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Ehemalige Pfarrer (und ihre Ex-Gemeinden)
Verfasst: Donnerstag 8. Oktober 2009, 11:05
von michaelis
Der Rückgang der Priesterzahlen (relativ zur Zahl der Gemeinden) führt ja zu einem bisher in der katholischen Kirche kaum bekannten Phänomen:
Ehemalige Pfarrer, die in ihren alten Gemeinden bleiben, weil ihre Pfarrstelle nicht nachbesetzt wird.
Darüber hinaus gibt es hier bei uns im EB Köln im Zuge der Umstrukturierung der Gemeinden jetzt auch die Version:
Ehemaliger Pfarrer wird in seiner „alten“ Gemeinde zum Pfarrvikar des einzig verbliebenen Pfarrers im Pfarrverband oder der neuen „Groß-Pfarrgemeinde“.
Was haltet ihr davon?
Ich persönlich halte zumindest das „wohnenbleiben“ von Pfarrern i.R. für recht problematisch.
Es kann nämlich dazu führen, das der neue Pfarrer, der ja zudem noch auswärts wohnt, bei der Masse der Gemeinde gar nicht als solcher wahrgenommen wird. Der „Pfarrer“ ist ja schließlich noch da und wird auch als solcher angesprochen. Diese Tatsache macht es dem neuen Pfarrer bestimmt nicht leichter.
- (Nebenbei: Aus genau diesem Grund gibt es zumindest bei der Bundeswehr die gute Tradition, dass sich der alte Chef / Kommandeur mindestens ein Jahr lang nicht mehr an seinem alten Standort blicken lässt.)
Andererseits kann es aber den „neuen“ auch dazu verleiten, seine Aufgabe als Pfarrer in dieser (Teil-)Gemeinde gar nicht richtig wahrzunehmen, sondern sich allein aufs Administrative zu beschränken. Der „Alte“ wird das Pastorale schon machen und genug Arbeit hat man als Pfarrer ja eh.
Endeffekt: In der Gemeinde kann Stillstand eintreten. Der „Alte“ will oder kann keine neuen Impulse mehr geben und der „Neue“ meint, sein pastorales Engagement wäre ungewollt oder unnötig.
Im Sonderfall „Erzbistum Köln“ kommt noch hinzu, dass die ehemaligen Pfarrer ja weiterhin aktiv (im Sinne von: nicht im Ruhestand) bleiben. Allerdings rechtlich dem verbliebenen Pfarrer unterstellt. Hierdurch werden die oben beschriebenen Probleme nach meiner Erfahrung nicht unbedingt kleiner.
Außerdem führt diese „Degradierung“ wohl auch zu persönlichen Problemen. Zumindest hat das Erzbistum es für nötig erachtet, ein Seminar unter dem Titel „Vom Pfarrer zum Pfarrvikar“ anzubieten.
Quelle (Seite 231)
Re: ehemalige Pfarrer
Verfasst: Donnerstag 8. Oktober 2009, 11:13
von Maurus
Das Problem erscheint offenkundig. Man sollte die Pfarrer i.R. rundherum versetzen. Genug Pfarrhäuser wird es ja geben.
Re: ehemalige Pfarrer
Verfasst: Donnerstag 8. Oktober 2009, 11:21
von cantus planus
Wo ist denn mein Beitrag hingekommen?
Ich schrieb, dass ich von beiden Varianten nichts halte. Ich weiss auch, dass es im Priesterrat deshalb bereits schlechte Stimmung gab. Die ersten Probleme sind bereits aufgetreten. Die erste Variante ist eine reine Notlösung, die zweite Variante eine Notlösung mit vorprogrammierten Problemen für den Nachfolger.
Allerdings ist ja bekannt, dass ich von der ganzen derzeitigen "Reform" nichts halte. Sie ist uneffektiv und kontraproduktiv, und offenbar nur deshalb eingeführt, um die letzten noch funktionierenden Strukturen der Kirche auch noch zu zerstören. Was auch immer die Bischöfe dazu treibt...
Re: ehemalige Pfarrer
Verfasst: Donnerstag 8. Oktober 2009, 11:24
von cantus planus
michaelis hat geschrieben:Der Rückgang der Priesterzahlen (relativ zur Zahl der Gemeinden) führt ja zu einem bisher in der katholischen Kirche kaum bekannten Phänomen:
Ehemalige Pfarrer, die in ihren alten Gemeinden bleiben, weil ihre Pfarrstelle nicht nachbesetzt wird.
Darüber hinaus gibt es hier bei uns im EB Köln im Zuge der Umstrukturierung der Gemeinden jetzt auch die Version:
Ehemaliger Pfarrer wird in seiner „alten“ Gemeinde zum Pfarrvikar des einzig verbliebenen Pfarrers im Pfarrverband oder der neuen „Groß-Pfarrgemeinde“.
Was haltet ihr davon?
Ich halte davon nichts. Ich weiss, dass diese Regelung im Priesterrat sehr umstritten ist, und dass es bereits zu Problemen kam. Die erste Variante ist nur eine Notlösung, die zweite eine Notlösung mit vorprogrammierten Schwierigkeiten für den Nachfolger.
Aber ich sage das, was ich seit Jahren sage: ich halte die derzeitigen Umstrukturierungen allesamt für verfehlt und widersinnig, ja für eine systematische Zerstörung der letzten noch funktionierenden Einheiten der Kirche.
Re: ehemalige Pfarrer
Verfasst: Donnerstag 8. Oktober 2009, 11:24
von cantus planus
Da isser ja wieder. Den zweiten habe ich zuerst geschrieben. Offenbar ein techisches Problem.

Re: ehemalige Pfarrer
Verfasst: Donnerstag 8. Oktober 2009, 12:23
von michaelis
Bei den Pfarrern i.R. dürfte es sich kaum um eine "Regelung", sondern vielmehr um eine "Duldung" handeln.
Denn schließlich ist ein Priester im Ruhestand ja grundsätzlich frei in der Wahl seines Wohnortes. Oder kann ihm der Bischof hier Vorschriften machen und wenn ja, kann er diese auch durchsetzen?
Übrigens ist dies Vorgehen an sich ja nicht neu. Auch früher gab es schon Pfarrer, die auch im Ruhestand in ihrer alten Pfarrei blieben. Aber da ja i.a.R ein Nachfolger benannt wurde, mochte wohl kaum einer in seiner alten Gemeinde bleiben. Er hätte ja auch das Pfarrhaus verlassen müssen.
Und genau das (und die Zahl der Fälle) hat sich anscheinend geändert.
Bei uns in der Gegend ist übrigens ein Pfarrer, dessen Pfarrstelle nachbesetzt wurde, in die unmittelbar benachbarte Pfarrei als Subsidiar gezogen. Zwischen der Kirche, in der er jetzt meistens zelebriert und seiner alten Pfarrkirche liegen Luftlinie 3 (in Worten: DREI) Kilometer!
Re: ehemalige Pfarrer
Verfasst: Donnerstag 8. Oktober 2009, 12:49
von holzi
Es gäb auch noch die Möglichkeit, Kollegiatsstifte zu bilden. Wir haben ja hier in Regensburg die beiden uralten Stifte St. Johann und das an der Alten Kapelle. Hier haben die Pensionisten die Möglichkeit, ohne die tagtägliche Belastung der Pfarreiarbeit wertvolle Seelsorgearbeit zu leisten, ihren Pfarrkollegen als Vertretungen auszuhelfen. Und sie sind nicht alleine!
Ich kenne auch einen Priester, der vorher in Mainz Diözesanpräses bei Kolping und lange auch Pfarrer in Neu-Isenburg war und dann nach seiner Pensionierung Hausgeistlicher in einem Kolping-Familienferienhaus wurde. Er hat dort seine eigene Wohnung, hält Vorträge, Einkehrtage etc. Tut ihm sichtlich gut, er schaut jetzt jünger aus, als vor sieben Jahren, als er nach Bayern kam.
Das andere Beispiel ist ein ehemaliger Stadtdekan, der jetzt - noch (bzw. wieder) recht rüstig - in ein Altenheim gezogen ist und dort die geistliche Begleitung übernommen hat.
Re: ehemalige Pfarrer
Verfasst: Donnerstag 8. Oktober 2009, 13:14
von cantus planus
holzi hat geschrieben:Es gäb auch noch die Möglichkeit, Kollegiatsstifte zu bilden.
http://www.kreuzgang.org/viewtopic.php? ... ft#p294551 Das halte ich überhaupt für einen der naheliegendsten Lösungsansätze.

Re: ehemalige Pfarrer
Verfasst: Donnerstag 8. Oktober 2009, 14:08
von holzi
Ja, in Regensburg haben wir mit den beiden Stifte beste Erfahrungen (es gibt zwar noch den Prälat W., der sich bevorzugt um Parkplätze für Papstbrüder kümmert

). Aus beiden Stiften gibt es übrigens Geistliche, die beide Formen des römischen Ritus zelebrieren.
Re: ehemalige Pfarrer
Verfasst: Donnerstag 8. Oktober 2009, 14:42
von michaelis
Ich sehe kein Problem darin, wenn rüstige Ruhestandsgeistliche in Pfarreien wohnen und dort als Subsidiar tätig sind.
Sie leisten dort wertvolle Arbeit.
Aber nicht in ihren "alten" [Punkt]

Re: ehemalige Pfarrer
Verfasst: Donnerstag 8. Oktober 2009, 14:50
von songul
michaelis hat geschrieben:Ich sehe kein Problem darin, wenn rüstige Ruhestandsgeistliche in Pfarreien wohnen und dort als Subsidiar tätig sind.
Sie leisten dort wertvolle Arbeit.
Aber nicht in ihren "alten" [Punkt]

Wie ist es denn, wenn die "alten Gemeinden" par tout auf ihren Pfarrer nicht verzichten wollen?
Wird prinzipiell über ihre Köpfe hinweg entschieden?
Re: ehemalige Pfarrer
Verfasst: Donnerstag 8. Oktober 2009, 15:03
von taddeo
In meiner Nachbarpfarrei N. gibt es den Fall, daß der dortige Pfarrer bereits über 70 ist und eigentlich längst in den Ruhestand hätte gehen dürfen. Sobald er weg wäre, würde die Pfarrei mit der Nachbarpfarrei W. zu einem Pfarrverband zusammengelegt, der dann vom Pfarrer von W. betreut würde - bzw. der Pfarrverband existiert auf dem Papier schon, er wird aber erst wirksam, sobald der Pfarrer von N. resigniert.
Der erwähnte Pfarrer von N. - ein ehemaliger Afrikamissionar, der von einer fast schon heiligmäßigen persönlichen Bedürfnislosigkeit und asketischen Grundeinstellung gekennzeichnet ist, aber auch von einer missionserprobten Sturheit, mit der er schon fast alle Mitarbeiter vergrault hat - will aber in "seiner" Pfarrei aktiv bleiben, solange es ihm überhaupt gesundheitlich möglich ist, damit der Ort solange als möglich einen eigenen Priester hat. Und zäh wie er ist, kann das noch etliche Jahre gutgehen.
Re: ehemalige Pfarrer
Verfasst: Donnerstag 8. Oktober 2009, 15:39
von HeGe
michaelis hat geschrieben:Ich sehe kein Problem darin, wenn rüstige Ruhestandsgeistliche in Pfarreien wohnen und dort als Subsidiar tätig sind.
Sie leisten dort wertvolle Arbeit.
Aber nicht in ihren "alten" [Punkt]

So pauschal kann ich das nicht nachvollziehen. Es mag Gemeinden geben, wo es für einen Neuanfang hinderlich sein könnte, wenn der alte Pfarrer noch weiter in der Gemeinde wohnt.
Aber wenn die Alternative wäre, gar keinen "eigenen" Priester mehr zu bekommen, ist mir das im Zweifel immer noch lieber.
Re: ehemalige Pfarrer
Verfasst: Donnerstag 8. Oktober 2009, 17:13
von michaelis
@Taddeo:
Solange der Pfarrer noch Pfarrer ist, ist die Sache für mich in Ordnung. Das Pfarr-Amt ist nicht umsonst vom CIC als "dauerhaft" angelegt. Von der amerikanischen Variante, Pfarrer alle paar Jahre zu versetzen, halte ich überhaupt nichts.
Auch ein älterer oder sogar alter Pfarrer hat noch die volle Verantwortung für seine Gemeinde.
Was mich stört, ist ja gerade dieses Halbherzige in den von mir geschilderten Fällen. "Nicht mehr (kanonischer) Pfarrer, aber noch als "der Pfarrer" am Ort.
@HeGe:
Der "eigene" Priester einer Gemeinde ist immer der "pastor proprius", also der Pfarrer.
Wenn du aber einen am Ort wohnenden Priester meinst, so sehe ich darin kein Problem. So wie in der einen Gemeinde ein Pfarrer in den Ruhestand geht und wegzieht (wegziehen sollte), so zieht er ja wieder in eine andere Gemeinde.
Und das ist nicht eine unnötige "Rochade" von Priestern, sondern notwendiges Übel, um die hierarchische Struktur der Kirche auch in den Pfarrgemeinden eindeutig sichtbar zu machen.
So sehr ich auch den menschlichen Wunsch von älteren Priestern, in "ihrer" Gemeinde alt werden zu können, nachvollziehen kann, diese Verhalten schadet "ihren" Gemeinden (zumindest auf Dauer).
Re: ehemalige Pfarrer
Verfasst: Donnerstag 8. Oktober 2009, 17:36
von HeGe
michaelis hat geschrieben:@HeGe:
Der "eigene" Priester einer Gemeinde ist immer der "pastor proprius", also der Pfarrer.
Wenn du aber einen am Ort wohnenden Priester meinst, so sehe ich darin kein Problem. So wie in der einen Gemeinde ein Pfarrer in den Ruhestand geht und wegzieht (wegziehen sollte), so zieht er ja wieder in eine andere Gemeinde.
Und das ist nicht eine unnötige "Rochade" von Priestern, sondern notwendiges Übel, um die hierarchische Struktur der Kirche auch in den Pfarrgemeinden eindeutig sichtbar zu machen.
So sehr ich auch den menschlichen Wunsch von älteren Priestern, in "ihrer" Gemeinde alt werden zu können, nachvollziehen kann, diese Verhalten schadet "ihren" Gemeinden (zumindest auf Dauer).
Wie gesagt, das ist natürlich immer Frage des Einzelfalls und der Struktur der Gemeinde. Aber es gibt mehr als genug Gemeinden, die über einen Ruhestandsgeistlichen mehr als froh wären. Und wenn der ehemalige Pfarrer gerne in der Gemeinde bleiben möchte und die Gemeinde mit ihm zufrieden ist, sehe ich das als kein Problem an. Eine regelmäßige Eucharistiefeier in meiner Kirche ist mir zehnmal lieber, als eine sichtbare "hierarchische Struktur".