"Passende" Lieder in der Messe

Von Orgelpfeifen, Zimbelspielern und Kantoren.
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cantus planus
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Beitrag von cantus planus »

monsieur moi hat geschrieben:*seufz*

Heute hat die Organistin liturgisch-musikalische Treffsicherheit bewiesen....
Zum Glaubensbekenntnis "Fest soll mein Taufbund immer stehen"...
Von mir hat ein sehr bekannter Kölner Prälat, dessen Namen ich jetzt lieber nicht erwähne, zum Credo in der Adventszeit "O Tannenbaum" gewünscht.

Das nur zu diesem Thema. Es sind nicht immer die Organisten...
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monsieur moi
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Beitrag von monsieur moi »

Wie gesagt, manchmal machen die Organisten noch was an der Liedauswahl vom Pfarrer und verschlimmbessern diese dann. Kommt bei uns vor.

Aber "Oh Tannenbaum" als Credo. Ich hoffe doch, du hast dich geweigert.

Raimund J.
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Beitrag von Raimund J. »

monsieur moi hat geschrieben:Wie gesagt, manchmal machen die Organisten noch was an der Liedauswahl vom Pfarrer und verschlimmbessern diese dann. Kommt bei uns vor.

Aber "Oh Tannenbaum" als Credo. Ich hoffe doch, du hast dich geweigert.
Könnte mir vorstellen, daß da auch manche Pfarrer nicht um Ausreden verlegen sind, so nach dem Motto:

Heute kein Credo, dafür noch vor den Fürbitten ein schönes Lied. Aus pastoralen Gründen, natürlich.
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monsieur moi
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Beitrag von monsieur moi »

Wenn "Oh Tannenbaum" denn mal ein schönes Lied wäre. Aber dermaßen aliturgisch.

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cantus planus
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Beitrag von cantus planus »

monsieur moi hat geschrieben:Aber "Oh Tannenbaum" als Credo. Ich hoffe doch, du hast dich geweigert.
Nein. Ich habe mein Befremden deutlich gemacht. Aber Weigern? Dafür was das Tier zu hoch. :shock:
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Linus
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Beitrag von Linus »

cantus planus hat geschrieben: Aber Weigern? Dafür was das Tier zu hoch. :shock:
Angst vor dem Satan? Du? :hmm:
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monsieur moi
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Beitrag von monsieur moi »

*lach*

Jaja, das Tier...
Keinesfalls wird es der Kanalmeister gewesen sein. Aber dann vielleicht doch irgendwelche Weihbischöfe...
Da sollte man mehr erwarten.

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cantus planus
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Beitrag von cantus planus »

Tja... :roll:
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monsieur moi
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Beitrag von monsieur moi »

Was mir demletzt aufgefallen ist (ich weiß nicht, ob wir es schon mal hatten):

"Geheimnis den Glaubens

Wir praaaaaaeisen deinen Toooooood, wir glaaaaaaauben dass du leeeeeeeeeeeebst, wir hoooooooffen dass du kooooooommst in Heeeeeeerr-lich-kaaaaaaaeit. Koooooooomm, oh Herr blaaaaaaaeib bei uuuuuuuns, kooooooooomm, oh Herr, Leeeeeeeben der Weeeelt."

Zwar nicht unpassend und nicht falsch, aber dennoch furchtbar. Kennt's wer? Hat sich schon jemand drüber geärgert?

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incarnata
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Beitrag von incarnata »

Ja-wirklich greislich-nimmt einem jegliche Andacht ausgerechnet im heiligsten
Moment der Messe-wurde glaube ich schon mal ausführlich im Missbrauchs-Strang bekrittelt,irgenwann auch von mir ! :nein:
Durch die barmherzige Liebe unseres Gottes wird uns besuchen das aufstrahlende
Licht aus der Höhe.......(Lk1,76)

Ecce Homo
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Beitrag von Ecce Homo »

monsieur moi hat geschrieben:Was mir demletzt aufgefallen ist (ich weiß nicht, ob wir es schon mal hatten):

"Geheimnis den Glaubens

Wir praaaaaaeisen deinen Toooooood, wir glaaaaaaauben dass du leeeeeeeeeeeebst, wir hoooooooffen dass du kooooooommst in Heeeeeeerr-lich-kaaaaaaaeit. Koooooooomm, oh Herr blaaaaaaaeib bei uuuuuuuns, kooooooooomm, oh Herr, Leeeeeeeben der Weeeelt."

Zwar nicht unpassend und nicht falsch, aber dennoch furchtbar. Kennt's wer? Hat sich schon jemand drüber geärgert?
Du hast die zwanzig Wiederholungen vergessen, mein Lieber... :roll: :mrgreen:

Kann nur sagen, dass ich das, sofern es kommt (mittlerweile meide ich die Gemeinden, wo das fast IMMMMMMMMER kommt - noch aus anderen Gründen) nicht mitsinge - ich bete halblaut einfach den "richtigen" Text...
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Ihr seid im Gebet ... mal schauen, ob/wann ich hier wieder reinsehe ...

Ecce Homo
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Beitrag von Ecce Homo »

incarnata hat geschrieben:Ja-wirklich greislich-nimmt einem jegliche Andacht ausgerechnet im heiligsten
Moment der Messe
Das ist relativ - ich weiß einige, die sagen es genau andersrum...
immerhin, der Inhalt ist textlich "nah dran"...
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Sursum Corda
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Gruselig

Beitrag von Sursum Corda »

Da gebe ich Euch recht, das Gesängelchen ist wirklich gruselig und noch dazu an dieser Stelle deplaziert. Dabei gibt es so wunderbare Lieder, die man nach der Wandlung singen kann:
"Sieh, Vater, von dem höchsten Throne" etwa oder "Ihr Engel allzumal, preist Jesum tausendmal." Gerne nach der Wandlung werden bei uns auch gesungen "Oh Christ, hie merk, den Glauben stärk" oder "Jesu, Dir leb ich."
Hat übrigens einen Vorteil: Bei der Gelegenheit muß man sich die Überreste des 2. Kanons nicht anhören... :ikb_hypocrite:

Raimund J.
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Re: Gruselig

Beitrag von Raimund J. »

Sursum Corda hat geschrieben: Gerne nach der Wandlung werden bei uns auch gesungen "Oh Christ, hie merk, den Glauben stärk" oder "Jesu, Dir leb ich."
Hat übrigens einen Vorteil: Bei der Gelegenheit muß man sich die Überreste des 2. Kanons nicht anhören... :ikb_hypocrite:
Sprichst Du vom NOM? :shock:
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Seraph
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Re: Gruselig

Beitrag von Seraph »

Sursum Corda hat geschrieben: Hat übrigens einen Vorteil: Bei der Gelegenheit muß man sich die Überreste des 2. Kanons nicht anhören... :ikb_hypocrite:
Na, sag mal!

Der zitierten Gesang habe ich noch nie gehört. Mich wiederum schaudert die bei manchen Messen in letzter Zeit üblich gewordene Konstellation, daß wenn "Geheimnis des Glaubens" auf die erste Melodie gesungen wird, fangen einige schon auf einem anderen Ton an als der Zelebrant vorgibt, und nach "Auferstehung preisen wir..." sind wir dann in Punkto Tonhöhe vollends auseinander. :floet:
Ein düsterer Seraph möchte wohl selbst den dreieinigen Gott erschrecken.
(Mother Mary Francis)

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monsieur moi
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Beitrag von monsieur moi »

Ich habe es bis jetzt (Gott sei Dank) erst zwei mal hören müssen. Furchtbar. Es wirkt bei der Andacht der Wandlung wirklich wie der Elephant im Porzellanladen. Hauptsache, ist nur, dass ich es in Zukunft nicht zu oft hören muss.

Raimund J.
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Beitrag von Raimund J. »

Das Lied ist bei uns im GL (Nr. 942) und soooo gedehnt wie im Ausgangsposting karikiert, wird das auch nicht gesungen sondern eher flott. Vom musikalischen Standpunkt her, finde ich es jetzt nicht ganz so schlimm.

Aus liturgischer Sicht, bin ich nicht so glücklich mit diesem Lied. Denn ich habe es auch schon erlebt, daß dann der Priester nicht mal mehr sein "Geheimnis des Glaubens" sagt bzw. singt, sondern gleich mit dem Lied losgelegt wird, incl. vorheriger Liednummernanzeige und Blättern im GL. Das muss und soll meines Erachtens nicht sein. Lieber alles wie gehabt und vorgesehen. Von anderen Gemeindemitgliedern habe ich jedoch auch schon gegenteiliges Gehört, nämlich das ja das "neue Lied so schön sei".

Ich hoffe, daß doch jetzt bitte einmal endlich GRM2002 hochoffiziell in Kraft tritt und man sich dann auf die dortigen (meines Erachtens sehr guten) Vorschriften berufen kann. Da steht u.a. auch drin, daß das Agnus Dei nicht durch einen anderen Gesang ersetzt werden darf.
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monsieur moi
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Beitrag von monsieur moi »

Naja, so gedeht mag es nicht sein, wenn die korrekten Noten im Gotteslob stehen. Aber im Bistum Münster gibt es das nicht und es wird frei gesungen. Nach eigener Façon. Dann wirds so gedehnt.
GRM2002
Was?

Ecce Homo
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Beitrag von Ecce Homo »

monsieur moi hat geschrieben:
GRM2002
Was?
*klick mich jetzt*
Hier in Deutsch...
:kiss:
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Ihr seid im Gebet ... mal schauen, ob/wann ich hier wieder reinsehe ...

Raimund J.
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Beitrag von Raimund J. »

monsieur moi hat geschrieben:Naja, so gedeht mag es nicht sein, wenn die korrekten Noten im Gotteslob stehen. Aber im Bistum Münster gibt es das nicht und es wird frei gesungen. Nach eigener Façon. Dann wirds so gedehnt.
GRM2002
Was?
GRM - Grundordnung des römischen Messbuchs:

gibts hier als pdf

edit:
ok, Ecce war schneller :jump:
Zuletzt geändert von Raimund J. am Mittwoch 24. September 2008, 20:57, insgesamt 1-mal geändert.
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cantus planus
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Beitrag von cantus planus »

Raimund Josef H. hat geschrieben:Ich hoffe, daß doch jetzt bitte einmal endlich GRM2002 hochoffiziell in Kraft tritt und man sich dann auf die dortigen (meines Erachtens sehr guten) Vorschriften berufen kann. Da steht u.a. auch drin, daß das Agnus Dei nicht durch einen anderen Gesang ersetzt werden darf.
Ja. Und wie üblich wird sich landauf, landab kein Mensch daran halten. Ich denke nur an die Ordinariumslieder im GL. Das hätte damals eigentlich nicht passieren dürfen,... und es wird sich wohl auch weiterhin nichts ändern.
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Raimund J.
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Beitrag von Raimund J. »

cantus planus hat geschrieben:,... und es wird sich wohl auch weiterhin nichts ändern.
Das hängt davon ab, wie die Ortsbischöfe dazu stehen und wie eindringlich die Kirchenmusiker immer wieder darauf hinweisen. Am besten man lernt die Instruktion „Redemptionis sacramentum“ und die GRM schon mal auswendig. ;)
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monsieur moi
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Beitrag von monsieur moi »

Ach das kannte ich schon. Sollte sich nur langsam durchsetzen.
Was die Ordinariumslieder angeht, ich hatte ich ja schon mal über "Gott ist dreifaltig einer" ausgelassen.

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anneke6
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Beitrag von anneke6 »

Neulich im Zug habe ich das Bedürfnis verspürt, ein bißchen zu blödeln, und ich fing an zu "dichten". Melodie: Wenn das Brot
Wenn der Mist, den singen aus dem Halse hängt,
und der Text, den wir lesen unsre Freud ertränkt,
dann hat irgendwer wieder Mist gebaut,
und um uns ist es nicht gut bestellt…
ja dann hören wir bald schon zum zehnten Mal
das blöde Lied, das jedeher kennt
das blöde Lied, das jeheder kennt.
???

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Niels
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Beitrag von Niels »

anneke6 hat geschrieben:Neulich im Zug habe ich das Bedürfnis verspürt, ein bißchen zu blödeln, und ich fing an zu "dichten". Melodie: Wenn das Brot
Wenn der Mist, den singen aus dem Halse hängt,
und der Text, den wir lesen unsre Freud ertränkt,
dann hat irgendwer wieder Mist gebaut,
und um uns ist es nicht gut bestellt…
ja dann hören wir bald schon zum zehnten Mal
das blöde Lied, das jedeher kennt
das blöde Lied, das jeheder kennt.
:D :mrgreen:
So ähnlich entstand auch: "Danke für diesen guten Morgen ..."
Iúdica me, Deus, et discérne causam meam de gente non sancta

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taddeo
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Beitrag von taddeo »

anneke6 hat geschrieben:Neulich im Zug habe ich das Bedürfnis verspürt, ein bißchen zu blödeln, und ich fing an zu "dichten". Melodie: Wenn das Brot
Wenn der Mist, den singen aus dem Halse hängt,
und der Text, den wir lesen unsre Freud ertränkt,
dann hat irgendwer wieder Mist gebaut,
und um uns ist es nicht gut bestellt…
ja dann hören wir bald schon zum zehnten Mal
das blöde Lied, das jedeher kennt
das blöde Lied, das jeheder kennt.
Pumuckl würde sagen: "Das dichteste Gedicht meines Lebens!"

Raimund J.
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Beitrag von Raimund J. »

Aus der Grundsatzrede des Heiligen Vaters an Wissenschaftler, Künstler und Medienvertreter im Collège des Bernardins in Paris am 12. September 2008:
...Zwei Gesänge der christlichen Liturgie stammen von biblischen Texten, in denen sie im Mund der Engel erscheinen: das Gloria, das zuerst bei der Geburt Jesu von den Engeln gesungen wurde und das Sanctus, das nach Jesaja 6 der Ruf der Seraphine ist, die Gott unmittelbar nahestehen. Der christliche Gottesdienst bedeutet von daher die Einladung, mit den Engeln mitzusingen und so das Wort zu seiner höchsten Bestimmung zu führen. Noch einmal Jean Leclercq zu diesem Thema: „Die Mönche mussten Melodien finden, die die Zustimmung des erlösten Menschen zu den Geheimnissen, die er feiert, in Töne übersetzen. Die wenigen uns erhalten gebliebenen Kapitelle von Cluny zeigen so die christologischen Symbole der einzelnen Tonarten“ (vgl. ebd., S. 229).

Bei Benedikt steht als maßgebende Regel über dem Gebet und Gesang der Mönche das Psalmwort: Coram angelis psallam Tibi, Domine – im Angesicht der Engel psalliere ich vor dir (vgl. 138, 1). Hier drückt sich das Bewusstsein aus, beim gemeinsamen Gebet in der Anwesenheit des ganzen himmlischen Hofes zu singen und damit dem höchsten Maßstab ausgesetzt zu sein: so zu beten und zu singen, dass man in die Musik der erhabenen Geister einstimmen kann, die als die Urheber der Harmonie des Kosmos, der Musik der Sphären galten. Aus diesem inneren Anspruch des Redens mit Gott und des Singens von Gott mit den von ihm selbst geschenkten Worten ist die große abendländische Musik entstanden. Es ging nicht um private „Kreativität“, in der das Individuum sich selbst ein Denkmal setzt und als Maßstab wesentlich die Darstellung des eigenen Ich nimmt. Es ging vielmehr darum, wachsam mit den „Ohren des Herzens“ die inneren Gesetze der Musik der Schöpfung selbst, die vom Schöpfer in seine Welt und in den Menschen gelegten Wesensformen der Musik zu erkennen und so die gotteswürdige Musik zu finden, die zugleich dann wahrhaft des Menschen würdig ist und seine Würde rein ertönen lässt. ...
Ich habs heute auch schon an anderer Stelle geschrieben, aber hier passts auch dazu:

Es gibt eine neu veröffentlichte Sammlung kirchenmusikalischer Schriften von Papst Benedikt XVI.

Joseph Ratzinger/Benedikt XVI.: Im Angesicht der Engel. Von der Musik im Gottesdienst. Herder Verlag, Freiburg 2008, 198 Seiten, ISBN-13: 978-3451299- 414, EUR 14,95
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cantus planus
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Beitrag von cantus planus »

Raimund Josef H. hat geschrieben:Ich habs heute auch schon an anderer Stelle geschrieben, aber hier passts auch dazu:

Es gibt eine neu veröffentlichte Sammlung kirchenmusikalischer Schriften von Papst Benedikt XVI.

Joseph Ratzinger/Benedikt XVI.: Im Angesicht der Engel. Von der Musik im Gottesdienst. Herder Verlag, Freiburg 2008, 198 Seiten, ISBN-13: 978-3451299- 414, EUR 14,95
Habe ich mir zufällig heute Morgen gekauft. Eine schöne Idee, die Schriften des Heiligen Vaters zu diesem Thema zu sammeln. öge er damit Gehör finden!

Auch die Herausgabe des Gesamtwerks durch Bischof Müller beginnt ja auch Wunsch des Papstes mit dessen Worten zur Liturgie. Ich habe immer das Gefühl, dass der Papst noch Großes vorhat. Nur leider steuern die Bischöfe momentan in die total falsche Richtung. Meiner unmaßgeblichen Meinung nach.
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Raimund J.
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Beitrag von Raimund J. »

cantus planus hat geschrieben: Ich habe immer das Gefühl, dass der Papst noch Großes vorhat. Nur leider steuern die Bischöfe momentan in die total falsche Richtung. Meiner unmaßgeblichen Meinung nach.
Das ist das zunehmend frustrierende! Da haben wir einen deutschen Papst und was für einen guten, und was machen die Bischöfe? Abwarten, aussitzen, beschwichtigen, verzögern, abmildern, umdeuten, ... Warum nur gibt es nicht wenigstens eine Gruppe von deutschen Bischöfen, die die liturgischen Anregungen, Empfehlungen und Vorgaben mit Begeisterung aufnehmen und eifrig an das Volk in ihren Diözesen vermitteln?
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Sursum Corda
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Re: Gruselig

Beitrag von Sursum Corda »

Raimund Josef H. hat geschrieben:
Sursum Corda hat geschrieben: Gerne nach der Wandlung werden bei uns auch gesungen "Oh Christ, hie merk, den Glauben stärk" oder "Jesu, Dir leb ich."
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Aber sicher doch, ich spreche von NOM. Bei uns wird das nicht immer, aber noch recht oft so gemacht. Unser Geistliche singt übrigens dabei natürlich nicht mit. Auch nicht bei Gloria, Credo und Sanctus. Der betet selbstverständlich den korrekten lateinischen Text aus dem Missale leise für sich, während das Volk singt. War aber natürlich in der tridentinischen Messe genauso üblich und alltäglich. Wobei die wenigen tridentinischen Messen in Deutschland ja von deutschen Volksgesängen mittlerweile total gereinigt sind von einigen choralverliebten "Organisatoren." So muß man sich dann Missa Mundi und de Angelis (andere kann ja keiner bzw. nur wenige) anhören, bis es einem aus den Ohren kommt. Oder man geht in die neue Messe und muß den Thurmayer-Kram aus dem Gotteslob ertragen.
Ach, dem normalen Kirchenvolk hat man alles verleidet, was es gern hatte. Und was gab es in unseren alten Gesangbüchern für herrliche Singmessen!
Zeit, zu resignieren und zu Hause zu singen :ikb_cry: :cry:

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cantus planus
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Beitrag von cantus planus »

Raimund Josef H. hat geschrieben:
cantus planus hat geschrieben: Ich habe immer das Gefühl, dass der Papst noch Großes vorhat. Nur leider steuern die Bischöfe momentan in die total falsche Richtung. Meiner unmaßgeblichen Meinung nach.
Das ist das zunehmend frustrierende! Da haben wir einen deutschen Papst und was für einen guten, und was machen die Bischöfe? Abwarten, aussitzen, beschwichtigen, verzögern, abmildern, umdeuten, ... Warum nur gibt es nicht wenigstens eine Gruppe von deutschen Bischöfen, die die liturgischen Anregungen, Empfehlungen und Vorgaben mit Begeisterung aufnehmen und eifrig an das Volk in ihren Diözesen vermitteln?
Eben das macht mich vollkommen ratlos. Erstaunlicherweise scheint das ja in anderen Ländern teilweise der Fall zu sein. Beispielsweise in den USA oder Großbritannien.

Warum es in Deutschland nicht funktioniert? Keine Ahnung, wirklich keine Ahnung... :(
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Re: Gruselig

Beitrag von cantus planus »

Sursum Corda hat geschrieben:Wobei die wenigen tridentinischen Messen in Deutschland ja von deutschen Volksgesängen mittlerweile total gereinigt sind von einigen choralverliebten "Organisatoren."
Wo liegt diese Insel der Seligen?
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