat weithin zu einer Integration Europas beigetragen. Mit der Reformation nahmen die Zentrifugalkräfte zu. Welches Babbel in Europa daraus entstanden ist, sehen wir noch heute. Andererseits hat zur Einheit in Vielfalt der USA die weithin gemeinsame Sprache beigetragen, die den USA einen bedeutenden Vorteil gegenüber Europa verschafft hat. Für Europa stellt sich die Frage, wie die Bemühungen um eine gemeinsame Sprache fortgesetzt werden können. Für die Liturgie stellt sich die Frage, ob sie diese Bemühungen um Integration durch Aufnahme entsprechender Elemente (Gebete, Lieder) unterstützen kann. Gleichzeitig war die Liturgie weder in der Vergangenheit rein Lateinisch, noch sollte sie in Zukunft auf das Lateinische völlig verzichten. Denn durch die vielen verschiedenen Überlieferungen aus dem Aramäischen, Hebräischen, Griechischen, Lateinischen, Muttersprachlichen und vielleicht auch vermehrt aus dem Englischen bezeugt die Kirche auch in Zukunft die Einheit im Glauben an ihren Schöpfer über Zeit und Raum hinweg.
Zuletzt geändert von overkott am Freitag 7. Mai 2010, 15:10, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Liturgie: Volkssprache oder Latein?

Beitrag von cantus planus » Freitag 7. Mai 2010, 15:06

Mir war gar nicht bewusst, dass Englisch in den USA erfunden worden wäre. :roll:
George Bernard Shaw war noch relativ sicher, dass die amerikanische Sprache eigentlich gar kein Englisch sei...

Fazit: der Beitrag ist Babbel.
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Re: Liturgie: Volkssprache oder Latein?

Beitrag von ad-fontes » Freitag 7. Mai 2010, 15:10

cantus planus hat geschrieben: Fazit: der Beitrag ist Babbel.
Das entschädigt dafür (eine Seite vorher):
overkott hat geschrieben:Hat der Herr etwa in der Sprache seines Vaters oder in der Muttersprache nach 1965 zelebriert? Vielleicht auf Englisch? Natürlich nicht. Das Pfingstereignis zeigt uns: Es kommt nicht auf die Muttersprache an, sondern auf den Geist der Hingabe und Nächstenliebe. Denn wer geistlos zelebriert, redet auch in seiner Muttersprache dummes Zeug.
Christi vero ecclesia, sedula et cauta depositorum apud se dogmatum custos, nihil in his umquam permutat, nihil minuit, nihil addit; non amputat necessaria, non adponit superflua; non amittit sua, non usurpat aliena. (Vincentius Lerinensis, Com. 23, 16)

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