klepper, die nacht ist vorgedrungen

Rund um Anglikanertum, Protestantismus und Freikirchenwesen.
niklas
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klepper, die nacht ist vorgedrungen

Beitrag von niklas »

kennt ihr dieses lied? ist es vielleicht sogar im gotteslob zu finden? (habe grad keins zur hand.) gibt es "typische" katholische oder evangelische advents-/weihnachtslieder, oder singen wir da doch vieles gemeinsam?

Jochen Klepper, 1938 (1903-1942)

1. Die Nacht ist vorgedrungen,
der Tag ist nicht mehr fern.
So sei nun Lob gesungen
dem hellen Morgenstern!
Auch wer zur Nacht geweinet,
der stimme froh mit ein.
Der Morgenstern bescheinet
auch deine Angst und Pein.

2. Dem alle Engel dienen,
wird nun ein Kind und Knecht.
Gott selber ist erschienen
zur Sühne für sein Recht.
Wer schuldig ist auf Erden,
verhüll nicht mehr sein Haupt.
Er soll errettet werden,
wenn er dem Kinde glaubt.

3. Die Nacht ist schon im Schwinden,
macht euch zum Stalle auf!
Ihr sollt das Heil dort finden,
das aller Zeiten Lauf
von Anfang an verkündet,
seit eure Schuld geschah.
Nun hat sich euch verbündet,
den Gott selbst ausersah!

4. Noch manche Nacht wird fallen
auf Menschenleid und -schuld.
Doch wandert nun mit allen
der Stern der Gotteshuld.
Beglänzt von seinem Lichte,
hält euch kein Dunkel mehr.
Von Gottes Angesichte
kam euch die Rettung her.

5. Gott will im Dunkel wohnen
und hat es doch erhellt!
Als wollte er belohnen,
so richtig er die Welt!
Der sich den Erdkreis baute,
der läßt den Sünder nicht.
Wer hier dem Sohn vertraute,
kommt dort aus dem Gericht.

Anastasis

Re: klepper, die nacht ist vorgedrungen

Beitrag von Anastasis »

niklas hat geschrieben:kennt ihr dieses lied? ist es vielleicht sogar im gotteslob zu finden? (habe grad keins zur hand.) gibt es "typische" katholische oder evangelische advents-/weihnachtslieder, oder singen wir da doch vieles gemeinsam?
Das ist GL 111, habe ich am Sonntag schon singen dürfen...

Es gibt einige Adventslieder, die wir gemeinsam singen:

- O Heiland reiß die Himmel auf
- Macht hoch die Tür
- Komm, du Heiland aller Welt / Nun komm, der Heiden Heiland
- Wachet auf, ruft uns die Stimme (steht in meinem alten ev. Gesangbuch allerdings unter "Ende des Kirchenjahrs"!)
- Mit Ernst, o Menschenkinder (mein Lieblingsadventslied!)
- Es kommt ein Schiff, geladen

"Auf, auf, ihr Reichsgenossen" habe ich allerdings noch in keinem katholischen Gottesdienst gesungen... ;)

niklas
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Beitrag von niklas »

mit eurer uebersetzung von "veni redemptor gentium" habt ihr allerdings glueck: ich nehme mal an, ihr habt eine uebersetzung aus den 70er jahren, waehrend wir luthers "nun komm, der heiden heiland" singen "muessen". leider versteht man da das deutsch nicht immer ...

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Ketzerin
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Re: klepper, die nacht ist vorgedrungen

Beitrag von Ketzerin »

Anastasis hat geschrieben: "Auf, auf, ihr Reichsgenossen" habe ich allerdings noch in keinem katholischen Gottesdienst gesungen... ;)
ich in einem evangelischen aber auch noch nicht. 8)

Ich liebe Kleppers Adventslied, bei uns ist´s glaube ich, sogar am 1. Advent Wochenlied. :)

Ach, es gibt soo viel schöne Adventlieder.... *seufz*
Nun komm der Heiden Heiland; Wie soll ich dich empfangen (mein persönliches Lieblingslied) und und und.... da is mir doch egal, ob die "evangelisch" oder "katholisch" sind.... :roll:

Nur vermisse ich im EG das "Tauet Himmel den gerechten", das ich aus dem GL kenne.....
soli deo gloria

Anastasis

Beitrag von Anastasis »

niklas hat geschrieben:mit eurer uebersetzung von "veni redemptor gentium" habt ihr allerdings glueck: ich nehme mal an, ihr habt eine uebersetzung aus den 70er jahren, waehrend wir luthers "nun komm, der heiden heiland" singen "muessen". leider versteht man da das deutsch nicht immer ...
Jepp: Übertragung von Markus Jenny 1971

1. Komm, du Heiland aller Welt;
Sohn der Jungfrau, mach dich kund.
Darob staune, was da lebt:
also will Gott werden Mensch.

2. Nicht nach eines Menschen Sinn,
sondern durch des Geistes Hauch
kommt das Wort in unser Fleisch
und erblüht aus Mutterschoß.

3. Wie die Sonne sich erhebt
und den Weg als Held durcheilt,
so erschien er in der Welt,
wesenhaft ganz Gott und Mensch.

4. Glanz strahlt von der Krippe auf,
neues Licht entströmt der Nacht.
Nun obsiegt kein Dunkel mehr,
und der Glaube trägt das Licht.

5. Gott dem Vater Ehr und Preis
und dem Sohne Jesus Christ;
Lob sei Gott dem Heilgen Geist
jetzt und ewig. Amen.

Ich sag mal... verständlich, aber nicht unbedingt sehr urtextnah.

Anastasis

Re: klepper, die nacht ist vorgedrungen

Beitrag von Anastasis »

Ketzerin hat geschrieben:
Anastasis hat geschrieben: "Auf, auf, ihr Reichsgenossen" habe ich allerdings noch in keinem katholischen Gottesdienst gesungen... ;)
ich in einem evangelischen aber auch noch nicht. 8)
Ich bin mir jetzt nicht sicher, ob ich das aus Gottesdiensten kenne oder von meinem Opa... Gott hab ihn selig...

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cathol01
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Beitrag von cathol01 »

Was ist denn bitte ein "Wochenlied"?

Ein theologisch tiefgründiges Adventslied habt ihr vergessen:
"Wir sagen euch an den lieben Advent..."
"Das Wahre ist nicht sicherer als das Wahrscheinliche."
(Diogenes Laërcius)

Anastasis

Beitrag von Anastasis »

cathol01 hat geschrieben:Was ist denn bitte ein "Wochenlied"?
Auf die Epistel und das "Halleluja" folgt das sogenannte "Wochenlied". Für jede Woche des Kirchenjahres gibt es ein bestimmtes Lied, das jedes Jahr wiederkommt. Ursprünglicher Sinn des Wochenliedes war es, in den täglichen Hausandachten dieser Woche in den Familien gesungen zu werden. So konnte im Laufe eines Jahres ein solides Fundament an bekannten Liedern geschaffen werden. Das Wochenlied nimmt thematisch meist das ihm folgende Evangelium auf.
Quelle
cathol01 hat geschrieben:Ein theologisch tiefgründiges Adventslied habt ihr vergessen:
"Wir sagen euch an den lieben Advent..."
Ähm... ja. Klar. :roll:

Micha

Beitrag von Micha »

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polyglotta
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kein Gloria, aber Halleluja...

Beitrag von polyglotta »

Irgendwo hab ich mal gelesen, dass das mit dem Zusammenfallen der
- gallisch-östlich-missionierten Traditionen (40 Tage Fasten & Buße als Vorbereitungszeit auf Epiphanie als endzeitliche Wiederkunft (Gericht), wie österl. Bußzeit => kein Gloria, kein Halleluja) und der
- römisch-westlichen Tradition (4 Wochen Vorbereitungszeit auf Weihnachten als Geburt Jesu => Freudenzeit) irgendwann ab dem 12. Jahrhundert zusammenhängt.
Wegen des die Buße überwiegenden Gedankens der Freuden- und Erwartungszeit und der bleibenden Erinnerung an Ostern wird zwar kein Gloria, wohl aber das Halleluja im Advent gesungen

niklas
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Beitrag von niklas »

ich kenne das original nicht, aber ist das (die uebersetzung von luther) naeher dran? naja, und irgendwie ist es ja auch mal ganz nett holzschnittartiges zu singen: "dunkel muss nicht kommen drein ..."

1. Nun komm, der Heiden Heiland,
Der Jungfrauen Kind erkannt,
Daß sich wunder' alle Welt,
Gott solch Geburt ihm bestellt.

2. Er ging aus der Kammer sein,
Dem königlichen Saal so rein,
Gott von Art und Mensch ein Held;
Sein' Weg er zu laufen eilt.

3. Sein Lauf kam vom Vater her
Und kehrt' wieder zum Vater,
Fuhr hinunter zu der Höll'
Und wieder zu Gottes Stuhl.

4. "Dein' Krippen glänzt hell und klar,
Die Nacht gibt ein neu'Licht dar.
Dunkel muß nicht kommen drein,
Der Glaub' bleibt immer im Schein."

5. Lob sei Gott, dem Vater, g'tan;
Lob sei Gott sei'm ein'gen Sohn,
Lob sei Gott, dem Heil'gen Geist,
Immer und in Ewigkeit.

und dann noch eine andere frage: was fuer eine rolle spielt denn dann bach in eurer katholischen spiritualitaet? findet man das alles hoechst lutherisch (baeh!) oder ist durch das eingehen von bach auch in einen - sagen wir mal - buergerlichen kulturkanon weihnachtsoratorium und dergleichen so, dass es "dazu gehoert"?

Anastasis

Beitrag von Anastasis »

Das lateinische Original:

(1) Intende, qui regis Israel,
Super Cherubim qui sedes,
Appare Ephraem coram, excita
Potentiam tuam et veni.

(2) Veni, redemptor gentium,
Ostende partum Virginis;
Miretur omne saeculum:
Talis decet partus Deum.

(3) Non ex virili semine,
Sed mystico spiramine
Verbum Dei factum est caro
Fructusque ventris floruit.

(4) Alvus tumescit Virginis,
Claustrum pudoris permanet,
Vexilla virtutum micant,
Versatur in templo Deus.

(5) Procedat e thalamo suo,
Pudoris aula regia,
Geminae gigas substantiae
Alacris ut currat viam.

(6) Egressus eius a Patre,
Regressus eius ad Patrem,
Excursus usque ad inferos,
Recursus ad sedem Dei.

(7) Aequalis aeterno Patri,
Carnis tropaeo cingere,
Infirma nostri corporis
Virtute firmans perpeti.

(8) Praesepe iam fulget tuum
Lumenque nox spirat novum,
Quod nulla nox interpolet
Fideque iugi luceat.

(9) Sit, Christe, rex piissime,
Tibi Patrique gloria
Cum Spiritu Paraclito,
In sempiterna saecula. Amen.


Übersetzung:
Höre, der du herrschest über Israel,
der du über den Cherubim thronest,
erscheine vor Ephraim, richte auf
deine Macht und komm!

Komm, Erlöser der Heiden,
mache kund die Geburt aus der Jungfrau;
staunen soll alle Welt:
Solche Geburt ist würdig Gottes.

Nicht aus des Mannes Samen,
sondern aus geheimnisvollem Anhauch
ist das Wort Gottes Fleisch geworden
und die Frucht des Leibes erblüht.

Es wölbt sich der Leib der Jungfrau,
das Tor der Scham bleibt geschlossen,
die Fahnen der Tugend erstrahlen,
es weilt Gott in seinem Tempel.

Es trete hervor aus seinem Brautgemach,
aus der Königshalle der Scham,
der Held von zweifachem Wesen,
eifrig, seine Bahn zu eilen.

Sein Ausgang führt vom Vater,
sein Heimgang führt zum Vater,
sein Hinweg bis zur Hölle,
sein Rückweg zum Throne Gottes.

Wesensgleich dem ewigen Vater,
rüste dich mit dem Siegerkreuz über das Fleisch,
die Schwachheit unseres Leibes
stärkend mit immerwährender Kraft.

Schon erglänzt deine Krippe,
ein nie dagewesenes Licht haucht die Nacht aus,
das keine Nacht auslöschen soll
und das in beständigem Glauben leuchte.

(Schlußdoxologie fehlt)

Fundort der Übersetzung
("Text und Übersetzung aus P. Klopsch, Lateinische Lyrik des Mittelalters, lat.-dt., Stuttgart 1985, S. 20?23; die Übersetzung wurde an einigen Stellen geändert.")

niklas
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Beitrag von niklas »

danke, anastasis! ich kann leider kein latein: aber ist es genauso wortgewaltig wie die von dir gefundene uebersetzung?

und puh: ich dachte schon luthers "der glaub' bleibt immer im schein" sei von ihm reingeschmuggelt.

und da gibt's dann doch auch noch eine uebersetzung, die auch im benediktinischen antiphonale abgedruckt ist, oder? (hab ich auch nicht hier, wie gesagt, bin gerade in suedwesteuropa ...)

Stephen Dedalus
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Lyrik von Jochen Klepper

Beitrag von Stephen Dedalus »

Hi Niklas,

ich mag das Klepper-Gedicht auch sehr gerne und habe mich gefreut, es hier zu finden.

Im letzten Jahr (zu Kleppers 100. Geburtstag) ist einige Literatur über ihn erschienen, auch einige seiner Werke wurden neu herausgegeben (darunter der erste Roman "Der Kahn der fröhlichen Leute"). Seine Hauptwerke sind heute noch zu haben: Der Roman "Der Vater" über den Preußenkönig Friedrich Wilhelm I., der Roman "Die Flucht der Katharina von Bora" über Luthers Ehefrau und die postum erschienenen Tagebücher "Unter dem Schatten deiner Flügel".

Besonders bemerkenswert ist ja Kleppers Schicksal: Er hat 1942 mit seiner Frau und Stieftochter Selbstmord begangen, weil seine Frau Jüdin war und er sie nicht mehr schützen konnte. Es drohte ihnen die Zwangsscheidung und Deportation ins Vernichtungslager.

Sehr schön finde ich auch die Zeilen:

Ohne Gott bin ich ein Fisch am Strand,
ohne Gott ein Tropfen in der Glut,
ohne Gott bin ein Gras im Sand
und ein Vogel, dessen Schwinge ruht.
Wenn mich Gott bei meinem Namen ruft,
bin ich Wasser, Feuer, Erde, Luft.


Die Gedichte sind m. W. in einer Sammlung unter dem Titel "Kyrie" auf dem Markt zu haben.


Gruß
Steve

Anastasis

Beitrag von Anastasis »

niklas hat geschrieben:danke, anastasis! ich kann leider kein latein: aber ist es genauso wortgewaltig wie die von dir gefundene uebersetzung?
Die Übersetzung scheint mir ziemlich treffend... ist halt eine echte Übersetzung, ohne Rücksicht darauf, daß es auch im Deutschen auf die Melodie paßt. :ja:

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Robert Ketelhohn
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Beitrag von Robert Ketelhohn »

Genau.

Es gibt übrigens mehr von Ambrosius.
[/color]
Propter Sion non tacebo, | ſed ruinas Romę flebo, | quouſque juſtitia
rurſus nobis oriatur | et ut lampas accendatur | juſtus in eccleſia.

Stephen Dedalus
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Die Welt in Waffen

Beitrag von Stephen Dedalus »

Ich habe noch ein Gedicht von Klepper gefunden, dessen Aktualität ich beklemmend finde:

Die Völker stehen ganz erstarrt in Waffen,
und der gilt viel, der neuen Tod erdenkt.
Auch wenn sie Sicheln zu den Schwertern schaffen,
bleibt dennoch nur der Untergang verhängt.

Daß sie im guten Wahne noch vernichtet,
das ist die ärgste Wirrnis dieser Welt.

Nun muß der kommen, der dein Kreuz aufrichtet
und dieses Zeichen über alle stellt.

Die Welt in Waffen ist gar sehr entkräftet,
und mancher sieht den Trug in ihrer Macht.
Vom König, der den Blick aufs Kreuz geheftet,
von keinem sonst, wird Hilfe uns gebracht.

niklas
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Beitrag von niklas »

ich kenne von klepper auch das fragment (!) "die flucht der katharina von bora", was wirklich sehr kunstvoll gearbeitet ist. jemand hat mir auch vor jahren mal "der vater" geschenkt, aber ich habe fast nichts mitbekommen, wahrscheinlich war es zu kunstfertig und ich war zu jung.

ich weiss auch nicht so recht, was an klepper so "stark" ist. man versteht nicht so recht, dass es moeglich ist, gleichzeitig "traditionsbewusst" und "neu" zu sein. oder dieses *wachsen seiner texte aus der bibellektuere. wo gibt es heute zeitgenoessische (lied-)texte mit so einem dichten biblischen bezug?

und tatsaechlich kann klepper beklemmende worte finden. ich erinnere mich an eine zeile aus einem anderen weihnachtslied, wo es dann heisst:

"an deiner krippe gaehnt das grab"

Stephen Dedalus
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Beitrag von Stephen Dedalus »

ich kenne von klepper auch das fragment (!) "die flucht der katharina von bora", was wirklich sehr kunstvoll gearbeitet ist. jemand hat mir auch vor jahren mal "der vater" geschenkt, aber ich habe fast nichts mitbekommen, wahrscheinlich war es zu kunstfertig und ich war zu jung.


Hallo Niklas,

Ja, ich denke auch, die Romane von Klepper sind nicht unbedingt das, was "bleiben" wird. Die Sprache ist sehr literarisch-artifiziell und die Themen ... "Der Vater" ist ein ziemlich heftig konservativ-royalistisches Buch, das man heute nur noch mit Mühe verdaut ;)

ich weiss auch nicht so recht, was an klepper so "stark" ist. man versteht nicht so recht, dass es moeglich ist, gleichzeitig "traditionsbewusst" und "neu" zu sein. oder dieses *wachsen seiner texte aus der bibellektuere. wo gibt es heute zeitgenoessische (lied-)texte mit so einem dichten biblischen bezug?
Ich denke, Klepper ist da am stärksten, wo er sowohl die klaren biblischen Bezüge und seine existenzielle Betroffenheit in klare, schlichte Worte packt. Er war jemand, der wie wenig andere die Ansprache Gottes an ihn so bewußt wahrgenommen und durchlebt hat. Das macht seine bleibende Bedeutung aus, und das merkt man besonders den geistlichen Liedern an. Deshalb haben sie sich so schnell durchgesetzt und werden auch für längere Zeit zum Grundbestand der Gesangbücher gehören, denke ich.
und tatsaechlich kann klepper beklemmende worte finden. ich erinnere mich an eine zeile aus einem anderen weihnachtslied, wo es dann heisst:
"an deiner krippe gaehnt das grab"
Das ist aus dem Weihnachts-Kyrie. Ziemlich beklemmend, das finde ich auch. Allerdings habe ich einmal gelesen, daß es auch eine alte katholische Tradition ist, Weihnachtskrippen so darzustellen, daß im Hintergrund an der Wand ein Kruzifix hängt und somit der innere Zusammenhang zwischen Geburt Jesu und dem Kreuzestod sichtbar wird. Kleppers Lied macht das ganz deutlich, und bringt daher einen eigenen Ton in die Weihnachtsstimmung. Mir persönlich ist es allerdings an der Stelle ein bißchen zu "lutherisch"-depressiv (daß bloß keine Freude aufkomme ...)

Du Kind zu dieser heilgen Zeit
gedenken wir auch an dein Leid,
das wir zu dieser späten Nacht
durch unsre Schuld auf dich gebracht.
Kyrieleison.

Die Welt ist heut voll Freudenhall.
Du aber liegst im finstern Stall.
Dein Urteilsspruch ist längst gefällt,
das Kreuz ist dir schon aufgestellt.
Kyrieleison.

Die Welt liegt heut im Freudenlicht.
Dein aber harret das Gericht.
Dein Elend wendet keiner ab.
Vor deiner Krippe gähnt das Grab.
Kyrieleison.

Die Welt ist heut an Lichtern reich.
Dich aber bettet keiner weich
und singt dich ein zu lindem Schlaf.
Wir häuften auf dich unsre Straf.
Kyrieleison.

Wenn wir mit dir einst auferstehn
und dich von Angesichte sehn,
dann ist erst ohne Bitterkeit
das Herz uns zum Gesange weit.
Hosianna.


Take care
Steve

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