Kirche

Von Orgelpfeifen, Zimbelspielern und Kantoren.

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cathol01
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Kirche

Beitrag von cathol01 » Freitag 5. November 2004, 18:17

Meine Schüler haben mich gefragt, ob wir im Religionsunterricht mal das Lied "Kirche" von den Böhse Onkelz hören können. Ich habe beschlossen, die Herausforderung anzunehmen. Für Anregungen eurerseits bin ich natürlich offen und dankbar. Letztendlich enthält das Lied ja nur Ideen aus dem 18./19. Jahrhundert (Religionskritik).

Du bezahlst für ihren Segen, für die Angst vor dem Tod,
dein Geld hält sie am Leben, gibt ihnen ihr täglich Brot.
Du hängst an ihren Lippen und Du glaubst, daß Du sie brauchst;
dann klammer Dich an sie, bis Du verfaulst!
...bis Du verfaulst!

Refrain 1:
Ich sch... auf die Kirche, ihren Papst und seinen Segen,
ich brauch ihn nicht als Krücke, ich kann alleine leben!
Falls Du das nicht kannst, ja falls Du ihn brauchst;
Werde mit ihm glücklich, doch zwing mir nicht Deinen Glauben auf!

Zensur und Moralismus, ist alles was sie bringt,
eine halbe Erlösung, der Himmel stinkt!
Und Du willst für sie sterben, in ihrem Namen,
Für die Kirche, für ein Amen?
...für ein Amen!

Refrain 2:
Ich pisse auf den Papst und seine römische Zentrale,
auf den Vatikan und seine Sklaven!
Ich glaube nicht an Eure Worte, ich bin doch nicht bekloppt!
Denn wer keine Angst vorm Teufel hat, braucht auch keinen Gott!
...braucht auch keinen Gott!
Zuletzt geändert von cathol01 am Freitag 5. November 2004, 20:06, insgesamt 1-mal geändert.
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(Diogenes Laërcius)

Ralf
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Beitrag von Ralf » Freitag 5. November 2004, 18:37

Naja, das Lied geht ja eher gegen die Botschaft und erst dadurch auch automatischerweise gegen den Botschafter. Ich finde es nicht schlimm. Irgendwie zeigt es sogar, daß, wer die Kirche ablehnt, Gott ablehnt.
;D
Hier im Kreuzgang-Forum ist es weit verbreitet, Gericht über die Bischöfe als Hirten der Kirche zu halten. Manch einer dünkt sich besonders schlau und autoritativ. Man sollte das nicht allzu ernst nehmen.

Geronimo

Beitrag von Geronimo » Freitag 5. November 2004, 18:57

ich kenne das lied.

ich würde wohl als erstes fragen, warum der sänger so aggressiv reagiert- ich meine, wenn's seiner meinung nach nichts taugt, könnte er das thema auch links lassen. Fühlt er sich provoziert - von der kirche? von glauben? muss er dermaßen verbal dagegen halten, gegen eine sache, die seiner erachtes nichts taugt? das zeigt doch angst ... und befürchtungen ... und ... es zeigt vor allem auch trotz. ICH kann [Punkt]
er muss aber ziemlich laut im wald brüllenl, um sich mut zu machen.

also, ich würde das auf dieser schiene fragen - wozu braucht der sänger diese ausfälligkeiten? Hat er nicht doch angst?

geronimo

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Fichtel-Wichtel
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Beitrag von Fichtel-Wichtel » Freitag 5. November 2004, 22:03

Hallo Cathol!
Find ich gut das du so mutig bist. Alles andere wäre auch meiner Meinung nach völlig verkehrt.Denn dann sänke das Interesse am kath,Reliunterricht gelich auf Null,so steigt dein Ansehen und das der Kath.Kirche gleich um einige mm,vielleicht auch cm.Denn das Kirchens immer auch mit dem Anlitz von Menschen verbunden ist, ist leider nun mal so.
Ein wenig erinnert der Text an Brecht.
Dürfte recht angeregte Diskussionen ergeben mit deiner Schülerschaft, daß du diese Diskussionen heiter und gelassen bewältigst dessen bin ich mir sicher.
Das die Texte der Bösen Onkels aus dem 18./19.Jh. stammen wußte ich bisher auch noch nicht,geschweige denn überhaupt einen Text dieser Musikergruppe kannte ich bisher.. Nun die Lebensbedingungen des überwiegenden Teiles der Bevölkerung zu dieser Zeit waren alles andere als Gut.
Trotzdem läßt sich ein gewissern Bezug bei einigen Zeilen zur heutigen Zeit nicht verneinen.

Die Ursachen,die Gründe für anlehnendes,oder auch aggressives Verhalten der heutigen jungen Menschen, wird dann vielleicht ans Tageslciht kommen.Oft genug handelt es sich um ererbte Ansichten,Meinungen der Eltern,Großeltern, oder sonstiger älterer Personen aus dem engsten persönlichen Umfeld solcher die Kirche, den christlichen Glauben ablehnenden Menschen.

Insbesondere die Kreuzzüge werden einem oft genug vorgehalten ,doch auch immer wieder das unangemessene Verhalten von Angehörigen der Amtskirche.
Dürfte dir bestimmt so einiges zu Ohren kommen.
Viel Erfolg, und viel Geduld,Ausdauer,Humor und jede Menge gute Nerven bei der oder den Relistunden mit diesen Texten.

Herzliche Grüße,
an den sonnigen Cathol-Thierry nach Luxemburg,
von
Elisabeth

Uwe Schmidt
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Re: Kirche

Beitrag von Uwe Schmidt » Sonnabend 6. November 2004, 00:41

cathol01 hat geschrieben:Meine Schüler haben mich gefragt, ob wir im Religionsunterricht mal das Lied "Kirche" von den Böhse Onkelz hören können. Ich habe beschlossen, die Herausforderung anzunehmen. Für Anregungen eurerseits bin ich natürlich offen und dankbar. Letztendlich enthält das Lied ja nur Ideen aus dem 18./19. Jahrhundert (Religionskritik).

Du bezahlst für ihren Segen, für die Angst vor dem Tod,
dein Geld hält sie am Leben, gibt ihnen ihr täglich Brot.
Du hängst an ihren Lippen und Du glaubst, daß Du sie brauchst;
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...bis Du verfaulst!

Refrain 1:
Ich sch... auf die Kirche, ihren Papst und seinen Segen,
ich brauch ihn nicht als Krücke, ich kann alleine leben!
Falls Du das nicht kannst, ja falls Du ihn brauchst;
Werde mit ihm glücklich, doch zwing mir nicht Deinen Glauben auf!

Zensur und Moralismus, ist alles was sie bringt,
eine halbe Erlösung, der Himmel stinkt!
Und Du willst für sie sterben, in ihrem Namen,
Für die Kirche, für ein Amen?
...für ein Amen!

Refrain 2:
Ich pisse auf den Papst und seine römische Zentrale,
auf den Vatikan und seine Sklaven!
Ich glaube nicht an Eure Worte, ich bin doch nicht bekloppt!
Denn wer keine Angst vorm Teufel hat, braucht auch keinen Gott!
...braucht auch keinen Gott!



Auch wenn eure Situation in Luxemburg ganz anders ist, würde ich als Religionslehrer diesen Text ohne Wenn und Aber im Unterricht diskutieren. Man sollte aber immer im Auge behalten, dass die Böhsen Onkelz, die sich gerade in diesen Tagen als Band auflösen, eigentlich alle Frakfurter Prolls sind, die - es ist nun schon länger her - sogar mal für 2 Jahre oder so mit der Naziszene zu tun hatten. Es passt ja auch alles gut zusammen: das deutsche Proletariat (Proletarier hat es ja in Luxemburg eigentlich nie gegeben: ihr wart ja bis vor ein paar Jahrzehnten eine reine, noch dazu kath., Agrargesellschaft) hatte sich im 19.Jh. von der Kirche abgewandt, weil sie mit dem Bürgertum "koaliert" hat, und sozialistisch oder kommunistisch waren die Arbeiter alle und später eben auch nationalsozialistisch.
Ansonsten ist es halt so, dass Prolls eben wenig für geistliche Dinge aufgeschlossen sind und ihr Vergnügen suchen und da stört die Kirche natürlich besonders (der Hl. Augustin hielt diese Leute für die MASSA DAMNATA), da kann man kaum etwas daran ändern; die werden höchstens durch große Not und Gottesstrafen wieder zum Glauben kommen.

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Beitrag von Fichtel-Wichtel » Sonnabend 6. November 2004, 00:48

Also hatte ich das doch richtig in Erinnerung ,daß ich bei dem Bandnamen Böse Onkels an eine Naziband dachte. Hatte mich denn doch etwas gewundert, als ich den Eingangseintrag von Thierry las, doch gegen den Text kann man keine Einwende haben.

Der Inhalt des Textes gibt jedoch eine auch heute sehr weit verbreitete Einstellung vieler Menschen zur kath.Kirche wieder, und die so auch schon mal außer in ihrer Kath.Kirchenmeinung eigentlich nicht unbedingt als Prolls zu bezeichnen.

Gruß,
Elisabeth

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Beitrag von Uwe Schmidt » Sonnabend 6. November 2004, 01:00

Fichtel-Wichtel hat geschrieben:Also hatte ich das doch richtig in Erinnerung ,daß ich bei dem Bandnamen Böse Onkels an eine Naziband dachte. Hatte mich denn doch etwas gewundert, als ich den Eingangseintrag von Thierry las, doch gegen den Text kann man keine Einwende haben.

Der Inhalt des Textes gibt jedoch eine auch heute sehr weit verbreitete Einstellung vieler Menschen zur kath.Kirche wieder, und die so auch schon mal außer in ihrer Kath.Kirchenmeinung eigentlich nicht unbedingt als Prolls zu bezeichnen.

Gruß,
Elisabeth



Nö, als Naziband kann man sie eigentlich nicht bezeichnen, sie haben nur für 2 Jahren mal mit der Szene geliebäugelt, aber egal, jetzt lösen sich die böhsen Onkelz ja ohnehin auf. Klar, dass die gesamten Vorurteile gegenüber der Kirche aus der sozialistischen Propaganda stammen und ein Großteil unserer Bevölkerung hat ja proletarische Vorfahren. Und jetzt erleben wir ja gerade wieder, wie skrupellos Proletarier von SPD zu PDS oder eben Naziparteien wechseln können (bei letzteren ist eben noch der Vorteil, dass sie das Deutsche so betonen, Sozialisten sind ja eigentlich international - wenn ich keine Fremdsprachen könnte, würde ich mich in der heutigen globalisierten Welt aber auch ganz klein und verloren vorkommen; verstehen kann ich die Reaktion der kleinen Leute also schon irgendwie; sie haben auch keine andere Waffe, um sich Gehör zu verschaffen, oder meinst du, ein Proll schafft es mal bis hierher in unser Forum beispielsweise?)

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Beitrag von cathol01 » Sonnabend 6. November 2004, 12:41

Danke für die Anregungen, Uwe!

Schnatterliese, das Gedankengut des Lieds ist aus dem 18./19. Jhs, nicht der Text an sich! Den haben die Böhsen Onkelz schon selber geschrieben.
"Das Wahre ist nicht sicherer als das Wahrscheinliche."
(Diogenes Laërcius)

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Beitrag von Fichtel-Wichtel » Sonnabend 6. November 2004, 14:05

cathol01 hat geschrieben:Danke für die Anregungen, Uwe!

Schnatterliese, das Gedankengut des Lieds ist aus dem 18./19. Jhs, nicht der Text an sich! Den haben die Böhsen Onkelz schon selber geschrieben.
@Cathol-Thierry-Sonniger-Luxemburger,
ich bin keine Schnatterliese, doch gestatte ich dir mich mit Lise anzusprechen.Das dürfen nur sehr wenige,kannst dich also dementsprechend geehrt und gebauchpinselt fühlen.
Danke schön für die Textinfo, also lag ich mit einem gewissen Brechtstil net so sehr verkehrt,haben sich die Autoren vielleicht etwas dran orientiert,oder sind vielleicht Vielleser von Brechtexten.

Gruß,
Lise (nur für den sonnigen Luxemburger Cathol-Thierry),
Elisabeth

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Beitrag von Fichtel-Wichtel » Sonnabend 6. November 2004, 14:08

Uwe Schmidt hat geschrieben:
Fichtel-Wichtel hat geschrieben:Also hatte ich das doch richtig in Erinnerung ,daß ich bei dem Bandnamen Böse Onkels an eine Naziband dachte. Hatte mich denn doch etwas gewundert, als ich den Eingangseintrag von Thierry las, doch gegen den Text kann man keine Einwende haben.

Der Inhalt des Textes gibt jedoch eine auch heute sehr weit verbreitete Einstellung vieler Menschen zur kath.Kirche wieder, und die so auch schon mal außer in ihrer Kath.Kirchenmeinung eigentlich nicht unbedingt als Prolls zu bezeichnen.

Gruß,
Elisabeth





Nö, als Naziband kann man sie eigentlich nicht bezeichnen, sie haben nur für 2 Jahren mal mit der Szene geliebäugelt, aber egal, jetzt lösen sich die böhsen Onkelz ja ohnehin auf. Klar, dass die gesamten Vorurteile gegenüber der Kirche aus der sozialistischen Propaganda stammen und ein Großteil unserer Bevölkerung hat ja proletarische Vorfahren. Und jetzt erleben wir ja gerade wieder, wie skrupellos Proletarier von SPD zu PDS oder eben Naziparteien wechseln können (bei letzteren ist eben noch der Vorteil, dass sie das Deutsche so betonen, Sozialisten sind ja eigentlich international - wenn ich keine Fremdsprachen könnte, würde ich mich in der heutigen globalisierten Welt aber auch ganz klein und verloren vorkommen; verstehen kann ich die Reaktion der kleinen Leute also schon irgendwie; sie haben auch keine andere Waffe, um sich Gehör zu verschaffen, oder meinst du, ein Proll schafft es mal bis hierher in unser Forum beispielsweise?)

@Uwe Schmid,also Prolls han ich bisher net im Kreuzgang.org gefunden.Kann ich dir nur beipflichten.

Gruß,
Elisabeth

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Mariamante
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Kirchenkritik als Bestätigung selbstgerecht?

Beitrag von Mariamante » Sonnabend 6. November 2004, 23:24

Nicht nur ein Voltaire, ein Nietzsche oder der Autor des Pfaffenspiegel haben sich durch die Kritik der Kirche einen Namen gemacht -manchmal sind auch Liedautoren oder Sänger durch harsche Kritik an der Kirche hervor getreten. Ob es sich hier nur um Provokationen, Profilierung oder um echte Wunden handelt ist nicht immer leicht fest zu stellen.

Es ist manchmal wichtig, sich mit solcher Kritik gelassen auseinander zusetzen- vor allem mit Jugendlichen.

Im allgemeinen sind die schärfsten Kritiker allerdings zu jenen zu zählen, die entweder durch seelische Verwundungen, schlimme Erfahrungen mit einzelnen Christen oder Amtsträgern eine Art Feindbild gegenüber der Kirche und dem gesamten Christentum als Abwehrmaßnahme aufgebaut haben, als Selbstschutz - oder es handelt sich um bewußte Feinde des Glaubens und der Kirche, die durch ihre aggressive und bösartig-einseitige Kritikasterei Schaden anrichten wollen. Von Karl Marx habe ich in verschiedenen Statements gelesen, dass er seine Politische Philosophie als Kampf gegen Gott über die Menschheit ausbreiten wollte. Wenn also Menschen in dieser Absicht eine kritikasterische Botschaft bezüglich Glaube, Kirche und Christentum unter die Leute bringen, dann ist das sicher abzulehnen. Man sollte bei solchen kritischen Stimmen versuchen, an die psychologischen Wurzeln zu gehen.
Gelobt sei Jesus Christus

Uwe Schmidt
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Beitrag von Uwe Schmidt » Sonnabend 6. November 2004, 23:42

Ech wees net, Thierry, ob de dén Link do kenns:
http://mitglied.lycos.de/ArthurThoemmes ... onkelz.htm

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