Kirchenaustritt - eine Option?

Rund um Anglikanertum, Protestantismus und Freikirchenwesen.

Moderator: asderrix

Kirchenaustritt - eine Option?

Niemals!
32
52%
Unter gewissen Umständen...
10
16%
...kann ich mir schon vorstellen!
6
10%
Bin kurz davor!
5
8%
Bin schon weg...
8
13%
 
Abstimmungen insgesamt: 61

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lutherbeck
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Kirchenaustritt - eine Option?

Beitrag von lutherbeck » Sonnabend 20. September 2014, 10:10

Nach einer Reihe von frustrierenden Erlebnissen im Laufe vieler Jahre keimt in mir seit einigen Monaten der Gedanke an einen Kirchenaustritt auf...

Kann mich wenigstens hier jemand verstehen?

:/
"Ich bin nur ein einfacher demütiger Arbeiter im Weinberg des Herrn".

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Sarandanon
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Re: Kirchenaustritt - eine Option?

Beitrag von Sarandanon » Sonnabend 20. September 2014, 10:15

Naja, dass kommt natürlich auf die Situation an aber grundsätzlich habe ich da schon Verständnis. Bei mir zB handelte es sich jedoch nicht um "frustrierende Erlebnisse", die Du vermtl. in der Gemeinde hattest (?). Deswegen bin ich auch nicht auf die Idee gekommen nur auszutreten, sondern zu konvertieren.
Dich, o Herr, kann nur verlieren, wer dich verlässt.
(Augustinus Aurelius)

Siard
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Re: Kirchenaustritt - eine Option?

Beitrag von Siard » Sonnabend 20. September 2014, 10:18

Ich kann Dich gut verstehen, aus der evangelischen Kirche bin ich ja auch schon mal ausgetreten. ;D
Hängt aber auch davon ab, was Du unter Kirchenaustritt verstehst (Austritt aus der Körperschaft?).

Tinius
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Re: Kirchenaustritt - eine Option?

Beitrag von Tinius » Sonnabend 20. September 2014, 10:34

Natürlich kann ich dich verstehen. Der Begriff "Kirchenaustritt" ist als Wort allerdings leicht irreführend.

Willst du die Institution einer evangelischen Landeskirche verlassen, weil du bei denen aus verschiedensten Gründen nicht mehr Mitglied sein willst und hast als Christ eine neue Heimat ? Wirst du katholisch, orthodox oder suchst dir eine Freikirche?

Oder sagst du den christlichen Gemeinschaften temporär oder länger Ade?

Ich selber als evangelisch-reformierter Christ hätte kein Problem aus der Landeskirche auszutreten, wenn ich mich umorientieren würde.
Ich will gar nicht ausschließen, dass ich z.B. orthodox, alt-katholisch oder mennonitisch werden könnte, wenn mir irgendwann die Politik und die medialen Dummheiten der EKD total gegen den Strich gehen würden UND mein Kirchenpräsident auf Anfrage das mittragen würde.

heiliger_raphael
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Re: Kirchenaustritt - eine Option?

Beitrag von heiliger_raphael » Sonnabend 20. September 2014, 10:37

lutherbeck hat geschrieben:Nach einer Reihe von frustrierenden Erlebnissen im Laufe vieler Jahre keimt in mir seit einigen Monaten der Gedanke an einen Kirchenaustritt auf...
Kann mich wenigstens hier jemand verstehen?
ich denke schon, ja!
Kürzlich habe ich von einem Erzbischof gelesen, der angesichts des vielen Leides die Existenz Gottes infrage stellt. Als ich kürzlich las, wie Familienangehörige von Papst Franziskus um's Leben kamen, ausgerechnet in einer Zeit, in der islamische "Gotteskrieger" ein Blutwerk vollziehen, fragte ich mich auch, wie Gott das zulassen könne.
Unsere persönlichen Erlebnisse prägen uns schon sehr. Mit dem Begriff "Option" hast Du es aber gut auf den Punkt gebracht. Wie sieht denn die Alternative aus? Und löst ein Kirchenaustritt die Probleme in Kirche und Gesellschaft?

Tinius
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Re: Kirchenaustritt - eine Option?

Beitrag von Tinius » Sonnabend 20. September 2014, 10:40

heiliger_raphael hat geschrieben:
i
Kürzlich habe ich von einem Erzbischof gelesen, der angesichts des vielen Leides die Existenz Gottes infrage stellt. Als ich kürzlich las, wie Familienangehörige von Papst Franziskus um's Leben kamen, ausgerechnet in einer Zeit, in der islamische "Gotteskrieger" ein Blutwerk vollziehen, fragte ich mich auch, wie Gott das zulassen könne.

Um Theodizee geht es doch hier gar nicht. Auch fehlgeleitete Bischöfe sind nicht das Thema.

heiliger_raphael
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Re: Kirchenaustritt - eine Option?

Beitrag von heiliger_raphael » Sonnabend 20. September 2014, 10:59

Das kann alles Teil von frustrierenden Erfahrungen sein.

TillSchilling
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Re: Kirchenaustritt - eine Option?

Beitrag von TillSchilling » Sonnabend 20. September 2014, 11:12

lutherbeck hat geschrieben:Nach einer Reihe von frustrierenden Erlebnissen im Laufe vieler Jahre keimt in mir seit einigen Monaten der Gedanke an einen Kirchenaustritt auf...

Kann mich wenigstens hier jemand verstehen?

:/
Da wir nicht wissen welche Ereignisse dich frustriert haben, ist es schwer auf deine Frage, ob man dich verstände, zu antworten.

Natürlich kann man aus einem Kirchthum, auch aus einem, zu dem man durch Familienzugehörigkeit gehört, austreten. Manchmal muss man das sogar, z. Bsp. wenn man römisch-katholisch ist. Die Frage ist welche Kriterien diese Entscheidung beeinflussen. Dogmatische Überzeugungen, familiäre Probleme in gemischtkonfessionellen Ehen oder zwischenmenschliche Probleme mit dem Pfarrer oder Gemeindemitglieder. Letzter Punkt ist meiner Meinung nach keine akzeptable Begründung für einen Kirchenaustritt.
Zuletzt geändert von TillSchilling am Sonnabend 20. September 2014, 11:16, insgesamt 1-mal geändert.

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Jarom1
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Re: Kirchenaustritt - eine Option?

Beitrag von Jarom1 » Sonnabend 20. September 2014, 11:14

Ich bin Mitglied einer Lutherischen Landeskirche, mit der mich eher die Gewohnheit verbindet als die Überzeugung. Theologisch steht mir inzwischen die Reformierte Lehre deutlich näher; ein Wechsel in die Reformierte Kirche ist zur Zeit kein Thema, da sie ebenfalls kaum noch ein Reformiertes Profil zeigt.
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Re: Kirchenaustritt - eine Option?

Beitrag von phylax » Sonnabend 20. September 2014, 12:01

Glauben und Gemeinschaft gehören ja zusammen. Anscheinend denkst Du an ein Verlassen der verfassten evangelischen Kirche (incl. Kirchensteuersystem) bei gleichzeitigem Verbleib im, ich sag mal, geistigen Verbund....?
Von Gott kommt mir ein Freudenschein,/ wenn Du mich mit den Augen Dein/ gar freundlich tust anblicken

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Re: Kirchenaustritt - eine Option?

Beitrag von St. Joseph » Sonnabend 20. September 2014, 16:27

Einen Austritt aus der Kirche, als Gemeinschaft derer die an Jesus Christus glauben, kann ich mir eigentlich nicht vorstellen.
Für einen Konfessionswechsel innerhalb der einen Kirche mag es hingegen jedoch vielfältige Gründe geben.

Ohne jedoch Deine Beweggründe zu kennen, kann man dazu eigentlich nichts sagen.

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Re: Kirchenaustritt - eine Option?

Beitrag von Raphaela » Sonnabend 20. September 2014, 16:42

Mir ist eine Person bekannt, die von einem Priester so sehr gemobbt wurde, dass sie dadurch fast in den Tod getrieben wurde. (Hatte damals einen Suizidversuch.) Die Person wollte lange nichts mehr mit der Kirche zu tun haben; ich weiß von ihr auch, dass sie da eigentlich aus der Kirche austreten wollte.

Also: Wenn ich mir vorstelle: Priester treiben jemanden so weit, vielleicht auch evangelische Pfarrer.....
Ich bin gerne katholisch, mit Leib und Seele!

Tinius
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Re: Kirchenaustritt - eine Option?

Beitrag von Tinius » Sonnabend 20. September 2014, 16:54

Raphaela hat geschrieben:Mir ist eine Person bekannt, die von einem Priester so sehr gemobbt wurde, dass sie dadurch fast in den Tod getrieben wurde. .......

Also: Wenn ich mir vorstelle: Priester treiben jemanden so weit, vielleicht auch evangelische Pfarrer.....
Starker Tobak.

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Re: Kirchenaustritt - eine Option?

Beitrag von Radulf Thoringi » Sonnabend 20. September 2014, 18:59

lutherbeck hat geschrieben:...Kann mich wenigstens hier jemand verstehen?
Hallo Lutherbeck,

das weiß ich nicht. Für den Fall, daß Du eine schwere Prüfung im Glauben durchleben mußt: Ich bete für Dich. Denke an IHN.

Für den Fall, daß Du "nur" mit Deiner Konfession uneins (geworden) bist: Das geht mir auch so. Ich denke schon lange über einen Umzug nach Rom nach, aber wirklich umzugsfertig bin ich wohl nicht. ER wird es mir weisen wenn es so sein soll, und Dir auch.

Für den Fall, daß Du personelle Probleme in Deinem kirchlichem Umfeld hast: Denke mal über Exerzitien an einem neutralen Ort nach.

Dein Radulf

PS: Die Umfrage kann ich so nicht beantworten. Austritt aus der konfessionellen Gemeinschaft - möglicherweise, Austritt aus der una sancta catholica et apostolica ecclesia - nie (mit GOttes Hilfe!)
"Der erste Schluck aus dem Becher der Wissenschaft führt zum Atheismus, aber auf dem Grund des Bechers wartet Gott."
Werner Heisenberg

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Hubertus
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Re: Kirchenaustritt - eine Option?

Beitrag von Hubertus » Sonnabend 20. September 2014, 19:04

Welche konkreten Straffolgen muß denn ein Protestant erwarten, wenn er aus der EKD austritt? Gibt es da welche?
Der Kult ist immer wichtiger als jede noch so gescheite Predigt. Die Objektivität des Kultes ist das Größte und das Wichtigste, was unsere Zeit braucht. Der Alte Ritus ist der größte Schatz der Kirche, ihr Notgepäck, ihre Arche Noah. (M. Mosebach)

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Re: Kirchenaustritt - eine Option?

Beitrag von Tinius » Sonnabend 20. September 2014, 19:21

Hubertus hat geschrieben:Welche konkreten Straffolgen muß denn ein Protestant erwarten, wenn er aus der EKD austritt? Gibt es da welche?
Keine. Ein Protestant kann auch nicht "aus der EKD" austreten. Er kann aus seiner Landeskirche austreten. 20 Landeskirchen, die selbständig sind.

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Re: Kirchenaustritt - eine Option?

Beitrag von taddeo » Sonnabend 20. September 2014, 19:28

lutherbeck hat geschrieben:Nach einer Reihe von frustrierenden Erlebnissen im Laufe vieler Jahre keimt in mir seit einigen Monaten der Gedanke an einen Kirchenaustritt auf...

Kann mich wenigstens hier jemand verstehen?

:/
Ja. :ja:
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lutherbeck
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Re: Kirchenaustritt - eine Option?

Beitrag von lutherbeck » Sonnabend 20. September 2014, 20:50

Hallo zusammen; vielen Dank für eure Antworten!

Nein, mit Theodizee oder Mobbing hat das nichts zu tun, mit Glaubenszweifeln sowieso nicht.

Aber mit dem üblichen Gebaren in der Gemeinde, mit lauem Glaubensleben, mit Frömmelei, Ignoranz, Freundlichkeit aus Neugier - das ganz normale Paket eben; und auch damit, daß meine Versuche von Engagement immer Wohlwollen (dem "lieben, lieben Doktor" gegenüber) hervorrufen - aber eben immer ins Leere laufen...

Ich habe einfach keine Lust mehr...

Noch etwas: ich bin zwar lutherisch, aber seit vielen Jahren auch in der kath. Gemeinde präsent - die sich in oben genanntem Verhalten in nichts, aber wirklich gar nichts, von den Lutheranern unterscheidet...

Ich brauche irgendwie Verständnis - und vermutlich zumindest eine Auszeit...

:traurigtaps:
"Ich bin nur ein einfacher demütiger Arbeiter im Weinberg des Herrn".

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Re: Kirchenaustritt - eine Option?

Beitrag von phylax » Sonnabend 20. September 2014, 20:56

Vielleicht hilft Dir: Gar kein "Engagement", sondern lieber abwarten, was auf Dich zukommt, täglich bei der Arbeit und der Familie (reicht oft aus), so wie Maria sagt: Fiat mihi secundum verbum tuum
Von Gott kommt mir ein Freudenschein,/ wenn Du mich mit den Augen Dein/ gar freundlich tust anblicken

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Re: Kirchenaustritt - eine Option?

Beitrag von taddeo » Sonnabend 20. September 2014, 21:01

lutherbeck hat geschrieben:Ich brauche irgendwie Verständnis - und vermutlich zumindest eine Auszeit...

:traurigtaps:
Weißt Du, was ich glaube? Dir würde ein geistlicher Begleiter guttun, mit dem Du Dich darüber austauschen kannst. Wenn Du so eine "Auszeit" nützen könntest, um sie als "In-Zeit" in Dir selber zu verbringen, wäre das vielleicht eine Zeit des Heiles für Dich.
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Re: Kirchenaustritt - eine Option?

Beitrag von Mary » Sonntag 21. September 2014, 00:07

lutherbeck hat geschrieben: Aber mit dem üblichen Gebaren in der Gemeinde, mit lauem Glaubensleben, mit Frömmelei, Ignoranz, Freundlichkeit aus Neugier - das ganz normale Paket eben;
Also, die ganz real existierende Gemeinde aus ganz normalen Menschen.
Woanders wird es, wie Du ja auch selbst sagst, vermutlich genauso sein.
lutherbeck hat geschrieben: und auch damit, daß meine Versuche von Engagement immer Wohlwollen (dem "lieben, lieben Doktor" gegenüber) hervorrufen - aber eben immer ins Leere laufen...

Ich habe einfach keine Lust mehr...
Warum genau hast Du keine Lust und ärgerst Du Dich? Weil "Dein Wille" nicht geschehen ist?

Ja, ich habe Verständnis für deine "Anwandlung". Ich habe sie ähnlich oft genug auch.
Frei nach Bonhoeffer glaube ich aber, dass wir gerade in solchen frustrierenden Situationen am Besten geistlich wachsen können. Stichwort Stolz und Demut. Austritt würde zwar momentan entlasten, wäre aber eine verpasste Chance...

Auszeit... das klingt schon besser :streichel:
Lg, Mary
Who is so great a God as our God? You are the God who does wonders!

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Reinhard
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Re: Kirchenaustritt - eine Option?

Beitrag von Reinhard » Sonntag 21. September 2014, 00:38

taddeo hat geschrieben:
lutherbeck hat geschrieben:Ich brauche irgendwie Verständnis - und vermutlich zumindest eine Auszeit...

:traurigtaps:
Weißt Du, was ich glaube? Dir würde ein geistlicher Begleiter guttun, mit dem Du Dich darüber austauschen kannst. Wenn Du so eine "Auszeit" nützen könntest, um sie als "In-Zeit" in Dir selber zu verbringen, wäre das vielleicht eine Zeit des Heiles für Dich.
Ja, das denke ich auch.

Vielleicht wären Ignatianische Exerzitien ein guter Weg zur Klärung ? - dort in der Stille, vor Gott selber im Gebet solche Fragen zu klären, wie Mary sie angesprochen hat, mit der Möglichkeit der geistlichen Begleitung, ist eine der besten Möglichkeiten die es gibt. Das kann ich Dir aus eigener Erfahrung sagen !

Der Aufwand ist überschaubar. Einfach "nur" 3 oder 8 Tage in der Stille vor Gott ... :ja:

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Re: Kirchenaustritt - eine Option?

Beitrag von TillSchilling » Sonntag 21. September 2014, 12:16

lutherbeck hat geschrieben:
Nein, mit Theodizee oder Mobbing hat das nichts zu tun, mit Glaubenszweifeln sowieso nicht.

Aber mit dem üblichen Gebaren in der Gemeinde, mit lauem Glaubensleben, mit Frömmelei, Ignoranz, Freundlichkeit aus Neugier - das ganz normale Paket eben; und auch damit, daß meine Versuche von Engagement immer Wohlwollen (dem "lieben, lieben Doktor" gegenüber) hervorrufen - aber eben immer ins Leere laufen...

Ich habe einfach keine Lust mehr...
Gründe für einen Kirchenaustritt sind das keine. Entschuldige wenn ich das so direkt sage. Ich habe einige Bekannte - eher aus Freikirchen - die früher in Gemeinden sehr engagiert waren und heute nur noch für sich alleine so vor sich hin christeln. Manche nennen sich soagr "Out of church" Christen. Was Gutes ist aus meiner Sicht mittel- bis längerfristig noch bei keinem herausgekommen. Kurzfristig mag das Erleichterung bringen aber ich würde vor einem solchen Weg warnen.

Ich würde gerne noch eine Anmerkung machen zu dem, was du geschrieben hast. Wenn, was ich jetzt schreiben werde, dir nichts bringt oder dich nervt, ignoriere es einfach. Aber es fällt etwas auf: Du hast recht negative Worte über deine Glaubensgeschwister: " laues Glaubensleben, Frömmelei, Ignoranz, Freundlichkeit aus Neugier". Das sind ganz schön heftige Urteile. Weisst du das alles so genau? Und angenommen es ist wirklich so: wie oft bittest du für deine Geschwister in der Fürbitte vor Gott? Du schreibst, dass deine Versuche von Engagement ins Leere laufen. Das - und das ist dir natürlich bewusst - kann ganz viele Gründe haben. Und auch Gründe, die mit den anderen Gemeindeglieder nichts zu tun haben. In der Kirche geht es um das Reich Gottes. Die Kirche hat einen Herrn. Nicht jedes Engagement, dass man sich da wo Menschen zusammenkommen, vorstellen kann, gehört auch in die Kirche. Vielleicht trifft das auch auf dein Engagement zu.

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Re: Kirchenaustritt - eine Option?

Beitrag von lutherbeck » Sonntag 21. September 2014, 12:35

Vielen Dank für eure offenen Worte!

Nein, es hat nichts damit zu tun, daß "mein Wille nicht geschieht", und ich will auch niemandem etwas Böses.
Und wenn ein wie auch immer geartetes Engagement meinerseits ( ich hätte gern wieder mehr Gewicht auf die Kernkompetenzen jenseits aller Sozialromantik gelegt...) irgendwie nicht erwünscht oder pasend ist - auch ok...

Aber es ist einfach so, daß sich zunehmend ein ganz großes Gefühl von Enttäuschung in mir breit gemacht hat.

Natürlich dürft ihr die "Schuld" dafür auch in mir suchen - "nur wer zu hohe Erwartungen hat, wird auch enttäuscht" - und so weiter; kenn ich alles.

Aber das hilft mir auch nicht weiter; ich habe seit Monaten das Gefühl, nur noch am Rande der Gemeinde dabei zu sein;
gewissermaßen eine "symbolische Zugehörigkeit zur Kirche quer durch die Zeiten", aber nicht mehr zu den real existierenden Gemeinden...

Da ist der Schritt nach draußen nicht mehr weit...

:/
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Re: Kirchenaustritt - eine Option?

Beitrag von heiliger_raphael » Sonntag 21. September 2014, 12:45

Das ist immer eine schwierige Sache, das richtige Maß zu finden. Einerseits sollen Menschen sensibel genug sein, um Probleme zu erkennen und zudem noch "die Geister unterscheiden", was denn nun falsch und richtig ist, andererseits sollen sie nicht richten und verurteilen. Das beißt sich tatsächlich irgendwo. Denn wer unterscheidet und Probleme erkennt, trägt sie natürlich nicht wortlos mit, sondern macht sich Gedanken um Möglichkeiten, ob sie nicht geändert werden können. Finden sich keine Möglichkeiten, zieht man die Konsequenzen (so habe ich jetzt auch den Threadersteller verstanden).
Das Grundproblem ist: in einer Gruppe, in der alle die Klappe halten, wenn Mist läuft, fühlen sich jene die den Mist bauen, pudelwohl und freuen sich über die soziale Anerkennung. Das ist glaube ich ein genereller Konflikt.

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Re: Kirchenaustritt - eine Option?

Beitrag von taddeo » Sonntag 21. September 2014, 13:14

lutherbeck hat geschrieben:ich habe seit Monaten das Gefühl, nur noch am Rande der Gemeinde dabei zu sein;
gewissermaßen eine "symbolische Zugehörigkeit zur Kirche quer durch die Zeiten", aber nicht mehr zu den real existierenden Gemeinden...

Da ist der Schritt nach draußen nicht mehr weit...

:/
Dieses Gefühl kenne ich seit Jahrzehnten, als ich wegen des Studiums und wechselnder Wohnorte eigentlich nirgends eine "real existierende Gemeinde" hatte, ich der ich mich längere Zeit zuhause gefühlt hätte. Aber ich habe das eigentlich nie als Problem empfunden, im Gegenteil. Es hat in mir das Bewußtsein wachsen lassen, wirklich "katholisch" zu sein: überall war ich gleichermaßen zuhause, ob in Regensburg, Rom, oder hier in Niederbayern, ob in römisch oder byzantinisch gefeierten Gottesdiensten. Daß ich heute in einer Ortspfarrei fest verankert bin, hat nur mit der bürgerlichen Seßhaftigkeit zu tun; ich geh aber immer wieder gern auch anderswohin in die Messe.

Es ist vielleicht für Dich ein Fingerzeig, daß die Pfarreien, die "real existierenden Gemeinden", nicht das Wesen der Kirche ausmachen, sondern nur Erscheinungsformen sind. Du scheinst instinktiv zu spüren, daß Du auch ohne diese Menschenansammlungen zu einer Kirche gehörst oder gehören willst, die mehr ist als ein Vereinslokal.
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Re: Kirchenaustritt - eine Option?

Beitrag von phylax » Sonntag 21. September 2014, 13:20

Du gehörst auch dazu, wenn Du am Rand der Gemeinde stehst.
Rein physikalisch schon können nicht alle in der Mitte stehen.
Warte, bis wieder jemand/etwas auf Dich zukommt.
Solltest Du aber von all dem gekränkt sein, wäre doch eine Selbstprüfung nützlich
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Re: Kirchenaustritt - eine Option?

Beitrag von TillSchilling » Sonntag 21. September 2014, 13:47

lutherbeck hat geschrieben: Und wenn ein wie auch immer geartetes Engagement meinerseits ( ich hätte gern wieder mehr Gewicht auf die Kernkompetenzen jenseits aller Sozialromantik gelegt...) irgendwie nicht erwünscht oder pasend ist - auch ok...
Wenn das vom Pfarrer nicht gewünscht wird, hast du keine Chance. So eine Grundausrichtung einer Gemeinde kannst du als Gemeindemitglied nicht verändern. Da kannst du nur beten, dich in der Gemeinde und Landeskirche vernetzen und hoffen dass es besser wird. Gegen Unglaube helfen keine Argumente.
lutherbeck hat geschrieben: Aber das hilft mir auch nicht weiter; ich habe seit Monaten das Gefühl, nur noch am Rande der Gemeinde dabei zu sein;
gewissermaßen eine "symbolische Zugehörigkeit zur Kirche quer durch die Zeiten", aber nicht mehr zu den real existierenden Gemeinden...

Da ist der Schritt nach draußen nicht mehr weit...
Vielleicht gehören ja auch die anderen Glieder deiner "real existierenden Gemeinde" nicht zur Kirche Jesu Christi. Christiani Ecclesia sunt. Nicht einfach alle irgendwie allgemein-religiösen Mitglieder einer Landeskirche. Vielleicht fühlst du dich ja auch deswegen so fremd weil du einen anderen Geist hast.

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Reinhard
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Re: Kirchenaustritt - eine Option?

Beitrag von Reinhard » Sonntag 21. September 2014, 13:58

lutherbeck hat geschrieben:....
Da ist der Schritt nach draußen nicht mehr weit...

:/
Noch einmal: Fokussier Dich nicht zu sehr darauf, wie Du Dich dort aufgehoben fühlst ! - solche Eindrücke können trügen.
Viel wichtiger ist es, welches Dein Platz ist, aus Gottes Perspektive: also die Frage der Berufung, oder mit anderen Worten: "Wo möchte Gott, dass ich stehe und mich einbringe ?"

In meiner eigenen Geschichte habe ich es auch erlebt, dass ich in der (ev.) Gemeinde aktiv mitgearbeitet habe, über mehr als 10 Jahre, und inhaltlich andauernd das Gefühl hatte, die ganze Zeit auf der Stelle zu treten. Es war nichts zu bewegen, ich habe mich regelrecht dort aufgerieben.
Später ging dann mein Weg in die kath. Kirche, und jetzt habe ich den Eindruck, dass ich angekommen bin, und es bewegt sich etwas. (nicht nur etwas, sondern ganz schön viel ! ;) ) Dass "Gottes Segen jetzt endlich fließt" würde ich fast sagen. Dennoch war diese Zeit des Frustes notwendig und richtig, als eine Etappe auf dem Weg mit Gott, eine Zeit der Vorbereitung. Da bin ich mir ganz sicher.

Aber, und darum "harfe" ich so auf dem Gebet und der Stille vor Gott herum, das Entscheidende ist, dass Du Deine Beziehung zu Gott pflegst, und Dir von dort her die Orientierung holst, "was jetzt dran ist" - - alles andere sind jetzt "zweite Fragen" !

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Re: Kirchenaustritt - eine Option?

Beitrag von Heinrich II » Sonntag 21. September 2014, 14:28

taddeo hat geschrieben: Dieses Gefühl kenne ich seit Jahrzehnten, als ich wegen des Studiums und wechselnder Wohnorte eigentlich nirgends eine "real existierende Gemeinde" hatte, ich der ich mich längere Zeit zuhause gefühlt hätte. Aber ich habe das eigentlich nie als Problem empfunden, im Gegenteil. Es hat in mir das Bewußtsein wachsen lassen, wirklich "katholisch" zu sein: überall war ich gleichermaßen zuhause, ob in Regensburg, Rom, oder hier in Niederbayern, ob in römisch oder byzantinisch gefeierten Gottesdiensten. Daß ich heute in einer Ortspfarrei fest verankert bin, hat nur mit der bürgerlichen Seßhaftigkeit zu tun; ich geh aber immer wieder gern auch anderswohin in die Messe.

Es ist vielleicht für Dich ein Fingerzeig, daß die Pfarreien, die "real existierenden Gemeinden", nicht das Wesen der Kirche ausmachen, sondern nur Erscheinungsformen sind. Du scheinst instinktiv zu spüren, daß Du auch ohne diese Menschenansammlungen zu einer Kirche gehörst oder gehören willst, die mehr ist als ein Vereinslokal.
Ich kann das oben Geschriebene nur unterstützen. Kirche ist mehr als die örtliche Gemeinde (jedenfalls bei uns Katholiken). :daumen-rauf:
Wer euch ein anderes Evangelium verkündet, als ihr angenommen habt, der sei verflucht. Geht es mir denn um die Zustimmung der Menschen, oder geht es mir um Gott?

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Re: Kirchenaustritt - eine Option?

Beitrag von heiliger_raphael » Sonntag 21. September 2014, 16:18

Reinhard hat geschrieben:Noch einmal: Fokussier Dich nicht zu sehr darauf, wie Du Dich dort aufgehoben fühlst ! - solche Eindrücke können trügen.
Viel wichtiger ist es, welches Dein Platz ist, aus Gottes Perspektive: also die Frage der Berufung, oder mit anderen Worten: "Wo möchte Gott, dass ich stehe und mich einbringe ?"
Finde ich einen guten Hinweis. Ich denke dass es ganz sinnvoll ist, wenn man an der menschlichen Seite der Kirche oder Gemeinde manchmal verzweifelt, sich immer die andere Seite der Kirche in Erinnerung zu rufen und sich auch daran zu erinnern, dass Gott einen da haben möchte.

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Re: Kirchenaustritt - eine Option?

Beitrag von Maurus » Sonntag 21. September 2014, 17:02

lutherbeck hat geschrieben:Hallo zusammen; vielen Dank für eure Antworten!

Nein, mit Theodizee oder Mobbing hat das nichts zu tun, mit Glaubenszweifeln sowieso nicht.

Aber mit dem üblichen Gebaren in der Gemeinde, mit lauem Glaubensleben, mit Frömmelei, Ignoranz, Freundlichkeit aus Neugier - das ganz normale Paket eben; und auch damit, daß meine Versuche von Engagement immer Wohlwollen (dem "lieben, lieben Doktor" gegenüber) hervorrufen - aber eben immer ins Leere laufen...

Ich habe einfach keine Lust mehr...

Noch etwas: ich bin zwar lutherisch, aber seit vielen Jahren auch in der kath. Gemeinde präsent - die sich in oben genanntem Verhalten in nichts, aber wirklich gar nichts, von den Lutheranern unterscheidet...
Es ist zu fürchten, dass es in jeder x-beliebigen Gemeinde so ist. Kirche in Deutschland eben. Abhilfe schafft eine gewisse Immunisierung oder eben eine kleinere geistliche Gemeinschaft, falls eine zu finden ist.

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