Kontroverse um Musical "Ave EvA"

Von Orgelpfeifen, Zimbelspielern und Kantoren.
Geronimo

Kontroverse um Musical "Ave EvA"

Beitrag von Geronimo » Dienstag 9. März 2004, 13:51

Kontroverse um Muscial "Ave Eva" beim Katholikentag in Mariazell
Nach inzwischen offiziell von Jugend-Koordinator Ing. Konrad Kleemayr bestätigten Informationen soll das Musical "Ave Eva" von Peter Janssens und Wilhelm Willms im Rahmen der Veranstaltungen des Mitteleuropäischen Katholikentages in Mariazell aufgeführt werden. Es handelt sich um eine mit dem katholischen Glauben in wesentlichen Teilen nicht vereinbare Interpretation der Gestalt der Jungfrau und Gottesmutter Maria, die bereits 1973 von der Deutschen Bischofskonferenz ein Aufführungsverbot erhielt. Kleemayr stellte dazu fest, er und Jugendseelsorger Wiesinger hätten sich das Musical in der MEKT-Fassung angesehen; er sei beeindruckt. - Kommentar (Dr. Josef Spindelböck): Die österreichischen Bischöfe werden aufgefordert, hier tätig zu werden, damit dieses Musical, in dem die Ehre der jungfräulichen Gottesmutter Maria herabgesetzt wird, definitiv keinen Platz in Mariazell findet! Unter folgender e-mail-Adresse kann man sich an das Sekretariat der Österreichischen Bischofskonferenz wenden: sekretariat@bischofskonferenz.at .


Kann mich jemand aufklären, was an dem Musical nicht vereinbar ist? Hat das jemand von euch schon mal gesehen?

Geronimo

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lancelot
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Beitrag von lancelot » Dienstag 9. März 2004, 14:02

Da gab's doch damals die Zitate wie "Ruckedigu, schön bist Du", die die Geisttaube Maria zugurrt.

Ansonsten habe ich's nie gesehen und hab's aus der Ferne immer in die mißglückten Aggiornamento-Versuche der 70er Jahre einsortiert: flach, politisch korrekt, unorthodox, umjubelt und inzwischen eher peinlich. Als Schönstätter hatte ich damals (wie heute) eine eher andere und tiefere Beziehung zu Maria.

Aber vielleicht hat sich die 2004er Version evolutionär weiterentwickelt, wobei Peter Janssens aber schon 6 Jahre tot ist.

Ralf
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Beitrag von Ralf » Dienstag 9. März 2004, 14:09

Uaaah, bei dem Namen "Peter Janssens" kräuseln sich mir (auch als Musiker) immer die Nackenhaare.
Hier im Kreuzgang-Forum ist es weit verbreitet, Gericht über die Bischöfe als Hirten der Kirche zu halten. Manch einer dünkt sich besonders schlau und autoritativ. Man sollte das nicht allzu ernst nehmen.

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lancelot
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Beitrag von lancelot » Dienstag 9. März 2004, 14:25

Ralf hat geschrieben:Uaaah, bei dem Namen "Peter Janssens" kräuseln sich mir (auch als Musiker) immer die Nackenhaare.
Vokuhila, oder was?

Martin O
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Beitrag von Martin O » Dienstag 9. März 2004, 21:31

Ralf hat geschrieben:Uaaah, bei dem Namen "Peter Janssens" kräuseln sich mir (auch als Musiker) immer die Nackenhaare.
Hallo Ralf,

dein Geschmack ist eine Sache. Ich halte die Lieder (Ich besitze nur die Kassette, habe es nicht im Original gesehen) auch nicht immer für gelungen, aber der katholischen Lehre widersprechend.

Konkret gefragt: Welche Aussagen widersprechen der Lehre der Kirche?
Möglicherweise Marias Verteidigung oder das "Salben mit alten Philosophien"?

Weiß jemand Näheres?

Gruß
Martin

Bernd
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Beitrag von Bernd » Mittwoch 10. März 2004, 06:03

Ich besitze das Musical auf LP. Das bekannteste Lied dürfte der Kanon "Der Himmel geht über allen auf" sein. Wir haben einige der Lieder und Texte in der Firmvorbereitung eingesetzt, auch unter der Regie eher konservativer Pfarrer.
Der Stil von Janssens dürfte dadurch gekennzeichnet sein, dass er eine Annäherung an Glaubensthemen versucht, die manchen verstören dürfte, der eher die herkömmlichen Methoden und Aussagen bevorzugt. Identifiziert man diese herkömmlichen Formulierungen mit dem Glauben selbst, kommt man freilich zu dem Ergebnis, diese Texte widersprächen dem Glauben. In Wirklichkeit widersprechen sie eher den Gewohnheiten, die man in Bezug auf Glaubensformulierungen entwickelt hat. Die alte Geschichte eben, was darf man wie formulieren und was geht nicht mehr.

Lucia

Re: Kontroverse um Musical "Ave EvA"

Beitrag von Lucia » Mittwoch 10. März 2004, 15:53

Geronimo hat geschrieben:
Kann mich jemand aufklären, was an dem Musical nicht vereinbar ist? Hat das jemand von euch schon mal gesehen?

Geronimo
Ich habe es nicht nur 3 x gesehen, sondern wir haben Teile davon mit unserem damaligen Jugendchor in den späten 70-ern selber aufgeführt. Dass es ein Aufführungsverbot geben soll, höre/lese ich allerdings zum ersten Mal. :kratz: Beim Katholikentag in Berlin 1980 wurde das Stück auch aufgeführt und hat im Programmheft gestanden. Daher bezweifle ich, dass es tatsächlich ein generelles Aufführungsverbot gegeben hat - vermutlich wurde nur die Aufführung in einem bestimmten Gebäude verboten.

Es sind mir auch keine Aussagen der Texte aufgefallen, die der kirchlichen Lehre widersprechen - allerdings habe ich damals die Texte auch nicht daraufhin abgesucht. Für mich sind die Stücke von Willms/Janssens der Anlaß gewesen, mich seinerzeit intensiv mit "Kirche" auseinanderzusetzen und sie haben meinen Glaubensweg stark geprägt. Ohne diese Erfahrungen hätte ich damals mit ziemlicher Sichterheit der Kirche den Rücken gekehrt. Ehrlich: über die Spindelböck-Äußerung bin ich ziemlich sauer. Wenn ich jetzt die Zeit hätte, würd' ich glatt hingehen, und die 12 noch nicht ausgepackten Umzugskisten nach den Textheften absuchen ... "Ave Eva" ist in meinen Augen jedenfalls katholischer als alles, was an Marienfrömmigkeit aus Medjugorje kommt.

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Knecht Ruprecht
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Beitrag von Knecht Ruprecht » Montag 15. März 2004, 12:50

Also ich kenne überhaupt keine Musikals, geschweige denn christliche dieser Art. War mal mit der Klasse in "Anorra" im Stadttheater, was abgerissen wird, weil zu alt und kein Neues gebaut wird, weil Bolksabstimmung sich dagegen ausgesprochen hat. Diese Dödels glauben, dass die das ersparte Geld bekommen oder sowas. Stattdessen sollte jede Stadt so viele Schulden machen, wie es nur geht, dann müssen andere Städte zahlen und der der spart hat nichts von nur persönliche Nachteile.

josephus
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Beitrag von josephus » Freitag 14. Mai 2004, 22:55

Hier der Link zur MEKT-Version von "Ave Eva"!

Die Veranstalter stellen fest:
„Der Text wurde an 4 Stellen verändert. Weiters haben wir ein Stück aus der Station – Heimsuchung „Das Kind, ein Keim, ein Embryo“ gestrichen. Der Peter Janssens Musik Verlag, mit seinem Sitz in 48291 Telgte in Deutschland, legt als Rechtsinhaber Wert daraus, dass die Tatsache der Abweichungen vom Original an dieser Stelle öffentlich zur Kenntnis gebracht wird.“

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cathol01
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Beitrag von cathol01 » Sonnabend 15. Mai 2004, 00:22

Der österreichische Jugendbischof Franz Lackner hat nun erklärt, dass eine eingehende theologische Prüfung den Verdacht, das Werk stehe im Widerspruch zur Lehre der Kirche, nicht bestätigt worden sind. Ausserdem wurden Begriffe, die sich als zweideutig erwiesen haben, nach Absprache mit dem Urheber der Rechte geändert.

Bischof Kapellari sagt ebenfalls, dass der Text an einigen Punkten verbessert worden ist und nun in keiner Weise der kirchlichen Lehre über Maria widerspricht. Dies hätten auch Theologen, die in Rom sehr geachtet sind, bestätigt.

@ Spindelböck: Si tacuisses...
"Das Wahre ist nicht sicherer als das Wahrscheinliche."
(Diogenes Laërcius)

Peter
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Beitrag von Peter » Sonnabend 15. Mai 2004, 00:45

(korintenkack)

Urheber der rechte? Jibbet nich! Allenfalls Eigentümer der (Verwertungs-)Rechte …

(/korinthenkack)

Und bevor Robert vorbeischlendert und was Zünftiges über die «Theologen, die in Rom sehr geachtet sind» vom Stapel lässt, bringe ich mich aus dem Schussfeld … :freude:

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Beitrag von Robert Ketelhohn » Sonnabend 15. Mai 2004, 01:32

cathol01 hat geschrieben:Dies hätten auch Theologen, die in Rom sehr geächtet sind, bestätigt.
Also sozusagen mit CE-Kennzeichnung … Klasse!
Propter Sion non tacebo, | ſed ruinas Romę flebo, | quouſque juſtitia
rurſus nobis oriatur | et ut lampas accendatur | juſtus in eccleſia.

josephus
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Beitrag von josephus » Sonnabend 15. Mai 2004, 09:04

cathol01 hat geschrieben:Der österreichische Jugendbischof Franz Lackner hat nun erklärt, dass eine eingehende theologische Prüfung den Verdacht, das Werk stehe im Widerspruch zur Lehre der Kirche, nicht bestätigt worden sind. Ausserdem wurden Begriffe, die sich als zweideutig erwiesen haben, nach Absprache mit dem Urheber der Rechte geändert.

Bischof Kapellari sagt ebenfalls, dass der Text an einigen Punkten verbessert worden ist und nun in keiner Weise der kirchlichen Lehre über Maria widerspricht. Dies hätten auch Theologen, die in Rom sehr geachtet sind, bestätigt.

@ Spindelböck: Si tacuisses...
Diese Einschätzung teile ich keineswegs!
Ich halte auch die jetzige Version, die man ja über den angegebenen Link aufrufen kann, für eine "Riesen-Geschmacklosigkeit" (Bischof Krenn).
Nur ein Beispiel (von vielen möglichen) aus der kosmetisch bereinigten Version:
"Der Mann, der Engel, Gottes Täuberich,
gurrt, gurrt um dich!
...
Das Wort rinnt wie ein Tropfen Tau
am Seidenfaden in dich,
du sein Gefäß, du Frau.
...
Der Mann, der Engel, Gottes Täuberich,
rund, rund um dich."
Das sind geschmacklose, häresiebegünstigende, blasphemisch anmutende Stellen, die ich durch mein Schweigen nicht mittragen kann.

Josephus

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Robert Ketelhohn
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Beitrag von Robert Ketelhohn » Sonnabend 15. Mai 2004, 09:48

Das ist die bereinigte Version? Aua!

(Egon, Egon, das war kein Heldenstück.)
Propter Sion non tacebo, | ſed ruinas Romę flebo, | quouſque juſtitia
rurſus nobis oriatur | et ut lampas accendatur | juſtus in eccleſia.

Geronimo

Beitrag von Geronimo » Sonnabend 15. Mai 2004, 12:25

Der Mann, der Engel, Gottes Täuberich,
gurrt, gurrt um dich!
...
Das Wort rinnt wie ein Tropfen Tau
am Seidenfaden in dich,
du sein Gefäß, du Frau.
...
Der Mann, der Engel, Gottes Täuberich,
rund, rund um dich."

Das ist eindeutig Körperverletzung ...Das ist ja so schlecht, dass man bereits wieder staunt ... Ich könnt' mir vorstellen, dass es da bei Proben zu dem Stück zu dem einen oder anderen Lachkrampf kam ...

Geronimo

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Beitrag von Robert Ketelhohn » Sonnabend 15. Mai 2004, 13:19

...
Propter Sion non tacebo, | ſed ruinas Romę flebo, | quouſque juſtitia
rurſus nobis oriatur | et ut lampas accendatur | juſtus in eccleſia.

Ralf
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Beitrag von Ralf » Sonnabend 15. Mai 2004, 16:25

josephus hat geschrieben:
Das sind geschmacklose, häresiebegünstigende, blasphemisch anmutende Stellen, die ich durch mein Schweigen nicht mittragen kann.

Josephus

Da lobe ich mir doch die franzisk. Gelassenheit eines WB Franz Lackner. So viele böse Adjektive, josephus, muss das denn sein...
Hier im Kreuzgang-Forum ist es weit verbreitet, Gericht über die Bischöfe als Hirten der Kirche zu halten. Manch einer dünkt sich besonders schlau und autoritativ. Man sollte das nicht allzu ernst nehmen.

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Beitrag von josephus » Sonnabend 15. Mai 2004, 16:28

Ralf hat geschrieben:Da lobe ich mir doch die franzisk. Gelassenheit eines WB Franz Lackner. So viele böse Adjektive, josephus, muss das denn sein...
Ich schätze WB Lackner sehr, und im Telefonat mit ihm, das ich vor Ostern schon in dieser Causa führen konnte, sagte ich ihm: Ich habe Vertrauen zu Ihnen, lieber Herr Weihbischof, aber nicht zu diesem Musical "Ave Eva"!

:ja:
Josephus

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cathol01
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Beitrag von cathol01 » Sonnabend 15. Mai 2004, 22:05

Was sagt der Innsbrucker Bischof denn zu dieser Sache?
"Das Wahre ist nicht sicherer als das Wahrscheinliche."
(Diogenes Laërcius)

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Beitrag von josephus » Sonnabend 15. Mai 2004, 22:13

nix

Martin O
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Beitrag von Martin O » Sonntag 16. Mai 2004, 12:36

cathol01 hat geschrieben:Was sagt der Innsbrucker Bischof denn zu dieser Sache?
Was hat der damit zu tun? (Bin nicht sicher, ob Mariazell zur Diözese Graz oder St. Pölten gehört, aber bestimmt nicht zu Innsbruck).

Gruß
Martin

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Beitrag von Sr. Franziska OP » Dienstag 25. Mai 2004, 13:19

Diözese Graz-Seckau. ;D

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Beitrag von cathol01 » Dienstag 25. Mai 2004, 19:35

Egal, er ist doch Mitglied der österreichischen Bischofskonferenz. Mich interessiert das halt, weil ich in von Trier her kenne.
"Das Wahre ist nicht sicherer als das Wahrscheinliche."
(Diogenes Laërcius)

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Beitrag von Sr. Franziska OP » Mittwoch 26. Mai 2004, 07:39

Ich hab jedenfalls nicht gehört, dass er sich dazu geäußert hätte. Bei uns in Österreich melden sich immer dieselben Bischöfe in den Medien zu Wort - und er gehört nicht dazu (was ihm wahrscheinlich hoch anzurechnen ist). :ja:

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