Zölibat und Co.

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Clemens
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Re: Zölibat und Co.

Beitrag von Clemens » Dienstag 24. September 2013, 17:07

Es erstaunt mich in öffentlichen und halböffentlichen Diskussionen doch immer wieder, dass das einfach in die meisten Köpfe nicht reingeht:

Wenn es um die Aufhebung des Zölibats geht, die im Prinzip möglich wäre, bezieht sich das ausschließlich auf die Weihe verheirateter Männer, NIE um die Heirat geweihter [Punkt] Sowas gab es seit der Zeit der Apostel nirgends (und wurde erst von den "Reformatoren" im totalen Bruch mit der gesamtkirchlichen Tradition eingeführt).

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Re: Zölibat und Co.

Beitrag von Fragesteller » Dienstag 24. September 2013, 17:22

Wobei: so tief ist in diesem Fall der Einschnitt ins Amtsverständnis m. E. auch nicht. Wenn die Theorie richtig ist, dass der Ausschluss von Priesterheiraten damit zusammenhängt, dass ursprünglich Enthaltsamkeit nach der Weihe verlangt war (sodass eine Neuverheiratung unmöglich war und eine bestehende Ehe nur josephsmäßig weitergeführt werden konnte), dann liegt der eigentlich tiefe Einschnitt darin, die Enthaltsamkeit nach der Weihe aufzuheben, und wenn dort, wo das geschehen ist oder man die dortige Praxis nachahmt, auch die Neuverheiratung gestattet würde, wäre das nur die Beseitigung eines sinnentleerten (bzw. mit einem neuren Sinn versehenen) Relikts.


(Und wenn die Voraussetzungen der gegenwärtigen Praxis richtig sind, eine Priesterehe nach einer vorangegangenen - ja nur auf rechtlicher ebene angesiedelten - Laisierung zu erlauben, dann kann unter römischen Prämissen eine prinzipielle Unverträglichkeit beider Sakramente nicht und eine Ungültigkeit der Priesterehe nur über dem Umweg Formpflicht behauptet werden. Oder verstehe ich da was falsch?)

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Clemens
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Re: Zölibat und Co.

Beitrag von Clemens » Dienstag 24. September 2013, 18:17

Welche (geistliche) Bedeutung eine Laisierung hat, weiß ich auch (noch) nicht genau.

Aber unabhängig von römischen Rechtssatzungen ist es ja in allen alten Kirchen absolut klar, dass eine Heirat nach einer Weihe ausgeschlossen ist, so dass man hier m.E. nicht über Rechtsnormen, sondern über die spirituelle Bedeutung des Priesteramts nachdenken muss.

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Re: Zölibat und Co.

Beitrag von Protasius » Dienstag 24. September 2013, 18:22

Die geistliche Bedeutung einer Laisierung dürfte darin bestehen, dass man zwar zwangsläufig den unauslöschlichen Charakter der Weihe noch an sich trägt, wegen schweren Fehlverhaltens aber davon ausgeschlossen ist, die Funktionen auszuüben, die mit der Weihe verbunden sind. Es finden sich bereits in Synodenbeschlüssen aus dem ersten Jahrtausend Hinweise auf derartige Amtsentsetzungen und das clementinische Pontificale Romanum kennt sogar Formulare für die Depositio (und neben den niederen und höheren Weihen auch für Kantoren).
Der so genannte ‚Geist’ des Konzils ist keine autoritative Interpretation. Er ist ein Geist oder Dämon, der exorziert werden muss, wenn wir mit der Arbeit des Herrn weiter machen wollen. – Ralph Walker Nickless, Bischof von Sioux City, Iowa, 2009

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Re: Zölibat und Co.

Beitrag von Fragesteller » Dienstag 24. September 2013, 18:33

Seit wann ist denn die Heirat nach einer Laisierung erlaubt?

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Re: Zölibat und Co.

Beitrag von taddeo » Dienstag 24. September 2013, 18:42

Fragesteller hat geschrieben:Seit wann ist denn die Heirat nach einer Laisierung erlaubt?
Sie ist nicht automatisch erlaubt. Ein laiisierter Priester ist prinzipiell noch an das Zölibatsversprechen gebunden! Es muß ihm vielmehr im Laiisierungsdekret ausdrücklich vom Heiligen Stuhl erlaubt werden, kirchlich zu heiraten, sonst geht da gar nichts.

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Re: Zölibat und Co.

Beitrag von Fragesteller » Dienstag 24. September 2013, 18:46

taddeo hat geschrieben:
Fragesteller hat geschrieben:Seit wann ist denn die Heirat nach einer Laisierung erlaubt?
Sie ist nicht automatisch erlaubt. Ein laiisierter Priester ist prinzipiell noch an das Zölibatsversprechen gebunden! Es muß ihm vielmehr im Laiisierungsdekret ausdrücklich vom Heiligen Stuhl erlaubt werden, kirchlich zu heiraten, sonst geht da gar nichts.
Und besteht diese Möglichkeit "schon immer", oder wann wurde sie eingeführt?

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Re: Zölibat und Co.

Beitrag von taddeo » Dienstag 24. September 2013, 18:58

Fragesteller hat geschrieben:
taddeo hat geschrieben:
Fragesteller hat geschrieben:Seit wann ist denn die Heirat nach einer Laisierung erlaubt?
Sie ist nicht automatisch erlaubt. Ein laiisierter Priester ist prinzipiell noch an das Zölibatsversprechen gebunden! Es muß ihm vielmehr im Laiisierungsdekret ausdrücklich vom Heiligen Stuhl erlaubt werden, kirchlich zu heiraten, sonst geht da gar nichts.
Und besteht diese Möglichkeit "schon immer", oder wann wurde sie eingeführt?
Das weiß ich leider aus dem Stand nicht. :nein:

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Re: Zölibat und Co.

Beitrag von Gamaliel » Dienstag 24. September 2013, 20:22

Fragesteller hat geschrieben:
taddeo hat geschrieben:
Fragesteller hat geschrieben:Seit wann ist denn die Heirat nach einer Laisierung erlaubt?
Sie ist nicht automatisch erlaubt. Ein laiisierter Priester ist prinzipiell noch an das Zölibatsversprechen gebunden! Es muß ihm vielmehr im Laiisierungsdekret ausdrücklich vom Heiligen Stuhl erlaubt werden, kirchlich zu heiraten, sonst geht da gar nichts.
Und besteht diese Möglichkeit "schon immer", oder wann wurde sie eingeführt?
Praktisch "aufgekommen" sind solche Dispensen zur Reformationszeit. Bis zum II. Vat. Konzil wurden solche Dispensen nur in außerordentlichen Einzelfällen gewährt. Ein völliger Bruch mit der bisherigen Praxis erfolgte unter Papst Paul VI., der die Dispensen zu Zehntausenden gewährte. Unter JPII wurde das wieder (stark) eingeschränkt.

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Re: Zölibat und Co.

Beitrag von Pilgerer » Mittwoch 25. September 2013, 16:01

Clemens hat geschrieben:Es erstaunt mich in öffentlichen und halböffentlichen Diskussionen doch immer wieder, dass das einfach in die meisten Köpfe nicht reingeht:

Wenn es um die Aufhebung des Zölibats geht, die im Prinzip möglich wäre, bezieht sich das ausschließlich auf die Weihe verheirateter Männer, NIE um die Heirat geweihter [Punkt] Sowas gab es seit der Zeit der Apostel nirgends (und wurde erst von den "Reformatoren" im totalen Bruch mit der gesamtkirchlichen Tradition eingeführt).
Danke, das habe ich noch nicht gewusst. Tatsächlich, wenn ich nur nach dem Gewissen gehe, empfinde ich es als unpassend, wenn ein geweihter Priester später heiratet.
Ungeachtet dessen haben natürlich ledige Männer die Möglichkeit, gegenüber Geschwistern, Eltern, Vettern etc. Familienbeziehungen "ordentlich" zu leben und darin für das Leben in der geistlichen Familie zu lernen.
10 Die Erlösten des HERRN werden wiederkommen und nach Zion kommen mit Jauchzen; ewige Freude wird über ihrem Haupte sein; Freude und Wonne werden sie ergreifen, und Schmerz und Seufzen wird entfliehen. (Jesaja 35,10)

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Re: Zölibat und Co.

Beitrag von michaelis » Mittwoch 25. September 2013, 17:46

Es geht wohl vor allem darum, daß dem Leben des Priesters (und auch des Diakons) mit der Weihe ein vollkommen neuer umfassender Zweck gegeben wird, es wird quasi "umgewidmet". Damit ist eine spätere Ehe nicht vereinbar.

Besteht hingegen eine Ehe vor der schon vor der Weihe, so betrifft die Umwidmung durch die Weihe "nur noch" den durch die bestehende Ehe nicht betroffenen Teil des Lebens.

(So zumindest wurde es mir erklärt.)

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Re: Zölibat und Co.

Beitrag von Fragesteller » Mittwoch 25. September 2013, 17:57

Gamaliel hat geschrieben:
Fragesteller hat geschrieben:
taddeo hat geschrieben:
Fragesteller hat geschrieben:Seit wann ist denn die Heirat nach einer Laisierung erlaubt?
Sie ist nicht automatisch erlaubt. Ein laiisierter Priester ist prinzipiell noch an das Zölibatsversprechen gebunden! Es muß ihm vielmehr im Laiisierungsdekret ausdrücklich vom Heiligen Stuhl erlaubt werden, kirchlich zu heiraten, sonst geht da gar nichts.
Und besteht diese Möglichkeit "schon immer", oder wann wurde sie eingeführt?
Praktisch "aufgekommen" sind solche Dispensen zur Reformationszeit. Bis zum II. Vat. Konzil wurden solche Dispensen nur in außerordentlichen Einzelfällen gewährt. Ein völliger Bruch mit der bisherigen Praxis erfolgte unter Papst Paul VI., der die Dispensen zu Zehntausenden gewährte. Unter JPII wurde das wieder (stark) eingeschränkt.
OK, dann ist das eine "relativ" junge Praxis, die zu der Frage nach dem traditionellen Verhältnis von Weihe und Ehe wenig beiträgt. -- Wie sieht denn die Einschränkung praktisch aus? Es würde doch hierzulande durch alle Zeitungen gehen, wenn ein Priester seinen Dienst aufgeben wollte, um zu heiraten, und ihm das nicht gestattet würde.

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Re: Zölibat und Co.

Beitrag von Fragesteller » Mittwoch 25. September 2013, 18:04

michaelis hat geschrieben:Es geht wohl vor allem darum, daß dem Leben des Priesters (und auch des Diakons) mit der Weihe ein vollkommen neuer umfassender Zweck gegeben wird, es wird quasi "umgewidmet". Damit ist eine spätere Ehe nicht vereinbar.

Besteht hingegen eine Ehe vor der schon vor der Weihe, so betrifft die Umwidmung durch die Weihe "nur noch" den durch die bestehende Ehe nicht betroffenen Teil des Lebens.

(So zumindest wurde es mir erklärt.)
Das ist keine sonderlich sinnvolle Erklärung, da bei einer dann nur "teilweisen" Lebensumwidmung ein verheirateter Diakon oder Ostpriester nur Kleriker zweiter Klasse wäre.

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Gamaliel
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Re: Zölibat und Co.

Beitrag von Gamaliel » Mittwoch 25. September 2013, 18:20

Fragesteller hat geschrieben:Wie sieht denn die Einschränkung praktisch aus?
Die von JPII eingeführten Normen und Kriterien kannst Du hier nachlesen: "Über die Vorgangsweise bei der Prüfung und
Entscheidung über Bitten um Dispens von der Zölibatsverpflichtung"
http://www.vatican.va/roman_curia/congr ... tu_ge.html


Eine tabellarische Übersicht zum aktuellen Stand der Dinge gibt es da: Verlust des Klerikerstandes

(Dort siehst Du auch, daß in den verschiedenen Fällen der strafweisen Entlassung aus dem Klerikerstand (gewöhnlich) keine Dispens vom Zölibat gewährt wird.)

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Re: Zölibat und Co.

Beitrag von Clemens » Mittwoch 25. September 2013, 19:47

Pilgerer hat geschrieben: Danke, das habe ich noch nicht gewusst. Tatsächlich, wenn ich nur nach dem Gewissen gehe, empfinde ich es als unpassend, wenn ein geweihter Priester später heiratet.
Ungeachtet dessen haben natürlich ledige Männer die Möglichkeit, gegenüber Geschwistern, Eltern, Vettern etc. Familienbeziehungen "ordentlich" zu leben und darin für das Leben in der geistlichen Familie zu lernen.
Gern geschehen - und bitte entschuldige meinen Anfall von Hochnäsigkeit. Er tut mir bereits leid!

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Re: Zölibat und Co.

Beitrag von taddeo » Mittwoch 25. September 2013, 22:07

Clemens hat geschrieben:... und bitte entschuldige meinen Anfall von Hochnäsigkeit. Er tut mir bereits leid!
:D Du machst gute Fortschritte im Katholischsein! ;D
Einerseits mit der Hochnäsigkeit, die eine stete Versuchung ist, und andererseits mit der Reue darüber. Ein guter Katholik hat eigentlich ständig einen Grund, über irgendeine Sünde zerknirscht zu sein ...

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Re: Zölibat und Co.

Beitrag von Exilfranke » Sonntag 13. Juli 2014, 14:39

Lösungen sind in Sicht:
Ich bin mir ziemlich sicher, dass der Zölibat bald nur noch Option ist. Oder zeitlich begrenzt.
„Was du in anderen entzünden willst, muss in dir selbst brennen.“ - Aurelius Augustinus.

Bitt Gott für uns, Maria.

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Re: Zölibat und Co.

Beitrag von taddeo » Sonntag 13. Juli 2014, 15:27

Exilfranke hat geschrieben:Lösungen sind in Sicht:
Ich bin mir ziemlich sicher, dass der Zölibat bald nur noch Option ist. Oder zeitlich begrenzt.
http://www.welt.de/politik/ausland/arti ... phile.html
Offenbar wieder mal ein Fake- (bzw. Altersheimer-)"Interview" des unsäglichen Signor Scalfari. Der Vatikan dementiert:
Radio Vatikan hat geschrieben:Das „Interview“ fand am vergangenen Donnerstag in Santa Marta statt, ist aber – wie schon bei vorgehenden Interviews – nur aus dem Gedächtnis des 9-jährigen Journalisten rekonstruiert. Vatikansprecher Federico Lombardi betonte, dass die „Zitate“ nicht als authentisch gelten könnten, da sie nicht autorisiert worden sind. Dies gelte insbesondere für die Aussagen zum Thema Zölibat und Fällen von Pädophilie unter Kardinälen, die eine tendenziöse Berichterstattung erkennen ließen.
Man sollte einfach keine Texte veröffentlichen, die ein 9jähriger aus dem Gedächtnis (bzw. dem, was davon noch vorhanden ist) zusammenfantasiert. :vogel:

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Re: Zölibat und Co.

Beitrag von Athanasius0570 » Sonntag 13. Juli 2014, 15:30

Kann mir jemand sagen, was es mit diesem Satz (aus dem von Exilfranke verlinkten Artikel) auf sich hat?
Anfang der Sechzigerjahre beschloss das Zweite Vatikanische Konzil, verheirateten Priestern der katholischen Ostkirchen eine "heilige Berufung" zuzugestehen.
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Re: Zölibat und Co.

Beitrag von Gallus » Sonntag 13. Juli 2014, 15:31

taddeo hat geschrieben:Man sollte einfach keine Texte veröffentlichen, die ein 90jähriger aus dem Gedächtnis (bzw. dem, was davon noch vorhanden ist) zusammenfantasiert. :vogel:
Man sollte vielleicht auch einem 90jährigen, von dem man weiß, daß er das tut, keine Gesprächstermine mehr einräumen, die er dann doch nur als Vorwand für seine Märchenstunden nimmt.

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Re: Zölibat und Co.

Beitrag von taddeo » Sonntag 13. Juli 2014, 15:41

Athanasius0570 hat geschrieben:Kann mir jemand sagen, was es mit diesem Satz (aus dem von Exilfranke verlinkten Artikel) auf sich hat?
Anfang der Sechzigerjahre beschloss das Zweite Vatikanische Konzil, verheirateten Priestern der katholischen Ostkirchen eine "heilige Berufung" zuzugestehen.
Damit ist Kapitel 16 des Dekrets Presbyterorum ordinis gemeint, wo es heißt (Hervorhebung von mir):
16. Die Kirche hat die vollkommene und ständige Enthaltsamkeit um des Himmelreiches willen, die von Christus dem Herrn empfohlen, in allen Jahrhunderten bis heute von nicht wenigen Gläubigen gern angenommen und lobenswert geübt worden ist, besonders im Hinblick auf das priesterliche Leben immer hoch eingeschätzt. Ist sie doch ein Zeichen und zugleich ein Antrieb der Hirtenliebe und ein besonderer Quell geistlicher Fruchtbarkeit in der Welt. Zwar ist sie nicht vom Wesen des Priestertums selbst gefordert, wie die Praxis der frühesten Kirche und die Tradition der Ostkirchen zeigt, wo es neben solchen, die aus gnadenhafter Berufung zusammen mit allen Bischöfen das ehelose Leben erwählen, auch hochverdiente Priester im Ehestand gibt. Wenn diese Heilige Synode dennoch den kirchlichen Zölibat empfiehlt, will sie in keiner Weise jene andere Ordnung ändern, die in den Ostkirchen rechtmäßig Geltung hat; vielmehr ermahnt sie voll Liebe diejenigen, die als Verheiratete das Priestertum empfingen, sie möchten in ihrer heiligen Berufung ausharren und weiterhin mit ganzer Hingabe ihr Leben für die ihnen anvertraute Herde einsetzen.
Das gilt aber eigentlich nicht nur für die Ostkirchen, sondern auch für verheiratete Priester des lateinischen Ritus, auch wenn die immer Ausnahmefälle waren.

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Athanasius0570
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Re: Zölibat und Co.

Beitrag von Athanasius0570 » Sonntag 13. Juli 2014, 16:14

Dann ist der zitierte Satz, in dieser Formulierung, wie ich vermutet habe, ähm, Blödsinn ...
Es wird ja unterstellt, dass das vor dem 2. Vaticanum anders gewesen sei. - Was vielleicht erst deutlich wird, wenn ich den vorhergehenden Satz mitzitiere:
Bislang gibt es nur sehr wenige Lockerungen. Anfang der Sechzigerjahre beschloss das Zweite Vatikanische Konzil, verheirateten Priestern der katholischen Ostkirchen eine "heilige Berufung" zuzugestehen.
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Re: Zölibat und Co.

Beitrag von Raphaela » Sonntag 13. Juli 2014, 16:15

Gallus hat geschrieben:
taddeo hat geschrieben:Man sollte einfach keine Texte veröffentlichen, die ein 90jähriger aus dem Gedächtnis (bzw. dem, was davon noch vorhanden ist) zusammenfantasiert. :vogel:
Man sollte vielleicht auch einem 90jährigen, von dem man weiß, daß er das tut, keine Gesprächstermine mehr einräumen, die er dann doch nur als Vorwand für seine Märchenstunden nimmt.
Märchenstunde???
Vielleicht ist er dement. - Und ich kenne mich sehr, sehr gut mit Demenz ein, weiß auch, dass die Mensch zwischendurch auch immer wieder lichte Momente habe, trotz ihrer Verwirrtheit, aber auch oft genug in der Vergangenheit leben und dies durcheinanderbringen.

Das Wort "Märchenstunde" ist eine unheimlich Arroganz gegenüber alten Menschen, die mit dieser Diagnose leben müssen!
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Re: Zölibat und Co.

Beitrag von Gallus » Sonntag 13. Juli 2014, 16:30

Raphaela hat geschrieben:
Gallus hat geschrieben:
taddeo hat geschrieben:Man sollte einfach keine Texte veröffentlichen, die ein 90jähriger aus dem Gedächtnis (bzw. dem, was davon noch vorhanden ist) zusammenfantasiert. :vogel:
Man sollte vielleicht auch einem 90jährigen, von dem man weiß, daß er das tut, keine Gesprächstermine mehr einräumen, die er dann doch nur als Vorwand für seine Märchenstunden nimmt.
Märchenstunde???
Vielleicht ist er dement.
Toll. Hypermoralische Vorwürfe basierend auf der völlig aus der Luft gegriffenen Möglichkeit "Vielleicht ist der dement". Geht's noch? Wenn Du Dich hier als Moralapostel auszeichnen willst, dann bitte wenigstens auf der Grundlage von Fakten.

Abgesehen davon sind die wenigsten Dementen in der Lage, noch kohärente, lange Zeitungsartikel zu verfassen.

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Re: Zölibat und Co.

Beitrag von taddeo » Sonntag 13. Juli 2014, 16:37

Raphaela hat geschrieben:
Gallus hat geschrieben:
taddeo hat geschrieben:Man sollte einfach keine Texte veröffentlichen, die ein 90jähriger aus dem Gedächtnis (bzw. dem, was davon noch vorhanden ist) zusammenfantasiert. :vogel:
Man sollte vielleicht auch einem 90jährigen, von dem man weiß, daß er das tut, keine Gesprächstermine mehr einräumen, die er dann doch nur als Vorwand für seine Märchenstunden nimmt.
Märchenstunde???
Vielleicht ist er dement. - Und ich kenne mich sehr, sehr gut mit Demenz ein, weiß auch, dass die Mensch zwischendurch auch immer wieder lichte Momente habe, trotz ihrer Verwirrtheit, aber auch oft genug in der Vergangenheit leben und dies durcheinanderbringen.

Das Wort "Märchenstunde" ist eine unheimlich Arroganz gegenüber alten Menschen, die mit dieser Diagnose leben müssen!
Reg Dich ab, Raphaela. Gallus ist offenbar davon ausgegangen - wie man es vernünftigerweise auch tun muß in diesem Fall -, daß Herr Scalfari noch weitestgehend im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte ist. Wie sollte er sonst nach wie vor journalistisch für seine Zeitung tätig sein und Artikel verfassen (dürfen)?
Und wenn das so sein sollte, dann hat Gallus völlig recht: Man (= der Vatikan) sollte so jemandem keine Gesprächstermine mit dem Papst mehr einräumen, wenn vorher schon klar ist, daß Scalfari anschließend dem Papst irgendwelche Aussagen in den Mund legt, die dieser so nie gemacht hat. Sowas darf man völlig zu Recht "Märchenstunde" nennen. Es ist nun schon mindestens das drittemal, daß Scalfari sowas macht, jetzt müßte definitiv Schluß sein.

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Re: Zölibat und Co.

Beitrag von CIC_Fan » Sonntag 13. Juli 2014, 16:39

Es ist bis der Vatian oder besser gesagt der hl. vater es dementiert davon aus zu gehen daß dieses Interview so gegeben wurde wir wissen also daß laut dem hl. Vater 2 % der Klerus pädophiel sind
ich wünsche noch einen angenehmen Abend

taddeo
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Re: Zölibat und Co.

Beitrag von taddeo » Sonntag 13. Juli 2014, 19:58

CIC_Fan hat geschrieben:Es ist bis der Vatian oder besser gesagt der hl. vater es dementiert davon aus zu gehen daß dieses Interview so gegeben wurde wir wissen also daß laut dem hl. Vater 2 % der Klerus pädophiel sind
ich wünsche noch einen angenehmen Abend
Lombardi hat es ja schon dementiert.
(Die Quote von 2% entspricht übrigens dem Durchschnitt "pädophil interessierter" Männer, zB in Deutschland. Insofern ist die Zahl durchaus glaubhaft, man müßte nur noch genau definieren, was "pädophil" hier bedeutet.)

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Re: Zölibat und Co.

Beitrag von CIC_Fan » Montag 14. Juli 2014, 08:40

Was mich an der Sache stutzig mach ist daß das jetzt zum zweiten mal vorkommt es könnte durchaus sein daß der gute Pater Lombardi ohne Wissen des Papstes dementiert

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Re: Zölibat und Co.

Beitrag von Siard » Montag 14. Juli 2014, 09:18

Athanasius0570 hat geschrieben:Kann mir jemand sagen, was es mit diesem Satz (aus dem von Exilfranke verlinkten Artikel) auf sich hat?
Anfang der Sechzigerjahre beschloss das Zweite Vatikanische Konzil, verheirateten Priestern der katholischen Ostkirchen eine "heilige Berufung" zuzugestehen.
Nach dem 2. Vatikanum wurde in den unierten Kirchen des byzantinischen Ritus darauf gedrungen, dort, wo er eingeführt worden war, den Zölibat wieder abzuschaffen. Das hatten wir schon einmal andernorts.
Die gefährlichste Scheinehe Deutschlands ist die der Kanzlerin mit der Union bzw. mit diesem Land. (Alexander Wallasch)

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Re: Zölibat und Co.

Beitrag von CIC_Fan » Montag 14. Juli 2014, 09:43

das einzig wirklich positive am Vatikanum II war daß es unterbunden wurde daß ständig versucht wurde die Unierten zu latninisieren vor allem in der Zölibatsfrage
die lateinische Hierarchie hat sich zum teil aufgeführt als wären Sie die Gutsherren und die unierten die arme Verwandtschaft daß es Unionsverträge gibt wurde laufend versucht zu untergraben

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Re: Zölibat und Co.

Beitrag von Athanasius0570 » Montag 14. Juli 2014, 09:47

Siard hat geschrieben:Das hatten wir schon einmal andernorts.
Vielleicht kann sich jemand erinnern wo das war?
In una fide nil officit ecclesiae consuetudo diversa. Gregorius Magnus Papa.

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Re: Zölibat und Co.

Beitrag von Ralf » Montag 14. Juli 2014, 10:39

Raphaela hat geschrieben:Und ich kenne mich sehr, sehr gut mit Demenz ein, weiß auch, dass die Mensch zwischendurch auch immer wieder lichte Momente habe, trotz ihrer Verwirrtheit, aber auch oft genug in der Vergangenheit leben und dies durcheinanderbringen.
OT: wenn ein an Demenz Erkrankter zwischendurch lichte Momente hat, dann ist er qua definitionem eben nicht dement, sondern in nahezu ständigem Delir. Tritt nicht selten auf, wird häufig für Demenz gehalten. Demenz ist aber eine Einbahnstraße.
Hier im Kreuzgang-Forum ist es weit verbreitet, Gericht über die Bischöfe als Hirten der Kirche zu halten. Manch einer dünkt sich besonders schlau und autoritativ. Man sollte das nicht allzu ernst nehmen.

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