Lutheraner hat geschrieben:
Ne, so war das nicht gemeint. Heute könnte man sich an das Gebot halten, aber in klassischen Kath. Gesellschaften ist/war das unmöglich. Du wohnst doch in Brasilien. Dort ist es alles andere als ungewöhnlich seine Ehefrau zu betrügen. Kennst du irgendeine Frau die daraus ihre Konsequenzen gezogen hat? Und wenn diese Frau von Beruf "Hausfrau" war, wer hätte sich um sie gekümmert? Die Familie? Die hätte sie wahrscheinlich beschimpft, dass sie sich im Bett besser anstrengen soll, damit sich ihr Mann keine amante zu halten braucht...
Diese Aussage (von mir hervorgehoben) kann ich so nicht akzeptieren.
Die Philippinen sind mit einem Bevölkerungsanteil von ca. 80% Katholiken das drittgrößte katholische Land der Erde. Ein Scheidungsrecht gibt es nicht; man kann die Ehe nur - in Anlehnung an die kirchenrechtlichen Vorschriften - "annulieren" lassen. Ebenso wie in Brasilien ist hier der Ehebruch - vor allem durch den Ehemann - üblich und gesellschaftlich auch akzeptiert.
Ich kenne hier aber viele Frauen - auch sog. Nur-Hausfrauen - die aus dem - wiederholten - Verhalten ihres Mannes die Konsequenzen gezogen und ihn mit ihren Kindern verlassen haben. Sie sind nicht bereit weiter "to carry the cross" oder "to become a martyr"- hier übliche Bezeichnungen für das Leben mit einem solchen Ehemann. Viele haben die Kinder bei der Familie untergebracht und gehen dann vor allem in's Ausland (Hong Kong, Singapur, arabische Länder), um dort als Maid zu arbeiten. Das Gehalt von durchschnittlich 200 USD/mtl. schicken sie nach Hause, um ihre Kinder zu versorgen. Frauen mit einer entsprechenden Berufsausbildung können natürlich auch einen besser bezahlten Job bekommen.
Es gibt zwar keine statistischen Zahlen über die Anzahl dieser alleinerziehenden Mütter, die im Ausland für den Unterhalt ihrer Kinder arbeiten. Als Anhaltspunkt mag dienen, daß nach Angaben der phil. Regierung ca. 10% der Bevölkerung von 90 Mio im Ausland arbeiten. Von diesen 9 Mio "oversea-workers" dürfte ein nicht geringer Teil zu dieser Gruppe gehören. Wer einmal mit einer arabischen Fluggesellschaft Richtung Manila geflogen ist, wird die vielen jungen Frauen mit den großen Handgepäcktaschen, aus denen verschiedenes Spielzeug schaute, gesehen haben. Kommt man mit ihnen in's Gespräch, ist die Geschichte meist die gleiche:
Vom Ehemann verlassen bzw. ihn verlassend muß man selbst "sehen wo man bleibt" - das gilt auch für den hier garnicht so seltenen Fall der männlichen Arbeitsscheu. Es ist nun einmal weitaus angenehmer, den Tag mit Tanduay (billiger Rum) zu verbringen, als einer - womöglich noch geregelten - Arbeit nachzugehen. Eine neue dauerhafte Beziehung wollen diese jungen Frauen nach ihren Erfahrungen häufig nicht eingehen, sie ziehen es vor, durch eigene Arbeit unabhängig zu sein.
Ich kann daher nur denen zustimmen, die darauf verweisen, daß es auf den Einzelfall ankommt und Lösungen - wie die Philippinen zeigen - durchaus möglich sind.