Ich bedauere, daß der Eindruck entstanden ist, wir würden quasi mit geschlossenem Visier antreten. Aber das ist ja geklärt.
Ich habe auf unserer HP jedoch die Informationen zu Kontakt und Impressum vorsichthalber noch einmal getrennt. Vielleicht ist es dann übersichtlicher. Auf ein Bild von mir habe ich allerdings verzichtet. Ich glaube, das will niemand wirklich
Was ist eine Evangelische Messe?
Messe?
Eine Messe ist nichts weiter als ein ganz normaler christlicher Gottesdienst, der ja von Anfang an in zwei Teilen gefeiert wurde: Wortgottesdienst und Eucharistiefeier.
Der Schweizer Reformator Zwingli (und später Calvin) schaffte das ab, indem er veranlaßte, daß das Abendmahl nur viermal im Jahr gefeiert würde (und natürlich nicht Messe genannt wurde). Die übrigen Gottesdienst ewaren reine Predigtgottesdienste, also der Teil des Gottesdienstes, zu dem in der Alten Kirche auch die Taufbewerber und Büßer zugelassen waren, die damals zur Eucharistiefeier die Kirche verlassen mußten. Die Schweizerische Reformation und ihr Gefolge stufte also die Christen im Grunde auf den Status von Katechumenen zurück. Die Wittenbergische Reformation verfuhr nicht so.
Durch die lutherische Reformation sollte keineswegs die Messe abgeschafft werden. Die Gottesdienstordnung, die Luther 1526 vorlegte, hieß "Deutsche Messe", weil es eben eine Messe war, die in der Volkssprache gefeiert wurde. Allerdings änderte Luther nicht nur sie Sprache, sondern auch einige Teile des Gottesdeienstes. Ob zu Recht oder Unrecht, will ich jetzt aber nicht erläutern. Gleichwohl behielt man also den Begriff "Messe" bei. "Man legt den Unsern mit Unrecht auf (wirft. . . vor), daß sie die Messe abgetan haben sollen." So heißt es im lutherischen Grundbekenntnis, der "Augsburgischen Confession" (lat. Confesssio Augustana = CA) im 24. Artikel.
Und schon gar nicht sollte der Begriff "Messe" fallengelassen werden. Ich bringe hier einen Auszug aus einer Schrift gegen die sogenannten "Schwärmer", also Super-Protestanten, die es damals schon gab und die Luther das Leben saurer machten als der Papst:
"Und gleichwie sie einen eigenen innerlichen Geist erdichten, so richten sie auch eine eigene äußerliche Ordnung an, die Gott weder geboten noch verboten hat, wie z.B. daß man keine Bilder, Kirchen, Altäre haben soll, (den Gottesdienst) nicht Messe nennen, (das Abendmahl) nicht Sakrament nennen oder es (beim Gottesdienst) emporheben, nicht ein geistliches Kleid haben, sondern graue Röcke tragen ...
Wer hier anders tut als sie, der ist ein zweifältiger Papist, der henket und mordet Christus und muß ein Schriftgelehrter sein."
Es gab damals im Protestantismus eben schon solche, die es heute immer noch gibt. Wer also den Gottesdienst "Messe" nennt, den Begriff Sakrament in den Mund nimmt, liturgische Gewänder trägt und gar die gewandelten Gaben während des Gottesdienstes erhebt (Elevation), der ist für diese Super-Evangelischen "ein zweifältiger Papist, der henket und mordet Christus".
Dieser Superprotestantismus setzte sich in mancher Hinsicht bei den Evangelischen durch. Hier in Brandenburg mit staatlicher Hilfe. Die Kurfürsten von Brandenburg und Könige von Preußen waren Calvinisten. Sie waren aber gleichzeitig auch Oberbischöfe ihrer lutherischen Untertanen und schafften es, die lutherische Kirche in ihren Ländern zu ruinieren und der calvinistischen anzugleichen.
"Im Jahr 1613 trat der Kurfürst von Brandenburg Johann Siegismund öffentlich zum Kalvinismus über. Er hatte in Straßburg studiert und sich dort innerlich der Lehre Calvins zugewandt. Seine Absicht war es, auch seine lutherischen Untertanen kalvinistisch zu machen. Da er jedoch auf Widerstand stieß, hat er seinen Untertanen 1615 den dauernden Bestand ihres lutherischen Bekenntnisses zugesichert. Dieses Versprechen wurde jedoch nicht eingehalten, und so begann die Geschichte der langsamen Umpolung der brandenburgischen, später der preußischen Kirche.
Unter Johann Siegismund wurde zunächst die Konkordienformel praktisch außer Kraft gesetzt. Die bis dahin lutherische Universität Frankfurt/Oder verlor ihren konfessionellen Charakter. In der Berliner Domkirche wurden die Bilder, Kruzifixe und Altäre entfernt.
Seine Nachfolger machten im gleichen Sinn Schritt für Schritt weiter. Unter dem Großen Kurfürsten
wurde die lutherische Konkordienformel offiziell abgeschafft und durch Edikt ... der Besuch der Universität Wittenberg verboten, so daß die Märkischen Lutheraner auf die theologische Fakultät in Frankfurt/Oder angewiesen waren, deren Lehrstühle aber weitgehend mit Reformierten besetzt waren.
(Gericke 40)
Die Reformierten wurden bei Beförderungen begünstigt, und ihre Prediger wurden vielfach in lutherische Stellen gebracht.
(Gericke 41)
In einem Edikt vom 9.6.1683 verbot er (= der Große Kurfürst) die weißen Chorröcke der Geistlichen und das Vortragen der Kreuze bei Begräbnissen, da diese Sachen noch Reliquien aus dem Papsttum und in der Schrift nicht fundiert, sondern von Menschen erdacht seien.
(Gericke 44f)
Unter Friedrich I., dem ersten preußischen König, kamen viele reformierte Hugenotten ins Land, und der König erzwang, daß sie ihre reformierten Gottesdienste auch in lutherischen Kirchen abhalten konnten.
Sein Nachfolger, König Friedrich Wilhelm I., war
bestrebt, den lutherischen Gottesdienst dem reformierten anzugleichen, was zu den Edikten vom 6.11.1736 und 1.1.1737 führte, durch die die alten lutherischen Kirchenzeremonien beseitigt, die Kaseln, die Lichter, das Singen des Segens, des Evangeliums und der Epistel verboten wurden.
(Gericke 58 )
Unter seinem Nachfolger, Friedrich dem Großen, bekamen die Lutheraner noch einmal etwas Luft. 1740 wurde ihnen erlaubt, wieder Kaseln zu tragen, Lichter in der Kirche anzuzünden und andere Zeremonien zu pflegen. Wir wissen jedoch nicht, wieviel bewußte Lutheraner es zu diesem Zeitpunkt überhaupt noch gab. Als nämlich 1811 Friedrich Wilhelm III. für alle lutherischen und reformierten Pfarrer den gleichen schwarzen Talar anordnete, tat er das nicht nur, um die sechs Jahre später vollzogene Zwangsunion vorzubereiten, sondern auch, weil viele Pfarrer sich inzwischen angewöhnt hatten, im Straßenanzug Gottesdienst zu halten."
(
http://www.krb-selbstverlag.de/sta_entsakr.htm )
Unter Friedrich Wilhelm III. wurden dann Lutheraner und Calvinisten zwangsvereinigt. Die sogenannte Unierte Kirche in Deutschland ist im Grunde sehr calvinistisch geprägt. Da Preußen damals riesengroß war und auch gewichtig, hat der gemäßigte Calvinismus so in Deutschland gesiegt. Der Gebrauch des Wortes "Messe" fiel damit für evangelische Gottesdienste vollends hin. Denn wie gesagt: wer das Wort Messe im evangelischen Raum verwendet ist "ein doppelter Papist", "katholischer als der Papst" und muß sich warm anziehen.
Evangelisch?
Evangelisch wird diese Messe darum bei uns genannt, weil wir eine evangelische Gemeinde sind und uns nicht mir "fremden Federn" schmücken wollen. Der Vorsteher der Feier trägt bei uns Kasel und Stola, wir benutzen Weihrauch währnd des Gottesdienstes (außer in den Zeiten, in denen die liturgische Farbe "violett" gilt. Wir haben eine Epiklese, Anamnese, Elevation und Adoration, allerdings keine Kommunionschellen. Ein zufälliger Besucher könnte vielleicht annehmen, er wäre in einen Gottesdienst der Römisch-Katholischen Kirche geraten. Damit hätten wir kein Problem, aber vielleicht die Römisch-Katholische Kirche. Die hiesige evangelische Kirche hat zum Beispiel ein Problem damit, daß wir uns "Evangelisch" nennen und möchte, daß wir das sein lassen.
Also laden wir vorsichtshalber nicht nur zu einer Messe, sondern zu einer "Evangelischen" Messe ein.
Ich verstehe Edith, wenn sie verwirrt ist. Der Gebrauch des Wortes "Messe" ist aber eben uralt und wurde schon viel früher auch für "evangelische" Abendmahlsgottesdienste verwendet.
Natürlcih legen wir auch Wert darauf, daß es geweihte Piester sind, sie dem Gottesdienst vorstehen. Aber es gibt ja geweihte Priester nicht nur in der RKK! Wir würden auch nicht bestreiten, daß Messe und Opfermahl zusammengehören.
Die Einsetzungsworte werden allerdings bei uns nie zur Gemeinde hin gesprochen. Sie werden laut gesprochen (eigentlich "gesungen", d.h. kantilliert) damit sie ein jeder hören kann. Und sie sind ja in der Tat auch Frohe Botschaft. Gleichwohl werden die Einsetzungsworte mit segnender Absicht über den Gaben "zum Zwecke der Wandlung" (klingt irgendwie blöd, aber ihr wißt, was ich meine) gesprochen und damit die segnende Absicht vollends deutlich wird, wird dabei ein Segenskreuz über den Gaben geschlagen. Der Vorsteher wendet sich dazu zum Altar um (es wird bei uns stets versus altare zelebriert).
Niemand liest gern zu lange Beiträge, deshalb höre ich jetzt einfach mal auf.
Kurz noch zu "St. Michael": wir gehören zur sogenannten hochkirchlichen Bewegung, die es seit dem ersten Weltkrieg in den evangelischen Kirchen gibt. Vergleichbar ist das mit der Oxfordbewegung des 19. Jh. in England, die stark von John Henry Newman (vor seiner Konversion) geprägt worden ist.