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Re: (Kirchliche) Kuriositäten

Verfasst: Mittwoch 17. Juni 2020, 13:29
von Juergen
Kai hat geschrieben:
Mittwoch 17. Juni 2020, 13:02
Mir ist über die Jahre immer wieder aufgefallen, dass deutsche Kleriker anscheinend so ausgebildet werden, dass sie das Wort "Witwe" nicht wie der Normalbürger ausprechen, also mit offenem und unbetontem "e" am Ende, sondern mit geschlossenem und betontem "e".

Woher kommt das und was soll das?
Ich glaube nicht, daß das eine klerikerspezifische Angelegenheit ist. Vielleicht hört man das Wort häufiger von Klerikern als von anderen Personen, weil Kleriker beruflich mit dem Tod und Angehörigen etc. zu tun haben.

Ich vermute zum einen, daß das regional unterschiedlich gesprochen wird, wie das bei vielen Wörtern der Fall ist. Hier in der Gegend wird z.B. das g am Wortende häufig als ch gesprochen – oft auch das g am Wortanfang, aber das ist ein anderes Thema.

Zudem könnte man vielleicht vermuten, daß die Aussprache des mit betontem e die Unterscheidung bei der Aussprache der weiblichen Form von der männlichen Form verdeutlicht.ˈvɪtvə und ˈvɪtvɐ hört sich ja recht ähnliche an, während der Unterschied bei ˈvɪtve und ˈvɪtvɐ (oder gar noch mit r am Ende) größer ist.

Re: (Kirchliche) Kuriositäten

Verfasst: Mittwoch 17. Juni 2020, 20:11
von Kai
Nee, nee, ich meinte nicht in freier Rede bei Beerdigungen, sondern bei Evangelienlesungen vor allem.

Mir fallen direkt drei Priester ein, die das aufweisen: Zwei Diözesanpriester aus dem Bistum Münster, einer aufgewachsen in Westfalen, der andere am nördlichen Niederrhein und ein FSSP-Priester, aufgewachsen in Köln, ausgebildet in Wigratzbad.

»Wit-weeeh...«

Im normalen Leben kenne ich niemanden, der das Wort so ausspricht. Nur Priester am Ambo.

Re: (Kirchliche) Kuriositäten

Verfasst: Montag 22. Juni 2020, 12:09
von Robert Ketelhohn
Lycobates hat geschrieben:
Mittwoch 17. Juni 2020, 13:28
Bühnenaussprache?
Da würde sich Siebs aber bedanken. – Nee, es gibt wohl einfach Leute mit pathologischer Vorliebe für den hinteren Teil.

Re: (Kirchliche) Kuriositäten

Verfasst: Montag 22. Juni 2020, 12:11
von Robert Ketelhohn
Juergen hat geschrieben:
Mittwoch 17. Juni 2020, 13:29
Hier in der Gegend wird z.B. das g am Wortende häufig als ch gesprochen
Das ist ja auch die deutsche Standardaussprache. (Auch nach Siebs.)

Re: (Kirchliche) Kuriositäten

Verfasst: Montag 27. Juli 2020, 14:17
von Lycobates


“Seht, wie sie einander lieben!”
(Liberale und rechtgläubige Bibelexegese und Orientforschung auf einem Sofa vereint, bei gebührendem Abstand)

Re: (Kirchliche) Kuriositäten

Verfasst: Montag 27. Juli 2020, 14:30
von Vinzenz Ferrer
Lycobates hat geschrieben:
Montag 27. Juli 2020, 14:17


“Seht, wie sie einander lieben!”
(Liberale und rechtgläubige Bibelexegese und Orientforschung auf einem Sofa vereint, bei gebührendem Abstand)
Ist die dritte Person in der Mitte des Sofas gerade aufgestanden, um einen Cognac zu holen? :narr:
Wahrscheinlich war es zu dritt deutlich herzlicher ;)
Darf man fragen, wen dieses Lichtbild zeigt? :detektiv:

Re: (Kirchliche) Kuriositäten

Verfasst: Montag 27. Juli 2020, 14:48
von Lycobates
Vinzenz Ferrer hat geschrieben:
Montag 27. Juli 2020, 14:30
Lycobates hat geschrieben:
Montag 27. Juli 2020, 14:17


“Seht, wie sie einander lieben!”
(Liberale und rechtgläubige Bibelexegese und Orientforschung auf einem Sofa vereint, bei gebührendem Abstand)
Ist die dritte Person in der Mitte des Sofas gerade aufgestanden, um einen Cognac zu holen? :narr:
Wahrscheinlich war es zu dritt deutlich herzlicher ;)
Darf man fragen, wen dieses Lichtbild zeigt? :detektiv:
Die Kardinäle Tisserant (1884-1972) und Ruffini (1888-1967).

Re: (Kirchliche) Kuriositäten

Verfasst: Montag 27. Juli 2020, 15:43
von Lupus
Robert Ketelhohn hat geschrieben:
Montag 22. Juni 2020, 12:11
Juergen hat geschrieben:
Mittwoch 17. Juni 2020, 13:29
Hier in der Gegend wird z.B. das g am Wortende häufig als ch gesprochen
Das ist ja auch die deutsche Standardaussprache. (Auch nach Siebs.)
Nun ja, Standardaussprache!??
"ich gehe wech" oder gehe ich doch besser weg? kurzes e
"der Weech zu deutlicher Aussprache ist doch wohl besser auch ein Weg?! längeres e.

Re: (Kirchliche) Kuriositäten

Verfasst: Montag 27. Juli 2020, 15:51
von Juergen
Lupus hat geschrieben:
Montag 27. Juli 2020, 15:43
Nun ja, Standardaussprache!??
"ich gehe wech" oder gehe ich doch besser weg? kurzes e
Ochottochottochott!

Ne, das spricht man: „ich chehe wech“. :ja:

Re: (Kirchliche) Kuriositäten

Verfasst: Montag 27. Juli 2020, 15:55
von Siard
Lupus hat geschrieben:
Montag 27. Juli 2020, 15:43
Nun ja, Standardaussprache!??
"ich gehe wech" oder gehe ich doch besser weg? kurzes e
"der Weech zu deutlicher Aussprache ist doch wohl besser auch ein Weg?! längeres e.
Die Aussprache gilt für die Kombination ›ig‹, gespochen ›ich‹.

Re: (Kirchliche) Kuriositäten

Verfasst: Montag 27. Juli 2020, 17:48
von Robert Ketelhohn
Siard hat geschrieben:
Montag 27. Juli 2020, 15:55
Lupus hat geschrieben:
Montag 27. Juli 2020, 15:43
Nun ja, Standardaussprache!??
"ich gehe wech" oder gehe ich doch besser weg? kurzes e
"der Weech zu deutlicher Aussprache ist doch wohl besser auch ein Weg?! längeres e.
Die Aussprache gilt für die Kombination ›ig‹, gespochen ›ich‹.
Korrekt, also [ç]. Nämlich im Auslaut (oder Silbenschluß) und vor Konsonanten, außer wenn eine weitere Silbe mit [ç] folgt; wird das |g| bei der Flexion zum Silbenanfang, ist [g] zu sprechen. Bei Apostrophierung des |i| vor |g| ist dieses halbvokalisch als [i̯] zu sprechen.

Sonst ist|g| im Auslaut und vor auslautender Plosiva standardsprachlich als lenisierte stimmlose velare Plosiva [k] zu sprechen, unbeschadet vielfacher mundartlicher Aussprache als palataler [ç] oder velarer [x] Frikata (wie auch des intervokalischen |g| als stimmhafter velarer Frikata [ɣ]).

(Also, wenn ick unterweechs berlinere, denn saar’ ick: Fraach mir ma ’ne Fraare, oder so.)