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Gregorianischer Choral:normative Form nie verwandt ?
Verfasst: Donnerstag 16. Juni 2011, 21:27
von incarnata
unter dem "Gregorianik"-Link von kathshop.de werden etliche Werke von Franz Craiter angeboten, darunter das zur
"Semiotik des Gregorianischen Chorals der editio Vaticana " mit folgendem reisserischen Aufmacher(sinngemäss):
Durch das motu proprio summorum pontificum sei ein Kirchenmusik-Problem aufgetaucht: es habe sich herausgestellt,dass kein
Mensch die editio vaticana typica 1908,die die normative Ausgabe des graduale romanum darstelle,verwendet:
in der ausserordentlichen Form des römischen ritus werde aus dem liber usualis gesungen-in der ordentlichen Form werde das
"graduale triplex" verwendet. Beides sei eigentlich nur "geduldet",werde aber überall so praktiziert.
Ist das so ? Ist die editio vaticana typica 1908 die normative Form ? Wenn ja-ist sie unpraktisch für den Gebrauch
Und Nebenfrage an die Spezialisten: kennt Ihr die Werke Craiters,die da angeboten werden-und wenn ja-was haltet Ihr davon ?
Re: Gregorianischer Choral:normative Form nie verwandt ?
Verfasst: Donnerstag 16. Juni 2011, 22:00
von Gamaliel
incarnata hat geschrieben:Ist die editio vaticana typica 1908 die normative Form ?
Ja.
Das entsprechende Dekret der Ritenkongregation vom 7. August 1907 ist ganz vorne im "Graduale Romanum" abgedruckt:
Hanc Vaticanam Gradualis Sacrosanctae Ecclesiae Romanae
Editionem, Sacra Rituum Congregatio, attends atque
confirmatis Decretis suis, datis diebus xi et xiv Augusti
anni 1905, uti authenticam ac typicam declarat et decernit;
[...]
Haec autem Editio, ut in usum apud omnes ecclesias hic et
nunc deveniat ita sancitum est, ut ceterae quaelibet Cantus
Romani Editiones, ad tempus tantummodo juxta Decreta praedicta
toleratae, nullo jam in futurum jure gaudeant, quo typicae
substitui possint.
Re: Gregorianischer Choral:normative Form nie verwandt ?
Verfasst: Freitag 17. Juni 2011, 21:12
von cantus planus
incarnata hat geschrieben:Und Nebenfrage an die Spezialisten: kennt Ihr die Werke Craiters,die da angeboten werden
Ja.
incarnata hat geschrieben:und wenn ja-was haltet Ihr davon ?
Nichts.
Das wurde schon mehrfach thematisiert, u. a. hier:
http://www.kreuzgang.org/viewtopic.php?p=293682#p293682
Re: Gregorianischer Choral:normative Form nie verwandt ?
Verfasst: Samstag 18. Juni 2011, 14:52
von Protasius
Was Caiter ignoriert, ist die Tatsache, daß sowohl Liber usualis als auch Graduale Triplex denselben (Noten-)Text wiedergeben; sie sind lediglich mit rhythmischen Zeichen geschmückt (signis rythmicis solesmensibus monachis adornatus, heißt es glaube ich).
Abgesehen davon halte ich seine Aussage, daß man keine Stimmbildung betreiben sollte, weil das ja nicht Musik sondern gesungenes Gebet ist, für Stuß.
Re: Gregorianischer Choral:normative Form nie verwandt ?
Verfasst: Samstag 18. Juni 2011, 14:59
von cantus planus
Protasius hat geschrieben:Was Caiter ignoriert, ist die Tatsache, daß sowohl Liber usualis als auch Graduale Triplex denselben (Noten-)Text wiedergeben; sie sind lediglich mit rhythmischen Zeichen geschmückt (signis rythmicis solesmensibus monachis adornatus, heißt es glaube ich).
Danke. Das wollte ich gestern noch nachtragen, hatte es aber vergessen. Natürlich ist das Graduale Triplex in der Quadratnotation identisch mit dem Graduale Romanum (abgesehen von winzigen Veränderungen, u. a. wurden ca. 20 neogregorianische Gesänge getilgt und durch Originalstücke ersetzt).
Protasius hat geschrieben:Abgesehen davon halte ich seine Aussage, daß man keine Stimmbildung betreiben sollte, weil das ja nicht Musik sondern gesungenes Gebet ist, für Stuß.
Ja. Das Eine widerspricht ja dem Anderen nicht. Tatsächlich kann man ja auch Sprechtraining machen, um klarer und verständlicher zu sprechen. Auch beim Gebet. In den meisten Priesterseminaren ist das m. W. Standard, und ich halte das für etwas Gutes.