Anglikanische "Piusbrüder"

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ottaviani
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Anglikanische "Piusbrüder"

Beitrag von ottaviani » Dienstag 23. Juni 2009, 09:16


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Florianklaus
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Re: Anglikanische "Piusbrüder"

Beitrag von Florianklaus » Dienstag 23. Juni 2009, 09:50

ganz einfach, die konservativen Anglikaner, die keine homosexuelle Bischöfin wollen, gründen jetzt eigene kirchliche Strukturen.

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cantus planus
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Re: Anglikanische "Piusbrüder"

Beitrag von cantus planus » Dienstag 23. Juni 2009, 11:11

Florianklaus hat geschrieben:ganz einfach, die konservativen Anglikaner, die keine homosexuelle Bischöfin wollen, gründen jetzt eigene kirchliche Strukturen.
Sehr vernünftig. Allerdings hätten sie gleich einen konsequenten Schritt tun sollen, und die Vereinigung mit Rom anstreben.
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Florianklaus
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Re: Anglikanische "Piusbrüder"

Beitrag von Florianklaus » Dienstag 23. Juni 2009, 11:17

Das haben eine ganze Menge auch getan.

Interessanterweise gibt es für anglikanische Gemeinden und Gemeinschaften auch die Möglichkeit, unter Beibehaltung gewisser ritueller Eigenheiten zu konvertieren. Es gibt eine eigene Meßordnung, den sogenannten "Anglican Use". Das ist neben dem ordentlichen und außerordentlichen ein dritter Usus des lateinischen Ritus, um den aber weitem nicht so viel Aufhebens gemacht wird, wie um den außerordentlichen Usus........................
Zuletzt geändert von Florianklaus am Dienstag 23. Juni 2009, 12:03, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Anglikanische "Piusbrüder"

Beitrag von cantus planus » Dienstag 23. Juni 2009, 11:25

Es ist sogar der vierte Usus, da es ja noch den Ambrosianischen gibt. Ja, es ist erstaunlich, dass um einen Usus, für den sich nach Meinung der Deutschen Bischofskonferenz niemand interessiert und für den es keinen Bedarf gibt, so ein Trara gemacht wird.

Kennst du dich mit dem "Anglican Use" aus? Gibt es dazu Quellen im Internet?
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Re: Anglikanische "Piusbrüder"

Beitrag von Florianklaus » Dienstag 23. Juni 2009, 11:29

Einfach "anglican use" googeln, es kommen sofort mehrere Quellen.

Die Meßordnung gibt es auf: http://www.walsingham-church.org/mass.htm

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Re: Anglikanische "Piusbrüder"

Beitrag von cantus planus » Dienstag 23. Juni 2009, 11:38

Vielen Dank! Wie interessant. Es scheint sich auf den ersten Blick um eine Adaption der hochkirchlichen anglikanischen Bräuche zu handeln, die man "katholisiert" hat. Werde mich mal etwas hineinlesen...
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Re: Anglikanische "Piusbrüder"

Beitrag von TillSchilling » Dienstag 23. Juni 2009, 11:50

cantus planus hat geschrieben:
Florianklaus hat geschrieben:ganz einfach, die konservativen Anglikaner, die keine homosexuelle Bischöfin wollen, gründen jetzt eigene kirchliche Strukturen.
Sehr vernünftig. Allerdings hätten sie gleich einen konsequenten Schritt tun sollen, und die Vereinigung mit Rom anstreben.
Da schätzt du die aber ganz falsch ein. Die Geschwister von der Anglican Church in North America stehen in protestantischer Tradition.

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Re: Anglikanische "Piusbrüder"

Beitrag von cantus planus » Dienstag 23. Juni 2009, 11:57

TillSchilling hat geschrieben:
cantus planus hat geschrieben:
Florianklaus hat geschrieben:ganz einfach, die konservativen Anglikaner, die keine homosexuelle Bischöfin wollen, gründen jetzt eigene kirchliche Strukturen.
Sehr vernünftig. Allerdings hätten sie gleich einen konsequenten Schritt tun sollen, und die Vereinigung mit Rom anstreben.
Da schätzt du die aber ganz falsch ein. Die Geschwister von der Anglican Church in North America stehen in protestantischer Tradition.
Demzufolge wäre also die Hauptrichtung der Kirche auf dem falschen Weg, und sie ein Häuflein Anständiger. Dann passt der Begriff "Piusbrüder" ja wie die Faust aufs Auge. :breitgrins:
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Re: Anglikanische "Piusbrüder"

Beitrag von Florianklaus » Dienstag 23. Juni 2009, 12:05

cantus planus hat geschrieben:Es ist sogar der vierte Usus, da es ja noch den Ambrosianischen gibt. Ja, es ist erstaunlich, dass um einen Usus, für den sich nach Meinung der Deutschen Bischofskonferenz niemand interessiert und für den es keinen Bedarf gibt, so ein Trara gemacht wird.

Kennst du dich mit dem "Anglican Use" aus? Gibt es dazu Quellen im Internet?

Soweit ich weiß, handelt es sich beim anbrosianischen Ritus um einen selbständigen Ritus und nicht nur um einen Usus des römischen Ritus.

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Re: Anglikanische "Piusbrüder"

Beitrag von TillSchilling » Dienstag 23. Juni 2009, 12:06

Was ich meinte war, dass sie keine Anglokatholiken sind sondern eher zum evangelikalen Flügel des Anglikanismus gehören. Der trotz Peturs Hoffnungen, dass es ihn gar nicht gibt, ein sehr, sehr grosser und gewichtiger Teil der internationalen anglikanischen Kirchencommunity ausmacht.

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Re: Anglikanische "Piusbrüder"

Beitrag von Petur » Dienstag 23. Juni 2009, 13:19

TillSchilling hat geschrieben:Was ich meinte war, dass sie keine Anglokatholiken sind sondern eher zum evangelikalen Flügel des Anglikanismus gehören. Der trotz Peturs Hoffnungen, dass es ihn gar nicht gibt, ein sehr, sehr grosser und gewichtiger Teil der internationalen anglikanischen Kirchencommunity ausmacht.
Nicht ganz. Es gibt unter ihnen auch viele sehr konservative Anglokatholiken, z.B. der erzkonservative Bischof Jack Iker. Sogar ganze anglokath. Diözesen. Es geht um eine seltsame, sehr widersprüchliche anglokath.-evangelikale Mischung.

Es war mir übrigens immer klar, dass es auch einen starken evangelikalen Flügel des Anglikanismus gibt. Aber ein katholisches Minimum ist auch bei diesem Flügel zu finden.

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Re: Anglikanische "Piusbrüder"

Beitrag von Florianklaus » Dienstag 23. Juni 2009, 13:34

Welches Minimum?

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Re: Anglikanische "Piusbrüder"

Beitrag von TillSchilling » Dienstag 23. Juni 2009, 13:42

Petur hat geschrieben: Es geht um eine seltsame, sehr widersprüchliche anglokath.-evangelikale Mischung.
Du wirst wohl rechthaben. Aber es muss nicht so sein. Evangelische und katholische Aspekte müssen nicht im Wiederspruch zueinander stehen.

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Re: Anglikanische "Piusbrüder"

Beitrag von anneke6 » Dienstag 23. Juni 2009, 14:18

Florianklaus hat geschrieben:Einfach "anglican use" googeln, es kommen sofort mehrere Quellen.

Die Meßordnung gibt es auf: http://www.walsingham-church.org/mass.htm
Gefällt mir!
???

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Re: Anglikanische "Piusbrüder"

Beitrag von Petur » Dienstag 23. Juni 2009, 16:22

Florianklaus hat geschrieben:Welches Minimum?
Apostolische Sukzession, irgendeine Art der Realpräsenz (abgesehen von einigen Calvinisten, denen man erklären sollte, dass ihre diesbezüglichen Ansichten in Wirklichkeit nicht anglikanisch sind), 7 Sakramente (oder 2+5, obwohl ihnen die 5 sog. "minor sacraments" nicht so wichtig sind).

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Re: Anglikanische "Piusbrüder"

Beitrag von cantus planus » Dienstag 23. Juni 2009, 17:57

Florianklaus hat geschrieben:
cantus planus hat geschrieben:Es ist sogar der vierte Usus, da es ja noch den Ambrosianischen gibt. Ja, es ist erstaunlich, dass um einen Usus, für den sich nach Meinung der Deutschen Bischofskonferenz niemand interessiert und für den es keinen Bedarf gibt, so ein Trara gemacht wird.

Kennst du dich mit dem "Anglican Use" aus? Gibt es dazu Quellen im Internet?
Soweit ich weiß, handelt es sich beim anbrosianischen Ritus um einen selbständigen Ritus und nicht nur um einen Usus des römischen Ritus.
Richtig. Aber oben war die Rede von lateinischen Riten, nicht von römischen! Und der Ambrosianische Ritus ist ohne Zweifel ein lateinischer.
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Re: Anglikanische "Piusbrüder"

Beitrag von ad-fontes » Sonntag 28. Juni 2009, 14:51

TillSchilling hat geschrieben:Was ich meinte war, dass sie keine Anglokatholiken sind sondern eher zum evangelikalen Flügel des Anglikanismus gehören. Der trotz Peturs Hoffnungen, dass es ihn gar nicht gibt, ein sehr, sehr grosser und gewichtiger Teil der internationalen anglikanischen Kirchencommunity ausmacht.
Dieses Zitat, wenn auch schon etwas älter, bringt es, wie ich meine, auf den Punkt:
Zitat hat geschrieben:Auch auf eine andere schwache Stelle des Anglikanismus könnte man aufmerksam machen, die diese Kirche nicht gerade als ein ideales Modell für die gesuchte Einheit aller Christen erscheinen ließe: ich meine den Eindruck eines Mangels an Einheit in Lehre und Ordnung, wie ihn der unbeteiligte Besucher wohl manchmal erhalten kann. Katholische und protestantische Aussagen und Überzeugungen scheinen im Raum der anglikanischen Kirche oft schroff einander gegenüber zu stehen, so daß mir ein anglikanischer Ordensgeistlicher im privaten Gespräch einmal gesagt hat, er selber habe dann und wann den Eindruck, im Anglikanismus seien in Wirklichkeit zwei Kirchen miteinander verbunden.
(Ernst-Wilhelm Heese, 1964)
Christi vero ecclesia, sedula et cauta depositorum apud se dogmatum custos, nihil in his umquam permutat, nihil minuit, nihil addit; non amputat necessaria, non adponit superflua; non amittit sua, non usurpat aliena. (Vincentius Lerinensis, Com. 23, 16)

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Re: Anglikanische "Piusbrüder"

Beitrag von Bernado » Sonntag 28. Juni 2009, 20:30

cantus planus hat geschrieben: Kennst du dich mit dem "Anglican Use" aus? Gibt es dazu Quellen im Internet?
Die Grundlage für den AU biete die "Pastoral Provision" von Papst Johannes Paul II. aus dem Jahr 1980 - die hat ihre eigene Website. Die Regelung gilt allerdings nur für Nordamerika, ausdrücklich nicht für England, wo die Katholische Bischofskonferenz sich dagegen gesperrt hatte.
„DIE SORGE DER PÄPSTE ist es bis zur heutigen Zeit stets gewesen, dass die Kirche Christi der Göttlichen Majestät einen würdigen Kult darbringt.“ Summorum Pontificum 2007 (http://www.summorum-pontificum.de/)

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Re: Anglikanische "Piusbrüder"

Beitrag von TillSchilling » Montag 29. Juni 2009, 01:01

ad-fontes hat geschrieben:
Zitat hat geschrieben:Auch auf eine andere schwache Stelle des Anglikanismus könnte man aufmerksam machen, die diese Kirche nicht gerade als ein ideales Modell für die gesuchte Einheit aller Christen erscheinen ließe: ich meine den Eindruck eines Mangels an Einheit in Lehre und Ordnung, wie ihn der unbeteiligte Besucher wohl manchmal erhalten kann. Katholische und protestantische Aussagen und Überzeugungen scheinen im Raum der anglikanischen Kirche oft schroff einander gegenüber zu stehen, so daß mir ein anglikanischer Ordensgeistlicher im privaten Gespräch einmal gesagt hat, er selber habe dann und wann den Eindruck, im Anglikanismus seien in Wirklichkeit zwei Kirchen miteinander verbunden.
(Ernst-Wilhelm Heese, 1964)
So ist es.

Ich habe selber die Einführung eines - erklärt calvinistischen - anglikanischen Geistlichen in der CoE beobachten dürfen. Es war überhaupt kein Bischof anwesend sondern eine Art Präses. Ich frage mich ob diese Ordinierung den Kriterien der "apostolischen Sukzession" im alt-katholischen Sinne genügt. Selbst wenn, was soll es wenn es dem Ordinanden selber gleichgültig ist?

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Christ86
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Re: Anglikanische "Piusbrüder"

Beitrag von Christ86 » Montag 29. Juni 2009, 01:08

TillSchilling hat geschrieben:
ad-fontes hat geschrieben:
Zitat hat geschrieben:Auch auf eine andere schwache Stelle des Anglikanismus könnte man aufmerksam machen, die diese Kirche nicht gerade als ein ideales Modell für die gesuchte Einheit aller Christen erscheinen ließe: ich meine den Eindruck eines Mangels an Einheit in Lehre und Ordnung, wie ihn der unbeteiligte Besucher wohl manchmal erhalten kann. Katholische und protestantische Aussagen und Überzeugungen scheinen im Raum der anglikanischen Kirche oft schroff einander gegenüber zu stehen, so daß mir ein anglikanischer Ordensgeistlicher im privaten Gespräch einmal gesagt hat, er selber habe dann und wann den Eindruck, im Anglikanismus seien in Wirklichkeit zwei Kirchen miteinander verbunden.
(Ernst-Wilhelm Heese, 1964)
So ist es.

Ich habe selber die Einführung eines - erklärt calvinistischen - anglikanischen Geistlichen in der CoE beobachten dürfen. Es war überhaupt kein Bischof anwesend sondern eine Art Präses. Ich frage mich ob diese Ordinierung den Kriterien der "apostolischen Sukzession" im alt-katholischen Sinne genügt. Selbst wenn, was soll es wenn es dem Ordinanden selber gleichgültig ist?
Das genügt dem altkatholischen Verständnis der Ordination natürlich in keiner Art und Weise. Eine Weihe hat durch den Bischof in apostolischer Sukzession zu erfolgen. Oder sprechen wir hier von einer Installation als Pfarrer? (Da ist bei uns auch der Bischof dabei)

Den Ordinanden sollte es interessieren, da seine Kirche ja an der apostolischen Sukzession festhält und in Gemeinschaft mit den Altkatholiken steht.
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Petur
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Re: Anglikanische "Piusbrüder"

Beitrag von Petur » Montag 29. Juni 2009, 01:24

TillSchilling hat geschrieben:
ad-fontes hat geschrieben:
Zitat hat geschrieben:Auch auf eine andere schwache Stelle des Anglikanismus könnte man aufmerksam machen, die diese Kirche nicht gerade als ein ideales Modell für die gesuchte Einheit aller Christen erscheinen ließe: ich meine den Eindruck eines Mangels an Einheit in Lehre und Ordnung, wie ihn der unbeteiligte Besucher wohl manchmal erhalten kann. Katholische und protestantische Aussagen und Überzeugungen scheinen im Raum der anglikanischen Kirche oft schroff einander gegenüber zu stehen, so daß mir ein anglikanischer Ordensgeistlicher im privaten Gespräch einmal gesagt hat, er selber habe dann und wann den Eindruck, im Anglikanismus seien in Wirklichkeit zwei Kirchen miteinander verbunden.
(Ernst-Wilhelm Heese, 1964)
So ist es.

Ich habe selber die Einführung eines - erklärt calvinistischen - anglikanischen Geistlichen in der CoE beobachten dürfen. Es war überhaupt kein Bischof anwesend sondern eine Art Präses. Ich frage mich ob diese Ordinierung den Kriterien der "apostolischen Sukzession" im alt-katholischen Sinne genügt. Selbst wenn, was soll es wenn es dem Ordinanden selber gleichgültig ist?
Sie genügt weder den altkath. noch den anglikanischen Kriterien. Es geht hier aber ganz sicher um keine Ordination, sondern um die Amtseinführung (Installation) des neuen Pfarrers.

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Re: Anglikanische "Piusbrüder"

Beitrag von Petur » Montag 29. Juni 2009, 01:34

Petur hat geschrieben:
TillSchilling hat geschrieben:
ad-fontes hat geschrieben:
Zitat hat geschrieben:Auch auf eine andere schwache Stelle des Anglikanismus könnte man aufmerksam machen, die diese Kirche nicht gerade als ein ideales Modell für die gesuchte Einheit aller Christen erscheinen ließe: ich meine den Eindruck eines Mangels an Einheit in Lehre und Ordnung, wie ihn der unbeteiligte Besucher wohl manchmal erhalten kann. Katholische und protestantische Aussagen und Überzeugungen scheinen im Raum der anglikanischen Kirche oft schroff einander gegenüber zu stehen, so daß mir ein anglikanischer Ordensgeistlicher im privaten Gespräch einmal gesagt hat, er selber habe dann und wann den Eindruck, im Anglikanismus seien in Wirklichkeit zwei Kirchen miteinander verbunden.
(Ernst-Wilhelm Heese, 1964)
So ist es.

Ich habe selber die Einführung eines - erklärt calvinistischen - anglikanischen Geistlichen in der CoE beobachten dürfen. Es war überhaupt kein Bischof anwesend sondern eine Art Präses. Ich frage mich ob diese Ordinierung den Kriterien der "apostolischen Sukzession" im alt-katholischen Sinne genügt. Selbst wenn, was soll es wenn es dem Ordinanden selber gleichgültig ist?
Sie genügt weder den altkath. noch den anglikanischen Kriterien. Es geht hier aber ganz sicher um keine Ordination, sondern um die Amtseinführung (Installation) des neuen Pfarrers.
Solange der Priester die Absicht hat, das zu tun, was die Kirche tut, gibt es kein Problem. Seine persönlichen Ansichten haben hier keine Rolle.

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Re: Anglikanische "Piusbrüder"

Beitrag von TillSchilling » Montag 29. Juni 2009, 02:31

Petur hat geschrieben: Solange der Priester die Absicht hat, das zu tun, was die Kirche tut, gibt es kein Problem. Seine persönlichen Ansichten haben hier keine Rolle.
Da die CoE dogmatisch ein Kompromiss ist, ist es einfach nicht korrekt zu behaupten, dass sie - die CoE - das römisch-katholische oer altkatholische Verständnis von apostolischer Sukzession teilt. Die evangelikale Seite der Anglikaner sieht das ganz anders:

From an Evangelical Anglican point of view, questions regarding “apostolic succession” must all be considered as touching the Apostles’ teachings, rather than their ordaining of subordinates. From the time of the English Reformers onward, Evangelical Anglicans have considered regularity of ordinations to be important for the good health of the Church (what some call the plene esse, the good essence). Yet for these Evangelicals the regularity of ordinations has always taken second place to the regularity and correctness of doctrine. In a 191 article on the Church of England’s ministry, Bishop H.C.G. Moule of Durham, England set forth clearly the classical view of the English Reformers, as found in the Thirty-nine Articles of Religion. On the 23rd Article, he writes, no word is used which is not as a fact equally fit to express the convictions of, for example, the Presbyterian. In the Prefaces, and in the cognate statement of the Thirty-sixth Article, nothing is said to the effect that the very existence of the Christian Church is suspended on the three-fold order [i.e., bishop, priest, and deacon], so that this order can alone guarantee the working of the covenant of grace.

In addition to this, God has often performed His works through extraordinary means, outside of His normal modes of operation. Apollos the associate of Paul, for example, “worked without the normal commission. And the whole phenomenon of the Christian prophet warns us to-day not to turn sacred order into the chain rather than the stay and the girdle of the Church.” The title of the 1979 book The Evangelical Succession in the Church of England provides a pithy summation of this thought. For if “evangelical” means “of the Gospel,” then Evangelical Anglicans hold that our true connection to Christ is through sameness of doctrine with the apostles. As editor D.N. Samuel puts it in his introduction, The evangelical succession is one of truth of doctrine. Roman Catholics and Anglo-catholics make their appeal to a tactual succession which savours more of legalism than the Gospel. Our appeal is to the foundation upon which the church is built—the teaching of the apostles and prophets, Christ Jesus himself being the chief corner stone. We are concerned to know that we hold the same doctrines as they held.
Source: http://74.125.95.132/search?q=cache:nqO ... =firefox-a

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Christ86
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Re: Anglikanische "Piusbrüder"

Beitrag von Christ86 » Montag 29. Juni 2009, 02:41

TillSchilling hat geschrieben:
Petur hat geschrieben: Solange der Priester die Absicht hat, das zu tun, was die Kirche tut, gibt es kein Problem. Seine persönlichen Ansichten haben hier keine Rolle.
Da die CoE dogmatisch ein Kompromiss ist, ist es einfach nicht korrekt zu behaupten, dass sie - die CoE - das römisch-katholische oer altkatholische Verständnis von apostolischer Sukzession teilt. Die evangelikale Seite der Anglikaner sieht das ganz anders:
Die offizielle Lehre der Church of England geht aber von einem Weiheritual in apostolischer Sukzession, wie wir sie verstehen, aus. Wenn also einzelne Evangelikale Anglikaner etwas anderes behaupten, dann muss dies nicht dem offiziellen Standpunkt der Kirche entsprechen.

Ich werde dazu mal die Anglikanischen Geistlichen, die ich kenne, befragen. Eine Ordination ohne apostolische Sukzession im Sinne der Handauflegung und Weihe durch einen Bischof ist jedenfalls nicht offizielle anglikanische Lehre.
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Re: Anglikanische "Piusbrüder"

Beitrag von TillSchilling » Montag 29. Juni 2009, 03:08

Christ86 hat geschrieben: Die offizielle Lehre der Church of England geht aber von einem Weiheritual in apostolischer Sukzession, wie wir sie verstehen, aus. Wenn also einzelne Evangelikale Anglikaner etwas anderes behaupten, dann muss dies nicht dem offiziellen Standpunkt der Kirche entsprechen.
Was bitte ist denn "offizielle Lehre der Church of England"? Die gibt es ja eben nicht, da die CoE ein Kompromiss ist und unterschiedliche, einander widersprechende Lehren in ihr paralell existieren. Wobei ich glaube, dass die englischen Reformer und Väter der CoE protestantisch dachten und sich im Grabe umdrehen würden wenn sie wüssten was Anglokatholiken für anglikanisch halten.
Christ86 hat geschrieben:Ich werde dazu mal die Anglikanischen Geistlichen, die ich kenne, befragen. Eine Ordination ohne apostolische Sukzession im Sinne der Handauflegung und Weihe durch einen Bischof ist jedenfalls nicht offizielle anglikanische Lehre.

Gut möglich, dass ich mich vertan habe und es sich nicht um die Ordination sondern nur um die Einführung handelte. Das ändert aber nichts daran, dass evangelikale Anglikaner die apostolische Sukzession protestantisch verstehen.

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Re: Anglikanische "Piusbrüder"

Beitrag von Christ86 » Montag 29. Juni 2009, 03:17

TillSchilling hat geschrieben:
Christ86 hat geschrieben: Die offizielle Lehre der Church of England geht aber von einem Weiheritual in apostolischer Sukzession, wie wir sie verstehen, aus. Wenn also einzelne Evangelikale Anglikaner etwas anderes behaupten, dann muss dies nicht dem offiziellen Standpunkt der Kirche entsprechen.
Was bitte ist denn "offizielle Lehre der Church of England"? Die gibt es ja eben nicht, da die CoE ein Kompromiss ist und unterschiedliche, einander widersprechende Lehren in ihr paralell existieren. Wobei ich glaube, dass die englischen Reformer und Väter der CoE protestantisch dachten und sich im Grabe umdrehen würden wenn sie wüssten was Anglokatholiken für anglikanisch halten.
Die offizielle Lehre spiegelt sich wieder in den angenommenen Artikeln aber auch in den liturgischen Dokumenten und Büchern, welche eine Diakonats-, Priester- und Bischofsweihe vorsehen.

Das glaube ich nicht, dass sich die sich im Grabe umdrehen würden. Henry VIII. liess Lutheraner als Ketzer hinrichten, als die Kirche schon anglikanisch war. Es folgten protestantisierende Tendenzen unter Edward VI. - erzrömische unter Mary I. - und dann folgte der vielzitierte "Kompromiss" unter Elizabeth I. Doch unter Lizzie gabs Messen im katholischen Sinne, obwohl man sie "Protestant Queen" nannte, denn die Anglikaner waren immer sehr eigenwillig in der Definition von "protestantisch". ;D
TillSchilling hat geschrieben:
Christ86 hat geschrieben:Ich werde dazu mal die Anglikanischen Geistlichen, die ich kenne, befragen. Eine Ordination ohne apostolische Sukzession im Sinne der Handauflegung und Weihe durch einen Bischof ist jedenfalls nicht offizielle anglikanische Lehre.

Gut möglich, dass ich mich vertan habe und es sich nicht um die Ordination sondern nur um die Einführung handelte. Das ändert aber nichts daran, dass evangelikale Anglikaner die apostolische Sukzession protestantisch verstehen.
Nun ja, die evangelikalen Anglikaner mögen die apostolische Sukzession sehen wie sie wollen, wenn einer Priester werden will, dann muss er sich vom Bischof weihen lassen.
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Re: Anglikanische "Piusbrüder"

Beitrag von Miserere Nobis Domine » Montag 29. Juni 2009, 07:46

TillSchilling hat geschrieben: Was bitte ist denn "offizielle Lehre der Church of England"? Die gibt es ja eben nicht, da die CoE ein Kompromiss ist und unterschiedliche, einander widersprechende Lehren in ihr paralell existieren.
Das Lambeth-Quadrilineal gibt es und da steht die apostolische Sukzession in ihrer historischen Form drin.
TillSchilling hat geschrieben:Wobei ich glaube, dass die englischen Reformer und Väter der CoE protestantisch dachten und sich im Grabe umdrehen würden wenn sie wüssten was Anglokatholiken für anglikanisch halten.
Wer sind denn "die Reformer und Väter" konkret? Es ist bei jeder Person einzeln zu klären, wie sie dachte.

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Re: Anglikanische "Piusbrüder"

Beitrag von Petur » Montag 29. Juni 2009, 09:10

Lieber Till, die tatsächlichen anglikanischen Lehren findet man nicht in den Articles, sondern in der Liturgie, im Book of Common Prayer. Und darin geht es um Priestertum im kath. Sinne und Realpräsenz. Die persönlichen Ansichten eines Cranmer usw. haben in dieser Hinsicht keine Bedeutung. Für viele Evangelikale sind diese Lehren sicherlich zweitrangig, damit verlieren sie aber die katholisch-anglikanischen Fundamente noch nicht. Soviel theol. Pluralismus ist noch akzeptabel.
Worüber Deine Quelle spricht, ist mMn. derselbe richtige Standpunkt, dass die ununterbrochene Kette bischöflicher Handauflegungen an und für sich noch nicht genügend ist. Die apostolische Sukzession=apostolische Lehre + bischöfliche Handauflegung. Beide Elemente sind grundsätzlich. Die Anglikaner sprechen jedoch jenen Gemeinschaften, die nicht über die AS verfügen, das "Kirchesein" nicht ab, im Gegensatz zur RKK etc. Und das ist mMn. in Ordnung. Sie sind Kirchen, doch irgendwie "mangelhafte" Kirchen.
Soweit ich mich erinnere, habe ich in einem anderen Thread auf zwei Texte über das angl. kirchliche Amt hingewiesen, mit Links. Der eine ist das Dokument unter dem Titel "Saepius officio", in dem die Erzbischöfe von Canterbury und York auf die päpstliche Bulle "Apostolicae curae" (in der Leo XIII. die Ungültigkeit der angl. Weihen proklamiert) reagieren und beweisen , dass die angl. Weihen gültige Weihen im katholischen Sinne sind. Der andere ist ein Kapitel aus einem Buch des amerikanischen angl. Bischofs Charles C. Grafton ("Christian and Catholic"), das sich mit demselben Thema beschäftigt und die Gültigkeit beweist. Lies bitte diese Texte, wenn Du verstehen möchtest, worum es sich in dieser Frage handelt!
Ich verstehe übrigens nicht, warum Deine calvinistischen Freunde zur CoE gehören.
Ein echter Calvinist hat dort nichts zu suchen, sein Platz sollte die presbyterianische Kirche sein. Die Struktur der angl. Kirche kann mit dem Calvinismus nicht in Einklang gebracht werden. Ich nehme jedoch an, dass Deine Freunde in Wirklichkeit gar nicht 100prozentig calvinistisch sind.

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Re: Anglikanische "Piusbrüder"

Beitrag von Lutheraner » Montag 29. Juni 2009, 09:40

Petur hat geschrieben:
Florianklaus hat geschrieben:Welches Minimum?
Apostolische Sukzession, irgendeine Art der Realpräsenz (abgesehen von einigen Calvinisten, denen man erklären sollte, dass ihre diesbezüglichen Ansichten in Wirklichkeit nicht anglikanisch sind), 7 Sakramente (oder 2+5, obwohl ihnen die 5 sog. "minor sacraments" nicht so wichtig sind).
Und wie man das Heil erlangt ist egal? Die Antwort hierauf sollte doch die Kernaussage einer Religionsgemeinschaft sein.
"Ta nwi takashi a huga bakashi. Ta nwi takashi maluka batuka"

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Lutheraner
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Re: Anglikanische "Piusbrüder"

Beitrag von Lutheraner » Montag 29. Juni 2009, 09:44

TillSchilling hat geschrieben:Ich habe selber die Einführung eines - erklärt calvinistischen - anglikanischen Geistlichen in der CoE beobachten dürfen. Es war überhaupt kein Bischof anwesend sondern eine Art Präses.
Präses und Superintendent sind doch nur andere Begriffe für Bischof. Wird das in der CoE anders verstanden?
"Ta nwi takashi a huga bakashi. Ta nwi takashi maluka batuka"

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Petur
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Re: Anglikanische "Piusbrüder"

Beitrag von Petur » Montag 29. Juni 2009, 09:57

Lutheraner hat geschrieben:
TillSchilling hat geschrieben:Ich habe selber die Einführung eines - erklärt calvinistischen - anglikanischen Geistlichen in der CoE beobachten dürfen. Es war überhaupt kein Bischof anwesend sondern eine Art Präses.
Präses und Superintendent sind doch nur andere Begriffe für Bischof. Wird das in der CoE anders verstanden?
In der ang. Kirche gibt es keinen Präses und keinen Superintendenten. Diese Titel sind dort unbekannt. Der Priester, über den Till geschrieben hat, ist wahrscheinlich ein "archdeacon" (ungefähr Regionaldekan, Kreisdekan) oder "rural dean" (Dekan), und zwar in dem Sinne, wie diese Positionen auch in der RKK bekannt sind.

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